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Montag, 8. Dezember 2025

Missionare in Afrika

"16. Kapitel:
Als Obierka zwei Jahre später wieder nach Mbanta kam, waren in Umuofia schon seit einiger Zeit Missionare eingetroffen; aber der Hauptgrund war, dass mit ihnen auch Okonkowos ältester Sohn Nwoje gekommen war. Nwoje war die Rede über die Dreieinigkeit fremd und die Jungfrauengeburt nicht weniger. Aber ihn plagte der Gedanke, dass Zwillingsgeburten "weggeworfen" wurden und eine Frau als kinderlos galt, wenn sie wiederholt Zwillinge bekam. Noch mehr bedrückte ihn, dass sein Pflegebruder, der sein Vorbild geworden war, getötet wurde, weil die "Götter" es befohlen hatten. 

17. Kapitel:
Als die Missionare in Mbanta Land kaufen wollten, um darauf eine Kirche zu bauen, schlug Uchendu vor, ihnen einen Teil des verwünschten Waldes anzubieten, wo die Leprakranken begraben wurden. Dann könne man sehen, ob der Fluch der Götter ihnen wirklich nichts anhaben könne, wie sie es behaupteten. (S.109)
Die Dorfbewohner von Mbanta wussten, dass die Götter manchmal langmütig waren und absichtlich zuließen, dass jemand sich ihnen widersetzte; aber das dauerte höchstens sieben Marktwochen oder 28 Tage. Darüber hinaus durfte niemand gehen. Aber 7 Wochen nach dem Bau der Kirche war den Missionaren immer noch nichts geschehen. Darauf schlossen sich mehrere an, die sich zuvor davor gefürchtet hatten, was geschehen könnte. Und zwar war das Nneka, die Frau eines angesehenen Bauern. Sie hatte schon viermal Zwillinge geboren, die man fortgeworfen hatte, und ihr Mann und ihre Familie hatten das schon lange kritisch gesehen. Jetzt schloss sie sich, weil sie wieder schwanger war, den Christen an. Das regte niemanden übermäßig auf, denn man war froh, dass man sie losgeworden war. Aber als Nwoye beobachtet wurde, wie er zu den Christen ging, berichtete man das Okonkowo. Der reagierte zunächst nicht, doch als Nwoye das nächste Mal in seinen Obi (Hütte) kam, packte er ihn und fragte: "Wo warst du? Antworte mir, bevor ich dich umbringe!" Auf die Frauen schrien, sich aber nicht in den Obi trauten, kam Uchendu und sagte Okonkowo: "Bist du verrückt?" Daraufhin ließ der Nwoye los. Der ging fort und kam nie wieder. Vielmehr schloss er sich endgültig den Christen an. Das verstörte Okonkowo zutiefst. Wie konnte sich sein Sohn von den Vorfahren lossagen! (S.110-113)

18. Kapitel:
Die Christengemeinde wuchs. Das beunruhigte den Clan, aber nicht zu sehr. Zwar retteten sie weggeworfene Zwillinge, aber solange sie die nicht ins Dorf brachten, war das den Dorfbewohnern egal. Denn die Erdgöttin würde die unschuldigen Dorfbewohner nicht für die Sünden der Missionare bestrafen.
 Als die Missionare aber drohen, die Schreine der Götter zu zerstören, wurden sie ordentlich durch geprügelt. Soweit, so gut.
Dann aber stellte sich heraus, dass die Weißen nicht nur Missionare mitgebracht hatten; sondern auch eine Regierung. In Umuofia hatten sie eine Gerichtstätte eingerichtet und sogar einen Mann gehenkt, der einen Missionar getötet hatte.
Kiaga, der Missionar in Mbana, schien aber ganz harmlos zu sein, und die Leute, die zu den Christen übergegangen waren, durfte man nicht töten, weil sie ja noch zum Clan gehörten. Wer einen von ihnen getötet hätte, wäre aus dem Clan ausgestoßen worden. Ein Problem entstand, als die Christen Ausgestoßene (Osu) bei sich aufnahmen. Das ging zunächst gut, bis einer von den Osu die heilige Schlange tötete. Daraufhin wurden die Christen aus dem Clan ausgeschlossen. Ihnen wurde auch der Zugang zur Wasserstelle gesperrt, und die Frauen, die es versuchten, Wasser zu holen, ausgepeitscht. Doch als der Mann, der die Schlange getötet hatte, starb, ließ man die Christen wieder in Ruhe. Die Götter hatten den Übeltäter bestraft, und damit war der Fall erledigt. (S.114-118). 


Aber mit den Weißen und ihrer Regierung waren andere Verhältnisse eingekehrt. Die Beauftragten der Regierung wurden zwar wegen ihrer Kleidung mit grauen Hosen abschätzig Aschenmänner (Ashy-Buttocks) genannt. Aber sie wussten sich durchzusetzen.  [...]

Okonkowo fragte seinen Freund Obierika, wie es dazu kommen konnte.
Obierika: Zwar hätte man die wenigen Weißen leicht vertreiben können; aber ihre (schwarzen) Beauftragten würden dann das Militär holen und dann alle niederschießen und das Dorf in Brand setzen, wie sie es in Abame getan hatten. Die Weißen hielten sich nicht an die festen Regeln der einheimischen Bevölkerung, weil ja nicht einmal ihre Sprache verstanden, geschweige die göttlichen Gebote, und sie ließen sich bestechen. Als einer versucht hatte, das alte Recht dagegen zu verteidigen, habe er seinen Gegner schwer verletzt. Als der dann starb, hatten ihn die Häscher gleich erwischt und seine Familienangehörigen mit ihm zusammen gefangen gesetzt. Er wurde erhängt und danach seine Familienangehörigen freigelassen, doch sie trauen sich nicht, öffentlich zu erzählen, wie es ihnen im Gefängnis ergangen war.
Zunächst kamen uns die Weißen und ihre Anhänger wie Narren vor. Aber die haben die Clans zerstört und die sind auseinandergefallen. Der Weiße "has put a knife on the things that held us together and we have fallen apart." [Zitat des Titels des Romans] (S.129)

21.Kapitel (S.130ff.): 
Aber es gab viele in Umuofia, die die neue Entwicklung nicht so schrecklich fanden, denn die Weißen hätten zwar eine verrückte Religion, aber auch einen Laden gebracht, in dem man Palmöl und Korn zu hohen Preis verkaufen konnte, und es floss viel Geld nach Umuofia.
Und selbst die Religion schien etwas weniger verrückt als am Anfang. Denn der weiße Missionar hatte dagegen gepredigt, dass der bekehrte christliche Enoch die heilige Schlange, deren Kult sein Vater pflegte, getötet und gegessen hatte. Für den neuen Glauben sei es zwar keine Sünde, aber es sei nicht sinnvoll. Auch hatte der Missionar die Freundschaft einiger der wichtigsten Männer des Clans gewonnen, und die hatten ihm einen Elefantenstoßzahn geschenkt Und einer, Akunna, hatte sogar seinen Sohn zu ihm in die Schule geschickt, damit er die weißen Künste lernen könne. Akunna hat mit dem Missionar über die neue Religion gesprochen. Einig waren sie darin, dass es einen obersten Gott gab, der die Welt erschaffen hatte. Akunna nannte ihn Chukwu und meinte freilich, er habe auch die anderen Götter geschaffen, während Mister Brown meinte, die gäbe es nicht. Akunna sagte, sie, seien zwar aus Holz, aber sie seien die Stellvertreter Chukwus auf Erden. Und Mister Braun gestand ihm zu, dass es den auch für die Christen gebe, die Königin in England. Akunna sagte, so wie der Missionar im Auftrage der Königin gekommen sei, so seien die kleinen Götter auch im Auftrag. Chukwus. Wenn diese Vertreter mal etwas falsch machten, dann wendeten die Menschen sich an Chukwu, aber in den kleinen Angelegenheiten nicht. So lernte der Missionar, dass er die Religion nicht frontal angreifen dürfe, wenn er Erfolg haben wollte, und baute deshalb eine Schule und ein Hospital. Denen, die in die Schule kamen, macht er Geschenke. Und erklärte ihnen, dass, wenn sie nicht lernen, sie nicht mehr in die Verwaltung könnten, sondern dass dann die Boten der Regierung alle Fremde aus der Stadt Umuru am großen Fluss sein würden. Die Männer aus Umuofia, die genug gelernt hatten, wurden Lehrer und so 'Arbeiter im Weinberg des Herrn'. So arbeiteten Religion und Ausbildung von Anfang an Hand in Hand.
Okonkwos Sohn Nwoje ging auf die Schule in Umuru, um Lehrer zu werden, und bekam den neuen Namen Isaak. Okonkwo aber verbot ihm, wieder in sein Haus zu kommen. Der Missionar hatte sich also falsche Hoffnungen gemacht, Okonkwo  könnte von seinem Sohn bekehrt werden; aber auch Okonkwo musste feststellen, dass er keine Chancen hatte, in Umuofia wieder so eine Rolle zu spielen wie vor seinem Fortgang. So viel hat es sich inzwischen verändert, dass alle nur über das Neue sprachen und dass Okonkwos Rückkehr für sie keine Bedeutung hatte.
Okonkwo war erschüttert, dass der Clan seine Einigkeit und Stärke verloren hatte und dass er auseinanderbrechen (falling apart) würde und all die Krieger schwach wie Frauen würden.

Kapitel 22 (S.134-138):
Mister Brown wurde krank und musste heimkehren. Sein Nachfolger Mister Smith, hielt nichts von Kompromissen, wie Brown sie gemacht hatte. Er sah nur schwarz und weiß und schwarz war für ihn übel. 
In Umuofia gab es das Sprichwort: 'Wie ein Mann tanzt, so wird für ihn getrommelt.' Bei Smith bekamen die übereifrigen Anhänger Oberwasser. Und Enoch, der dem Vernehmen nach die Schlange getötet hatte, war der Übereifrigste. Als das Fest für die Erdgöttin an einem Sonntag gefeiert wurde und die Geistervorfahren mit ihren Masken wieder hervorkamen, trauten sich die Frauen nicht nach dem Gottesdienst nach Hause zu gehen. Einige der Männer kamen zu den Geistern und baten sie, sich zurückzuziehen, damit die Frauen nach Hause gehen könnten. Die Geister fingen schon damit an, als Enoch sich rühmte, sie würden nicht wagen, einen Christen anzurühren. Da kamen sie wieder und einer von ihnen gab Enoch einen schweren Schlag. Da riss Enoch ihm die Maske herunter und die anderen Geister stellten sich schützend vor ihn, damit die Frauen und Kinder ihn nicht erkennen könnten, und führten ihn fort. Enoch hatte einen Geist der Vorfahren getötet und Umuofia war in Verwirrung gestürzt.
In dieser Nacht war die Mutter der Geister überall im Clan unterwegs und klagte mit entsetzlichen Lauten, wie sie noch nie jemand gehört hatte, um ihren ermordeten Sohn. Es schien, als ob die Seele des Stammes wegen des kommenden entsetzlichen Übel klagte – über den eigenen Tod. 
Am nächsten Tag kamen all die egwugwu  von Umuofia und auch einige von benachbarten Dörfern auf den Marktplatz. Von dort zogen sie zu Enochs Hütte und zerstörten sie. Die Christen entschieden sich gegen Enoch Willen, keine gewalttätige Auseinandersetzung zu versuchen, sondern ihn in der Kirche vor Verfolgung zu schützen. Weil der Missionar den Geistern mutig entgegentrat, sagte deren Anführer, um seines Vorgängers willen, den sie geschätzt hätten, wollten sie ihm nichts tun, er dürfe weiter seinen Gott verehren, aber die Kirche müssten sie zerstören. Nach dieser Zerstörung waren die Geister des Clans beruhigt." 

Kapitel 23 (S.140-43)
Erstmals seit vielen Jahren empfand Okonkwo etwas Ähnliches wie Glück. Der Clan schien ihn wieder auf ein besseren Weg zu sein. Zwei Tage nach der Zerstörung der Kirche waren alle Männer stets bewaffnet unterwegs, weil sie nicht unvorbereitet den Weißen zum Opfer fallen wollten, wie es den Männern von Abame ergangen war. Als dann der Bezirkskommissar, der auf Reisen gewesen war, zurückkam, sprach der Missionar mit ihm, wie er es oft tat, und der Bezirkskommissar lud sechs Männer zu einem Gespräch ein. Als die von dem Angriff auf die egwgwu erzählten, bat er zwölf seiner Leute herein, und ehe sie sich versahen, waren die sechs Männer in Handschellen. Der Bezirkskommissar erklärte ihnen, für ihre Taten sei die Strafe 200 Sack Kaurimuscheln. Wenn sie das akzeptierten und es unternähmen, das im Dorf einsammeln zu lassen, würde ihnen nichts geschehen. Die sechs waren außer Stande, etwas zu sagen, sogar als sie allein waren. Kaum war der Bezirkskommissar aus dem Raum schor, der Anführer seiner Leute, den sechs die Köpfe kahl. Sie bekam nichts zu essen und nichts zu trinken und durften den Raum nicht verlassen, um ihre Notdurft zu verrichten. In der Nacht kamen die Männer des Kommissars und stießen sie mit ihren kahlen Köpfen zusammen. Dann wurden sie mit einem dicken Strick geschlagen.
Die Männer des Kommissar gingen dann ins Dorf und drohten, wenn nicht 250 Säcke Muscheln gezahlt würden, würden die sechs gehängt (die 50 Säcke hatten sie als ihre Provision hinzugefügt). In der Nacht zog der Ausrufer durchs Dorf und forderte alle Männer auf, am Morgen auf den Dorfplatz zu kommen. [...]"

Diese Kurzwiedergabe von Kapiteln aus Achebes: Things Fall Apart bietet einen kurzen Einblick in die Nachteile, die mit christlicher Mission in Afrika einhergingen. Die Vorteile, die sie auch mit sich brachten, sind nur angedeutet bei den Gründen, die ganz am Anfang dieses Textes (im 16. Kapitel des Romans) angegeben werden, wieso Nwoje sich den Christen anschloss.
Mehr von der Kurzfassung zum Roman findet man hier.

 

Samstag, 4. Oktober 2025

Sklaverei in Afrika

"Die omanischen Araber betrieben über den Indischen Ozean, einen regen Handel mit versklavten Afrikanern. Dieser Handel unterschied sich in mehrfacher Hinsicht von der Besitzsklaverei der atlantischen Welt. Zunächst konnten fast versklavte Afrikaner auf vielfältige Weise eingesetzt werden: sie wurden als einfache Diener beschäftigt, da der Besitz von Hauspersonal, in der arabischen Kultur als Zeichen von Prestige galt; sie leisteten als Dichter, Handwerker, Schriftsteller, Musiker und Handelsgehilfen, einen wichtigen Beitrag im kulturellen Bereich; sie dienten als Matrosen oder Soldaten in der omanischen Armee; oder sie wurden als Perlentaucher im Golf eingesetzt (viele Taucher litten an geplatzten Trommelfell, sowie schweren Haut- und Atemwegserkrankungen). Obwohl manche Sklaven derartige Tätigkeiten ausübten, wurde die überwiegende Mehrheit allerdings in riesigen landwirtschaftlichen Projekten mit dem Dattelpalmenanbau und der Trockenlegung von Salzwiesen eingesetzt, wobei Letzteres eine besonders zermürbende und harte Arbeit war.

Im transatlantischen Handel wurden nur Afrikaner versklavt, die Araber hingegen erhielten Sklaven aus vielen Teilen der Welt, auch aus Europa, wenngleich die Afrikaner den größten Anteil bildeten. In allen wichtigen Städten der arabischen Länder gab es Märkte, die unter strenger, staatlicher Kontrolle betrieben wurden. Der Preis für einen versklavten Menschen richtete sich nach seinem Herkunftsort, seinem Geschlecht, seinem Alter, seiner körperlichen Verfassung und seinen Fähigkeiten.
Im transatlantischen Handel gab es zweimal so viele männliche wie weibliches Sklaven. Sie waren gefragter, weil sie aufgrund ihrer Körperkraft als landwirtschaftliche Arbeitskräfte produkti/ver waren, und wurden vor allem auf Plantagen in der Karibik sowie in Nord -und Südamerika eingesetzt. Im Gegensatz dazu wurden im Handel über den indischen Ozean wie im ostafrikanischen Handel die weiblichen Gefangenen mehr geschätzt, und man nimmt an, dass ihre Zahl, die der männlichen übertraf. Verschleppte afrikanische Frauen mussten als Sexsklavinnen arbeiten oder wurden in das Konkubinatssystem der Adligen aufgenommen. Daher war es nicht ungewöhnlich, dass arabische Prinzen und Kalifen afrikanisches Blut von ihrem Mutter erbten. Wenn ein arabischer Mann mit einer Sklavin Nachwuchs zeugte, wurde dieses Kind frei geboren, und in der Regel wurde auch die Mutter freigelassen, damit sie sich um ihr Kind kümmern konnte. Ein Kind, das ein weißer 'Meister' mit einer versklaven Afrikanerin zeugte, blieb in den Amerikas und der Karibik hingegen gewöhnlich ein versklavter Mensch.
 Afrikanischen Männern war es verboten, sexuelle Beziehungen zu arabische Frauen zu unterhalten. Außerdem wurde ein Teil der verkauften Männer von ihren arabischen Herren kastriert. /  Als Eunuchen hatten sie die Aufgabe, über die Konkubinen zu wachen. Die Kastration war ein grausamer und unmenschlicher Prozess: die meisten jungen Männer überlebten die Tortur nicht.
 Viele Afrikaner setzten sich von Anfang an erbittert zur Wehr. Manchen gelangen sogar bedeutende militärische Siege gegen ihre Unterdrücker. In einem gut dokumentierten und sehr frühen Fall aus dem Jahr 869 erhoben sich Mitglieder von Zwangsarbeitergruppen, die in Mesopotamien, im heutigen Südirak, auf Farmen arbeiteten, gegen ihre arabischen Aufseher. Ihre Arbeits- und Lebensbedingungen waren derart miserabel, dass die Sklaven, die in den Sümpfen Salz abbauten, im 'Aufstand der Zandsch' aufbegehrten. Die Revolte dauerte fast 15 Jahre und forderte Tausende Menschenleben, bevor sie schließlich niedergeschlagen wurde.
Jahrhunderte nach dem Zandsch-Aufstand. widersetzte sich eine Gruppe afrikanischer Frauen ihrer Versklavung. Dies geht aus einem mündlich überlieferten Bericht hervor, auf den bei meinen Gesprächen in Afrika über Sklaverei mehrfach Bezug genommen wurde. Es geht um den transsaharischen Handel nach Nordafrika." (Zeinab Badawi: Eine afrikanische Geschichte Afrikas, S. 229-231)

Mittwoch, 17. September 2025

Zeinab Badawi: Eine afrikanische Geschichte Afrikas

Vorinformation

Afrika ist die Geburtsstätte der Menschheit – und doch wissen viele inner- und außerhalb Afrikas nur wenig über die frühe und auch die jüngere Geschichte des Kontinents. Weil die Geschichtsschreibung von der europäischen Perspektive dominiert und daher unvollständig, interessengeleitet sowie verzerrt sei, stellt die Historikerin und Journalistin Zeinab Badawi eine Gegenerzählung aus afrikanischer Perspektive vor. Nach einem Einblick in paläontologische Funde urzeitlicher Menschen gibt sie einen Überblick über die alten Zivilisationen und ihre Herrschenden – etwa die Pharaonen Ägyptens und des Kusch-Reiches, Mansa Musa und die Königreiche Westafrikas oder Mutota und die Könige Groß-Simbabwes.

Bestellung bei der Bundeszentrale für politische Bildung


sieh auchBrennpunkt Westafrika  Bestellung bei der Bundeszentrale für politische Bildung

Donnerstag, 7. September 2023

Die erste afrikanische Klimagipfelkonferenz deutet auf eine neue Rolle Afrikas hin

In Zeiten des Kalten Krieges war Afrika immer wieder Schauplatz von "Stellvertreterkriegen", bei denen die beiden Supermächte USA und Sowjetunion innerafrikanische Konflikte nutzten, um ihre Einflusssphären in Afrika auszudehnen beziehungsweise zu verteidigen. Die Folge war, dass Afrika nicht zur Ruhe kam und seine Chancen zur Entwicklung nicht nutzen konnte. So lautet eine beliebte Deutung der afrikanischen Entwicklung in der zweiten Hälfte des 20. und zu Anfang des 21. Jahrhunderts.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion, der Aufstieg Chinas, die Corona-Pandemie und die allgemeine Erkenntnis, dass der menschengemachte Klimawandel verheerende Folgen für die gesamte Menschheit haben wird, wenn ihm nicht Einhalt geboten wird, eröffnen eine neue Sicht auf die Situation Afrikas.

Es gibt nicht mehr zwei Blöcke und die "Dritte Welt", deren Staaten nur die Wahl haben, sich einer Seite anzuschließen oder auf sich selbst zurückgeworfen die Folgen des Kolonialismus Stein für Stein beiseite zu räumen.

Der "Globale Süden" hat über die Kooperation der BRICS-Staaten (BrasilienRusslandIndienChina und Südafrika) eine Möglichkeit gefunden, manche gemeinsame Interessen deutlich vernehmbar zu vertreten, auch wenn angesichts der vielen Unterschiede zwischen diesen Staaten noch nicht viele Gemeinsamkeiten bestehen. Aber auch ganz Afrika selbst spielt eine neue Rolle. Kein anderer Kontinent hat so viel Potenzial für Solar- und Windenergie, so viele Rohstoffe, die für die Transformation zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft gebraucht werden. Und angesichts der Konkurrenz zwischen den USA und ihrem Juniorpartner Europa einerseits und China andererseits, das Partner für eine zukünftige Führungsrolle sucht, sind plötzlich alle afrikanischen Staaten als Bundesgenossen gefragt.

Wenn beim ersten afrikanischen Klimagipfel Kenias Präsident William Ruto sagte: "Diejenigen, die den ganzen Müll verursacht haben, wollen jetzt die Rechnung nicht bezahlen", kann er darauf verweisen, dass über 90 Prozent von Kenias Strombedarf mit erneuerbaren Energien abgedeckt wird. Hier ist Kenia Vorreiter. Weder USA noch China, weder Europäische Union noch Russland können auf Vergleichbares verweisen. Das gilt auch im Bezug auf Afrika allgemein. Es ist der Kontinent mit 60 Prozent der weltweiten erneuerbaren Energieanlagen, darunter Solar- und Windenergie, Geothermie und Wasserkraft.

"Kein Land soll je wählen müssen zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Klimaschutz" so lautet ein Satz in der vorgesehenen Abschlusserklärung für die Konferenz in Nairobi.

"Genau darin liegt die Kernfrage für so viele afrikanische Staaten: Gibt es einen 'grünen Weg' aus der Armut? Ja sagt William Ruto und forderte auf dem Gipfel unter anderem eine globale CO2-Steuer." (sieh: Der grüne Weg aus der Armut, ZEIT 7.9.23, S.7)

Olúfẹ́mi O. Táíwò schreibt dazu: "Wir müssen Leitungen schaffen, die den bisher Entmachteten Vorteile zufließen lassen und diejenigen, die durch die Ungerechtigkeit von gestern bereichert und ermächtigt wurden, dazu bringen, ihren gerechten Anteil an den globalen Belastungen zu übernehmen, die aus den Reaktionen auf die Klimakrise und dem Schutz unseres Lebens auf diesem Planeten erwachsen. " (Greta Thunberg: Das Klima-Buch, S.451/452)

Mehr dazu:

Samstag, 5. November 2022

FREITAGS KEINE DEMO

 FREITAGS KEINE DEMO Von Vanessa Nakate Die ZEIT, 45/2022, 3.11.22

"Warum der Klimakampf in Afrika anders aussieht als in Europa, schreibt die ugandische Aktivistin Vanessa Nakate [...]

Obwohl Afrika fast 39 Prozent des globalen Potenzials für saubere Energie hat, erhält es nur 
2 Prozent der weltweiten Investitionen dafür.

Statt das zu ändern, fließt weiterhin viel Kapital nach Afrika, um fossile Brennstoffprojekte von Konzernen aus dem globalen Norden zu finanzieren. Die Brennstoffe und die Gewinne daraus werden unvermeidlich zurück In den reichen Teil der Welt geleitet – und lassen die lokalen Gemeinschaften mit wenig mehr zurück als der Umweltverschmutzung und der Verdrängung vieler Anwohner, wie sie diese Projekte nun mal hervorrufen [...]"

Montag, 9. August 2021

Impfverweigerer in Deutschland - Impfungen in Afrika gehen zurück

 Die Zahl der Coronatoten ist laut WHO in Afrika in nur einer Woche von 4384 auf 6273 pro Woche gestiegen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Impfquote gegen Corona nur hier unter 2% beträgt.

Besorgniserregend ist, dass außerdem die Impfquote bei noch weit ansteckenderen Krankheiten stark zurückgeht. So teilt das Kinderhilfswerk Unicef mit, dass im Jahr 2020 rund 23 Millionen Kinder manche wichtigen Impfungen und  vermutlich 17 Millionen überhaupt keine Impfungen erhalten hätten.

Was das angesichts der weithin unzureichenden Gesundheitsversorgung bei steigender Krankenhausauslastung durch an COVID-19 Erkrankte bedeutet, will man sich nicht vorstellen. Aber es müssen unbedingt Präventivmaßnahmen ergriffen werden.

mehr dazu: Corona in Afrika: Kein Schutz für die ÄrmstenFR 20.7.21

Dienstag, 27. Juli 2021

 Lockdown in armen Ländern: »Je gerettetem Erwachsenen würden 1,7 Kinder sterben« Spiegel online 27.7.21

"[...] Sehr vereinfacht ist es so: Ein Lockdown führt recht sicher in eine ökonomische Rezession. Wir sehen anhand von Daten aus dem vergangenen Jahr bereits, dass Lockdown-Staaten Verluste von bis zu 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verzeichnen. Das bedeutet, die Einkommen der Haushalte verringern sich. In den ärmsten Ländern haben die Menschen keine Ersparnisse, um das auszugleichen. Die Regierung hat ebenfalls nicht die Mittel. [...]

Die reichsten Länder haben eine deutlich ältere Bevölkerung mit vielen Menschen im Alter von über 65 Jahren, die sehr vulnerabel gegenüber dem Virus sind. In den ärmsten Ländern ist nur ein geringer Anteil der Bevölkerung so alt. Stattdessen gibt es sehr viele junge Menschen unter 15 Jahren und Kinder unter fünf Jahren. Sie sind wenig gefährdet durch das Virus, aber sehr vulnerabel gegenüber den Risiken einer Wirtschaftskrise. [...]"

Dienstag, 20. Juli 2021

Corona: Kein Schutz für die Ärmsten

 Kein Schutz für die Ärmsten von Pamela Dörhöfer FR 19.7.21

Corona-Infektionen in Afrika steigen immer stärker an. Alle Vorhersagen, der Kontinent würde verschont, waren Wunschdenken. Und nun stocken auch die Routine-Impfungen.

Namibia/Südafrika/Tunesien/Uganda/Sambia - Während in europäischen Ländern über sinkende Impfbereitschaft, eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen und das Impfen von Kindern diskutiert wird, sieht die gesundheitliche Situation in anderen Regionen der Erde ungleich dramatischer aus. So berichtet die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass die Zahl der Coronatoten in Afrika binnen einer Woche von 4384 auf 6273 pro Woche (Stand 11. Juli) und somit um mehr als 40 Prozent gestiegen ist. [...] 

Im Vergleich zu 2019 sollen 3,5 Millionen mehr Kinder die erste Dosis der Diphtherie-, der Tetanus- und der Keuchhusten-Impfung und drei Millionen mehr die erste Masern-Impfung nicht erhalten haben. Auch die Zahl der Mädchen, die zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs eine Impfung gegen das humane Papillomavirus bekommen haben, sei zurückgegangen.

 Das seien „alarmierende Zahlen“, die zeigten, dass die Pandemie jahrelange Fortschritte bei Routine-Impfungen zunichte mache, sagt Seth Berkley von der internationalen Impfallianz Gavi.

 Millionen Kinder würden so gefährlichen, vermeidbaren Krankheiten ausgesetzt. Unter der Entwicklung zu leiden hätten – wieder einmal – die „Schwächsten“, sagt Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. Sie weist darauf hin, das es schon vor der Pandemie Anzeichen dafür gegeben habe, dass „im Kampf um die Immunisierung“ von Kindern gegen vermeidbare Krankheiten „Boden verloren“ ginge. Als Beispiel führt Henriette Fore einen Masernausbruch vor zwei Jahren an. „Die Pandemie hat die schlimme Situation noch verschlimmert.“

Bereits seit mehreren Jahren geraten die weltweit Kinder-Impfraten gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Masern und Polio ins Stocken – Krankheiten, an denen einst viele Menschen gestorben sind oder lebenslange Folgen davongetragen haben, vor denen eine Impfung aber sicheren Schutz bieten kann. 

Freitag, 12. Februar 2021

Heinrich Barth, Afrikaforscher

 Heinrich Barth Wikipedia

"Johann Heinrich Barth (* 16. Februar 1821[1] in Hamburg; † 25. November 1865 in Berlin) war ein deutscher Afrikaforscher und Wissenschaftler (Historiker, Geograph, Philologe).

Heinrich Barth gehört nicht zu den bekanntesten Afrikaforschern wie etwa Henry Morton Stanley und David Livingstone, was primär damit zusammenhängt, dass sein Reisewerk kein Bestseller wurde. Barth wandte sich weniger an das breite Publikum als vielmehr an die Wissenschaftler, vornehmlich die Geographen und Historiker, und lieferte eine detailreiche Reisebeschreibung und lange Exkurse zur Kultur und Geschichte der nord- und westafrikanischen Völker, jedoch keine spannenden Abenteuer, obwohl der Fortgang der Expedition mehrfach durch lebensbedrohliche Situationen gefährdet war. Angesichts des geringen zeitgenössischen Interesses an Afrika in Deutschland wurde Barths umfangreiches Werk nur teilweise zur Kenntnis genommen, und sein weit vorausschauendes Konzept einer interdisziplinären Afrikawissenschaft wurde erst nach 1950 aufgegriffen. In der Gegenwart gilt er nicht nur als Pionier der Afrikaforschung, sondern auch als einer der wenigen Forschungsreisenden des 19. Jahrhunderts, die den Afrikanern ausgesprochen unvoreingenommen begegneten und bereit waren, beispielsweise mit den Vertretern des afrikanischen Islam in einen interkulturellen Dialog einzutreten.[...]

Auch seine Verdienste um die afrikanische Sprachwissenschaft wurden in entsprechenden Gutachten bestritten, was weniger in der Qualität seiner Forschungen begründet lag als in der Tatsache, dass er die Sprachen der Afrikaner überhaupt der Erforschung für würdig und damit den indoeuropäischen Sprachen ebenbürtig hielt. Die Ablehnung durch die etablierten Sprachwissenschaftler hatten auch andere Forscher zu spüren bekommen, wie etwa Wilhelm Bleek, der nach seiner Promotion über die Bantu-Sprachen gezwungen war, eine Stellung in Südafrika anzunehmen, da im akademischen Bereich in Deutschland für einen Außenseiter wie ihn kein Platz war. Eine Hinwendung zur Erforschung afrikanischer Sprachen fand erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts statt, jedoch nicht um der wissenschaftlichen Untersuchung willen, sondern zum Zweck ihrer Nutzbarmachung im Rahmen einer effizienten Kolonialpolitik. In der Praxis bedeutete dies, dass angehende Kolonialbeamte und Offiziere die afrikanische Sprache erlernten, um mit der Bevölkerung in den Kolonien kommunizieren zu können, aber linguistische Forschungen, z. B. zur Sprachgeschichte, waren nicht vorgesehen, sondern konnten von den Dozenten allenfalls außerhalb des eigentlichen Lehrbetriebs als Liebhaberei betrieben werden.

Barths Central-Africanische Vocabularien, die weitaus mehr als reine Wortlisten darstellen, gelten als Beginn der vergleichenden Afrikanistik, wenngleich etliche Schlüsse, die der Forscher gezogen hatte, heute – angesichts einer großen Fülle von linguistischen Spezialuntersuchungen – nicht mehr als gültig anerkannt werden. Sein methodisches Vorgehen jedoch wird von führenden Afrikanisten heute noch als vorbildlich bezeichnet.[...]

In einem Vortrag aus dem Jahre 1860 betonte er, dass der Mittelmeerraum stets ein Angelpunkt der Kulturgeschichte gewesen sei, wo unterschiedliche Kulturen aufeinandergeprallt seien, sich miteinander vermischt und in die unterschiedlichen Richtungen ausgestrahlt hätten, wobei die rassische Zugehörigkeit der einzelnen Völker für ihn keine Rolle spielte. Barth sah im Mittelmeer keine Barriere zwischen den Kulturen bzw. Religionen, sondern eine Region des intensiven Austausches, wenngleich er nicht bestritt, dass der Kontakt nicht immer friedlich gewesen war. Schwarzafrika hatte daher für ihn nie isoliert neben der allgemeinen Weltgeschichte gestanden, sondern war immer ein integraler Bestandteil gewesen. In Barths Konzept von Kulturkontakt stand der Austausch durch Handel an vorderster Stelle. Die Reisen, die Barth in seinen letzten Lebensjahren in der Türkei und auf dem Balkan unternahm (u. a. war er der Erstbesteiger des Olymp), dienten der Untermauerung dieser Theorie, die angesichts seines frühen Todes nur bruchstückhaft überliefert ist. Doch belegen diese Fragmente, dass Barth mit seiner neuen Sicht des Mittelmeerraumes als einer kulturellen und historischen Einheit bereits auf die Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts verwies. Er nahm in Grundzügen die Konzeption vorweg, die der berühmte französische Historiker Fernand Braudel (1902–1985) fast 100 Jahre später in seinem berühmten Werk über den Mittelmeerraum im Zeitalter Philipps II. niederlegte.[...]"

Jenseits des dunklen Afrika ZEIT 10.2.21

Sonntag, 23. August 2020

Experte warnt vor „Massenflucht“ aus Afrika

"Immer mehr Menschen machen sich aus Afrika auf den Weg nach Europa, warnt ein Experte - und sagt, was die Politik jetzt tun muss, um eine Massenflucht zu verhindern.


  • Ein Afrika-Experte warnt vor einer Massenflucht vom afrikanischen Kontinent.
  • Die Corona-Krise befeuere die Situation, vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht.
  • Sein Appell an europäische Regierungen, lautet zusammengefasst: Hört auf, mit korrupten Regierungen zusammenzuarbeiten. [...]

  • Wie die Organisation Medico International beschreibt, sind es auch in der Corona-Krise vor allem die Bürger in afrikanischen Ländern, die sich für ihre Länder engagieren und dabei wichtige Erfolge im Kampf gegen die Pandemie* erringen. So sind etwa in Südafrika Gesundheitsarbeiter*innen, die sich unter Einsatz ihres Lebens für die Gesundheit aller einsetzen, während es die Politik versäume, dauerhafte Antworten auf die Krise zu finden - eine Krise, die schon vor Corona Normalzustand war. Lokale Initiativen, Bildung und Frauen zu unterstützen, muss ein Ansatz sein, so Asserate - doch das geht dem Experten nicht weit genug. [...]

    Vor allem müsse Europa darauf setzen, dass Afrika endlich gut regiert werde, so Asserate: „Viel zu oft erreichen die Entwicklungsgelder nicht diejenigen, für die sie bestimmt sind. In den Händen der herrschenden Kleptokraten wird das Geld zum Instrument des Machterhalts und liefert das Schmiermittel für die grassierende Korruption.“ Viele der Regierenden würden zudem den aktuellen Ausnahmezustand nutzen, um ihren Machterhalt zu sichern.
    Europa müsse eine Zusammenarbeit mit Regierungen beenden, die sich nicht um das Wohl ihrer Landsleute scherten, Menschenrechte mit Füßen träten und vor allem auf das eigene Wohl bedacht seien - ohne Politik vorzuschreiben. Letztendlich seien es die Afrikaner selbst, die die Veränderung herbeiführen müssten. Doch die bräuchten Unterstützung im Kampf für die eigenen Rechte."

    https://www.fr.de/politik/afrika-massenflucht-corona-krise-europa-politik-korruption-diktatur-fluechtlinge-fluechtlingswelle-migration-zr-90028638.html

    Sieh auch:
    https://fontanefansschnipsel.blogspot.com/2020/08/zur-entwicklung-des-fluchtlingsproblems.html

    Dienstag, 17. März 2020

    Corona-Epidemie: Flatten The Curve


    Jetzt Soziologe sein: #FlattenTheCurve ist ja hochspannend! Es funktioniert bereits, wenn sich ein Teil der Bevölkwerung solidarisch verhält. Es funktioniert - im Hinblick auf kontrollierte Infizierung - sogar BESSER, wenn sich nur ein ausreichend großer Teil daran hält. Findet sich ein ausreichend großer Teil Solidarischer? Erträgt dieser ausreichend große Teil, dass sich andere unsolidarisch verhalten, ohne nach Ausgangssperre zu schreien? Werden die unsolidarischen außer Biergartenbesuchen im Frühling weitere Vorteile daraus ziehen? Zudem ließe sich dasselbe Ziel - flatten the curve - über risikobewusstes Verhalten Aller genauso gut erreichen wie über die radikale Einschränkung Vieler und die Sorglosigkeit des Rests. Also: alle könnten mit social distancing arbeiten gehen, ginge niemand mehr feiern. Wie finden wir das als Gesellschaft? Welche Parallelen zu dem, wie unsere Gesellschaft sonst funktioniert, sehen wir darin?
    vgl. https://twitter.com/Lotto_Soudal/status/1239885676780412929

     "Afrika schließt nun also seine Grenzen - und die Europäer müssen draußen bleiben. Während in Deutschland bis Montag noch mehrmals wöchentlich Flugzeuge aus Teheran landeten, obwohl sich Iran als eines der größten Zentren der Pandemie herausbildet, haben die Afrikaner schneller die Initiative ergriffen."
    https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-afrika-grenzen-europaeer-1.4848766

    Montag, 25. November 2019

    Angeeignete Stimmen

    Afrikanische Musik: Geraubte Stimmen Von Ronald Radano
    Vor dem Ersten Weltkrieg nahmen Feldforscher in den deutschen Kolonien rund 2500 Wachswalzen mit afrikanischer Musik auf. Von Historikern kaum beachtet, liegen die Tonträger seither im Berliner Phonogramm-Archiv. Gespeichert ist auf ihnen mehr als nur Gesang. [...]

    "Die beiden "Schönen", wie Weule sie nennt, ein Geograf, Philologe und Mitarbeiter des Berliner Museums für Völkerkunde, seien an den Trichter des Phonographen herangetreten [...] Zuerst habe die eine "vor dem Apparat einen tadellosen Hofknicks" gemacht und gesprochen: "Kwa heri, sauti yangu, Lebe wohl, meine Stimme!" Sodann habe die andere die Prozedur wiederholt. [...]"
    https://www.zeit.de/2019/48/afrikanische-musik-kolonialzeit-wachswalzen-aufnahmen-karl-weule/komplettansicht

    Für mich schwingt in dem "Lebe wohl, meine Stimme!" etwas von Benjamins "Kunstwerk im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit" mit und - deutlich weniger -von "Open Source". Denn es wird ja nicht freiwillig und bewusst eine Lizenz zur Weiterverwendung gegeben.
    Aber aus der deutschen Fassung der afrikanische Aussage lässt sich zweierlei herauslesen: Der Verlust der Aura und der Abschiedssegen vor der Reise in die ferne Welt, fern durch Raum und Zeit.
    Radano bemüht sich, den Indigenen gerecht zu werden, indem er die kolonialisierenden Weißen kritisiert. Aber die historisch erstmalige Situation, dass diese Stimmen über Zeit und Raum hinweg (natürlich unter Verlust eines erheblichen Anteils ihrer Authentizität!) transportiert werden können und dass dies - aufgrund der damaligen technischen Gegebenheiten - nur über die Ausrichtung der Stimme auf den Schalltrichter möglich war, stellt er zwar dar, bringt es aber nicht zur Sprache.
    Wie der einmal der Fall, dass uns ein historischer Vorgang aufgrund seines zeitlichen Abstands unsere Gegenwart besser verstehen lehrt. 
    Ronald Radano hat ja Recht, aber die unberechtigte Aneignung wird zum Geschenk für die Nachwelt. Der "Stimmenraub" ist wie eine Verfremdung der archäologischen "Grabräuber", denen wir so viel unserer Kenntnis der Vorgeschichte und Selbsterkenntnis unser eigenen Zeit verdanken.



    Samstag, 26. Januar 2019

    Zahlen

    In Deutschland werden jährlich 125 Mrd € hinterzogen, in Italien 190 Mrd. EU-weit sind es etwa 825 Mrd. Das ist schon ein Fortschritt gegenüber 2009. Da war es noch knapp eine Billion.
    Natürlich sind die Zahlen geschätzt, denn es handelt sich ja um illegales Vorgehen, wo die Dunkelziffer naturgemäß hoch ist. (FR 26.1.2019)

    Um den Bestand einer Bevölkerung auf natürlichem Wege zu erhalten, müsste durchschnittlich jede Frau im Laufe ihres Lebens 2,05 Kinder bekommen. Gegenwärtig sind es noch durchschnittlich 2,4 Kinder. 91 Länder (besonders hoch entwickelte) liegen bereits unter 2,05.
    Europa kann seinen Bevölkerungsverlust durch Migration ausgleichen, Japan nicht.
    (Quelle: ZEIT oder FR, vermutlich spuckte eine Suchmaschine eine dpa-Meldung aus)

    Aus Afrika fließt jährlich mehr Geld aufgrund Steuerflucht und anderen Gründen ab, als an Entwicklungshilfe gezahlt wird. (Diesmal ganz ohne Zahl, vergessen!)

    Wichtiger noch ist, dass durch Subvention von Agrarexport aus Industrieländern große Teile der afrikanischen Landwirtschaft in den Ruin getrieben wird.
    Für die Fischer gibt es zwei lukrativere Alternativen als Fischfang (Fischfang der Industrieländer macht lokalen Fischfang weitgehend unrentabel).
    Die Alternativen sind Piraterie und Flüchtlingstransport.

    Sonntag, 16. September 2018

    Frauen glänzen nicht nur durch Schönheit

    Laureen Gambino berichtet im Guardian von einem afrikanischen Wettbewerb, in dem sich Mädchen und Frauen von 13 bis 25 Jahren durch brillanten Einsatz von IT-Kenntnissen für Gemeinschaftsprojekte hervortun können.
    Die Siegerin bekommt finanzielle Unterstützung für die Realisierung ihres Projekts.

    mehr dazu:
    Zur Situation in Ruanda:
    "[...] The government has set a target of achieving gender parity in the information communications technology sector by 2020, an ambitious goal in a worldwide industry notorious for its lack of diversity. But through educational campaigns, scholarships and mentorship programmes, Rwanda is determined to become a global leader for women in ICT.
    “It’s a good place to be a woman in tech right now,” Kunda says of Rwanda.
    Before the genocide of 1994, it was uncommon for women in Rwanda to own land, receive a formal education or hold jobs outside of the home. After the atrocity, the country’s surviving population was 60-70% female, according to contemporary accounts.
    President Paul Kagame, who has led Rwanda with an iron fist since 2000, realised that advancing women was the only way forward and has championed their rights ever since.
    Rwanda now leads the world in female representation in parliament, due in part to a quota system that reserves seats for women. Gender rights are enshrined in the national constitution and laws were changed to give women the right to inherit land and obtain credit.
    As a child, Rosine Mwiseneza, who was orphaned during the genocide, recalls watching the women around her stepping into leadership roles in government and civil society. They became police officers, accountants, butchers, shop owners. Girls went to school and competed alongside boys for internships and scholarships.
    Mwiseneza was studying business management at Kepler University in Kigali when she entered the Ms Geek contest in 2016. Her idea was for an automated irrigation system that would help farmers cultivate their fields year-round as opposed to just during the rainy season.
    Mwiseneza says she was astounded when she won the competition. In that moment, she remembered her parents and all the hardships she had endured.
    “It was very difficult to believe,” she says. “I started thinking of everything that had passed before that day and I began to cry.”
    As well as rapid economic growth and rising standards of living, Rwanda is fast becoming a highly digitised society.
    In 2013, the Akilah Institute, Rwanda’s first college exclusively for women, launched a diploma in information systems. The programme, which started off enrolling just 10 students each year, has expanded sixfold in the five years since it opened. [...]" (The Guardian 28.5.2018)

    Miss Geek Africa (englische Wikipedia)

    Montag, 25. Juni 2018

    Der afrikanische Fluch

    Der afrikanische Fluch
    "Einst hieß es: Diesem Kontinent gehört die Zukunft. Wer ist schuld daran, dass es anders kam?" Von Bastian Berbner, Malte Henk und Wolfgang Uchatius, DIE ZEIT Nr. 26/2018, 21. Juni 2018

    "[...] Frank Wiegandt beobachtete, wie der Norden die afrikanischen Länder nötigte, ihre Gesundheits- und Bildungsausgaben zu kürzen.
    Ishmael Beah war dabei, als Warlords einen Krieg um Diamanten entfesselten und dabei nicht einmal vor kleinen Kindern haltmachten.
    Und Unity Dow kann all jene widerlegen, die behaupten, die afrikanische Misere wurzele in der Natur des Afrikaners. In Botswana geht es den Menschen heute ähnlich gut wie in den asiatischen Wirtschaftswunderländern.
    Zugunsten der Täter ist zu sagen, dass wohl die wenigsten das Ziel hatten, den Menschen in Afrika zu schaden. Es ist eben so passiert. Die Banken wollten ihr Geld zurück, die Amerikaner wollten ihren Bauern helfen, die Warlords wollten die Rohstoffe besitzen, der Schmuggler Mangal witterte ein Geschäft, und die korrupten Präsidenten glaubten vermutlich, sie hätten ihren Reichtum tatsächlich verdient. Sie alle dachten nicht an Afrika. Sie dachten an sich selbst.
    Sanusi Badamasi tritt heraus in die Sonne. Im Schatten vor der Fabrikruine sitzt der Alte mit ein paar anderen ehemaligen Arbeitern. Sie reden über die Zukunft, die Hoffnung. Außerhalb Afrikas."

    Alle Einzelaussagen und auch die Hauptschuld des "Nordens" zweifle ich nicht an. Insgesamt sieht es aber sehr nach einer unangemessenen Dramatisierung aus, wie sie Hans Rosling in "Factfulness" beklagt.
    Er weist darauf hin, man dürfe den Entwicklungsstand nicht nach Regionen, sondern müsse ihn auf Länder bezogen betrachten. (Beispiel: Ghana im Vergleich zu Somalia und Mosambik) Auch hingen der Lebensstandard und Lebensweise nicht von Region oder Land ab, sondern von der Einkommenssituation des betreffenden Haushalts.

    Sonntag, 10. Januar 2016

    Samstag, 6. Juni 2015

    Wo sollte ausgestellt werden?

    Diesen Blogbeitrag habe ich zuerst am 22.5.15 in dem Blog "Nachbarschaft" veröffentlicht. Anlässlich einer Erweiterung veröffentliche ich ihn auch hier.

    KOLONIALISMUS:Wem gehören die Masken?  ZEIT online, 6.6.15
    "Das Ethnologische Museum in Berlin, eines der kostbarsten seiner Art, verdankt seinen Bestand in weiten Teilen der kolonialen Gier. Nun soll die Sammlung ins neu erbaute Stadtschloss umziehen. Viele sind darüber alarmiert, und die Frage nach altem Unrecht stellt sich neu. [...]"
    Mehr dazu im "Humboldt-Forum", einem Magazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz:

    Dort  berichten die italienische Ethnologin Paola Ivanov und der US-Amerikaner Jonathan Fine in einem Interview  (S.22-24) darüber, wie sie die Ausstellung zu Afrika, wie sie ab 2019 im Humboldt Forum zu sehen sein wird, planen. (PI = Paola Ivanov; JF = Jonathan Fine) 

    Paola Ivanov: Wir erzählen gleich die richtige Ge­schichte! Europa ist einfach nebensächlich. Wir blicken von Afrika aus. Ein Beispiel dieser Verflechtungen ist der In­dische Ozean als frühe globalisierte Weltdie auch die Küste Ostafrikas einschloss. Die Anrainer des Indischen Ozeans bilde­ten schon ab etwa 900/1000 n. Chr. ein Austauschnetzwerk von Ideen, Menschen und Gütern. Da verfolge ich dezidiert ei­nen südlichen Blick. Die Europäer sind die Eindringlinge, die Fremden. Der Han­del erfolgte weitgehend friedlich - und dann kamen die Portugiesen mit Waffen.

    Haben Sie für diesen südlichen Blick auch mit anderen Kuratoren zusam­mengearbeitet?
    pl Was den Indischen Ozean angeht, hat sich die Forschung ab den 1980er-Jahren entwickelt. Und das war nie eine eurozentrische Forschung. Einer ihrer Begrün­der, AbdulSheriff, mit dem ich mich viel ausgetauscht habe, kommt zum Beispiel aus Sansibar.

    Sie stellen auch den prächtigen Perlen­thron des Herrschers von Bamum aus. Was kann man von diesem Objekt über das Verhältnis zu den deutschen Kolonialbesatzern erfahren? 
    Jonathan Fine: Der Thron wurde von dem Vater des Bamum-Königs Njoya hergestellt, um Macht und Reichtum des Königreichs zu zeigen. Als die Deutschen dann kamen... 
    ... die Kamerun von 1884 bis 1918 be­setzt haben ...
    JF... wurden sie von den Bamum-Leuten als Bedrohung wahrgenommen. Die Deutschen wollten den Thron haben. Der König hat verhandelt, und dann hat er ihn den Deutschen tatsächlich geschenkt. Aber so ein Geschenk ist nie etwas, was man nur aus reiner Freude macht... 
    pl... sondern eine Gabe, die verpflichtet. Sagt Marcel Mauss.
    JF Dieser Thron ist eine Gabe in diesem Sinne gewesen. Der König wollte eine politische Allianz mit Deutschland ein­gehen. Er wollte sich vielleicht dem Deut­schen Reich wie einem Fürstenbund an­schließen. Aber die Deutschen haben die Verpflichtung nicht verstanden - oder sie nicht verstehen wollen.
    Sie haben Njoya ein empfindliches Musikinstrument* geschenkt, das schnell kaputtgegangen ist. Der König war tief enttäuscht. 
    pl Da sieht man die Arroganz der Europä­er! Gaben tauscht man auf gleicher Ebene aus. Kaiser Wilhelm II. hat den Regenten von Bamum aber nicht als gleichberech­tigt anerkannt. Das war ja ein Novum, dass völlig verrückte Europäer kamen und sagten: Alles gehört uns, das Land, die Wälder, die Ressourcen - alles.
    Wie gehen Sie generell mit dem Thema Kolonialismus um? Mit dem Maji-Maji-Krieg, bei dem sich eine breite Allianz in Deutsch-Ostafrika gegen die repressive Besatzung erhob? Oder mit dem Kolonialkrieg zwischen den deutschen Truppen und den Völkern der Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika, der als Massenmord endete?
    pl Ein Schwerpunkt ist die gläserne Stu­diensammlung, in der die Sammlungs­geschichte thematisiert wird. Wir haben in der Afrika-Sammlung des Museums etwa 75.000 Objekte. Zwei Drittel davon kamen während der Kolonialzeit, nicht nur aus den deutschen Kolonien übrigens. Wir zeigen, wie die Sammlung im Zuge der Kolonialeroberung entstanden ist. Andererseits zeigen wir auch, was alles nicht gesammelt wurde: Europäische Kleidung oder aus Indien importierte Stoffe zum Beispiel, die in Afrika schon lange und verstärkt im 19. Jahrhundert verwendet wurden. Stattdessen haben die
    Sammler nach Baststoffen gesucht, weil die angeblich traditioneller waren. Nur hat damals niemand mehr Bast getragen! Es wurde also nicht die Wirklichkeit Af­rikas gesammelt, sondern nur eine 
    eu­ropäische Vorstellung von Afrika. Aber natürlich zeigen wir auch die militärische Gewalt und die brutale Unterdrückung.
    JFDer Kolonialismus wird in jedem Mo­dul thematisiert. Wir wollen nichts ver­tuschen oder verharmlosen. 
    Pl Benin zum Beispiel: Alle sehr schönen, sehr wertvollen Bronzen kamen im Zuge der Zerstörung der Hauptstadt Benins durch die britischen Truppen nach Euro­pa. Wie die Bronzen dann in Berlin gelan­det sind - das wird in der von Peter Junge kuratierten Ausstellung auch erzählt.
    Fordert der König von Benin nun diese Bronzereliefs zurück? 
    pI Es gab 2007/8 eine große internationa­le Ausstellung zu Benin, und im Katalog dazu hatte der König von Benin in einem Beitrag geschrieben, dass er einige Ob­jekte gern zurückhaben würde. Aber es gab keine offizielle Rückforderung. Auch der nigerianische Staat hat keine gestellt.
    Der juristische Aspekt ist das eine: Wurde etwas rechtmäßig erworben, wurde es gestohlen? Aber daneben existiert eine große moralische Grau­zone: Waren die Besatzungsumstände, unter denen das Objekt erworben wurde, vielleicht so, dass sie zu einer Rückgabe verpflichten?
    JF Wir recherchieren in all diesen Fällen die Umstände, und die Perspektiven der beteiligten Personen und Institutionen fließen in die Entscheidung mit ein. 
    Ich möchte den Blick noch einmal auf die Kritik am Humboldt-Forum richten: Objekte, die größtenteils während der Kolonialzeit nach Berlin gelangten und nun in einem 
    wiederauf­gebauten Schloss präsentiert werden - das halten einige für eine neokolo­niale Geste. Diese Kritiker sehen das Humboldt-Forum quasi als eine Art Superzeichen der Restauration. Kön­nen Sie dieses Urteil nachvollziehen? 
    JF Eine solche Einschätzung beruht mei­ner Meinung nach auf einem Missver­ständnis. Es gibt tatsächlich Museen, die Objekte aus der Kolonialzeit un­kritisch präsentieren, sodass sich auf gewisse Weise der kolonialistische Blick bis heute fortsetzt - genau das wollen und werden wir nicht tun. Und zu sa­gen, alles soll geräumt und zurückge­geben werden, ist auch keine Lösung. Denn das hieße, die Geschichte wegzu­wischen. Für mich wäre dieses Wegwi­schen eine sehr gefährliche Geste. Wir wollen stattdessen die Chance für eine kritische und auch selbstkritische Aus­stellung nutzen.
    Pl Uns ist wichtig, dass die Sammlungen in die Stadtmitte kommen, wo sie eine breitere Rezeption erfahren können, die ihrem sehr, sehr hohen Wert entspricht. Was die Provenienz angeht: Wir 
    erfor­schen die Herkunft aller Objekte, die im Humboldt-Forum ausgestellt werden. Das ist manchmal sehr schwierig, aber es wird nichts verschleiert. Wir wollen einen Perspektivenwechsel betreiben, weg von der eurozentrischen Perspek­tive. Nun, falls einige das Schloss noch mit der alten Vorstellung vom Westen und den „anderen", von the west and the rest verbinden, dann dekonstruieren wir diese Vorstellung. Wir hoffen, dieses Bild auflösen zu können, um stattdessen die Vorstellung von einer einzigen Welt wiederherzustellen. Denn das ist, worum es uns geht."

    *Die Wikipedia spricht von einer Kürassieruniform.

    (Links und Hervorhebungen in den Antworten stammen von Walter Böhme)