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Dienstag, 24. Februar 2026

Vier Jahre Ukrainekrieg - ein Rückblick mit mit einem Vergleich mit dem Ersten Weltkrieg

Der erste Punkt, wo ich darüber nachdachte, wie stark die Parallelen des Ukrainekriegs zum ersten Weltkrieg seien, war der Stellungskrieg im Osten der Ukraine.

Einig bin ich mit Scholz in Hinsicht darauf, dass der Krieg eine Art von Zeitenwende darstellt; aber nicht so sehr wie der Erste Weltkrieg, denn es ist nicht erst damit der Krieg nach Europa gekommen, vielmehr war schon am Ende des vorigen Jahrhunderts über die Aufteilung Jugoslawiens Krieg entstanden. Und die Nato hat eifrig eingegriffen.

Mit Sicherheit war es nicht Deutschland das Land, dass den Krieg wollte und insofern an ihm schuld war. Mir scheint es gegenwärtig weiterhin so, dass die USA und mit ihr die wichtigen Politiker der Europäischen Union an ihren Zielen festgehalten haben: Ausweitung der EU und Ausdehnung der NATO, ohne zu bedenken, was das alles an Folgen haben könnte.
Es war aber nicht so, dass alle Seiten wie Schlafwandler in den Krieg gegangen wären, sondern der "Westen" war ebenso wie Russland der Meinung, dass er seine Ziele durchsetzen könne, ohne dabei unerträgliche Verluste zu erleben.

Die Krisen und Kriege auf dem Balkan vor dem Ersten Weltkrieg könnte man mit der Situation von 2014-2022 vergleichen. Alles schienen relativ begrenzt zu sein, von Deutschland aus gesehen in der Ferne "wenn hinten fern in der Türkei die Völker aufeinander schlagen" (Goethe: Faust I, Osterspaziergang)

Der übertriebene Optimismus nach der Einigung mit Gorbatschow war nicht gerechtfertigt: Weder der Gedanke, es käme "Das Ende der Geschichte" noch die Formel "Wir sind umzingelt von Freunden" hat zugetroffen. Das Ende der Geschichte war eine Illusion und Verkennung der damaligen Situation, die fast jeder erkennen konnte. Die Formel "umzingelt von Freunden" schien eine Friedensdividende möglich zu machen, ohne dass man dafür größere  Anstrengungen machen müsste. Das war ein verhängnisvoller Irrtum.

Dabei hätte man sehen müssen, dass die Veränderung nur die Konfrontation der Blöcke beseitigte, aber kein einziges Problem der übrigen Welt.

Folgen der ersten 4 Jahre Krieg in Zahlen:
"Der Ukrainekrieg hat bisher schätzungsweise sehr hohe Verluste gefordert. Die kombinierten militärischen Verluste von Russland und der Ukraine könnten bis zu 1,8 Millionen betragen und bis zum Frühjahr 2026 auf 2 Millionen steigen" (KI Ecosia) 26.2.26

Zivile Opfer in der Ukraine
14.999 davon Kinder 763 Tote
40.601, davon Kinder 2.486 Verletzte 

Vermint und zu räumen 139.000 km²
30% des Staatsgebietes

Zerstörter Wohnraum
236.000 Häuser
2.500.000 Wohneinheiten
19-13% des Wohnbestandes

Flüchtlinge
1,34 Mill. nach Deutschland
977.000 nach Polen
398.000 nach Tschechische Republik
                                                                                             Quelle Welt am Sonntag 22.2.2026








Mittwoch, 18. Februar 2026

Ukrainekrieg: Erfolg der Ukraine, seit der Abschaltung des Starlink-Systems für Russland

t-online 17.2.26  "[...] Ein Dämpfer für Moskau kurz vor Verhandlungsbeginn: Kiew gelingen im Ukraine-Krieg wichtige Rückeroberungen binnen weniger Tage – unter anderem dank US-Milliardär Musk.

Während sich in der Schweiz Delegationen aus Moskau, Kiew und Washington einfinden, um über ein Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zu verhandeln, melden Militärexperten neue Rekorde: Allein zwischen Mittwoch und Sonntag hat die ukrainische Armee nach Angaben der Denkfabrik "Institute for the Study of War" (ISW) 201 Quadratkilometer des eigenen Staatsgebiets von der russischen Armee zurückerobert. Der Analyse zufolge entspricht das dem schnellsten Geländegewinn der Ukrainer seit einer Gegenoffensive im Juni 2023.[...]"

https://www.t-online.de/nachrichten/ukraine/id_101132304/russischer-angriffskrieg-ukraine-meldet-ueberraschende-gelaendegewinne.html

Starlink

Sonntag, 20. Juli 2025

Russische Kriegswirtschaft

 Jetzt sind die eigenen Leute dran ZEIT 16.7.25

"Russland geht das Geld aus. Sogar die Prämien für Soldaten halbiert der Staat. Doch wer deshalb auf Frieden hofft, irrt. Putin hat schon neue Quellen im Visier. [...]"

Mittwoch, 7. Mai 2025

Generalinspekteur Kujat a.D. über den Ukrainekrieg

 "Kujat äußerte am 5. November 2023 in einem Interview,[32] dass der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine völkerrechtswidrig sei. Zur Vorgeschichte des Ukraine-Kriegs gehöre aber eine langfristige Entwicklung der internationalen Lage. Der Krieg hätte durch Berücksichtigung russischer Sicherheitsinteressen (a: Verzicht auf NATO-Mitgliedschaft der Ukraine, b: Entwicklung einer Lösung für die große russisch-sprechende Minderheit im Donbass) vermieden werden können. Als Folge des Informationskrieges über die militärische Auseinandersetzung würden diese Themen kaum diskutiert. Nach Beginn des Krieges seien Versuche einer friedlichen Beilegung durch den Westen gestoppt worden: In Verhandlungen in Istanbul sechs Wochen nach Kriegsbeginn sei sogar ein unterschriftsreifer Entwurf entstanden, der auf Druck vor allem der USA und Englands (Premierminister Johnson reiste dafür am 9. April 2022 in die Ukraine) nicht von der Ukraine unterzeichnet wurde. Das russische Kriegsziel sei die Konsolidierung seiner zum Staatsgebiet erklärten ukrainischen Provinzen und vermutlich auch die Einnahme von Odessa, nicht aber die Besetzung der Ukraine, um keine zusätzlichen Berührungspunkte mit NATO-Grenzen zu schaffen. In diesem Krieg werde es keinen Sieger geben: Weder könne die Ukraine ihre Gebiete zurückerobern noch Russland die Erweiterung der NATO durch Finnland und Schweden verhindern – beide Seiten hätten daher ein Interesse an der Lösung des Konflikts. Durch die widrigen Wetterumstände in Herbst und Winter trete eine Phase der „Entschleunigung“ aller Bewegungen an den Fronten ein, die für neue Schritte der Beendigung genutzt werden könnte, aber: „Es gibt die einen, die den Krieg wollen, es gibt die anderen, die den Krieg nicht verhindern wollen, und es gibt diejenigen, die den Krieg nicht verhindern können.“ Strategische Geländegewinne der ukrainischen Armee, insbesondere die Abschneidung der Krim vom Festland (die Krim sei eine wichtige logistische Drehscheibe), seien in der Sommeroffensive nicht erreicht worden. Die Verluste der ukrainischen Offensive gegen die tiefgestaffelte russische Verteidigung seien gewaltig und hätten wegen ihrer relativ geringeren Ressourcen eine größere Bedeutung. Aus ihrer Verzweiflung heraus fordere nun die Ukraine neue Waffen, um Russland in der Tiefe des Raums anzugreifen. Das bedeute eine neue Stufe der Eskalation, die letzte vor der Forderung nach dem Einsatz von NATO-Soldaten in der Ukraine und damit vor der Verwicklung von NATO-Truppen in die Kämpfe. Eine besondere Herausforderung für die ukrainische Armee seien Gefechte verbundener Waffen und die russische Luftherrschaft über dem Schlachtfeld. Neben der hohen Zahl an Gefallenen werde die Ukraine noch lange an Verletzungen von Soldaten und Zivilisten und an den raumgreifenden Zerstörungen tragen. Weitere Probleme seien eine sinkende Kampfmoral und eine erhebliche Korruption an wichtigen Stellen der Armee." (Wikipedia)

Montag, 24. Juni 2024

Die größte Wohlstandsvernichtung in der Geschichte der Bundesrepublik?

 "Corona-Maßnahmen, die Unterstützung der Ukraine und Aufrüstung haben Sonderausgaben und Kosten erzeugt, welche zu höheren Belastungen führen als die deutsche Einheit. Eine Aufstellung der Positionen verdeutlicht die Dimensionen der Verluste und die Auswirkungen auf den Wohlstandstaat. Anstatt die exorbitanten Summen in Bildung, Energieunabhängigkeit, Ausbau von Infrastruktur und Förderprogramme für sozial Benachteiligte zu investieren, werden damit wissenschaftlich äußerst fragwürdige Gesundheitsmaßnahmen, Kriege im Ausland und Waffen finanziert. 

Die politischen Entscheidungen der letzten vier Jahre haben zu Sonderausgaben und Kosten geführt, welche in Summe die Marke von einer Billion Euro erreicht haben. Im Schnitt sind das 250 Milliarden Euro pro Jahr. Ein Großteil der Verluste hätte vermieden werden können, wenn die Entscheidungen zum Wohl der deutschen Bevölkerung ausgefallen wären. [...] Von Karsten Montag.

https://www.nachdenkseiten.de/?p=117122

Samstag, 9. Dezember 2023

Voxeurop: Über die Rolle der Frauen in der Ukraine

 "Voxeurop ist die erste europäische Pressegenossenschaft und befindet sich im Besitz ihrer Leser*innen, Journalist*innen, Übersetzer*innen, Partner*innen und Gründer*innen. Dieses offene Projekt richtet sich an alle, die sich für eine unabhängige Presse einsetzen und sich für einen Journalismus engagieren möchten, der sich an ein europäisches Publikum richtet"

mehr dazu

Ukraine: Feminismus im Angesicht des Krieges

"Seit dem 1. Oktober 2023 sind ukrainische Frauen zwischen 18 und 60 Jahren, die im medizinischen Bereich arbeiten, verpflichtet, vor einer Militärkommission zu erscheinen, um sich für einen möglichen Dienst in der Armee zu registrieren. Die Einberufung betrifft Ärztinnen, Krankenschwestern, Hebammen, Zahnärztinnen und Apothekerinnen. Auch wenn nicht alle von ihnen zu den Streitkräften einberufen werden, müssen sie diese Möglichkeit nun in Betracht ziehen. Nur schwangere Frauen, Frauen im Mutterschaftsurlaub, alleinstehende Mütter oder Mütter kinderreicher Familien, Mütter, die behinderte Kinder betreuen und Ehefrauen von Soldaten der ukrainischen Streitkräfte können von einer Befreiung profitieren.

Militärische Pflicht für Frauen: Einige ukrainische Feministinnen sind der Meinung, dass die Gleichheit bei der Mobilisierung noch weiter gehen sollte und Frauen genauso wie Männer in die Armee eingezogen werden sollten, wie es in Israel der Fall ist. [...]" (voxeurop 6.12.2023)


Donnerstag, 30. November 2023

Schwierigkeiten bei ukrainischer Angriffsstellung

"[...] Zu Beginn des zweiten Winters während des Ukraine-Krieges stehen die Streitkräfte der Ukraine vor Herausforderungen: für die Soldaten am Fluss Dnipro spitzt sich die Lage zu, da ihre Stellungen größtenteils noch nicht winterfest seien, sagt Markus Reisner in einem Interview mit N-TV. Reisner ist Militärexperte Oberst des österreichischen Bundesheeres.

Die ukrainischen Soldaten sind dabei im Nachteil gegenüber der russischen Armee: Ihre Stellungen befinden sich in offenem Gelände, wodurch sie den niedrigen Temperaturen fast schutzlos ausgeliefert sind. Russland konnte seine Stellungen hingegen vorbereiten und winterfest machen. [...]" FR 30.11.23

https://www.fr.de/politik/dnipro-ukraine-soldaten-kaempfen-an-der-front-mit-wintereinbruch-zr-92702523.html

Montag, 27. November 2023

Beim Stellungskrieg setzen Russland und Ukraine jetzt verstärkt auf Drohnen

https://www.fr.de/politik/offensive-russland-ukraine-krieg-drohnen-schahed-schwarz-luftraum-verteidigung-kiew-zr-92696013.html

https://www.fr.de/politik/ukraine-russland-krieg-drohnen-roboter-waffen-moskau-kiew-zr-92696371.html

 Drohnen statt Menschen zu verheizen ist offenbar eine humanere Strategie. Praktisch heißt das, dass die europäischen Staaten mit dem Öl und Gas, das sie - zum Teil auf dem Weg durch die Ukraine, zum Teil über andere Staaten aus Russland beziehen, den russischen Krieg und mit ihren Finanzhilfen an die Ukraine den ukrainischen Krieg bezahlen. 

Das bedeutet mit der Zerstörung wichtiger Infrastruktur mehr CO2-Ausstoß für die Herstellung der Waffen und Wiederbeschaffung der zerstörten Werte eine Beschleunigung des Klimawandels. Und wegen der mit Drohneneinsatz verbundenen Tötung von Bewohnern des jeweils feindlichen Landes Finanzierung der Tötung von Zivilisten statt Soldaten. 

Freitag, 9. Juni 2023

Zu den Friedensverhandlungen im Ukrainekrieg

 "Einen Monat nach dem Beginn der Invasion begannen in der Türkei Verhandlungen zwischen den Regierungen der direkt im Krieg gegeneinander stehenden zwei Staaten.

Diese Verhandlungen waren konkret und fast bis zu einem unterschriftsreifen Abschluss gediehen, wie es u.a. die Berliner Zeitung berichtete:

„Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein Ende des Krieges kommen nach Angaben der Türkei voran und stehen angeblich kurz vor einer Einigung. ‚Natürlich ist es nicht einfach, während der Krieg tobt, aber wir glauben, dass es vorangeht‘, sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Sonntag. ‚Wir sehen, dass die Parteien kurz vor einer Einigung stehen.‘ … Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bekräftigte in einem am Sonntag vom US-Nachrichtensender CNN ausgestrahlten Interview, dass er ‚zu Verhandlungen‘ mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin bereit sei. Die Verhandlungen mit Russland seien der einzige Weg, ‚diesen Krieg zu beenden‘. … ‚Aber wenn diese Versuche scheitern, würde das bedeuten, dass der Konflikt in der Ukraine ein dritter Weltkrieg ist‘, warnte er.“

[...]" 

Hier der Link zum Bericht der Berliner Zeitung vom 20.3.2022

Das nichts über den gegenwärtigen Stand von Verhandlungen berichtet wird, hat vermutlich gute Gründe von beiden Seiten, sonst häät bestimmt mindestens eine Seite darüber geschrieben.

Mehr zum Zusammenhang von Bernhard Trautvetter auf den Nachdenkseiten, 

Diese Argumentation erscheint mir nicht zwingend; ich kann sie aber aufgrund meiner beschränkten Kenntnisse auch nicht von der Hand weisen.

Dienstag, 30. Mai 2023

Was kann getan werden, um den Ukrainekrieg zu beenden?

 Die US-Zeitung „New York Times“ veröffentlichte am 16. Mai 2023 eine ganzseitige Anzeige zum Krieg in der Ukraine. Der Text ist von 14 hochrangigen US-Sicherheitsexperten unterzeichnet. Die Überschrift lautet „Die USA sollten eine Kraft für den Frieden in der Welt sein“. Die Autoren rufen Präsident Biden auf, seine „volle Macht zu nutzen, um den Russland-Ukraine-Krieg schnell und diplomatisch zu beenden, insbesondere angesichts der ernsten Gefahren einer militärischen Eskalation, die außer Kontrolle geraten könnte“.

Oskar Lafontaine, 30.5.2023 auf den Nachdenkseiten

Samstag, 18. März 2023

„Dialog braucht Raum ohne Raketendonner“

 

„Dialog braucht Raum ohne Raketendonner“ FR 18.3.23

Friedensforscherin Corinna Hauswedell spricht mit Bascha Mika über Putin, ihre Unterschrif bei Wagenknecht und Wege aus dem Krieg.

[...] In der Debatte zum Ukrainekrieg hat der Pazifismus einen schweren Stand. Warum eigentlich?

Einen schweren Stand hat er immer, wenn Frieden in Gesellschaften oder zwischen Staaten zerbricht. Was nicht unbedingt heißt, dass pazifistische Positionen auch denunziert werden. Doch was wir gerade erleben, ist eine Diskreditierung des Pazifismus verbunden mit der Dominanz eines militärisch geprägten Sicherheitsdiskurses ... 

... und eine unerträgliche Rechthaberei bei all den kalten Kriegern in Politik und Medien ...

... aber durchaus auch bei den Gegenspielern. Der moralische Anspruch, auf der besseren Seite der Geschichte zu stehen, ist eines der zentralen Probleme im gegenwärtigen Diskurs. Diese Haltung zeigt sich ganz oben im Außenministerium ebenso wie in der Zivilgesellschaft. Wenn es zur Kontroverse kommt, wird die andere Seite stets als die weniger gute abqualifiziert. Würden wir akzeptieren, dass dieser Krieg bei uns allen eine ungeheure Erschütterung ausgelöst hat, wären die öffentlichen Debatten vielleicht weniger vergiftet. [...]

Wie bei vielen anderen Gewaltkonflikten hat auch dieser Angriffskrieg seine Ursachen und eine Vorgeschichte der verpassten Chancen für einen neuen europäischen Frieden nach dem Kalten Krieg. Ich habe lange über den Nordirland-Konflikt gearbeitet. Im Rückblick sieht der klein aus gegenüber dem, was wir gegenwärtig erleben. Aber strukturell ist vieles vergleichbar. Nicht zuletzt, dass wir ein großes, (post-)imperiales Land im Konflikt mit einem kleineren erleben, dem bereits blutige Auseinandersetzungen und bürgerkriegsähnliche Kämpfe vorausgegangen sind. 

Und welchen Schluss ziehen Sie daraus?

Dass aus meinem Mitgefühl für die Opfer nicht folgen kann, militärisch für sie Partei zu ergreifen. Meine Sympathien für die Katholiken in Nordirland bedeuteten nicht, die Bewaffnung der IRA zu befürworten. Als Außenstehende sind wir gut beraten, das Spiel nicht mitzuspielen, das der Konflikt vorgibt ... 

... was wir mit Waffenlieferungen an die Ukraine tun? Obwohl das Land Opfer der russischen Aggression ist?

Dass Putin der brutale Aggressor und die Ukraine das Opfer ist, steht zweifellos fest. Dennoch bedeutet die Lieferung von Panzern und erst recht die von Kampfflugzeugen eine weitere Eskalation des Krieges. Deshalb sollten wir das nicht tun. Als Kennerin von Dynamiken, die durch Waffen ausgelöst werden, kann ich nur sagen: Kampfjets markieren eine neue Qualität. Sie überfliegen sozusagen die ohnehin problematische Grauzone zwischen Defensive und Offensive.

Dennoch wollen Polen und die Slowakei Kampfflugzeuge an die Ukraine liefern ...

... während die Rand Corporation – ein einflussreicher US-Thinktank – jetzt für Waffenstillstand und Verhandlungen plädiert. Für mich überschreitet es auch eine Grenze, dass Rheinmetall plant, ein Panzerwerk in der Ukraine zu bauen, damit die deutsche Rüstungsindustrie dort Waffen produzieren kann. Dieter Senghaas, einer der Urväter der deutschen Friedensforschung, hat bereits in den 1970er Jahren beschrieben, wie Rüstungsgüter und -exporte eine Art „Autismus“ entwickeln, der auf ihren Einsatz drängt. [...]

Der Absturz einer US-Drohne über dem Schwarzen Meer jüngst und die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Russland und den USA illustrieren das Ausmaß der Risiken weiterer Eskalation: Es ist ein hybrider, zwischenstaatlicher Krieg mit einer sehr starken geopolitischen Komponente. Diese Komponente macht es wahnsinnig kompliziert, den Kriegsverlauf objektiv zu beurteilen, erst recht, Friedensstrategien und -akteure zu identifizieren. Aber umso dringlicher ist es ...

... die Frage zu beantworten, wie die Gewalt beendet werden kann.

Ja, aus pazifistischer Sicht müssen wir einen Konflikt immer von einer möglichen Friedenslösung aus betrachten und nicht nur auf den Kriegsverlauf schauen. Und das heißt auch, dass ab einem bestimmten Punkt alle an den Tisch müssen, die vermeintlich „Guten“ sowie die „Bösen“ – auch das eine Lehre aus anderen Konflikten.

Wer Verhandlungen fordert, dem wird gern das Münchner Abkommen von 1938 entgegengehalten. Tenor: Putin ist gleich Hitler, Verhandlungen würde er nur zur weiteren Aufrüstung nutzen.

Der Vergleich hinkt, denn das Münchner Abkommen wurde vor dem Überfall Hitlers auf Polen geschlossen. Aber klar kann es passieren, dass Russland in einer fragilen, waffenstillstandsähnlichen Situation wieder aufrüstet. Das ist bei Waffenstillständen fast immer so. Dennoch darf man deshalb nicht darauf verzichten, auf eine Waffenruhe zu drängen; Dialog braucht Raum ohne Raketendonner.

Wer sollte denn drängen?

Putin geht es gegenwärtig nicht um die Beendigung des Krieges, Selenskyj aber auch nicht. Wenn das so ist, müssen andere dafür sorgen. Die UN sollten Räume bereitstellen, in denen das globale Interesse an gemeinsamer Sicherheit signalisiert werden kann. Die Initiativen von China, Indien, Brasilien müssen ernster geprüft werden. Zunächst muss es um die Vorstufe zu Verhandlungen gehen, um „Talks about Talks“, in denen Gesprächsinhalte abgesteckt werden. Es gibt ja bereits Gespräche der beiden schwer verfeindeten Parteien – über Getreideabkommen zum Beispiel oder Gefangenenaustausch, also Themen von internationalem und gegenseitigem Interesse. [...]"

„Dialog braucht Raum ohne Raketendonner“ FR 18.3.23

Dienstag, 28. Februar 2023

Friedensdemonstrationen Ende Februar 2023

 Da über die Demonstrationen nur sehr unvollständig berichtet wurde, hier ein paar Hinweise:

25.2. Friedensdemonstration in Bonn mit Margot Käßmann

25.2. Friedensdemonstration in Köln mit Margot Käßmann, Aufruf des Friedensforums (pdf)

         Käßmanns Rede in Köln: Bezug auf Prantl und Habermas, 300 000 Kriegsflüchtlinge aus Russland, ihren Vater, der von 18 J. bis 25. J. als Hitlers Soldat gekämpft und bis zu seinem Tod den Krieg gehasst. Pazifisten zu beschimpfen, ist unwürdig einer demokratischen Diskussion. Wir distanzieren uns nicht von anderen Demonstrationen anderer Demonstrationen, die für einen Waffenstillstand und Verhandlungen eintreten, sei es in Berlin oder anderswo, Wir brauchen für die Zukunft dieser Welt keine Aufrüstung, sondern Abrüstung. Wir wollen eine entwaffnete Welt.

Käßmann im Interview in Phoenix

Referat von Käßmanns Position:

"Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann, die auch zu den Unterzeichnern des ‚Manifest für den Frieden‘ gehört, hat ihre Kritik an der derzeitigen westlichen und deutschen Politik hinsichtlich des Krieges in der Ukraine erneuert. „Mir ist wichtig, dass es in Deutschland nicht nur ständig eine Diskussion um noch mehr Waffen, erst Helme, dann Verteidigungswaffen, dann Angriffspanzer und vielleicht auch Jagdbomber gibt, sondern dass die Diskussion sich darauf konzentriert, wie schnellstmöglich das Töten in der Ukraine gestoppt werden kann“, äußerte sich Käßmann im Fernsehsender phoenix. Viele Menschen in Deutschland hätten Angst, dass sich der Krieg ausweiten könne. Sie verstehe zwar die Argumente derjenigen, die darauf pochten, dass die Ukraine vor Verhandlungen die besetzten Gebiete zurückerhalte, „aber wie viele hunderttausende Tote soll es noch geben bis dahin“, meinte Käßmann und fügte hinzu: „Um der Menschen willen ist es doch wichtig, dass es sofort einen Waffenstillstand gibt und dann über die Maßnahmen verhandelt wird, wie es zum Frieden kommt“. Gerade in Deutschland sei es über Jahrzehnte Konsens gewesen, keine Waffen in Kriegs- und Krisengebiete zu liefern. „Dass das einfach über den Haufen geworfen wird, dafür müssen wir uns als Deutsche verantworten“, war die frühere EKD-Ratsvorsitzende überzeugt. Die deutsche Außenministerin habe zwar recht mit ihrer Auffassung, dass auch deutsche Waffen Menschenleben schützten. „Aber es stimmt eben auch, dass unsere Waffen Menschen töten“, so Käßmann. Sie habe im Übrigen nicht damit gerechnet, dass sich auch die AfD und rechte Kreise dem Manifest für den Frieden anschließen würden. „Ich finde das bedrückend und belastend. Wir müssen uns offenbar damit abfinden, dass die rechte Szene rund um die AfD ständig Aktionen kapern will“, erklärte Käßmann. Wer für den Frieden demonstriere, könne jedoch nicht den Nationalismus befördern wollen. Sie werde sich jedoch von diesen Entwicklungen nicht abschrecken lassen. „Ich werde deshalb nicht zu Hause bleiben und sagen, jetzt traue ich mich nicht mehr auf die Straße und dort meine Meinung zu sagen.“ "

Jürgen Habermas in der Süddeutschen Zeitung vom 14.2.2

"[...] Seit Monaten ist der Frontverlauf eingefroren. Unter dem Titel „Der Abnutzungskrieg begünstigt Russland“ berichtet beispielsweise die FAZ über den für beide Seiten verlustreichen Stellungskrieg um Bachmut im Norden des Donbass und zitiert die erschütternde Aussage eines leitenden Nato-Funktionärs: „Es sieht dort aus wie in Verdun.“ Vergleiche mit dieser grauenhaften, der längsten und verlustreichsten Schlacht des Ersten Weltkrieges haben mit dem Ukrainekrieg nur entfernt und nur insofern etwas zu tun, als ein anhaltender Stellungskrieg ohne größere Veränderungen des Frontverlaufs gegenüber dem „sinngebenden“ politischen Ziel des Krieges vor allem das Leiden seiner Opfer zu Bewusstsein bringt. Der erschütternde Frontbericht von Sonja Zekri, der seine Sympathien nicht verhehlt, aber auch nichts beschönigt, erinnert tatsächlich an Darstellungen des Grauens an der Westfront von 1916. Soldaten, „die sich an die Kehle gehen“, Berge von Toten und Verwundeten, die Trümmer von Wohnhäusern, Kliniken und Schulen, also die Auslöschung eines zivilisierten Lebens – darin spiegelt sich der destruktive Kern des Krieges, der die Aussage unserer Außenministerin, dass wir „mit unseren Waffen Leben retten“, doch in ein anderes Licht rückt. [...]

Denn abgesehen von den Menschenleben, die der Krieg mit jedem weiteren Tag fordert, steigen die Kosten an materiellen Ressourcen, die nicht in beliebigem Umfang ersetzt werden können. Und für die Regierung Biden tickt die Uhr. Schon dieser Gedanke müsste uns nahelegen, auf energische Versuche zu drängen, Verhandlungen zu beginnen und nach einer Kompromisslösung zu suchen, die der russischen Seite keinen über die Zeit vor dem Kriegsbeginn hinausreichenden territorialen Gewinn beschert und doch ihr Gesicht zu wahren erlaubt.

Abgesehen davon, dass westliche Regierungschefs wie Scholz und Macron telefonische Kontakte mit Putin aufrechterhalten, kann auch die in dieser Frage anscheinend gespaltene US-Regierung die formale Rolle eines Unbeteiligten nicht aufrechterhalten. Ein haltbares Verhandlungsergebnis kann nicht ohne die USA in den Kontext von weitreichenden Vereinbarungen eingebettet werden. Daran sind beide kriegführenden Parteien interessiert. Das gilt für Sicherheitsgarantien, die der Westen für die Ukraine gewährleisten muss. Aber auch für das Prinzip, dass die Umwälzung eines autoritären Regimes nur insoweit glaubwürdig und stabil ist, wie sie aus der jeweils eigenen Bevölkerung selbst hervorgeht, also von innen getragen wird.

Der Krieg hat überhaupt die Aufmerksamkeit auf einen akuten Regelungsbedarf in der ganzen mittel- und osteuropäischen Region gerichtet, der über die Streitobjekte der Kriegsparteien hinausreicht. Der Osteuropa-Experte Hans-Henning Schröder, ehemaliger Direktor des Deutschen Instituts für internationale Politik und Sicherheit in Berlin, hat (in der FAZ vom 24. Januar 2023) auf die Abrüstungsvereinbarungen und ökonomischen Rahmenbedingungen hingewiesen, ohne die keine Vereinbarung zwischen den unmittelbar Beteiligten stabilisiert werden kann. Schon die Bereitschaft der USA, sich auf solche Verhandlungen von geopolitischer Reichweite einzulassen, könnte sich Putin zugutehalten.

Gerade weil der Konflikt ein umfassenderes Interessengeflecht berührt, ist nicht von vornherein auszuschließen, dass auch für die einstweilen einander diametral entgegengesetzten Forderungen ein für beide Seiten gesichtswahrender Kompromiss gefunden werden könnte."


27.2. Demonstration in Berlin (Video)

 Sarah Wagenknecht bei Lanzmann

Insgesamt war das Presseecho - so weit ich es feststellen konnte - schwach und Berichte meist ziemlich unvollständig. 

Friedensbewegung gestern und heute: diffamiert als ferngesteuert

Zitate:

Heiner Geißler 1983 zitiert von wdr 2008

 Er zitiert sinngemäß aus einem "Spiegel"-Interview mit dem grünen Abgeordneten Joschka Fischer: "Es sei angesichts von Auschwitz zu bedenken, ob jetzt wieder eine Massenvernichtung vorbereitet werde; früher entlang dem Koordinatensystem der Rasse und heute entlang dem Ost-West-Konflikt." Fischer ruft dazwischen: "Sie sollten sauber zitieren!" Geißler fährt fort: "Der Pazifismus der 30er Jahre, der sich in seiner gesinnungsethischen Begründung nur wenig von dem unterscheidet, was wir in der Begründung des heutigen Pazifismus zur Kenntnis zu nehmen haben, dieser Pazifismus der 30er Jahre hat Auschwitz erst möglich gemacht." Tumulte brechen aus. Der SPD-Abgeordnete Ernst Waltemathe, dessen pazifistische Verwandte in Auschwitz getötet worden sind, will von Geißler wissen, ob die Opfer demnach an ihrer Vernichtung selbst schuld gewesen seien. Die FDP-Abgeordnete Hildegard Hamm-Brücher fragt mit Tränen in den Augen, was der Pazifismus mit dem Judenhass der Nazis zu tun gehabt habe.

nachdenkseiten 1.3.2023:

"„Viele Menschen“, bedauerte der damalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler, „nehmen an Veranstaltungen teil, ohne zu wissen, dass sie von moskautreuen Kommunisten initiiert und gelenkt werden.“ Aus heutiger Sicht erstaunlich: Der SPIEGEL druckte zwar die Zitate dieser Unionspolitiker, ordnete sie jedoch kritisch ein und setzte ihnen Argumente entgegen, die diese Diffamierungen widerlegten. Ein wenig überspitzt könnte man sagen: Der SPIEGEL machte damals den Job, den heute alternative Medien wie die NachDenkSeiten übernehmen müssen.Ein wenig überspitzt könnte man sagen: Der SPIEGEL machte damals den Job, den heute alternative Medien wie die NachDenkSeiten übernehmen müssen." 

Richard von Weizsäcker in seiner Rede vom 8.5.1985:

"Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder Türken,
gegen Alternative oder Konservative,
gegen Schwarz oder Weiß.

Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander."

mehr zum Thema auf Youtube

Aktuelle Meldung:

"[...] Das Kriegsgeschehen erinnere an die Grabenkämpfe im Ersten Weltkrieg, und die ukrainischen Streitkräfte seien den Angreifern aus Russland derzeit in einigen Schlüsselbereichen zahlenmäßig stark unterlegen, sagte ein ranghoher EU-Beamter heute in Brüssel. [...]

Um der Ukraine die dringend benötigte Munition zur Verfügung zu stellen, wird derzeit erwogen, lieferwilligen Mitgliedstaaten einen deutlich höheren Anteil der Kosten aus EU-Mitteln zu erstatten als bislang. In einem bereits am Mittwoch bekannt gewordenen Diskussionspapier für die Mitgliedstaaten wird eine Rückerstattungsquote von bis zu 90 Prozent vorgeschlagen. [...]

Für die Rückerstattung von Munitionskosten wird vorgeschlagen, eine weitere Milliarde Euro aus der sogenannten Europäischen Friedensfazilität zu mobilisieren. Bei ihr handelt es sich um ein Finanzierungsinstrument, über das die EU bereits heute Waffen und Ausrüstung liefert sowie die Ausbildung der ukrainischen Streitkräfte fördert. [...]" (FR 2.3.23)


Donnerstag, 23. Februar 2023

Werden die Nato-Staaten ihrer Verantwortung gerecht?

 "Ich habe von Anfang an gesagt, ich bin nicht gegen Waffenlieferungen an die Ukraine. Als Mediziner, als Mensch, musste ich während meiner Hilfseinsätze mehrfach erleben, wie ein Aggressor Tod, Leid und Traumatisierung über eine brutal überfallene Zivilbevölkerung bringt. Es war ein schmerzlicher persönlicher Erkenntnisprozess, aber mittlerweile habe ich es akzeptiert, dass es Situationen gibt, in denen man einem Aggressor militärisch entgegentreten muss.

"Brauchen Szenarien, die aus der Gewaltspirale herausführen"

Nach einer Akutphase ist es aber in jedem Krieg unabdingbar, Szenarien zu entwickeln, die aus der Gewaltspirale wieder herausführen. Leider lassen die Nato-Staaten hier keinerlei Initiative erkennen, obwohl sie als Waffenlieferanten eine große Verantwortung tragen und entsprechend einflussreich sind. "

(Gerhard Trabert: Krieg in der Ukraine: Stopp aller Waffenlieferungen und Kapitulation?, 22.2.23)

Montag, 13. Februar 2023

Alice Schwarzer zur Vorgeschichte des Ukrainekriegs

 "Der Geburtsfehler des Ukraine-Konflikts war, dieses Land vor die Alternative zu stellen: EU oder Russland! Denn die Ukraine ist ein Brückenland, neigt halb zum Westen, halb zum Osten und genau das hätte sie auch bleiben sollen. Aber das scheint jetzt verspielt. Statt diese West/Ost-Lage als Stärke zu begreifen, ist sie nun eine Schwäche und befindet sich das Land in einer Zerreißprobe. Für diese Zerreißprobe tragen beide Verantwortung: Putin, aber auch der Westen". (18.3.2014)

Kommentar vom 12.2.2023 auf Twitter: "Schwarzer hat mit diesem Text eigentlich alles verraten, wofür sie je gestanden hat."

Diese Ansicht ist verständlich, wenn die Verfasserin weder die Weltsituation vom 2013/14 noch die von 1991-2001 vor Augen hat. (Fontanefan)

Meine Erinnerungen an die Situation 2014:

https://fontanefansschnipsel.blogspot.com/search/label/Ostukraine

Aus Eugen Drewermanns Rede bei der Demonstration am 13.12.2014:

"Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens, wir stehen hier in den Vorweihnachtstagen um auszusprechen, was wohl jeder fühlt: Wir wollen Frieden, und keinen Krieg! Als Theologe möchte ich Herrn Gauck daran erinnern, dass er seinen Gemeinden, als er noch im Dienst war, wohl nicht erläutert hat wie die Engel über den Fluren von Bethlehem zur Friedenspolitik des Kaisers Augustus in Rom aufriefen. Genau das Gegenteil der Pax Romana war gemeint: Wer dich auf die eine Wange schlägt, dem halte noch die andere hin. Das ist das Gegenteil von Aufrüstung. Glücklich, heißt es in der Bergpredigt, wage ich die Menschen zu nennen, die in dieser Welt den Mut haben, wehrlos zu bleiben. Davon ausgehend erscheint es wie eine Perversion der christlichen Werte, die Sie vorgeben zu verteidigen, wenn Sie uns erläutern es sei Verantwortung, kriegsbereit in aller Welt* zu werden. Wir sind das nicht, wir sind dagegen! Wohl ist es wahr: Als wirtschaftsstärkster Staat Europas haben wir weltweit Verantwortung. Aber unter Frau Merkel ist die Verantwortung dahin gediehen dass wir an dritter Stelle der waffenexportierenden Länder stehen. Das will die Mehrheit in Deutschland nicht mehr dulden – WIR auf keinen Fall! Und wenn Herr Gabriel unter parlamentarischer Kontrolle Machenschaften wie Panzer nach Saudi-Arabien zumindest zu problematisieren sucht, soll er dann weiterhin zurückgepfiffen werden von dem Geheule und Gejaule der Waffenindustrie EADS, MBB, Heckler & Koch und wie sie alle heißen? Seit wann sind Geschäfte und Profite wichtiger als Menschenleben? [...]" (Hervorhebungen von Fontanefan)

* War es aus der Sicht von 2023 richtig, Deutschland am Hindukusch zu verteidigen*? War ein europäisches Haus*, war eine Friedensdividende* von vornherein ohne Chance? (Fontanefan)


* "Ein erheblicher Wohlstandsgewinn entstand durch das zwischen 1993 und 2013 praktizierte Megatonnen-zu-Megawatt-Abrüstungsprojekt. Durch die Verstromung von 500 Tonnen russischen Atomwaffenmaterials deckten die USA 20 Jahre lang 10 % ihrer Elektrizitätserzeugung ab und Russland erhielt insgesamt 17 Milliarden US-Dollar." (Wikipedia)
* Auf diesem Blog sieh auch Friedensdividende (Abrüstung in Deutschland in den 80er Jahren??)

* "Die Metapher vom gemeinsamen Haus Europa ist ein Instrument aktueller politischer Willensbildung. Mag sie zu Recht oder zu Unrecht mit de Gaulles Idee eines “Europa vom Atlantik bis zum Ural” in Zusammenhang gebracht werden, mag sie auch schon am 11.6.1961 von Konrad Adenauer zur Beschwichtigung auf einem Schlesiertreffen verwendet, ab 1981 mehrfach von Leonid Breschnew und Andrej Gromyko als Mittel zur Isolierung Europas von den USA benutzt, dann, 1987, von Michail Gorbatschow in seinem Buch “Perestroika” zu Unrecht als eigene Erfindung reklamiert worden sein, sie ist ein Mittel zur Überwindung der Vorstellung von zwei feindlichen Blöcken und zur Integration Ost- und Westeuropas. Mögen einige westliche Konservative weiter vor ihr warnen (die Zahl der Warnenden ist in den letzten Wochen klein geworden): für Menschen in Osteuropa ist sie heute ein Symbol der Hoffnung, ein gebilligtes Symbol selbst unter den Bedingungen der schärfsten Meinungszensur. Und sie “schmückt” in den letzten Monaten zunehmend öfter die Reden westlicher Politikerinnen und Politiker. Die Funktion der politischen Metapher als “ornatus”, als reiner Schmuck der Rede, wie sie von Quintilian behauptet wurde, tritt heute zunehmend in den Hintergrund: Wir rechnen die Metapher zur rhetorischen Topik, zur Argumentationslehre. [...]" (Hervorhebungen von Fontanefan)



Mittwoch, 4. Januar 2023

Moskau, November 2022: Eine Reise für den Frieden

 https://www.nachdenkseiten.de/?p=92101

Reiner Braun, einer der führenden Köpfe der deutschen Friedensbewegung, ist im Spätherbst letzten Jahres nach Moskau gereist, um sich vor Ort Eindrücke von der Lage und der Stimmung der Menschen zu machen. Seine Gesprächspartner waren vor allem Angehörige der linken russischen Friedensbewegung, die den Krieg kritisieren. Anders als rechte Oppositionelle wie Nawalny kommen diese Stimmen in deutschen Medien jedoch nicht zu Wort.

"Lange habe ich gezögert, diese Reise zu machen – welchen Sinn kann sie haben, zu umständlich, zu teuer, zu unsicher. Doch persönliche und politische Gründe haben mich dann doch bewogen, vom 22.11. bis zum 29.11.2022 über Baku nach Moskau zu reisen. Ich wollte einen eigenen, ganz persönlichen, aber auch politischen Eindruck von der Situation bekommen, um besser beurteilen zu können, wie in „Moskau“ der Krieg gesehen wird, und weder auf die eine noch auf die andere Propaganda angewiesen zu sein. Was ich jetzt aufschreibe, sind keine wissenschaftliche Arbeit oder wissenschaftliche Erkenntnisse, es sind Impressionen eines Besuches und persönliche Eindrücke, vermittelt durch eine Vielzahl von politischen und persönlichen Gesprächen in einer besonderen Zeit, die durch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine geprägt ist. [...]"

Mittwoch, 23. November 2022

Verfassungsbeschwerde gegen Ausbildung ukrainischer Soldaten in Deutschland

 "Eine aktuelle Verfassungsbeschwerde hat der Jurist und Physiker Alexander Unzicker zu verschiedenen Aspekten der Ukrainepolitik der Bundesregierung formuliert. Die Beschwerde wendet sich dagegen, dass ukrainische Militärangehörige auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland ausgebildet werden, außerdem solle der Bundesregierung untersagt werden, sich an der EU-Unterstützungsmission zur militärischen Unterstützung der Ukraine (EUMAM Ukraine) zu beteiligen. Die Ausbildung ukrainischer Militärangehöriger durch andere Staaten, insbesondere den USA, auf deutschem Territorium müsse „durch Ausüben der deutschen Hoheitsgewalt“ verboten werden. Begründet wird die Beschwerde mit Berufung auf Art. 2 II GG: Die Ausbildung ukrainischer Militärangehöriger könne als Kriegseintritt Deutschlands aufgefasst werden. [...]"

https://www.nachdenkseiten.de/?p=90757