Montag, 30. November 2020

Links

MIGRANTEN AUF DEN KANAREN: Spanien räumt umstrittenes Lager, FAZ 30.11.20

"Viel zu viele Migranten mussten sich den Platz in einem kleinen Lager am Hafen von Arguineguín teilen. Nun wurden sie andernorts in Zelten und Hotels untergebracht. Die Verantwortlichen in den Touristenorten sehen das nicht gerne."

Coronavirus: Der lange Weg zur Herdenimmunität SZ 30. November 2020

"Auf Grundlage der bislang bekannten Eckdaten hat die SZ eine grobe Überschlagsrechnung angestellt. Demnach wird es in etwa bis Ende des kommenden Jahres dauern, bis Deutschland Herdenimmunität erreicht."

Europa in der Erdgas-Falle

"Die Energie-Industrie will mit Hilfe der Europäischen Union mehr als 100 Milliarden Euro in neue Erdgas-Infrastruktur investieren. Das könnte auch gelingen, weil die Gaslobby in Brüssel an der Netzplanung beteiligt wird. Wissenschaftler warnen nun, neue Projekte bedrohen das Erreichen der Klimaziele."

Der Millionär bei Günter Jauch im Interview Spiegel 2.12.2010

Samstag, 28. November 2020

Ulrich de Maizière: In der Pflicht (Autobiographie)

De Maizières Ausbilder im Fahnenjunkerlehrgang war der Hauptmann Ferdinand Schörner mit dem Orden, der fachlich sehr gut, aber zu arrogant und scharf war. (Er stellte sich 1933 als eifriger Nazi heraus und stieg dann zum Generalfeldmarschall auf.) Was de Maizière von ihm gelernt hat war die Befehlssprache. Die konnte er während seiner gesamten Berufszeit gut gebrauchen. Schörner blieb sein Ausbilder in Taktik auch im Fähnrichlehrgang. Hinzu kam als Infanterielehrer der Major Erwin Rommel ebenso so mit dem Orden Pour le mérite (Seite 28 und 30)

Am 30.6.1934 wurde de Maizière mit einem Zug von Soldaten zur Verteidigung der Kaserne in Ruppin gegen SA losgeschickt. Mit 22 Jahren war er dafür eigentlich zu jung.

"Die Vorgänge um den 30. Juni 1934 blieben noch längere Zeit Gesprächsgegenstand. Mit Erleichterung wurde es begrüßt, daß dem ungesetzlichen, oft revolutionären Treiben der SA ein Ende gesetzt war. Die SA war entmachtet und führerlos, der Nachfolger Röhms unbedeutend. Aber das Mord ein Mittel der Politik geworden war, ließ doch viele erschrecken." (Seite 38/39)
1935 wurde de Maizière nach Landsberg an der Warthe versetzt. "Landsberg, eine Stadt mit etwa 45.000 Einwohnern, hatte seit 1918 keine Garnison mehr beherbergt. Die Bevölkerung begrüßte daher das Bataillon mit großer Freude und Zustimmung." (Seite 40)

"Die Entlassungen Blombergs und Fritschs gaben Hitler willkommenen Anlaß zu einer grundlegenden Änderung der militärischen Spitzengliederung. Er übernahm selbst den Oberbefehl über die Wehrmacht unmittelbar; aus dem Reichskriegsministerium wurde das Oberkommando der Wehrmacht, dessen Chef Generaloberst Keitel. [...] Welche Konsequenzen es haben mußte, daß aus einem formell selbstständigen Reichsminister nun ein abhängiger 'Chef OKW' [Oberkommando der Wehrmacht] geworden war, ist mir damals nicht bewußt geworden." (S.46) 
Seite 48 
Generalmajor von Hase wurde versetzt.
"Wenn auch nicht ganz frei von Eitelkeit, besaß Hase eine natürliche Autorität. Sein Auftreten erheischte Respekt. Aus seiner Abneigung gegen Adolf Hitler und dessen Regime machte er kein Hehl. Daß dem Regiment in den militärischen Vorbereitungen für einen durch das Münchener Abkommen zunichte gewordenen Umsturz eine besondere Rolle zugedacht war, hatte er sich für sich behalten, sicherlich nicht aus fehlendem Vertrauen, mehr wohl aus dem Bestreben, seine Untergebenen nicht mit einem Wissen zu belasten, das sie gefährden konnte." (S.48) 
[...] Die Bevölkerung hatte den deutschen Einmarsch im Sudetenland als Erfolg begrüßt. Dann "wurde die Öffentlichkeit am 9./10. November durch die Ereignisse der sogenannten 'Reichs-Kristallnacht' aufgeschreckt" [...] der Vorgang und sein zeitlicher Zusammenhang machten anschaulich, welchem Wechselbad von Erfolgen und Rechtsverletzungen, von Zustimmung und Ablehnung die Menschen jener Jahre ausgesetzt waren." (Seite 48)
Im Vorgang des Angriffs auf Polen:
"In der Nacht vom 25. zum 26. August rückte die Truppe in die Bereitstellungsräume ein.
Der Angriff auf Polen sollte um 04:00 Uhr morgens beginnen. Nur wenige Stunden vorher überraschte uns der Befehl, alle Angriffsvorbereitungen einzustellen und die Truppe sofort hinter eine von der Grenze deutlich abgesetzte Linie zurückzuziehen.[...]
Am 31. August aber schien es nun doch ernst zu werden. Ein um 18:00 Uhr eingehender Befehl wies das Regiment an, nach Einbruch der Dunkelheit erneut die Ausgangsstellungen zu beziehen und am 1. September, 04.45 Uhr, die Grenze zu überschreiten. [...] (S.51)
"Unvergeßlich ist das Erlebnis der 'Feuertaufe'. Man muß es erst lernen, im Feuer feindlicher Infanteriewaffen oder der Artillerie zu liegen. Ich kenne niemanden, der dabei nicht Angst empfunden hätte. Aber man kann die Angst überwinden. Der Vorgesetzte hat es dabei leichter; auf ihn richten sich die Augen der Untergebenen, von ihm erwarten sie beispielhaftes Verhalten. Der Zwang zum Handeln überdeckt die Angst, die Erwartungen der Untergebenen wirken als Ansporn." (S.52)
"Aber zum ersten Male zu erleben, wie Kameraden in unmittelbarer Nähe sterben, greift tief in das Bewusstsein ein. Nur die Pflicht, der eigenen Verantwortung gerecht werden zu müssen, hilft über solche Belastungen hinweg. [...] der Stolz über die eigenen Erfolge konnte das Mitgefühl für den geschlagenen Gegner nicht ganz verdrängen. "(S. 53)
Nach dem Ende des Polenfeldzug wurde die Truppe in 32-stündiger Eisenbahnfahrt an die französische Grenze verlegt
"Vor allem die Kameraden, die schon am Polenfeldzug nicht hatten teilnehmen können, fürchteten, es würde Ihnen zum zweiten Male die Möglichkeit verwehrt werden, sich im Gefecht zu bewähren und eigene Kriegserfahrungen zu sammeln." (S. 58)
"Obwohl der Feldzug in Frankreich praktisch schon entschieden war, erklärte Oberst von Witzleben: 'Sie brauchen keine Sorge zu haben. Sie haben noch nichts versäumt.' Damals hatten wir keinerlei Verständnis für seine Aussage, aber dieses Mal bewies er den größeren Weitblick." (Seite 59)
Zum 20. Juli 1944:
"Das Attentat bedeutete einen tiefen Einschnitt in das innere Gefüge der Truppe. Bisher hatte man im Heer offen sprechen, Kritik üben oder sogar Zweifel an dem vielbeschworenen Endsieg äußern können, ohne fürchten zu müssen, denunziert zu werden. Wenige Ausnahmen bestätigten nur die Regel. [...] Dies änderte sich nach dem 20. Juli. (Seite 90)

Mein angestauter Ärger über das 'Herumgereichtwerden' veranlasste mich, den Personalbearbeiter des OB West vorzuschlagen, mich, wenn er jetzt keine angemessene Verwendung für mich habe, nach Göttingen zu meiner Frau zur beurlauben, wo ich mich ja jederzeit abrufbereit halten könnte. Er stimmte zu und so verlebten wir zweite Flitterwochen in einer kleinen Wohnung, die uns eine Freundin meiner Frau in Göttingen zur Verfügung stellte. Wir genossen diese Zeit; aber je länger sie dauerte, umso mehr belastete sie mein Gewissen. (Seite 98) 
"[...] Die Alliierten drangen über die deutschen Reichsgrenzen auf den Rhein vor. Ich aber saß als Zuschauer in der Heimat. Unter Umgehung des OB West meldete ich mich Ende Januar von Hannover aus telefonisch beim Heeres-Personalamt mit der Frage, ob man mich eigentlich vergessen habe. Und anscheinend hatte man mich wirklich aus den Augen verloren; jedenfalls freute sich der zuständige Referent zu hören, daß ich wieder einsatzbereit und verfügbar sei. Er stellte eine Benachrichtigung innerhalb weniger Tage in Aussicht." (S.98/99)

Das Kriegsende
"Der Dienst in der Operationsabteilung führte mich mehrfach in die Reichskanzlei zum unmittelbaren Vortrag bei Adolf Hitler." (S. 103)
Die kleine Lage fand jede Nacht gegen 1:00 Uhr im Bunker der Reichskanzlei statt. Dort trugen nur rangjüngere Offiziere vor, [...]" (S. 104)  
"Aber so hinfällig Hitler auch zunächst erschien, Das Bild änderte sich mit dem Beginn des Vortrages. Er hörte aufmerksam zu, griff oft und lebhaft in die Vorträge ein, stellte ergänzende Fragen. Wenn er zu sprechen begann, belebten sich Augen und Sprache. Sie bekamen Farbe, Energie, oft auch Schärfe." (S. 105)

"Am 15. März hatte sich der eine Woche zuvor zum Oberbefehlshaber West ernannte Feldmarschall Kesselring zum Vortrag angemeldet. Wir glaubten zu wissen, daß Kesselring entschlossen war, Hitler zu erklären, die Westfront sei ohne wesentliche Verstärkungen nicht mehr zu halten. Die politischen Konsequenzen waren offensichtlich. Kesselring traf zwischen 01:00 Uhr und 02:00 Uhr nachts nach langer Autofahrt ein. Hitler ging ihm mit ausgestreckten Armen entgegen und bedankte sich mit überschwänglichen, warmen Worten für sein Erscheinen. Dann trug Kesselring etwa 1 Stunde lang vor, sachlich, nüchtern und wahrheitsgemäß. Anschließend nahm Hitler das Wort, sprach fast die gleiche Zeit mit großen Worten und Gebärden, ohne eine kurzfristig wirksame, konkrete Hilfe zu zu sagen. Und Kesselring verabschiedete sich mit den Worten: 'Mein Führer! Ich will es noch einmal versuchen.'
Dieser Vorgang machte ein Phänomen deutlich, über das schon oft geschrieben ist, das dennoch nur schwer zu verstehen ist. Von Adolf Hitler ging selbst in seinem kranken Zustand eine Wirkung aus, die – rückschauend betrachtet – ein Schlüssel für so vieles sein kann, was sich damals zugetragen hat und heute unverständlich erscheint. Hitler besaß eine unerklärliche, ich scheue mich nicht zu sagen, dämonische persönliche Ausstrahlungskraft, die man kaum beschreiben, erst recht nicht begreifen kann, und der sich nur ganz wenige Menschen haben entziehen können. Selbst ältere, lebenserfahrene und ranghohe Persönlichkeiten unterlagen dieser Wirkung." (S.105/06) [...]
Seine Geisteskrankheit bestand in einer hypertrophen Selbstidentifikation mit dem deutschen Volk. Er schien mir subjektiv davon überzeugt zu sein – und er sprach das auch so aus –, daß mit dem Ende seines Lebens und seiner Ideologie eine weitere Existenzmöglichkeit für das deutsche Volk nicht mehr bestünde. [...]
Schließlich besaß Hitler ein ebenfalls als abnorm zu bezeichnendes, detailliertes Gedächtnis für Zahlen und technische Daten. Es gelang ihm immer wieder, Vortragende bloßzustellen und zu verunsichern, indem er ihnen Ungenauigkeiten in technischen Details nachwies. Diese scheinbare fachliche Überlegenheit verstärkte die schon beschriebene erdrückende Ausstrahlungskraft.
Um nicht mißverstanden zu werden: ich habe hier nur über die von Hitler als Person ausgehende Wirkung auf seine Umgebung berichtet: die Amoralität seines Denkens und Handelns ist ein anderes Thema." (S.106)

"Dönitz und Jodl erwiesen sich jetzt als starke Persönlichkeiten mit Initiative und Tatkraft. Ihr politisches und militärisches Ziel war eine rasche Beendigung des Krieges. Die noch verbleibende Zeit sollte genutzt werden, so viele Menschen wie möglich, Soldaten und vor allem Zivilisten, aus dem Osten des Reiches dem Zugriff der Sowjets zu entziehen." (S. 107)
Über Jodl:
"Mit starkem Willen und nach einem klaren mit Dönitz abgestimmten Konzept war er die treibende Kraft für die Abwicklung des Krieges bis zur Kapitulation. Ihm ist es zuzuschreiben, daß du mit den Engländern eine vorgezogene Teilkapitulation abgeschlossen werden konnte. Ihm verdanken Hunderttausende von Menschen, daß sie noch in die von den britischen und amerikanischen Truppen eroberten Gebiete Deutschlands ausweichen konnten. Bei aller Schuld, die Jodl in jahrelanger engster Zusammenarbeit mit dem Diktator auf sich geladen hat, [...] gebietet es die Gerechtigkeit, die Leistung dieses Mannes in den letzten Tagen des Krieges nicht unerwähnt zu lassen." (S. 116)


Zur Abwägung der Rollen bei der Durchsetzung der Inneren Führung schreibt de Maizière:

"Kielmannsegg und ich unterstützten diese Prinzipien aus Überzeugung. Allerdings war unser gesamter Ansatz vorwiegend pragmatisch bestimmt. Wir gingen vom militärischen Auftrag aus. Unser Ziel war eine einsatzbereite Armee in einem demokratischen Staat, militärisch effiziente Streitkräfte, getragen von demokratisch denkenden Soldaten. Für Baudissin hatte Priorität die liberal-demokratische Reform, in die er die Streitkräfte einbeziehen wollte und aus der heraus er ihre Einsatzbereitschaft entwickeln wollte. In den praktischen Ergebnissen stimmten wir weitgehend überein, und auf dieser Übereinstimmung beruhte unsere enge Zusammenarbeit. Ich stehe nicht an zu erklären, daß das entscheidende Verdienst in jener Zeit* Baudissin zufällt. Er war es, der die Vorstellungen vieler Mitwirkender innerhalb und außerhalb von Regierung und Parlament inspirierte und sie schließlich zu einem überzeugenden Gedankengebäude zusammenführte. Hierbei bewies er konsequente Durchsetzungskraft, auch wenn diese nicht immer frei von Intoleranz war, und eine bemerkenswerte Zivilcourage, die ihn auch schon in früheren Zeiten ausgezeichnet hatte." (S. 175)

*1951

"Mit der Ernennung General de Maizières zum Generalinspekteur 1966 setzte die politische Führung ein klares Signal für die Innere Führung." (Wikipedia: Innere Führung)

Über Ulrich de Maizière im Zusammenhang mit seinem Sohn:

"Kurz nach seiner Ernennung hält er am 20. Juli, dem Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Hitler, eine viel beachtete Rede in der Bonner Beethovenhalle: "Der Widerstand formt das Traditionsbild der Bundeswehr". Bald darauf droht der Kalte Krieg heiß zu werden, im August 1968 rücken Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei ein und beenden den Prager Frühling brutal. Nun trägt jener Mann, der einst in Hitlers Bunker saß, Kurt Georg Kiesinger die Lage im Bundeskanzleramt vor.

Insgesamt fünfeinhalb Jahre bekleidet Ulrich de Maizière das Amt des ranghöchsten Soldaten - unter drei höchst unterschiedlichen Regierungskoalitionen. Nach dem Abschied aus dem Amt 1972 bleibt er noch beratend für das Verteidigungsministerium tätig und wird Ehrenpräsident der Clausewitz-Gesellschaft. In seiner Zeit in der Bundeswehr erwirbt er sich den Ruf eines untadeligen Reformers. Darauf kann sein Sohn als neuer Verteidigungsminister aufbauen, wenn er jetzt die größte Strukturveränderung in der Geschichte der Bundeswehr vollenden muss: Der Name de Maizière hat in der Truppe einen guten Ruf." (Die Welt, 6.3.2011)

C. Akyol: Erdoğan

  Erdoğan ist wie der Staatsgründer Attatürk ein Aufsteiger. Während dieser im osmanischen Reich aufgrund seiner militärischen Fähigkeiten aufstieg, hat Erdoğan seinen Aufstieg als Politiker in der Republik geschafft. Er wurde im alten Istanbuler Hafenviertel Kasımpaşa geboren und wird nicht müde, seine Herkunft aus diesem Milieu, in dem man sich als Schläger durchschlagen können musste, zu betonen. Das und die Tatsache, dass er der Türkei zu einem wirtschaftlichen Aufstieg verholfen hat, verbürgt ihm die Anerkennung der "schwarzen Türken", die im Unterschied zu den weißen Türken (der Ausdruck wurde 1992 geprägt) den Aufstieg nicht geschafft haben. Da nehmen sie seine autokratischen Methoden in Kauf.

Zu den Anekdoten, die er erzählt, gehören die grausamen Strafen, die er von seinem Vater erlitt, und die ihm nach seiner eigenen Aussage gut getan haben. (Denn als Türke lässt man auf seine Eltern nichts kommen.)

Schwarzer Türke, das unterscheidet ihn von Trump, der ja ebenfalls von seinem Image des Anti-Establishment lebt, aber von seinem Vater hunderte Millionen als Startkapital bekam. 

Zwar ist Attatürk E.s Vorbild, aber er setzt sich von ihm ab, insofern er für die alten religiösen Traditionen eintrat, was ihm im laizistischen System der Türkei, das weitgehend von den Militärs gesteuert wurde, eine Gefängsnisstrafe und damit den Verlust des Rechts, Abgeordneter zu werden, einbrachte.

Donnerstag, 26. November 2020

Corona-Pandemie: FFP2-Masken wohl für 27 Millionen Menschen mit hohem Risiko

"Von Dezember an sollen berechtigte Personen insgesamt 15 FFP2-Masken gegen „eine geringe Eigenbeteiligung“ erhalten. Die Ausgabe soll über die Apotheken erfolgen."
(FAZ 25.11.20)

"Sofern vom Hersteller nicht anders angegeben, sind FFP-Masken aus hygienischen Gründen grundsätzlich für einmalige Nutzung innerhalb einer Arbeitsschicht von maximal acht Stunden vorgesehen. Bei wiederverwendbaren Masken muss das Filtervlies bzw. der Partikelfilter ebenfalls nach acht Stunden ausgetauscht und der Maskenkörper desinfiziert werden. In Deutschland empfehlen die Arbeitsschutzausschüsse beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), eine Schutzmaske mit Atemventil maximal 120 Minuten, ohne Atemventil höchstens 75 Minuten zu tragen; vor der erneuten Verwendung ist eine Erholungszeit von 30 Minuten einzuhalten.[16]

Je nach Tätigkeit kann eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung des Beschäftigten erforderlich sein, wenn er bei seiner Tätigkeit FFP-Masken länger als 30 Minuten am Tag trägt.[17] Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGVU) empfiehlt in ihrer Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem DGUV Grundsatz G26 Atemschutzgeräte (BGI/GUV-I 504-526), dass der Betriebsarzt mit einbezogen wird und eine Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz durchgeführt wird.[18]

Verschiedene Untersuchungen aus dem Jahr 2006 beschäftigten sich damit, wie sich das längere Tragen von N95-Masken auf die Gesundheit auswirkt: Dabei wurde bei einem Projekt festgestellt, dass bei einer Tragedauer von mehr als vier Stunden vermehrt Kopfschmerzen auftraten.[19] Zum Teil entzündliche Hautreaktionen wurden bei einer anderen Studie festgestellt, in der die Tragedauer der N95-Masken durchschnittlich acht Stunden täglich über einen Zeitraum von über acht Monaten betrug.[20]

Wiederverwendbarkeit von FFP-Masken

Wiederverwendbare Masken vom Typ FFP 2 oder 3 sind mit dem Buchstaben „R“ für reusable gekennzeichnet und CE-zertifiziert; sie erfüllen die EN-Normen 136, 140, 143, 149, 1827, 12941 oder 12942. Es müssen seitens des Herstellers Prüfdokumente, Anweisungen zur Handhabung und Desinfektion bereitgestellt werden. Außerdem müssen entsprechende Desinfektionsmittel und Ersatzpartikelfilter verfügbar sein, da letztere nach Durchfeuchtung oder längerem Tragen ausgetauscht werden müssen.[21]"

Mittwoch, 25. November 2020

Fuhrmann: Cicero und die römische Republik. Eine Biografie

 Fuhrmann sieht den entscheidenden politischen Fehler Ciceros darin, dass er zwar eine Annäherung an Pompeius versucht habe, aber nicht entschieden genug die Optimaten dazu gedrängt habe, die Forderungen des Pompeius zu erfüllen.

Er habe seine politischen Möglichkeiten überschätzt. Über sein Konsulat hat Cicero ein panegyrisches Epos hinterlassen.

"Es bestand aus drei Büchern; Cicero hat selbst in seiner Schrift "Über die Weissagung" eine längere Partie aus dem 2. Buche, eine 'Prophetie der Muse Urania', bewahrt. Viel belacht und verspottet wurden von den Zeitgenossen und der Nachwelt zwei Verse:

O fortunatam me consule Romam!
Oh glückseliges, unter meinem Konsulat wiedergeborenes Rom!

Cedant arma togae, concedat laurea linguae
Es weiche das Schwert der Toga, es weiche der Lorbeer vor der Beredsamkeit!

Mit dem ersten Vers feierte Cicero seine rettende Tat, die Unterdrückung Catilinas, als zweite Gründung Roms; der zweite Vers sollte, wie Cicero selbst später behauptet hat, nicht seine, des Zivilisten, Überlegenheit gegenüber dem Feldherrn Pompeius herausstreichen, sondern nur allgemein zu bedenken geben, dass der Friede den Vorzug vor dem Kriege verdiene. Auf diese Weise also versuchte Cicero durch zeitgeschichtlich-panegyrische Arbeiten – mit seiner eigenen Person im Mittelpunkt – sein Prestige, seinen Einfluss zu steigen; er hat gewiss das genaue Gegenteil hiervon erreicht." (Seite 122/23)

Dienstag, 24. November 2020

Wie in der Wikipedia neue Benutzer angelernt werden

 Gudn Tach!

Wenn ich richtig gesehen habe, hast du im Artikel Datenethikkommission im Rahmen deiner Ergänzungen einen Kurz-URL auf faz.net benutzt.

Dazu drei Anmerkungen:

  • In der Wikipedia streben wir immer die langfristige Verfügbarkeit eines verlinkten Inhalts an. Bei einem Kurz-URL (wie z.B. https://www.faz.net/-ikh-9jwfg) ist das nicht gegeben, da der dahintersteckende Original-URL (im Beispiel https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/diginomics/wikipedia-braucht-das-internetlexikon-bald-bezahlte-autoren-16045036.html) nicht mehr rekonstruierbar sind, wenn der Kurz-URL mal defekt sein sollte.
  • Anhand der langen Form können wir Textsuchen starten und defekte und unerreichbare URL an anderer Stelle wiederfinden.
  • Außerdem lassen sich leichter Verwechslungen etwa zwischen zwei Zeitungsartikeln erkennen, weil die Überschrift im Klartext drinsteht.

Könntest du deswegen bitte künftig darauf achten, statt Kurz-URLs die längeren URLs zu verlinken? Zum Extrahieren des langen URLs kannst du das Tool https://tools.wmflabs.org/url-converter/ verwenden. Im oben verlinkten Fall versuche ich, den Link selbst zu ersetzen.

Falls dir das insgesamt zu technisch ist, kannst du diese Meldung auch einfach ignorieren. Soo wichtig ist die Angelegenheit nicht. :-)

Eine archivierte Diskussionen zum Thema findest du unter:

Ich bin übrigens nur ein Bot. Falls ich nicht richtig funktioniere, sag bitte seth Bescheid.
Frohes Schaffen und freundliche Grüße! :-) -- CamelBot (Diskussion) 10:49, 13. Nov. 2019 (CET)

[https://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer_Diskussion:IBits#Hinweis_zu_Kurz-URL-Verlinkung_von_faz.net]

Bemerkenswert ist dabei die Kombination von kumpelhaftem Ton "Gudn Tach!" "Soo wichtig ist die Angelegenheit nicht. :-)" mit anspruchsvollen Anweisungen und der Schluss mit dem "Spoiler": "Ich bin übrigens nur ein Bot. Falls ich nicht richtig funktioniere, ..."

Alles darauf angelegt, mögliche Irritationen aufgrund der hohen Ansprüche gering zu halten. 


Reckwitz: Die Gesellschaft der Singularitäten und das Ende der Illusionen

Gesellschaft der Singularitäten

"Reckwitz sieht in der Spätmoderne primär eine „soziale Logik der Singularisierung“, das heißt ein Bewertungssystem, das Besonderheit und Einzigartigkeit auszeichnet, am Werk. Er macht dafür wirtschaftliche (postindustrieller, kultureller Kapitalismus), technologische (Digitalisierung als Kulturmaschine) und soziokulturelle (neue Mittelklasse als Leitmilieu) Ursachen aus. Die Singularisierung münde, so Reckwitz, in eine gesellschaftliche Polarisierung, also eine Abwertung des Nicht-Singulären. Konflikte um Aufwertung und Entwertung werden als charakteristisch für die Spätmoderne auf allen Ebenen herausgearbeitet (Winner take all-Märkte, Aufmerksamkeitskonkurrenz, Entwertung der neuen Unterklasse und alten Mittelschicht, Opposition durch Populismus). Das Buch endet mit der Diagnose einer „Krise des Allgemeinen“." (Wikipedia: Reckwitz)

 "Der von Reckwitz verwendete Begriff der Singularisierung ist explizit von der Wirtschaftssoziologie Lucien Karpiks[6] und der Kulturanthropologie Igor Kopytoffs[7] beeinflusst. Er bezieht sich auf die philosophisch-soziologische Darlegung eines Verhältnisses zwischen Allgemeinem (Begriff) und Besonderen (Anschauung), wie es Immanuel Kant in Kritik der Urteilskraft diskutiert. Der Begriff lässt sich negativ als Nichtverallgemeinerbarkeit, Nichtaustauschbarkeit und Nichtvergleichbarkeit[1] bestimmen. [...]" (WikipediaDie Gesellschaft der Singularitäten)

Das Ende der Illusionen

Krise des Liberalismus und die Suche nach dem neuen politischen Paradigma (S.239 ff.)

Hier ist der neue Gedanke, dass ähnlich zu den wissenschaftlichen Paradigmenwechseln von Kuhn politische Paradigmenwechsel stattfinden im Wechsel von Regulierung und Deregulierung. Dabei seien die Richtungen von links und rechts an die Sichtweisen des jeweils herrschenden Paradigmas angepasst.

Beispiele: 

Adenauerära Regulierung: 

rechts (CDU): wirtschaftlicher Wiederaufbau, keine Experimente, 

links (SPD) etatistischer Sozialstaat

ab Ende der 60er Jahre (Studentenrevolte, Ölkrise, Stagflation) Deregulierung:

rechts: Wirtschaftsliberalismus

links: neue Sozialdemokratie (Blair, Schröder) Abbau des Sozialstaats

Klimawandel Regulierung:

einbettender Liberalismus