Sonntag, 5. April 2026

Was hilft gegen zunehmende Unordnung?

 Wir leben in einer zentrifugalen Welt: Fragmentierung, Informationsflut und Beschleunigung treiben Systeme auseinander. Gewissheiten lösen sich auf, Kohärenz wird zur knappen Ressource. Die zentrale Frage lautet daher:

Wo finden wir Orientierung, ohne in starre Systeme zurückzufallen?


Ein Modell, das Spannung integriert


Es ist nicht einfach zentripetal im Sinne von Stabilisierung. Vielmehr integriert es bewusst die Spannung zwischen gegensätzlichen Kräften:

  • Integration und Differenzierung
  • Ordnung und Chaos
  • Top-down und Bottom-up
  • zentripetale und zentrifugale Dynamiken

Exploration, Offenheit und Veränderung sind keine Störungen – sie sind notwendige Bestandteile.


Der entscheidende Perspektivwechsel

Gerade deshalb entfaltet das Modell seine besondere Wirkung: In einer zentrifugal driftenden Welt wirkt es als zentripetaler Attraktor. Ein Attraktor ist kein fixer Mittelpunkt, sondern ein Zustand, auf den sich Systeme hin ausrichten. Er bietet Orientierung, ohne Bewegung zu verhindern.


Warum das Modell als Attraktor wirkt

Das Modell von Jean-Pol Martin erzeugt ein solches Gravitationsfeld, weil es:

  • Lebenserhaltung als übergeordneten Referenzrahmen setzt
  • sechs grundlegende Bedürfnisse integriert
  • Denken als zentrale Steuerinstanz versteht
  • Konzeptualisierung zur Schlüsselkompetenz macht
  • Kohärenz als Zielgröße definiert

Dadurch entsteht ein stabiler Bezugspunkt inmitten von Komplexität.


Stabilität ohne Erstarrung

Das Entscheidende ist das Paradox: Das Modell stabilisiert, ohne zu erstarren. Zentrifugale Kräfte werden nicht unterdrückt, sondern produktiv gemacht:

  • Exploration erweitert die kognitive Landkarte
  • Konzeptualisierung integriert neue Erfahrungen
  • daraus entsteht ein dynamischer Regelkreis

Bewegung und Ordnung greifen ineinander.


Bedeutung für Individuum und Gesellschaft

Diese Struktur hat weitreichende Konsequenzen:

  • Individuell: Orientierung, Sinn und Handlungskontrolle
  • Pädagogisch: aktives, partizipatives Lernen (LdL)
  • Gesellschaftlich: Kohärenz ohne Verlust von Vielfalt
  • Politisch: Partizipation statt bloßer Steuerung

Das Modell ermöglicht Stabilität unter Bedingungen permanenter Veränderung.


Ein beweglicher Orientierungskern

Vielleicht liegt genau hier seine eigentliche Stärke: Es bietet keinen festen Halt, sondern einen tragfähigen Orientierungskern inmitten von Bewegung. In einer Welt, die zunehmend auseinanderdriftet, könnte genau das entscheidend sein.

Samstag, 4. April 2026

Ein Beispiel für das, was sich Habermas ...

unter einem herrschaftsfreien Diskurs nicht vorgestellt hat.

 @luserl

restriktive Migration ist die dna rechter Politik ,schukldenbremse aufzulösen und Milliarden Neuverschuldung ist schon eher links . die Wissenschaft gibt es nicht und Deutschland hat nur 2% Einfluss . gibt keine einzige rechte Partei ,die verbrennerverbot und co2 Steuer fordert


@Der33333

Uff alter. Ehrlich, mein Beileid.

Wie darf man sich das vorstellen, wirfst du einen Apfel auf den Boden und schreist dann "it's magic"?

gutefrage.net 3.4.2026



Freitag, 3. April 2026

Klagen von Kameruner Bauern

 Man hat uns gesagt: „Geht in die Landwirtschaft ! Die Erde lügt nie. 

Wir haben ihnen geglaubt. Wir haben den Komfort des Traums verlassen, um in das Leiden der Realität einzutreten. Wir haben die Machete, die Hacke, die Daba genommen. wir haben der Sonne getrotzt, dem Regen, dem Schlamm, den Insekten, der Müdigkeit, den schlaflosen Nächten und den Tagen, die den Rücken brechen. Wir haben mit Glauben gesät, wir haben mit Mut gearbeitet. Wir haben mit Geduld gewartet. Und als die Ernte endlich aus der Erde kam, dachten wir, endlich die Frucht unseres Opfers in den Händen zu halten.

Doch genau hier beginnt der wahre Verrat. Beim Verkauf zählen unsere Anstrengungen nicht mehr. Unsere Ausgaben sprechen nicht mehr. Unsere Schmerzen haben keinen Preis mehr. Nein. Sie sind es, die bestimmen. Sie sind es, die entscheiden. Sie sind es, die uns niederdrücken. Sie sind es, die Monate des Schweißes betrachten, als wäre es eine seelenlose Ware. Sie setzen beleidigende Preise fest, die weder unsere Kosten respektieren, noch den Transport, noch das Saatgut, noch die Betriebsmittel, noch die Arbeitskraft, noch die verlorene Zeit, noch die Schulden, die wir aufgenommen haben, um zu produzieren. Mit anderen Worten: man, verlangt von uns, wie Sklaven zu arbeiten und wie Bettler zu verkaufen. Das ist die Wahrheit.

Man drängt uns mit schönen Worten zur Erde, aber in dem Moment, in dem wir von ihr leben sollen, würgt man uns. Man bestiehlt uns auf legale Weise. Man verarmt uns systematisch, bis man uns glauben lässt, wir seien gescheitert, obwohl es ein ganzes System ist, das darauf aufgebaut ist, uns auf den Knien zu halten. Das Land ernährt sich dank der Bauern, doch die Bauern selbst leben im Leid. Die Märkte sind voll unserer Produkte, doch unsere Häuser sind ohne Frieden. Unsere Felder produzieren Nahrung, doch für uns wird daraus Armut. 

Was für ein Skandal! Was für eine Schande! Was für eine Grausamkeit! Die Erde lügt nicht. Die Erde gibt entsprechend der Anstrengung. Es sind die Menschen, die lügen. Es sind die Vertriebssysteme, die lügen. Es sind die ausbeuterischen Käufer, die lügen. Es sind die politischen Reden ohne Lösungen, die lügen. Denn wozu produzieren, wenn der Produzent arm stirbt? Wozu ernten, wenn der Verkauf zur Demütigung wird? Wozu die Jugend zur Landwirtschaft ermutigen, wenn dahinter alles organisiert ist, um sie zu entmutigen, auszubeuten und anzuwidern? Die Jugend hat keine Angst vor der Arbeit. Sie hat Angst vor der Ungerechtigkeit. Sie hat keine Angst, sich die Hände schmutzig zu machen. Sie hat Angst, sich umsonst zu opfern. Sie hat keine Angst vor der Erde. Sie hat Angst vor den Geiern, die am Ende auf die Ernte warten, um den Schweiß der Armen zum Preis der Verachtung zu kaufen. Man muss die Dinge klar sagen: dieses Land tötet den Mut seiner Jugend, wenn es die Produzenten ohne Schutz lässt, ohne faire Preise, ohne organisierte Märkte, ohne lokale Verarbeitung, ohne Respekt für ihren Schweiß.  

Und doch: Ohne uns gibt es keine Nahrung. Ohne uns gibt es keinen Markt. Ohne uns gibt es kein Leben. Also haben wir genug von den Lügen, genug von den leeren Worten, genug von den nutzlosen Ratschlägen aus den Büros an diejenigen, die auf den Feldern leiden. Wir verlangen kein Mitleid, wir verlangen Gerechtigkeit. Wir verlangen keinen Applaus, wir verlangen endlich würdige Preise. Wir wollen nicht mehr als Opfer gesehen werden. Wir wollen, dass  endlich der Wert unserer Arbeit respektiert wird.

William CHANTCHO, Douala -KAMERUN

Mittwoch, 1. April 2026

Ulrike Hermann : „Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet“

 

Gemini hat gesagt

„Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet“ ist das im März 2026 erschienene Sachbuch der Wirtschaftsjournalistin und Bestsellerautorin Ulrike Herrmann (taz).

Nach ihrem Erfolg mit „Das Ende des Kapitalismus“ (2022) widmet sie sich hier der Geopolitik und analysiert, warum ökonomische Faktoren oft das entscheidende Zünglein an der Waage zwischen diplomatischem Dialog und militärischer Aggression sind.


Kernargumente und Thesen

Herrmann bricht mit der rein historisch-politischen Analyse von Konflikten und stellt die Ökonomie als zentrales Machtinstrument ins Zentrum:

  • Waffen kosten Geld: Der banalste, aber oft unterschätzte Punkt ist die Finanzierbarkeit. Geld ist die „Waffe aller Waffen“. Herrmann zeigt auf, wie Kriege nicht nur durch Soldaten, sondern durch die Fähigkeit, eine Kriegswirtschaft aufrechtzuerhalten, entschieden werden.

  • Russlands Schicksal: Sie analysiert, dass Putin durch den Ukraine-Krieg sein Reich ökonomisch ruiniert. Allerdings warnt sie vor der Hoffnung auf ein schnelles Ende durch Sanktionen: Je ärmer Russland wird, desto aggressiver könnte der Kreml agieren, um intern die Macht zu sichern.

  • China und die Flucht nach vorne: Herrmann zieht Parallelen zu China. Da die chinesische Wirtschaft trotz hoher Investitionen an Effizienz verliert, sieht sie die Gefahr, dass Xi Jinping einen Angriff auf Taiwan als Ablenkungsmanöver für innenpolitische ökonomische Krisen nutzen könnte.

  • Das Ende von „Wandel durch Handel“: Das Buch ist auch eine Abrechnung mit der europäischen (besonders deutschen) Überzeugung, man könne Frieden durch wirtschaftliche Verflechtung (wie billiges russisches Gas) dauerhaft garantieren.

Die Rolle Europas

Ein überraschend optimistischer Punkt in Herrmanns Analyse ist die Wirkung des äußeren Drucks auf die EU:

  • Integration durch Bedrohung: Während Putin die Spaltung Europas beabsichtigte, argumentiert Herrmann, dass die ökonomische und militärische Notwendigkeit zur Aufrüstung die europäische Integration faktisch vertiefen wird.

  • Finanzielle Geschlossenheit: Sie betont, dass Europa im Ernstfall seine „finanziellen Waffen“ (wie den Ausschluss aus dem globalen Finanzsystem) noch entschlossener einsetzen muss, auch wenn dies den eigenen Wohlstand belastet.


Stil und Einordnung

Das Buch wird als typisch „Herrmann“ beschrieben: klar, schnörkellos und faktenbasiert. Sie vermeidet moralisierende Appelle und konzentriert sich stattdessen auf die harte Logik von Bilanzen, Rohstoffströmen und Währungspolitik.

Hintergrund: Ulrike Herrmann ist seit 2000 Wirtschaftsredakteurin bei der taz und bekannt für ihre pointierte Kapitalismuskritik. In „Geld als Waffe“ weitet sie ihre Perspektive auf die globale Sicherheitspolitik aus und stellt fest, dass Frieden im 21. Jahrhundert vor allem eine Frage der ökonomischen Stabilität ist.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 21.03.2026

Ein wenig einseitig und auch arg optimistisch ist das Buch, das Ulrike Herrmann über Ökonomie und Krieg geschrieben hat, findet Rezensent Martin Hubert. Herrmann konzentriert sich ganz auf aktuelle Konfliktfelder und fragt sich vor allem, wie Europa bestehen kann, wenn China und Russland neue Kriege beginnen beziehungsweise aktuelle Kriege ausweiten. Herrmann argumentiere, dass Russland sich ein Ende des Krieges momentan gar nicht leisten kann, weil die Wirtschaft längst auf Kriegswirtschaft umgestellt ist, während China möglicherweise Taiwan angreifen wird, um von internen wirtschaftlichen Problemen abzulenken. Allerdings würden Herrmann zufolge sowohl China als auch Russland in puncto militärische Möglichkeiten eher überschätzt; während es Europa durchaus gelingen könne, die gleichwohl hohen Kosten der nötigen Aufrüstung zu stemmen. Am Ende könnte die europäische Kriegswirtschaft gar die europäische Einigung voranbringen, resümiert der Kritiker. Allzu rosig ist das Bild, das Herrmann hier malt, glaubt Hubert, der unter anderem anmerkt, dass die Autorin die sozialen Kosten der Aufrüstung ausblendet. Insofern, so das skeptische Fazit, ist das eher ein Buch für Leute, die eh schon Aufrüstung befürworten - die Gegenseite findet hier keinen Anlass zum Umdenken. (https://www.perlentaucher.de/buch/ulrike-herrmann/geld-als-waffe.html)

Sieh auch:Pazifismus

Pazifismus

 https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/pazifismus-2026/#content-index

Migration

 https://unterrichten.zum.de/wiki/Migration#Weblinks

Energiepolitik

 https://www.bpb.de/themen/wirtschaft/energiepolitik/576527/globale-energiebeziehungen/