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Sonntag, 10. März 2019

Steuern senken allein hilft nichts

"[...]  Donald Trump hat die amerikanische Körperschaftsteuer massiv von 35 auf 21 Prozent gesenkt. Viele US-Konzerne haben daraufhin Gewinne aus Steueroasen zurückverlagert. Aber für Investitionen haben sie diese nicht verwendet. Zwar investiert Amerika insgesamt viel, aber kaum zusätzlich seit der Steuersenkung. Stattdessen haben die Unternehmen hohe Dividenden ausgeschüttet und eigene Aktien rückgekauft. Bei den Löhnen tat sich praktisch nichts, dafür klafft jetzt ein riesiges Loch im amerikanischen Haushalt.
Diese Art von Wirtschaftsfreundlichkeit ist nicht zu empfehlen. Eine effektive 
steuerliche Entlastung der Unternehmen ist damit nicht grundsätzlich tabu. Aber 
sie sollte durch großzügigere Abschreibungsregeln für Forschungs- und Entwicklungsausgaben erfolgen. Dann verzichtet der Staat nicht einfach auf 
Einnahmen, sondern schafft gezielt Anreize zu investieren. So kommt zur 
Freundlichkeit auch ein Schuss Kompetenz hinzu. Steuersenkungen allein werden Deutschland nicht voranbringen.
Durch die Digitalisierung werden Technologiezyklen dramatisch kürzer. Viele 
Tätigkeiten werden bald von Algorithmen ausgeübt. Gerade im großen und 
ungeschützten Dienstleistungssektor geraten viele Berufe unter Druck, vom 
Sachbearbeiter bis zum Radiologen. Daraus folgt keine Massenarbeitslosigkeit, 
denn es entstehen auch neue Aufgabenfelder. Schon wegen der Demografie werden 
anderswo im Arbeitsmarkt händeringend Fachkräfte gesucht. Aber diese Nachfrage
 findet oft nicht das passende Angebot an Qualifikationen.
Als Antwort muss Deutschland seine Wissensinfrastruktur massiv ausbauen: mehr 
und bessere Kitas und Schulen, lokale Weiterbildungsstätten und Fachhochschulen,
 die eng mit der lokalen Wirtschaft verzahnt und auch in der Provinz bestens digital angebunden sind. Auch an der letzten Milchkanne schlummern Potenziale für Produktivitätswachstum. [...]" ()
https://www.zeit.de/2019/11/wirtschaftspolitik-wachstum-investitionen-foerderung-unternehmen/komplettansicht

Staaten investieren zu wenig in Neuentwicklungen, es fehlt Strategie

"Politik braucht eine Mission"
"Die Ökonomin Mariana Mazzucato findet Industriepolitik gut, Europas Spar-Bemühungen falsch und den Tesla-Gründer Elon Musk überbewertet. Ein Gespräch
[...] Weil das nicht so abstrakt ist, wie Sie denken. Viele der Probleme, die wir heute haben, beruhen auf Geschichten darüber, wie Wert, Wohlstand und Reichtum entstehen. Vielfach sind das Mythen. Sie sind so gewichtig, weil bestimmte Teile der Gesellschaft sehr selbstbewusst darüber reden, wie viel Wert sie schaffen, und andere sehr zurückhaltend sind. [...] Nehmen wir Elon Musk, den Gründer von Tesla, der gerade auch mit seiner anderen Firma SpaceX Erfolge feiert. 
 ZEIT: Er hat es geschafft, eine Raumkapsel an der Internationalen Raumstation ISS anzudocken. 
Mazzucato: Ja, alles, was er tut, geht ins Bruttoinlandsprodukt ein, weil er ein privater Unternehmer ist. Dazu hat er ein enormes Selbstbewusstsein. Die meisten normalen Menschen erkennen dabei nicht, dass fast allem, was Elon Musk getan hat, eine kollektive Anstrengung zugrunde lag. [...] Es gibt einen problematischen öffentlichen Sektor, aber es muss reinvestiert werden, um seine Fähigkeiten zu verbessern. Der Mythos, dass wir einfach die Staatsbürokratie zusammenstreichen müssen, dann ist alles gut, vergrößert das Problem. Ich halte es mit Platon: Geschichtenerzähler regieren die Welt. Ich will, dass die richtigen Geschichten erzählt werden. [...]
(Lisa Nienhaus im Gespräch mit Mariana Mazzucato)

https://www.zeit.de/2019/11/mariana-mazzucato-oekonomin-industriepolitik-staat-innovationen/komplettansicht