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Mittwoch, 1. Oktober 2025

Arm und Reich

 Reiche machen Deutschland arm

Steuergerechtigkeit — Der Staat weiß nicht, wie viel die Reichsten besitzen. Mindestens 1.400 Milliarden Euro nennen 200 Super­reiche ihr Eigen – Eigentum, das sie laut Grundgesetz verpflichtet. Ein wichtiges Argument, die Vermögenssteuer wieder einzuführen und die Erbschaftssteuer grundlegend zu reformieren

Die reichste Familie in Deutschland ­konnte sich jahrelang verstecken. Seit die Vermögenssteuer 1997 abgeschafft ­wurde, weiß der Staat nicht mehr, was die Begüterten so alles anhäufen. Und weil es den Leuten hinter dem Pharmakonzern Böhringer-Ingelheim nicht ­passte, dass alle Welt von ihren 50 bis 100 Milliarden Euro Kenntnis erhält, unter­sagten sie dem Manager Magazin, sie in der jährlich veröffentlichten „Reichstenliste“ aufzuführen. Mindestens zehn ­weiteren Milliardären ist es ebenso gelungen, unterm Radar der öffentlichen Wahrnehmung zu bleiben.

Damit haben das „Netzwerk Steuergerechtigkeit“ und die Hans Böckler Stiftung jetzt Schluss gemacht. Ihre Recherchen belegen, dass die 200 Superreichen in Deutschland mindestens 1.400 Milliarden Euro ihr Eigen nennen. Damit besitzen sie 500 Milliarden mehr, als das Manager Magazin im November ausgerechnet ­hatte. Diese zusätzlich aufgespürte Summe übersteigt deutlich den gesamten Bundeshaushalt, sie würde ausreichen, das Bürgergeld für 5,5 Millionen Menschen fast 20 Jahre lang zu finanzieren.


Wie die Reichen reich werden

„Böhringer hat sich bisher nicht bei uns gemeldet; offenbar haben sie sich damit abgefunden, dass das nun öffentlich ist“, sagt Christoph Trautvetter, einer der ­Autoren der Studie. Genau wie bei Familie Merck sind Arzneimittel die Basis ihres Riesenvermögens. Schon länger ist bekannt, dass auch die Aldi-Erben und der Lidl-Gründer Dieter Schwarz zur Spitzengruppe zählen. Ihr Erfolgsrezept: Landwirte und Lieferanten drangsalieren, um mit billigen Preisen andere Lebensmittel-Läden vom Markt zu drängen. Autokonzerne sind ebenfalls sehr einträglich: BMW und VW haben Susanne Klatten, die ­Familie Quandt und die Porsche-Nachkommen zu Multimilliardären gemacht.

Um die Spitze des Geldbergs zu erforschen, durchstöberten Trautvetter und sein kleines Team keine Geheimarchive, sondern lasen Geschäftsberichte und kombinierten verschiedene Quellen aus dem Internet. Eine Fleißarbeit – kein ­Hexenwerk. Doch während Armut in Deutschland bestens untersucht ist, gibt es beim Reichtum große Wissenslücken. Kein Lehrstuhl oder staatliches Forschungsinstitut beschäftigt sich systematisch mit dem Thema.

Das schadet der Demokratie und dem Gemeinwohl. „Die Politik agiert im Blindflug. Doch es ist nötig, dass wir offen über Geld und seine Verteilung reden“, sagt Trautvetter. Schließlich steht im Grundgesetz: „Eigentum verpflichtet. Sein ­Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Daraus folgt, dass Leute mit vielen Immobilien, Wertpapieren und dicken Bankkonten nicht für sich in Anspruch nehmen dürfen, dass ihr Reichtum allein sie etwas angeht. „Die Politik muss dafür sorgen, dass Privat­vermögen erfasst wird, damit es politisch diskutierbar wird“, so Trautvetter.

Lobbyisten spielen bei alledem eine ­zentrale Rolle. Klar: Wer viel investieren kann, um die Politik zu beeinflussen, hat bessere Karten. Gerade hat die Bürgerbewegung Finanzwende untersucht, über welches Budget die Interessenvertretungen verfügen, die im Lobbyregister des Deutschen Bundestags registriert sind. Mehr als 150 Millionen Euro im Jahr lassen sich Wirtschaftsverbände und ­Firmen diesen Posten kosten. Allein die Stiftung Familienunternehmen stellt 1,8 Millionen Euro bereit, um Einfluss auf Gesetze und politische Entscheidungen zu nehmen. Dem haben alle zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen lediglich 19 Millionen Euro entgegenzusetzen.

Viel Geld investieren die Superreichen in Grund und Boden. Eine Aldi-Erbin hat beispielsweise riesige Flächen Ackerland gekauft, auch Mietshäuser sind beliebte Anlageobjekte. Weil Boden begrenzt ist, wird er immer teurer – mit fatalen Kosten für diejenigen, die darauf wirtschaften oder wohnen. Die Pacht- und Kaufpreise für landwirtschaftliche Betriebe sind in die Höhe geschnellt, Mieten in Groß­städten explodiert. Weil es zu wenig ­Sozialwohnungen gibt, ist der Staat gezwungen, für Bürgergeld- und Wohngeldempfangende völlig überhöhte Quadratmeterpreise zu übernehmen – zur Freude der Vermieter, die nach einer Studie vom Bündnis Soziales Wohnen auf diese Weise 700 Millionen Euro aus der Staatskasse abgreifen.


Die ärmere Hälfte der Bevölkerung

So erstaunt es nicht, dass der Staat knapsen muss und die Schere zwischen arm und reich auseinandergeht. „Die Vermögensungleichheit in Deutschland (liegt) auch im internationalen Vergleich auf ­einem hohen Niveau“, stellte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bereits 2020 fest. Den Daten zufolge besitzt die ärmere Hälfte der Bevölkerung in Deutschland zusammengerechnet lediglich 2,8 Prozent des Privatreichtums.

https://www.gutefrage.net/diskussion/was-denkt-ihr-ueber-diesen-artikel-ueber-die-superreichen-deutschlands

Samstag, 10. August 2024

Zur statistischen Vermögensentwicklung ohne Eingriffe des Staates

 "Bei zufälligen Schwankungen der individuellen Renditen wird durch den Zinseszins eine Vermögenskonzentration verursacht. Joseph E. Fargione, Clarence Lehman und Stephen Polasky zeigten im Jahr 2011, dass der Zufall allein in Kombination mit dem Zinseszinseffekt zu einer unbegrenzten Konzentration des Vermögens führen kann. Dieses Ergebnis bestätigt die von Anirban Chakraborti im Jahr 2002 mithilfe von Computersimulationen gemachte Entdeckung, dass in freien Marktwirtschaften der Wohlstand auf natürliche Weise nach oben wandert.[27][28]

[...] Im sogenannten Yard-Sale Modell des indischen Physikers Anirban Chakraborti findet ein ähnlicher Zufallsprozess statt, bei dem zusätzlich das Gesamtvermögen über die Zeit konstant gehalten wird. Dazu werden innerhalb der Population zufällige Paare gebildet, die dann per Münzwurf um einen Bruchteil des jeweils kleineren Vermögens spielen: Der Verlierer verliert diesen Betrag, der Gewinner erhält ihn dazu. Auch in diesem Modell kommt es zu einer extremen Vermögenskonzentration, wobei der zeitliche Verlauf des Konzentrationsprozesses nicht wie im einfachsten Modell von Fargione, Lehman und Polasky analytisch bestimmt werden kann. Hier zeigt sich jedoch, dass sich das Gesamtvermögen nach einer gewissen Zeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den Händen eines einzigen „Oligarchenkonzentriert. Diese Art der maximalen Ungleichheit wird in der Literatur als Vermögenskondensation (wealth condensation) bezeichnet.[29][30] (Wikipedia)

Für die, die es genauer gekennzeichnet sehen wollen: Es geht natürlich nicht um einfache Statistik, sondern um Ökonophysik.

Zur Verantwortung der Superreichen:

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/monitor-reichtum-verpflichtet-110.html

Samstag, 20. Januar 2024

Topverdiener und Geringverdiener

 Wer monatlich ein Bruttogehalt von 5.859 Euro aufweist, gilt in den Augen des Finanzministeriums als Gutverdiener:in.

Personen mit einem monatlichen Einkommen zwischen 2.378 Euro und 3.313 Euro gelten als Mittelverdiener:innen. Hierzu gehören Berufe wie Busfahrer, Flugbegleiter, Kassierer, Pflegekräfte oder Kfz-Mechatroniker. Geringverdiener:innen sind diejenigen, die weniger als 1.792 Euro verdienen. Dazu zählen beispielsweise Friseure und Auszubildende.

Alle Angaben des Finanzministeriums kannst du der Tabelle entnehmen:

Mit diesem Bruttogehalt gilt du als…
Top-Verdiener:in23.277 Euro
Spitzen-Verdiener:in8.359 Euro
Gutverdiener:in5.859 Euro
Besserverdiener:in4.071 Euro
Normalverdiener:in3.314 Euro
Mittelverdiener:in2.378 Euro
Niedrigverdiener:in1.792 Euro
Geringverdiener:in1.195 Euro

Freitag, 7. Juli 2023

Geringverdiener und andererseits gesellschaftliche Unterstützung für Großverdiener?

"[...] Ich bin Alleinverdiener, weil meine Frau vor ein paar Monaten schwer erkrankt ist und Pflegestufe hat. Trotzdem bezahlen wir unser Haus ab, zahlen Steuern und versuchen unseren Kindern ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen. Ich verdiene meinem Tarif entsprechend und auch ein bisschen mehr, dennoch sind wir immer in den roten Zahlen. Ganz ohne Urlaubsreisen, neue Autos oder Markensachen. Wir kommen irgendwie durch, aber eine Rücklage fürs Alter oder ähnliches ist seit Jahren nicht mehr drin.

Bin ich nun neidisch auf besser Verdienende? Nein, bin ich nicht. Viele dieser Menschen haben sich ihren Wohlstand erarbeitet. In unserem Leben ist vieles passiert, was im Vorfeld nicht absehbar war und was es uns als Familie nun schwerer macht, wo ich nun zu dem Punkt komme, womit ich nicht einverstanden bin: die Verhältnismäßigkeiten stimmen nicht. Leute, die wohlhabend oder reich sind sollten nicht steuerlich zusätzlich entlastet werden, während Otto Normal den vollen Betrag zahlen muss. Es sollte Obergrenzen geben, die so funktionieren, dass staatliche Zuwendungen ab einer bestimmten Größenordnung entfallen, auch Kindergeld und ähnliches. Diese Beträge sollte man dann nehmen und damit Geringverdiener, Schulbildung und öffentliche Einrichtungen zu subventionieren. Wer viel Geld hat, der sollte auch mehr zahlen. Und ich rede nicht davon, dass Wohlhabende oder Reiche enteignet werden sollen, denn es würde genug für sie bleiben. [...]" (Lord Sixtus am 6.7.23 auf Twitter, zitiert, da - ungefragt - unter meinen Notifications. Dort auch kritische Reaktionen auf ihn und Beifall für ihn aufgrund ähnlicher Erfahrungen)

Lord Sixtus ist noch dabei, sein Haus abzubezahlen, offenbar ist er kein Geringverdiener.
Womit bezahlen Geringverdiener eine Wärmepumpe? Warum muss Elterngeld an Besserverdienende mit über 150 000 € ausgezahlt werden, damit deren Ehefrauen eine größere Chance auf ein wenig mehr Arbeitsteilung in der Familienarbeit erhalten? Hilft das zu mehr Arbeitsteilung?

Blog von Lord Sixtus: Wortlord (Reflexionen) - Was in den USA zum wirtschaftlichen Zusammenbruch führen würde, wird in Deutschland abgefedert.
Wie viel Lebensrisiken der einzelnen soll die Gesellschaft mittragen?

Samstag, 18. März 2023

Globalisierter Konsum

 Globalisierter Konsum

"Die umfassendste interkontinentale Wechselwirkung von Ernährungspraktiken war bereits im 16. Jahrhundert erfolgt. Dieser Columbian Exchange hatte europäische Nutzpflanzen und Tiere in der Neuen Welt eingeführt und amerikanische Pflanzen nach Asien und Europa gebracht. [...] Die Kartoffel brauchte seit der Ankunft der ersten Knollen kurz vor 1600 etwa zweihundert Jahre, bis sie in Ländern wie Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien zum wichtigsten Grundnahrungsmittel wurde. Schon viel früher hatte die Einführung ertragreicherer Reissorten die Produktion in Südostasien und China erheblich gesteigert.(S.335)
"Die amerikanische Maniok-Wurzel wurde in Afrika heimisch gemacht, [...]. Heute ist Maniok in den tropischen Teilen Afrikas die am weitesten verbreitete Nahrungspflanze." (S.336)
Kulinarische Mobilität
"Seit dem Goldrausch der Jahrhundertmitte waren Italiener in Kalifornien ansässig. Bald immigrierten sie in / viele andere Teile der USA. Sie brachten den Durum-Weizen mit, den man für italienische Pasta benötigt." (S.336/37) 
"In keinem europäischen Land spielten aus Übersee importierte Nahrungs- und Genussmittel eine größere Rolle als in Großbritannien. Die East India Company hatte, vor [...] die Briten zu einer Nation von Teetrinkern erzogen. [...] Der einzige andere exotische Import, der über den engen Kreis des Luxuskonsums hinaus die Ernährung der breiten Bevölkerung veränderte, war der Zucker. [...] Der eigentliche Aufstieg des Zuckerkonsums fand aber erst im 19. Jahrhundert statt. Die Zuckerproduktion auf der Welt verdoppelte sich zwischen 1880 und 1900 und nochmals von da an bis 1914. Der Anteil von Zucker an der durchschnittlichen Kalorienversorgung der Briten soll im Laufe des Jahrhunderts von 2 Prozent auf 14 Prozent gestiegen sein." (S.338)
"Es war eine der großen Tendenzen des 19. Jahrhunderts auf dem Ernährungssektor, dass die Industrialisierung auch die Herstellung von Fleisch erfasste und den Fleischmarkt zu einem transkontinentalen Geschäft machte. [...] Spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm in Westeuropa der Fleischkonsum auch der Unterschichten deutlich zu. Zwischen den 1860er und den 1890er Jahren verdoppelte sich der Fleischverbrauch englischer Arbeiterfamilien auf mehr als ein Pfund pro Kopf in der Woche. Die Japaner [...]  bekehrten sich von vegetarischer Ernährung zum Verzehr von Fleisch. [...] 1876 wurde erstmals argentinisches Rindfleisch per Kühlschiff nach Europa gebracht." (S.339)
"Romantische Sozialtypen wie der nordamerikanische Cowboy und der argentinische Gaucho waren das mobile Proletariat einer weltweit operierenden Fleischindustrie. [...]
1905 wurden 17 Millionen Tiere getötet. Es ist kein Zufall, dass eine der schärfsten literarischen Attacken auf den amerikanischen Kapitalismus, Upton Sinclairs Roman The Jungle (1906), seinen Schauplatz in den Chicagoer Schlachthöfen hat [...]." (S.340)

Montag, 30. Januar 2023

Muster der Ungleichheit

"ZEIT ONLINE hat Einkommensschätzungen des Informationsdienstleisters infas 360 ausgewertet und für alle 80 Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern visualisiert. Jeder einzelne Punkt steht für einen Haushalt, die Farbe symbolisiert das geschätzte Haushaltsnettoeinkommen, also das, was einem Haushalt nach Abzug von Einkommenssteuer und Sozialabgaben übrig bleibt. Zum ersten Mal wird dadurch ein Muster der Ungleichheit sichtbar, das zeigt: In vielen Teilen der Großstädte bleiben die Einkommensklassen weitgehend unter sich. Im Fachjargon heißt das "Segregation".

Wie gespalten die Großstädte sind, beschäftigt Ungleichheitsforscher seit Langem. Bisher verwendeten die Wissenschaftler in ihren Analysen vor allem die Zahl der Menschen, die Transferleistungen beziehen. Daten darüber, wie sich die Gutverdiener in den deutschen Städten verteilen, fehlten bislang. Durch die Schätzungen von infas 360 kann ZEIT ONLINE nun die Verteilung aller Einkommensklassen darstellen. Die Trennung der Klassen verläuft nicht in allen Städten gleich. In manchen Städten drängen die Einkommensstarken an den Stadtrand, in anderen leben dort eher die Einkommensschwachen, die im Zentrum keinen Wohnraum mehr finden. Es gibt Städte, die wie Mosaike aussehen, die scheinbar keinem Muster folgen. Und es gibt Städte, in denen soziale Kanten das Stadtbild durchziehen: Straßen, Schienen oder Flüsse. Ein Beispiel dafür ist Köln.[...]"

 https://www.zeit.de/wirtschaft/2023-01/einkommensverteilung-arm-reich-ungleichheit-deutschland ZEIT 30.1.22

Montag, 30. September 2019

Wer beherrscht Deutschland?

https://www.ardmediathek.de/daserste/player/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy9mODk1ZjZkYi01NDQ1LTQzZmMtYjAzYS1lNzc2MDA4ZWVlN2I/reportage-dokumentation-im-ersten

Armin Schäfer über die Entwicklung der Wahlbeteiligung in Dttl.
Wahlbeteiligung in Vierteln mit geringerem Einkommen sehr geringe Wahlbeteiligung
"Wir fühlen uns von den Medienmachern missbraucht."
1990 noch duchschnittl. 80%, bei höherem Einkommen fast gleichbleibend, aber bei geringerem Einkommen.
Schäfer: "Man hört nicht auf mich" trifft zu. Ihre Interessen werden nicht berücksichtigt.

Bei MdB Akademiker von 74% auf 83%.
Ein BdM, ehemaliger Lokomotivführer, erklärt, weshalb
de Maiziere: Als Politiker lebt man notgedrungen in einer Blase
Einfluss der Automobilindustrie

Erpessbarkeit der Kommunalpolitik durch die ansässige Industrie

OBM Kastner in Coburg eingeladen vom Automobilzulieferer:
Wie viel Gewerbesteuer der Betrieb wo zahlen wird, kann der Betrieb selbst entscheiden.
Je nach Erfüllung seiner Wünscher durch die Stadt  fällt dann die Steuerzahlung aus. Beispiel Brose. Aber auch Arbeitsplätze können verschoben werden.
Nachfolger von Kastner: Straße nach Brose benannt, obwohl er Nazi war.

RWE und Hambacher Wald:
Alleinstellungmerkmal im Rheinland. Tagebau und das Abbrechen von Dörfern.
Bürgerinitiativen verschwinden mit ihren Dörfern.
Die Macht verschiebt sich zu RWE
RWE-Sprecher sieht eine wechselseitige Abhängigkeit. Das Unternehmen brauche Planbarkeit.
Hambacher Wald Symbol der Auseinandersetzung ("Hambi lebt").
Arbeiter demonstrieren vor dem Privathaus der Organisatoren der Hambidemonstrationen
(Antje Grothus).
Jetzt aber eine Stillhaltelösung/Kompromiss. Der Betrieb und seine Arbeiter fühlen sich ohnmächtig.

Bernd Gruppa Aufbau einer Gewerkschaft in Leipzig. Nach 1990 extremer Rückgang der Mitgliedschaft. Folge: 3/3 der Arbeiter eines Betriebs Leiharbeiter, leider keine Seltenheit.
Aber 70 Arbeiter vor dem Fabriktor hatten innerhalb weniger Stunden große Wirkung auf den Betrieb, weil die Arbeit so eng getaktet ist.
Die Möglichkeit von 10 Jahren Leiharbeit hintereinander war Merkel unbekannt. Bernd Gruppa hat bei BMW und Porsche für die Leiharbeiter geregelte Verhältnisse erreicht.

De Maiziere: Die Bevölkerung vermutet nicht unzureichenden Willen der Politiker, aber eine Überforderung der Politik. In der neoliberalen Zeit Wegsparen von Personal und damit Handlungsfähigkeit des Staates.

Dresden wird durch Wohnungsverkauf schuldenfrei. Folge extremer Anstieg der Mietkosten. "Einer der größten sozialpolitischen Fehler".
Statt 48 000 Wohnungen jetzt wenigstens wieder 192 neugebaute.

De Maiziere: Demokratie lebt vom Mitmachen

Armutsbericht der Bundesregierung von 2017 enthielt wesentliche Ergebnisse der Untersuchungen Armin Schäfers nicht.

Sprecher aus dem Off: Das Machtgefüge hat sich verschoben. Kein Wunder, dass Unzufriedenheit entstanden ist.
"Das politische System ist herausgefordert, die Verschiebung des Machtgefüges zu korrigieren."

Sonntag, 11. August 2019

Forderung von Gerechtigkeit soll als Neidgefühl gebrandmarkt werden

Gerechtigkeitsdebatte: „Mit dem Vorwurf Neid soll schlicht Kritik unterbunden werden“ von Stephan Kaufmann
Interview mit Branko Milanovic

"[...] Die Relationen, von denen ich spreche, kennen immer ein Maß: Man vergleicht sich ja nicht mit einer Antilope und auch nicht mit einem Bauern aus dem 15. Jahrhundert, sondern mit Menschen, die heute leben. Nur durch diese Gegenüberstellung kann ich bestimmen, ob 1000 Euro viel oder wenig sind. Basis des Vergleichs ist die allgemein akzeptierte Idee der Aufklärung, dass wir als Menschen eigentlich alle gleich sind. Demokratie und Menschenrechte beruhen auf dieser Idee der Gleichheit. Jede materielle Ungleichheit bedarf daher einer glaubhaften Legitimation, damit sie akzeptiert wird. [...]
Neid gilt als Sünde gegenüber der herrschenden Verteilung von Reichtum, die Ergebnis des Marktes ist und damit als geradezu gottgegeben dargestellt wird. Mit „Sünde“ betreten wir die Sphäre von Moral und Ethik: Das ist nicht das Gebiet von Ökonomen, die sollten darüber eher schweigen. [...]
Mit dem Vorwurf „Neid“ soll schlicht Kritik unterbunden werden. [...] Es ist inkonsistent zu sagen: Die Armut, also der Geldmangel einiger Menschen ist ein Problem, aber der Reichtum anderer soll uns gleichgültig sein.[...]
Die vorgetragene Sorge um die Armut ist der Preis, den die Wohlhabenden bereit sind zu zahlen, damit niemand ihren Wohlstand in Frage stellt. Sie betreiben eine Art soziale Geldwäsche, ähnlich wie jene Milliardäre, die gemeinnützige Stiftungen gründen: Ausgerechnet die Zurschaustellung ihres Reichtums soll diesen legitimieren. [...] 
Wenn wir die globale Ungleichheit beseitigen und garantieren wollten, dass alle Menschen über ein Einkommen auf dem mittleren Niveau des Westens verfügen, dann müssten wir die globale Wirtschaftsleistung verdreifachen. Selbst wenn dies möglich wäre, bliebe die Frage, ob der Planet das aushalten würde. 
[...] die höhere Besteuerung von Erbschaften…
 ...wogegen viele Menschen sind, weil sie einwenden, vererbtes Vermögen sei doch bereits besteuert worden. 
Ein schwaches Argument. Wenn ich mit meinem versteuerten Geld einkaufen gehe, wird es ja auch wieder besteuert. Noch wichtiger als Steuern finde ich aber eine breitere Verteilung des Kapitals und seiner Erträge. [...]"

Donnerstag, 22. Februar 2018

Für mich gelten dieselben Regeln ...

"Für mich gelten dieselben Regeln – ich schere mich nur weniger um sie. Ich bin der Typ: Ich mach einfach erst mal. Und wenn’s blöd läuft, zahl ich halt die Strafe. Vielleicht überlegen Sie beim nächsten Mal auch, ob Sie lieber eine Strafe zahlen wollen?"
("Komm rein, Digga: Gangsterrapper Bushido ist vor einem Monat in das gutbürgerliche Kleinmachnow gezogen. Seine neuen Nachbarn hat er noch nie getroffen. Jetzt lädt er sie zu sich ein." Auf Einladung der ZEIT, 21.2.18)

Natürlich braucht man das Zitat von Anatole France nicht zu kennen:
"[...] unter der majestätischen Gleichheit des Gesetzes, das Reichen wie Armen verbietet, unter Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen." (in: Die rote Lilie
Bushido, alias Ferchichi, weiß aber, wovon er spricht, wenn er gleich weiter fragt: "Vielleicht überlegen Sie beim nächsten Mal auch, ob Sie lieber eine Strafe zahlen wollen?"
Gleichbehandlung ist eben nicht Gleichbehandlung und Markt schafft nicht Recht. 

Später sagt Ferchichi: (lacht) "Ich glaube, ich habe schon einen sehr guten Strafverteidiger. Sonst würde ich heute nicht hier sitzen." 

Wenn man mehr über das Gespräch von Bushido mit einigen seiner Nachbarn wissen will, kann man es hier nachlesen.

Samstag, 2. Januar 2016

"Reiche wollen nicht, dass andere viel ärmer sind." oder "Teilen tut weh" - Was gilt?

ZEIT Nr. 2016/1 30.12.15
Der Ökonom Mattias Sutter erforscht Verhaltensweisen. Er findet heraus, dass Personen im Experiment Geld, das sie durch Zufallsentscheid erhalten 50:50 teilen, wenn der andere die Möglichkeit hat, ihnen alles wegzunehmen, wenn er die Teilung nicht für gerecht hält. Außerdem, dass sie ca. 30% abgeben, wenn der andere diese Möglichkeit nicht hat. Schließlich, dass sie weniger abgeben, wenn sie den Eindruck haben, dass sie das Geld nicht durch reinen Zufall erhalten haben. (mehr dazu im Interview)
All das entspricht dem gesunden Menschenverstand, doch hätte man es ohne das wissenschaftliche Experiment nicht wissen können. Das Milgram-Experiment hat nachgewiesen, dass der gesunde Menschenverstand gerade bei psychologischen Fragen erheblich daneben liegen kann.

So weit, so gut. Nun aber die Überschrift des Interviews mit Sutter:
"Reiche wollen nicht, dass andere viel ärmer sind."
Gilt denn ein Experiment, das mit einer Zufallsauswahl durchgeführt worden ist, automatisch auch für die Sondergruppe der "Reichen", wie immer "reich" definiert sein sollte?

Mal wieder ein Beispiel für eine unpassende Überschrift. Nur gewinne ich den Eindruck, dass die Tendenz der Verfälschung mehr in eine bestimmte Richtung geht als in die andere.

Was nutzt der Kommentar Teilen tut weh von Roman Pletter in derselben Nummer der ZEIT mit dem konkreten Hinweis "Die Unternehmen wollten einfach nicht mehr von ihren Gewinnen mit den einfachen Angestellten teilen", wenn die Wissenschaft angeblich das Gegenteil bewiesen hat.

Wenigstens hier soll dem Kommentar mit seinen konkreten Hinweisen Recht geschehen, indem ich noch etwas mehr daraus zitiere:
"Welche Rolle Macht bei diesen Fragen spielt, hat ein politisches Großprojekt gezeigt, mit dem das nun endende Jahr begann. Damals taten Politiker und Wirtschaftsverbände so, als gefährde die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns den Fortbestand Hunderttausender Arbeitsplätze. Heute wirkt das Vorhaben maushaft in seiner Dimension und überraschend in seinen Konsequenzen. Der Mindestlohn hat entgegen aller Kritik von Unternehmensverbänden nicht dazu geführt, dass es weniger Beschäftigte gibt. Deren Zahl ist sogar gestiegen.
Der Streit um den Mindestlohn ist eine Machtfrage – und sie wird sich verschärfen
Die Unternehmen wollten einfach nicht mehr von ihren Gewinnen mit den einfachen Angestellten teilen. Dann wurden sie gezwungen. Nun zeigt sich: Es war nur eine Machtfrage um die Verteilung der Wertschöpfung.
Die Machtfrage um den Mindestlohn wird sich im kommenden Jahr und denen, die folgen, wieder stellen. Er wird dann neu zu verhandeln sein. Das liegt nicht nur an den Flüchtlingen, von denen viele wohl keine Arbeit finden werden, für die jemand die aktuelle Lohnuntergrenze bezahlen wird. Viele sozialtektonische Bruchlinien hätten auch ohne sie irgendwann zu Konflikten um das Teilen geführt, spätestens dann, wenn Deutschlands Unternehmen einmal nicht mehr so gut verdienen wie zurzeit. Durch die Flüchtlinge werden diese Risse nur früher sichtbar. Wie stark die politischen Beben dann werden können, das hat sich im ablaufenden Jahr gezeigt, als extreme Parteien in europäischen Staaten mit hoher Arbeitslosigkeit und wirtschaftlichen Problemen beängstigend viel Macht gewannen."

Montag, 20. Juli 2015

Privates Geldvermögen in Deutschland steigt auf Rekordniveau

Privates Geldvermögen in Deutschland steigt auf Rekordniveau ZEIT, 20.7.15
"Niedrige Arbeitslosigkeit und steigende Einkommen: Das Geldvermögen der Deutschen ist im ersten Quartal um 140 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr gestiegen."