Dienstag, 14. April 2026

Kundenverhöhnung oder Kundenmissbrauch?

 

Bedienungsanleitungen werden neuerdings ohne Text verfasst

Zwar werden sie in gefühlt 32 - 50 Sprachen verfasst, aber nur mit Zeichnungen "erklärt".

Meine Vermutung: Es ist gesetzlich vorgeschrieben, vor allerlei (teilweise auch ganz grotesken - Bedienungsfehlern zu warnen. Das macht man, indem man auf einer Zeichnung die richtige Bedienung vorstellt und daneben die falsche und das Falsche rot markiert.

Das Richtige müsste man aber verständlich erklären. Das ginge vielleicht auf Englisch, würde aber in 32 Sprachen zu viel Platz verbrauchen. Kompetente Zeichner sind billiger als kompetente Zeichner und kompetente englischsprachige Erklärer.

Also eine Zeichnung, die ein Experte als korrekt erkennt, als Warnung. 

Erklärung überflüssig ?? Auch nicht im Internet, wo an sich Platz auch für 50 Sprachen wäre. Dabei gibt es eine Fülle von Youtube-Videos, wo genau gezeigt wird, was bei der Bedienung beachtet werden muss.

Für Werbung werden Milliarden ausgegeben, aber ein Video erstellen, dafür sind sich die Firmen zu fein.


Fünf Mythen über Gewalt gegen Frauen – und wie du sie entkräftest

 Krautreporter 09.04.2026

"[...] Carmen Maria Machado hat über Gewalt in einer queeren Beziehung ein geniales autofiktionales Buch geschrieben. Ihre Suche nach den richtigen Worten für diese Gewalterfahrung zeigt, wie schwer es ist, eine Sprache für diese Gewalt zu finden. Ein Mann, der Gewalt ausübt, ist ein gesellschaftlich verbreitetes Bild. Eine Frau oder eine queere Person, die das tut, nicht. Es muss möglich sein, darüber zu sprechen.

Gleichzeitig ist es wichtig festzuhalten, dass partnerschaftliche Gewalt Männer nicht in der gleichen Quantität und Qualität wie Frauen trifft. 80 Prozent der Opfer von partnerschaftlicher Gewalt sind weiblich. Und Männer sind in 77,7 Prozent der Fälle partnerschaftlicher Gewalt die Tatverdächtigen. Auch was die Schwere der Gewalt angeht, gibt es einen Unterschied. Im vergangenen Jahr wurden 132 Frauen und 24 Männer durch Partnerschaftsgewalt getötet. Dies zeigen die Zahlen des Bundeskriminalamts für das Jahr 2024. [...]"

Sonntag, 12. April 2026

 Ai Weiwei gefällt das

Der Bubble-Tea kommt geflogen, und man zahlt per Gesichts-Scan: Die Welt bestaunt China für seinen Fortschritt. Jens Mühling lebt dort und hofft, dass so nicht die Zukunft aussieht.

Neulich lud ich mir in der Kantine, in der ich in Shanghai gelegentlich Mittag esse, ein paar Schälchen aufs Tablett, ging zur Kasse – und stutzte. Der Kassierer war verschwunden. Ich stand stattdessen vor einem Apparat mit der Aufschrift "Ren Gong Zhi Neng": künstliche Intelligenz. Eine Kamera scannte die Gerichte auf meinem Tablett. Zielsicher identifizierte sie: Chili-Gurken, Schweinebauch nach Hunan-Art, geschmorte Auberginen, Reis.

Das Essen kostete umgerechnet keine fünf Euro, bargeldlos zahlbar per App. Ich staunte. Nicht über die KI-Kasse an sich – dass so etwas irgendwann in China auftauchen würde, war absehbar. Aber in einem billigen Schnellrestaurant?

Dass China "uns abhängt" – uns Deutsche, uns Europäer, den Westen, die Welt –, davon reden in letzter Zeit Politiker, Wirtschaftsbosse, Journalisten und Kneipenphilosophen. Manche, um sich in Niedergangspessimismus zu suhlen, andere, um Abwehrmaßnahmen zu fordern oder Einschnitte zu begründen. "Wenn Sie aus China kommen, meine Damen und Herren", donnerte nach einer Peking-Visite kürzlich etwa Friedrich Merz, "dann haben Sie noch mal deutlicher das Gefühl, dass mit Work-Life-Balance und Viertagewoche der Wohlstand in unserem Land auf Dauer nicht zu erhalten ist!"

Sogar von Regierungskritikern hört man inzwischen solche Abhängungsrhetorik. Ai Weiwei zum Beispiel, Chinas berühmtester Exilkünstler, besuchte neulich erstmals seit seiner Ausreise vor zehn Jahren seine Mutter in China – und staunte, wie geschmeidig im durchdigitalisierten Alltag dort mittlerweile alles flutscht, wie unkompliziert ihm etwa seine Bank ein seit Jahren nicht mehr genutztes Konto freischaltete. Die bürokratischen Hürden in Europa, so Ai, seien "mindestens zehnmal größer als in China". Sein Fazit klang wie ein Echo jenes überbordenden chinesischen Nationalstolzes, der mir in letzter Zeit immer öfter begegnet: Europa sei im Ab-, China im Aufschwung.


Und noch ein Zitat fällt mir ein. In einer Chatgruppe von Deutschen in Shanghai wurde mal einer meiner Texte geteilt, es ging um Chinas innere Widersprüchlichkeit. Ein Manager aus Hamburg, seit Jahrzehnten in der Volksrepublik lebend, kommentierte: "Ziemlich sinnfreier Artikel. Immer auf der Suche nach dem Widerspruch. Einfach mal akzeptieren, dass China mittlerweile weit vorne liegt. Entweder hier leben und nicht meckern, oder Tschüss." Was soll ich sagen: Ich bin immer noch hier und meckere weiter. Zumal die Widersprüche eher größer werden. Gesellschaftlich bleibt vieles schmerzhaft bemeckernswert – Überwachung und Zensur etwa werden dank technischen Fortschritts sogar effektiver. Gleichzeitig macht China wirtschaftlich und technologisch irre Sprünge. Weshalb ich mich nicht nur an der KI-Kasse gelegentlich frage: Haben jene, die den Rückstand des Westens beschwören, am Ende recht?

Zum Mekka der Überholungsprediger hat sich die südchinesische Stadt Shenzhen entwickelt. Das Netz ist voll von Videos westlicher Influencer, die staunend durch diese Hightech-Metropole laufen, um dem Rest der Welt zu erklären, dass hier die Zukunft spielt. Manche tun das nachweislich mit Förderung des chinesischen Propagandaapparats, andere eher aus Enthusiasmus. Suchen Sie mal nach dem Schlagwort "Chinamaxxing", das den Trend einer jüngeren westlichen China-Begeisterung beschreibt.

Was technisch machbar ist, wird zum Geschäft

Shenzhen wurde ab 1980 als Sonderwirtschaftszone aufgebaut. Seitdem ist aus der damaligen Kleinstadt eine 17-Millionen-Metropole geworden – schon Shenzhen selbst ist also eine Art Sinnbild des chinesischen Entwicklungstempos. Der Telekommunikationsgigant Huawei wurde hier gegründet, der E-Auto-Weltmarktführer BYD, der Tech-Riese Tencent.

Um mir das Gefühl des Abgehängtwerdens einmal in geballter Form zu geben, verbrachte ich einige Tage in dieser Stadt. Im Lianhuashan-Park steuerte ich eine kastenförmige Maschine an, nicht viel größer als eine Telefonzelle – sie kommt in jedem Influencervideo vor. Man scannt einen Barcode und wählt per App, was man geliefert haben möchte: Kaffee, Bubble-Tea, Fast Food. [...]

https://www.zeit.de/2026/16/digitalisierung-china-technologie-ueberwachung-europa/komplettansicht, 9.4.2026

Donnerstag, 9. April 2026

 In Miami ist erstmals direkt auf einer Müllkippe eine Fabrik eingerichtet worden, wo organisches Material durch Erhitzung bei extrem wenig Sauerstoff Pryolyse Pflanzenkohle hergestellt wird. Die entstehenden Gase können für Fernwärme oder Elektrizitätsproduktion verwendet werden.

Wikipedia: "Durch moderne technische Verfahren, die seit den 1990er Jahren entwickelt wurden, können inzwischen alle pflanzlichen Rohstoffe mit einem Feuchtigkeitsgehalt von bis zu 50 % zu Pflanzenkohle pyrolysiert werden. Die bei der Pyrolyse entstehenden Synthesegase können schadstoffarm verbrannt werden. Ein Teil der dabei entstehenden Wärme wird zur Erhitzung der nachgeförderten Biomasse verwendet. Der weitaus größere Teil der Abwärme lässt sich zu Heizzwecken nutzen oder über Kraft-Wärme-Kopplung teilweise in Elektrizität umwandeln.

Die Pyrolyse wird auch in der Holzvergasungstechnik angewendet. Das entstehende Gas wird einem Verbrennungsmotor zugeführt. Mittels Hoch- und Niederdruckdampfstufen kann der Wirkungsgrad der Anlage weiter verbessert werden. Die Holzvergasungstechnik wird auch zur Stromerzeugung eingesetzt. Als Abfallprodukt entsteht ebenfalls Kohle in sehr feinkörnigem Zustand. Zwei Drittel der durch Photosynthese akkumulierten Energie (maßgeblich durch Reduktion von Kohlendioxid gebildeter Kohlenstoff) wird in der entstehenden Pflanzenkohle gespeichert."

In dieser Pflanzkohle kann Kohlenstoff über Jahrhunderte hin gespeichert bleiben. 

(https://www.ecosia.org/search=iami+Herald+7.2.2026+What+is+biochar&addon=opensearch)

Erläuterung zum Vorgang der Stammzellenspende und Anlaufstelle für eine Typisierung

 Die Entscheidung, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen, ist eine großartige Initiative, die lebenswichtig für Menschen mit Blutkrebs oder anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems sein kann.

Hier ist eine Erläuterung des Vorgangs sowie Informationen zu den Anlaufstellen.


Der Prozess der Stammzellenspende

Der Weg von der Registrierung bis zur tatsächlichen Spende gliedert sich in zwei Phasen:

1. Registrierung und Typisierung

Zuerst müssen Ihre Gewebemerkmale (HLA-Merkmale) bestimmt werden, um zu sehen, ob Sie für einen Patienten infrage kommen.

  • Ablauf: Sie fordern online ein Registrierungsset an. Dieses enthält Wattestäbchen, mit denen Sie einen Abstrich der Mundschleimhaut machen.

  • Labor: Die Proben werden im Labor analysiert und Ihre Daten anonymisiert in die Spenderdatei aufgenommen.

2. Der Ablauf einer tatsächlichen Spende

Sollten Sie tatsächlich als Spender für einen Patienten ausgewählt werden, erfolgt eine umfassende medizinische Untersuchung. Die Spende selbst erfolgt dann in der Regel auf zwei Arten:

  • Pherese (peripher: ca. 80 % der Fälle): Die Stammzellen werden aus dem Blut entnommen. Hierfür erhalten Sie über einige Tage ein körpereigenes Hormon (G-CSF), das die Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut schwemmt. Die Entnahme erfolgt ambulant, ähnlich wie eine Blutplasmaspende.

  • Knochenmarkentnahme (ca. 20 % der Fälle): Die Stammzellen werden aus dem Beckenknochen entnommen. Dies geschieht unter Vollnarkose in einem Krankenhaus. Ein kurzer Aufenthalt ist hierbei notwendig.


Anlaufstellen für die Typisierung in Deutschland

In Deutschland gibt es zwei große Organisationen, die die Suche nach passenden Stammzellspendern koordinieren. Sie können sich bei beiden bedenkenlos registrieren:

  1. DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei): Die größte deutsche Datei.

    • Website: www.dkms.de

    • Dort finden Sie einen einfachen Online-Prozess, um das Registrierungsset kostenfrei nach Hause zu bestellen.

  2. ZKRD (Zentrales Knochenmarkspender-Register Deutschland): Das staatlich geförderte Dachregister, das alle deutschen Spenderdateien miteinander vernetzt.

    • Website: www.zkrd.de

    • Hier finden Sie eine Übersicht aller angeschlossenen regionalen Spenderdateien, falls Sie eine persönliche Anlaufstelle in Ihrer Nähe bevorzugen.


Wichtige Hinweise für Interessierte

  • Voraussetzungen: Sie sollten zwischen 17 und 55 Jahre alt sein und keine chronischen Erkrankungen haben. (Hinweis: Die Altersgrenzen können je nach Datei leicht variieren).

  • Kosten: Die Registrierung ist für Sie kostenlos. Die Organisationen finanzieren sich über Spenden, da die Laboranalyse pro Typisierung etwa 35 bis 50 Euro kostet.

  • Verfügbarkeit: Eine Registrierung ist eine langfristige Verpflichtung. Sie sollten bereit sein, im Falle eines Treffers tatsächlich zu spenden.

Dienstag, 7. April 2026

Eine Erinnerung ist noch keine Erzählung ...

 ... Wenn sie dass werden soll, beginnt die Fiktion.

"Bei der Rollenprosa handelt es sich um eine Grundbedingung jedes künstlerischen Schaffens. Ein Autor kann erst dann – auch wenn er stark autobiografische Stoffe verarbeitet – diese in ein künstlerisches Werk umformen, wenn er sich vom reinen Erleben emanzipiert und damit distanziert."

"Hast du uns endlich gefunden ist der Titel eines 2021 im Rowohlt Verlag erschienenen Buches von Edgar Selge. Das Buch erzählt autofiktional die Geschichte des zwölfjährigen Edgar Selge, der im Nachkriegsdeutschland und in der Zeit des Wirtschaftswunders in einer Familie aufwächst, in der er von Musik und Kultur umgeben ist, gleichzeitig aber von seinen Eltern geschlagen wird und mit deren nationalsozialistischer Gedankenwelt konfrontiert ist.

Inhalt

Der zwölfjährige Erzähler Edgar Selge wächst im Jahr 1960 mit zwei älteren und einem jüngeren Bruder in einer bildungsbürgerlichen Familie in der ostwestfälischen Stadt Herford auf. Die Eltern, die im Krieg und danach als ostpreußische Flüchtlinge bis zur „Entnazifizierung“ des Vaters zahlreiche Entbehrungen ertragen mussten, möchten nun endlich nachholen, was sie in den Jahren zuvor nicht tun konnten. Kunst und Literatur, vor allem aber Musik prägen den Alltag der Familie ebenso wie die Arbeit des Vaters als Gefängnisdirektor im Herforder Jugendgefängnis, mit dessen jugendlichen Insassen, die der Familie bei Haus- und Gartenarbeiten helfen oder zu Hauskonzerten eingeladen werden, Edgar zahlreiche Begegnungen und Kontakte hat.

Über seine Eltern erhält Edgar Einblick in andere bessergestellte Familien des Bildungsbürgertums. Durch seine regelmäßigen Besuche der Familien der Aufsichtsbeamten des Gefängnisses erfährt er aber auch das Leben der einfachen Leute, die – teilweise Alt-Nazis, teilweise Menschen, die unter der Verfolgung der Nationalsozialisten gelitten haben – ganz unterschiedlich mit den Schatten ihrer Vergangenheit umgehen.

Der Vater ist als Bildungsbürger, Musiker, Vorleser und Familienoberhaupt einerseits Vorbild und Leitfigur des jungen Erzählers. Er ist von großer Selbstsicherheit, zeigt sich gleichzeitig aber sensibel und verletzlich, wenn er zum Beispiel über den tragischen Tod seines Sohns weint. Andererseits hat er aber auch eine dunkle Seite, dann schimpft er cholerisch in seinem Arbeitszimmer, ist in seiner Selbstsicherheit nicht in der Lage, eigene Fehler und Irrtümer zu erkennen und einzugestehen, schlägt seine Kinder und bedrängt diese sexuell. So bleibt der Vater das große, nicht verstehbare Rätsel in Edgars Leben: Wie kann der, den ich liebe, einem Schmerzen zufügen? Und warum liebe ich ihn trotz allem?

Die stark in der Gedankenwelt des Nationalsozialismus verhaftete Geisteshaltung der Eltern ist ein weiterer Konfliktpunkt, der zu regelmäßigen Auseinandersetzungen mit den Kindern führt, die wissen wollen, welche Rolle die Eltern im Nationalsozialismus gespielt und was sie gewusst haben. Immer wieder werden sie die Eltern mit ihrem Antisemitismus konfrontieren und deren Doppelmoral entlarven. Mühsam und schmerzhaft erkennen die Eltern erst am Ende ihres Lebens ihren Irrtum.

Stil und Erzählweise

Das Buch besteht aus zwanzig Kapiteln mit Titeln wie HauskonzertKirmesTodestag, die in Sprache und Stil die Sicht des 12-jährigen Ich-Erzählers beschreiben. Durch diese Erzählweise kann Selge einerseits aus kindlich-naiver Sicht die Vorstellungen der Erwachsenen hinterfragen oder seine Eltern durch gezielte Fragen aus der Reserve locken, etwa wenn er im Kapitel Königlicher Musikdirektor den Vater scheinbar harmlos fragt, ob dieser jemals von seinem Vater geschlagen worden sei. Gleichzeitig verfügt der Erzähler aber über ein Reflexionsvermögen, das weit über ein 12-jähriges Kind hinausgeht, etwa indem er diese Frage gleich darauf als „heimtückisch“ einordnet.[1]

Die Kapitel behandeln jeweils eine Episode aus dem Leben des Erzählers und seiner Familie, sind aber weder in chronologischer Ordnung erzählt, noch zeitlich in sich geschlossen. Immer wieder folgt der Leser den Assoziationen und Gedanken des Erzählers, der frühere oder spätere Ereignisse einflicht und so das Geschehen zeitlich erweitert und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Handlungen herstellt. Oft werden mehrere zeitliche Handlungsstränge in sich verschränkt erzählt. Die Geschichte wird durchgehend im Präsens erzählt."