Günter Gaus im Gespräch



    •    Delmer kannte die führenden Nazis gut, sah mit Hitler zusammen den brennenden Reichstag an, fand seine Beobachtung der Begegnung Hitler und Papen bei dieser Gelegenheit bemerkenswert, Hitlers Aussage: Wenn  die Kommunisten das waren, muss man sie ausrotten (dem Sinne nach) hat er bei dieser Gelegenheit gehört.
    • Hemingway
    •    Delmer war zuständig für antideutsche Propaganda im 2. Weltkrieg Gustav Siegfried 1 (vorgetäuschte Altnazis die Falschnachrichten zur Desinformation verbreiteten): alliierte Propaganda im 2. Weltkrieg  
    •    Berichte aus Deutschland 1954 "Wie tot ist Hitler?" Baron Beaverbrook Daily Express Spiegel Sehr positiv sah er 1962 den Aufstand gegen Adenauer/Strauß in der Spiegelaffäre 1962. Sein Eindruck, dass die Deutschen wieder mehr Zivilcourage entwickeln würden, die er im Vergleich zum britischen civic spirit noch immer vermisste. (Vorher hatte er eine Sorge, dass deutsche Generäle aus gewohntem Gehorsam unter Strauß in problematische Verirrungen geführt werden könnten.
    •    Gustaf Gründgens 1963  https://www.youtube.com/watch?v=jvMo9U8Lxd0 
    •    Kasimir Edschmidt (1963)
    •    Thomas Dehler (1963) https://www.youtube.com/watch?v=SEU5J8E3DVc                         Entwicklung zur Kritik am polit. Katholizismus; Edgar Jung; Erlebnis der Revolution, Liberalismus, Vorbilder: Angelsächsische Welt, Karl Rothenbüchler, Romanist Vossler, Ernst Lemmer (dieser ging zur CDU, weil immer wieder Wahlen verloren),Theodor Heuss; Kampf gegen Hitler, dessen Anfänge miterlebt, D. Ehe mit Jüdin durchgehalten, Haft, Wieso trotzdem Nationalgefühl? D. hält an Volk als Handelndes im internationalen Leben, in Russland hat er Anerkennung der Deutschen erfahren, D. doch schon früh an führender Stelle, seine große Anerkennung Adenauers (seine Persönlichkeit), 1949 gegenüber den Hohen Kommissaren eindrucksvoll. Streit mit Adenauer begann über dem Streit über das Saarstatut, verletzt durch Adenauers Schärfe, A. zufrieden mit BRD, nicht mehr interessiert an der Einigung Gesamtdeutschlands;* Erhard ähnlich liberal wie Dehler. D. erwartet "von der Zusammenarbeit mit ihm Gutes.   *
    • Wikipedia:"Am späten Abend der ganztägigen außenpolitischen Bundestagsdebatte vom 23. Januar 1958 rechneten Thomas Dehler und Gustav Heinemann in zwei Aufsehen erregenden Reden in bis dahin nicht gekannter Schärfe mit Adenauers Politik ab. Beide hatten zuvor als Bundesminister dem Kabinett Adenauer I angehört. Dehler sprach insgesamt 1 Stunde und 39 Minuten, wobei ihn Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier mehrmals wegen Ordnungsverstößen und Redezeitüberschreitung unterbrach. Im Kern warf Dehler dem Bundeskanzler vor, er habe die Wiedervereinigung gar nicht „ernsthaft erstrebt“, er verzichte angesichts der Sachzwänge des Kalten Krieges im Grunde auf Politik, „die eigentlichen Entscheidungen gehen am Parlament, auch am Kabinett vorbei“. Daher schäme er sich, nicht wie Heinemann den Mut zum Rücktritt gehabt zu haben. Er bezog sich dabei insbesondere auf die von Adenauer kategorisch abgelehnte Stalin-Note vom 10. März 1952. Die gesamte Debatte wurde direkt im Rundfunk übertragen und hatte ein   Millionenpublikum, was seinerzeit in der CDU-Führung erhebliche Besorgnis auslöste.[14][15][16]

       Über sich selbst: Ein Mann der Mitte, Kollegen reagierten auf

    •       Konrad Adenauer 1965    https://www.youtube.com/watch?v=90EVIH4KZsc
    •    Konrad Adenauer 1965    https://www.youtube.com/watch?v=90EVIH4KZsc
      https://www.youtube.com/watch?v=H136ybvTfs0 (Film von 2003)
  •    Gustav Heinemann 1968     https://www.youtube.com/watch?v=Sh9wkkSaQ8M



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     Demagogie. "Hitler war kein einfacher Mensch, er war sehr widerspruchsvoll" Er sprang hin und her. - Ich bin unfähig, jemanden zu verabscheuen oder zu hassen.  - Adenauer sei schwierig gewesen, manchmal zornig geworden, habe es manchmal nur gespielt, aber von Anfang an hätten sie Vertrauen zu ihm gehabt und am Ende ein sehr gutes Verhältnis gefunden.       

    Martin Niemöller (1963)  Wikipedia   Im Elternhaus galt: ein guter Christ ist ein guter Staatsbürger und Soldat. 
   Die Kirche überließ soziale Tätigkeit Einzelnen;   christlich-sozial passe zur Kirche nicht, man solle dem Volk dienen. 
   Gaus interviewt Hannah Arendt 1964        [Arendt im Gespräch mit Joachim Fest 1964]

    Willi Daume (1964) zweiter Weg des Sportes: der Allgemeinsport 


  •    Walter Hallstein (1965): https://www.youtube.com/watch?v=NgmNYprJEP8                       Hohes Selbstbewusstsein, große Wertschätzung Adenauers, Politik als Kampf, der durch Rechtgezügelt/zivilisiert ist, Macht als die Fähigkeit, Entwicklungen in seinem Sinne lenken zu können, keinerlei Interesse daran, Befehle geben zu können, Europa als Garant für Frieden und Hilfe für Entwicklung der Staaten. Die Hallstein-Doktrin als Mittel eine Stärkung "Pankows" zu verhindern (alternativlos), er sieht keine Gefahr, dass die außenpol. Flexibilität leiden könne. ["Wandel durch Annäherung" außerhalb seines polit. Denkens] Sehr klar und bedacht, sich keine Blöße zu geben
  •     Kai-Uwe von Hassel (Verteidigungsminister) (1965) Anbau von Tropenpflanzen
  • "Erlauben Sie eine letzte Frage" Dokumentation der Gesprächssendungen von Günter Gaus (2004)
  •    Rainer Barzel  https://www.youtube.com/watch?v=IsWobOiDwnA


  Otto von Habsburg (1965)
   Karl V. vor den Cortes von Aragon. Er hatte sich sehr viel Grobheiten von ihnen anzuhören, wobei sie andererseits die wichtigste Stütze seines Thrones waren.
   Politiker brauchten eine spezielle Erziehung

      Asher Ben-Nathan 1. israel. Botschafter in D. 1966
     
     Günter Gaus Interview mit Helmut Kohl (1967 in der Sendung report)


   Coudenhove Paneuropa-Union  Beneš  kritisiert wegen des Gedanken der Vertreibung, den er stärker vertreten habe als selbst Stalin.

    Günter Gaus als ständiger Vertreter der Bundesrepublik in Ostberlin  (1974 bis 1981) Es wurde öfter gesagt, er sei nach dem Ausscheiden aus diesem Amt zum ständigen Vertreter der Menschen in der DDR und und der ehemaligen DDR geschlüpft. 
    Ich habe, als ich seine Interviews mit wichtigen Personen von 1990 gehört habe, mir nicht klargemacht, dass seine Rolle als Vermittler zwischen West und Ost damals schon 9 Jahre her war, und finde es eindrucksvoll, wie wichtig er diese Interviews noch genommen hat und wie gut seine Einfühlung in ihre Rolle in der DDR war. Gerade diese Interviews zu der damaligen Zeit erscheinen mir äußerst wichtige Zeitzeugnisse zu sein. Dass man ohne Spezialvorkenntnisse noch so viel über diese Zeit erfahren kann. Ihm zu verdanken. (Fontanefan)
  •  












Steffi Spira 1991





  Die RAF hat bewusst aus der Position der Minderheit gekämpft. Man muss ja nicht auf eine Massenbasis setzen. Die RAF ist von den Widersprüchen ausgegangen und hat die Taktik Stadtguerilla benutzt, um einen Bruch herzustellen.
   Gaus: In der 3. Welt war für uns Gewalt verständlich, aber in Europäischen Gesellschaften nicht. 
  Klar: Ein polit. Konzept, das auf Freiheit aus ist, hat guten Grund, abstrakt zu sein. Der einzelne muss das Konkrete ja selbst ausgestalten. Ich habe Illegalität als große Freiheit erlebt. Das Lebensgefühl war frei, man war für alles verantwortlich. Mit der Gefangenschaft war man in der Hand des Feindes. 





    • Günter Gauss im Gespräch mit Sarah Wagenknecht (2004)
        https://www.youtube.com/watch?v=6fjxG94NeVU

        Günter Gaus als ständiger Vertreter der Bundesrepublik in Ostberlin (1974 bis 1981)

        Egon Bahr interviewt Günter Gaus (1999)
        Gaus konnte nicht interviewen, obwohl er er gewollt hätte: Axel Springer, Ratzinger, Kiesinger (die nennt er selbst, an anderer Stelle hat er Marlene Dietrich genannt. Die forderte 20 000 DM als Honorar. Das war nicht vorgesehen. Er formulierte damals, in diesem speziellen Fall hätte er es wegen der historischen Bedeutung vielleicht doch versuchen sollen.)

        Günter Gaus im Gespräch über sein Leben 25.11. 1992 Schweizer Interviewer Teo Tosone
        Er hat die Metapher Gnade der späten Geburt geprägt, jedenfalls erstmals schriftlich in der Öffentlichkeit gebracht.
        Mein politisches Credo: Anpassung ist ein Menschenrecht, besonders für die Schwachen
            Rolle des Journalismus: Die Tonangebenden waren linksliberal. Im vereinigten Deutschland ist die Gesellschaft rechts an mir vorbeigezogen.    
            Ich war konservativ, dadurch bin ich in dieser Gesellschaft links geworden.
            Wie er die DDR erlebt hat: Für die meisten war das private Glück und Unglück im Mittelpunkt des Lebens. In ihrer jeweiligen Nische. 
            Die historische DDR gab die Möglichkeit, in der Nische zu bleiben.
           Wer störte, wurde abgeschoben. Das war das Schlimmste.
           Die Stasi wurde ab Gorbatschow wichtiger, da nahm die Ausspionierung zu. Ich habe das damals nicht bemerkt. Er hatte niemanden gekannt, der überzeugt war, dass 
           Der kalte Krieg hat wegen der Einflusssphären den Krieg in Jugoslawien verhindert. Sein Ziel war die Aufweichung des Ostblocks. Die hat durch Gorbatschow schlagartig vom Osten aus stattgefunden, nicht vom Westen. 
            Frage vom Schweizer: Jetzt in Deutschland Aufregung Angriffe auf Asylsuchende. 
            Ich weiß nicht den Weg, ich kann nur Fragen stellen. 
            Überall gibt es Gewalttätigkeit von Schwachen. In Deutschland ist es noch schlimmer (nach der Vorgeschichte), aber nur graduell. Misstrauen gegenüber D. gut begründet, aber Selbstkritik nicht vergessen. Gegenüber D. ist er besonders misstrauisch. 
            Schweizer: Fernsehgesellschaft bringt den rationalen Diskurs in Nachteil. Gaus. Fernsehen zu viel Emotion, bringt zum Irrtum, Augenschein veroberflächlicht das Verstehen, Entrationalisierung. Wenn Fernsehen Tomaten auf Politiker fliegen genauso kritisiert wie das Niederbrennen eines Asylantenheims.
            Fernsehen eine Kultur der Anmaßung, man macht sich vor, zu verstehen, was passiert.
            Wir können leichter manipuliert werden. 
            Gaus gefragt, ob ein Soldat als normaler Mensch in einer Serie vorkommen. Er hat sich gewehrt, weil das manipulierte Integration wäre. 
            Schweizer: Verlust des eigenen Bildes durch das Fernsehen  .
           S: Unsere Demokratie denkbar ohne schriftl. Kultur?  G: Nein
           G: Unser System, wie es austarierte Machtbalance hat, wird durch Fernsehen gefährdet. 
           G: Ich will gegen den Strom schwimmen, solange ich kann. 
           S: Was will G., was Journalisten tun sollen. G: Ich will niemandem etwas sagen, weil das widerspenstig macht. - Wenn ich aber etwas sagen soll. Ein Journalist mit Mikrophon fühlt sich mächtig. Sie bilden sich ein zu wissen aus Faulheit selbst zu prüfen. Den Bürgern empfehlen: Ungläubiger sein.  

  •    Gespräche mit Zeitzeugen u.ä. auf Youtube
   Kissinger  (2002)

   Wolfgang Menge 2004   Wikipedia Drehbuchautor und Journalist. Er wollte ursprgl. Kabarett machen, aber auch schon in der Schule mit Zeitung beschäftigt


     Schriftsteller:
                                                                                                                                                                           Golo Mann "Des Menschen wahre Wahrheit"

   Katja Mann erzählt ihr Leben mit Golo Mann als Begleiter (Januar 1969)
   u.a. über Buddenbrooks und Thomas Manns Vater sowie ausführlicher über den Tod in Venedig,  Personen aus dem Zauberberg, u.a. der habe den Nobelpreis veranlasst, aber Boeck habe etwas gegen den Zauberberg gehabt. 

   Thomas und Katja Mann. Eine bürgerliche Ehe 
   Frau Justizrat Bernstein als Vermittlerin

   Frau Thomas Mann. Eine Dokumentation
    
    Katia Mann (Wikipedia), verstorben 1980 mit 96 Jahren


   Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein u. Gespräch mit Mayer und Reich-Ranicki        (1965) In diesem Gespräch kündigt Frisch an, dass er als nächstes einen Film machen wolle.                                                                                                                               Zürich - Transit  Skizze eines Films                                                                                                                                                                                                                             
    https://www.youtube.com/watch?v=9HCan0YDubQ&list=PLQtpW8q-ShsgeRG48e-zZZWSJbPRuqRSLIn diesem Portrait eines englischen Filmteams aus dem Jahr 1967 interviewt sich Max Frisch teilweise selbst. Daniel Keel, der Gründer des Diogenes-Verlags, führt als Erzähler/Interviewpartner durch den Film. Viele für Max Frisch zentrale Themen kommen zur Sprache. Ausserdem werden seine Wohn- und Arbeitsorte in Zürich und dem Tessin gezeigt (William Brayne 1967):



Dürrenmatt 1989: "Alles aus de Phantasie tun"
Dürrenmatt (1965) Reich-Ranicki u. H. Mayer
    

   Erich Maria Remarque im Gespräch mit Friedrich Luft (1962)
    
  
   Ernst Jünger 1993 (Sein Selbstverständnis als Krieger)

   Im Jahr 1993 gab der damals 97-jährige Ernst Jünger dem Journalisten André Müller ein beachtetes Gespräch (unter anderem im Rahmen von filmhaften Begegnungen und Veröffentlichungen, die später auch in Buchform wie Gespräche über Schmerz, Tod und Verzweiflung dokumentiert wurden).   

I    In seinen späten Interviews und Gesprächen – so auch um 1993 – vertrat Jünger eine Reihe charakteristischer, oft unkonventioneller Thesen zur Kultur, Technik und seiner eigenen Biografie:

  • Distanz zur Parteipolitik und Ideologie: Jünger betonte stets seine Unabhängigkeit von konventionellen politischen Kategorien wie „links“ oder „rechts“. Er sah sich im Alter jenseits des tagespolitischen Betriebs und zog es vor, sich der aktiven Politik komplett zu entziehen.

  • Die Technik als das eigentliche Schicksal: In Übereinstimmung mit seinen späten Tagebucheinträgen aus dieser Zeit (etwa „Nicht mehr die Politik ist unser Schicksal, sondern die Physik“) analysierte er die technologische Durchdringung der Welt, die Digitalisierung und die Entstehung virtueller Räume als eine schicksalhafte, unumkehrbare Entwicklung, die den Menschen und die Natur tiefgreifend verändert.

  • Der Blick des „Anarchen“: Jünger bekräftigte seine Konzeption der inneren Freiheit, verkörpert durch die Figur des Anarchen (im Gegensatz zum Anarchisten). Der Anarch ist für ihn jemand, der sich innerlich von den Zwängen des Staates und der Masse freimacht, ohne zwingend den offenen Aufruhr zu suchen – eine Haltung stoischer und aristokratischer Gelassenheit angesichts des Zeitgeschehens.

  • Fatalismus und das Verhältnis zum Tod: Geprägt von den Kriegserfahrungen des 20. Jahrhunderts und seinem langen Leben behielt er einen unerschütterlichen, fast kühlen Fatalismus (amor fati) bei. Den Tod und das Leiden betrachtete er nicht als skandalöse Ausnahmezustände, sondern als naturgegebene Konstanten des menschlichen Daseins, denen man mit mönchischer Gefasstheit begegnen müsse.

    Ernst Jünger Interview 1993

    Dieses Video zeigt das historische Gespräch von 1993 zwischen dem gealterten Ernst Jünger und André Müller, in dem er seine philosophischen Ansichten über das Leben und das 20. Jahrhundert darlegt.

Die Begegnungen und Interviews zwischen dem legendären ZEIT-Journalisten André Müller und dem Schriftsteller Ernst Jünger gehören zu den faszinierendsten Dokumenten der deutschen Interview-Literatur des späten 20. Jahrhunderts.

  Hintergrund der Gespräche

     Müller, bekannt für seine unerschrockene, oft provokante und psychologisch bohrende Interviewtechnik, traf zwischen 1989 und 1996 mehrfach mit dem alternden Ernst Jünger zusammen (unter anderem in den Jahren 1989, 1990 und 1993). Was als journalistische Arbeit begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer von gegenseitigem Respekt und einer fast väterlich-freundschaftlichen Zuneigung geprägten Beziehung.

Das Treffen von 1993 und die Buchveröffentlichung

   Das Gespräch aus dem Jahr 1993 ist – zusammen mit den Interviews von 1989 und 1990 – Kern des 2015 von Christophe Fricker herausgegebenen Bandes:

  • Titel: Ernst Jünger – André Müller: Gespräche über Schmerz, Tod und Verzweiflung (Böhlau Verlag)

Wichtige Aspekte der Dialoge

  • Entmystifizierung des Autors: Der greise Jünger (1993 weit über 90 Jahre alt) blickt in den Gesprächen ganz unheroisch auf sein Leben zurück. Der Journalist entlockt dem vermeintlichen „Weltkriegs-Haudegen“ und frühen Nationalrevolutionär („In Stahlgewittern“, „Der Arbeiter“) unerwartet sanfte, fast kindliche Züge.

  • Themen: Trotz des ernsten Buchtitels sind die Gespräche keineswegs düster. Es wird viel gelacht; Jüngers charakteristisches, stakkatoartiges Lachen („Ha, ha!“) zieht sich durch die Tonbandtranskripte. Man spricht über die großen Themen des Jahrhunderts, über Literatur, Vergänglichkeit, aber auch ganz konkret über historische Traumata und die Shoah, wobei Müller den alten Autor mitunter hart, aber stets fasziniert konfrontiert.

  • Dynamik: Die Texte leben davon, dass Müller oft besser über Jüngers eigene Biografie und Details aus dem Ersten Weltkrieg informiert zu sein scheint als Jünger selbst, der manche historische Reminiszenz milde lächelnd mit einem „Das ist lange her“ abtut.

Suchen Sie nach bestimmten Zitaten, Aussagen oder textlichen Details aus dem 1993er Interview oder dem dazugehörigen Buch?


Unterhaltung mit Gemini

Inhalt des Bandes  Ernst Jünger – André Müller: Gespräche über Schmerz, Tod und Verzweiflung (Böhlau Verlag)

Der Band „Ernst Jünger – André Müller: Gespräche über Schmerz, Tod und Verzweiflung“ (herausgegeben von Christophe Fricker, erschienen 2015 im Böhlau Verlag) dokumentiert die außergewöhnlichen, oft unkonventionellen Begegnungen zwischen dem legendären österreichischen Interviewer André Müller und dem umstrittenen Schriftsteller Ernst Jünger.

Hier sind die wichtigsten Inhalte, Themen und Merkmale des Buches im Überblick:

1. Entstehung und Hintergrund

  • Die Treffen: Zwischen 1989 und 1996 trafen sich Jünger und Müller mindestens fünf Mal (unter anderem im November 1989, Juli 1990, April 1991, Februar 1993 und Dezember 1996).

  • Ungeglättete Originaldokumente: Das Buch enthält im Kern die fast diplomatisch getreuen, ungeglätteten Transkripte der Tondokumente sowie Müllers vorbereitende und erinnernde Notizen. Dadurch entsteht ein authentischer Einblick hinter die Kulissen der journalistischen Arbeit und ins private Denken Jüngers.

2. Thematische Schwerpunkte

Trotz des düsteren Titels, der existentielle Grenzerfahrungen ankündigt, sind die Gespräche keineswegs nur schwermütig, sondern oft von einem lockeren, fast heiteren Tonfall getragen (begleitet von Jüngers charakteristischem Lachen). Inhaltlich spannen sie einen weiten Bogen über das 20. Jahrhundert:

  • Philosophische und universelle Fragen: Sinn des Lebens, Schmerz, das Phänomen des Todes, Selbstmord und Verzweiflung.

  • Zeitgeschichte und Persönlichkeiten: Gespräche über Adolf Hitler, Rudolf Augstein, den Dramatiker Heiner Müller, aber auch über gesellschaftliche Phänomene wie Aids.

  • Kultur und Moderne: Das Konzept des Heldentums in der modernen Welt, Literatur, Liebe und menschliche Beziehungen.

3. Charakter und Tonfall des Buches

  • Unerwartete Nähe: Was als journalistisches Projekt begann, entwickelte sich zu einer Form von fast freundschaftlicher Vertrautheit und väterlicher Verbundenheit zwischen dem betagten Jünger und Müller.

  • Entmystifizierung: Jünger zeigt sich in den Gesprächen fernab jedes elitären Dogmatismus als überraschend warmherziger, nahbarer Mann mit einem jungenhaft-schelmischen Humor – auch wenn er sich an manche Details seiner eigenen Biografie (wie Erlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg) bisweilen bemerkenswert distanziert oder ungerührt erinnert.

Das Buch gilt als ein faszinierendes dokumentarisches Zeugnis, das zwei scharfe Köpfe des 20. Jahrhunderts in einem völlig unverkrampften, intimen Dialog zeigt.

Leben



    


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