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Dienstag, 19. April 2022

Stephan Hebel: Einhelliges Schweigen der ehemaligen Pazifisten

"Es ist Krieg in Europa. Und es ist nicht das erste Mal seit 1945. Vor 23 Jahren, im Frühjahr 1999, tobte der Konflikt zwischen den Machthabern in Jugoslawien und der Unabhängigkeitsbewegung im Kosovo, die von Belgrad brutal bekämpft wurde. Im Februar hatte die NATO mit Luftangriffen gegen Ziele in Jugoslawien begonnen. Auch die deutsche Bundeswehr beteiligte sich, so hatte es die rot-grüne Bundesregierung beschlossen.

Die Grünen waren erstmals in ihrer Geschichte mit an der Regierung, ihr Außenminister Joschka Fischer verteidigte die vom Völkerrecht nicht gedeckten Kampfeinsätze als Mittel zur Verhinderung einer humanitären Katastrophe. In der Partei stieß das auf heftigen Widerstand. Jürgen Trittin, damals Bundesumweltminister, kritisierte die Aktion als „Fehler“. Seine nordrhein-westfälische Amtskollegin Bärbel Höhn ging noch weiter: Ende April forderte sie im Deutschlandfunk einen „sofortigen Stopp der Bombenangriffe“.

Es folgte der Parteitag am 13. Mai, auf dem Fischer mit einem berühmt gewordenen Vergleich für den Einsatz warb: „Nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz; nie wieder Völkermord, nie wieder Faschismus. Beides gehört bei mir zusammen.“ Das stellte eine kaum verhohlene und höchst fragwürdige Gleichsetzung des Kosovo-Konflikts mit den Menschheitsverbrechen der Nationalsozialisten dar. Aber es zeigte Wirkung: Die Grünen stimmten mit klarer Mehrheit für den Einsatz. [...]

Einhelliges Schweigen der ehemaligen Pazifisten. "Die Grünen wollen als Regierungspartei keine abweichende Position zur Aufrüstung beziehen." der Freitag  16.4.22

Montag, 3. Februar 2020

Die Wunde von Stuttgart

Zu Stuttgart21 war noch nicht alles gesagt. Dieser großartige Text von Stephan Hebel beweist es: #s21 ist seit #FfF "so etwas von 20. Jh." u #Kretschmann stellt sich gegen das Kernanliegen der #Grüne n

https://www.fr.de/wirtschaft/stuttgart-wunde-stuttgart-13517111.html

Samstag, 28. März 2015

Umgang mit Informationen zum German-Wings-Unglück

Eine Meldung vom 27.3. bestätigt den folgenden Kommentar:
Falsches Foto von Andreas L. – Eine Verwechslung und ihre EntstehungCo-Pilot Andreas L. aus Montabaur hat im Pass auch noch einen zweiten Vornamen: Günter. Und das wurde einem Andreas Günter zum Verhängnis. In Medien in aller Welt wurden Fotos gezeigt, die ihn zeigen, und seine Freundin wurde im Restaurant von 20 Journalisten förmlich überfallen….Quelle: Lars Wienand in der Rheinischen Post Online

Stephan Hebel Medien als Voyeure in FR 28.3.15
Wer sich an die Vorgabe des deutschen Pressekodex hielte, Vermutungen „als solche kenntlich zu machen“ und sich an das Rechtsgebot der Unschuldsvermutung bis zur juristischen Klärung zu halten, würde nie und nimmer tun, was jetzt in einer Vielzahl von Medien zu erleben ist. Da wird der wahrscheinliche Verlauf des Unglücks schlicht wie eine Tatsache dargestellt, als wäre alles bewiesen. Und: Von „Bild“ (weniger verwunderlich) bis „Zeit online“ und „faz.net“ (erstaunlich) wird der volle Name des Kopiloten genannt, auch auf Fotos ist der Mann zu erkennen.Der Online-Chef der „FAZ“, Mathias Müller von Blumencron, hat diese Entscheidung mit dem Auftrag der Medien zur Aufklärung begründet. Was er aber unter Aufklärung versteht, das gleicht einer Gebrauchsanweisung für unseriösen Boulevard-Journalismus: „Die Opfer und die Öffentlichkeit haben ein Recht darauf zu erfahren, wer das Unglück ausgelöst hat. Unter welchen Umständen es auch immer geschah. (...) Die Lösung ist nach gegenwärtigem Stand nur in der Person des Kopiloten zu finden. Wir müssen uns mit ihm beschäftigen, wir müssen ihn ansehen, wir dürfen ihn sehen.“Ja, richtig: Opfer und Öffentlichkeit haben ein Recht zu erfahren, was wie geschah. [...] Aber dreimal Nein: Wir müssen ihn dafür nicht sehen! Wir müssen der Familie, schon doppelt getroffen durch den Tod des Sohnes und seine wahrscheinliche Tat, nicht auch noch das dritte Leid zufügen, vor aller Welt der Sensationslust preisgegeben zu werden. Es grenzt an Zynismus, so etwas mit „Aufklärung“ zu begründen.