Mittwoch, 1. April 2026

Ulrike Hermann : „Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet“

 

Gemini hat gesagt

„Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet“ ist das im März 2026 erschienene Sachbuch der Wirtschaftsjournalistin und Bestsellerautorin Ulrike Herrmann (taz).

Nach ihrem Erfolg mit „Das Ende des Kapitalismus“ (2022) widmet sie sich hier der Geopolitik und analysiert, warum ökonomische Faktoren oft das entscheidende Zünglein an der Waage zwischen diplomatischem Dialog und militärischer Aggression sind.


Kernargumente und Thesen

Herrmann bricht mit der rein historisch-politischen Analyse von Konflikten und stellt die Ökonomie als zentrales Machtinstrument ins Zentrum:

  • Waffen kosten Geld: Der banalste, aber oft unterschätzte Punkt ist die Finanzierbarkeit. Geld ist die „Waffe aller Waffen“. Herrmann zeigt auf, wie Kriege nicht nur durch Soldaten, sondern durch die Fähigkeit, eine Kriegswirtschaft aufrechtzuerhalten, entschieden werden.

  • Russlands Schicksal: Sie analysiert, dass Putin durch den Ukraine-Krieg sein Reich ökonomisch ruiniert. Allerdings warnt sie vor der Hoffnung auf ein schnelles Ende durch Sanktionen: Je ärmer Russland wird, desto aggressiver könnte der Kreml agieren, um intern die Macht zu sichern.

  • China und die Flucht nach vorne: Herrmann zieht Parallelen zu China. Da die chinesische Wirtschaft trotz hoher Investitionen an Effizienz verliert, sieht sie die Gefahr, dass Xi Jinping einen Angriff auf Taiwan als Ablenkungsmanöver für innenpolitische ökonomische Krisen nutzen könnte.

  • Das Ende von „Wandel durch Handel“: Das Buch ist auch eine Abrechnung mit der europäischen (besonders deutschen) Überzeugung, man könne Frieden durch wirtschaftliche Verflechtung (wie billiges russisches Gas) dauerhaft garantieren.

Die Rolle Europas

Ein überraschend optimistischer Punkt in Herrmanns Analyse ist die Wirkung des äußeren Drucks auf die EU:

  • Integration durch Bedrohung: Während Putin die Spaltung Europas beabsichtigte, argumentiert Herrmann, dass die ökonomische und militärische Notwendigkeit zur Aufrüstung die europäische Integration faktisch vertiefen wird.

  • Finanzielle Geschlossenheit: Sie betont, dass Europa im Ernstfall seine „finanziellen Waffen“ (wie den Ausschluss aus dem globalen Finanzsystem) noch entschlossener einsetzen muss, auch wenn dies den eigenen Wohlstand belastet.


Stil und Einordnung

Das Buch wird als typisch „Herrmann“ beschrieben: klar, schnörkellos und faktenbasiert. Sie vermeidet moralisierende Appelle und konzentriert sich stattdessen auf die harte Logik von Bilanzen, Rohstoffströmen und Währungspolitik.

Hintergrund: Ulrike Herrmann ist seit 2000 Wirtschaftsredakteurin bei der taz und bekannt für ihre pointierte Kapitalismuskritik. In „Geld als Waffe“ weitet sie ihre Perspektive auf die globale Sicherheitspolitik aus und stellt fest, dass Frieden im 21. Jahrhundert vor allem eine Frage der ökonomischen Stabilität ist.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 21.03.2026

Ein wenig einseitig und auch arg optimistisch ist das Buch, das Ulrike Herrmann über Ökonomie und Krieg geschrieben hat, findet Rezensent Martin Hubert. Herrmann konzentriert sich ganz auf aktuelle Konfliktfelder und fragt sich vor allem, wie Europa bestehen kann, wenn China und Russland neue Kriege beginnen beziehungsweise aktuelle Kriege ausweiten. Herrmann argumentiere, dass Russland sich ein Ende des Krieges momentan gar nicht leisten kann, weil die Wirtschaft längst auf Kriegswirtschaft umgestellt ist, während China möglicherweise Taiwan angreifen wird, um von internen wirtschaftlichen Problemen abzulenken. Allerdings würden Herrmann zufolge sowohl China als auch Russland in puncto militärische Möglichkeiten eher überschätzt; während es Europa durchaus gelingen könne, die gleichwohl hohen Kosten der nötigen Aufrüstung zu stemmen. Am Ende könnte die europäische Kriegswirtschaft gar die europäische Einigung voranbringen, resümiert der Kritiker. Allzu rosig ist das Bild, das Herrmann hier malt, glaubt Hubert, der unter anderem anmerkt, dass die Autorin die sozialen Kosten der Aufrüstung ausblendet. Insofern, so das skeptische Fazit, ist das eher ein Buch für Leute, die eh schon Aufrüstung befürworten - die Gegenseite findet hier keinen Anlass zum Umdenken. (https://www.perlentaucher.de/buch/ulrike-herrmann/geld-als-waffe.html)

Sieh auch:Pazifismus

Pazifismus

 https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/pazifismus-2026/#content-index

Migration

 https://unterrichten.zum.de/wiki/Migration#Weblinks

Energiepolitik

 https://www.bpb.de/themen/wirtschaft/energiepolitik/576527/globale-energiebeziehungen/

Wie sicher ist Deutschland?

 https://www.bpb.de/themen/innere-sicherheit/dossier-innere-sicherheit/576645/wie-sicher-ist-deutschland/

Dienstag, 31. März 2026

Schadet das oder nützt das Google?

 https://www.zeit.de/2026/13/ki-training-google-urheberrecht-journalismus-prozess...] Der Deutsche Journalistenverband sagt, das Verfahren sei "von herausragender Bedeutung für den Schutz des Journalismus in Europa", weil es letztlich darüber entscheidet, ob man mit Texten künftig noch Geld verdienen kann. Nicht nur mit Journalismus, auch mit Gedichten, Romanen, Liedtexten.

Für die Techindustrie steht auf dem Spiel, ob es Dienste wie ChatGPT, Claude oder Gemini so überhaupt geben darf. Oder ob Konzerne wie Google in Europa gezwungen werden können, Entschädigungen an Urheber zu zahlen – oder ihre Modelle nur noch mit lizenziertem Material zu trainieren, was sie wohl dümmer werden ließe und sehr viel teurer.

Der Streit, an dem das nun entschieden werden soll, begann im Oktober 2023. Damals reichte die Like Company bei einem ungarischen Gericht Klage ein. Die Firma betreibt sechs Nachrichtenportale. Google, so der Vorwurf, nutze deren Texte zum Training seiner KI Gemini, die damals noch Bard hieß. Und jetzt gebe Gemini Antworten, die diesen Artikeln ähnelten. Die ungarischen Richter sollten klären, ob Google sich damit strafbar macht. Was keine leichte Aufgabe ist, denn die meisten Gesetze, auf deren Grundlage sich urteilen ließe, sind älter als die Technologie, um die es jetzt geht. Man kann in solchen Fällen den EuGH um Hilfe bitten. Er entscheidet dann, wie das Recht auszulegen ist.

Ist das KI-Training illegal?

Im vergangenen Mai schickte die ungarische Justiz also eine Zusammenfassung der Argumente beider Parteien nach Luxemburg, dazu Fragen wie: Ist die Antwort eines Chatbots, in der Texte anderer vorkommen, eine unerlaubte Wiedergabe? Sind schon die Datensätze, mit denen Konzerne wie Google ihre KI trainieren, eine illegale Kopie?

Es geht in Luxemburg jetzt nicht mehr nur um die Like Company oder um Google. Das Gericht soll an diesem Beispiel eine grundsätzliche Entscheidung treffen. Sie wird dann den Ausgang vieler anderer Prozesse in Europa beeinflussen, die gerade zu diesen Fragen laufen. [...]

Wenn eine KI mit einem Text trainiert wird, unterteilen Firmen diesen Text in Token, also Wörter oder Wortfetzen. Das Modell merkt sich dann, in welchem Kontext sie auftauchen. Stellt man dem Chatbot später eine Frage, berechnet er, welche Wörter, statistisch gesehen, aufeinander folgen müssten.

Google behauptet, Gemini speichere keine Texte, nur diese mathematischen Formeln. Man müsse sich die Trainingsdaten vorstellen wie ein Puzzle, das in Tausende Teile zerfällt – und dann in allen möglichen Varianten neu zusammengesetzt wird. Es gibt jedoch Zweifel, ob diese Erzählung stimmt.

Im Januar veröffentlichten Forscher der Universitäten Stanford und Yale eine Studie, laut der fast alle Chatbots bekannte Bücher teilweise wörtlich wiedergeben, zum Beispiel Harry Potter und der Stein der Weisen. Die Gema zeigte im Verfahren gegen OpenAI, dass ChatGPT, wenn man die KI nach Songs von Reinhard Mey und Herbert Grönemeyer fragt, erstaunlich textsicher ist.

Die Modelle erinnern sich an die Trainingsdaten, auch wenn sie das vielleicht nicht sollen. [...]

Budapest, zwei Wochen vor der Anhörung beim EuGH. Ein halbes Jahr hat es gedauert, bis der Anwalt der Like Company einem Gespräch zugestimmt hat. Zunächst war er aus "prozesstaktischen Gründen" dafür nicht zu haben, nun hat sich die Taktik offenbar geändert.

Die Kanzlei liegt in einem Hinterhof in der Nähe der Donau, einen Empfang gibt es nicht. Gyula Rátz, ein schmächtiger, schüchterner Mann, holt einen am Eingang ab. Wirklich bekannt war er als Anwalt für Urheberrecht in Ungarn bisher nicht.

Kein Schadensersatz gefordert

Dafür klingt er ziemlich entschlossen: "Google und alle anderen Technologieunternehmen sollten sich nicht darauf verlassen können, Inhalte anderer kostenlos zu nutzen." Und: "Sie müssen um Erlaubnis bitten und dafür bezahlen."

Gut, aber warum dann ausgerechnet dieses Verfahren? Warum ein Text über Delfine? Die vielen Ungereimtheiten in der Vorlage?

Der Delfin-Text sei nur ein Beispiel von vielen gewesen, um das Problem zu illustrieren, sagt Rátz. Jetzt, da das Verfahren öffentlich geworden sei, machten sich natürlich viele darüber lustig. Dabei wolle er ja gar nicht über einzelne Artikel streiten, sondern die grundsätzlichen Rechtsfragen klären.

Auch für die Fragen an den EuGH, die nun für so viel Verwirrung sorgen, hat Rátz eine Erklärung: Google habe diese Fragen maßgeblich formuliert.

Ach so?

Das ungarische Gericht habe beide Parteien gebeten, Entwürfe für das Dokument einzureichen, erklärt Rátz. Das habe er auch getan, aber am Ende hätten sich Googles Anwälte noch mit einigen Änderungen durchgesetzt. Der Konzern widerspricht der Darstellung nicht. Rátz scheint sich bewusst zu sein, dass die Fragen jetzt eine gewisse Schlagseite haben, Google die Klage, wie sie jetzt dargestellt wird, leicht angreifen kann. Besonders wütend darüber wirkt er allerdings nicht. Das Wichtigste sei doch, dass jetzt endlich entschieden werden könne.

Bleibt die Frage, wie die Like Company das Ganze überhaupt finanziert. Rátz hat einen sehr reichen Gegner, aber er fordert von ihm kein Geld. Keinen Schadensersatz für seinen Mandanten, dessen Firma das Geld sicher gut gebrauchen könnte, keine Übernahme der Prozesskosten. Auch Google soll keine Ansprüche angemeldet haben. Wieso nicht?

Urheberrechtsklagen einzuleiten, sei ziemlich günstig, sagt Rátz, mit Geldforderungen hätte man Google nur Angriffsfläche gegeben und das Verfahren verzögert. Schadensersatz wolle die Like Company später geltend machen. Zur Höhe seines Honorars möchte er sich nicht äußern.

Zwei verlorene Klagen gegen Google

Hinweise liefert jedoch ein Schreiben, mit dem sich Rátz in der Vergangenheit an ungarische Medienunternehmen gewandt hat und das der ZEIT vorliegt. Kaltakquise, wenn man so will.

Damals ging es nicht um Chatbots, sondern um Googles Suchmaschine. Seit 2021 gibt es ein neues Gesetz in der EU: Der Konzern muss nun Geld an Verlage bezahlen, wenn er eine längere Vorschau ihrer Artikel anzeigt. Viele Medienhäuser schlossen sich daraufhin zusammen, um eine Beteiligung an Googles Umsätzen zu erstreiten. Andere sind eigene Lizenzdeals mit dem Konzern eingegangen.

Rátz bot ungarischen Medienunternehmen in dem Schreiben seine Dienste an, er machte Druck. Wer zu spät rechtliche Schritte einleite, erhalte "möglicherweise einen deutlich geringeren Betrag, da die von Google gezahlte Summe auf zu viele Veröffentlichungen aufgeteilt wird". Und er bot einen Deal an: Anwaltskosten würden nur fällig, falls er auch gewinnt. In Deutschland wäre das verboten.

Zwei Klagen hat Rátz nach Informationen der ZEIT daraufhin gegen Google geführt. Beide für kaum bekannte Internetplattformen, beide vor demselben ungarischen Gericht, beide hat er verloren. Google berufe sich in Verhandlungen mit deutschen Verlagen nun auf diese Urteile, sagen Vertreter der Medienunternehmen genervt.

Rátz reagiert unwirsch, als man ihn auf die Klagen anspricht. Aber er räumt ein: Er habe die Like Company kontaktiert, nicht andersherum.

Ist er einfach naiv, ein bisschen übermütig? Ein Geschäftsmann, der in der unsicheren Rechtslage eine Chance wittert? Oder steckt doch mehr dahinter?

Absprachen mit Google bestreitet Rátz vehement. "Wir sind aktiv geworden, weil wir überzeugt sind, dass das Recht auf unserer Seite ist." Er sei zuversichtlich, dass die Antworten des EuGH vielen Unternehmen zugutekommen werden.

Google will sich zu diesen Fragen nicht äußern. Der Konzern teilt nur mit, er lege das Recht so aus, dass man KI mit öffentlichen Informationen trainieren dürfe. Alles andere würde der Wettbewerbsfähigkeit Europas schaden. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs wird für Ende des Jahres erwartet." (ZEIT 23.3.26)

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Sonntag, 29. März 2026

Wetter (Hessen)

 Wetter wird das erste Mal im Codex Eberhardi (1150–1160) urkundlich genannt. Es wird ein   karolingischer   Königshof inmitten eines ausgedehnten Bezirks an Reichsgut vermutet. Er dürfte mit dem   fränkischen   Kastell auf dem nahe gelegenen Christenberg in Verbindung gestanden haben. Der Hof lag an einem Flussübergang der nord-südlich verlaufenden sogenannten Weinstraße (Wagenstraße), einer überregionalen Verbindung aus dem Frankfurter Raum in das Sachsenland (Paderborn). Eine Besiedlung des Klosterberges konnte durch archäologische Grabungen bis in das 8. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Ab dem 11. Jahrhundert ist auch die Nutztierhaltung nachweisbar, was durch hunderte Tierknochen belegt ist.

Der Marktflecken Wetter selbst wird 1223 als „civitas“ bezeichnet und ist damit eine der frühesten Städte in Hessen. Bereits 1235 finden fünf Bürger und Schöppen Erwähnung, womit ein Stadtgericht belegt ist. Mit der Schließung des Amtsgerichts Wetter 1945 endete die Tradition der Rechtsprechung in Wetter.

Das Stift Wetter entstand wohl im beginnenden 11. Jahrhundert; eine Verbindung zum ottonischen Königshaus wird vermutet. Es wurde im Jahr 1108 erstmals erwähnt. Das Stift diente später neben der Aufnahme von weiblichen Adeligen auch als Bildungsanstalt. 1266 war ein „Magister Konrad“, 1323 ein Rektor Heinrich an der Schule des Stifts tätig.

Die Entwicklung der Stadt, die später Sitz eines Amtes wurde, wurde durch die Tätigkeit von Elisabeth von Thüringen in Marburg und die spätere Wallfahrt zum Grab der Heiligen gebremst. Nachdem Marburg zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte in Deutschland geworden war und im 16. Jahrhundert die Philipps-Universität Marburg gegründet wurde, rutschte Wetter in die Bedeutungslosigkeit ab. Auch mehrere Stadtbrände (u. a. 1622, 1626, 1629 und 1649), die nur wenige Bauwerke, darunter die Stiftskirche, überstanden, warfen die Stadt in ihrer Entwicklung immer wieder zurück.