Donnerstag, 18. Juli 2019

Seit 10 Jahren stellt die CSU den Verkehrsminister: Was sind die Folgen?

Fritz Zimmermann: Für jeden eine Straße ZEIT 17.7.19
"Seit zehn Jahren stellt die CSU den Verkehrsminister und verteilt Milliarden. Wer profitiert davon? [...]
Bis 2030 sollten die CO₂-Emissionen des Verkehrs in Deutschland eigentlich um mindestens 40 Prozent niedriger sein als 1990. Das steht im Klimaschutzplan, den die Bundesregierung beschlossen hat. Im Jahr 1990 lag der CO₂-Ausstoß des Verkehrs bei 163 Millionen Tonnen. Bis zum Jahr 2009 sank er auf rund 152 Millionen Tonnen. Dann übernahm die CSU das Verkehrsministerium und mit ihr Enak Ferlemann. Die Emissionen stiegen wieder an. 2017 lagen sie bei gut 166 Millionen Tonnen CO₂, höher als 1990. [...]
Auch im vergangenen Jahr investierte das Verkehrsministerium wie schon zuvor den größten Anteil seines Budgets in den Bau und Erhalt von Autobahnen und Bundesstraßen: rund 7,7 Milliarden Euro. In das deutsche Schienennetz flossen rund 5,8 Milliarden Euro, fast zwei Milliarden Euro weniger. Dabei sind Schienen in ihrer Nutzung deutlich umweltfreundlicher. [...]"

Katastrophal ist angesichts des Klimawandels und der drohenden Kippelemente vor allem das Versagen bei der Einschränkung des CO2-Verbrauchs. 
Dass eine katastrophale Klientelpolitik betrieben worden ist und hunderte Millionen für die EU-Recht widersprechende Pkw-Maut verschleudert wurden und dass Scheuer eine Vorstellung von Menschenverstand hat, die angemessen zu charakterisieren kaum möglich ist, ohne beleidigend zu werden, fällt demgegenüber kaum ins Gewicht.
Was könnte noch schlimmer werden, wenn die AfD den Verkehrsminister stellte?


Sprachenlernen in Deutschland

"[...] Sprachenlernen in Deutschland gibt es schon länger als es Deutschland gibt. Und natürlich war auch mit der Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871 nicht alles sofort vereinheitlicht. Gymnasien gingen in Deutschland aus Lateinschulen hervor. Demzufolge sind die Sprachen, die im frühen 19. Jahrhundert auf dem gymnasialen Lehrplan standen, keine Überraschung: Als erste Sprache wurde Latein unterrichtet, dann Altgriechisch und als dritte Fremdsprache Französisch. In Seminarschulen, die ihre Schüler auf die Priesterlaufbahn vorbereiten sollten, stand dagegen Hebräisch an dritter Stelle.[...]"
(https://de.babbel.com/de/magazine/welche-sprachen-lernen-die-deutschen)

Märchen als Kinderliteratur

Grundlegend dazu:
Bruno Bettelheim: Kinder brauchen Märchen
Artikel der englischen Wikipedia zur engl. Originalausgabe 1976

Meine eigene Antwort auf gutefrage.net:

Wenn Kinder noch nicht traumatisiert sind, sind sie gegenüber Erzählungen von Schrecklichkeiten widerstandsfähiger als Erwachsene, weil sie sich in der Familie sicher fühlen und nicht in unserer Realität, sondern in einer magischen Welt leben.
Meine Tochter hat Kogons SS-Staat mit 9 Jahren gelesen und konnte danach gut schlafen. Stephen King dagegen, der absichtlich Horrrorvorstellungen möglichst plastisch ausmalt, hat sie - kurzfristig - um den Schlaf gebracht.
Märchen dagegen erzählen die Schrecklichkeiten als matter of fact.
Freilich, mein Sohn hat mit 3 Jahren ein Bild, wo ein Fuchs von lauter Gänsen verfolgt wurde, erschreckend gefunden, weil er Mitleid mit dem Fuchs hatte. Das das Bild eine Umkehr der Wirklichkeit darstellte, hat er noch nicht von selbst erkannt.
Märchen sind nützlich, weil sie einfach sind, nicht zu genau ausgemalt und magisch und nicht realistisch. Freilich kann man bei einzelnen Märchen darüber streiten, ob sie dieser Definition entsprechen. Rotkäppchen, Hänsel und Gretel und Brüderchen und Schwesterchen tun es meiner Meinung nach.

Informationen über "die digitale Welt" eingängig aufbereitet

https://1001wahrheit.de/

Zum Vergleich z.: der Wikipediaartikel zu Darknet

Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen

vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Dort die Möglichkeit zum Download:
https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/Downloads/BBK/DE/Publikationen/Broschueren_Flyer/Buergerinformationen_A4/Ratgeber_Brosch.pdf

Aber man kann den Ratgeber auch kostenlos bestellen.

Über die (fehlende) Öffentlichkeit bei Gerichtsverhandlungen

oder: ein Lob auf Gerhard Richter


"[...] Die Entkopplung unserer Gerichtssäle von den diversen Resonanzsystemen ist dennoch ein kultureller Verlust. Für die Rechtsprechung aber ist sie dramatisch: Denn manchmal, gar nicht so selten, verhängen die Strafgerichte harte Strafen vorrangig nach dem Kriterium der sogenannten Generalprävention. Dies mit Abschreckung zu übersetzen wird in der Juristerei nicht so gern gehört, geht aber am Kern der Sache kaum vorbei. Wenn eine bestimmte Deliktart – zum Beispiel Wohnungseinbrüche – zu einer gesellschaftlichen Seuche wird, ist es an den Gerichten, hierauf wirksam zu reagieren. Das kann dazu führen, dass der einzelne Täter vielleicht nur deshalb keine milde Strafe bekommt, weil diese aus generalpräventiver Sicht – von den in den Startlöchern stehenden weiteren Wohnungsdieben – als Freibrief verstanden werden könnte. Bloß – wie funktioniert das mit der Abschreckung, wenn von den harten Strafen mangels Öffentlichkeit keiner was erfährt? Wie rechtsstaatlich oder redlich ist es, eine unbedingte Freiheitsstrafe in der mündlichen Urteilsbegründung primär mit der erforderlichen Generalprävention zu begründen, wenn im Gerichtssaal kein Reporter und kein Zuschauer sitzt, der tragende Strafzumessungsgrund also offensichtlich auf eine Fiktion baut? [...]
(Thomas Melzer, ZEIT 17.7.19)
https://www.zeit.de/2019/30/oeffentliche-gerichtsverhandlungen-besucher-aufmerksamkeit-generalpraevention/komplettansicht

Mittwoch, 17. Juli 2019

Frank Bösch: Zeitenwende 1979

Frank Bösch: Zeitenwende 1979 (Rezensionen in Perlentaucher)

Die Revolution im Iran, S.18ff

Papst Johannes Paul II. in Polen, S.61ff

Die Revolution in Nicaragua, S.95ff

Chinas Öffnung unter Deng Xiaoping, S.141

Die Boat People aus Vietnam, S.187
Tatsächlich nahmen CDU-regierte Bundesländer anfangs mehr Flüchtlinge auf, allen voran Niedersachsen unter Ernst Albrecht. [...] einzelne CDU-regierte Städte, wie Frankfurt unter dem Oberbürgermeister Walter Wallmann, beschlossen Anfang 1979 ein eigenes Kontingent für 250 Boat-People, die sein Büroleiter Alexander Gauland aus Hongkongs Lagern begleitete." (Seite 195) [Wikipedia: "In der Funktion als FrankfurterMagistratsdirektor organisierte er u. a. die Verbringung von vietnamesischen Flüchtlingen (Boatpeople) in die hessische Metropole.[20]"]
"Ebenso zeigten zahlreiche Christdemokraten zivilgesellschaftliches Engagement und organisierten Hilfsaktionen. [...] Die Flüchtlingshilfe war damit zu einem bürgerlichen Projekt geworden. (Seite 196)
"Eben so dramatisch waren die Fluchtgeschichten, die die Journalisten von den Geretteten berichteten, etwa über die Raubüberfälle und Vergewaltigungen durch Piraten oder die katastrophale Situation in den Aufnahmelagern, die zunehmend keine Flüchtlinge mehr einließen. [...] Direkt aus denn südostasiatischen Lagern berichtete ihr Redakteur (und späterer Herausgeber) Josef Joffe, er sei "als Reporter abgefahren, aber als Parteigänger wiedergekommen". Seine Artikel über das Lager auf der malaiischen Insel Bidong, das mit 40.000 Menschen überfüllt war, schickte er ein Bundeskanzler Schmidt, um ihn zum Eingreifen zu bewegen." (Seite 197)
"Damit zeigte die deutsche Gesellschaft 1979 eine größere Aufnahmebereitschaft als die Bundesregierung." (Seite 199)
"Verschiedene Linksintellektuelle, die einst gegen den amerikanischen Einsatz in Vietnam eingetreten waren, lehnten nun sogar öffentlich die Hilfe für die Boot-People ab. [...] Besonders deutlich fiel die Kritik in der linken Zeitschrift konkret aus, die sich direkt gegen Rettungsaktionen durch die Cap Anamur wandte: "Mit Spenden von Rentnern, karitativen Vereinen und vom Staat sammelt die Cap Anamur vietnamesische Flüchtlinge aus dem Meer. Viele der Boat-People sind Schwarzhändler, Zuhälter und US-Kollaborateure, die sich gegen Geld Tickets für den Weg zu neuen Ufern kaufen." [...] Der Schriftsteller Heinrich Böll, der sich für die Flüchtlinge engagierte, hielt dem eine überparteiliche Humanität entgegen: "Ich würde auch einen ertrinkenden Zuhälter retten… Ich hätte sogar den Massenmörder Eichmann aus dem Wasser gezogen." [...]  Schlüsselfiguren der Achtundsechziger, wie Rudi Dutschke, kritisierten nun die Menschenrechtsverletzungen in Vietnam und die "Zerstörung aller sozialistischen Ansätze.“(Seite 200)



Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan, S.229ff

Thatchers Wahl und die Gründung der Grünen, S.269ff


zu S.279 ff sieh hier

Mikronationen

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Mikronationen

Dienstag, 16. Juli 2019

AKK Verteidigungsministerin: Kommentar

https://www.sueddeutsche.de/politik/bundesverteidigungsministerium-ursula-von-der-leyen-karrenbauer-1.4526869

Kopieren und Einsetzen beim Handy

https://levato.de/handy-trick-den-80-aller-nutzer-nicht-kennen/

Vom selben Anbieter Handykurse für verschiedene Marken (zum Teil kostenpflichtig)

Demenzvorsorge leicht und locker

https://twitter.com/Hokeys/status/1151056275788242944

Etwas ernsthafter:
https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/gehirn/demenz-diese-alzheimer-anzeichen-duerfen-sie-nicht-ignorieren_id_10170771.html

Es gibt unbeeinflussbare Faktoren: Geschlecht (für divers gibt es offenbar noch keine Statistik) und andere genetische Faktoren, aber sonst gilt: Was dem Körper schadet, schadet auch dem Gehirn.
Freilich, Risikofaktor 1: Alter

Zentralabitur für Deutschland?

Markus Söder lehnt es ab
(https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-07/markus-soeder-zentralabitur-schule-bildungspolitik-abi).

Ich aus anderen Gründen auch: Die Vergleichbarkeit würde zwar erhöht, aber die Ungerechtigkeit für den einzelnen Schüler noch weit mehr.
Wer individuell gefördert worden ist, statt auf Prüfungsoptimierung hin, wird notwendig benachteiligt. Was bisher vor allem neu integrierte Migranten trifft, gölte dann für die große Mehrzahl der Schüler: Nicht die Leistungsfähigkeit, sondern das Prüfungstraining würde bewertet.

mehr zum Thema Abitur hier und hier

Sonntag, 14. Juli 2019

Sexueller Kindesmissbrauch im Sport

"[...] Die noch unveröffentlichte Studie geht von einer hochgerechneten Zahl von 200.000 Betroffenen im Sport aus - damit fast doppelt so viele wie jeweils in den beiden Kirchen. Diese höhere absolute Zahl sei nicht verwunderlich, da mehr Kinder in Sportvereine gingen als in die Kirche, sagt Jörg Fegert, Kinder- und Jugendpsychiater der Uniklinik Ulm. Dennoch stellt sich angesichts der enormen Menge an Betroffenen die Frage: Warum ist sexueller Missbrauch im Sport kein öffentliches Thema in Deutschland? "Wir haben eine Bewusstseinsentwicklung nötig in diesem Bereich", sagte Fegert zur Sportschau. [...]"
https://www.sportschau.de/weitere/allgemein/sexueller-missbrauch-kindesmissbrauch-sport-doku-100.html

Warum der Frust über die CDU in der Wirtschaft so groß ist

"[...] Und dann ist da noch die Generation der Start-up-Gründer. Sie zeichnet aus, dass sie von der Politik nicht mehr viel verlangen oder sich von ihr gar viel versprechen würden. Eine Bindung zur Politik gibt es kaum. Sie prägt eine radikale Nüchternheit, mit der sie ohne parteipolitische Bindungen nach Geschäftsideen fahnden. Und diese Ideen haben zur Zeit vor allem mit jenen großen Themen zu tun, bei denen die CDU für die Generation der Zwanzig- bis Vierzigjährigen altbacken, ideenlos und sprachunfähig daher kommt: Umwelt, Ökologie, Energiesparen. [...]"

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/cdu-wirtschaft-beziehungen-1.4522333

Samstag, 13. Juli 2019

Liverpool

Fußball und die Beatles weiß man heute.
Nicht vergessen sollte man, weshalb LIverpool reich wurde:
"Als 1787 in Großbritannien die Bewegung zur Abschaffung des Sklavenhandels begann, galt der Sklavenmarkt in Liverpool als der größte weltweit.[4]
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde 40 Prozent des Welthandels über den Hafen von Liverpool abgewickelt.  In den Jahren 1830 bis 1930 nahmen etwa neun Millionen (von 40 Millionen) Europäer ein in Liverpool startendes Auswandererschiff in ein Land der „neuen Welt“, die meisten in die USA, Australien oder Neuseeland.[5] Große Mengen Stahl und Textilien, in Städten wie ManchesterSheffield oder Leeds produziert, wurden von Liverpool aus exportiert, insbesondere in die Länder des Commonwealth. 1829 baute George Stephenson die erste Eisenbahn von Liverpool nach Manchester. [...]
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hielt das Wachstum an und die Stadt war ein Anziehungspunkt für Einwanderer aus ganz Europa, vor allem aus Irland. 1930 zählte die Stadt 850.000 Einwohner. Im Zweiten Weltkrieg wurde Liverpool besonders 1940/41 in der Luftschlacht um England von deutschen Bomberverbänden angegriffen und erheblich beschädigt." (Liverpool)

Freitag, 12. Juli 2019

Über das Alter von Sprachen

Auf gutefrage.net wurde die Frage gestellt:

Welche Sprache ist älter, Italienisch oder Englisch?

Unter dem Link zur Frage sind auch die Antworten zu finden. Ich zitiere aus der Antwort von Ruenbezahl:
"Sprachen haben kein Geburtsdatum, sondern entwickeln sich nach und nach, wobei ein einheitlicher Staat hilfreich ist, um aus verschiedenen Dialekten eine Sprache zu formen. Italien gibt es erst seit 1861, und im ersten italienischen Parlament wurde Französisch gesprochen, weil die Verständigung in den verschiedenen italienischen Dialekten zu schwierig war. [...] Englisch ist eindeutig wesentlich älter als Italienisch, auch weil das englische Königreich sehr viel älter ist."
Freilich stellt sich die Frage, welches Italienisch und welches Englisch?
Dante hat die Göttliche Komödie in der Volkssprache geschrieben. Also hat es spätestens 1307 ein Italienisch gegeben, das ermöglichte, damit Werke zu schaffen, die zu den besten der Weltliteratur gehören. Chaucer hat (von ungefähr 1387 an) in "einer Zeit, in der die englische Dichtung noch vorwiegend auf LateinFranzösisch oder Anglonormannisch geschrieben wurde, [...] die Volkssprache [gebraucht] und erhob dadurch das Mittelenglische zur Literatursprache" (Wikipedia)
Insofern wäre das Italienische als Literatursprache älter als das Englische. Freilich, das Epos Beowulf stellt laut Wikipedia: "das bedeutendste erhaltene Einzelwerk angelsächsischer Sprache dar; gleichzeitig macht es zehn Prozent des gesamten erhaltenen Textguts dieser Sprachform aus. Das Epos entstand vermutlich nach dem Jahr 700". 
Das Angelsächsische ("die älteste schriftlich bezeugte Sprachstufe der englischen Sprache" - Wikipedia: "Altenglisch") ist aber ganz eindeutig nur ein Vorläufer der englischen Sprache, die ab 1066 ganz wesentlich vom mittelalterlichen Französisch geprägt wurde. 
Das Anglonormannische blieb bis "zum Ende des 14. Jahrhunderts [...] (neben Latein) Sprache des englischen Hofs, der Verwaltung und Justiz. In der Literatur wurde es seit Mitte des 13. Jahrhunderts vom Mittelenglischen abgelöst. Eine der populärsten anglonormannischen Schriftstellerinnen war Marie de France." (Wikipedia) Allerdings heißt es in dem Artikel zu ihr in der Wikipedia Marie de France "war eine französischsprachige Dichterin"
Die Frage nach dem Alter einer Sprache ist also nie einfach zu beantworten, zumal sie immer auch schon existiert hat, bevor Schriftzeugnisse in dieser Sprache entstanden. Ruenbezahl sagt also sehr zu recht"Sprachen haben kein Geburtsdatum"

Donnerstag, 11. Juli 2019

Weshalb private Verhaltensänderung und politische Maßnahmen zusammengehören

Niko Paech im Interview, Weserkurier 3.7.19 
"Demokratische Instanzen wagen niemals, gegen den Mainstream vorzugehen. Das wäre politischer Selbstmord. Deshalb bedarf es zunächst glaubwürdiger Signale aus der Zivilgesellschaft. Sie muss die Politik darin bestärken, endlich mit Klimaschutz zu beginnen.
Manche sagen, Reisen bedeutet Freiheit. Ihr Freiheitsbegriff sieht anders aus, oder?
Die Freiheit des Einzelnen hört in einer Demokratie immer da auf, wo das Recht des anderen beginnt. Freiheit und Verantwortung bedingen einander.  
Machen Fernreisen glücklicher?
Manche behaupten das, aber die Glücksforschung zeigt, dass sich das Wohlbefinden der Menschen trotz überbordenden Wohlstandes keineswegs gesteigert hat. Ich kenne viele Menschen, die nie ein Flugzeug von innen gesehen haben und nicht nur zufrieden, sondern auch weltoffen leben. Europa mit dem Zug, Fahrrad und Wanderschuhen zu erkunden, ist spannend. [...]"

Dienstag, 9. Juli 2019

Privatwirtschaftliche Cloudlösungen für Schulen problematisch

Stellungnahme des Hessischen Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit zum Einsatz von Microsoft Office 365 in hessischen Schulen
9.7.2019
"Der Einsatz von Microsoft Office 365 an Schulen ist datenschutzrechtlich unzulässig, soweit Schulen personenbezogene Daten in der europäischen Cloud speichern. [...] Was für Microsoft gilt, ist auch für die Cloud-Lösungen von Google und Apple zutreffend. Die Cloud-Lösungen dieser Anbieter sind bislang ebenfalls nicht transparent und nachvollziehbar dargelegt worden. Deshalb gilt auch hier, dass für Schulen die datenschutzkonforme Nutzung derzeit nicht darstellbar ist."

The plot to keep Corbyn out of power

https://www.counterpunch.org/2019/07/05/the-plot-to-keep-jeremy-corbyn-out-of-power/
https://en.wikipedia.org/wiki/CounterPunch

Trump-Höhen

Zum Dank für die Anerkennung der Golanhöhen als israelisches Staatsgebiet durch die USA im März 2019 hat Israel am 16.6. dort ein Schild "Ramat Trump" (Trump-Höhen) aufstellen lassen und am 17.6.19 eine gemeinsame Gründungsfeier dieses Ortes von Vertretern der USA und Israels abgehalten. (Regierungssitzung in „Ramat Trump“, Israel heute 9.7.19)

Die Washington Post meinte, Peking könne als Gegenleistung für zollfreie Importe in die USA ja anbieten, ein Stück der Chinesischen Mauer nach Trump zu benennen. (FR 28.6.19)

Schul- und Spielzeugmuseum in Weiler (Obersulm)

Das Schul- und Spielzeugmuseum in Weiler ist das größte von Baden-Württemberg und hat die umfassendste Sammlung, die ich zu diesen Themen je gesehen habe.

Beispiele:





In Obersulm sieh auch:

siehe auch: Jüdischer Friedhof Heinsheim (Stadt Bad Rappenaus)
                   Alte Synagoge Eppingen

Lernziele aus der Sicht der Bevölkerung

"Für das wichtigste Lernziel hielten 83 Prozent der Befragten die gute Beherrschung von Rechtschreibung und Grammatik. [...] Wichtig waren den Befragten auch eine gute Allgemeinbildung (76 Prozent), Pünktlichkeit (68 Prozent) und Englischkenntnisse (63 Prozent). (Quelle: dpa)

Montag, 8. Juli 2019

Neckarrundfahrt in Heilbronn


Mitschrift der Erläuterungen der Fremdenführung

Telefunkenpark,
Hochwassersperrtor
Nikra:  heftiger, böser, schneller Flus (keltisch)
Kormorane (Wasserraben)
Länge: 360 km, 600 m Höhendifferenz, 27 Schleusen auf dem Neckar,
Otto-Konz-Brücke: Nach dem ersten Weltkrieg organisierte er den Kanalbau am Neckar
Die Schleuse stammt vom Architekten des Stuttgarter Hauptbahnhofs, Paul Bonatz.


Theresien-Hochbunker 1939 gebaut, für 100 Personen
Theresienwiese: Das Maria-Theresia-Orden-Fest wurde 1815 hier durchgeführt dafür kamen 8000 Soldaten auf den Festplatz, 136 Fürsten. Heilbronn hatte damals nur 8000 Einwohner. Bei dem Fest wurden die verschiedensten Kriegsorden an Soldaten verlieren
Vier Silos der BWK hauptsächlich Soja, oben auf den Silos sind im Metallgestell Nistkästen für Wanderfalken. Dieses Jahr sind erstmalig dort junge Wanderfalken geschlüpft.
Die Neckarschiffe dürfen wegen der begrenzten Größe der Schleusen höchstens 105 m lang, 11,45 m breit sein. Die größte Schleuse der Welt ist 500 m lang und liegt in Antwerpen.
Rhenus: hier wird vornehmlich Getreide umgeschlagen.
Früher wurden im Heilbronner Hafen vor allem Salz und Kohle geliefert, Stahl Sand, Kies und Split – Diesel, Heizöl Alkoho,l Schrott, Schwergut (zum Beispiel Schiffsmotoren bis 400 t)
Im Hafen gibt es 34 Kräne, nur 22 werden gegenwärtig genutzt.
Der Salzhafen hat fünf Salzschütten.
Die Hafenwände sind mit Stahlpfählen gespundet.

Salz wird unter anderem für Kunststoff-, Plastik- und Reinigungsmittelherstellung verwendet.
Theodor Lichtenberger (vgl. Südwestdeutsche SALZWERKE) setzte die Salzförderung in Heilbronn durch. Es gab einen Wettbohren. Denn damals galt das Recht: Wer das Salz entdeckt, war Eigentümer.

Der Container-Terminal besteht seit 2012. Bisher ist das Geschäft noch wenig angelaufen. 
Das daneben liegebde große Backsteingebäude gehört zu der Firma Josef Rettenmeier und Söhne
Die alte Reederei ist jetzt ein Restaurant.

Die neuen Häuser gehören zur Stadtausstellung der Bundesgartenschau. Das Holzhochhaus ist das höchste in Deutschland. Allerdings ist das Erdgeschoss und der Aufzugbereich in Beton und außerdem sind Stahlträger verwendet worden.
Die alte Neckarfähre wird jetzt als schwimmenden Bühne für die Bundesgartenschau verwendet
Der Kaiser's-Turm wurde 1999 gebaut und steht jetzt unter Denkmalschutz. Er ist 40 m hoch und hat einen Preis für die Klinkerbauweise erhalten.
Getreidesilos der Baywa.
Bühnen auf der Bundesgartenschau: Aufführungen von Mozart: Gärtnerin aus Liebe, und einem Kinder Musical über die Schöpfung
Die Heilbronner Buga ist die erste, die weitgehend barrierefrei gestaltet ist.
Vom Zukunftspark aus ist das Wartberg-Restaurant gut zu sehen. Das wäre eine Erklärung für den Namen des Geländes: Wohlgelegen.
Das Kohlekraftwerk Heilbronn hat zwei Schornsteine von 250 m Höhe, es besteht seit 1920, gegenwärtig arbeitet fast nur noch Block 7, er leistet 778 MW. Der Kühlturm ist 140 m hoch (der Kölner Dom 157).
Die Kohle wird regelmäßig umgeschichtet, weil sie sonst brennen oder faulen (!) könnte.
Pro Stunde werden rund 1 Millionen l Wasser zu Dampfproduktion gebraucht, die Masse davon verdunstet, ein Teil wird in den Neckar zurückgeleitet.
Bei 1200° wird die Kohle, aber auch Klärschlamm und anderes Biomaterial verbrannt. Die Fernwärme wird verkauft.
Eine Biegung des Neckars an dieser Stelle wird Abrahams Schoß genannt, die Erklärung ist etwas unklar.
Die Autobahnbrücke wurde vor 50 Jahren gebaut, sie ist 1,3 km lang, weil der Plan bestand, den Neckar zu verlegen. Die Verlegung fand aber nicht statt, weil sie zu teuer war. Gegenwärtig fahren 100.000 Fahrzeuge pro Tag über die Brücke, ein Drittel davon ist Schwerlastverkehr, deshalb sind jetzt zwei neue Brücken (für jede Fahrtrichtung eine) nötig. Die alte Brücke wird gegenwärtig abgebrochen (großenteils mit Sprengungen).
Die FrieslandCampina hatte früher den Namen Südmilch.
An dieser Stelle ist an Ufer der Hinweis 109 km zu sehen. Er gibt die Entfernung von der Quelle an.
Die Bewohner eines Stadtteils von Heilbronn werden Linsenfischer genannt. Die Entstehung des Namens leitet sich nach einer Anekdote daher, dass nach einem großen Fest die verdorbenen Linsen in den Neckar gekippt worden waren. Die Fischer dieses Stadtteils haben sie aus dem Neckar gefischt und getrocknet. Danach haben sie sie in Heilbronn verkauft
Die Heilbronner haben den Spitznamen Brockenfresser.
Dafür gibt es drei Erklärungen:
Erstens: sie wollten immer den größten Brocken
Zweitens: eine Konditorei verkaufte große Bonbons mit dem Namen Brocken
Drittens: nach einem Feuer entstand eine große Menge geschmolzener Zucker in großen Brocken
In Heilbronn gibt es 50 000 ausgewachsene Bäume, 160 Brücken. Nicht alle Brücken führen über Wasser, denn die Definition einer Brücke besagt: ein Überweg von mehr als 2 m Länge ist eine Brücke.
Eine Brücke aus Stahl hält etwa 70 Jahre, eine aus Beton etwa 50 Jahre, bei starkem Verkehr halten sie weniger lange.
Neckarfische: im Neckar leben 42 Fischarten, die größte ist der Wels (bis 2 m), außerdem Barben, Zander, Karpfen und andere. Eine besondere Geschichte hat die 
Grundel , eine Fischart, die aus dem Schwarzen Meer stammt. Sie vermehrt sich so stark, weil sie ohne natürliche Feinde ist. Viele Fischer schimpfen über die Grundeln, weil sie anderen Fischen die Nahrung wegfrisst. Andere loben den Geschmack der Grundeln. Die Wasserqualität ist heute gut, sie wird mit zwei angegeben.
Die neue Möbelfirma Krieger baute auf dem Gelände, wo die Pfanzenfirma Kölle alte Gebäude abgerissen hatte. Kölle ist bei der jetzigen Bundesgartenschau beteiligt. Die Firma hat in den fünfziger Jahren bei der Buga in Hannover einen Preis für Rosen gewonnen.

Die Traglast des Schiffes Adam Krieger beträgt 2400 t, es ist 105 m lang und 10,5 m breit.
Mark Twain ist in Heilbronn gewesen und hat mit einem eigenen Floß den Neckar befahren. Er hat über den Heilbronner Wein gesagt: 

Die Deutschen lieben ihren Wein. Vom Essig unterscheidet man ihn mithilfe eines Etiketts.
Heilbronn bekam schon kurz nach den großen Großstädten München und Frankfurt eine elektrische Straßenbahn und zwar 1897. Eingeführt wurde sie vom Vater von Theodor Heuss.
Die Heilbronner verstehen sich als Schwaben, bis 1802 waren sie allerdings dem Bistum Würzburg in Franken zugeordnet. Der Dialekt heißt auch heute noch Südfränkisch.
Der Wartberg ist 300 m hoch, das Marahaus hat 47 Farben, auf der Brücke steht ein Minihaus (an dem großen roten Kreis zu erkennen), es ist ein Ein-Personen- Haus.


mehr zu diesen Rundfahrten und anderen Schiffsausflügen von Heilbronn aus:
http://ausflugsschiffe-heilbronn.de/

Notizen zum Justinus-Kerner-Haus in Weinsberg

Kerner hat sich dafür eingesetzt, die Weibertreu-Burg zu erhalten. Es finden sich Pläne im Haus, wo die Burg vollständig wiedergegeben ist.
Ein sehr beliebtes Instrument von Kerner war die Maultrommel. Er hat sie benutzt, um Patienten zu heilen. Insofern war er der erste Musiktherapeut.

In Kerners Haus lebte ein Storch, der sich am Flügel verletzt hatte, für viele Jahre als Haustier.

mehr dazu:
https://fontanefan3.blogspot.com/2019/07/justinus-kerner-sein-haus-in-weinsberg.html

Montag, 1. Juli 2019

Zur Höhe einer CO2-Steuer

Chef des Dax-Konzerns Munich Re (größter Rückversicherer der Welt) fordert eine CO2-Steuer (€100/t), die mehr als doppelt so hoch als die Forderung im neuesten Klimaschutz-Programm der Grünen (€40/t). (Olaf Storbeck, 29.6.2019)

Montag, 24. Juni 2019

Kipppunkte (Kippelemente) im Zusammenhang mit dem Klimawandel

Wissenschaftler wissen über die Unsicherheiten bei der Voraussage des Verhaltens komplexer Systeme.
Im Zusammenhang mit dem Klimawandel warnen sie zwar seit Jahrzehnten, aber bisher sehen sie noch immer die Möglichkeit, dass sich er sich beschränken lässt.
Die Diskussionen, die ich im Internet verfolge, lassen mich darauf schließen, dass sich aber viele über das Ausmaß der Katastrophe, die eintreten wird, wenn bestimmte Kippelemente fallen (oder Kipppunkte überschritten werden), auch ein halbes Jahr, nachdem die Schülerstreiks begonnen haben, noch nicht im klaren sind.

Daher hier ein paar Kurzhinweise:

"Sogenannte Kippelemente im Klimasystem können unwiderruflich in einen instabilen Zustand fallen und so Lebensbedingungen der Menschheit bedrohen.
Das globale Klimasystem gleicht demnach einer Kette von Dominosteinen - wehe, der erste fällt.
Der schwindende Amazonas-Regenwald, der auftauenden Permafrostboden im hohen Norden oder die schmelzenden Eispanzer Grönlands sind einige dieser Domino-Elemente, die eine Kettenreaktion mit globalen Folgen auslösen können. [...]
Kommt es zu Kippeffekten, ist Erwärmung nicht die einzige Folge: Die schmelzenden Eispanzer könnten den Meeresspiegel über die kommenden Jahrhunderte um 60 Meter steigen lassen. Mit den Wäldern geht Biodiversität verloren und damit die Chance, in der Vielfalt der Natur Antworten auf die Krise zu finden. Auftauender Permafrost gefährdet Siedlungen in Sibirien und Straßen in den Alpen. [...]
 "Die Gelegenheit, die wir in den kommenden drei Jahren haben", sagt Figueres, "ist einzigartig in der Geschichte.""

(Kippendes Weltklima: Wie Domino-Effekte die Erde in eine Heißzeit treiben könnten, Süddeutsche Zeitung 7.8.2018)

Seit dem 7.8.2018 sind nahezu 11 Monate vergangen. Entsprechend geringer sind die Chancen, dass diese Gelegenheit genutzt wird.

dazu:
"In der Arktis, rund um den Polarkreis, wüten seit einigen Wochen die wohl größten Brände des Planeten. Vermutlich mehr als 100 Feuer zeigen Satellitenaufnahmen in entlegenen Regionen der sibirischen Tundra – einige von ihnen sind möglicherweise mehr als 1000 Quadratkilometer groß. In der Arktis brennt es immer wieder mal, aber Größe und Zeitpunkt dieser Megafeuer sind sehr ungewöhnlich. Und obwohl die betroffenen Gebiete so abgelegen sind wie kaum eine andere Region des Planeten, betreffen die Auswirkungen der Brände die ganze Welt." (Mega-Feuer am Polarkreis, Spetrum.de 9.7.19)

"[...] Hartmut Graßl: Aus meiner Sicht spielt das Thema Geoengineering oder Climate Engineering eine zu große Rolle in der öffentlichen Debatte. Denn die Klimaforschung zeigt doch, dass das Verständnis des Erdsystems wegen dessen hoher Komplexität relativ langsam vorankommt. Jetzt, wo wir den zusätzlichen, von uns stammenden Treibhauseffekt einigermaßen einschätzen können, würden wir durch Geoengineering zusätzliche Komplexität einbringen.
Ich gebe ein Beispiel. Die Erhöhung der Kohlenstoffaufnahme in den Ozean – er nimmt gegenwärtig nur etwa ein Viertel unserer CO2-Emissionen auf – durch die Einbringung von durch Phytoplankton verwertbaren Eisenverbindungen im Südlichen Ozean lässt auch die dort nicht als Dünger genutzten Stickstoffverbindungen schrumpfen. Damit wird die Verteilung des Phytoplanktons und folglich der Fischpopulationen geändert. [...]"

SUV-Rekord in Deutschland - Erstmals wird die Zahl der neu zugelassenen in diesem Jahr die Grenze von einer Million Fahrzeugen überschreiten, laut einer Analyse der Universität Duisburg-Essen.  (Tagesschau 2019) 

1988 wurden in den USA insgesamt 960.852 SUV und 1997 bereits 2.435.301 SUV verkauft.[1] In Deutschland wurden 2016 3.351.607 Pkw erstmals zugelassen; 715.268 davon (21,3 %) waren Geländewagen und SUV.[2] (Wikipedia: SUV)

Nobelpreis für Greta?

Natürlich beschäftigen Ernst Ulrich von Weizsäcker kurz vor seinem 80. Geburtstag wichtigere Fragen. Aber die Frankfurter Rundschau und auch ich rechnen damit, dass Nobelpreis und Greta leichter Aufmerksamkeit erwecken als das Stichwort Klimawandel.
Hier einige Zitate aus seinem Interview mit der FR 24.6.19: „Greta sollte den Nobelpreis bekommen“
"Sie ist eine Symbolfigur geworden. Was sie an Orten wie dem Weltwirtschaftsforum in Davos sagte, ist goldrichtig: „Unsere Zivilisation wird dafür geopfert, dass wenige Menschen weiterhin sehr viel Geld verdienen.“ Ich weiß zwar nicht, ob es ihr gut tun würden, auf einen Schlag über eine Million Dollar verfügen zu können. Aber dieses Risiko kann man eingehen."
"Es können Kippelemente im Klimasystem angestoßen werden, die nur als katastrophal zu bezeichnen wären. Das Auftauen der Permafrostböden in Sibirien, das Austrocknen des Amazonas-Regenwaldes, das Abschmelzen des Grönland-Eispanzers. Es geht hin bis zu der Möglichkeit, dass in den Polargebieten auf einen Schlag gigantische Eismassen abbrechen. So etwas ist erdhistorisch schon einmal passiert, vor 7700 Jahren. Damals lag über Labrador und der Hudson-Bay eine Eisfläche so groß wie das Grönland-Eisschild, binnen kurzer Zeit brach sie ab. Das war das Ereignis, das wir aus der Bibel als die Sintflut kennen. Der Meeresspiegel stieg damals plötzlich um sieben Meter an. Man stelle sich vor, was dann heute mit den vielen Mega-Küstenstädten auf der ganzen Welt passieren würde – dann haben wir nicht eine Millionen Flüchtlinge, sondern eine Milliarde."
[über das 21. Jahrhundert:]  "Es ist ein Jahrhundert der Umwelt geworden, aber nur in den reichen Industriestaaten – in Europa, den USA, Kanada, Japan, und nur in Bezug auf die klassischen Umweltprobleme. Der Himmel über der Ruhr ist wieder blau, die Flüsse sind sauber, das durch Schwefel- und Stickstoff-Frachten ausgelöste Waldsterben ist im Wesentlichen überwunden. Auch die Luft in den Städten ist viel besser geworden. Wenn es heute um die Feinstaub-Werte in der Luft geht, sagt kaum jemand dazu, dass die Belastung vor 50 Jahren überall viel größer war als heute selbst in der Innenstadt von Stuttgart. Was die großen Megatrends angeht – Klima, Ressourcenverbrauch, Artenschwund – sind wir aber schändlicher Weise noch im Jahrhundert der Ökonomie."
[Weshalb geht es bei den großen Fragen nicht voran?] "Das ist auch eine Folge des Zusammenbruchs des Kommunismus 1990. Davor waren die Wirtschaft und die Aktienmärkte im Westen ja fast handzahm gegenüber den Regierungen. Der Grund: Man brauchte die Regierungen als Bollwerk gegen den Kommunismus im Osten. Aber der war plötzlich weg, und die Finanzmärkte wurden arrogant gegenüber der Politik. Was vor 1990 undenkbar war, wurde plötzlich salonfähig: Finanzgaunerei vom Schlimmsten."
"[...]  überall heißt die Antwort „Wachstum“, wenn ein Problem gelöst werden soll. Das heißt: Man schlägt systematisch Therapien vor, die die Krankheit schlimmer machen – bei heutigen Bedingungen nämlich durch höhere CO2-Emissionen. [...]"
"Ein SPD-Programm muss folgende Kernthemen haben: sozialverträglicher Umwelt- und Klimaschutz, Friedenspolitik, Kontrolle der Finanzmärkte, Gestaltung der Digitalisierung und Technikfolgenabschätzung."
Weizsäcker nützt die Gelegenheit, darauf aufmerksam zu machen, dass durchaus sehr viel in Sachen Umweltschutz geschehen ist, nur nicht in den ganz großen Fragen, den "Megatrends". Sie sind zu spät in ihrer vollen Relevanz entdeckt worden. Und dann waren die Finanzmärkte schon "arrogant gegenüber der Politik".
Weizsäcker hofft darauf, dass jetzt ein ähnlicher Umbruch stattfindet wie 1989/90.
Es ist höchste Zeit. Und nach einem Leben für den Umweltschutz ist ihm zu gönnen, dass er es nicht als nutzlos ansieht. 
Und noch ist es ja Zeit!

"Heute liegt der CO2-Ausstoß über 60 Prozent höher als 1992 bei der Unterzeichnung der Weltklimakonvention, die eine gefährliche Störung des Klimasystems verhindern sollte." (FR "Die Klima-Amnesie", 28.6.19, S.11)

Sonntag, 23. Juni 2019

Arbeitsplatzabbau in Braunkohle und Photovoltaik

https://twitter.com/hannebembel/status/1142790711433203715

Die Anhebung von Chicago

"Bei der Anhebung von Chicago wurde stückweise die Bodenhöhe des Zentrums von Chicago um bis zu 2,5 Meter angehoben. Straßen, Gehwege und Gebäude wurden entweder aufgebaut, durch Hebeapparate physikalisch angehoben oder verschoben. Die Höherlegung der Stadt begann 1856 und dauerte ungefähr 20 Jahre, wobei es zu Anhebungen zwischen weniger als einem Meter bis zu fast 2,5 Metern (2–8 Fuß) kam.[1][2] Es gibt keine genauen Zahlen über die Kosten. Schätzungen gehen jedoch von 10 Millionen US-Dollar oder mehr aus, was heutzutage einem Betrag zwischen 231.030.000 und 292.030.000 US-Dollar entsprechen würde.[3][4] [...] Um 1860 war das Vertrauen ausreichend genug, dass ein Konsortium von sechs Ingenieuren, darunter Brown, Hollingsworth und George Pullman, einen der bedeutendsten Bereiche der Stadt in einem Zug anhoben. Sie erhoben die Hälfte des Häuserblocks der Lake Street, zwischen Clark Street und LaSalle Street: eine massive Backsteinreihe mit Läden, Büros und Druckereien.[15] Dieses Projekt war 98 Meter (320 Fuß) lang, teilweise vier, teilweise fünf Stockwerke hoch, mit einer Fläche von 4.000 m2 und einen geschätzten Gesamtgewicht von 25.000[16]–35.000[17] Tonnen, inklusive der herabhängenden Gehsteige. Geschäfte, die in diesen Gebäuden angesiedelt waren, wurden während der Hebung nicht geschlossen. Während die Gebäude angehoben wurden, kamen und gingen Leute, kauften ein und arbeiteten in ihnen, als würde nichts Besonderes passieren.[15] "
(Wikipedia: Anhebung von Chicago)


Dienstag, 18. Juni 2019

Neue Bräuche in der Wikipedia

Lange nachdem der Artikel "Weimar" in der Wikipedia in Afrikaans ein brauchbarer Artikel geworden ist, bedankt sich ein Bearbeiter für die Erstellung der armseligen ersten Version vor 13 Jahren.
Er erinnert mich dabei daran, dass ich mich damals als Sprachunkundiger in den verschiedensten Sprachversionen herumgetrieben habe. Heute würde das sicher stets mit Schnelllöschung bestraft.
In die Zeit fällt auch mein einziger Artikel in Volapük, der ungewöhnlich freundlich kommentiert wurde.

Sonntag, 16. Juni 2019

Wenn in den Sommerferien die Zwangshochzeit droht…

"[...] Seit 2017 gilt in Deutschland das Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen. «Es ist unserer Einschätzung nach in der Praxis noch nicht angekommen», urteilt Böhmecke. Es fehle an Leitfäden und Schulungen für Behörden und auch Präventionsmaßnahmen und Aufklärung in Schulen. «Bisher sind auch nur sehr wenige Fälle bekannt geworden, in denen die Ehe wegen der Minderjährigkeit des Mädchens aufgehoben wurde», ergänzt sie." (Zwangsverheiratung newsforteacher 15.6.19)

Übervorsichtige Astronomen

"Die bislang größte bekannt Galaxie IC 1101 im Sternbild Jungfrau [...] ist eine Milliarde Lichtjahre entfernt. Wir sehen diese Objekte somit in einem Zustand, den sie heute vermutlich längst nicht mehr haben dürften." (Hervorhebung von Fontanefan)
Die Unsicherheit wird doppelt und somit einmal zuviel ausgedrückt. In einem Zustand, den sie vermutlich nicht mehr haben, reicht völlig aus, um die Unsicherheit auszudrücken. In einem Zustand, den sie nicht mehr haben dürften, sagt dasselbe.
In der Kombination von vermutlich und nicht haben dürften drängt sich freilich ein neuer Sinn auf: Sie dürften das nicht haben kann nämlich zum einen die höfliche Form von sie dürfen das nicht haben sein, zum anderen der Ausdruck für einen unzulässigen Zustand.
Beispiel:
Der Schlüssel darf nicht ausgeliehen werden. Wenn es mit rechten Dingen zugegangen wäre, dürften Sie ihn also gar nicht haben. Höchste Zeit, dass Sie ihn zurückgeben, wenn Sie nicht sich und den, der Ihnen den Schlüssel hat zukommen lassen, nicht in Erklärungsnöte bringen wollen.

Aber es besteht überhaupt kein Anlass, eine Unsicherheit auszudrücken.
Das Bild, was wir heute sehen, zeigt die Galaxie in dem Zustand, den sie von eine Milliarde Jahre hatte (Lichtgeschwindigkeit). Auch wenn das Bild punktidentisch mit dem Bild, das die Galaxie gegenwärtig bietet, sein sollte, der heutige Zustand ist mit Sicherheit ein anderer als der von vor einer Milliarde Jahre.

Samstag, 15. Juni 2019

Armutsmeldung von 1996

"10% der Bevölkerung der BRD leben unter der Sozialhilfeschwelle.
15% sind von Armut bedroht, da sie einen zu hohen Aufwand für
Wohnkosten haben.
Jeder 10. New Yorker lebt von dem Essen, das City Harvest* vor dem
Müllschlucker bewahrt (z.B. das Ausgehöhlte aus Kartoffeln).
Sie sind obdachlos oder stehen vor der Alternative: Miete oder Essen.
In New York stehen 1,5 Mill. Wohnungen leer." (1996)



*"Founded in 1982, City Harvest is the world's first food rescue organization.[2] Its founders included Helen VerDuin Palit[3] and Harley Brooke-Hitching (founding chair) and Peter Schmidt (founding Board Member).[4] To date, the organization has rescued and delivered more than 600 million pounds of food.[1] The operation utilizes 22 trucks (including 2 tractor trailers), 160 staff members, thousands of volunteers, a Food Rescue Facility, and the support of many food and financial donors.[5] Fresh fruits and vegetables comprised more than half of the rescued food.[6] "(https://en.wikipedia.org/wiki/City_Harvest_(organization))

"Die im Tafel Deutschland e. V. organisierten Tafeln sind – gemessen an den etablierten Verbänden der freien Wohlfahrtspflege wie etwa der Arbeiterwohlfahrt und der Caritas – eher neue Akteure im Bereich der sozialen Arbeit. Die erste deutsche Tafel wurde 1993 in Berlin durch Sabine Werth und ihre Initiativgruppe Berliner Frauen e. V. gegründet und organisiert, nach deren Vorbild weitere Tafeln zunächst in den großen deutschen Städten entstanden.[3] Inzwischen (Stand Oktober 2011) gibt es in der Bundesrepublik über 900 Tafeln, die in der Regel mit ehrenamtlichen Helfern verwertbare Lebensmittel einsammeln, die der Handel oder Hersteller als unverkäuflich aussortierten."
(https://de.wikipedia.org/wiki/Tafel_(Organisation)#Geschichte_und_Entwicklung_der_Tafeln_in_Deutschland - Hervorhebungen von Fontanefan)

Mittwoch, 5. Juni 2019

Thunberg u. Ernman: Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima

"Die Erde hat Fieber, aber das Fieber ist nur ein Symptom einer umfassenden Nachhaltigkeitskrise, bei der es in Wahrheit vor allem unser Lebensstil und unsere Werte sind, die unser künftiges Überleben bedrohen.
Im Endeffekt reduziert sich alles auf die Nachhaltigkeitskrise. Sie manifestiert sich sowohl in der Luftverschmutzung und der Biosphäre als auch in ökonomischen und politischen Systemen, und sie führt uns zum Kern des Gesundheitszustands der Menschheit.
 " (S. 50)

 "Das Problem besteht allerdings darin, dass von dem Moment an, in dem man sich die Existenz der Krise eingesteht, bis zu dem Punkt, an dem man begreift, was sie bedeutet, es ein weiter Weg ist. Ein unfassbar weiter. (S.98) 


Medienberichterstattung:
"Als eine der größten Zeitungen Schwedens sich zum Ziel setzte, das Klima ins Zentrum ihrer Berichterstattung zu stellen, so dass es die gesamte Redaktion durchdrang, wie es hieß, verfolgte Greta ihrer Berichterstattung fünf Wochen am Stück. Das Ergebnis war nicht besonders beeindruckend. 
Shopping 22 %, Autos 7 %, Flugreisen 11 %. Und die Klimafrage 0,7 %.
Jedes Mal, wenn sie es nach prüfte, waren die Ergebnisse weitgehend identisch, egal um welche Zeitung es sich handelte. [...] 
"Wenn das Thema Klima zusammengerechnet die größte Nachricht ist, werde ich das rot im Kalender anstreichen", sagt sie.
Doch dazu ist es bis heute nicht gekommen.
Und wir prüfen Es jetzt seit zwei Jahren nach." (S.126 )

Greta spricht: "Alle sind so daran gewöhnt, dass sich alles ihren eigenen Bedürfnissen anpasst. Die Menschen sind wie kleine, verwöhnte Kinder. Und mit uns Kindern wird gemeckert, weil wir angeblich faul und verwöhnt sind. Ich weiß, dass wir, die wir Asperger haben, nicht fähig sind, Ironie zu verstehen, weil es so in allen Beschreibungen steht, die irgendwelche alten Leute über Menschen wie mich verfasst haben. Und trotzdem glaube ich, dass man Ironie nicht viel besser beschreiben kann als damit." (S.136)

"Ungefähr drei Prozent der Weltbevölkerung gönnen sich den Luxus, mindestens einmal im Jahr an Bord eines Flugzeug zu steigen. Obwohl Fliegen mit Abstand das Schlimmste ist, was man als Individuum dem Klima antun kann. [...] Das Ganze ist ein Kuchen [...] Um die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, haben wir einen begrenzten Kohlendioxidkuchen, der all das Kohlendioxid enthält, dass wir jemals ausstoßen können. Wenn wir den ganzen Kuchen verbraucht haben, ist kein Kuchen mehr übrig. Das letzte Stück Kuchen, das wir jetzt noch übrig haben, muss also gerecht unter allen Ländern der Welt aufgeteilt werden.
Die Vorstellung eines gemeinsamen Kuchens ist eben so kindlich einfach wie revolutionär. Ein Budget beinhaltet schließlich früher oder später irgendeine Form von Rationierung.
Und schon da treffen wir – zunächst einmal – auf den Anfang vom Ende der neoliberalen Weltordnung die Margaret Thatcher und Ronald Reagan vor bald 40 Jahren begründet haben. Das ist nicht einmal eine Theorie, sondern reinste Vorschulmathematik.
Das große Dilemma ist jedoch, dass sich in diesem gemeinsamen Kuchen unsere SUVS, Urlaubsreisen und unser Fleischkonsum ebenso befinden wie der Ausbau von Straßen, Krankenhäusern und die Infrastruktur für Milliarden Menschen, die bislang kein bisschen zur Entstehung der Probleme beigetragen haben, vor denen wir heute stehen. [...] Der verheerende Lebensstil der modernen Gesellschaft für so viele verschiedene Komplikationen für den Planeten, auf dem wir wohnen mit psychisch – Probleme, von denen jedes einzelne uns schon vor große Herausforderungen stellen würde. Das Hauptproblem ist jedoch, dass wir alle stets alles auf einmal tun, und zwar in der denkbar höchsten Geschwindigkeit. Der Mensch, sagt Kevin Anderson, ist wie ein Meteorit mit Bewusstsein." (Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima,
 S.137-139)

Greta Thunbergs Schulzeugnis SPON 17.6.19

Peter Kümmel über Aktivistinnen, ZEIT 10.7.19