Posts mit dem Label Boat-People werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Boat-People werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 17. Juli 2019

Frank Bösch: Zeitenwende 1979

Frank Bösch: Zeitenwende 1979 (Rezensionen in Perlentaucher)

Die Revolution im Iran, S.18ff

Papst Johannes Paul II. in Polen, S.61ff

Die Revolution in Nicaragua, S.95ff

Chinas Öffnung unter Deng Xiaoping, S.141

Die Boat People aus Vietnam, S.187
Tatsächlich nahmen CDU-regierte Bundesländer anfangs mehr Flüchtlinge auf, allen voran Niedersachsen unter Ernst Albrecht. [...] einzelne CDU-regierte Städte, wie Frankfurt unter dem Oberbürgermeister Walter Wallmann, beschlossen Anfang 1979 ein eigenes Kontingent für 250 Boat-People, die sein Büroleiter Alexander Gauland aus Hongkongs Lagern begleitete." (Seite 195) [Wikipedia: "In der Funktion als FrankfurterMagistratsdirektor organisierte er u. a. die Verbringung von vietnamesischen Flüchtlingen (Boatpeople) in die hessische Metropole.[20]"]
"Ebenso zeigten zahlreiche Christdemokraten zivilgesellschaftliches Engagement und organisierten Hilfsaktionen. [...] Die Flüchtlingshilfe war damit zu einem bürgerlichen Projekt geworden. (Seite 196)
"Eben so dramatisch waren die Fluchtgeschichten, die die Journalisten von den Geretteten berichteten, etwa über die Raubüberfälle und Vergewaltigungen durch Piraten oder die katastrophale Situation in den Aufnahmelagern, die zunehmend keine Flüchtlinge mehr einließen. [...] Direkt aus denn südostasiatischen Lagern berichtete ihr Redakteur (und späterer Herausgeber) Josef Joffe, er sei "als Reporter abgefahren, aber als Parteigänger wiedergekommen". Seine Artikel über das Lager auf der malaiischen Insel Bidong, das mit 40.000 Menschen überfüllt war, schickte er ein Bundeskanzler Schmidt, um ihn zum Eingreifen zu bewegen." (Seite 197)
"Damit zeigte die deutsche Gesellschaft 1979 eine größere Aufnahmebereitschaft als die Bundesregierung." (Seite 199)
"Verschiedene Linksintellektuelle, die einst gegen den amerikanischen Einsatz in Vietnam eingetreten waren, lehnten nun sogar öffentlich die Hilfe für die Boot-People ab. [...] Besonders deutlich fiel die Kritik in der linken Zeitschrift konkret aus, die sich direkt gegen Rettungsaktionen durch die Cap Anamur wandte: "Mit Spenden von Rentnern, karitativen Vereinen und vom Staat sammelt die Cap Anamur vietnamesische Flüchtlinge aus dem Meer. Viele der Boat-People sind Schwarzhändler, Zuhälter und US-Kollaborateure, die sich gegen Geld Tickets für den Weg zu neuen Ufern kaufen." [...] Der Schriftsteller Heinrich Böll, der sich für die Flüchtlinge engagierte, hielt dem eine überparteiliche Humanität entgegen: "Ich würde auch einen ertrinkenden Zuhälter retten… Ich hätte sogar den Massenmörder Eichmann aus dem Wasser gezogen." [...]  Schlüsselfiguren der Achtundsechziger, wie Rudi Dutschke, kritisierten nun die Menschenrechtsverletzungen in Vietnam und die "Zerstörung aller sozialistischen Ansätze.“(Seite 200)



Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan, S.229ff
"Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan lässt sich in mehrfacher Hinsicht als ein global bedeutender Umbruch fassen, der bis in die Gegenwart prägend blieb. Er steht erstens für die Überdehnung des sowjetischen Machtanspruchs" (Seite 231) 
"Zweitens lässt sich der Einmarsch, zusammen mit dem NATO-Doppelbeschluss 1979 und der Friedensbewegung, als ein letzter Höhe- und Wendepunkt des Kalten Krieges fassen. [...] 
Einen Umbruch in die Gegenwart bedeutet der Krieg drittens, weil er den Aufstieg radikaler islamischer Kämpfer förderte [...] 
Viertens repräsentiert auch Afghanistan die Dynamiken der Globalisierung. Selbst ein derart rohstoffarmes Land entwickelte sich nun zu einer globalen Drehscheibe, sei es beim militärischen Engagement in der Region, beim Handel mit Drogen oder auch durch die großen Flüchtlingsströme" (Seite 232)
Besonders die deutsche Oberrealschule in Kabul er fühlt sich seit den 1930er-Jahren langfristig als Kaderschmiede für spätere Politiker. Selbst viele kommunistische Kader, wie der 1979 von Moskau eingesetzte Präsident Babrak Karmal, erhielten hier ihre Ausbildung." (Seite 233/234) 
Nach dem Einmarsch der Sowjetunion fanden sozialistische Reformversuche statt.
"Der islamische Widerstand und der Bürgekrieg flammten im Zuge dieser sozialistischen Reformversuche auf. (Seite 235)
"Die sowjetische Presse sprach bis 1986 von den "Ereignissen in Afghanistan", nicht von einem Krieg oder gar Einmarsch. [...] 

[Für Deutschland galt:] "Die sozialliberale Regierung wollte nicht die Errungenschaften der Ostpolitik gefährden und möglichst weiterhin den Gesprächsfaden mit Moskau wahren."(Seite 243)
"Wie beim Wirtschaftsboykott gegen Iran folgten die Länder Westeuropas allenfalls widerwillig und eingeschränkt den USA." (Seite 245)
"Dabei waren sich alle Beteiligten bewusst, dass ein angedrohter Olympia-Boykott die Sowjetunion nicht zum Rückzug bewegen würde. Der Boykott sollte jedoch ihren Reputationsverlust vergrößern und ein symbolisches Signal setzen, das den Westen mit arabischen Ländern, Ostasiens und Staaten der Dritten Welt verband.[...] Vor allem sorgte die Boykott-Debatte dafür, dass der sowjetische Einmarsch in der Weltöffentlichkeit intensiv präsent blieb." (247)


Thatchers Wahl und die Gründung der Grünen, S.269ff


zu S.279 ff sieh hier

Mittwoch, 6. September 2017

Vermischtes

Lehrermangel SZ 6.9.17
"In Sachsen wird gerade ein Effekt wirksam, der strukturell alle Bundesländer des Ostens betrifft: Wegen deutlicher Geburtenrückgänge wurde die Lehrerausbildung in den Neunzigern zurückgefahren - nun, da die Schülerzahlen wieder steigen, kann die gegenwärtige Pensionierungswelle nicht durch planvoll ausgebildete junge Kollegen hinreichend ausgeglichen werden."

mehr dazu: Lehrermangel aufgrund Fehlsteuerung und unerwarteten Herausforderungen

Boat People 1979  ZEIT 25/2017

Versicherungen halfen beim Steuerraub  ZEIT 25/2017

Mord an Dag Hammarskjöld?  ZEIT 25/2017


Donnerstag, 15. Juni 2017

Flüchtlinge: Boat-People

Die Christdemokraten und die vietnamesischen Boat-People 1979 ZEIT 13.6.17

"Kannte man Migranten bis dahin fast ausschließlich als "Gastarbeiter", finanzierte der Staat nun Integrationsprogramme für ihren dauerhaften Verbleib. Als Kontingentflüchtlinge erhielten die Vietnamesen eine befristete Arbeitserlaubnis für fünf Jahre, die verlängerbar war und nach acht Jahren entfristet werden sollte. Sie bekamen Bafög, Hilfen zur Eingliederung ins Berufsleben sowie soziale Förderung. Die Kosten waren erheblich. Allein die verpflichtenden Sprachkurse schlugen mit 15 000 Mark pro Flüchtling zu Buche. Im Vergleich zu anderen Einwanderern gelang die Integration dafür denkbar gut: 2013 besuchten zwei Drittel der Jugendlichen mit vietnamesischem Migrationshintergrund das Gymnasium.

Wie heute folgte der Flüchtlingshilfe eine Welle der Fremdenfeindlichkeit. Während die einen Menschen aus überfüllten Booten retteten, entdeckten andere den Slogan "Das Boot ist voll". Steigende Asylbewerberzahlen und wachsende Arbeitslosigkeit verstärkten die ausländerfeindliche Stimmung. Besonders die CSU klagte nun über "Wirtschaftsasylanten". Auch sozialliberale Stimmen monierten ängstlich die wachsende Ausländerzahl trotz des Aufnahmestopps von 1973. Bundeskanzler Helmut Schmidt wies nachdrücklich darauf hin, dass die "Bundesrepublik Deutschland kein Einwanderungsland ist" und auch keines werden wolle.
Christdemokraten, die zuvor noch höhere Kontingente gefordert hatten, verlangten jetzt härtere Asylgesetze. "