https://www.spiegel.de/politik/ohne-rechnung-a-9bcaafc4-0002-0001-0000-000045142454
Gabriel Gorodetsky hat in einem Moskauer Archiv die Tagbücher des sowjetischen Botschafters in London I. M. Maiski gefunden, die deutlich mehr Aufschluss über die russische Außenpolitik geben als Maiskis Memoiren.
Dazu die taz:
Gorodetsky kann nachweisen, wie Maiski eigene Ideen in den Mund prominenter britischer Gesprächspartner legt, um sie dann in einem Kabel nach Moskau als wichtigen Vorschlag der Gastgeber zu präsentieren; wie er seinen Dienstherren schlechte Nachrichten vorenthält, um Zeit zu gewinnen und die Briten vielleicht doch für seine – das heißt der Zentrale – Ideen zu gewinnen. Dass er damit mehr riskiert als Diplomaten, die dasselbe tun – nur eben keinem Stalin unterstehen und die Erfahrung der Großen Säuberung nicht kennen – stimmt durchaus, nur ändert es nichts an der Tatsache, dass Maiskis Niederschrift alles andere als „spontan“ zu nennen ist.