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Mittwoch, 14. Februar 2024

GERHARD SCHICK: Die Bank gewinnt immer

 Wie der Finanzmarkt die Gesellschaft vergiftet

Zitate:

"Was vielen nicht klar ist: Deutschland gilt unter Experten als Geldwäscheparadies. Insbesondere die Mafia scheint sich bei uns pudelwohl zu fühlen. So ist Deutschland, neben Spanien, das einzige Land in der EU, in dem alle bekannten kriminellen Vereinigungen aktiv sind. Auch Staatsanwalt Roberto Scarpinato aus Palermo bestätigte diesen Sachverhalt, als ich ihn zu einer Anhörung in den Finanzausschuss des Deutschen Bundestags einlud. In praktisch allen Fällen, die er bearbeite, spiele Geldwäsche über Deutschland eine Rolle, sagte er. 

Nur sie gibt dem organisierten Verbrechen Sinn. Deshalb verursacht Geldwäsche auch erst die Kriminalität, die das organisierte Verbrechen betreibt. Und wer Geldwäsche verhindert bekämpft damit wiederum Kriminalität." (S. 23/24)

"Rund 80 % der Offshore-Gelder gehören den reichsten 0,1 Prozent der Weltbevölkerung. Und das dort untergebrachte Vermögen wächst schneller als die Weltwirtschaft. Etwa 12 % der weltweiten Wirtschaftsleistungen liegt schon dort. (Beleg: Uwe Jan Heuer: "Reiner Diebstahl ist das!" Interview mit Gabriel Zugmann in Die ZEIT, 3. November 2017) (S.26)

"Die Liste der Geldwäscher ist lang. Probleme in dieser Hinsicht hatten in den letzten Jahren etwa auch die Schweizer Großbank Credit Suisse und die niederländische ING. Andere Banken wurden sogar geschlossen. So etwa zwei 2017 die lettische Trasta Komercbanka im Zusammenhang mit dem "russischen Waschsalon". [*Wie die russische Geldmaschine funktionierte, SPON 22.2.2019] (S.35)

"Die Skandale der letzten Jahre zeigen, dass unser heutiges Finanzsystem in viel zu enger Verbindung mit kriminellen Akteuren steht. Natürlich gibt es überall Kriminalität. Aber das Ausmaß am Finanzmarkt ist erschreckend. Meine These ist, dass das Geschäftsmodell einer globalen Großbank ohne Berührung zu kriminellen Aktivitäten gar nicht denkbar ist. Die Branche scheint zu einem besonders wichtigen Helfer organisierter Kriminalität weltweit geworden zu sein." (S. 35)

"Organisierte Kriminalität kann auch anders aussehen, als wir es von der Mafia gewohnt sind. Etwa dann, wenn sich Superreiche, Banken, Kanzleien, Investmentfonds, Jura-Professoren und Berater zusammentun, um dem Staat 10 Milliarden Euro zu rauben. Und wenn sie dafür extra ein Geschäftsmodell aufsetzen, dass so komplex ist, dass der Staat jahrelang braucht, um es zu durchschauen: CumEx, der perfekte Steuerbetrug." (S.35)

Mittwoch, 15. August 2018

Status confessionis im Kontext von Judenverfolgung und Apartheidregime

Der Status confessionis bezeichnet einen Fall, wo eine Entscheidung so wichtig ist, dass sie als ein notwendiges Bekenntnis angesehen wird. Das war unter der Naziherrschaft bei der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 und dann wieder bei der Entscheidung gegen das Apartheidssystem in Südafrika der Fall.
Im selben Sinne - freilich nicht mit dem Terminus Status confessionis  - argumentierte die Kairos-Bewegung in Südafrika.
Mehr dazu bei Ulrich DuchrowGieriges Geld. Auswege aus der Kapitalismusfalle – Befreiungstheologische Perspektiven, 2013, S.148-152

Donnerstag, 28. September 2017

Fließendes Geld

"Mitten in der dramatischen Weltwirtschaftskrise 1929 hat der Bürgermeister von Wörgl in Tirol fließendes Geld eingeführt – eine Stadtwährung. Das hat die Arbeitslosigkeit praktisch beendet und Wörgl mitten in der Krise eine vorbildliche Infrastruktur verschafft.
Das Experiment war so erfolgreich, dass es viele Nachahmer fand, sogar jenseits des Atlantiks. Der Ministerpräsident Frankreichs Édouard Daladier besuchte den Ort. Die Finanzexperten allerdings erklärten die Stadtwährung für groben Unfug. Die österreichische Zentralbank setzte bei der Regierung in Wien ein Verbot durch. Der Bürgermeister ging vor Gericht, verlor und wurde entlassen. Wörgl kehrte zurück zur Landeswährung, zu hoher Arbeitslosigkeit und schrecklichem sozialen Elend.
Die Kompetenz der Finanzexperten ist seitdem nicht gewachsen. Ein Träger des Wirtschaftsnobelpreises wurde neulich gefragt, was an den schönen Modellen der Ökonomen falsch sei, wo doch die Welt von einer Krise in die nächste schlittere. „Die Modelle sind richtig, die Wirklichkeit ist falsch“, hat er geantwortet. Unser Pech: Wir leben und arbeiten in dieser falschen Wirklichkeit.
„Der Krieg ist eine zu ernste Angelegenheit, um sie den Generälen zu überlassen“, hat Georges Clemenceau gesagt. Wir können heute ergänzen: „Unsere Finanzordnung ist eine zu ernste Angelegenheit, um sie den Ökonomen zu überlassen“. Unsere alten Volksweisheiten sind vernünftiger als aller Expertenrat: „Der Rubel muss rollen“ oder „Thaler, Thaler, du musst wandern von der einen Hand zur andern“."

Wolfgang Berger: Durch fließendes Geld raus aus der Zinsknechtschaft

Freitag, 22. September 2017

Über den Nutzen von Bargeld

Bargeld erleichtert den Überblick über Finanzen und die Kontrolle der Ausgaben.
Es ist inklusiv: Das heißt, es kann von allen Bevölkerungsgruppen genutzt werden: von Kindern, von Flüchtlingen, von Menschen mit eingeschränkten geistigen Fähigkeiten und schlechter Ausbildung.

Außerdem: Nur über Bargeld kommt der Normalbürger an Geld "das die Notenbank, die Europäische Zentralbank selbst schafft. Alles andere ist Bankengeld oder virtuelles Geld, geschaffen von privaten Unternehmen. Das wird besonders zum Problem, wenn wenige, mächtige Anbieter den Markt für Karten und elektronische Zahlungsmittel kontrollieren." (Frankfurter Rundschau 22.9.17)

Was uns mit der Abschaffung des Bargelds droht
Bundesbank empfiehlt Bargeld
Sollte Bargeld abgeschafft werden?

Sonntag, 30. Juli 2017

Geldpolitik ohne Zentralbank

Die englische Wikipedia hat einen Artikel Notgeld, unter dem ziemlich dasselbe steht wie in dem gleichlautenden der deutschen Wikipedia.
Die Zeit, in der in den USA bis zu 8000 Banken ihr eigenes Geld ausgaben (alles Dollars), nennt man "Free banking" Era. Dabei waren die Banken so frei nicht, denn sie wurden von den US-Bundesstaaten reguliert. Freilich verhinderte das nicht, dass das von den Banken ausgegebene Geld unterschiedlich viel wert war, je nach dem, als wie liquide die ausgebende Bank eingeschätzt wurde. Mehr dazu findet man im Artikel wildcat banking.
In der Wikipedia nachgeschlagen habe ich aufgrund des Artikels "Kampf um den Dollar" in der ZEIT 31/2017 vom 27.7., S.17, der von der Geschichte der US-Zentralbanken handelt.
Dass ich mich hier, was die USA betrifft, nur auf Artikel der englischen Wikipedia beziehe, liegt daran, dass es in der deutschen keine Artikel zu diesen Stichwörtern gibt, allerdings kurze schwedische und tschechische.

Freitag, 23. Juni 2017

Was uns mit der Abschaffung des Bargelds droht

Das Ende des Bargelds 
"Ökonomen, Banker und Politiker wollen Münzen und Scheine zurückdrängen. Zeit, sich zu wehren." 
Von Lisa Nienhaus und Jens Tönnesmann 21. Juni 2017 DIE ZEIT Nr. 26/2017, 22. Juni 2017

"Bislang ist die schöne neue Welt von Swish zwar kostenlos. Nichts spricht aber dagegen, das irgendwann zu ändern, sodass die Banken an jeder Zahlung mitverdienen.
Auf diese Weise sind die schwedischen Banken die treibende Kraft bei der Verdrängung des Bargelds aus ihrem Land geworden. Auf der einen Seite erfinden sie neue Möglichkeiten, ohne Geld zu bezahlen. Auf der anderen Seite reduzieren sie das Bargeldangebot. Geldautomaten verschwinden, Filialen haben keine Scheine mehr und nehmen auch keine mehr an.
So sparen die Banken jene Kosten, die Bargeld verursacht: Jeder Geldtransporter muss gepanzert sein, jeder Geldautomat nachgefüllt werden. Das ist auf der ganzen Welt teuer, in Schweden aber besonders. Hier sind die Wege weit, das Land ist dünn besiedelt. Außerdem müssen hier die Banken den größten Teil der Kosten für die Geldversorgung tragen. Während in vielen Ländern die Notenbanken einen engen Service anbieten, hat die Riksbank vor etwas mehr als zehn Jahren beschlossen, es weitgehend den privaten Banken zu überlassen, das Land mit Bargeld zu versorgen. [...]
Zwar ist die Zahl der Überfälle auf Banken und Geldtransporter in Schweden in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesunken, von mehr als 200 im Jahr 2008 auf unter 40 im Jahr 2015. Zeitgleich vervielfachten sich allerdings betrügerische Zahlungen mit gestohlenen Karten von knapp unter 20.000 auf fast 70.000 im Jahr.
Eriksson ist außerdem überzeugt, dass es ohne Bargeld für die Bankkunden teurer würde. Die Banken könnten leicht höhere Gebühren und bei Bedarf Negativzinsen durchsetzen. Und sie könnten nachvollziehen und kontrollieren, wie, wo und wofür die Menschen ihr Geld ausgeben. "Wir leben in einer Zeit, in der Hackerangriffe Alltag sind", sagt Eriksson. "Um unser Land lahmzulegen, würde es in einer Zukunft ohne Bargeld ausreichen, den Zugang zum Internet oder die Stromversorgung zu stören." Das Datenschutzargument: Es ist ein wichtiges in der Debatte.
Inzwischen hat Eriksson Verbündete gefunden. Es könnte allerdings zu spät sein. Die Gesellschaft und der Alltag in Schweden haben sich dem Druck der Banken angepasst. Und ist die Bargeldversorgung einmal gestört, dann ist es schwierig, sie wieder herzustellen.
Zur Vorschau auf eine Welt ohne Münzen und Scheine gehört auch ein Blick dorthin, wo die Verhältnisse weniger stabil sind als in Stockholm. [...]
Dimitrios Kampanaros [...] schwört auf Bargeld, seit es ihm vor zwei Jahren den Kopf gerettet hat. Damals, auf dem Höhepunkt der Krise, führte Griechenland Kapitalkontrollen ein, zeitweise konnten die Griechen kein Geld mehr abheben; auch Überweisungen waren schwierig. "Ich muss jeden Monat Rechnungen über 80.000 Euro bezahlen", sagt Kampanaros. Aber er hatte das Unglück kommen sehen und Bargeld in ein Schließfach gelegt. Damit konnte er seine Mitarbeiter bezahlen und Lebensmittel kaufen. So überbrückte er die Zeit, bis sich die Lage beruhigt hatte.
Bargeld ist also auch eine Möglichkeit, in schwierigen Zeiten sein Eigentum zu bewahren. In der Diskussion derer, die das Bargeld loswerden wollen, spielt das bislang keine große Rolle. Vielleicht sind sie zu optimistisch, dass alles gut geht. Kampanaros jedenfalls hat sein Schließfach wieder aufgefüllt. Soll die nächste Krise doch kommen, er ist gewappnet."

Sonntag, 26. Juni 2016

Papier oder Metall? (aus der Kaiserzeit)

"Argumentiert nun unser Goldreservist so, dass er sich sagt: die Geltungskraft des in Deutschland umlaufenden Papiergeldes ist an die Existenz des Deutschen Reichs, zum mindesten an die Integrität der Reichsbank und der deutschen Reichsfinanzen, geknüpft, das Gold behält Goldeigenschaft auch über den Bestand des Vaterlandes hinaus, so hat er theoretisch mit diesen Erwägungen recht. Zu erwidern wäre ihm jedoch: 1. dass er ein erbärmlicher Lump sei, wenn er an die ökonomische Erhaltung seiner werten eigenen, n belanglosen Person denkt, auch für den Fall, dass Deutschland staatlich oder wirtschaftlich zugrunde geht; 2. dass er Möglichkeiten ins Auge fasst, deren Verwirklichung außer dem Bereich aller Wahrscheinlichkeit liegt. Denn selbst im Falle, dass das Kriegsglück gegen uns entscheidet, wäre an einen völligen Zusammenbruch der deutschen Finanz- und Kreditwirtschaft doch nicht im entferntesten zu denken. Aber auch selbst die Gefahr besteht kaum, die ein ganz Schlauer vielleicht wittert, wenn er sein Goldhäschen verpackt, dass unser Papiergeld im eigenen Lande wesentlich „entwertet“ werden sollte. Diese Angst vor starker „Entwertung“ des Papiergeldes spukt ja immer noch in unseren Köpfen, die vielleicht gerade gebildet genug sind, um von der „Assignatenwirtschaft“ während der französischen Revolution gehört zu haben, und die deshalb schon einen Zustand wiederkehren sehen, wie damals in Frankreich, als das Pfund Butter einen Silberfranken oder 300 Papierfranken kostete.
Solche Missgriffe, wie sie zur Entwertung der Assignaten führten, sind in keinem anderen Lande, geschweige denn in Deutschland, dem bestgeordneten Lande der Welt, denkbar."
( Text: Geld und Vermögen in Kriegszeiten von Werner Sombart Quelle: Berliner Tageblatt 27. August 1914)

Die Frage "Wie kommt ein Wissenschaftler dazu, solch einen Text zu schreiben?" ist relativ leicht zu beantworten. 

Dennoch hier noch zwei Links:
Gold gab ich für Eisen
Inflation 1914-1923
Ein Zitat aus dem Artikel des 2. Links:
"Die Reichsregierung hob kurz nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges am 4. August 1914 die gesetzliche Noteneinlösungspflicht der Reichsbank in Gold (siehe Goldmark) auf. Außerdem wurden die staatlichen Möglichkeiten zur Schuldenaufnahme und der Vermehrung der Geldmenge bei den Scheidemünzen und Banknoten durch die Aufhebung des Goldankers (= gesetzliche Dritteldeckung der Reichsbanknoten durch Gold) ausgeweitet. Der Plan war vor Kriegsbeginn insgeheim entstanden; er wurde von der sogenannten„nationalen Begeisterung“ getragen (siehe auch Hurra-Patriotismus). Diese Geldvermehrung sollte durch Kriegsanleihen anstatt durch Steuern gegenfinanziert werden, da der Aufmarsch und die Versorgung millionenstarker Streitkräfte nie dagewesene Kosten mit sich brachten.
Gleichzeitig sollte die Kaufkraft der Bevölkerung für den Militärbedarf abgeschöpft bzw. stillgelegt werden, um bei der vorauszusehenden kriegsbedingten Güterverknappung im Inland der Schwarzmarktbildung durch Geldverknappung bei den Bürgern entgegenwirken zu können. Um an zusätzliches Geld und Gold zu kommen, wurden mehrere Kriegsanleihen und die Aktion Gold gab ich für Eisen aufgelegt. Anders als in Großbritannien und Frankreich, wo der Krieg durch Vermögenssteuern finanziert wurde, sollten diese Kriegsanleihen nach dem „Siegfrieden“ mit der „Kriegsbeute“ in Form von Reparationen dann wieder abgelöst werden. Die hohen Reparationen, die Frankreich nach dem verlorenen Krieg 1870/71 zahlte, waren vielen noch in Erinnerung (Gründerzeit)."

Samstag, 19. März 2016

Geld einfach dargestellt

Geld muss im Umlauf sein. Das geht entweder dadurch, dass der Besitzer einen Anreiz hat es zu verleihen, weil er Zinsen dafür bekommt, oder dadurch, dass es Besitzer es ausgibt, weil es ständig an Wert verliert (Negativzins~Inflation).

Gegenwärtig gibt es zu viel Geld bei Superreichen, die nicht genügend Anreiz haben, es auszugeben, und zu wenig bei Armen, die es ausgeben würden. National heißt das: es fehlt an Inlandsnachfrage. International heißt das: Ungleichgewicht zwischen exportstarken und exportschwachen Ländern beim Welthandel. (In Europa sind die Beispiele: Deutschland und Griechenland.)

Im Inland kann der Staat durch Steuern/Sozialleistungen dafür sorgen, dass Geld von den Reichen zu den Armen kommt.
International könnten dazu fairer Handel und freie Wechselkurse helfen.
Aber die, die von dem bestehenden System profitieren, haben keine Lust , es zu ändern. Und die anderen nicht die Macht.

Freitag, 2. Oktober 2015

Wer's glaubt

"Angela Merkel ist eine sehr intelligente Person, die nicht an Ökonomie glaubt. Solchen Leuten begegnet man oft. Merkel denkt, es sei alles großer Mist, was Ökonomen behaupten. Ich glaube, das kommt daher, dass sie Naturwissenschaftlerin ist. In der Ökonomie gibt es eben nicht die eine Theorie, die alles erklärt." (Geld "Die mächtigste Erfindung der Menschheit"
Dabei enthält das Interview auch viele treffend Überlegungen.
Noch differenziertere Antworten verspricht das Funkkolleg Wirtschaft (ab 2.11.15)

Mittwoch, 5. August 2015

Leistungsgerechter Lohn?

"Die 25 bestbezahlten Hedge-Fonds-Manager verdienten 2009 zusammen unfassbare 25,3 Milliarden US-Dollar. Die Nummer eins, David Tepper, räumte allein vier Milliarden US-Dollar ab."
(Christian Felber: Gemeinwohl-Ökonomie" (Public Value))

Christian Felber: Geld (Rezension FAZ)