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Freitag, 28. August 2026

Obdachlosigkeit in Berlin

 Die gestiegene Zahl von Obdachlosen in Berlin wirft viele Fragen auf.

Da liegt ein Mann auf der Straße. Seitlich, mit dem Rücken Richtung Hauswand, die Hände unter den Kopf gelegt wie ein Kind, seine schmutzverkrusteten Füße in zerrissenen Gummilatschen zucken. Er lebt. Und die, die an ihm vorbeieilen, leben auch. Frauen mit Einkaufstrolleys, eine Kindergartengruppe mit Warnwesten, eine Mädchenclique in Shorts und Cowboystiefeln, ein Mann mit einem Baby im Tragetuch und zwei Rollstuhlfahrende – um nur einige zu nennen, die in der gleichen Minute wie ich an dieser Stelle in Berlin-Kreuzberg den Kottbusser Damm entlangströmen. 

Der Mann an der Hauswand ist nicht der einzige Gestrandete auf der kurzen Strecke zwischen der U-Bahn-Station Schönleinstraße und der Kottbusser Brücke. Auch auf der anderen Straßenseite, vor dem Eingang einer Drogerie-Filiale, liegt jemand, allerdings mitten auf dem Gehweg, wo er die Geschäftigen stört. Zwei Polizeibeamte beugen sich über ihn, als ich vorbeigehe. Noch ein Stück weiter, an der Brücke, lagert ebenfalls eine Person auf dem Boden und wiegt sich in einem unhörbaren Lied. Es muss Krieg sein, würde man wohl denken, wenn man aus einer anderen Sphäre hier landete. Die Menschen fliehen, wer nicht Schritt hält, bleibt zurück.  […]

Was tut man? Ich tue, wie die anderen, die hier arbeiten oder in einem der Restaurants vor einem Aperol Spritz sitzen, nichts. Neulich stand eine abgefackelte Vespa zwischen den Bänken am Ufer. Botschaften sind an den Mülleimern oder den Zäunen der Häuser: Suche Zimmer. Mein Freund wurde hier lebensgefährlich verletzt – wer hat etwas gesehen? 

Die Wohnungen sind teuer. Eine Dachgeschoss-Maisonette wird für 4.000 Euro Miete angeboten. Von dort aus blickt man auf die nächtlichen Feuerstellen am Ufer herab. Nach Zahlen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands leben in Berlin bis zu 7.000 Menschen auf der Straße und 57.000 in Unterbringungen – zehnmal so viele wie 2012. […]

Sind es nur die anderen, die schuldhaft Gescheiterten, aus eigentlich zu gewinnenden Kämpfen des Daseins ins Aus Geschwemmten? Oder jene, die vielen von uns nur ein kleines Stück voraus sind? Eine Freundin, Künstlerin, Ende 50, muss seit der Mieterhöhung ein Zimmer ihrer Zwei-Raum-Wohnung untervermieten, um dort bleiben zu können. Ein Paar mit zwei Kindern, das ich kenne, wohnt, obwohl getrennt, weiter zusammen, weil eine zweite Wohnung nicht drin ist.

Das Eis ist dünn geworden, die Angst, dass es bricht, wenn man sich nach vorn beugt, um einem anderen die Hand zu reichen, groß.

Petra Kohse, Frankfurter Rundschau 28.8.2026

Rückblick auf 2020, als vom Staat gefordert wurde, Infizierte sollten in der Wohnung bleiben: Wohnungslosigkeit ist vermeidbar


Montag, 4. Mai 2026

Obdachlosigkeit

 

„Obdachlose Menschen sind noch mehr zur Zielscheibe von Hass geworden"

"[...] Gerade bei den geflüchteten Menschen ist die Stimmung im Land stark gekippt.

Unvorstellbar, dass Menschen, die alles, was sie hatten, hinter sich lassen, weil das Leid zu groß ist, weil die Heimat weggebombt wurde, hier angefeindet, diskriminiert werden und unerwünscht sind, anstatt Hilfe zu erfahren und Zuwendung zu erhalten. Der Hass ist inzwischen so groß geworden in diesem Land, dass die Zuwendung, die Wahrnehmung als Mensch in Teilen der Gesellschaft fehlt. Unsere Gesellschaft ist nicht ausreichend bereit zu teilen. Der Geflüchtete ist unerwünscht, er stört im heilen Alltag. Übrigens genauso wie die Obdachlosen. Auch sie werden diskriminiert. Aber Obdachlose sind Teil der Gesellschaft. Jeder kann in die Obdachlosigkeit abgleiten. [...] Oft werden sie aber verachtet oder ignoriert. Für Armut muss sich aber niemand schämen. Ich habe das Gefühl, dass das gesellschaftliche Klima frostiger geworden ist, und der Neid ist in den zurückliegenden Jahren immer stärker geworden. Im Zuge dessen sind obdachlose Menschen leider noch einmal mehr zur Zielscheibe von Hass geworden. [...] Studien zufolge haben 77 Prozent der wohnungslosen Menschen eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung. Häufig ist sie die Ursache dafür, dass Menschen ihr Zuhause verlieren und in Not geraten. Und auf der anderen Seite macht das Leben auf der Straße krank, das sagen mir immer wieder Gäste des Frühstückstreffs. [...] Psychische Erkrankungen lähmen, da ist nicht das Leben möglich, das ich jedem wünsche. Wenn wir gegen psychische Erkrankungen angehen können, kann für Erkrankte der Weg aus der Obdachlosigkeit gelingen. [...]"

(Interview mit Michael Masseo Maldacker, Franziskustreff Frankfurt)

Der Franziskustreff befindet sich mitten in Frankfurt. Direkt neben dem Kloster Liebfrauen: am Schärfengässchen 3 in 60311 Frankfurt.

Der Frühstücksraum öffnet werktags sowie an christlichen Feiertagen um 7:45 Uhr. Und schließt um 11:30 Uhr. Obdachlose und arme Menschen frühstücken bei uns in einer besonders warmen und herzlichen Atmosphäre. Die Sozialberatung nebenan steht allen offen, die möchten: montags bis freitags, jeweils von 8:00 bis 12:00 Uhr.

An den Feiertagen schmücken wir den Treff für unsere Gäste. Und wir überraschen sie immer wieder mit kleinen Aufmerksamkeiten. Außerdem entlasten wir andere Einrichtungen, indem wir unsere Tür genau dann öffnen: Am 1. Weihnachtstag, 2. Weihnachtstag, Karfreitag, Ostersonntag, Ostermontag, Pfingstsonntag und Pfingstmontag, Christi Himmelfahrt und Fronleichnam.


KI Ecosia: Unterbringung von Obdachlosen

"Die Zuständigkeit für die Unterbringung obdachloser Menschen liegt in Deutschland bei den Kommunen, und wie sie dies umsetzen, entscheiden die Gemeinden selbst www.bmwsb.bund.de. Es gibt keine gesetzlich definierten bundesweiten Standards oder Verpflichtungen, dass eine Kommune einer anderen Kommune Kosten für eine solche Unterbringung erstatten muss www.deutscher-verein.de. Die Regelungen können daher je nach Bundesland oder Kommune unterschiedlich ausfallen und sind oft in kommunalen Satzungen oder Landesgesetzen geregelt www.berlin.de www.nussbaum.de.

Fazit: Eine bundesweite Regelung, die eine solche Kostenübernahmepflicht vorsieht, existiert aktuell nicht. Die Praxis kann lokal unterschiedlich gehandhabt werden, aber es gibt keine allgemeingültige gesetzliche Grundlage dafür www.deutscher-verein.de www.bmwsb.bund.de."

Bruder Michael Masseo Maldacker is a prominent member of the Order of Friars Minor Capuchin (the Capuchins). His life is marked by a significant transition from a professional career in media to a life of service and religious devotion.

Here is a breakdown of his background and current roles:

Religious Life & Service

  • Vows: Br. Michael Masseo took his perpetual (final) vows in September 2024 at the St. Andrä Church in Salzburg. This marked his lifelong commitment to poverty, chastity, and obedience within the Capuchin Order.

  • Current Role: As of early 2026, he serves as the Head of the Franziskustreff in Frankfurt, Germany. This center is a vital social project that provides breakfast, social counseling, and support for homeless and impoverished individuals.

  • Humanitarian Work: Before moving to Frankfurt, he spent several years in Salzburg working as a social worker for the Red Cross, specifically supporting refugees from countries like Syria, Somalia, and Afghanistan.

Professional Background

  • Journalism: Born in 1974 in Rheinfelden, Baden-Württemberg, Maldacker was a trained journalist before entering the monastery. He continues to use these skills within the order to communicate the "Good News" and the mission of the Capuchins.

  • Education: He was notably the first German Capuchin novice in Italy in modern history, reflecting the international nature of his training.

Core Philosophy

Br. Michael Masseo is often quoted regarding his dual commitment to following Jesus Christ and Saint Francis of Assisi. He focuses on the "theology of the encounter," emphasizing that humanity and dignity should be restored to those on the margins of society. His personal motto for his profession was:

"The Lord is my strength and my song; he has become my salvation."

https://www.fr.de/suche?tt=1&tx=&sb=0&td=&fd=&qr=Obdachlosigkeit

Montag, 2. Oktober 2023

Obdachlosigkeit, Wohnsitzlosigkeit, Wohnungslosigkeit

 Der Übergang von Wohnsitzlosen zu Obdachlosen ist fließend. Wer wohnsitzlos ist, ist ständig gefährdet, obdachlos zu werden, und der Wohnungslosenhilfe gelingt es immer wieder, Obdachlosen Wohnungen zu verschaffen. Doch es kommen stets neue Obdachlose hinzu.

Die Wikipedia definiert daher Obdachlosigkeit so: "Obdachlosigkeit ist eine Lebenslage, in der Menschen keinen festen Wohnsitz haben und im öffentlichen Raum, im Freien oder in Notunterkünften übernachten. Die Mehrzahl der Obdachlosen in den Industriestaaten ist männlich, unter den alleinstehenden Obdachlosen machen Männer etwa 80 % aus. Ende 2022 hatten 263.000 Menschen in Deutschland nach Angaben der Bundesregierung keine eigene Wohnung.[1]"

Wohnungslose ist deshalb als Oberbegriff gewählt worden, der Wohnsitzlose   und  Obdachlose umfasst. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe betont: Obdachlos sind auch Menschen in Notunterkünften, die keinen festen Wohnsitz haben und in Wärmestuben, Notschlafstellen oder anderen niedrigschwelligen Einrichtungen übernachten.

Bei Obdachlosen ist auch allein vom Habitus aus kaum zu unterscheiden, wo jemand übernachtet hat. Im Winter gelingt es zum Glück weitgehend, Obdachlosen in Wärmebussen Notschlafstellen zu verschaffen, die das Jahr über im Freien übernachten.

Das Ziel der Wohnungslosenhilfe ist es, allen, die unfreiwillig obdachlos sind, die Möglichkeit zu verschaffen, sich wieder in Wohnungen einzugewöhnen. Das ist ein schwieriger Lernprozess für alle, die langfristig obdachlos waren. Und in der Zeit, wo der Wohnungsmangel so groß ist wie heute, ist es oft unsäglich schwer, überhaupt ein Angebot an Schlafstellen zu verschaffen.