Dienstag, 15. Oktober 2019

Über Gespräche mit "besorgten Bürgern"

https://threadreaderapp.com/thread/1183645246003056640.html

Das nehme ich ihm ab.
Aber es ist die Frage, ob es nicht hilfreich wäre, wenn es gelänge, einmal Vorurteile nicht bestätigt zu sehen, und das dokumentiert würde.
Aufzuzeigen, wie es dazu kam, wäre vermutlich lehrreich.

Wann Greta Thunberg den Nobelpreis annehmen sollte

Wenn sie selbst davon überzeugt ist, dass der Durchbruch geschafft ist.

Ich bin überzeugt, der Preis wird ihr mindestens 10 Jahre vorher zugesprochen.
Freilich, das kann noch dauern.

Montag, 14. Oktober 2019

Schleichwerbung im Klassenzimmer

Schleichwerbung im Klassenzimmer, Spiegel online 11.10.19

Firmen verteilen Unterrichtsmaterialien mit Produktwerbung. Die Kultusministerien geben die Verantwortung an die LehrerInnen ab.

Lobbyismus an Schulen taz.de 11.11.15



Das Barcamp-Buch

Jöran Muuß-Merholz: Das Barcamp-Buch (2019) für jeden zum Nachlesen frei
zugänglich.
Zu einer Inhaltsübersicht sieh auch: Bob Blume: DIGITAL: Kostenloser
Buchdownload „Barcamps und Co.

Freitag, 11. Oktober 2019

Donald Trump: 43 Frauen werfen dem Präsidenten sexuelle Übergriffe vor

https://www.fr.de/politik/vorwuerfe-donald-trump-us-praesident-soll-hinter-einem-wandteppich-versteckt-frauen-zr-13105037.htm

AnwärterInnen auf den Friedensnobelpreis

https://www.zeit.de/politik/2019-10/bekanntgabe-nobelpreistraeger-friedensnobelpreis-2019-livestream

Der Preis geht an den äthiopischen Regierungschef Abiy Ahmed.

Ob das Nadia Murad gegenüber gerecht ist, wage ich nicht zu beurteilen.
Sicher aber ist es im Sinne der Bewegung Fridays for Future, denn so wir einerseits die Personalisierung auf Greta Thunberg nicht verstärkt und andererseits der Preis nicht vorschnell vergeben, bevor die Stunde der Bewährung kommt, wie das bei der EU und Obama gesehen werden kann.
Außerdem bleibt noch ein bisschen Spannung erhalten, wer für den Kampf für den Klimaschutz ausgezeichnet werden wird und ob das schon in den kommenden Jahren der Fall sein wird oder erst, wenn die kritischen kommenden Jahre abgelaufen sind.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Regression zum Mittelwert

Nach einem überdurchschnittlichen Erfolg ist eher damit zu rechnen, dass das nächste Ergebnis schlechter wird. Nach einem schlechten Ergebnis damit, dass das nächste Ergebnis besser wird.  Denn es gibt immer einzelne Umstände, die den außergewöhnlichen Erfolg begünstigt haben und die nicht gleich bleiben, wie es besondere Umstände für das schlechte Ergebnis gibt, die sich nicht zu wiederholen brauchen.  (Daniel Kahneman in "Schnelles Denken, langsames Denken", S.219ff.)
Also ist grundsätzlich eine Regression in Richtung Mittelwert zu erwarten.
Das erklärt auch, weshalb die amtierenden Fußballweltmeister bei der nächsten Meisterschaft meist deutlich schlechter abschneiden.
Andererseits gibt es bei einzelnen Sportlern die Erscheinung, dass sie weit häufiger als Mannschaften mehrere Meisterschaften hintereinander gewinnen. Da wird der Grund darin liegen, dass sie ihre Leistungsfähigkeit dauerhaft erhöht haben. 
Innerhalb eines einzelnen Turniers ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf einen Erfolg ein zweiter folgt, aus einem psychologischen Grund freilich oft höher, weil das Selbstvertrauen wächst. - Aber das hat nichts mit Statistik zu tun. 

Literaturnobelpreise für Olga Tokarczuk und Peter Handke

https://www.sueddeutsche.de/kultur/nobelpreis-literatur-literaturnobelpreis-1.4634680


Literaturnobelpreise für Olga Tokarczuk und Peter Handke
Neues Vertrauen in die Urteilskraft FAZ

Würdigung von Olga Tokarczuk: Die Raumzeitreisende, ZEIT 10.10.19
Die Provinz zur Heimat machen, Spiegel online
Phantasie und Provokation FAZ

Zu Peter Handke

Mittwoch, 9. Oktober 2019

Munch, Knausgard, und ein Rezensent

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/karl-ove-knausgard-edvard-munch-16418294.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Man sieht Bilder von Munch, Textpassagen von Knausgard und erfährt vom Rezensenten, dass sie seiner Meinung nach nicht zueinander passen.

 stört sich an der Behauptung "Munchs Kunst ist wie wir."  und fragt: "Aber stimmt das? Und wer ist wir?"

Zweifellos ist er nicht Knausgard, ich auch nicht. Ich denke außer Munchs Kunst ist nichts wie sie. Anscheinend will Knausgard etwas anderes sagen.
Wer sich selbst ein Bild machen will, kann Reicherts Text lesen. 

Ich habe die Bilder gesehen. Die fand ich interessant.

Suppenhand wechseln

Im übertragenen Sinne bedeutet es so viel wie: Wenn du angestrengt bist von deiner jetzigen Lebenssituation, solltest du versuchen einen anderen Weg einzuschlagen bzw. dein Leben zu verändern.
sieh:
https://www.gutefrage.net/frage/was-bedeutet-das-sprichwort-die-suppenhand-wechseln?foundIn=expert-mail

Das Bankengeheimnis schützt Steuerflüchtlinge nicht mehr so recht

  • "Viele Steueroasen informieren Länder wie Deutschland automatisch über Bankguthaben, die Bundesbürger dort besitzen.
  • Das ist zum ersten Mal für das Steuerjahr 2017 geschehen, und es geht um viel Geld: Der Bundesrepublik wurden Erträge in Höhe von fast 39 Milliarden Euro gemeldet."
  • (SZ 9.10.19)

Dienstag, 8. Oktober 2019

Deutsche Bahn und Klimapaket

https://www.zeit.de/mobilitaet/2019-09/deutsche-bahn-klimapolitik-klimapaket-puenktlichkeit-faq

Wie kann der Übergang zur Nachhaltigkeit gelingen?



"Wir sind alle in einem Suchprozess. Was ist das gute Leben des 21. Jahrhunderts und wie kriegen wir unsere Alltagsstrukturen und -praxis entsprechend umgebaut? Dafür müssen wir ganz viele Automatismen aufbrechen und uns ständig weiter ermutigen. Wir sollten aufhören, uns immer gegenseitig zu beschuldigen. [...]
In der Transformationswissenschaft heißt es: es braucht eine ordentliche Krise, damit tiefe Veränderung passiert. [...]
Politisch sind das die Fenster der Möglichkeit für große Würfe. Und ich glaube schon, dass heute in Teilen der Bevölkerung die Bereitschaft dafür vorhanden ist, wenn dieser Wurf klug unterschiedliche Krisensymptome gemeinsam angeht. Aber dann muss es auch wirklich ein großer Wurf sein, sonst ist es bloße Augenwischerei. [...]
In Transformationszeiten funktioniert das alte System nicht mehr gut, aber man kriegt noch nicht so richtig in den Griff, was genau das Neue ist. [..] Wichtig sind in solchen Momenten glaubwürdige Erzählungen über das Neue und Übergangsrituale, die Stabilität geben."

(Maria Göpel im Interview, Das Magazin der Grünen 3/2019, Seite 10/11 - Hervorhebungen von Fontanefan)

Spuck aus dein Mitgefühl!

"Spuck aus den Mitgefühl, es schmeckt nach Blut!" (Heiner Müller: Philoktet, 1958/64)

Freitag, 4. Oktober 2019

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Universitäten müssen Forschung und Lehre verbinden

Die universitäre Lehre muss der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses dienen. Von Armin Nassehi

"[...] Der Exzellenzwettbewerb ist ein Wettbewerb um Forschungsstärke. Es sind Forschungsverbünde, wichtige Fragestellungen und eine forschungsförderliche Infrastruktur, für die Universitäten ausgezeichnet werden und sich Exzellenzuniversitäten nennen dürfen. [...] 
Universitäten sind aber keine reinen Forschungseinrichtungen. Sie haben auch Aufgaben in der Lehre und werden von eher forschungsfernen Beobachtern sicher in erster Linie als Bildungsanstalten wahrgenommen. Ihre Leistung für die Gesellschaft besteht vor allem darin, wissenschaftlich, wenigstens akademisch ausgebildetes Personal unterschiedlicher Fachrichtungen bereitzuhalten, das damit Voraussetzungen dafür mitbringt, in Organisationen anderen Typs entsprechendes Wissen anzuwenden. Dies ist eine wichtige Leistung – und an Universitäten soll diese Ausbildung forschungsnah erfolgen, damit die Absolventen auch lernen, dass Wissen nicht einfach vorhanden ist, sondern in seiner Genese von Voraussetzungen abhängig ist. [...]"

Flüchtlingsarbeit

Flüchtlingsarbeit vor Ort:
Bericht von der europäischen Grenze: Die Unsichtbaren und die Durchgangsstation
"[...]
Die Unsichtbaren 
Ganz in der Nähe des Info-Parks befindet sich eine erste Anlaufstelle (One-Stop-Point) des serbischen Kommissariats für Flüchtlinge und Migration, die ihr Augenmerk vor allem auf minderjährige, unbegleitete Geflüchtete hat. Und davon scheint es dem Augenschein nach etliche zu geben. Betreut werden aber auch Familien, die maximal ein bis zwei Nächte in der Anlaufstelle bleiben können. Dafür wurden einige Zimmer eingerichtet, die mit Betten vollgestellt sind. Von der Anlaufstelle werden die Geflüchteten weitergeleitet in die derzeit 18 Lager, die es verteilt über das serbische Staatsgebiet gibt. Der Leiter der Einrichtung, Srdan Ristic, erläutert unserer Gruppe, dass nicht alle in den Flüchtlingslagern ankommen. Etliche setzen sich unterwegs ab und versuchen, auf eigene Faust weiterzuziehen. Offiziell leben derzeit 4.000 Flüchtlinge in Serbien. Doch es gibt – so sagen die Serben – viele „Unsichtbare“, Menschen, die offiziell nicht registriert sind und für die Serbien nur eine Durchgangsstation ist. Für die kalten Wintermonate rechnen die serbischen Stellen damit, dass tausende Geflüchtete aus Bosnien zurückkommen werden, weil sie in Serbien bessere Bedingungen vorfinden. Dann werden es vermutlich 10.000 und mehr sein. [...]

Tod mit Ansage

Kurz bevor wir zum One-Stop-Point des Kommissariats für Flüchtlinge und Migration aufbrechen, erreicht uns die Nachricht, dass auf der griechischen Insel Lesbos bei einem Brand im Flüchtlingslager Moria zwei Menschen - eine Mutter und ihr Kind – ums Leben gekommen sind. Vor zwei Jahren war Moria einer der Ziele der Begegnungsreise. Schon damals war das für 3.000 Menschen ausgelegte Lager mit über 6.000 völlig überfüllt. Schon damals herrschte eine qualvolle Enge. Schon damals haben wir uns gefragt, warum eigentlich so wenig passiert. Heute sind dort über 12.000 – und welches Wort soll man wählen? – untergebracht oder eingepfercht. Dass jetzt zwei Menschen ihr Leben verloren haben, erscheint uns als ein Tod mit Ansage."

Naomi Klein über das Potential einer Bewegung für Klimaschutz

Durch "Gespräche mit anderen Mitgliedern der wachsenden Klimagerechtigkeitsbewegung erkannte ich, dass der Klimawandel auf vie­lerlei Arten ein Katalysator für positiven Wandel werden könnte - indem er den progressiven Kräften das beste Argument überhaupt dafür liefert, den Wiederaufbau und die Wiederbelebung der regionalen Wirtschaft zu fordern; unsere Demokratien dem zerstörerischen Einfluss der Konzerne zu entreißen; gefährliche neue Freihandelsabkommen zu blockieren und alte umzuschreiben; in die unterentwickelte öffentliche Infrastruktur wie Massenverkehrsmittel und bezahlbaren Wohnraum zu investieren; die Privatisierung wichtiger Dienstleistungen wie die Energie- und Wasser­versorgung rückgängig zu machen; unser krankes Landwirtschaftssystem durch ein gesünderes zu ersetzen; Grenzen für Einwanderer zu öffnen, die wegen der Folgen des Klimawandels ihre Heimat verlassen mussten; end­lich die Landrechte der indigenen Völker anzuerkennen - all das würde dazu beitragen, das groteske Maß an Ungleichheit in und zwischen unse­ren Ländern zu beenden. [...]
Und ich begann, Anzeichen [...] dafür zu erkennen, dass die drohende Klimakrise die Grundlage für eine mächtige Massenbewegung bilden könnte, wenn die verschiedenen Zusammenhänge auf breiterer Ebene erkannt würden. Eine Massenbewe­gung, die all die scheinbar unzusammenhängenden Probleme zu einem kohärenten Bild vereinen würde. "
(Naomi Klein: Die Entscheidung Kapitalismus vs. Klima, S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2015)

Sieh auch:
Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung aus der Sicht von 40 Jahren darauf
„Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Johnsons Verhandlungen mit der EU und erneute Prorogation des Parlaments

Erneute Prorogation des Parlaments, aber für eine übliche Zeit, und Verhandlungen
(Laufender Bericht der FR vom 2.10,19)

DDR-Geschichte: Auf dem Mifa-Rad zum Ostseestrand

DDR-Geschichte: Auf dem Mifa-Rad zum Ostseestrand von Susan Kreller ZEIT 2.10.19

"[...] Ich komme aus Plauen, einer mittelgroßen Stadt im sächsischen Vogtland, mein Kindergarten hieß "Sozialismus siegt". Manche sagen, in Plauen habe die Wende begonnen. Fünfzehntausend Menschen sind damals, am 7. Oktober 1989, auf die Straße gegangen, es war die erste richtige Großdemonstration gegen das DDR-Regime. Kann sein, dass ich danach nie wieder so viel Mut auf einmal gesehen habe.
Aber wie könnte ich in einem Buch von solchen Dingen erzählen, noch dazu für ein junges Lesepublikum? Und überhaupt: Wie lässt sich die DDR in Sprache übersetzen?
Wie erzählt man von einem Land, das es nicht mehr gibt und das in so vielen Menschen trotzdem weiterhämmert, weiteratmet, weiterweint? Wie schreibt man das Schweigen in die Geschichten und wie die Würde? Wie fügt man all dem Farblosen, Dunklen und Trennenden, das so oft mit der DDR verbunden wird, etwas Buntes, Helles, Verbindendes hinzu? Wie schickt man die Klischees aus den Geschichten und lässt den Schmerz darin? Wie erzählt man von Einschränkung, perfider Überwachung und Diktatur, aber ebenso von Freundschaft, Gemeinschaft und Wärme? Wie zeigt man die Unterschiede zwischen DDR und Bundesrepublik auf, aber auch die vielen Gemeinsamkeiten? [...]"

Dienstag, 1. Oktober 2019

gesunder Menschenverstand

Dei Verwendung des Ausdrucks "gesunder Menschenverstand" hat in politischer Rede zugenommen; freilich nicht im Sinne des britischen common sense, sondern als Kampfbegriff gegen die Anderen. Ganz wesentlich ist das auf Politiker der AfD zurückzuführen. Darauf weist Maximilian Probst in der ZEIT vom 26.9.19 hin.

So formuliert Jörg Meuthen: "Linksgrüne Hypermoral und gesunder Menschenverstand scheinen unvereinbare Gegensätze zu sein."
Alexander Gauland: "Im Wahlprogramm der Grünen ist so gut wie kein gesunder Menschenverstand zu finden."
Alice Weidel: "Der Fall Sami A. zeigt in erschreckender Weise auf, wie sehr sich Behörden und Gerichte in Deutschland vom gesunden Menschenverstand entfernt haben."

zur Verwendung des Ausdrucks im Bundestag:
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-09/bundestag-jubilaeum-70-jahre-parlament-reden-woerter-sprache-wandel#s=menschenverstand%2Cgesunder

Deutlich wird, dass die Verwendung seit 2015 im Bundestag enorm zugenommen hat.

Verkehrsminister Scheuer hat in seinem Versuch, die AfD zu imitieren, es noch weiter getrieben, insofern er behauptete, ein Tempolimit auf Autobahnen gehe gegen jeden Menschenverstand. Dass er damit praktisch allen politischen Entscheidern in Europa außer ihm und seinen Gesinnungsgenossen nicht nur den gesunden Menschenverstand, sondern jeden Verstand abgesprochen hat, hat er wohl erst im Nachhinein bemerkt.



Hans-Jürgen Schultz: auch Gott ist nicht fertig

"Im Gespräch suchen sich die Fragmente der Welt."Hans Jürgen Schultz: auch Gott ist nicht fertig,  S.13

Sieh auch:
»Wer ist das eigentlich — Gott?«
»Gott« war einmal ein Name. Er wurde in einen Begriff umgewertet. »Gott« war einmal ein Adressat. Er wurde in ein Objekt verwandelt. Aus einem Du wurde ein Es. Das ist eine Entwicklung, die sich mit einer einfachen Formel nicht beschreiben läßt. Ihre Voraussetzungen und vor allem ihre Folgen sind ungemein schwierig. Kann man sie rückgängig machen?"
http://www.philos-website.de/index_g.htm?autoren/schultz-hans-juergen_g.htm~main2


Palmöl biologisch angebaut und fair gehandelt

https://utopia.de/sponsored-content/palmoel-bio-und-fair/

sieh auch:
https://fontanefansschnipsel.blogspot.com/2018/06/palmol-biodiesel-und-uberalterte.html

Selbstversuch mit übermäßig viel Plastik

Selbstversuch:
https://utopia.de/jenke-experiment-plastikmuell-rtl-selbstversuch-kritik-157995/

Plastikfrei leben:
https://utopia.de/galerien/leben-ohne-plastik-diese-tipps-kann-jeder-umsetzen/

Jürgen Kaube: Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?

Rezensionen bei Perlentaucher:
https://www.perlentaucher.de/buch/juergen-kaube/ist-die-schule-zu-bloed-fuer-unsere-kinder.html

Zitate:

"In Deutschland waren es im Schuljahr 2016/17 allein an allgemeinbildenden Schulen mehr als 750.000 Lehrer. Nur zum Vergleich: Beamte insgesamt gibt es hier zu Lande 1,9 Millionen, Ingenieure etwa 1,6 Millionen, Juristen nicht mehr als 250.000, die Post beschäftigt rund 520.000 Angestellte; soll heißen, die Schule ist, sowohl was ihre Kundschaft als auch was ihre Vertreter anlangt, einer der auffälligsten Bereiche der modernen Gesellschaft. (S.31)"

"Das Rätsel der schulischen und universitären Bildung liegt also nicht darin, dass wir leider für die Schule lernen, obwohl viel besser für das Leben lernen würden. Sondern darin, dass wir für die Schule lernen und sich das in einem Leben auszahlt, das außerhalb der Schule stattfindet und auch ganz anders als die Schule ist. So formuliert es der Ökonom Brian Caplan: Nicht die schwache Verbindung zwischen den Inhalten des Unterrichts und dem, was wir später tun, ist das Rätsel, sondern diese schwache Verbindung bei einer zugleich ganz engen Verbindung von Bildungserfolg und Berufserfolg." (S.39)

" 'Wenn in Cambridge anstatt des Newtonschen das Ptolemäische System unterrichtet würde, würde der Ehrgeizige trotzdem meistens dem Holzkopf überlegen sein. Wenn wir anstatt Griechisch die Sprache der Cherokee lernten, würde derjenige der es am besten verstünde und die fehlerfreiesten und melodischsten Cherokee-Verse  geschrieben, er, der die Grammatik der Cherokee-Präpositionen am besten durchschaute, demjenigen überlegen sein der all das nicht könnte.' (Macaulay)
Der zwingende Schluss: es liegt nicht an den Inhalten. Jedenfalls nicht die Tatsache, dass höhere Bildungsabschlüsse zu höheren Einkommen auch in Bereichen führen, die kaum eine Verbindung zu den dort gelernten Inhalten haben. Ökonomen werden sagen, es liegt an den Signalen. Suchen Arbeitgeber nämlich fähiges Personal, ist der hohe Bildungsabschluss ein Signal für Fähigkeiten, die jemand nicht aufgrund des Wissens in bestimmten Schulfächern hat. Die Fähigkeiten, die den Arbeitgeber interessieren, wurden in diesen Fächern nur unter Beweis gestellt, aber nicht im Sinne eines zuvor unbekannten Wissens erlernt." (S.42)


"Eine gute Schule wäre eine, die möglichst viele der Tugenden honoriert und übt, die später im Leben erfreulich sind. Das aber wiederum heißt, dass sie ganz unterschiedliche Eigenschaften von Schülern wertschätzen muss: Sorgfalt genauso wie Exzentrizität, Teamgeist genauso wie Eigensinn, Bescheidenheit wie Freude an rhetorischemk Glanz, Gedächtnis genauso wie Improvisationsfreude, Fantasie genauso wie Disziplin. Die sozialen Erwartungen an Personen sind gegensätzlich, niemand kann sie alle erfüllen. Der Bildungsabschluss dokumentiert nur, dass man von seinen Besitzerinnen irgendwelche dieser Tugenden erwarten darf." (S.46)
Kommentare
zu S.42:
Inzwischen ist freilich bekannt, dass die erfolgreiche Bewältigung einer Berufslaufbahn gerade nicht sonderlich gut mit guten Schulleistungen korreliert. Genau dies ist ja der Grund, weshalb Assessment Zentren eingerichtet werden oder man anhand von nur von Computern (KI) erkennbaren formalen Sprachstrukturen bei der Beantwortung von Fragen die Qualifikation für einen Beruf zu erkennen versucht. 
Schon Macaulay stand ja vor der schwierigen Aufgabe, ein Lernen zu rechtfertigen, das mit den späteren Aufgaben nichts zu tun hatte. (Säbelzahntiger-Curriculum - Daher seine Argumentation!)

zu S.192: 
Klar, Schüler brauchen die neuen Technologien nicht, um darüber nachzudenken. 
Leider brauchen Lehrer aber ein Verständnis von der Wirkung dieser Technologien, wenn sie mit Schülern darüber sprechen wollen.
Und die Schüler arbeiten ohnehin mit den Technologien, weil die Wirtschaft sie ihnen bereitstellt, bevor die Lehrer sie kennen gelernt und begriffen haben.

Montag, 30. September 2019

Wer beherrscht Deutschland?

https://www.ardmediathek.de/daserste/player/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy9mODk1ZjZkYi01NDQ1LTQzZmMtYjAzYS1lNzc2MDA4ZWVlN2I/reportage-dokumentation-im-ersten

Armin Schäfer über die Entwicklung der Wahlbeteiligung in Dttl.
Wahlbeteiligung in Vierteln mit geringerem Einkommen sehr geringe Wahlbeteiligung
"Wir fühlen uns von den Medienmachern missbraucht."
1990 noch duchschnittl. 80%, bei höherem Einkommen fast gleichbleibend, aber bei geringerem Einkommen.
Schäfer: "Man hört nicht auf mich" trifft zu. Ihre Interessen werden nicht berücksichtigt.

Bei MdB Akademiker von 74% auf 83%.
Ein BdM, ehemaliger Lokomotivführer, erklärt, weshalb
de Maiziere: Als Politiker lebt man notgedrungen in einer Blase
Einfluss der Automobilindustrie

Erpessbarkeit der Kommunalpolitik durch die ansässige Industrie

OBM Kastner in Coburg eingeladen vom Automobilzulieferer:
Wie viel Gewerbesteuer der Betrieb wo zahlen wird, kann der Betrieb selbst entscheiden.
Je nach Erfüllung seiner Wünscher durch die Stadt  fällt dann die Steuerzahlung aus. Beispiel Brose. Aber auch Arbeitsplätze können verschoben werden.
Nachfolger von Kastner: Straße nach Brose benannt, obwohl er Nazi war.

RWE und Hambacher Wald:
Alleinstellungmerkmal im Rheinland. Tagebau und das Abbrechen von Dörfern.
Bürgerinitiativen verschwinden mit ihren Dörfern.
Die Macht verschiebt sich zu RWE
RWE-Sprecher sieht eine wechselseitige Abhängigkeit. Das Unternehmen brauche Planbarkeit.
Hambacher Wald Symbol der Auseinandersetzung ("Hambi lebt").
Arbeiter demonstrieren vor dem Privathaus der Organisatoren der Hambidemonstrationen
(Antje Grothus).
Jetzt aber eine Stillhaltelösung/Kompromiss. Der Betrieb und seine Arbeiter fühlen sich ohnmächtig.

Bernd Gruppa Aufbau einer Gewerkschaft in Leipzig. Nach 1990 extremer Rückgang der Mitgliedschaft. Folge: 3/3 der Arbeiter eines Betriebs Leiharbeiter, leider keine Seltenheit.
Aber 70 Arbeiter vor dem Fabriktor hatten innerhalb weniger Stunden große Wirkung auf den Betrieb, weil die Arbeit so eng getaktet ist.
Die Möglichkeit von 10 Jahren Leiharbeit hintereinander war Merkel unbekannt. Bernd Gruppa hat bei BMW und Porsche für die Leiharbeiter geregelte Verhältnisse erreicht.

De Maiziere: Die Bevölkerung vermutet nicht unzureichenden Willen der Politiker, aber eine Überforderung der Politik. In der neoliberalen Zeit Wegsparen von Personal und damit Handlungsfähigkeit des Staates.

Dresden wird durch Wohnungsverkauf schuldenfrei. Folge extremer Anstieg der Mietkosten. "Einer der größten sozialpolitischen Fehler".
Statt 48 000 Wohnungen jetzt wenigstens wieder 192 neugebaute.

De Maiziere: Demokratie lebt vom Mitmachen

Armutsbericht der Bundesregierung von 2017 enthielt wesentliche Ergebnisse der Untersuchungen Armin Schäfers nicht.

Sprecher aus dem Off: Das Machtgefüge hat sich verschoben. Kein Wunder, dass Unzufriedenheit entstanden ist.
"Das politische System ist herausgefordert, die Verschiebung des Machtgefüges zu korrigieren."

Übersetzung, Übersetzungshilfe

https://www.linguee.com/

https://tell-review.de/ein-sprachliches-hoellenfeuer/

https://www.lrb.co.uk/v40/n19/marina-warner/the-politics-of-translation

https://booksfromnorway.com/translators/190-matthias-friedrich ;
https://twitter.com/nordicnovellas

"The translator is simply another writer of the same book, for better or worse. Gregory Rabassa, asked if his Spanish was up to rendering García Márquez’s One Hundred Years of Solitude, responded that the real question was whether his English was."

Freitag, 27. September 2019

Ein Mann ist 21 Million Meilen geflogen

Deshalb hat er viele Vergünstigungen beim Fliegen.

Presseberichte:
https://nypost.com/2019/07/27/worlds-most-frequent-flyer-has-an-insane-weekly-itinerary/
https://www.thetimes.co.uk/edition/world/worlds-most-frequent-flyer-passes-the-21-million-miles-mark-hmztk02z0

"[...]Some of his most notable miles include flying to Australia more than 350 times. It was here where his jet-setting devotion began.
He said: “I fell in love with the country ... I’ve been back over 350 times since.”
Often, Stuker only stays a day or two. The married father-of-three says it's “the romance” of flying, not the destinations, that’s his passion.
For the most part, he’s travelling purely just to travel. The committed frequent flyer said: “I just really love everything about flying."
By 1997, Stuker’s obsession was beginning to get noticed.
He explained: “All of a sudden, after I hit 10 million [miles], I started getting into the world records and flying more competitively." [...]"
Fragen:

Was sagt das über unsere Gesellschaft?

Was sagt es über die Chancen der Menschheit, die Klimaziele von Parin 2015 zu erreichen?

Das Erschreckende ist für mich: In einer Situation, in der die Überlebensvoraussetzungen für Hunderte von Millionen Menschen auf dem Spiel stehen, ist hier jemand stolz darauf, wenn es ihm gelingt, mehr als andere dazu beitzutragen, diese Überlebensvoraussetzungen zu beseitigen. Und er wird dafür belohnt.

Zum Zustand des Kirchenwaldes in Hessen

https://www.ekhn.de/aktuell/detailmagazin/news/kirchenwald-trotzt-noch-dem-klimawandel.html

Donnerstag, 26. September 2019

Deutungshypothese

Beispiel für eine recht differenzierte textangepasste Deutungshypothese:
https://bobblume.de/2019/09/25/unterricht-deutungshypothesen-formulieren-am-beispiel-von-weidmanns-nachtgespraechen/

zu beachten: die sowohl zustimmenden wie kritischen Kommentare

sieh auch eine allgemeinere Erläuterung:
https://fontanefansschnipsel.blogspot.com/2018/11/was-ist-eine-deutungshypothese-und-wie.html

Ich persönlich finde schon das Wort schrecklich. Warum nicht Deutungsansatz? 
Ich gebe zum einen Thomas Rau recht, wenn er meint, da messe sich der Deutschunterricht eine Exaktheit wie bei den Naturwissenschaften zu, die gebe es für ihn aber nicht.
Noch allgemeiner finde ich aber mit Hans Magnus Enzensberger, dass selbst der Autor nicht den Anspruch haben sollte, die eine korrekte Interpretation eines Textes vorzugeben, geschweige den ein Deutschlehrer oder ein Kultusbürokrat. 
Natürlich sollte man im Deutschunterricht das Handwerkszeug des Interpretierens lehren und dafür Hilfestellungen geben. In unserem System muss die Lehrperson dann freilich auch aufgrund der eigenen Beurteilung eine Bewertung vornehmen. 
Aber "Deutungshypothese" erinnert mich sehr an die "Normenbücher"*, über die sich Enzensberger so aufregte und die mein Schulleiter "Nornenbücher" nannte. 

*Wolfgang Hofmeyer: "Allgemein anerkannte Bewertungsgrundsätze" als schulrechtliche Beurteilungskriterien, 1988

Noch (?) ist die Natur kreativer als die Menschheit

"Die Larven der Schlupfwespe befallen die Larven des Buchsbaumzünslers, und auch einige Vogelarten vertilgen den Schädling."
(https://www.deutschlandfunk.de/brandenburg-70-bis-80-prozent-der-buchspflanzen-geschaedigt.2850.de.html?drn:news_id=1053345)

16 Kinder und Jugendliche verklagen Deutschland und vier weitere Staaten

Die  16 sehen eine Verletzung der Kinderrechte nach der Kinderrechtskonvention.

"16 Kinder und Jugendliche aus 12 Ländern – unter ihnen Greta Thunberg, die bei der UN-Klimakonferenz eine starke Rede gehalten hat – haben bei den Vereinten Nationen Beschwerde eingereicht. Der Grund: Mit ihrer unzureichenden Klimapolitik würden die betroffenen Staaten gegen die UN-Kinderrechtskonvention verstoßen. Die Anklage richtet sich gegen fünf G20-Mitglieder: Brasilien, Argentinien, Frankreich, die Türkei – und Deutschland.
„Vor 30 Jahren haben die Staats- und Regierungschefs allen Kindern ein historisches Versprechen gegeben, indem sie die Konvention über die Rechte des Kindes verabschiedet haben. Heute nehmen die Kinder die Staaten beim Wort“, sagte die stellvertretende Unicef-Exekutivdirektorin Charlotte Petri Gornitzka. Das Kinderhilfswerk begrüßt das Vorhaben der Jugendlichen und bezeichnet es als „Meilenstein der internationalen Kinderrechtsarbeit“."

Sprechchöre bei Klimaprotesten

Wir sind hier,
wir sind laut,
weil ihr uns die Zukunft klaut.
Demoruf


Hoch mit dem Klimaschutz!
Runter mit der Kohle!

Demoruf, dabei werden die Plakate auf und ab bewegt und möglichst auch Kniebeugen gemacht
Vorsprecher: Kohle Konzerne
Alle: Kohle Konzerne
Vorsprecher: baggern in der Ferne,
Alle: baggern in der Ferne,
Vorsprecher: zerstören unsere Umwelt
Alle: zerstören unsere Umwelt
Vorsprecher: nur für nen Batzen Geld.
Alle: nur für nen Batzen Geld.
Vorsprecher: Worin wir unsere Zukunft sehn:
Alle: Worin wir unsere Zukunft sehn:
Vorsprecher: Erneuerbare Energien.
Alle: Erneuerbare Energien.
Vorsprecher: Das war ein bißchen leise.
Alle: Das war ein bißchen leise.
Vorsprecher: Drum singen wir es lauter.
Alle: Drum singen wir es lauter.
Sprechgesang
Banken Retten das geht fix, für die Umwelt tut ihr nixDemoruf
Vorsprecher: Hopp, Hopp, Hopp.
Alle: Kohle stopp!
Demoruf
Vorsprecher: Climate
Alle: Justice!
Demoruf
Vorsprecher: Ich sage Hambi, ihr sagt bleibt.
Vorsprecher: Hambi
Alle: Bleibt!
Vorsprecher: Hambi
Alle: Bleibt!
Vorsprecher: Hambi, Hambi, Hambi
Alle: Bleibt, bleibt, bleibt!
Demoruf
Vorsprecher: We are unstoppable!
Alle: Another world is possible!
Demoruf
Es gibt
kein Recht
auf Kohlebagger fahren.
Demoruf

Wer nicht hüpft, der ist für Kohle. Hey, hey.
Demoruf, der im Winter durch Hüpfen für Wärme sorgt.


Klimakrise ist bescheuert.
CO2 gehört besteuert!
Demoruf


Wehrt euch,
leistet Widerstand
gegen die Braunkohle hier im Land!
Auf die Barrikaden! Auf die Barrikaden!
Demogesang zur Melodie von „Hejo, spann den Wagen an“

Weitere Sprüche

Dienstag, 24. September 2019

Wie viele Informationen können Kinder vertragen?

Greta Thunberg hat 2018 mit 15 Jahren begonnen, vor dem schwedischen Reichstag begonnen, für den Klimaschutz zu demonstrieren.
Freiwillig? Wurde sie von ihren Eltern dazu abgerichtet? Was ging ihrer Entscheidung voraus?

Die folgenden Seitenzahlen beziehen sich auf Greta Thunberg, Svante Thunberg, Malena Ernman, Beate Ernman: Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima, 2019:

Als Gretas jüngere Schwester Beata in eine große Krise kam und sie ihre Mutter beschimpfte "Ich hasse dich Mama. Du bist die schlechteste Mutter auf der ganzen Welt, du verdammte Bitch" und sie ihre Bücher und DVDs vor Wut die Treppe herunterwarf (S.60), beschloss ihr Vater, mit ihr nach Italien in Urlaub zu fahren.
" 'Fliegen ist das absolut Schlimmste, was man machen kann', erklärt [Greta]. Aber sie sagt, dass sie fahren sollen, wenn es ihrer kleinen Schwester hilft." (S.62)
Nach der Rückkehr von Vater und Schwester sagt sie den beiden: " 'Ihr habt gerade einen CO2-Ausstoß in Höhe von 2,7 Tonnen verursacht [...] Das entspricht der Jahresemission von fünf Einwohnern des Senegal.' " (S.64)

Greta litt lange, bevor sie mit ihrer Demonstration von dem Reichstag einen Ausweg für sich fand, darunter, dass sie erleben musste, dass ihre Eltern und ihre Schwester sich nicht so verhielten, wie sie es doch hätten tun müssen angesichts des Zustandes der Welt.
Diese inneren Widersprüche, die zu unserem Leben gehören, sind für Menschen mit Asperger-Syndrom nur sehr schwer zu ertragen.
Sie wusste ja, dass ihre Eltern über den Zustand der Welt informiert waren. Ursprünglich hatte sie es ja von ihnen erklärt bekommen, bevor sie sich wie besessen immer genauer informierte.
" 'Ihr Promis seid für die Umwelt ungefähr das, was der Rechtspopulist Jimmie Akesson für die multikulturelle Gesellschaft ist' sagt Greta" (S.83)

In diesen Widerstreit haben ihre Eltern sie geführt, dabei würde sie sie doch so gerne lieben, wie sie sind.

Als Lehrer habe ich Anfang der 70er Jahre meinen Schülern erzählt, dass nicht die Überbevölkerung in Asien und Afrika das Problem ist, sondern die Tatsache, dass wir bei unserem Lebensstil darauf angewiesen sind, dass zwischen uns und ihnen kein fairer Handel besteht, dass, wenn alle Menschen auf der Welt lebten wie wir, die Ressourcen nicht ausreichten.
Ja, das war damals schon deutlich, obwohl der Konsumrausch erst in der 80er Jahren begonnen hat. 1972 war mit der Publikation von "Grenzen des Wachstums" schon zu erkennen, was sich in den Jahrzehnten danach immer eindrücklicher herausgestellt hat.

Wir in Europa und Nordamerika seien das Hauptproblem.
Als ich dann mein erstes Kind bekam, erzählte mir die Mutter einer Schülerin von mir, ihre Tochter sei enttäuscht von mir. Das sei doch sehr inkonsequent.

Ich habe nicht bemerkt, dass unsere Kinder unter dieser Inkonsequenz gelitten hätten. Als sie noch klein waren, haben wir ihnen nicht alles so deutlich erklärt. Da hat mein Sohn noch geweint, als er ein Bild von einem Fuchs sah, der von Gänsen verfolgt wurde.
"Der arme Fuchs!"
Und später haben sie sich damit zufrieden gegeben, dass wir uns bemüht haben, für gerechten Handel einzutreten, auch wenn das bis heute nicht erfolgreich war.
Heimlich hat meine Tochter aber schon mit 9 Jahren Kogons "SS-Staat" gelesen. Unruhige Nächte bereiteten ihr erst die Horror-Romane von Stephen King.

Wie viele Inkosequenzen können Kinder ertragen und wie viele dürfen wir uns heute noch leisten?

Zur Entwicklung des Treibhauseffekts:
https://www.nature.com/immersive/d41586-019-02711-4/index.html

Generaldebatte der Vereinten Nationen (Kurzprotokoll)

  • In New York traf sich die Generalversammlung der Vereinten Nationen zu einer Plenarsitzung.
  • US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran mit weiteren Sanktionen und warb für eine nationalistische Außenpolitik. "Die Zukunft gehört Patrioten", sagte er.
  • Der französische Präsident Emmanuel Macron hielt dagegen. Er forderte mehr internationale Zusammenarbeit und brachte neue Iran-Verhandlungen ins Gespräch.
  • Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel weilte in New York und traf sich dort mit Trump und Irans Präsident Hassan Rohani.

Auszüge im Wortlaut:
"Die Welt stehe vor großen Herausforderungen, sagt Macron zu Beginn. Er nennt den Klimaschutz als Beispiel und sagt, die Politik unternehme nicht genug, um der Herausforderung zu begegnen. Später wird er die internationale Gemeinschaft nachdrücklich zum Ausstieg aus der Kohleverstromung auffordern und von Industrienationen verlangen, keine Kohlekraftwerke mehr in Entwicklungsländern zu bauen. China zum Beispiel investiert derzeit viele Milliarden Dollar in den weltweiten Bau neuer schmutziger Kraftwerke. Von den Staaten verlangt Macron, mehr Geld für Klimaschutz in die Hand zu nehmen.

Dann spricht er die Krise am Golf an, die eine weitere große Herausforderung darstelle. Er sagt, die Angriffe auf saudische Ölanlagen in der vergangenen Woche, die dem Iran zugeschrieben werden, hätten die Region an den Rande des Krieges gebracht. Von den Iran-Sanktionen der USA, das macht der Präsident deutlich, hält er nichts." 

"Trump erklärt gerade der Welt, wie wichtig es sei, Frauen zu stärken, gegen die Diskriminierung von LGBTQ-Menschen vorzugehen. Oder Religionsfreiheit voranzutreiben." (SZ Live Blog zur UN-Generaldebatte 
https://www.sueddeutsche.de/politik/un-generaldebatte-live-1.4614133?referrer=push)

Mythen zum Digitalpakt

https://riecken.de/index.php/2019/09/mythen-zum-digitalpakt/

Energiesparen in den 70er Jahren und heute

1973 wurden in der BRD gesetzlich autofreie Sonntage eingeführt. (Wikipedia)

1974 verzichteten die Westdeutschen auf energieintensive Ausgaben wie Neuwagen und Fernreisen. Die Mehrheit der Bundesbürger war für ein Tempolimit. Leuchtreklamen wurden abgeschaltet. (S.310/11)
In der DDR wurde von 1979 bis 1984 der Heizölverbrauch "auf ein Viertel (!)" gesenkt. (S.316)
Der Hauptvertreter des Wirtschaftsliberalismus Graf Lambsdorff begrenzte die Raumtemperatur in seinem Ministerium und "ließ seinen Dienstwagen nur noch maximal 130 km/h fahren".
Es gab Anschlusszwang an Fernheizungen und große Erfolge bei der Wärmedämmung. (S.320)
Allgemein wurde die Energieeffizienz enorm erhöht. (S.323)
(Frank Bösch: Zeitenwende 1979 - Deutschlandfunk, Perlentaucher)

In einer Situation, wo der Ölpreis anstieg, war es also auch Liberalen möglich, "Zwangsmaßnahmen" zu ergreifen. Heute geht es ja "nur" den Lebensraum von Hunderten von Millionen und die Gefahr entsprechender Flüchtlingsströme. Und es sind womöglich noch zehn Jahre Zeit. Da kann man mal Energieziele um 10 Jahre verschieben und alle eingreifenden Maßnahmen auf 2050 verschieben. 

Freilich, schon damals war das Sparen nicht nachhaltig. Sobald der Ölpreis nicht mehr stieg, setzten Reboundeffekte ein. 

Bessere Wärmedämmung -> größere Wohnungen
niedrigerer Benzinverbrauch pro Auto -> mehr Kraftfahrzeuge
der Schienenverkehr verlor an Bedeutung
"Die Verbrauchsintensität pro Kopf stieg bei Geräten zwischen 1960 und 1990 so fast um das Achtfache." (S.325)


Es ist bemerkenswert, "dass Produkte, die nach den Ölkrisen auf den Markt kamen – wie insbesondere Computer – bis heute kaum Kennzeichnungen zu ihrem Energieverbrauch tragen. Flug- und Internetverkehr stehen in stärksten Kontrast zu den Energiesparappellen. Neue Siegel zum fairen Handel und zum Gesundheits- und Umweltschutz überlagern Hinweise zum sparsamen Verbrauch." (S.332)
(Frank Bösch: Zeitenwende 1979, S.322-325)

https://www.wissen.de/wo-kann-ich-co2-sparen ?
"[...] Klar ist: Unter unseren Rahmenbedingungen hier in Deutschland ist es für uns Einzelne allein durch Alltagsmaßnahmen unmöglich, das Fernziel von nur einer Tonne CO2-Emissionen pro Kopf zu schaffen zu schaffen. "Wir müssen die Strukturen, die Anreize, die unser Verhalten lenken, so verändern, dass klimafreundliches Verhalten den Normalfall darstellt. Das gilt für die gesellschaftlichen Strukturen wie auch für die Alltagsstrukturen" [...]"

"This is all wrong. I shouldn’t be up here. I should be back in school on the other other side of the ocean. Yet you all come to us young people for hope. How dare you." (Greta Thunberg)

Versäumnisse

Thomas Cook "versäumte" es, "konsequent in das stark expandierende Kreuzfahrgeschäft einzusteigen" (FR 24.9.19)
Aber das Klimapaket der Bundesregierung kommt nach nur 27 Jahre nach Rio rechtzeitig und ist ausreichend?
Kreuzfahrten, Billigfluggesellschaften, SUVs alle werden kräftig subventioniert, denn sie sind ja Garantien für steigende Gewinne und solide Bilanzen. Investitionen in Nachhaltigkeit werden gedeckelt. Eindeutig ein Erfolgsrezept.
Fragt sich nur wofür.

"This is all wrong. I shouldn’t be up here. I should be back in school on the other other side of the ocean. Yet you all come to us young people for hope. How dare you." (Greta Thunberg)

Samstag, 21. September 2019

Was kann die Schülerstreikbewegung bewirken?

Eins haben die Schülerstreiks schon bewirkt.
Die Warnungen der Klimawissenschaftler werden wahrgenommen, die Medien berichten über die Gefahren, die weltweit drohen und versuchen (auf unterschiedlichen Niveau) darüber aufzuklären, was getan werden müsste, um sie zu bannen.
Das fragwürdige Argument, die Schüler sollten, statt zu protestieren, sich lieber von Profis informieren lassen, kommt nicht mehr an, zum einen, weil Greta Thunberg immer wieder - zuletzt vor dem US-Kongress - betont, die Politik solle nicht auf die Schüler hören, sondern auf die Wissenschaftler. Und zum anderen hat der YouTuber rezo bewiesen, dass er mit einem Video so viel Informationen übermitteln konnte, dass die Versuche der Politikprofis dagegen zu halten, im wahrsten Sinne des Wortes alt aussahen und die Grünen bei der Europawahl mehr davon profitieren konnten als an alle anderen Parteien mit ihren teuer bezahlten Werbespezialisten.

Doch jetzt droht eine große Gefahr: Man könnte meinen, die Schülerstreiks haben gewirkt und die Politiker handeln. Jetzt wird alles gut gehen.
Das ist aus zwei Gründen falsch. Erstens: Die Politiker haben die Warnungen der Wissenschaftler nicht ernst genug genommen, sondern nur Symbolpolitik betrieben, die nicht einmal die Wirkung eines Tropfens auf den heißen Stein hat. Zweitens: Selbst wenn schon der richtige Anfang unternommen worden wäre, so brauchte es immer noch viele Jahre konsequenten Festhaltens an einer wirksamen Strategie zur Erreichung der Klimaziele, die 2015 in Paris gesetzt wurden.
Deshalb muss deutlich werden, dass die Mehrheit der Bevölkerung Klimaschutz will und bereit ist, dafür umzudenken.
Das wird nur gelingen, wenn mehr und mehr Erwachsene die Schülerdemonstrationen unterstützen und wenn sie auch beginnen, anders zu handeln. 
Dazu muss freilich jeder, der verstanden hat, worum es geht, beitragen, wo immer er es kann.
Natürlich ist das nicht leicht. 

Deshalb bin ich den Grundschülern dankbar, wenn sie mit großem Eifer rufen: "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut."

sieh auch:
Was wäre, wenn alle Schüler der Welt freitags wieder in die Schule gingen?

Weltkindertag 20.9.

Greta Thunberg wird deutlich und zeigt zwei Wege auf:
Ihr Politiker hört auf die Wissenschaftler:
'Don't listen to me, listen to the scientists' (Ihre Ansprache dauert weniger als eine Minute.)

Ihr Bürger tut alles, um die Naturzerstörung zu beenden:
Für uns Bürger betont sie, dass es Lösungen gibt und jeder dazu etwas beitragen kann: Alles zählt!
Zitat (in gekürzter Übersetzung):
"Es gibt eine Einrichtung, die CO2 aus der Luft absaugt und fest mit der Erde verbindet. Sie nennt sich Baum. [...] Lasst die Natur arbeiten, statt sie zu zerstören und Milliarden dafür auszugeben, dass sie schneller zerstört wird!"

Das Klimapaket der gegenwärtigen Bundesregierung reicht dafür jedenfalls nicht aus.
Zu recht hat Olaf Scholz erklärt: „Wir brauchen einen großen Wurf in der Klimapolitik, wenn wir als Regierung weiter eine Berechtigung haben wollen, das Land zu führen. [...] Ein Klein-Klein in der Klimapolitik hilft nicht weiter.“
Ein entscheidender Schritt wäre, die Subvention von Naturzerstörung zu beenden, für die die gegenwärtige Bundesregierung weiterhin Milliarden ausgeben will.

Die Chance Humus:
"Würden wir auf allen landwirtschaftlich genutzten Böden nur vier Promille Humus jährlich aufbauen, wäre der gesamte menschgemachte CO2-Ausstoß in den Boden eingelagert." (Humus und die Menschheit)

Über Klima-Berichterstattung

AXEL BOJANOWSKI: Die Homogenisierung der Klima-Berichterstattung ist ein Problem, uebermedien.de, 20. SEPTEMBER 2019

Zunächst weist der Verfasser darauf hin, dass im Zusammenhang mit dem Klimawandel oft nicht deutlich genug auf die Unsicherheiten, die bei allen Prognosen dazu bestehen, hingewiesen werde. Er formuliert dazu:
"Die Mehrheit wollte laut Umfrage eher über Risiken statt über Unsicherheiten des Klimathemas informieren."
Bei wohlwollender Interpretation muss man angesichts des Themas des Aufsatzes annehmen, dass er dabei nicht die Risiken und Unsicherheiten eines Themas meint, sondern über die Risiken, die bei der Klimaentwicklung entstehen, und die Unsicherheiten, die bei Prognosen über die Entwicklung bestehen.

Dann schreibt er:
"Die Verschweiger der Risiken des Klimawandels – häufig „Klimaleugner“ genannt – sehen sich als aufrechte Kämpfer gegen eine korrumpierte Wissenschaft."

Offenbar meint er: Diejenigen, die die Risiken herunterspielen, die beim Klimawandel bestehen. Denn wenn sie "Kämpfer gegen eine korrumpierte Wissenschaft" sein wollen, dürfen sie ja nicht das Thema Risiken ganz verscheigen, sondern müssen darauf hinweisen, dass sie von den "Korrumpierten" übertrieben dargestellt werden.

Es steht zu hoffen, dass BOJANOWSKI als Chefredakteur das Schreiben der Artikel anderen überlässt. 
Wer sich so wenig darauf versteht, präzis zu formulieren, würde sonst ein völlig verqueres "Bild der Wissenschaft" liefern.

Greta im US-Kongress

Freitag, 20. September 2019

Fridays for Future

'Don't listen to me, listen to the scientists' (Ihre Ansprache dauert weniger als eine Minute.)

Für uns Bürger betont sie, dass es Lösungen gibt und jeder dazu etwas beitragen kann: Alles zählt!
Zitat (in Übersetzung):
"Es gibt eine Einrichtung, die CO2 aus der Luft absaugt und fest mit der Erde verbindet. Sie nennt sich Baum. [...] Lasst die Natur arbeiten, statt sie zu zerstören und Milliarden dafür auszugeben, dass sie schneller zerstört wird!"
Das Klimapaket der gegenwärtigen Bundesregierung reicht dafür jedenfalls nicht aus.
Zu recht hat Olaf Scholz erklärt: „Wir brauchen einen großen Wurf in der Klimapolitik, wenn wir als Regierung weiter eine Berechtigung haben wollen, das Land zu führen. [...] Ein Klein-Klein in der Klimapolitik hilft nicht weiter.“
Ein entscheidender Schritt wäre, die Subvention von Naturzerstörung zu beenden, für die die gegenwärtige Bundesregierung weiterhin Milliarden ausgeben will.

Zusammenfassender Bericht über die weltweiten Aktionen von utopia.de


Parents for Future


Bericht der BBC aus Schottland

Die Demonstration in Ingolstadt

Eine Schule in Fürstenfeldbruck organisierte einen Klimatag

Mehr dazu berichtet Herr Rau in seinem Blogbeitrag
"Klimastreik-Umwelttag". Dort berichtet er u.a.:
"Ein Lehrer gab sich viel Mühe und organisierte eine Boeing-747-Installation in Originalgröße auf dem Sportplatz, mit Informationen zu CO2-Verbrauch, Schüler und Schülerinnen als Schriftzug und Luftbildaufnahmen von der Drohne" (Foto sieh oben)

Hamburg, du machst uns sprachlos!
💚
Wir sind 100.000 Menschen, die heute gemeinsam für konsequente Klimapolitik auf die Straße gehen. Das ist ein klares Signal an das #Klimakabinett: Was ihr vorhabt, reicht lange nicht aus!
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#FridaysForFuture #AlleFuersKlima