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Mittwoch, 12. April 2023

Nehmen Gewaltdelikte seit Jahrhunderten ab?

Literatur zu dem Thema

Steven Pinker: "Gewalt - Eine neue Geschichte der Menschheit"  

Der Klappentext und drei kritische Rezensionen zum Buch auf Perlentaucher

Perlentaucher referiert Herfried Münklers Rezension des Buches wie folgt:

"Nicht dass Herfried Münkler den Ansatz von Steven Pinker uninteressant fände. Es ist nur so, dass der Rezensent sich vorkommt wie in einer vor Abschweifungen strotzenden Vorlesung in die Methodologie der Soziologie des Krieges oder so ähnlich. Schlimmer noch empfindet Münkler die mangelnde Quellenkritik des Autors sowie die schweren argumentativen Probleme der nicht eben kleinlauten Studie. 

Wer wie Pinker derart interdisziplinär unterwegs ist, sollte zumindest etwas skeptischer auftreten, meint er. Pinker jedoch zieht selbstsicher Belege für seinen "Anti-Spengler" heran, die Münkler beim besten Willen nicht für bare Münze nehmen kann, schließlich ist weder die Bibel noch die Ilias eine echte historische Quelle. Am Ende ist also alle Freude darüber verfrüht, dass die Menschen, wie hier behauptet, auf dem Weg zu einer friedlichen Koexistenz sind."


Freitag, 28. August 2020

Wieso wird die Demonstration für die Opfer des rassistischen Mordanschlags von Hanau abgesagt??

Die Demonstration für die Opfer des rassistischen Mordanschlags von Hanau wurde am Freitag von der Stadt abgesagt*. Begründet wurde dies mit der "stark steigenden Zahl" von Corona-Infektionen. Wieso? Wenn die tägl. Tests üb 900000 liegen, bleibt doch die Infektionsrate (!) gleich.

*Sieh Spiegel online 22.8.20:
https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/hanau-gedenkfeier-sechs-monate-nach-dem-rassistischen-anschlag-a-2b4654b7-5883-403e-93c1-3dfb4b244c8b

Mittwoch, 13. März 2019

Maria Ladenburger als Teil eines großen Ganzen

Du bist Teil eines riesengroßen Ganzen! 
Lass nicht den Kopf hängen, sondern schau auf und denke daran, dass wir vieles nicht verstehen können, aber auf eine ganz besondere Art und Weise etwas Gutes entsteht!“ 
Dies sagte Maria Ladenburger einmal, um einer Freundin Mut zuzusprechen. 
Auch Greta Thunberg versteht sich als Teil eines großen Ganzen und hat auf ihre ganz individuelle Weise versucht zum großen Ganzen beizutragen, indem sie ein Beispiel gab.

Die Eltern der ermordeten Maria Ladenburger haben ihrerseits versucht, im Geist ihrer Tochter zu handeln, indem sie nach ihrer grauenhaften Ermordung jeden Gedanken an Vergeltung für das ihnen angetane Leid zurückgewiesen haben. Und sie haben dafür einen Shitstorm erleben müssen.

Dazu Friederike Ladenburger :
"Aus dem Bösen, das uns trifft; aus Ereignissen, die wir nicht verstehen; aus alledem kann – durch den Beitrag jedes Einzelnen – Gutes wachsen. Ich glaube, diese Haltung will Maria uns mitgeben."

Mehr dazu im Interview der Eltern Marias mit der Frankfurter Rundschau (12.3.19)

Für ihre Gründung der Maria Ladenberger-Stiftung erhielten sie einen Bürgerpreis.
Es müssen besondere Umstände zusammenkommen, dass Personen, die unter einem schweren Verbrechen leiden, eine solche Geste des Ausbruchs aus Konfrontation zu einer Begrenzung oder gar Beendigung einer Aggressionsspirale leisten können. 
Der Schritt der Brüder Braunmühl sollte unvergessen bleiben. 

Es ist nicht so, dass es uns an Vorbildern fehlte.

Dienstag, 28. Februar 2017

Mord?

Ein mutiges Urteil. Eine notwendige Diskussion. Eine Gesetzesverschärfung notwendig. Aber es war kein Mord.
Da das Urteil nicht rechtskräftig ist, da Revision möglich ist, ist die Entscheidung des Berliner Richters im Fall der beiden Raser meiner Meinung nach gesellschaftspolitisch richtig. Ich selbst hätte aber - angesichts meiner beschränkten Kenntnis der Rechtslage und des Falls - nicht so entschieden.

Wer von einem anderen dazu angestiftet wird, sich auf ein Wettrennen einzulassen, und dabei - freilich nur zunächst - an roten Ampeln hält, hat nicht den Vorsatz gefasst, zu töten.
Es handelte sich nicht um ein gemeinschaftliches Verbrechen, wo beide mit Vorsatz gehandelt haben.
So meine Sicht.

Ich hoffe darauf, dass das Urteil von der höheren Instanz aufgehoben wird und dass der Gesetzgeber endlich das Rasen im öffentlichen Straßenverkehr als das Verbrechen einstuft, das es ist.
Freilich mit der Möglichkeit des Abwägens. Auch bei Extremfällen des Rasens gibt es noch Unterschiede. - Bei Geschwindigkeitsüberschreitungen ohnehin.

Wenn das Urteil Bestand hätte, könnte jede ähnliche Geschwindigkeitsüberschreitung als Mordversuch gewertet werden. Wenn die Gesetzeslage fortbesteht, wird, wer durch eine Verkettung glücklicher Umstände nicht am Tod eines Menschen schuldig geworden ist, mit 400 € Geldstrafe bestraft. Der, bei dem die Zufälle sich anders ausgewirkt haben, wegen fahrlässiger Tötung.

Rasen muss schärfer strafbewehrt sein. Die Tatsache, dass nur ein kleiner Teil der Raser überführt werden kann, darf daran nicht hindern.
Wie viel Prozent der Fälle, die eine Ehefrau als Vergewaltigung erlebt, werden bestraft? Dennoch hat die Dunkelziffer den Gesetzgeber nicht davon abgehalten, das Delikt "Vergewaltigung in der Ehe" einzuführen, um das gesellschaftliche Bewusstsein zu ändern. Ähnliches ist beim Rasen notwendig.

Dabei ist klar, dass selbst sorgfältigste Formulierung nicht verhindern kann, dass der Ermessensspielraum dabei sehr groß bleiben wird. Aber den gibt es auch auf anderen Bereichen.

Diesmal hat er etwas ermöglicht, was ich für ein eindeutiges Fehlurteil halte; aber für ein Urteil, das offenbar notwendig war, um das gesellschaftliche Problembewusstsein zu schärfen.

Sieh auch: Raser sind Verbrecher, aber keine Mörder von Tonio Walter, ZEIT online 28. 2. 2017

Samstag, 28. Februar 2015

Boris Nemzow ermordet

[...] Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko, der mit Nemzow befreundet war, zeigte sich bestürzt über den Mord des Politikers. "Sie haben Boris umgebracht. Es ist kaum zu glauben", twitterte Poroschenko. Er bezeichnete Nemzow auf Facebook als "eine Brücke zwischen der Ukraine und Russland", die "von den Schüssen eines Mörders zerstört" worden sei. "Ich glaube nicht, dass das Zufall war."  
Er habe jedoch keinen Zweifel, dass die Täter früher oder später bestraft würden. Nemzow hatte die Maidan-Bewegung in der Ukraine unterstützt und  Präsident Putin immer wieder die Eskalation des Konflikts vorgeworfen. Laut einem Bekannten Nemzows arbeitete dieser zuletzt an einem Report, der die Unterstützung der prorussischen Separatisten in der Ukraine durch den Kreml belegen sollte.  [...]
Der frühere sowjetische Präsident Michail Gorbatschow macht Provokateure für den Mord an dem prominenten Oppositionspolitiker verantwortlich. "Es ist ein Versuch, in dieser Situation Komplikationen zu stiften, möglicherweise sogar, die Lage im Land zu destabilisieren", zitierte die Agentur Interfax Gorbatschow. [...]

Nemzow, einer der prominentesten Kritiker von Putin, war am Freitagabend auf einer Brücke in der Moskauer Innenstadt von einem Unbekannten erschossen worden. Der Täter feuerte nach Polizeiangaben aus einem Auto und traf Nemzow mindestens vier Mal in den Rücken.

Nemzow startete seine politische Laufbahn als Gouverneur der zentralrussischen Region Nischni Nowgorod. 1997 und 1998 war er unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin Vizeministerpräsident und galt als einer der Architekten der liberalen Wirtschaftsreformen. Bei der Präsidentschaftswahl 2008 schickte ihn die liberale Partei Union der rechten Kräfte ins Rennen, er legte die Kandidatur aber vor der Wahl nieder. Vor einem Jahr war Nemzow wegen Protestaktionen gegen die Justiz zu mehreren Tagen Haft verurteilt worden.



Mittwoch, 15. Januar 2014

Mord oder Totschlag?

Die Frau, die sich nach Jahrzehnten der Unterdrückung und Misshandlung nicht anders zu helfen weiß, als den Tyrannen zu töten, wird weniger bestraft als der Mann, der seine Frau totschlägt, weil ihm das Abendessen nicht geschmeckt hat.
Denn die Frau hat ihre Tat lange geplant und vorbereitet ("Heimtücke"), der Mann hat im Affekt gehandelt.
Eingeleuchtet hat mir das nie. Jetzt erfahre ich von Christian Bommarius in der FR vom 15.1.14, dass der Mordparagraph (§ 211) unseres Strafgesetzbuches aus dem Jahre 1941 stammt, wo der NS-Volksgerichtshof ein einfach zu handhabendes Instrument für seine Todesurteile wünschte.

Seit Jahrzehnten wird versucht, ihn abzuschaffen, jetzt macht der Deutsche Anwaltverein einen neuen Vorstoß. Es ist ihm Erfolg zu wünschen. (Entwurf im Wortlaut (pdf))

Dienstag, 3. April 2012

Verbrechen in Facebook (aufgeklärt)

Unter dem Suchbegriff "Tatort Facebook" führt die Frankfurter Rundschau viele Artikel an.
Unter dem 20.3. stellte sie aber auch einen Artikel mit dieser Überschrift ein. Es lohnt sich, dort nachzulesen, denn
In Großbritannien zählte die Polizei innerhalb von fünf Jahren mehr als 100.000 Verbrechen, die mit der Plattform in Zusammenhang standen. (FR 20.3.12)
Die Druckausgabe der FR vom 21.3.12 enthält noch mehr dazu.