Montag, 24. Juni 2019

Kipppunkte (Kippelemente) im Zusammenhang mit dem Klimawandel

Wissenschaftler wissen über die Unsicherheiten bei der Voraussage des Verhaltens komplexer Systeme.
Im Zusammenhang mit dem Klimawandel warnen sie zwar seit Jahrzehnten, aber bisher sehen sie noch immer die Möglichkeit, dass sich er sich beschränken lässt.
Die Diskussionen, die ich im Internet verfolge, lassen mich darauf schließen, dass sich aber viele über das Ausmaß der Katastrophe, die eintreten wird, wenn bestimmte Kippelemente fallen (oder Kipppunkte überschritten werden), auch ein halbes Jahr, nachdem die Schülerstreiks begonnen haben, noch nicht im klaren sind.

Daher hier ein paar Kurzhinweise:

"Sogenannte Kippelemente im Klimasystem können unwiderruflich in einen instabilen Zustand fallen und so Lebensbedingungen der Menschheit bedrohen.
Das globale Klimasystem gleicht demnach einer Kette von Dominosteinen - wehe, der erste fällt.
Der schwindende Amazonas-Regenwald, der auftauenden Permafrostboden im hohen Norden oder die schmelzenden Eispanzer Grönlands sind einige dieser Domino-Elemente, die eine Kettenreaktion mit globalen Folgen auslösen können. [...]
Kommt es zu Kippeffekten, ist Erwärmung nicht die einzige Folge: Die schmelzenden Eispanzer könnten den Meeresspiegel über die kommenden Jahrhunderte um 60 Meter steigen lassen. Mit den Wäldern geht Biodiversität verloren und damit die Chance, in der Vielfalt der Natur Antworten auf die Krise zu finden. Auftauender Permafrost gefährdet Siedlungen in Sibirien und Straßen in den Alpen. [...]
 "Die Gelegenheit, die wir in den kommenden drei Jahren haben", sagt Figueres, "ist einzigartig in der Geschichte.""

(Kippendes Weltklima: Wie Domino-Effekte die Erde in eine Heißzeit treiben könnten, Süddeutsche Zeitung 7.8.2018)

Seit dem 7.8.2018 sind nahezu 11 Monate vergangen. Entsprechend geringer sind die Chancen, dass diese Gelegenheit genutzt wird.

SUV-Rekord in Deutschland - Erstmals wird die Zahl der neu zugelassenen in diesem Jahr die Grenze von einer Million Fahrzeugen überschreiten, laut einer Analyse der Universität Duisburg-Essen.  (Tagesschau 2019) 

1988 wurden in den USA insgesamt 960.852 SUV und 1997 bereits 2.435.301 SUV verkauft.[1] In Deutschland wurden 2016 3.351.607 Pkw erstmals zugelassen; 715.268 davon (21,3 %) waren Geländewagen und SUV.[2] (Wikipedia: SUV)

Nobelpreis für Greta?

Natürlich beschäftigen Ernst Ulrich von Weizsäcker kurz vor seinem 80. Geburtstag wichtigere Fragen. Aber die Frankfurter Rundschau und auch ich rechnen damit, dass Nobelpreis und Greta leichter Aufmerksamkeit erwecken als das Stichwort Klimawandel.
Hier einige Zitate aus seinem Interview mit der FR 24.6.19: „Greta sollte den Nobelpreis bekommen“
"Sie ist eine Symbolfigur geworden. Was sie an Orten wie dem Weltwirtschaftsforum in Davos sagte, ist goldrichtig: „Unsere Zivilisation wird dafür geopfert, dass wenige Menschen weiterhin sehr viel Geld verdienen.“ Ich weiß zwar nicht, ob es ihr gut tun würden, auf einen Schlag über eine Million Dollar verfügen zu können. Aber dieses Risiko kann man eingehen."
"Es können Kippelemente im Klimasystem angestoßen werden, die nur als katastrophal zu bezeichnen wären. Das Auftauen der Permafrostböden in Sibirien, das Austrocknen des Amazonas-Regenwaldes, das Abschmelzen des Grönland-Eispanzers. Es geht hin bis zu der Möglichkeit, dass in den Polargebieten auf einen Schlag gigantische Eismassen abbrechen. So etwas ist erdhistorisch schon einmal passiert, vor 7700 Jahren. Damals lag über Labrador und der Hudson-Bay eine Eisfläche so groß wie das Grönland-Eisschild, binnen kurzer Zeit brach sie ab. Das war das Ereignis, das wir aus der Bibel als die Sintflut kennen. Der Meeresspiegel stieg damals plötzlich um sieben Meter an. Man stelle sich vor, was dann heute mit den vielen Mega-Küstenstädten auf der ganzen Welt passieren würde – dann haben wir nicht eine Millionen Flüchtlinge, sondern eine Milliarde."
[über das 21. Jahrhundert:]  "Es ist ein Jahrhundert der Umwelt geworden, aber nur in den reichen Industriestaaten – in Europa, den USA, Kanada, Japan, und nur in Bezug auf die klassischen Umweltprobleme. Der Himmel über der Ruhr ist wieder blau, die Flüsse sind sauber, das durch Schwefel- und Stickstoff-Frachten ausgelöste Waldsterben ist im Wesentlichen überwunden. Auch die Luft in den Städten ist viel besser geworden. Wenn es heute um die Feinstaub-Werte in der Luft geht, sagt kaum jemand dazu, dass die Belastung vor 50 Jahren überall viel größer war als heute selbst in der Innenstadt von Stuttgart. Was die großen Megatrends angeht – Klima, Ressourcenverbrauch, Artenschwund – sind wir aber schändlicher Weise noch im Jahrhundert der Ökonomie."
[Weshalb geht es bei den großen Fragen nicht voran?] "Das ist auch eine Folge des Zusammenbruchs des Kommunismus 1990. Davor waren die Wirtschaft und die Aktienmärkte im Westen ja fast handzahm gegenüber den Regierungen. Der Grund: Man brauchte die Regierungen als Bollwerk gegen den Kommunismus im Osten. Aber der war plötzlich weg, und die Finanzmärkte wurden arrogant gegenüber der Politik. Was vor 1990 undenkbar war, wurde plötzlich salonfähig: Finanzgaunerei vom Schlimmsten."
"[...]  überall heißt die Antwort „Wachstum“, wenn ein Problem gelöst werden soll. Das heißt: Man schlägt systematisch Therapien vor, die die Krankheit schlimmer machen – bei heutigen Bedingungen nämlich durch höhere CO2-Emissionen. [...]"
"Ein SPD-Programm muss folgende Kernthemen haben: sozialverträglicher Umwelt- und Klimaschutz, Friedenspolitik, Kontrolle der Finanzmärkte, Gestaltung der Digitalisierung und Technikfolgenabschätzung."
Weizsäcker nützt die Gelegenheit, darauf aufmerksam zu machen, dass durchaus sehr viel in Sachen Umweltschutz geschehen ist, nur nicht in den ganz großen Fragen, den "Megatrends". Sie sind zu spät in ihrer vollen Relevanz entdeckt worden. Und dann waren die Finanzmärkte schon "arrogant gegenüber der Politik".
Weizsäcker hofft darauf, dass jetzt ein ähnlicher Umbruch stattfindet wie 1989/90.
Es ist höchste Zeit. Und nach einem Leben für den Umweltschutz ist ihm zu gönnen, dass er es nicht als nutzlos ansieht. 
Und noch ist es ja Zeit!

Sonntag, 23. Juni 2019

Arbeitsplatzabbau in Braunkohle und Photovoltaik

https://twitter.com/hannebembel/status/1142790711433203715

Die Anhebung von Chicago

"Bei der Anhebung von Chicago wurde stückweise die Bodenhöhe des Zentrums von Chicago um bis zu 2,5 Meter angehoben. Straßen, Gehwege und Gebäude wurden entweder aufgebaut, durch Hebeapparate physikalisch angehoben oder verschoben. Die Höherlegung der Stadt begann 1856 und dauerte ungefähr 20 Jahre, wobei es zu Anhebungen zwischen weniger als einem Meter bis zu fast 2,5 Metern (2–8 Fuß) kam.[1][2] Es gibt keine genauen Zahlen über die Kosten. Schätzungen gehen jedoch von 10 Millionen US-Dollar oder mehr aus, was heutzutage einem Betrag zwischen 231.030.000 und 292.030.000 US-Dollar entsprechen würde.[3][4] [...] Um 1860 war das Vertrauen ausreichend genug, dass ein Konsortium von sechs Ingenieuren, darunter Brown, Hollingsworth und George Pullman, einen der bedeutendsten Bereiche der Stadt in einem Zug anhoben. Sie erhoben die Hälfte des Häuserblocks der Lake Street, zwischen Clark Street und LaSalle Street: eine massive Backsteinreihe mit Läden, Büros und Druckereien.[15] Dieses Projekt war 98 Meter (320 Fuß) lang, teilweise vier, teilweise fünf Stockwerke hoch, mit einer Fläche von 4.000 m2 und einen geschätzten Gesamtgewicht von 25.000[16]–35.000[17] Tonnen, inklusive der herabhängenden Gehsteige. Geschäfte, die in diesen Gebäuden angesiedelt waren, wurden während der Hebung nicht geschlossen. Während die Gebäude angehoben wurden, kamen und gingen Leute, kauften ein und arbeiteten in ihnen, als würde nichts Besonderes passieren.[15] "
(Wikipedia: Anhebung von Chicago)


Dienstag, 18. Juni 2019

Neue Bräuche in der Wikipedia

Lange nachdem der Artikel "Weimar" in der Wikipedia in Afrikaans ein brauchbarer Artikel geworden ist, bedankt sich ein Bearbeiter für die Erstellung der armseligen ersten Version vor 13 Jahren.
Er erinnert mich dabei daran, dass ich mich damals als Sprachunkundiger in den verschiedensten Sprachversionen herumgetrieben habe. Heute würde das sicher stets mit Schnelllöschung bestraft.
In die Zeit fällt auch mein einziger Artikel in Volapük, der ungewöhnlich freundlich kommentiert wurde.

Sonntag, 16. Juni 2019

Wenn in den Sommerferien die Zwangshochzeit droht…

"[...] Seit 2017 gilt in Deutschland das Gesetz zur Bekämpfung von Kinderehen. «Es ist unserer Einschätzung nach in der Praxis noch nicht angekommen», urteilt Böhmecke. Es fehle an Leitfäden und Schulungen für Behörden und auch Präventionsmaßnahmen und Aufklärung in Schulen. «Bisher sind auch nur sehr wenige Fälle bekannt geworden, in denen die Ehe wegen der Minderjährigkeit des Mädchens aufgehoben wurde», ergänzt sie." (Zwangsverheiratung newsforteacher 15.6.19)