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Dienstag, 18. April 2017

Ein Portenser in der Pubertät

Pforta, d. 24.VIII.19

[unter dem Datum schräg über der Anrede:] Schickt bitte Briefbogen! Dies ist der letzte!

Liebe Eltern!
Für das Paket mit Strümpfen vielen Dank. Ihr werdet Euch sehr gewundert haben, daß ich am vorigen Sonntag nicht schrieb. Ich muß aber gestehen, daß ich keine Lust hatte. Schlimm genug ist es freilich; aber es ist nun einmal so. Heute ist aber ziemlich scheußliches Wetter. Da werde ich wohl nicht auf Spaziergang. Heute nachmittag ist auch noch Konzert. Zu spießern habe ich außerdem noch mal genug. Wir haben zu 7 Lektionen was auf. -

Fortsetzung am Dienstag Nachmittag: Am Sonntag bin ich nicht zur Fortsetzung des Briefes gekommen. Ich bin trotz des nicht gerade glänzenden Wetters noch auf Spaziergang gegangen, ich wollte mir ein Brot holen; es wurde nämlich auch Zeit, daß das andere alle wurde es war schon ziemlich angeschimmelt. Am Nachnittag haben wir eine große Beratung gehabt. Wir wollen hier eine Ortsgruppe des deutschnationalen Jugendbundes gründen. D.h. Hier besteht die Sache nur darin, daß wir zusammen alle möglichen Studien treiben. Es werden verschiedene Gruppen gegründet. Z.B.: Literatur, Musik, Geschichte etc. Es hat ja große Kämpfe gesetzt. Verschiedene ließen sich durch den Namen abschrecken. Aber in Wirklichkeit steht die Sache gar nicht auf dem Boden der deutschnationalen Partei, offiziell will sie sogar über allen Parteien stehen. Wenn das auch nicht wahr ist, so kann es einem ja trotzdem nichts schaden, wenn man etwas rechtsseitig beeinflußt wird. Allzuradikal ist die Sache schon nicht. Ich hoffe, Ihr werdet mir beistimmen, wenn ich eingetreten bin. Wir haben jetzt alles mögliche vor. Übermorgen Führung nach Naumburg in den "Gaudet!" [?] Am Sonnabend Ausflug nach dem Schwarzatal als Sedanfahrt. Außerdem wollen wir uns (d.h. unsere Klasse) noch einmal führen lassen, wahrscheinlich nach Leipzig. Am Donnerstag hat der Karll silberne Hochzeit gehabt. Ich wollte es Euch schreiben, aber wir erfuhren es selbst erst zwei Tage vorher. Wir (die 10 Empfohlenen) haben ihm eine Kristallschale für 40 Mark geschenkt, da kam auf den Mann 4 M. Außerdem habe ich gleich den Jugendbundbeitrag bezahlt und mir ein Paarmal einige Zigaretten gekauft, da bin ich denn <ab hier an die Ränder außerhalb des Zeilenspiegels geschrieben> so ziemlich abgebrannt. Ich werde mir die 14 M vom Juma geben lassen, falls Ihr darüber nicht anders an Ihn geschrieben habt; denn für die Ausflüge muß ich doch etwas Geld [ad vatim?] haben, sonst ist doch die Sache gar zu kümmerlich. Ich werde in den nächsten Tagen Wäsche (d.h. Taschentücher) schicken. Ich hatte mich erkältet und dann einen erbärmlichen Schnupfen bekommen. Da habe ich nicht mehr viel Taschentücher. Doch Schluß! Herzliche Grüße! Euer X.

Sonntag, 2. April 2017

Ein Portenser schreibt an seine Eltern

Pforta, d. 20.I. 21.
Liebe Eltern!
Ich habe keine Lust, etwas anderes zu machen, da werde ich gleich wieder schreiben. Das Paket habe ich gestern früh bekommen. Für den Inhalt bin ich sehr empfänglich, das ist klar. Besonders habe ich mich über Mutters Brief gefreut. Da hat man doch wenigstens einmal etwas zu lesen und vor allem: man weiß nicht gleich vorher, was darin steht, wie es bei den Zetteln doch ist.

Um gleich am Ende anzufangen: Wann ich komme, kann ich absolut noch nicht sagen. Abitur ist diese Woche noch nicht. Gott sei Dank, daß ich während der Geierwoche nicht Wochen- u. Schlafsaalinspektor zu spielen brauche; sonst wären ja dreiviertel vom Morgen futsch. Gestern abend war schon ein Rummel auf Schlafsaal! Ich glaube, wenn es noch schlimmer so wird, steigt uns der Rektor einmal auf den Kopf. Heute morgen ratzten wir natürlich sämtlich durch. Es gab auch wieder einen längeren Krach; aber belangen tut der Geier ja kaum, da ist es ja nicht so schlimm. Aber "revenons à nos moutons" d.h. "um auf die besagten Hammeln zurückzukommen". Also zunächst ist das Abitur noch nicht. Zum Schriftlichen wie zum Mündlichen muß ich selbstverständlich da sein. Ende Februar kommt außerdem der Stengel auf Woche, den kann ich doch in der letzten Woche nicht treulos verlassen. Im Februar muß es doch wohl sein, sonst bekommt Master Hering den Anzug nicht bis Ostern fertig (im übrigen höre ich, am 1. März sollen die Fahrpreise wieder um 100% erhöht werden.) Also bliebe Mitte Februar. Es wäre vielleicht der 13. oder 20. Februar zu denken. Ihr könnt es ja Herrn Höring einstweilen sagen. [...] Das neue Oberhemd habe ich noch nicht ausprobiert. Ich möchte es nicht ausbreiten, ehe ich es anziehe, sonst bekomme ich es doch nicht wieder anständig zusammen. Ich habe bisher nur festgestellt, daß die Manschetten daran halb gesteift sind. Das ist allerdings nicht je nach mein Fall. Entwerder richtig oder überhaupt nicht! [...]