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Sonntag, 23. März 2025

Generationenkonflikt

 "[...] Vivian Jenna Wilson, 20, ist die Tochter von Elon Musk. Dass sie ihren Vater nicht besonders mag, wäre eine Untertreibung. Grund dafür ist unter anderem, dass der Tesla-Chef und Trump-Berater seit Monaten gegen trans Menschen hetzt. Und Wilson eine von ihnen ist. In einem Interview mit dem Psychologen und Podcaster Jordan Peterson behauptete Musk vergangenes Jahr, seine trans Tochter* sei vom »Woke Mind Virus« getötet worden. Er gab an, er sei 2020 gegen seinen Willen dazu gebracht worden, geschlechtsangleichenden Eingriffen bei dem damaligen Teenager zuzustimmen.

Seitdem ist Wilson in den sozialen Medien sehr aktiv, postet auf Threads, Instagram und Bluesky (einem weiteren X-Konkurrenten) und hat Millionen von Views auf TikTok. Gleichzeitig vermeidet sie es, mit Medien zu sprechen. Sie hat bisher lediglich NBC News ein Interview gegeben, um ihre Sicht der Dinge nach dem Interview von Musk mit Peterson zu schildern. Nun hat sie mit der »Teen Vogue« gesprochen, auf deren Cover der aktuellen Sonderausgabe  sie ist. [...]" 

Spiegel 21.3.25 (Wesentliches dieses Kurzartikels ist nur über das Link zu erreichen.)

Von August von Goethe und den Kindern von Nelson Mandela* sind mir keine so emotionalen Statements bekannt . Das hängt gewiss mit dem unterschiedlichen Zeitgeist, aber sicher auch mit dem unterschiedlichen Blick des Kindes auf das Lebenswerk des Vaters zusammen. Der Hauptgrund ist allerdings gewiss, dass erst im 21. Jahrhundert der jüngeren Generation solch ein Maß an Selbstbestimmung und Fähigkeit, die Weltöffentlichkeit zu erreichen, gegeben wurde. 

Kein Vater-Sohn-Konflikt, sondern es spricht eine emanzipierte Tochter, die die Kriterien, die ihr Vater für seinen Lebenserfolg für von Grund aus falsch hält.*

Mir erscheint es unwahrscheinlich, dass in 50 Jahren die Lebensleistung von Musk auf gleichem Niveau wie die von Goethe und Mandela gesehen werden wird. Freilich bin ich da ganz Kind meiner Zeit. Shakespeares Leistung wurde im Elisabethanischen Zeitalter sicher nicht als weltgeschichtlich wichtiger angesehen als die von Elisabeth I.

* Mandela heiratete dreimal. Aus zwei dieser Ehen stammen sechs Kinder. Seine erste Ehe mit Evelyn Ntoko Mase, einer ANC-Aktivistin aus Engcobo und Cousine Walter Sisulus, wurde 1958 geschieden. Evelyn Ntoko Mase starb 2004. Sie hatten zusammen zwei Jungen und zwei Mädchen. Der Sohn Madiba Thembekile wurde 1945 geboren und starb 1969 bei einem Autounfall. Ihre Tochter Makaziwe kam 1947 zur Welt und starb nach neun Monaten. Sohn Makgatho Lewanika wurde 1950 geboren. Er war Anwalt und Geschäftsmann und starb am 6. Januar 2005 im Alter von 54 Jahren in Johannesburg an den Folgen der Immunschwächekrankheit AIDS. Die 1954 (1953 nach anderen Angaben[87]) geborene Tochter wurde Pumla Makaziwe genannt.[88][89][90][91] Sie studierte an der University of Massachusetts in Amherst Soziologie und erwarb dort 1993 einen Ph.D. in Anthropologie. Später bekleidete sie verschiedene Führungspositionen.[87][92]

1958 heiratete Mandela Winnie Madikizela, die erste schwarze Sozialarbeiterin Johannesburgs, die ihn während des Treason Trial unterstützt hatte. Sie war eine Tochter eines früheren Landwirtschaftsministers der Transkei.[93] Während der Haftzeit Nelson Mandelas konnten sie sich nur selten sehen. Nach politischen Belastungen trennte sich Mandela im April 1992 von Winnie Madikizela und wurde am 19. März 1996, nach 38-jähriger Ehe, von ihr geschieden. Mit ihr hatte er zwei Töchter, Zenani („Zeni“, * 1959) und Zindziswa („Zindzi“, 1960–2020).[94] Tochter Zenani ist mit Thumbumuzi Dlamini verheiratet, einem Bruder von König Mswati III von Eswatini, ihre Kinder sind daher auch Angehörige des Königshauses von Eswatini.

An seinem 80. Geburtstag, am 18. Juli 1998, heiratete er die Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Graça Machel, die Witwe von Samora Machel. Machel war von 1975 bis zu seinem Tod 1986 bei einem Flugzeugabsturz Präsident Mosambiks gewesen und hatte den ANC unterstützt. (Wikipedia)


Vor dieser Konstellation versagt das Konzept des moralischen Realismus. Ethik hat einen historischen Wandel erfahren und ist offenkundig nicht überzeitlich.

*  zumindest gefühlsmäßig Tochter von Justine Musk (Wikipedia)

Freitag, 26. August 2022

Jugend

 Warum so ernst?

Noch nie gab es so wenige junge Menschen wie heute. Gegen die Übermacht der Alten wehren sie sich mit moralischer Rigidität.

Es könnte durchaus sein, dass bei Weitem zu viel Aufmerksamkeit den Übertreibungen und Bizarrerien der woken Verbotskultur gewidmet wird, anstatt auf deren systemischen Sinn zu achten. In Zeiten ernster Herausforderungen muss es vor allem darum gehen, diesen Ernst überhaupt erst durchzusetzen, den Individuen die Gewohnheit frivoler Spielräume zu nehmen, sie am Beispiel verbotener Wörter und Redeweisen auf andere, womögliche einschneidendere Verbote vorzubereiten – oder ihnen generell erst einmal einen Schrecken einzuflößen, der ihnen die Unbefangenheit nimmt. Der Verlust des unbeschwerten Konversationstons wäre so gesehen ein pädagogischer Gewinn.

In der Regulierung von Sprech- und Verhaltensweisen hat die Jugend das Machtmittel gefunden, mit dem die Mehrheitsgesellschaft eingeschüchtert werden kann


Sonntag, 24. Juli 2022

Sinn

 Sinn

beim Einzelnen:     Moral, individuelle Motivation

bei Unternehmen:   purpose, Ziel, Zweck

Mittwoch, 5. Mai 2021

Moralische Verletzung in der Pflege

"Eine Impfpflicht für Pflegepersonal? So etwas kann nur fordern, wer keinen Schimmer davon hat, wie tief die moralischen Verletzungen sind, unter denen diese Berufsgruppe schon seit Langem leidet.

Wenn er höre, so Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Anfang dieser Woche, "dass sehr wenige Pflegekräfte sich impfen lassen", dann müsse man über eine Impfpflicht für diesen Berufsstand nachdenken. Das ist eine bemerkenswerte Ansage, und zwar nicht nur, weil die Datenlage über die Impfverweigerer im Pflegewesen unklar ist. Bemerkenswert ist sie vor allem, weil sie erneut zeigt, wie wenig darüber nachgedacht wird, warum es diese Zögerlichkeit unter Pflegenden gibt. Aus meiner Sicht und nach dem Austausch mit vielen beruflich Pflegenden hat dies weniger medizinische als vielmehr politisch-moralische Gründe.

 Schon seit Jahren herrscht ein Missverhältnis zwischen den Risiken und Zumutungen, die dieses Land beruflich Pflegenden aufbürdet, und der Anerkennung, die sie dafür zurückbekommen. Aus einem solchen Missverhältnis kann eine gefährliche Entfremdung wachsen. Niemand sollte sich wundern, wenn dieser Wertschätzungsmangel unter anderem umschlägt in den Gedanken: "Nein, impfen lasse ich mich für euch nicht auch noch!"

 Völlig selbstverständlich scheinen Bevölkerung und Politik davon auszugehen, dass es die Pflicht der Pflegenden sei, sich als Erste gegen Corona impfen zu lassen. Menschen, die sich nicht impfen lassen wollten, hätten am Pflegebett nichts zu suchen, heißt es in einem Kommentar des Spiegels: "Für sie gilt dasselbe wie für eine Soldatin, die nicht kämpfen möchte: Beruf verfehlt." Die Kriegsmetapher ist in der Tat treffend – allerdings auf eine ganz andere Art, als der Autor dieses Satzes denkt. [...]"

Von Monja Schünemann,  Die ZEIT 13.1.21

Franziska Böhler: Krankenschwester über Intensivzeit: „Schaue, dass am Ende des Tages alle noch leben“,  Focus 6.12.2020

 13 Jahre lang arbeitete Franziska Böhler als Intensiv-Krankenschwester. Mit Leidenschaft und am Limit. Sie wechselte wegen ihrer Familie. Wegen Corona-Überlastung werden viele Kollegen gehen, ist sie sich sicher. Dann haben wir nächstes Jahr ein gravierendes Problem. [...]

 Ich bin mit einem blutenden Herz gegangen. Denn ich war von Herzen gern Intensivkrankenschwester.

Doch mein kleiner Sohn fragte eines Tages: Mama, warum bist du eigentlich immer weg? Als er zu mir sagte, er möchte am Wochenende nicht immer nur mit der Oma oder dem Papa allein sein, habe ich entschieden, dass sich etwas ändern muss. Denn mein Mann ist Arzt, hatte viele Wochenendschichten. Ich als Intensivkrankenschwester ebenso. Also hatten wir kaum Zeit als Familie mit den beiden Kindern. Das wollte ich so nicht mehr. [...]"


https://www.springermedizin.de/komplexitaet-komplizitaet-und-moralischer-stress-in-der-pflege/17319116

Montag, 12. April 2021

Wieso konnte Gutmensch zum Schimpfwort werden?

 "Was die Korrupten, Betrüger und Gewalttätigen nutzen, um ihr Selbstbild vom guten Menschen beim abendlichen Blick in den Spiegel aufrechtzuerhalten, sind verschiedene Strategien der sogenannten moralischen Loslösung. Ein wenig wie ein psychologisches Abwehrsystem wehren die Strategien die ungewollte Vorstellung ab, möglicherweise doch ein schlechter Mensch zu sein. Beispielsweise indem die eigenen Handlungen so umgedeutet werden, dass sie nicht unmoralisch erscheinen oder die eigene Verantwortung inklusive negativer Folgen der unmoralischen Handlungsweisen gedanklich minimiert werden. Wichtig ist hierbei: Wir alle tun das, wenn wir – nur ausnahmsweise – entgegen unseren persönlichen moralischen Überzeugungen handeln.

Mit diesem Wissen beziehungsweise dieser Selbsterkenntnis im Gepäck können wir uns auf die gesellschaftliche Ebene begeben, uns also der Frage nach den „erfolgreichen Arschlöchern“ widmen. Die gesellschaftlichen Belohnungsstrukturen bestimmen, wer Erfolg hat. Ohne mich nun aber auch der Sündenbocksuche hinzugeben, schließe ich eine weitere wichtige Beobachtung an. Eine Beobachtung, die wir leider zu häufig vergessen oder zumindest unterschlagen: Gesellschaftliche Belohnungsstrukturen sind keine Naturgesetze, sondern menschengemacht.

Wir entscheiden, wer befördert wird. Wir entscheiden, wen wir wählen. Und wir müssen entscheiden, ob uns daran gelegen ist, die paradoxe Situation aufzulösen, in der wir aktuell oft versuchen, verzweifelt das „Richtige“ zu tun. Wir entscheiden, ob wir gemeinsam eine Welt schaffen wollen, in der moralische Menschen nicht nur die Kinderbuchvariante des „guten Menschen“ verkörpern, sondern gleichzeitig die erfolgreichen Menschen sind. So könnten wir das psychologische Abwehrsystem der moralischen Loslösung in den Ruhestand schicken."

Maren Urner https://www.fr.de/meinung/kolumnen/mach-gut-mensch-90405630.html 12.4.21

Mittwoch, 30. September 2020

Trump ist Verkäufer. Verkäufer entwickeln erfolgreiche Werbeslogans.

Bob Woodward: Rage. Simon & Schuster besprochen von Arno Widman

"Trump lügt. Nichts Neues auch das.  Aber wenn man das Buch liest, begreift man, dass Lüge und Wahrheit Konzepte sind, die in Trumps Welt keine Rolle spielen. Die moralische Empörung, die sich meldet, wenn man liest, dass Trump, als er öffentlich Covid-19 herunterspielte, im Gespräch mit Woodward die Gefährlichkeit des Virus sehr beredt zu beschreiben wusste, hat noch nicht verstanden, wie Trump tickt. Er sagt Woodward gegenüber nicht die Wahrheit, die er der Öffentlichkeit verschweigt. Er teilt vielmehr beiden mit, was sie hören wollen. Donald Trump ist Verkäufer. Er redet in Reklamesprüchen. Das ist das Geheimnis seines Erfolges. Wenn der Slogan funktioniert, ist alles gut. Kein Mensch käme auf die Idee, die Marketingsprüche eines Unternehmens einem Faktencheck zu unterwerfen.

Trump begreift nicht, warum er jetzt die Wahrheit sagen soll. Er ist sein ganzes Leben lang bestens ohne sie ausgekommen, er ist Präsident ohne sie geworden. Wer sind denn diese Faktenchecker? Sind sie Präsident? „Irgendwie glaubt Präsident Trump, wenn er etwas sagt, würde es wahr“, erklärte ein demokratischer Senator spöttisch. Die fleißigen Gottesdienstbesucher mögen dabei an die Schöpfungsgeschichte gedacht haben, in der es heißt: „Gott sagte, es werde Licht, und es ward Licht.“

Die Wahrheit aber scheint mir, dass Trump wie viele Chefs in der Vorstellung lebt, er brauche nur etwas anzuordnen, dann werde es gemacht. Bei Trump nimmt das, man kann das in Woodwards Buch über viele Seiten verfolgen, wahnhafte Züge an. Das Coronavirus werde verschwinden, einfach wieder verschwinden – sagte er immer wieder. Ein Zauberspruch, ein magisches Weltverständnis, in dessen Zentrum das aufgeblasene Selbst steht. Einer, der ganz und gar davon überzeugt scheint, dass er alles kann und alles weiß. Expertenwissen interessiert Trump nicht: „Ich brauche nur mich und drei oder vier Menschen, denen ich vertraue und mit denen ich arbeite.“ " (FR 29.9.20)

"Trump ist Verkäufer" scheint mir eine wichtige Erkenntnis. Daher scheint mir der Satz "Trump begreift nicht, warum er jetzt die Wahrheit sagen soll." hinter Widmans vorhergehende Erkenntnis zurückzufallen. 

Trump sieht nicht einwarum er jetzt die Wahrheit sagen soll, scheint mir die treffendere Formulierung. "Never change a winning team." So lange er mit seiner Strategie Erfolg hat, ist es für ihn die richtige. Deshalb kommt es darauf an, seine Strategie zu durchbrechen. Erst dann wird er sie aufgeben. Das ständige Pass-Spiel des 1. FC Barcelona war so lange richtig, so lange damit die Spiele gewonnen wurden. Erst wenn die Strategie nicht mehr funktioniert, wird der Trainer sie aufgeben. 

Es gibt mehr Moral in der Politik, als man so gemeinhin denkt. Offenbar sind gegenwärtig Glaubwürdigkeit und Vertrauen noch wichtig genug, dass die Mehrzahl der Politiker sie noch für wichtig genug halten, dass ein Verhalten wie das von Trump sich deutlich von dem anderer Akteure auf der politischen Bühne abhebt.

Das sollte freilich nicht zu dem voreiligen Schluss führen, dass Politiker in funktionierenden Demokratien immer die Wahrheit sagen. Das wäre sehr naiv.

Falsch liegt m.E. A. Schwarzkopf mit der folgenden Ansicht

"Donald Trump scheint eingesehen zu haben, dass er die Präsidentschaftswahl in fünf Wochen kaum noch gewinnen kann. Zu groß ist der Rückstand in den Umfragen, auch in fünf der entscheidenden und umkämpften Staaten wie Florida. Er setzte deshalb nicht darauf, Wechselwählerinnen und Wechselwähler für sich zu gewinnen, sondern eskaliert und polarisiert die Debatte weiter, um seine Anhänger anzustacheln." (FR 30.9.20)

Er "pöbelt", weil er das für das Zweckmäßigste hält. Und nach den bisherigen Erfahrungen spricht sehr viel dafür, dass er damit (im Sinne der Wahlbeeinflussung) Recht hat.

Zur Meldung: Trumps Superspread-Event in der FR vom 4.10.20. Natürlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass Trump sich angesteckt hat. Wenn manche Trumpgegener daraus Honig saugen wollen, ist das nicht nur geschmacklos, sondern Schlimmeres. Vor allem aber: Selbst wenn sich viele Politiker angesteckt haben sollten. Die Tatsache, dass Trump erklärt, er sei positiv auf COVID-19 getestet worden, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das wirklich der Fall ist, nur minimal. Dafür kommt ihm die Nachricht zu gelegen als Ablenkung von seiner Steueraffäre, und den Mitleidseffekt bei seinen Anhängern nimmt er gewiss gern mit. 


Sonntag, 21. Juni 2020

Precht: Roboter können keine Moral

Roboter können keine Moral ZEIT 18.6.20
künstliche Intelligenz

"[...] Voll automatisierte Robo-Cars werden als die Zukunft angesehen. Folglich sollen Ethiker sich Gedanken darüber machen, wie voll automatisiert fahrende Autos in einer Dilemma-Situation entscheiden sollen, wenn sich der Tod von Menschen nicht verhindern lässt. Wer soll überleben und wer überfahren werden? Kinder oder Rentner? Hunde, Kranke, Straffällige?
Dass das Grundgesetz mit seiner Definition der Menschenwürde solche Überlegungen schon im Ansatz nicht zulässt, hat die deutsche Automobilindustrie bislang zu keinem klaren Bekenntnis gegen ein solches Aufrechnen von Lebenswert genötigt. So steht zu befürchten, dass auch bei uns daran gearbeitet wird, Autos "ethisch" zu programmieren. Da diese Ethik, wie gezeigt, keine ist und zudem dem Grundgesetz widerspricht, müssten sämtliche Ethiker in Deutschland hier laut aufschreien. Stattdessen sitzen in Kommissionen (neben Ausnahmen) hinreichend Fachleute, die leiser kaum sein könnten. Und das, obwohl das zukünftige "autonome" Fahren in unseren Großstädten nicht nur den Lebenswert von Menschen verrechnen soll, sondern auch jeden Verkehrsteilnehmer uneingeschränkt überwachen wird. Robo-Cars in den Innenstädten sind vielleicht die Lösung für unsere Verkehrsprobleme. Viel wahrscheinlicher sind sie nicht einmal das. In jedem Fall aber gehen sie einher mit einem Verstoß gegen das Grundgesetz und einer drastischen Einschränkung unserer Freiheit. Wer das will, will nicht nur einen anderen Verkehr – er will einen anderen Staat."

Samstag, 5. November 2016

Gekaufte Wissenschaft

Gekaufte Wissenschaft ZEIT 1.8.2013

"[...]  EWI ist ein sogenanntes An-Institut. Es wird knapp zur Hälfte von den Energieriesen E.on und RWE finanziert. Bereits im Jahr 2010 hat das EWI eine Studie über die Bedeutung der Kernenergie erstellt, die von der schwarz-gelben Bundesregierung maßgeblich zur Begründung der ursprünglich geplanten Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke herangezogen wurde. 
Felix Höffler ist einer der Leiter des EWI. [...]
Den Vorwurf, das EWI lasse sich für Studien kaufen, der seit den beiden Untersuchungen zur Atomkraft über dem Institut hängt, empfindet Höffler als ungerecht. "Fachlich ist unsere Arbeit einwandfrei."
Aber Höffler sagt auch: "Unser Institut ist in der öffentlichen Meinung klar positioniert." Das EWI steht der Atomkraft nicht ablehnend gegenüber. Höffler fügt hinzu: "Wir vertreten einen marktwirtschaftlichen Ansatz. Das berücksichtigen Auftraggeber natürlich, bevor sie einen Auftrag erteilen." [...]
Es ist etwas Erstaunliches passiert, seit die Wirtschaft in die Universitäten gelangt ist: Auf den Fluren der Hochschulen begegnet man neuerdings nicht nur Managern und Unternehmern – sondern auch anderen Professoren als früher. Ein neuer Prototyp von Wissenschaftler ist entstanden, einer, der sich nicht so sehr als unabhängiger Forscher sieht, sondern eher als pragmatischer Dienstleister seines Auftraggebers.
Noch betreffen all diese Fälle nur einen kleinen Teil der Wissenschaft. Umso mehr müssten die Universitäten daran interessiert sein, den Eindruck zu vermeiden, in ihren Instituten werde wertloses Wissen erzeugt. Denn fragwürdige Studien und Forscher, die sich an den Bedürfnissen des Marktes ausrichten, haben die Macht, den ganzen Wissenschaftsbetrieb in Misskredit zu bringen. [...]
Philipp Mimkes, 46, ist Physiker und arbeitet hauptberuflich für den Verein "Coordination gegen Bayer-Gefahren". Er wollte von der Uni Köln wissen, welche Regelung es für die Veröffentlichung von Testergebnissen gibt. Hat Bayer die Macht, negative Ergebnisse zu unterdrücken?  [...]
Mimkes zog vor Gericht. "Eine aus Steuergeldern finanzierte Institution muss öffentlicher Kontrolle unterliegen", sagt er, "zumal in einem so sensiblen Bereich wie der Pharmaforschung."
Im Dezember 2012 schlug sich das Verwaltungsgericht Köln jedoch auf die Seite der Universität. Die Wissenschaft sei frei, auch in der Frage, mit wem sie kooperiere, daher unterliege sie in diesem Fall nicht der Pflicht zur Offenlegung des Vertrags.
Mimkes hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Die Entscheidung steht noch aus.
Folgt man der Argumentation des Kölner Gerichts, genießt die Wissenschaft also die Freiheit, sich selbst ihrer Unabhängigkeit zu berauben. Die Frage ist nur: Wer schützt dann noch die Gesellschaft vor den Ergebnissen dieser neuen Art von Wissenschaft? [...]
Wer als Wissenschaftler heute keine Kontakte zu Unternehmen hat, wer keine Kooperationen organisieren kann, hat es häufig schwer, im Wissenschaftsbetrieb Fuß zu fassen. Wie verhält man sich da als Professor, dem seine Studenten am Herzen liegen? [...]
"Ich bin über 60, aber für meine Studenten ist der Kontakt zu Unternehmen wie Google wichtig. Der Staat zieht sich immer stärker aus der Wissenschaftsfinanzierung raus. Damit die Studenten später ein Auskommen haben, sind sie auf Kontakte zu Unternehmen wie Google angewiesen." [...]
Das Fazit: "Die Europäer gehen mit großer Entschiedenheit davon aus, dass man nicht darauf vertrauen kann, dass Wissenschaftler bei kontroversen wissenschaftlichen und technischen Problemen die Wahrheit sagen, weil sie zunehmend von den Fördermitteln der Industrie abhängig sind."
Mehr dazu: Spenden für einen guten ... Namen

Montag, 25. April 2016

Sozialistische Moral

"1. Du sollst Dich stets für die Internationale Solidarität der Arbeiterklasse und aller Werktätigen sowie für die unverbrüchliche Verbundenheit aller sozialistischen Länder einsetzen.
2. Du sollst Dein Vaterland lieben und stets bereit sein, Deine ganze Kraft und Fähigkeit für die Verteidigung der Arbeiter- und Bauernmacht einzusetzen.
3. Du sollst helfen, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen.
4. Du sollst gute Taten für den Sozialismus vollbringen, denn der Sozialismus führt zu einem besseren Leben für alle Werktätigen.
5. Du sollst beim Aufbau des Sozialismus im Geiste der gegenseitigen Hilfe und der kameradschaftlichen Zusammenarbeit handeln, das Kollektiv achten und seine Kritik beherzigen.
6. Du sollst das Volkseigentum schützen und mehren.
7. Du sollst stets nach Verbesserung Deiner Leistungen streben, sparsam sein und die sozialistische Arbeitsdisziplin festigen.
8. Du sollst Deine Kinder im Geiste des Friedens und des Sozialismus zu allseitig gebildeten, charakterfesten und körperlich gestählten Menschen erziehen.
9. Du sollst sauber und anständig leben und Deine Familie achten.
10 Du sollst Solidarität mit den um ihre nationale Befreiung kämpfenden und den ihre nationale Unabhängigkeit verteidigenden Völkern üben.
Quelle: Aus dem Referat von Walter Ulbricht auf dem V. Parteitag der SED"