"[...] In der Vergangenheit waren Macht, Rohstoffe oder Territorien oft die entscheidenden Ressourcen von Gesellschaften. Heute wird zunehmend deutlich, dass eine andere Ressource immer knapper wird: Zeit. Die Menschheit verfügt über Wissen, Technologien und organisatorische Fähigkeiten, die noch vor wenigen Generationen undenkbar gewesen wären. Doch die Frage ist, ob es gelingt, dieses Wissen rechtzeitig zu nutzen. Die Rolle der Zeit besteht daher nicht nur darin, Probleme zu begrenzen oder Fristen zu setzen. Sie bestimmt letztlich, ob die Menschheit ihre gegenwärtige Phase der historischen Beschleunigung als Übergang zu einer stabilen und kooperativen globalen Gesellschaft nutzen kann – oder ob sie von den Dynamiken überrollt wird, die sie selbst in Gang gesetzt hat.[...]"
Fontanefans Schnipsel
Seiten
- Startseite
- Links
- Geschichte
- Über diesen Blog
- frühere Schnipsel
- Regenwaldreport
- Lernspiele
- Festgehalten
- Günter Gaus im Gespräch
- Gysi trifft Zeitgenossen
- Gysi gegen Guttenberg (Podcast)
- Sprüche
- Gesundheit
- Musik für den Abend
- Tools
- Lieder
- Rätsel, Quiz, Sudoku, Schach
- Sehenswürdigkeiten
- Impressum
- Dichter und andere Zeitgenossen im Gespräch
Mittwoch, 11. März 2026
Dienstag, 10. März 2026
Juli Zeh
Warum bei prinzipieller Freiheit so viel Bewusstsein von Eingeschränktsein?
Leben auf dem Dorf staatsfern, ohne Bezug zur Politik, lieber Dinge selbst lösen bis zur Selbstjustiz
Was man lernt in einer guten Ehe auch bei getrennten Schlafzimmern, wenn wir das schaffen würden in der Gesellschaft, dann wären wir weiter
Über Menschen Corona Einengung des Verhaltens
Wovor darf man Angst haben? Dora Gote, der Dorfnazi, zu dem Empathie geschaffen wird
Wir können uns Meinungsfreiheit erlauben, aber Rechtsgüter müssen geschützt werden
Übertreibung beim Compact-Verbot
Montag, 9. März 2026
Das Zusammenleben miit Flüchtlingen in der Nachkriegszeit
Wir hatten eine Flüchtlingsfamilie als Untermieter, das war für meine Mutter schwierig. Die Flüchtlinge hatten etwas andere Werte.
Meine Mutter hat sich damit geholfen, dass sie sich von Zeit zu Zeit in komischer Übertriebenheit gegenseitig beschimpft haben. Da konnten sie Dampf ablassen, ohne dass es Missstimmung vergrößerte. Ich wusste schon als Kind von ca. 5 Jahren, dass es Schauspielerei war. Erst 10 - 20 Jahre später habe ich erfahren, welche Funktion diese Schauspielerei erfüllte.
Wenn man so eng aufeinander sitzt, gibt es notwendigerweise Spannungen. Aber irgendwelche Abwertung gab es nicht. Ich habe nur schon relativ früh bemerkt, dass es meiner Mutter (mein Vater war im Krieg geblieben) nicht recht war, dass ich als Kleinster immer wieder einmal Süßigkeiten von der Untermieterin bekam. Aber dass es darüber eine Auseinandersetzung gab, habe ich nicht mitbekommen.
Also, es gab Spannungen, die nicht leicht auszuhalten waren. Dass das bei uns nicht so deutlich wurde, lag allerdings wohl nicht nur am Geschick meiner Mutter, sondern auch weitgehend daran, dass die Untermieterin mitgespielt hat. Der Mann der Untermieterin hat sich weitgehend herausgehalten.
Aber da habe ich vermutlich als Kind vieles nicht mitbekommen. Als ich älter war, hatten sich die Rituale und Regeln wohl schon eingespielt. Aber selbstverständlich empfand man es als Befreiung, als sie ausziehen konnten.
Die Zeit, dass zwei Familien bei uns Untermieter waren, habe ich überhaupt nicht in Erinnerung. Dass das der Fall war, habe ich nur nachher aus schriftlichen Unterlagen entnommen.
Aus historischen Untersuchungen geht klar hervor, dass es große Spannungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen gab.
Wenn die Flüchtlinge in Lagern getrennt von den Einheimischen wohnten, wurden sie oft gemieden und als Unterklasse behandelt.
Meine Mutter hat 1950/51 einen Leserbrief geschrieben, wo sie für die Flüchtlinge in dem Lager eintrat:
"Vor 9 Jahren begann man das Ostlandlager aufzubauen, um die Ostarbeiter [ verschleppte Zwangsarbeiter]unterzubringen, die unseren fehlenden Arbeitskräfte ersetzen sollten. Seitdem bin ich zu allen Jahreszeiten am Ostlandlager vorbeigekommen, denn mein Garten liegt ein kleines Stück dahinter. Jahr für Jahr änderte sich das Bild. Um die Barackenlager herrschte Morast und grau-schwarze Farbe, bis eines Tages alles still und verlassen da lag. Man ging scheu um die Haufen von Lumpen, Kleidern und Hausgerät herum, bis sie allmählich verbrannt wurden.
Und dann wurde desinfiziert und gereinigt und ausgebessert, es kamen die Flüchtlinge aus dem deutschen Osten. Immer mehr und immer mehr kamen und gingen und immer neue trafen ein, die Menschen wechselten dauernd, aber eines blieb stetig überall das Ziel Sauberkeit, die Arbeit an der Verbesserung des Lagers und Ordnung. Mit Gemüsebeten fing es an. [Unleserlich] Sträucher und Blumen. Im letzten Jahr aber ist ein wesentlicher Aufstieg zu beobachten. Ein Zaun trennt das eigentliche Lager von den Stadtbaracken, Wäschepfähle stehen ordentlich auf dem Rasen, an dem entlang schöne Blumen gepflegt sind. Blasmusik ruft abends zu christlicher Unterweisung, man sieht das [unleserlich] denn durch den Rundfunk hört man die verschiedenen Sorgen schwer geprüfter Heimatvertriebener, den quälenden Aufenthalt in den Behelfsunterkünften zu erleichtern. Täglich hoffen diese Menschen, abgerufen zu werden zu einer Arbeit in ein unbekanntes Gebiet, in dem sie ihre hier abgestellten Möbel unterbringen können. Es ist eine unerhört anstrengende, kraftzehrende Wartezeit.
Wollen wir diesen unseren Brüdern und Schwestern das Leben noch schwerer machen durch Unfreundlichkeit und Nichtachtung? Sollten wir Ihnen nicht durch Höflichkeit und Hilfsbereitschaft zeigen, dass wir ihre schwierige Lage erkennen. Heimatlose Menschen sind wund und empfinden Liebe und Güte doppelt stark, aber auch alle Herzenskälte. Wir wollen heilen helfen, denn die Wunden der anderen machen auch uns krank. Wir alle aber wollen gesunden."
Das Gefühl "Wir halten zusammen" bestand nicht von selbst, es kostete viel Mühe, es zu wecken und aufrechtzuerhalten.
Sonntag, 8. März 2026
Von der Pferdebahn 1898 bis zum Bierstreik
Was KIs alles zu einem Lied zutage führen:
Zum Dresdner Straßenbahnerstreiks von 1900:
„Zu Dresden in der Residenz, Da gab es einen Streit, Den man in ganz Europa kennt, Er dauerte lange Zeit. Es war am neunzehnten August, Da fing die Sache an, Da streikten in der Residenz Die Leute von der Straßenbahn.“
https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/das-lobtaulied-in-wolfgang-steinitz.html
Zum Löbtauer Bierstreik
https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/erlautere-die-hintergrunde-des-lobtauer.html
https://antworteneinerki.blogspot.com/2026/03/der-lobtauer-bierstreik-von-189091.html
Freitag, 6. März 2026
Taubes und Carl Schmitt
Einführungsseminar zu Carl Schmidt Nägele Gegenuni
" [..] Mit Carl Schmitt traf er sich in der apokalyptischen Überzeugung, das eschatologische Ende der Geschichte eröffne die Möglichkeit einer neuen politischen Praxis. Israel steht für ihn als „Ort der Revolution“, als „unruhiges Element in der Weltgeschichte“, das erst eigentlich einen Geschichtsbegriff erschaffen habe. Wie Nietzsche und Max Weber betont er die weltgeschichtliche Bedeutung Israels als „axiologischen“ Anfang der abendländischen Eschatologie. Gegen Carl Schmitt will Taubes die Perspektive einer Erlösung von der Gebundenheit an diese Welt aufrechterhalten; ohne die notwendige Unterscheidung zwischen weltlich und geistlich sei der Mensch Herrschern und Gewalten ausgeliefert, die in einem „monistischen Kosmos kein Jenseits mehr kennen würden“.[9] Den „Kern des Judentums“ habe Taubes nach dem Holocaust in einem „mit Hilfe von Paulus spiritualisierten Judentum“ gefunden, während etwa Scholem diesen in der Kabbala gefunden habe. „Taubes rekonstruierte das Judentum nicht aus den Quellen der jüdischen Mystik, sondern aus denen der jüdisch-urchristlichen Apokalyptik, die den explosiven Gehalt der Gnosis aufnahm.“[10"(Jacob Taubes)
Seine Schrift: Ad Carl Schmitt. Gegenstrebige Fügung. Merve Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-88396-054-3 online (englische Ausgabe: To Carl Schmitt, Letters and Reflections, Columbia University Press 2013[12])
Lob der Wikipedia-Mitarbeiterschaft
Zum 25-jährigen Jubiläum der Wikipedia wurde manches Positive über die Wikipedia gesagt. Bei Gelegenheit werde ich eine KI dazu auffordern, das zusammenzustellen.
Heute drängt es mich, nach über 20 Jahren Wikipediaarbeit, bei der ich durchaus manche unerfreuliche Erfahrungen gemacht habe, der Wikipediamitarbeiterschaft dafür zu danken, dass sie diese wichtige Einrichtung, obwohl es immer schwieriger wird, dort mitzuarbeiten, weiterhin voranbringt (voranbringen) und inzwischen in über 200 Sprachsektionen.
Insbesondere bin ich glücklich, dass Wikipedianerinnen in diese Gemeinschaft einen so empathischen Ton hineingebracht haben, dass das Erzübel des rauen Tons von beglückenden Edelsteinen unterbrochen wird.
Damit man mir abnimmt, dass ich weiß, wovon ich spreche, möchte ich elian (eine Wikipediapionierin) und 1falt (eine Meisterin der Empathie seit 2018) nennen.
Danke!
Mittwoch, 4. März 2026
US-Kriegsministerium besteht auf Verwendung von KI für staatliche Überwachung und autonome Waffen
"Anthropic-Chef Dario Amodei erklärte, Künstliche Intelligenz mache es möglich, verstreute Daten einzelner Menschen in großem Stil automatisiert zu einem ausführlichen Bild ihres Lebens zusammenzusetzen. Zugleich sei KI noch nicht verlässlich genug, um in vollständig autonomen Waffen eingesetzt zu werden. „Wir werden nicht wissentlich ein Produkt liefern, das Amerikas Krieger und Zivilisten in Gefahr bringt“. "
"Im Februar 2026 stufte die US-Regierung Anthropic als Sicherheitsrisiko für die Lieferkette ein und untersagte allen Bundesbehörden mit sofortiger Wirkung die Nutzung von Anthropic-Technologie. Kriegsminister Pete Hegseth ordnete an, dass Auftragnehmer des US-Militärs keine Geschäfte mehr mit Anthropic machen dürfen. Für das Ministerium gilt eine sechsmonatige Frist, um zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Anthropic besteht darauf, dass Künstliche Intelligenz der Firma nicht für Massenüberwachung in den USA sowie nicht in komplett autonomen Waffen eingesetzt wird."
"Der mit Anthropic konkurrierende ChatGPT-Entwickler OpenAI schloss unterdessen eine Vereinbarung mit dem US-Militär über den Einsatz seiner KI-Modelle in klassifizierten Cloud-Netzwerken.[46][47]"
"„Arroganz und Verrat“: Trump bestraft KI-Konzern Anthropic mit hartem Bann [...]
Die Weigerung seines Unternehmens begründete Anthropic-CEO Amodei mit zwei roten Linien, die nicht überschritten werden dürften. Die erste lautet: KI soll keine autonomen Waffen steuern, bei denen Maschinen selbstständig töten. Und die zweite: KI soll nicht zur Massenüberwachung von US-Bürger:innen eingesetzt werden." FR 3./4.3.26