Dienstag, 21. Juli 2026

Aktuelle Rüstungsentwicklungen

 Im Prinzip interessiert mich an Rüstungsentwicklungen nur die Fehlleitung von Ressourcen, weil es dabei stets um Vernichtung von Kapital geht, das für produktive Zwecke wie die Herstellung von erneuerbarer Energie oder Lebensmittel geht. Aber die Sicht auf Krieg und die Erfahrung des Krieges durch die Akteure hat sich durch den Einsatz von Drohnen sich so verändert, dass das unbedingt auch mitverfolgt werden sollte.

Veränderung der Erlebniswelt des Krieges

Sie nennen es "Kriegsporno"


Ein Detail zu militärischen Drohnen, dem ich soeben begegnet bin, halte ich fest, damit ich mich evtl. daran erinnern kann:

https://defence-network.com/neue-fpv-drohnen-stimmen-israel-nachdenklich/ (15.10.25)

FPV-Drohnen – Einsatz von Mutterschiffen

"Laut israelischen Experten werden einige russische FPV-Drohnen von großen „Mutterschiffen“ wie Drohnen vom Typ Molniya aus eingesetzt. Die russische Molniya-Kamikaze-Drohne („Blitz“ auf Russisch) wurde zu einem Drohnenträger umgebaut, der FPV-UAVs transportieren kann. Dadurch wird ihre Reichweite erheblich vergrößert – manchmal bis zu 30-40 Kilometer von der Frontlinie entfernt.

Diese Methoden ermöglichen es russischen Operatoren, Ziele zu erreichen, die weit hinter denen von Standard-FPV-Drohnen liegen, darunter ukrainische Versorgungslinien in umkämpften Gebieten. Fortschrittliche Varianten wie die V2U verfügen über modulare Nutzlasten, wodurch sie für Anti-Fahrzeug- oder Anti-Personen-Einsätze angepasst werden können.

Diese Innovationen bedeuten, dass russische Angriffe immer schwieriger abzuwehren sind, insbesondere da der Umfang und die Automatisierung der russischen Drohnenoperationen zunehmen.

Profitiert der Iran?

Elektronik und Kernkomponenten werden oft aus China importiert, aber Russland scheint die heimische Innovation und Anpassung zu beschleunigen, um die ukrainischen Gegenmaßnahmen zu überwinden. In den ersten Phasen des Krieges in der Ukraine hat der Iran Russland mit einer großen Anzahl von Drohnen beliefert. Später wurde in Russland eine Montageanlage für iranische Drohnen gebaut, die jedoch sehr schnell mit der Herstellung moderner Drohnen begann."

Sonntag, 19. Juli 2026

KI: Hier bin ich und höre auf deine Befehle

 Die alten Ägypter legten ihren Verstorbenen kleine Figuren ins Grab - Uschebtis, die Antwortgebenden–, die für sie anfallende Arbeiten im Jenseits erledigen sollten. Zum ersten Mal in der Geschichte erscheint hier die die Idee des Computers: des antwortgebenden, jeden Befehl,ausführenden Repräsentanten. Die Instruktionen, mit denen die kleinen Figuren beschriftet sind, ähneln frappierend der algorithmischen Abfolge eines modernen Computerprogramms:

 'Magische Puppe, hör mich an! / Wenn ich gerufen werde / die Arbeit auszuführen…/ wisse, Du bist an meiner statt / von den Hütern des Jenseits dazu bestimmt / die Felder zu besäen / die Kanäle mit Wasser zu füllen / den Sand herüberzuschaffen…' Am Ende heißt es: 'Hier bin ich und höre auf Deine Befehle.'
Wir würden das heute dialogorientierte Benutzerführung nennen – und den Glauben daran, dass ein Zauberspruch ein Tonfigürchen zum Leben erweckt, einen Aberglauben. [...] Jedes einzelne System mag beherrschbar sein; die Schwierigkeit entsteht durch die Verbindungen und Wechselwirkungen.
 Der Soziologe Charles Perrow prägte dafür den Begriff der normal accidents: in hochkomplexen eng gekoppelten Systemen sind schwere Fehler nicht die Ausnahme, sondern irgendwann unvermeidlich, weil die Gesamtkomplexität die Übersicht übersteigt. [...] 
Auch gegen die KI-Dystopie hilft am Ende nur der Anspruch des Menschen und sein Beharren auf Eigensinn: auf der eigenen Beobachtung, auf dem unberechenbaren Wort und der unverfügbar Tat. Der Mensch ist mehr als eine Spiegelung im Glas des Neuen." (DIE ZEIT 16.7.2026, S.34)

Dienstag, 14. Juli 2026

Ein Ergebnis des Angriffs der USA auf den Iran

 

Salzburger Nachrichten (AT)

So finanziert die Welt die Mullahs

Die Salzburger Nachrichten ärgern sich über Trump:

„Denn die Straße von Hormus, durch die bisher rund ein Viertel des Rohöls bzw. ein Fünftel des Flüssiggases, die weltweit gehandelt werden, ging, wird wohl auf längere Zeit nicht mehr gratis passierbar sein. Diese Maut zahlen indirekt wieder wir alle über höhere Preise. Damit finanzieren wir unfreiwillig das Mullah-Regime mit. Donald Trump hat mit dem Start des Kriegs gegen den Iran also uns allen einen Bärendienst erwiesen und den Mullahs ohne Not einen neuen Hebel in die Hand gegeben. ... Es braucht daher jetzt Druck von vernünftigen Kräften ... . Denn von einer Waffenruhe, die tatsächlich hält, würden sie alle profitieren: die gemäßigten Politiker in den USA und im Iran, die Weltwirtschaft, die Zivilbevölkerung in Nahost – und wir alle als Konsumentinnen und Konsumenten.“

Stefan Veigl

Sonntag, 12. Juli 2026

Über den Zusammenhang von Straftaten und Nationalität

 Das Problem ist nicht ein Zusammenhang zwischen Nationalität und Kriminalität, das Problem sind die absolut verkürzten Interpretationen, die insbesondere im rechten Lager auftreten. Da wird das völlig unterkomplex behandelt, denn es gibt ganz viele Faktoren, die man bei Kriminalität beachten muss. Ich nenne hier mal einige:

Die polizeiliche Kriminalstatistik ist KEINE Statistik, die darüber Auskunft gibt, welche Personengruppen wie stark straffällig werden. Die Statistik behandelt erfasste Straftaten. Dabei spielt schon eine erhebliche Rolle, dass migrantisch gelesene Menschen von der Polizei massiv häufiger kontrolliert werden. Sagt die Statistik also beispielsweise aus, dass Migranten häufiger Drogen verkaufen? Nein. Sie sagt, dass diese Straftat bei Migranten häufiger erfasst wird. Ich möchte keinesfalls anekdotische Evidenz bemühen, aber das Phänomen, welches mir in meinem eigenen Leben schon oft aufgefallen ist, lässt sich auch wissenschaftlich belegen: ich, als weißer, "einheimisch" gelesener Mensch werde wann immer es Kontrollen gibt weitaus weniger streng kontrolliert als migrantisch gelesene Menschen und in meinem ganzen bisherigen Leben wurde ich nicht ein einziges Mal von der Polizei ohne Grund kontrolliert. Freunde, die einen Migrationshintergrund haben, können ganze Lieder davon singen, wie häufig sie schon grundlos (bzw. ohne ersichtlichen Grund) von der Polizei kontrolliert wurden.

Vermeintliche kausale Zusammenhänge nach dem Motto "Menschen aus diesem Land sind aufgrund ihrer Herkunft krimineller" sind nicht nur rassistisch, sondern auch einfach falsch und verkürzt. Es gibt keine Nationalität der Welt, selbst wenn sie eine nahezu 100% "einheimische" Bevölkerung hat, wo es keine Kriminalität gibt. Das bloße "xy sein", also einer Nationalität anzugehören, kann also nicht der Auslöser für Kriminalität sein. Da muss man doch zwangsläufig fragen, was dann der Auslöser ist, oder? Und die Forschung hat da sehr eindeutige Ergebnisse: Armut. Armut ist der größte Treiber von Kriminalität. Und wenn man sich dann entsprechende Statistiken anschaut, sieht man recht schnell, welche Gruppen in DE stärker armutsgefährdet sind als andere. Richtig: Migranten sind stärker armutsgefährdet. Und nicht nur das - die genaue Herkunft bzw. Nationalität macht einen Unterschied. Menschen mit arabisch klingendem Namen beispielsweise haben sehr viel schlechtere Chancen, Jobs oder Wohnungen zu bekommen als Menschen mit asiatisch klingendem Namen. "Migranten" sind also auch keine homogene Masse, auch hier gilt es zu differenzieren, da die Forschung eindeutig belegt, dass Menschen je nach Herkunft, Religion, Nationalität unterschiedlich starke Diskriminierungserfahrungen machen.

Eine richtige Schlussfolgerung wäre also, dass Menschen mit Migrationshintergrund häufiger kriminell in Erscheinung treten, weil sie öfter kontrolliert werden, entsprechend mehr Straftaten erfasst werden und sie stärker armutsgefährdet sind. Aber das Thema mit der nötigen Komplexität zu behandeln bedeutet natürlich, dass man es sich nicht so einfach machen kann und populistische Phrasen im Stil von "Ausländer raus" dreschen kann - was einfach nur rassistischer Müll ist. Sondern man sich stattdessen unbequemen Fragen stellen muss, nämlich was für einen Anteil an der Statistik haben WIR? Wir als Gesellschaft und wir als Staat.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Faktor ist die Frage der psychischen Stabilität. Armut macht krank. Körperlich wie psychisch, das ist erwiesen. Und psychische Erkrankungen können die Bereitschaft zur Kriminalität fördern - je nach Erkrankung natürlich. Was in den letzten Jahren politisch festzustellen ist, ist dass die Hilfe und Unterstützung, die Menschen, die eingewandert sind, bekommen, immer weiter reduziert wurde. Jetzt darf man einfach mal vermuten, was passiert, wenn man bestimmten Personengruppen, die aufgrund ihrer Herkunft häufig traumatisiert sind (Menschen, die aus Kriegsgebieten kommen sind sehr häufig traumatisiert und wenn sie es nicht schon aus der Heimat sind bringen sie häufig durch die Fluchterfahrung traumatische Erlebnisse mit, da die Reise nach Europa alles andere als menschenfreundlich ist) die bisschen Hilfe, die sie bisher erhalten haben, noch wegnimmt. Man muss nicht Raketenwissenschaft studiert haben um zu merken, dass das keine gute Idee ist.

Ein vernünftiger Staat, der auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse handelt, würde als effektivste Waffe gegen Kriminalität versuchen, Armut zu bekämpfen. Und tatsächlich ist das auch gar nicht so schwer - wenn man Forschungserkenntnissen folgt. Zusätzlich würde eine entsprechende Regierung gerade beim Thema Integration NICHT sparen, denn jeder Cent, den man da "spart" kann man quasi mit einem Euro an Folgekosten berechnen, während jeder Euro, den man hier investiert sich selbst locker wieder reinwirtschaftet, da gut integrierte Menschen hier arbeiten und konsumieren und damit die heimische Wirtschaft voranbringen. Ich weiß nicht, wie gut du im Bilde bist, wie die Einwanderungspolitik in DE aktuell aussieht, aber es ist der Normalfall, dass Menschen, die hier einwandern, häufig 3-8 Jahre nicht arbeiten dürfen. Ein großer Grund hierfür ist der Bürokratie-Dschungel. Auch das ist übrigens ein weiterer Faktor für Kriminalität: wer will denn 5 Jahre lang hier leben und keinerlei Kontrolle über das eigene Leben haben können? Nicht arbeiten dürfen? Die Familie nicht mal mit was Schönem überraschen können, weil man kein eigenes Geld verdienen darf? Diejenigen, die hier betroffen sind, sind häufig eben genau aus der Gruppe, die in der Kriminalstatistik besonders auffällig sind. Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht sind auch häufig erfasste Straftaten.
Ich bin ganz ehrlich: keine Ahnung wie du das siehst, aber wäre ich in so einer Situation, würde ich definitiv schwarz arbeiten.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig näher bringen, weshalb diese populistische Vereinfachung, die heutzutage häufig vorgenommen wird, nicht funktioniert, und weshalb man eben nicht so einfach jene Schlüsse ziehen kann, die in der Gesellschaft weit verbreitet sind. Man muss komplexe Themen komplex behandeln, anders funktioniert es nicht. Und dass Armut der größte Treiber für Kriminalität ist, ist übrigens seit weit mehr als 100 Jahren bekannt...

guitarbassman bei gutefrage.net

Samstag, 11. Juli 2026

Die KI säuft unser Trinkwasser

 


https://www.infosperber.ch/9.07.2026:   Ein Dorf, ein Rechenzentrum, ein geräumtes Protestcamp und eine Verwandlung des Landes, die nie beschlossen wurde, nur bewilligt.

Ein paar Zelte in Benken im Zürcher Weinland, aufgeschlagen, um gegen ein KI-Rechenzentrum zu protestieren, das im nahen Beringen entsteht, vergangenen Freitag von der Kantonspolizei Zürich geräumt, einen Tag später wieder aufgebaut, in Tengen, auf deutschem Boden, wenige Kilometer hinter der Grenze, wie die Gruppierung «Aufstände der Allmende» am Samstag mitteilte: Der Protest findet im Ausland statt, der Bau geht weiter. Auf einem Kartonschild, das eine Demonstrantin in die Kameras hielt, stand: «Kein Trinkwasser für Techoligarchen». [...]"

https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/die-ki-saeuft-unser-trinkwasser/

Dave Eggers zu KI

https://www.zeit.de/2026/30/dave-eggers-contrapposto-roman-kunst-kuenstliche-intelligenz-schulen

"[...] Eggers: Der Roman ist wahrscheinlich die klassischste aller Kunstformen. Und er hat sich nicht groß verändert, wurde eher konservativer in den vergangenen 30 Jahren. Aktuell sind wir wieder beim traditionellen Geschichtenerzählen angekommen, was interessant ist, wenn man an den Postmodernismus der Siebziger und Achtziger denkt.

ZEIT: Was hat Sie denn am klassischen Erzählen gereizt?

Eggers: Die Leser wollen sich von der Geschichte und den Figuren verzaubern lassen. Ich kam erst spät zu der harten Einsicht: Das ist der Grund, warum die meisten Menschen lesen. Dieses besondere Erlebnis, in die Welt der Figuren einzutauchen. In Contrapposto ist das größte Experiment, im Buch einige Zeichnungen aus Aktklassen abzubilden. Ich musste meinem Verlag ein Jahr vorher Bescheid geben. Sie haben mir sogar mein Wunschcover zensiert, weil es eine nackte Figur zeigte.

ZEIT: Aber gerade Bildbände sind doch voller nackter Menschen!

Eggers: Wichtig ist, wo und seit wann sie nackt sind. Tote Nackte aus dem alten Griechenland sind uns lieber als jemand, der gestern nackt war. Und trotzdem: Es war von hinten! Haben Sie jemals Aktmalerei probiert?

ZEIT: Ja, aber ich bin wirklich keine gute Zeichnerin.

Eggers: Jeder Mensch sollte bis zu einem gewissen Grad klassisches Zeichnen lernen. Es lehrt einen, richtig zu sehen. Zeichnen inspiriert dazu, jenseits der eigenen Annahmen zu denken. Ich sage das sowohl zu meinen Kunst- wie Schreibschülern: Geht raus, beobachtet, macht euch Notizen! Wie reden Leute wirklich? Nicht: Wie denkt man, dass Leute reden. Früher war es viel gängiger, klassische Malerei und Zeichnen zu lernen. Charles Darwins Notizblock ist voller wunderschöner Zeichnungen! Es ist eine Schande, wir sollten alle diese Fähigkeit erlernen.

ZEIT: Also man muss vor die Tür gehen, um die Welt besser zu sehen?

Eggers: Wenn man sein Zimmer verlässt und die Welt betritt, versteht man die überraschende und doch nicht überraschende Komplexität der Menschen und des Lebens. Es ist wie mit San Francisco: Die Leute kommen hierher und glauben, sie wüssten, wie diese Stadt ist. Aber wenn man durch die Straßen läuft, mit Leuten spricht, erkennt man Nuancen. Als ich in den letzten Jahren über Trump-Rallys berichtete, war ich schockiert, wie nuanciert seine Wähler waren.

ZEIT: Das erinnert mich an die Stelle Ihres Buches, als der Protagonist Cricket darüber erschrickt, dass man Blau braucht, um eine Banane realistisch zu malen. Wir nehmen an, man brauche nur Gelb bei Bananen.

Eggers: Man muss mit einer blauen Grundierung beginnen, weil das unter der Schale schimmert. Dann Grün, Gelb und Weiß darüber. Das zeigt, wie kompliziert jedes Obst ist. Und genau deswegen malen die Menschen seit Jahrhunderten Obst. Es braucht Beobachtungsgabe und Mut, etwas so darzustellen, wie es ist.

ZEIT: Haben wir gerade wirklich eine Verbindung zwischen Trump-Wählern und Bananen gefunden?

Eggers: Oh Gott, klinge ich wie ein Verrückter?

ZEIT: Im Gegenteil, es ergibt Sinn: Beides muss man wirklich sehen.

Eggers: Wissen Sie, echte Menschen sind großartig. Die Touristen, die jetzt für die WM in die USA kommen, treffen auf echte Menschen, nicht auf Irre. Wir Amerikaner haben eine Tradition der Gastfreundschaft. Jemand wie Stephen Miller repräsentiert mitnichten den Großteil dieses Landes. [...]       

Eggers: Ich arbeite seit 25 Jahren als Schreibdozent, und das ist der schlimmste Moment, den ich je erlebt habe. Weil es keine Vorgaben aus Washington sind, es ist nicht der Staat. Die Schüler selbst bringen sich, einer nach dem anderen, zum Schweigen. Das ist das Ende der menschlichen Spezies. Punkt. Wenn wir unsere Fähigkeit aufgeben, zu sprechen, ist das das Ende.

ZEIT: Aber wenn eine fehlerfreie KI nun mal besser ist als ich? Mal unsentimental gefragt: Worin liegt der Wert der menschlichen Autorschaft?

Eggers: Wir haben mehr als 2.000 Bücher veröffentlicht von Kindern, die meisten kamen aus marginalisierten Gruppen. Und wir sehen Schüler, die schüchtern und unsicher mit der englischen Sprache in die Klasse kommen. Die ihre Texte fünfmal, zehnmal überarbeiten, aber dann veröffentlichen. Sie machen die Erfahrung, dass sie ihre Gedanken nicht nur äußern, sondern publizieren können, dass sie gehört werden. Das macht den Unterschied zwischen verängstigten, gestressten Schülern und jemandem, der sich aufgehoben in der Gemeinschaft fühlt. Wir beobachten, dass all diese Schüler, die immer und immer wieder veröffentlichen, sich extrem gut entwickeln. Alles fängt damit an, gehört zu werden.

ZEIT: Was beobachten Sie in dieser Generation – wie sehen diese schreibenden Kinder ihre Zukunft?

Eggers: Den Kids geht es gut. Aber sie brauchen Klarheit. Ich saß neulich in einer Klasse am Tisch mit einem brasilianischen, einem kolumbianischen und einem Schüler aus El Salvador. Ihre Lehrer haben ihnen Computer und Handys verboten, weil sie wissen, dass sie sonst ChatGPT öffnen. Wir redeten über das Essen, die Geräusche, die Landschaft ihrer Heimatländer. Dann schrieben sie mit Stift und Papier. Die ersten Entwürfe waren nichts, sie mussten sie überarbeiten, aber man erkannte authentische Gedanken und eine Stimme. Aber es ist hart, wissen Sie? Zehn Erwachsene und 24 Kinder, um an die eigentliche Wahrheit zu kommen. Zu Hause hätten sie es schnell die KI machen lassen. Es braucht viele Menschen, damit diese Generation nicht in den Abgrund stürzt.

ZEIT: Aber von der Kasse bis zum Online-Check-in – die Menschen verschwinden aus dem Alltag. Und im Silicon Valley arbeitet man daran, unsere Gehirne mit künstlicher Intelligenz zu verschmelzen.

Eggers: Diese Leute sind womöglich sehr unglücklich über die Tatsache, dass sie Teil der menschlichen Spezies sind. Wir befinden uns in einem Schlüsselmoment. Wir müssen die Stellung halten. Seit je können nur Menschen Bücher schreiben. Es war Sam Altman, der mich zu der Debatte bei OpenAI eingeladen hatte. Und er sagte: Es wird bald Romane von künstlicher Intelligenz geben. Und ich habe gesagt: Das will niemand. Und das wird niemals jemand lesen wollen. Was wiederum ihn und die Leute bei OpenAI ziemlich überrascht hat.            

Eggers: Diese Leute sind womöglich sehr unglücklich über die Tatsache, dass sie Teil der menschlichen Spezies sind. Wir befinden uns in einem Schlüsselmoment. Wir müssen die Stellung halten. Seit je können nur Menschen Bücher schreiben. Es war Sam Altman, der mich zu der Debatte bei OpenAI eingeladen hatte. Und er sagte: Es wird bald Romane von künstlicher Intelligenz geben. Und ich habe gesagt: Das will niemand. Und das wird niemals jemand lesen wollen. Was wiederum ihn und die Leute bei OpenAI ziemlich überrascht hat.

ZEIT: Glauben Sie, Sam Altman liest gerne?

Eggers: Ich glaube, dass Sam Altman kein einziges Buch als Erwachsener gelesen hat. Was ja das Problem ist: Diese Leute schätzen Kunst nicht. Sie verstehen nicht, warum es sie gibt, wer sie macht, wozu sie da ist. Und genau deswegen sollten Techfirmen keine Rolle in den Geisteswissenschaften spielen. Sie haben keinen Respekt davor.

ZEIT: Es geht am Ende darum, was die Literatur und die Kunst uns bedeuten?

Eggers: Es ist ein Moment, in dem die menschliche Spezies wählt. Und ich glaube, wir werden die richtige Entscheidung treffen. Es wird okay werden.

Sieh auch: Dave EggersThe Circle 2013

Donnerstag, 9. Juli 2026

Angreifer verletzt zwei Mädchen bei mutmaßlicher Amoktat

An einem Gymnasium im bayerischen Schongau hat gestern Mittag ein Angreifer zwei 13-jährige Mädchen schwer verletzt. Laut RND schwebten sie am Nachmittag nicht mehr ins Lebensgefahr. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen und sitzt jetzt in Untersuchungshaft – er ist 16 Jahre alt. „Wir gehen von einer Amoktat aus eines Einzeltäters“, zitiert der stern Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Der Polizei zufolge war der Täter mit einer Pistole bewaffnet, die aber nach einem Schuss versagte. Dieser Schuss traf niemanden. Danach zog er ein mitgebrachtes Messer. Zum Motiv ist bislang nichts bekannt, die Behörden gehen aber davon aus, dass es sich um eine „psychische Ausnahmesituation“ handelte, wie Dobrindt erklärte. Details zu dem Fall gibt es bei der Süddeutschen Zeitung.