Sonntag, 29. März 2026

Wetter (Hessen)

 Wetter wird das erste Mal im Codex Eberhardi (1150–1160) urkundlich genannt. Es wird ein   karolingischer   Königshof inmitten eines ausgedehnten Bezirks an Reichsgut vermutet. Er dürfte mit dem   fränkischen   Kastell auf dem nahe gelegenen Christenberg in Verbindung gestanden haben. Der Hof lag an einem Flussübergang der nord-südlich verlaufenden sogenannten Weinstraße (Wagenstraße), einer überregionalen Verbindung aus dem Frankfurter Raum in das Sachsenland (Paderborn). Eine Besiedlung des Klosterberges konnte durch archäologische Grabungen bis in das 8. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Ab dem 11. Jahrhundert ist auch die Nutztierhaltung nachweisbar, was durch hunderte Tierknochen belegt ist.

Der Marktflecken Wetter selbst wird 1223 als „civitas“ bezeichnet und ist damit eine der frühesten Städte in Hessen. Bereits 1235 finden fünf Bürger und Schöppen Erwähnung, womit ein Stadtgericht belegt ist. Mit der Schließung des Amtsgerichts Wetter 1945 endete die Tradition der Rechtsprechung in Wetter.

Das Stift Wetter entstand wohl im beginnenden 11. Jahrhundert; eine Verbindung zum ottonischen Königshaus wird vermutet. Es wurde im Jahr 1108 erstmals erwähnt. Das Stift diente später neben der Aufnahme von weiblichen Adeligen auch als Bildungsanstalt. 1266 war ein „Magister Konrad“, 1323 ein Rektor Heinrich an der Schule des Stifts tätig.

Die Entwicklung der Stadt, die später Sitz eines Amtes wurde, wurde durch die Tätigkeit von Elisabeth von Thüringen in Marburg und die spätere Wallfahrt zum Grab der Heiligen gebremst. Nachdem Marburg zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte in Deutschland geworden war und im 16. Jahrhundert die Philipps-Universität Marburg gegründet wurde, rutschte Wetter in die Bedeutungslosigkeit ab. Auch mehrere Stadtbrände (u. a. 1622, 1626, 1629 und 1649), die nur wenige Bauwerke, darunter die Stiftskirche, überstanden, warfen die Stadt in ihrer Entwicklung immer wieder zurück.

Demokratie Design?

 

"[...] Das Kumulieren und Panaschieren ist an sich ein wertvolles Instrument für mehr Mitbestimmung, in der Praxis gerät es jedoch zur logistischen Herausforderung. Mit einer Breite von fast 1,5 Metern und mehr als 1.100 Namen glich der Stimmzettel zur Frankfurter Stadtverordnetenversammlung eher einer „Wahltapete“ als einem übersichtlichen Dokument.

Passend dazu ist die Region Frankfurt/Rhein-Main in diesem Jahr „World Design Capital“. In Anbetracht dieser Papierberge stellt sich mir die Frage: Braucht unsere Demokratie ein Design-Update? Dass dahinter weit mehr steckt als bloße Praktikabilität, erläutert der Politikwissenschaftler Christian Stecker in unserer Veranstaltungsaufzeichnung „Ausgezählt!“ – eine profunde Analyse, die auch demokratietheoretische Argumente in den Fokus rückt.

Doch wie genau befruchten sich Demokratie und Design? Dieser Frage widmen wir uns ab dem 17. April in unseren „Denkräumen“. Unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten der Jungen Akademie laden Sie herzlich ein, gemeinsam über neue Impulse für unsere Gesellschaft nachzudenken. Details zum ersten Termin finden Sie direkt unter diesem Intro. [...]

17 April

Freitag, 18.00–20.30 Uhr
 
Weißfrauen Diakoniekirche, Frankfurt

Design Demokratie

Platz und Raum für Gemeinschaft

Demokratie muss gestaltet werden: auf Plätzen, in Parks, am Familien-Esstisch. Was braucht es räumlich, damit das gut gelingen kann? Darüber spricht die Junge Akademie mit Peter Cachola Schmal vom Deutschen Architekturmuseum und mit Lutz Dietzold vom Rat für Formgebung.
https://www.evangelische-akademie.de/kalender/design-demokratie/63880/?utm_source=newsletter&utm_medium=email

https://jeanpol.wordpress.com/2026/03/29/titelder-stillstand-ist-hausgemacht-und-wird-falsch-bekampft/

Mittwoch, 25. März 2026

Verstehen Sie Spaß?

 Wenn ich gefragt werde, ob mir etwas Spaß gemacht hat, verstehe ich unter Spaß eine kleine bescheidene Freude.

Ein britischer Soziologe - in der ZEIT angeführt hat eine umfassende Abhandlung über das, was Briten fun nennen, geschrieben

Und daraus habe ich gelernt, dass ich keinen Spaß verstehe: Regelverstoß um seiner selbst willen, andere Leute ärgern, sie reinlegen, so dass sie gute Miene zum bösen Spiel machen müssen, wenn sie nicht als Spielverderber gelten wollen, all die vielfältigen Vorstufen von Mobbing, wo eine Gruppe sich gegen einen einzelnen stellt, um sich über ihn zu erheben, wenn er sich ärgert, macht mir keinen Spaß.

Etwas ausprobieren, ohne sich beweisen zu müssen, macht Spaß.

Spaß, den man verstehen muss, verstehe ich meist gar nicht. Gute Miene zum bösen Spiel zu machen, ist eine Frage der Stimmung. Mal gelingt es, mal nicht. Mit einem Scherz hereingelegt zu werden, kann mir, wenn er einfallsreich ist, schon gefallen; aber ich will nicht jeden Scherz für einfallsreich halten müssen. 

Blödsinn und "höherer Blödsinn" kann Spaß machen und manches Beispiel hat man lange im Sinn.

Nicht nur: "Dunkel war's, der Mond schien helle, als ein Wagen blitzeschnelle, langsam um die Ecke fuhr..."

Dienstag, 24. März 2026

Wussten sie schon? Komi?

 Die Republik Komi liegt im äußersten Nordosten Europas, einer dünnbesiedelten Taiga- und Tundra-Region. Die Landschaft ist vorwiegend flach, im Nordwesten liegt der Timanrücken, im Osten grenzt sie an das Uralgebirge. Die wichtigsten Flüsse sind die Petschora sowie die Wytschegda, ein Nebenfluss der Nördlichen Dwina. Die Urwälder von Komi sind das größte zusammenhängende Urwaldgebiet Europas und seit 1995 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Manpupunjor-Felsen zählen zu den Sieben Wundern Russlands.

Donnerstag, 19. März 2026

Transidentität - ein guter Austausch auf gutefrage.net

 https://www.gutefrage.net/frage/mein-partner-hat-sich-als-trans-geouted-aber-ich-bin-hetero-was-soll-ich-tun Partner mtw  Partnerin

Wortzusammensetzungen: Was kommt in die Fuge zwischen zwei Wörtern?

 Beispiel:

Warum heißt es eigentlich Gruppenmitglieder, wenn es doch nur um eine Gruppe geht?

"Kurzfassung: Dieses -‍en- war ursprünglich einmal eine Genitivendung (obwohl Gruppe niemals einen derartigen Genitiv hatte), aber heute wird sie genauso wie -‍es- wahl­los in solche Komposita eingestreut, um die Wortfuge (=dort, wo die beiden Wörter zu­sam­menstoßen) zu kennzeichnen. Man nennt es deshalb auch „Fugenzeichen“.

Die Langfassung ist, wie zu erwarten, deutlich länger als ein Absatz.

Wörter wie Gruppenmitglied, Ankunftszeit, Eselsmilch, Fensterrahmen, Betriebsleiter, Katzenklo, … sind sogenannte Determinativkomposita: Sie bestehen als zwei Teilen X und Y, die für sich alleine eine Bedeutung tragen. Ein XY bezeichnet diejenigen Y, die irgendwie zu X gehören, oder die Eigenschaften von X haben. Die Ankunftszeit ist also die Zeit der Ankunft, und das Katzenklo gehört der Katze bzw. ist für sie. In der Gram­matik nennt man sie auch oft Tatpuruṣa (das Wort stammt aus dem Saṁskr̥t, weil die altindischen Grammatiker schon seit mehr als 2000 Jahren diese Strukturen syste­matisch beschreiben).

Oft ist die Beziehung zwischen den Teilen X und Y die eines Genitivs: das Mitglied der Gruppe, die Milch des Esels, der Leiter des Betriebs etc. Deshalb wurden solche Zu­sam­mensetzungen oft so gebildet, daß das Vorderglied im Gen. Sg. steht.

Im Deutschen kann der Gen Sg auf zwei Arten gebildet werden: Mit -‍(e)s (stark) wie z.B. des Esels, Betriebes oder mit -‍(e)n (schwach) wie z.B. des Grafen, des Jungen, und weibliche Wörter haben gar kein Genitivkennzeichen. Allerdings hat sich das im Lauf der Sprachgeschichte oft hin- und herverschoben, wir sagen z.B. heute des Hahnes, aber im Mittelalter sagte man noch des Hahnen (obwohl man es nicht so schrieb).

Deshalb kam zu zu einem Chaos beim Bilden dieser Zusammensetzungen; beispiels­weise sprechen wir heute vom Hahnenschrei oder dem Schwanengesang, obwohl die beiden Vögel heute ihren Genitiv mit -es bilden. Der ehemalige Genitiv ist also nicht mehr zu erkennen.

Dazu kommt, daß das Deutsche in den letzten zweihundert Jahren eine ausgeprägt Liebe zur Bildung solcher Zusammensetzungen entwickelt hat und in jedem Jahr­zehnt unzählige neue dazukommen. Die Sprecher wollen sich dabei an bereits vor­han­denen Mustern in der Sprache orientieren, können das aber nicht, weil bereits der rela­tiv kleine Bestand an alten, aus dem Mittelalter kommenden Zusammensetzungen inkonsistent war (so wie Hahnenschrei, Schwanenhals). Die neu dazugekommen hal­ten sich gleich an gar keine Regel, so daß man kein Muster hat, wie man neue derar­tige Bildungen formen soll: Mit -‍(e)s-, mit -‍(e)n- oder ohne jedes Kennzeichen.

Daher gibt es heute keine Regel, welche Zusammensetzung mit welchem Infix gebil­det werden sollen. Die Faustregeln orientieren sich am Geschlecht und an der Genitiv­form des Vorderglieds und an der Aussprechbarkeit der Konsonantenverbindungen, aber sie stehen oft in Konflikt zueinander, und im Endeffekt macht jedes dieser Kom­posita, was es eben machen will."

Antwort eines Experten auf gutefrage.netindiachinacook Community-Experte