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Samstag, 29. März 2025

Wie sind Suren im Koran zu verstehen, die zu Gewalt an Ungläubigen aufrufen?

 Wie komplex das Thema ist, ist vielleicht am besten anhand der Schrift "Ist der Islam noch zu retten? Eine Streitschrift in 95 Thesen" von Hamed Abdel-Samad und Mouhanad Khorchide nachzuvollziehen.

Abdel-Samad kritisiert die aggressive Haltung, die aus vielen Versen spricht, Khorchide weist auf ihren historischen Kontext hin und zeigt auf, dass eine Kritik an solchen Positionen schon im Koran angelegt ist.

Sein Argument: Wenn man den Koran auf den Aufruf zu Gewalt reduziert, gibt man islamischen Hasspredigern recht.

Der Auftrag an den Propheten Mohamed war ein anderer: "Wir [Gott] haben dich ausschließlich als Barmherzigkeit für alle Welten entsandt." (Sure 21:107)

Wenn man aber - entgegen diesem Auftrag - den Hass zwischen den Religionen fördern will, dann muss man die aggressiven Botschaften als Kern des Auftrags verstehen. Das geschieht heute schon übergenug von Islamisten wie von Islamkritikern.

Freitag, 5. November 2021

Zur Funktion von Koranübersetzungen

 "Im Christentum verkörpert sich Gott in einem Menschen, im Islam in einem Buch[...] 

Vorherrschende Meinung unter den Gelehrten war immer, dass es verboten sei, Übersetzungen für rituelle Zwecke zu verwenden. Die Liturgie solle sich auf Arabisch beschränken, die Sprache, in der dem Propheten Mohammed der Koran offenbart wurde. Ritus war wichtiger als Verständnis.

Sogenannte Interlinearübersetzungen ins Persische oder Türkische gab es zwar, dabei wurden zwischen den Zeilen die einzelnen Wörter erklärt, das waren aber vor allem pädagogische   Hilfsmittel. [...]" (Auf Surensuche von Arnfried Schenk, ZEIT 3.11.21)


 


Donnerstag, 5. Januar 2017

Unser Gott und euer Gott ist ein und derselbe

"Unser Gott und euer Gott ist ein und derselbe."  So heißt es im Koran Sure 29,47*

Und dann folgen die Aussagen: Tötet die Juden und Christen, wenn sie sich nicht zum Islam bekennen. Heute gibt es die unerbittlichen Glaubenskämpfe zwischen Sunniten und Schiiten.

Mehr zum Koran:
ZUM-Wiki
Wikipedia
Koran-Explorer

.* Hamed Abdel-SamadDer Koran, hat auf S.139 die fehlerhafte Angabe Sure 26, 46.


Mittwoch, 23. Dezember 2015

Jesus und der Islam: Jesus Ben Maryam

Fortsetzung der Mitschrift der Sendungen 1 und 2

3. Sendung: Jesus Ben Maryam
Im Neuen Testament wird nur Jesus nur einmal als Sohn Marias bezeichnet, im Koran kommt das sehr häufig vor. Maria spielt überhaupt im Koran eine weit wichtigere Rolle als im Neuen Testament. Sie ist im Koran die einzige Frau mit Namen.
Andererseits wird am Christentum kritisiert, dass da Maria als dritte göttliche Figur neben Vater und Sohn existiere. Joseph wird im Koran nicht genannt, Maria aber über 30 mal, häufiger als in den vier Evangelien und der Apostelgeschichte zusammen.
Jemanden als Sohn seiner Mutter zu bezeichnen, war damals eine Beleidigung. Denn wenn der Vater nicht genannt wird, kann man die Mutter verdächtigen, eine Prostituierte zu sein.
Es gibt auffallende Gemeinsamkeiten zwischen der Darstellung der Geburt Jesu im Koran und in apokryphen Evangelien wie z.B. Protoevangelium des Jakobus und Pseudo-Matthäus-Evangelium, aber auch Abweichungen.
Um das Jahr 2000 wurden von Theologen mehr Fragen nach den Einflüssen auf den Koran gestellt.
So fällt auf, dass die hebräische Miriam, eine Schwester Aarons ist und dass die Maria des Korans auch Schwester Aarons genannt wird. Das ist aber sicher keine Verwechslung, sondern eine symbolische Formulierung für einen Bezug zwischen diesen beiden durch mehr als ein Jahrtausend geschiedenen Gestalten.
Jesus des Korans wurde wie Adam aus Staub geschaffen. Gott haucht ihm Leben ein.

4. Sendung: Das Exil der Propheten
Der Name Mohammed (Bedeutung: der Gepriesene) kommt im Koran nur selten vor. Dabei spricht der Koran viel von Propheten (Gesandten Gottes). Hat Mohammed wirklich gelebt? Seine Lebensbeschreibung wurde erst 150 Jahre nach seinem Tod verfasst. Danach schließt man auf die Lebensdaten 570 bis 632. Doch vermutlich gab es in dieser Zeit in Arabien noch gar kein exaktes Datierungssystem, anhand dessen man Gleichzeitigkeit mit Ereignissen in anderen Weltteilen hätte feststellen können.
Die Angaben über Mohammed besagen, er sei Waise gewesen, habe eine deutlich ältere Frau geheiratet und keinen Sohn, sondern nur eine Tochter gehabt. Keinen Sohn zu haben war damals unter Arabern ein großer gesellschaftlicher Makel. Für einen Mann, der wie Mohammed sich sehr fähig fühlte und gut reden konnte, war das eine große Motivation, eine Reform einzuführen, die diesen Makel von ihm nehmen würde.

Den zweiten Teil der 4. Sendung und die Sendungen 5 - 7 habe ich nicht gesehen. 

Samstag, 12. Dezember 2015

Jesus und der Islam

In Arte gab es eine Sendefolge mit 7 jeweils knapp einstündigen Sendungen zu dem Thema. Außerdem liegt dazu ein Buch vor, bisher nur auf Französisch: Gérard Mordillat, Jérôme Prieur: Jésus selon Mahomet, 2015 E-Buch, über die Sicht auf Jesus im Koran[3]

Hier veröffentliche ich meine stark verkürzte Mitschrift der Sendefolge:

1. Sendung:
Die Hadithen erklären den Koran und heben manche Aussagen hervor. Sie sprechen sehr viel über seine Rolle als Weltenrichter (bereits im Koran) und beschäftigen sich mit der Frage, wieso die Juden glaubten, sie hätten Jesus getötet, obwohl sie es laut Koran nicht wirklich taten. Außerdem schreiben sie erstaunlich viel über sein Aussehen, obwohl dazu nichts im Koran steht. Insbesondere schreiben sie viel über die Schönheit seines Haares und sprechen fast immer davon, dass Wasser davon herunter tropft.
Jesus/Isa ist im Koran in mancher Hinsicht wichtiger als Mohammed. Er ist das Wort Gottes, er hat Wunder getan, er ist im Unterschied zu Mohammed nicht gestorben und nicht begraben, er wird als Weltenrichter kommen. Was Mohammed Jesus voraus hat, ist, dass dieser nur der vorletzte Gesandte Gottes war, und dass er die endgültige Offenbarung Gottes, den Koran, den Menschen gebracht hat.
Jesus ist derjenige, der dem Islam zum endgültigen Sieg verhelfen wird, indem er ihn gegen die "Leute des Buches", Juden und Christen, durchsetzt.

Die Juden behaupten zu Unrecht, sie hätten Jesus getötet/gekreuzigt. Die arabische Formulierung dazu lässt sich übersetzen mit "Es erschien ihnen so" oder mit "Bei ihnen wurde der Eindruck erweckt, dass es so sei." Viel spricht dafür, dass Gott selbst das Geschehen bewirkt hat, was die Juden für die Kreuzigung halten mussten.
Im Arabischen glaubt man dem Gehörten [durch die persönliche Autorität des Sprechers Verbürgten - Zusatz Fontanefan] mehr als dem Gesehenen (Möglichkeit der optischen Täuschung, Luftspiegelung, im konkreten Fall Jesus könnte ein Doppelgänger gekreuzigt worden sein.)
Nach einer Version im Barnabasevangelium wird Judas anstelle von Jesus hingerichtet und Jesus gibt ihm sein Aussehen, so dass die Umstehenden getäuscht werden. Im Christentum gab es schon im 2. Jahrhundert Spekulationen darüber, dass es nur so geschienen habe, als wäre Christus gekreuzigt worden. Aber die Version des Koran ist vermutlich unabhängig von diesen Spekulationen entstanden.

2. Sendung:
Jesus wird im Koran auf drei Weisen genannt: Isa, Ben Mariam und der Gesalbte (hebräisch: Messias, griechisch: Christos).
Dabei hat "der Gesalbte" im Koran natürlich eine ganz andere Bedeutung als der Messias, der Befreier Israels, bei den Juden und Christus bei den europäischen Christen, für die Christus nicht mehr der Gesalbte bedeutet, sondern wie der Teil eines Eigennamens Jesus Christus für den auferstandenen Herrn, den Sohn Gottes, steht.
Das arabische Massiach [meine sicher falsche Umschrift des arabischen Wortes im Unterschied zu "Messias" - Fontanefan] im arabischen Neuen Testament hat für die syrischen Christen freilich nicht die aufgeladene Bedeutung von Christos/Christus, sondern heißt für sie auch schlicht der Gesalbte wie im Koran.
Wenn in Sure 4, 157 über die Juden gesagt wird: "Ihre Aus­sage lautete: «Wir haben Isa, den Sohn Maryams, den Ge­sandten Gottes, getötet.»", dann ist das klar erkennbar kein historisches Zitat, denn sie hätten Jesus natürlich nie "den Gesandten Gottes" genannt. Das ist Sprache des Koran. Bezeichnend, dass der Koran ihnen diese Selbstbeschuldigung in den Mund legt, die historisch - zu Unrecht - bei den frühen Christen in der Auseinandersetzung mit den Juden aufkam. Denn wenn der Koran auch in diesem Kontext den Juden vorwirft, sie hätten immer wieder ihre Propheten getötet, bzgl. Jesus kann er es ihnen ja gerade nicht nachsagen, wo er doch Wert darauf legt, dass gilt: "Aber sie haben ihn weder getötet noch gekreuzigt, doch kam es ihnen so vor. Diejenigen, die über ihn uneins sind, zweifeln an ihm. Sie haben kein Wis­sen über ihn, sondern gehen Vermutungen nach. Sie haben ihn ganz sicher nicht getötet. Nicht doch, Gott hat ihn zu sich erhoben." (Zitate nach ZUM-Wiki
Die Kritik des Korans an den Juden ist, dass sie ihre Propheten getötet hätten (darin folgt der Koran frühen syrischen christlichen Quellen), und dass sie an den Gesetzen festhalten, die Jesus aufgehoben hat. Für die heutige Einschätzung des Judentums durch Muslime spielt diese alte Kritik freilich kaum noch eine Rolle. Insgesamt sei für den Islam kein Anti-Judaismus charakteristisch, wie er sich im Christentum schon früh herausgebildet hat.

Der Vorwurf an die Christen ist, dass sie an die Göttlichkeit Jesu glauben, obwohl dieser selbst nicht daran geglaubt hat. 

Fortsetzung der Mitschrift hier



Samstag, 28. Februar 2015

Bibel, Koran und Ungläubige

1. Wenn du in einer Stadt Ungläubige findest, "so sollst du die Bürger derselben Stadt schlagen mit des Schwertes Schärfe und sie verbannen mit allem, was darin ist, und ihr Vieh mit der Schärfe des Schwerts."

2. "Tötet die Ungläubigen, wo ihr sie zu fassen bekommt."

3. Du sollst die Ungläubigen "der Vernichtung weihen, so wie es der Herr, dein Gott, dir zur Pflicht gemacht hat". 

Woran erkennt man, welcher Auftrag in der Bibel und welcher im Koran erteilt wird?

Sobald man ernsthaft an die Frage herangeht, kann man feststellen, dass die Ähnlichkeit der Aussagen künstlich herbeigeführt worden ist, denn im wörtlichen Zitat kommt das Wort "Ungläubige" nur in der zweiten Aussage vor. Im dritten Satz heißt es "der Herr, dein Gott", eine Formulierung, die man im Koran nicht zu suchen braucht.
Auf dieselbe Formulierung stößt man bei der ersten Aussage, sobald man den Kontext beizieht: 
"13 Es sind etliche heillose Leute ausgegangen unter dir und haben die Bürger ihrer Stadt verführt und gesagt: Laßt uns gehen und andern Göttern dienen! -die ihr nicht kennt-14so sollst du sie fleißig suchen, forschen und fragen. Und so sich findet die Wahrheit, daß es gewiß also ist, daß der Greuel unter euch geschehen ist, 15so sollst du die Bürger derselben Stadt schlagen mit des Schwertes Schärfe und sie verbannen mit allem, was darin ist, und ihr Vieh mit der Schärfe des Schwerts.16Und allen ihren Raub sollst du sammeln mitten auf die Gasse und mit Feuer verbrennen, die Stadt und allen ihren Raub miteinander, dem HERRN, deinem Gott, daß sie auf einem Haufen liege ewiglich und nie wieder gebaut werde.…" (5. Buch Mose, Kapitel 13, Ver 13-16)

Doch auch im Koran steht in Sure 2, 191-193 etwas ganz anderes, als die Aussage 2 (eine Übersetzung ohne Kontext) auszusagen scheint.
Im Folgenden kommt es mir vor allem auf diese Aussage an. Im Kontext heißt es dort:

"Und tötet sie, auf welchem Schlachtfeld immer ihr sie zu fassen bekommt, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben! Denn die Unterdrückung ist schlimmer als das Töten. Aber kämpft nicht bei der heiligen Kultstätte gegen sie, solange sie nicht ihrerseits gegen euch kämpfen! Aber wenn sie dort gegen euch kämpfen, dann kämpft gegen sie! Derart ist der Lohn der Undankbaren. Wenn sie jedoch aufhören, so ist Gott barmherzig und bereit zu vergeben. Und kämpft gegen sie, bis es keine Unterdrückung mehr gibt, und bis das Urteil nur noch Gott gehört."
Diese Aussage stammt aus der Phase, wo die Muslime eine kleine Minderzahl waren, die in Mekka, der Stadt ihrer "heiligen Kultstätte", den Angriffen durch die Gegner Mohammeds ausgesetzt waren. Die Sure fordert die Muslime dazu auf, die Unterdrückung ihres Glaubens nicht hinzunehmen, sondern am Glauben festzuhalten und sich gegen die Unterdrücker zu wehren. Freilich nur, so lange diese mit ihrer Unterdrückung des Islams fortfahren.
Was klang wie eine Anweisung für Kämpfer des Islamischen Staates, lässt sich jetzt als Anweisung verstehen, sich gegen die Unterdrückung durch fehlgeleitete Islamisten zu wehren. 
Da ich weder Arabisch, Hebräisch oder Griechisch kann, habe ich diese meine Erläuterungen freilich aus fremden Quellen bezogen, insbesondere aus dem Aufsatz:
"Tötet sie, wo ihr sie zu fassen bekommt" von Ömer Özsoy in Publik Forum Nr.2, 30.1.2015, S.30-31.