Donnerstag, 21. März 2019

Fridays fo Future und Greta

Die Stärke der Schülerbewegung war, dass sie nicht einen weiteren Aktionsplan vorgelegt, sondern die Regierungen zum Einhalten ihrer Klimaversprechen aufgefordert hat.
Einen ausgewogenen Plan für die ganze Welt kann vielleicht der Weltklimarat vorlegen, nicht aber eine neu gegründete Bewegung in über 100 Ländern.
Wenn die Schülerbewegung ein einheitliche Programm ausarbeiten würde, statt alle Energie in die Aufrechterhaltung der Streiks zu stecken, wäre das vermutlich tödlich.
Den Gefallen sollte sie den Verfechtern des "Weiter so!" nicht tun.
Aber mal aus Versehen dem Klimarat auf den Leim zu gehen, das kann sich Greta wohl schon leisten.

Mittwoch, 20. März 2019

Martin Lindner: "Die Bildung und das Netz" Zwischenbericht zur Bildungsgeschichte

Bei seiner Darstellung der Bildungsgeschichte des 20. Jhs. und speziell der "Bildungsrepublik" Deutschland (Kapitel 16 und 17 des Buches) lässt Lindner erkennen, dass er wenig von einem engen Lehrer-Schüler-Verhältnis (wie man idealtypisch Pädagogik von Sokrates bis zur Reformpädagogik fassen könnte - auch Heisenberg sprach nicht von seinen eigenen Erkenntnissen, sondern von der Begegnung mit bedeutenden Persönlichkeiten, die ihn geprägt hätten) und wenig von messender und managender quantifizierter Pädagogik hält, sondern auf das selbstbestimmte Lernen an sich wandelnden Aufgaben setzt. [Vielleicht korrigiert er mich, wenn ich das falsch sehe.]

Ich möchte diesem Konzept nicht widersprechen. 
Vielmehr möchte ich kurz meine persönliche Lerngeschichte vorstellen, um zu begründen, wie ich zu einer anderen Auffassung gekommen bin: 
Wichtige Lernerfahrungen habe ich einerseits bei der Begegnung mit Texten und den dahinter stehenden Persönlichkeiten gemacht (ein Beispiel: Anne Frank), andererseits habe ich immer Helfer für die Einübung von Lernstrategien gebraucht. 
Außerdem habe ich immer wieder Lehrer kennen gelernt, die Schüler zu Leistungen befähigen konnten, die diesen Schülern bei anderen Lehrern nicht gelangen. 
Insofern halte ich die persönliche Begegnung für Motivation und den Erwerb von Lernstrategien für sehr wichtig. 
Außerdem habe ich mich auf einige Lernfelder (z.B. Mediation) nur auf Anregung von außen hin begeben. 
Erst nachdem ich aus dem Beruf ausgeschieden bin, habe ich mit der Zeit ein persönliches Lernnetzwerk entwickelt, weil ich es für unangemessen hielt, die Arbeitskraft guter Lehrer für meine nachberufliche Ausbildung zu verschwenden. Vornehmlich Wikipedia, Wikiversity und ZUM-Wiki, die Blogger- und Twitterszene und eine wenig Barcamps und MOOCs ermöglichten mir ein Lernen auf (fiktiver?) Gegenseitigkeit. Was ein persönliches Lernnetzwerk ist, habe ich freilich erst im Laufe dieser Tätigkeit von Lisa Rosa erfahren. 

Dass ein Schüler sich ein persönliches Lernnetzwerk aufgebaut hat, habe ich nur bei meinem neun Jahre älteren Bruder in den 1950er Jahren beobachtet, der folgerichtig das Gymnasium vor dem Abitur verließ und nie eine Universität besuchte, aber sein Leben lang bemüht war, seine jüngeren Geschwister und später seine Arbeitskollegen an seinen eindrucksvollen Bildungserlebnissen teilhaben zu lassen. 
Lernen durch Lehren scheint mir ein sinnvolles Konzept, die Anleitung zur Bildung eines persönlichen Lernnetzwerks kenne ich nur in der Theorie und habe ich noch nicht beobachten können. 
[Eine extrem kurze Geschichte des Lernens von der Antike bis zum Internetlernen habe ich aus meiner Sicht in Wikiversity formuliert.]

Dienstag, 19. März 2019

Wie kann man Politiker für den Klimaschutz gewinnen?


Was bewegt zum Handeln in Sachen Klimawandel

Für Privatpersonen ist das noch nicht geklärt:


Was bewegt Politiker zum Handeln?
"Als Politiker kann ich Ihnen eines versichern: Politische Führer werden keine Risiken eingehen, solange die Menschen dies nicht von ihnen verlangen." (Barack Obama) 

Gegen Konzerne schreitet ein Politiker nicht ein, wenn er nicht befürchten muss, massiv Stimmen zu verlieren.

Montag, 18. März 2019

"Aufforderung zur Kriminalität" in Sachen Umwelt?

"Aufforderung zur Kriminalität"

Lindner sieht Klimadebatte als Instrument, "Menschen zu Vegetariern zu machen"

"Mitunter wird die Ökologie instrumentalisiert, um Wirtschaft und Gesellschaft umzubauen – zum Beispiel, um das Auto zu verdrängen, Menschen zu Vegetariern zu machen oder Flugreisen zu unterbinden." (Christian Lindner am 15.3.19 in einem Gastbeitrag in der ZEIT)

Dann macht er einen Vorschlag, den selbst er schwerlich für originell halten kann:
"Ein echter Paradigmenwechsel wäre es, den ökologischen Effekt von Kohlendioxid mit einem Preis zu belegen. Das bedeutet, dass jeder, der CO2 emittiert, Zertifikate kaufen muss. Er kann sie auch wieder verkaufen, wenn er sie nicht mehr benötigt. In einem solchen Modell sinkt jährlich die Menge der Zertifikate. Dadurch steigt der Preis, und die Unternehmen haben ein eigenes ökonomisches Interesse daran, Kohlendioxid zu sparen." (Christian Lindner am 15.3.19)
Anscheinend ist ihm nicht bekannt, dass diese Emissionszertifikate bereits 2005 von der EU eingeführt wurden und einen ungeheuerlichen Preisverfall erlebten, so dass die CO2  Einsparung aufgrund dieser Zertifikate gegen null ging.

sieh auch:
Lügen, um die Schülerstreiks zu diskreditieren (nicht von Lindner!)

Vergleich der Folgen positiver Anstrengungen auf den Klimawandel und der von Katastrophen

Fridays For Future:
 Angenommen sie hätten schon vor 7 Jahren Erfolg gehabt:

Kohlenstoffsteuer:
„Was wäre, wenn die führenden Politiker weltweit beschließen würden, im Rahmen eines gemeinsamen Plans 20 Jahre lang jedes Jahr fünf Prozent des weltweiten BIP zur Lösung des Klimaproblems zu verwenden? Das würde bedeuten, dass fünf Prozent der arbeitenden Bevölkerung und fünf Prozent des Kapitals für die Herstellung und Erbringung klimafreundlicher Güter und Dienstleistungen arbeiten würden. Dieses große Projekt würde das Klimaproblem lösen. Nach 20 Jahren gemeinsamer und gut geplanter Anstrengungen wäre die Weltwirtschaft emissionsfrei.“ [18]  (Jorgen Randers: 2052, Der neue Bericht an den Club of Rome. Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre, 2012, S.298)

Finanzschmelze:

"Was wäre, wenn das Vertrauen in das Finanzsystem und damit die Kreditvergabe an die Realwirtschaft komplett zu und zusammenbrechen und das BIP dadurch innerhalb eines Jahres um, sagen wir, 20 % sinken würde? [...] Das würde zu einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen, der begleitet wird von sinkenden Einkommen, sinkendem Energieverbrauch, sinkenden CO2-Emissionen und einem kleiner werdenden ökologischen Fußabdruck, nicht zu vergessen massive Umschichtungen der Eigentumsverhältnisse und Nettovermögenswerte. Die wichtigste Folge jedoch, über den Rückgang von Konsum und Wohlstand und den Ansturm der Armut hinaus, wäre die Tatsache, dass die Menschheit erst später an die Grenzen des Planeten stößt. Obwohl dieser Aufschub nicht wirklich lange wäre. Würden fünf Jahre lang die jährlichen Emissionen um 20 % sinken, so würden die kumulierten Emissionen um ein Jahr der normalen Emissionen sinken, d.h., der sich selbst verstärkende Klimawandel würde nicht im Jahr 2080 einsetzen, sondern erst 2081
D.h., eine ernsthafte Finanzkrise würde das Klima nicht retten. Würde die Rezession jedoch intelligent genutzt, in dem die Arbeitslosen Anführungszeichen grünen Anführungszeichen Projekte durchführen, Die durch die Notenpresse finanziert werden, könnte sich der wirtschaftliche Aufschwung langfristig als eine Wohltat für das Klima herausstellen.“ (2052,
Der neue Bericht an den Club of Rome. Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre, 2012, S. 296)

Atomkrieg:
"Was würde passieren, wenn jemand ein paar riesige Atombombe abwerfen würde, um irgendein nervendes Problem zu lösen? Viel weniger, als Sie wahrscheinlich denken. Ein Atomkrieg verursacht zweifellos bei der Explosion der Bombe unsagbares Leid und die Strahlungen machen das Leben der Betroffenen noch lange zur Qual.
Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Weltbevölkerung und die Wirtschaft wären jedoch begrenzt. Würden die Bomben 100 Millionen Menschen töten – und das ist zehnmal soviel wie realistischerweise sterben würden – dann wären das 1,4 % der Weltbevölkerung und derselbe Anteil des weltweiten BIP (wenn man davon ausgeht, dass die Bomben in allen Altersgruppen gleich viele Opfer verursachen). Die Bomben würden die Weltwirtschaft um lediglich acht Monate (bei einer angenommenen Wachstumsrate von 2 % jährlich) und die Bevölkerung um zwölf Monate (bei einer angenommenen Wachstumsrate von 1,4 % jährlich) zurückwerfen. D.h., auf den Klimawandel würde sich einen Atomkrieg noch weniger aus wirken als die oben beschriebene finanzielle Kernschmelze.
Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Leid dass ein Atomkrieg verursacht, ist unfassbar und völlig überflüssig. Und die Ungerechtigkeit, dass die einen getroffen werden und die anderen nicht, ist nicht hinnehmbar.“ (2052, Der neue Bericht an den Club of Rome. Eine globale Prognose für die nächsten 40 Jahre Seite 296/97)

Fridays For Future

Politiker setzen seit Jahren weltweit die falschen Prioritäten, weil sie glauben, sie brauchten Wissenschaftler und Naturgesetze nicht ernst zu nehmen.

2015: 15.000 Verwirrte in Dresden auf der Straße. Unionspolitiker: „Wir müssen die Sorgen der Menschen jetzt wirklich ernstnehmen.“ 2019: Hunderttausende Schüler in ganz Deutschland auf der Straße. Unionspolitiker: „Aber die Schulpflicht!“

Aber noch ist Hoffnung auch für die kommenden Generationen.
Der Klimawandel hat(te) eine längere Vorlaufzeit als ein Atomkrieg.