Sonntag, 2. August 2026

Wenn heute Ihr letzter Tag wäre ...

 "Stellen Sie sich vor, heute ist Ihr letzter Tag. Nein, niemand hat Ihnen das vorher gesagt. Und jetzt ist es auch zu spät, den lange geplanten Jahrhundertroman anzufangen oder sich noch flott einen Flug in die Karibik zu buchen. Sie sind zu Hause und haben noch knappe 18 Stunden Zeit. Was machen Sie? [...]  Zerkratzen nochmal das Auto ihrer verhassten Nachbarn und zertrampeln deren Rosen? Oder versöhnen Sie sich auf den letzten Metern lieber mit allen, mit denen noch was querliegt? Was haben Sie sich Ihr Leben lang verkniffen und würden sich heute dafür gerne mal gönnen? Noch flott den Lieblingsfilm gucken, ins Theater oder in die Oper? Welche Gerüche, Geschmäcker und Gefühle wollen Sie nochmal erleben? Den Strand, die Berge, das Meer? Mit wem wollen Sie diesen Tag verbringen, wen sprechen, wen umarmen? [...]

Bleiben Sie nüchtern? Oder lassen Sie’s richtig krachen und ballern sich die Sinne weg? Verschenken Sie Ihr Hab und Gut? [...] Spenden Sie für Amnesty oder für den Obdachlosen in der Bahn? Sind Sie gereizt, wenn irgendwas nicht klappt? Sie gar zwei kostbare Lebensstunden lang im Stau stehen? Oder bleiben Sie ungewohnt entspannt? Vielleicht gibt’s ja noch ein Fußballspiel. Ein normalerweise unbezahlbares Konzert. Oder gar einen Bungeesprung? Schnell noch heiraten, wenigstens symbolisch? Und wie steht’s um letzte Worte? Wollen Sie noch was aufschreiben, für die Nachwelt hinterlegen? Haben Sie gar Handlungsanweisungen für die Hinterbliebenen parat? Wollen Sie heute jemand ganz anderes sein – und wer eigentlich? [...]

Und jetzt: Machen Sie all das. Jawohl, auch wenn es Sie gerade ängstigt. Naja, am besten vielleicht doch nur den legalen Part. Und das, was finanziell halbwegs verkraftbar scheint. Vielleicht tun Sie auch nichts davon. Aber bitte freuen Sie sich wenigstens für ein Momentchen wie verrückt, dass Sie das alles auch noch übermorgen und überübermorgen tun könnten." Frankfurter Rundschau, Post Mortem: Was, wenn heute Ihr letzter Tag wäre?, 31.7.2026

Samstag, 1. August 2026

Propheten und Wahrheiten

„Da es schwierig ist, echte Propheten von falschen zu unterscheiden, ist es das beste, allen Propheten zu mißtrauen, es ist besser, auf offenbarte Wahrheiten zu verzichten, auch wenn sie uns wegen ihrer Schlichtheit und ihres strahlenden Glanzes begeistern, auch wenn sie uns bequem erscheinen, weil sie gratis zu haben sind. Es ist besser, sich mit anderen, bescheideneren und weniger beschwingenden Wahrheiten zu begnügen, jenen, die man mühsam erwirbt, allmählich und nicht auf Abkürzungswegen, durch Studium, Diskussion und Überlegung, Wahrheiten, die sich überprüfen und nachweisen lassen.“ (Primo Levi)

Dienstag, 28. Juli 2026

Precht und Zeh über Intellektuelle

 https://www.youtube.com/watch?v=ETaG8e_6R1M

Handlungsfähigkeit einer Gemeinschaft in Notsituationen

 https://jeanpol.wordpress.com/2026/07/28/die-neuen-menschenrechte-auf-einem-verlorenen-schiff/

Was ist zu beachten?

Information:
Alle Menschen auf dem Schiff müssen Zugang zu den wichtigen Informationen erhalten. Wie viel Wasser und Nahrung ist vorhanden? Welche Schäden gibt es? Was ist über Wetter, Strömung und Navigation bekannt? Unterschiedliche Beobachtungen und Lösungsvorschläge müssen gesammelt und ausgewertet werden.

Gesundheit:
Trinkwasser, Nahrung, Hygiene und medizinische Versorgung müssen organisiert werden. Niemand darf lebensnotwendige Vorräte horten. Kranke und verletzte Menschen müssen versorgt werden.

Sicherheit:
Gewalt und willkürliche Machtausübung gefährden die Gemeinschaft. Deshalb braucht es Regeln für Konflikte, Wachen und Notfälle. In akuten Gefahrensituationen müssen Entscheidungen schnell getroffen werden können.

Soziale Einbindung:
Niemand darf aus der Gruppe ausgeschlossen werden. Alle erhalten, soweit möglich, eine Aufgabe: bei der Navigation, der Reinigung, der Betreuung anderer Personen, der Reparatur des Schiffes oder der Verteilung der Vorräte. Auch schwächere Mitglieder bleiben Teil der Gemeinschaft.

Selbstverwirklichung und Partizipation:
Die Menschen sollen ihre Fähigkeiten einbringen und Verantwortung übernehmen können. Fachwissen muss berücksichtigt werden. Eine Ärztin verfügt bei medizinischen Fragen über besondere Kompetenz, ein erfahrener Seemann bei der Navigation. Kompetenz darf jedoch nicht automatisch zu dauerhafter Herrschaft führen.

Sinn:
Die Gemeinschaft braucht ein gemeinsames Ziel: das Überleben und die Rettung aller. Hoffnung, Gespräche, gemeinsame Rituale und das Bewusstsein, einen sinnvollen Beitrag zu leisten, stärken den Zusammenhalt.

Regeln müssen begründet werden

Aus den Grundbedürfnissen entstehen konkrete Regeln. Das Wasser wird kontrolliert und gerecht verteilt. Informationen über die Vorräte werden offengelegt. Aufgaben werden nach Fähigkeiten vergeben. Konflikte werden nicht durch Gewalt entschieden. Entscheidend ist jedoch: Die Regeln gelten nicht um ihrer selbst willen. Sie müssen sich daran messen lassen, ob sie der Lebenserhaltung und der Befriedigung der Grundbedürfnisse dienen. Das zeigt sich besonders bei der Frage nach der Entscheidungsgewalt. Während eines Sturms kann es notwendig sein, die Leitung vorübergehend einer erfahrenen Person zu übertragen. In diesem Moment steht das Bedürfnis nach Sicherheit im Vordergrund. Eine solche Zentralisierung ist jedoch nur legitim, solange die Gefahr besteht. Nach dem Sturm muss die Macht wieder an die Gemeinschaft zurückgegeben werden. Sonst würde aus einer funktionalen Notfallmaßnahme dauerhafte Herrschaft. Das Beispiel macht damit eine zentrale Spannung sichtbar: Demokratie bedeutet nicht, jederzeit alles durch Abstimmung zu entscheiden. Sie verlangt vielmehr, Wissen transparent zu machen, Kompetenzen sinnvoll zu nutzen, Macht zu begrenzen und Beteiligung zu ermöglichen.

Sonntag, 26. Juli 2026

Verkaufstrichter

Verkaufstrichter nennt man ein Verfahren, bei dem dem Angesprochenen am Schluss keine Wahl mehr bleibt, als dem Angebot zuzustimmen.

Das  Verfahren läuft so: Zunächst wird Aufmerksamkeit erzeugt, dann Interesse geweckt und schrittweise eine Bindung aufgebaut. Erst am Ende erscheint das eigentliche Produkt.

Dienstag, 21. Juli 2026

Aktuelle Rüstungsentwicklungen

 Im Prinzip interessiert mich an Rüstungsentwicklungen nur die Fehlleitung von Ressourcen, weil es dabei stets um Vernichtung von Kapital geht, das für produktive Zwecke wie die Herstellung von erneuerbarer Energie oder Lebensmittel geht. Aber die Sicht auf Krieg und die Erfahrung des Krieges durch die Akteure hat sich durch den Einsatz von Drohnen sich so verändert, dass das unbedingt auch mitverfolgt werden sollte.

Veränderung der Erlebniswelt des Krieges

Sie nennen es "Kriegsporno"


Ein Detail zu militärischen Drohnen, dem ich soeben begegnet bin, halte ich fest, damit ich mich evtl. daran erinnern kann:

https://defence-network.com/neue-fpv-drohnen-stimmen-israel-nachdenklich/ (15.10.25)

FPV-Drohnen – Einsatz von Mutterschiffen

"Laut israelischen Experten werden einige russische FPV-Drohnen von großen „Mutterschiffen“ wie Drohnen vom Typ Molniya aus eingesetzt. Die russische Molniya-Kamikaze-Drohne („Blitz“ auf Russisch) wurde zu einem Drohnenträger umgebaut, der FPV-UAVs transportieren kann. Dadurch wird ihre Reichweite erheblich vergrößert – manchmal bis zu 30-40 Kilometer von der Frontlinie entfernt.

Diese Methoden ermöglichen es russischen Operatoren, Ziele zu erreichen, die weit hinter denen von Standard-FPV-Drohnen liegen, darunter ukrainische Versorgungslinien in umkämpften Gebieten. Fortschrittliche Varianten wie die V2U verfügen über modulare Nutzlasten, wodurch sie für Anti-Fahrzeug- oder Anti-Personen-Einsätze angepasst werden können.

Diese Innovationen bedeuten, dass russische Angriffe immer schwieriger abzuwehren sind, insbesondere da der Umfang und die Automatisierung der russischen Drohnenoperationen zunehmen.

Profitiert der Iran?

Elektronik und Kernkomponenten werden oft aus China importiert, aber Russland scheint die heimische Innovation und Anpassung zu beschleunigen, um die ukrainischen Gegenmaßnahmen zu überwinden. In den ersten Phasen des Krieges in der Ukraine hat der Iran Russland mit einer großen Anzahl von Drohnen beliefert. Später wurde in Russland eine Montageanlage für iranische Drohnen gebaut, die jedoch sehr schnell mit der Herstellung moderner Drohnen begann."