Sonntag, 20. September 2026

Begrüßungsgeld für DDR-Bürger

"Das Begrüßungsgeld war eine Unterstützung, die in der Bundesrepublik Deutschland jedem einreisenden Bürger der Deutschen Demokratischen Republik sowie der damaligen Volksrepublik Polen, soweit eine deutsche Abstammung nachgewiesen werden konnte, aus Mitteln des Bundeshaushaltes gewährt wurde. Es wurde 1970 in Höhe von 30 Deutschen Mark (DM) eingeführt und konnte zweimal im Jahr in Anspruch genommen werden. 1988 wurde es auf 100 DM erhöht, jedoch auf eine einmalige jährliche Inanspruchnahme beschränkt. Besondere politische und wirtschaftliche Bedeutung erlangte das Begrüßungsgeld infolge der Öffnung der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989.

Nach der Errichtung der Berliner Mauer am 13. August 1961 war die Grenze der DDR zur Bundesrepublik Deutschland endgültig geschlossen und der Flüchtlingsstrom in den Westen wurde entschieden eingedämmt. Besucher aus der DDR konnten nur noch aufgrund einer besonderen Ausreiseerlaubnis in den Westen gelangen, die indessen äußerst selten erteilt wurde. Aufgrund der unter der Kanzlerschaft von Willy Brandt ab 1969 abgeschlossenen Ostverträge ergaben sich auch Reiseerleichterungen für Bewohner der DDR, die vor allem Rentnern einen Besuch in der Bundesrepublik ermöglichten. Den Ausreisenden wurde aber nur erlaubt, 70 Mark der DDR mitzunehmen. Um die Bedingungen der Einreise der Besucher aus der DDR zu verbessern, führte die Bundesregierung ab 1970 die Zahlung eines Begrüßungsgeldes in Höhe von 30 DM ein,[1] das jedem Besucher gegen Vorlage seiner Identifikationspapiere ausgezahlt wurde. Bis 1984 kamen jährlich 40.000 bis 60.000 Besucher in den Genuss des Begrüßungsgeldes, ab 1985 stieg deren Anzahl aufgrund der vereinbarten Ausweitung der Besuchsberechtigungen stark und erreichte 1987 1,3 Millionen.[2] Am 26. August 1987 beschloss die Bundesregierung, das Begrüßungsgeld auf 100 DM zu erhöhen, jedoch gleichzeitig auf eine einmalige Auszahlung pro Person und Jahr zu beschränken.[3] Die DDR hatte ab 1. Juli den erlaubten Umtausch für ihre in den Westen reisenden Bürger von 70 auf 15 Mark gekürzt (die 1:1 in DM umgetauscht werden konnten), was durch die Erhöhung des Begrüßungsgeldes wettgemacht werden sollte. 1988 wurden insgesamt 260 Millionen DM als Begrüßungsgeld ausgezahlt,[4] auch für 1989 sah der Haushalt diese Summe vor.[5]

[...]  Als nach dem Mauerfall alle DDR-Bürger in die Bundesrepublik und nach West-Berlin reisen konnten, führte dies zu erheblichen logistischen Problemen.[6] Es kam kurzzeitig zu chaotischen Szenen, so am ersten Montag nach der Maueröffnung vor der Sparkasse in der Badstraße in Berlin-Gesundbrunnen, am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg oder am Zoologischen Garten in Berlin-Tiergarten, als jeweils bis zu 10.000 DDR-Bürger gleichzeitig vor den Auszahlungsstellen Schlange standen, der Verkehr total zusammenbrach und Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste auffuhren, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Noch in der Nacht zum 10. November ordnete der Regierende Bürgermeister von Berlin Walter Momper die Auszahlung des Begrüßungsgeldes durch Banken und Sparkassen an, die ihre Geschäftsstellen sogar während der Nacht offenhielten.[7] Die Auszahlungsweise durch Banken und Sparkassen wurde in den nachfolgenden Tagen in der gesamten Bundesrepublik übernommen. Die Auszahlungsvoraussetzungen wurden vereinfacht und beschränkten sich auf die bloße Vorlage eines Personalausweises oder Passes, wiederholte Inanspruchnahmen waren kaum mehr kontrollierbar. [...]

(https://de.wikipedia.org/wiki/Begr%C3%BC%C3%9Fungsgeld)

Kalte Progression

 Wenn davon die Rede ist, dass die kalte Progression, die im Laufe einer Inflation entsteht, vermieden werden solle, geht es im Grunde darum, sicherzustellen, dass die Ungerechtigkeit der Einkommensverteilung bei einer Inflation zunimmt.

Denn bei einer Inflation verlieren die geringer Verdienenden die Möglichkeit, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Die kalte Progression schränkt die Möglichkeit der Besserverdiener, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen, nicht ein. Sie sorgt lediglich dafür, dass in der Inflation der Wert des Beitrags zum Steueraufkommen der Besserverdiener nicht abnimmt.

Wer kalte Progression vermeidet, sorgt also dafür, dass der Beitrag der Besserverdiener zum Steueraufkommen bei Inflation gesenkt wird. Das ist eine grobe Ungerechtigkeit gegenüber den Geringverdienern.

Freitag, 18. September 2026

Weitere Erkenntnisse zu Stuttgart 21

 "[...] Stuttgart 21 ist mehr als nur Pleiten, Pech und Pannen. Errichtet wurde ein gigantisches Lügengebäude mit ausufernden Kosten und fehlender Sicherheit. Nun ist klar: Selbst am Fundament waren Betrüger am Werk. Der Stresstest, der die Leistungsfähigkeit des Bahnprojekts beweisen sollte, war nur ein Gefälligkeitsgutachten – damit die Bürger beim Volksentscheid ihr Kreuz an der richtigen Stelle machen. [...]

Gegen Stuttgart 21 hatte sich damals starker Widerstand formiert. Am „Schwarzen Donnerstag“, Ende September 2010, gingen Polizeikräfte im Stuttgarter Schlossgarten brutal gegen Demonstranten vor, über 100 von ihnen trugen Verletzungen davon. Um das Projekt doch noch zu retten, zogen die DB und ihre Projektpartner alle Register: eine Schlichtung unter Regie von Politveteran Heiner Geißler (CDU), der „geglückte“ Stresstest, schließlich die Volksabstimmung, die sogar die gerade an die Regierung gelangten Grünen zu S21-Befürwortern machte, nachdem sie im Wahlkampf noch „erbittert“ dagegen „gekämpft“ hatten. [...] 

Der vorläufige Preis liegt vorläufig und offiziell bei 14,5 Milliarden Euro, die Kosten für die ergänzenden Tunnel nicht eingerechnet. Die Projektgegner rechnen bis Fertigstellung – neueste Ansage: 2031 – mit einer Endsumme von 30 Milliarden Euro. Ganz am Anfang, 1995, war von 2,5 Milliarden Euro die Rede. Wobei die Lügner auch beim Thema Geld überführt sind. Die Verantwortlichen hatten bereits 2011 ein Gutachten zur Hand, das die Baukosten mit sieben statt der damals gehandelten 4,2 Milliarden Euro bezifferte. 2015 ermittelten dieselben Prüfer zehn Milliarden Euro, während die Bahn noch bis 2018 mit 6,5 Milliarden Euro hausieren ging. Die sogenannten Kostenexplosionen waren demnach schon viel früher eingepreist. [...]"

https://www.nachdenkseiten.de/?p=156394

Secondhandwaren

Secondhandwaren ist die aktuelle Bezeichnung für Waren aus zweiter Hand oder Gebrauchtwaren.  Das englische Wort Secondhand klingt trendiger, deswegen spricht man von Secondhand-Kleidung oder Secondhand-Laden, nicht von Gebrauchtwarenladen

Früher wurden Kleidungsstücke jahrzehntelang getragen, an Kinder oder bei Kindern an Geschwister vererbt oder an Verwandte und Freunde weitergegeben. Oft wurden sie dafür auch umgearbeitet, bei stickwaren auch aufgetrennt und neu gestrickt.

Aufgrund von steigendem Wohlstand, Massenproduktion und schnell wechselnden Moden wurde das in Europa im 20. Jahrhundert zurückgedrängt. Im späten 19. Jahrhundert entwickelten sich für die Wiederverwendung von Textilien und Gebrauchtwaren die sogenannten Flohmärkte, während für hochwertigere Waren, insbesondere Möbel und Bücher Antiquariate  zuständig waren. Für Bücher sind mit dem Aufkommen des Internets und anderer elektronisch lesbarer Bücher im 21. Jahrhundert weitgehend öffentliche Bücherregale an ihre Stelle getreten.

Links:

https://www.fr.de/wirtschaft/japans-secondhandmarkt-verdoppelt-sich-jetzt-steigt-panasonic-ein-94497076.html

 Secondhand-Kleidung

Secondhand-Laden 

https://de.wikipedia.org/wiki/Flohmarkt

https://de.wikipedia.org/wiki/Lumpensammler

https://www.fr.de/wirtschaft/japans-secondhandmarkt-verdoppelt-sich-jetzt-steigt-panasonic-ein-94497076.html

Sonntag, 13. September 2026

Heribert Prantls Lektürereempfehlung Jill Lepore: We the people. . Über die Verfassung der USA

 Jill Lepore: We the people. Eine Geschichte der amerikanischen Verfassung. Das Buch ist 2026 im Verlag C.H. Beck

"Als Autor, der selbst gern verfassungsrechtlich argumentiert und der die Grundrechte liebt, habe ich das Buch nach der Lektüre mit Respekt vor der Autorin, der Harvard-Historikerin Jill Lepore, zurück an den besten Platz im Regal gestellt. [...]"

Beck Verlag 2026



Freitag, 11. September 2026

C. M. Bowra: Griechenland. Von Homer bis zum Fall Athens

 Ein attisches Trinklied: 

Für den Menschen ist die Gesundheit der beste Besitz,

Am zweitbesten ist es, schön und wohlgestalt geboren zu sein,

Und das dritte ist ehrlich erworbener Reichtum,

Das vierte aber sind die Tage der Jugend im frohen Freundeskreis.

Kindler Kulturgeschichte, Bd. 2: 
C. M. Bowra: Griechenland. Von Homer bis zum Fall Athens (S.172). 

Zu den mythologischen Gottesvorstellungen der Griechen

"Xenophanes legte den Finger auf den wunden Punkt. 'Ja, wenn die Ochsen und die Pferde und die Löwen Hände hätten und genauso wie die Menschen Kunstwerke herstellten, würden die Pferde die Götter in Pferdegestalt malen, die Ochsen ihnen Ochsengestalt verleihen und alle die verschiedene Tiergattungen die Götterbilder nach ihrem Ebenbild formen.' Anstelle der üblichen Gottheiten schlug er vor: 'Einen Gott, den größten unter Göttern und Menschen, der weder an Gestalt noch am Denken den Sterblichen gleicht.' Ein so umfassender Vorschlag dürfte wohl für die meisten Menschen untragbar gewesen sein, weil er die gesamte religiöse Konzeption dem menschlichen Verständnis entzog und sie damit hinfällig machte. Wenn ein Gott nicht einmal in seiner Denkweise den Sterblichen gleicht, können diese kaum in Beziehung zu ihm treten und der religiöse Instinkt verkümmert, weil ihm der Umgang mit dem Göttlichen fehlt. 
Nur einige wenige kühne Denker begriffen diese Kritik und die wirklichen Schwierigkeiten, die mit ihr verknüpft waren. Heraklit lehnte zwar den anthropomorphen Gottesbegriff ab, behauptete jedoch, dass die Gottheit auf eine überlegene Art, dennoch den Menschen ähnlich sei: / 'Der weisete Mann, ist im Vergleich zu Gott, ein Affe, so wie der schönste Affe im Vergleich zum Menschen hässlich ist.' Im vierten Jahrhundert wurde dieser Gedankengang von Platon und Aristoteles mit aller Kraft wieder aufgenommen. Beide waren der Meinung, Gott sei nicht wie der Mensch beschaffen, habe jedoch eine gewisse Verwandtschaft mit ihm, entweder, wie bei Platon, durch seine tiefe Anteilnahme an der Frage nach Recht und Unrecht oder, wie bei Aristoteles, als reiner Geist und Hauptursache alles Seins. Solche Gedanken können bei den Durchschnittsmenschen keinen großen Widerhall gefunden haben, aber sie bildeten die endgültige Kritik an gewissen Ungereimtheiten der traditionellen Theologie.
Während man sich von der Auffassung entfernte, die Götter glichen den Menschen, suchte man gleichzeitig nach einem einzelnen Prinzip hinter der Vielfalt der Götter und bemühte sich, sogar, um eine Definition des spezifisch Göttlichen. So wie die Griechen oft von Gott sprechen, ohne näher zu erläutern, welchen besonderen Gott sie meinten, und damit zu verstehen geben, dass sämtliche Götter etwas miteinander gemein hätten, so tasteten sie sich Schritt für Schritt an den Begriff einer unteilbaren Gottesmacht heran, die sich freilich in verschiedenen Einzelgöttern offenbaren kann, aber trotzdem real ist und im Mittelpunkt der Weltordnung steht. So scheint auch Pindar, der mit den unterschiedlichen Charakteren und Obliegenheiten der Olympier wohl vertraut war, hinter ihrer Fassade etwas zu suchen, das über sie hinausgeht.

Schnell wieder Gedanke erreicht Gott sein Ziel:
Gott, der den beschwingten Adler fängt.
Und den Delfin im Meer einholt. /

Sowie dieser allgemeine Gottheitsbegriff erst einmal zur Sprache gebracht worden war, führte er zu gewissen Spekulationen, die an sich noch nicht gotteslästerlich waren, aber einen leichte gnostischen Anstrich hatten. Als Simonides von Hieron nach dem Wesen und den Attributen der Götter befragt wurde, schob er die Antworten immer wieder hinaus, bis er schließlich, in die Enge getrieben, erklärte:  Je länger eher über die Frage nachdenke, desto dunkler erscheine sie ihm. (S. 115-117).

Stuart Pigott: Vorgeschichte Europas. Vom Nomadentum zur Hochkultur

 Da ich die Bände von Kindlers Kulturgeschichte Europas nicht mehr lange aufheben werde, möchte ich versuchen, etwas von dem Zweck der damaligen Anschaffung zu bewahren, indem ich Wikipediatexte aufnehme oder verlinke, die entsprechende Themen betreffen, und andererseits Textproben aufnehme, die den anderen Darstellungsstil von Professoren der 1970er Jahre im Unterschied zu Wikipediatexten erkennen lassen. (Wichtig auch der Stilunterschied zu heutigen KI-Texten)

Europäische Vor- und Frühgeschichte

 Dreiperiodensystem und Urgeschichte

Älteste Nachweise von Vertretern der Gattung Homo stammen derzeit aus der Sierra de Atapuerca in Spanien und sind bis zu 1,2 Millionen Jahre alt.[6] Noch ältere Fossilfunde aus Georgien (außerhalb der heute gültigen Grenzen Europas) sind 1,8 Millionen Jahre alt und werden als „Homo georgicus“ bezeichnet. Im nordalpinen Europa beginnt der älteste Besiedlungshorizont mit Homo heidelbergensis vor ca. 600.000 Jahren. Die Zuordnung der Funde zu einer eigenständigen Art ist allerdings umstritten; viele Paläoanthropologen bezeichnen die Angehörigen der ersten Auswanderungswelle aus Afrika (Out-of-Africa-Theorie) einheitlich als Homo erectus, der vor ca. 1,8 Millionen Jahren bereits Java besiedelt hatte.

Während die Entwicklung des Homo sapiens vor ca. 160.000 Jahren in Afrika ihren Ausgang von den dort verbliebenen Populationen des Homo erectus nahm, wurde Europa zur Domäne des hier aus Homo erectus bereits entstandenen Homo heidelbergensis und des aus diesem hervorgegangenen Neandertalers. Erst vor ca. 40.000 Jahren gelangte Homo sapiens in einer zweiten Auswanderungswelle der Gattung Homo nach Europa (vgl. Europäer) und ersetzte nach und nach den Neandertaler (vgl. Cro-Magnon-Mensch). Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte großer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunächst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten.

Für Nordeuropa waren mehrere Kaltzeiten für die weitere Entwicklung vor allem der geologischen Formationen bestimmend. Diese Vereisungen betrafen das heutige Skandinavien, Island, Irland, den Norden Deutschlands, Polens und Russlands. Die letzte Hauptvereisungszeit dauerte etwa von 23.000 bis 9.660 v. Chr.

Im Wesentlichen werden unterschieden



















































Piggott: "Im 19. Jahrhundert dürfte es mit dem zur Verfügung stehenden Material und der damals angewandten Grabungstechnik schwierig, wenn nicht sogar unmöglich gewesen sein, innerhalb einander ausschließender Systeme zu arbeiten, obwohl bestimmte französische Archäologen diese Möglichkeit schon in Erwägung zogen. Sie schlugen eine grobe Klassifizierung dessen, was wir jetzt mittleres und oberes Paläolithikum nennen, nicht nur mithilfe der menschlichen Artefakte, sondern auch der großen Säugetiere vor, von denen die Existenz der damaligen Horden von Jägern abhingen – also eine Mammut-Zeit und eine Rentier-Zeit, die die Zoologen durch Bestimmung der weggeworfenen Knochen in den verschiedenen Fundschichten der alten Siedlungen – der von den Archäologen ausgegrabenen Abfallhaufen – definieren konnten. Dies war ein Schritt in Richtung auf eine gemeinsame Deutung mittels Archäologie und Naturwissenschaft, und das während des 19. Jahrhunderts anhaltende Interesse an der Ökologie des historischen Menschen wurde auch auf jüngste Fundstellen übertragen, wie zum Beispiel die so genannten Schweizer Pfahlbauten oder die Kjökkenmöddinger in Dänemark. Am Anfang des 20. Jahrhunderts arbeiteten Pitt Rivers über die Relikte domestizierter Tiere und Siedlungen in Dorset [...]
Mit diesen Forschungen wurden die Grundlagen zur Konstruktion eines neuen Systems angelegt, das die menschlichen Gesellschaften des Altertums nach ihren Wirtschaftsformen klassifiziert, d.h. also danach, ob die Basis ihrer Existenz im / Jagen, Fischen und Nahrungssammeln bestand oder in einer bäuerlich produzierenden Wirtschaft, in Tierzucht und Getreideanbau. Aber trotz des vielversprechenden Anfangs ließ das Interesse an dieser Interpretation nach einer Generation oder etwas später nach und wurde erst in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts wieder aufgenommen. In der Zwischenzeit kam es zu irreparablen Verlusten, besonders bei den Grabungen im Orient und in Griechenland, wo Belege für eine ökologische Interpretation – Tierknochen, Spuren von Pflanzen oder Samen und so weiter – ignoriert oder gar weggeworfen wurden. Auch heute noch [1970ff.] wird infolge des Übergewichts alter Traditionen auf diesem Gebiet, die eher auf kunstgeschichtlicher als auf archäologischer Forschung basieren und den Erwerb eines Museumsstücks höher werten, als den Gewinn von Erkenntnis, die ökologische Forschung auf das schwerste, behindert. Unsere Information ist infolgedessen unvollständiges Stückwerk; aber Arbeiten des letzten Jahr haben eine Menge neues Material erbracht, besonders hinsichtlich der frühesten Domestizierung von Tieren." (S. 70/71).