Sonntag, 12. Juli 2026

Über den Zusammenhang von Straftaten und Nationalität

 Das Problem ist nicht ein Zusammenhang zwischen Nationalität und Kriminalität, das Problem sind die absolut verkürzten Interpretationen, die insbesondere im rechten Lager auftreten. Da wird das völlig unterkomplex behandelt, denn es gibt ganz viele Faktoren, die man bei Kriminalität beachten muss. Ich nenne hier mal einige:

Die polizeiliche Kriminalstatistik ist KEINE Statistik, die darüber Auskunft gibt, welche Personengruppen wie stark straffällig werden. Die Statistik behandelt erfasste Straftaten. Dabei spielt schon eine erhebliche Rolle, dass migrantisch gelesene Menschen von der Polizei massiv häufiger kontrolliert werden. Sagt die Statistik also beispielsweise aus, dass Migranten häufiger Drogen verkaufen? Nein. Sie sagt, dass diese Straftat bei Migranten häufiger erfasst wird. Ich möchte keinesfalls anekdotische Evidenz bemühen, aber das Phänomen, welches mir in meinem eigenen Leben schon oft aufgefallen ist, lässt sich auch wissenschaftlich belegen: ich, als weißer, "einheimisch" gelesener Mensch werde wann immer es Kontrollen gibt weitaus weniger streng kontrolliert als migrantisch gelesene Menschen und in meinem ganzen bisherigen Leben wurde ich nicht ein einziges Mal von der Polizei ohne Grund kontrolliert. Freunde, die einen Migrationshintergrund haben, können ganze Lieder davon singen, wie häufig sie schon grundlos (bzw. ohne ersichtlichen Grund) von der Polizei kontrolliert wurden.

Vermeintliche kausale Zusammenhänge nach dem Motto "Menschen aus diesem Land sind aufgrund ihrer Herkunft krimineller" sind nicht nur rassistisch, sondern auch einfach falsch und verkürzt. Es gibt keine Nationalität der Welt, selbst wenn sie eine nahezu 100% "einheimische" Bevölkerung hat, wo es keine Kriminalität gibt. Das bloße "xy sein", also einer Nationalität anzugehören, kann also nicht der Auslöser für Kriminalität sein. Da muss man doch zwangsläufig fragen, was dann der Auslöser ist, oder? Und die Forschung hat da sehr eindeutige Ergebnisse: Armut. Armut ist der größte Treiber von Kriminalität. Und wenn man sich dann entsprechende Statistiken anschaut, sieht man recht schnell, welche Gruppen in DE stärker armutsgefährdet sind als andere. Richtig: Migranten sind stärker armutsgefährdet. Und nicht nur das - die genaue Herkunft bzw. Nationalität macht einen Unterschied. Menschen mit arabisch klingendem Namen beispielsweise haben sehr viel schlechtere Chancen, Jobs oder Wohnungen zu bekommen als Menschen mit asiatisch klingendem Namen. "Migranten" sind also auch keine homogene Masse, auch hier gilt es zu differenzieren, da die Forschung eindeutig belegt, dass Menschen je nach Herkunft, Religion, Nationalität unterschiedlich starke Diskriminierungserfahrungen machen.

Eine richtige Schlussfolgerung wäre also, dass Menschen mit Migrationshintergrund häufiger kriminell in Erscheinung treten, weil sie öfter kontrolliert werden, entsprechend mehr Straftaten erfasst werden und sie stärker armutsgefährdet sind. Aber das Thema mit der nötigen Komplexität zu behandeln bedeutet natürlich, dass man es sich nicht so einfach machen kann und populistische Phrasen im Stil von "Ausländer raus" dreschen kann - was einfach nur rassistischer Müll ist. Sondern man sich stattdessen unbequemen Fragen stellen muss, nämlich was für einen Anteil an der Statistik haben WIR? Wir als Gesellschaft und wir als Staat.

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Faktor ist die Frage der psychischen Stabilität. Armut macht krank. Körperlich wie psychisch, das ist erwiesen. Und psychische Erkrankungen können die Bereitschaft zur Kriminalität fördern - je nach Erkrankung natürlich. Was in den letzten Jahren politisch festzustellen ist, ist dass die Hilfe und Unterstützung, die Menschen, die eingewandert sind, bekommen, immer weiter reduziert wurde. Jetzt darf man einfach mal vermuten, was passiert, wenn man bestimmten Personengruppen, die aufgrund ihrer Herkunft häufig traumatisiert sind (Menschen, die aus Kriegsgebieten kommen sind sehr häufig traumatisiert und wenn sie es nicht schon aus der Heimat sind bringen sie häufig durch die Fluchterfahrung traumatische Erlebnisse mit, da die Reise nach Europa alles andere als menschenfreundlich ist) die bisschen Hilfe, die sie bisher erhalten haben, noch wegnimmt. Man muss nicht Raketenwissenschaft studiert haben um zu merken, dass das keine gute Idee ist.

Ein vernünftiger Staat, der auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse handelt, würde als effektivste Waffe gegen Kriminalität versuchen, Armut zu bekämpfen. Und tatsächlich ist das auch gar nicht so schwer - wenn man Forschungserkenntnissen folgt. Zusätzlich würde eine entsprechende Regierung gerade beim Thema Integration NICHT sparen, denn jeder Cent, den man da "spart" kann man quasi mit einem Euro an Folgekosten berechnen, während jeder Euro, den man hier investiert sich selbst locker wieder reinwirtschaftet, da gut integrierte Menschen hier arbeiten und konsumieren und damit die heimische Wirtschaft voranbringen. Ich weiß nicht, wie gut du im Bilde bist, wie die Einwanderungspolitik in DE aktuell aussieht, aber es ist der Normalfall, dass Menschen, die hier einwandern, häufig 3-8 Jahre nicht arbeiten dürfen. Ein großer Grund hierfür ist der Bürokratie-Dschungel. Auch das ist übrigens ein weiterer Faktor für Kriminalität: wer will denn 5 Jahre lang hier leben und keinerlei Kontrolle über das eigene Leben haben können? Nicht arbeiten dürfen? Die Familie nicht mal mit was Schönem überraschen können, weil man kein eigenes Geld verdienen darf? Diejenigen, die hier betroffen sind, sind häufig eben genau aus der Gruppe, die in der Kriminalstatistik besonders auffällig sind. Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht sind auch häufig erfasste Straftaten.
Ich bin ganz ehrlich: keine Ahnung wie du das siehst, aber wäre ich in so einer Situation, würde ich definitiv schwarz arbeiten.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig näher bringen, weshalb diese populistische Vereinfachung, die heutzutage häufig vorgenommen wird, nicht funktioniert, und weshalb man eben nicht so einfach jene Schlüsse ziehen kann, die in der Gesellschaft weit verbreitet sind. Man muss komplexe Themen komplex behandeln, anders funktioniert es nicht. Und dass Armut der größte Treiber für Kriminalität ist, ist übrigens seit weit mehr als 100 Jahren bekannt...

guitarbassman bei gutefrage.net

Samstag, 11. Juli 2026

Die KI säuft unser Trinkwasser

 


https://www.infosperber.ch/9.07.2026:   Ein Dorf, ein Rechenzentrum, ein geräumtes Protestcamp und eine Verwandlung des Landes, die nie beschlossen wurde, nur bewilligt.

Ein paar Zelte in Benken im Zürcher Weinland, aufgeschlagen, um gegen ein KI-Rechenzentrum zu protestieren, das im nahen Beringen entsteht, vergangenen Freitag von der Kantonspolizei Zürich geräumt, einen Tag später wieder aufgebaut, in Tengen, auf deutschem Boden, wenige Kilometer hinter der Grenze, wie die Gruppierung «Aufstände der Allmende» am Samstag mitteilte: Der Protest findet im Ausland statt, der Bau geht weiter. Auf einem Kartonschild, das eine Demonstrantin in die Kameras hielt, stand: «Kein Trinkwasser für Techoligarchen». [...]"

https://www.infosperber.ch/umwelt/wasser-gewaesser/die-ki-saeuft-unser-trinkwasser/

Dave Eggers zu KI

https://www.zeit.de/2026/30/dave-eggers-contrapposto-roman-kunst-kuenstliche-intelligenz-schulen

"[...] Eggers: Der Roman ist wahrscheinlich die klassischste aller Kunstformen. Und er hat sich nicht groß verändert, wurde eher konservativer in den vergangenen 30 Jahren. Aktuell sind wir wieder beim traditionellen Geschichtenerzählen angekommen, was interessant ist, wenn man an den Postmodernismus der Siebziger und Achtziger denkt.

ZEIT: Was hat Sie denn am klassischen Erzählen gereizt?

Eggers: Die Leser wollen sich von der Geschichte und den Figuren verzaubern lassen. Ich kam erst spät zu der harten Einsicht: Das ist der Grund, warum die meisten Menschen lesen. Dieses besondere Erlebnis, in die Welt der Figuren einzutauchen. In Contrapposto ist das größte Experiment, im Buch einige Zeichnungen aus Aktklassen abzubilden. Ich musste meinem Verlag ein Jahr vorher Bescheid geben. Sie haben mir sogar mein Wunschcover zensiert, weil es eine nackte Figur zeigte.

ZEIT: Aber gerade Bildbände sind doch voller nackter Menschen!

Eggers: Wichtig ist, wo und seit wann sie nackt sind. Tote Nackte aus dem alten Griechenland sind uns lieber als jemand, der gestern nackt war. Und trotzdem: Es war von hinten! Haben Sie jemals Aktmalerei probiert?

ZEIT: Ja, aber ich bin wirklich keine gute Zeichnerin.

Eggers: Jeder Mensch sollte bis zu einem gewissen Grad klassisches Zeichnen lernen. Es lehrt einen, richtig zu sehen. Zeichnen inspiriert dazu, jenseits der eigenen Annahmen zu denken. Ich sage das sowohl zu meinen Kunst- wie Schreibschülern: Geht raus, beobachtet, macht euch Notizen! Wie reden Leute wirklich? Nicht: Wie denkt man, dass Leute reden. Früher war es viel gängiger, klassische Malerei und Zeichnen zu lernen. Charles Darwins Notizblock ist voller wunderschöner Zeichnungen! Es ist eine Schande, wir sollten alle diese Fähigkeit erlernen.

ZEIT: Also man muss vor die Tür gehen, um die Welt besser zu sehen?

Eggers: Wenn man sein Zimmer verlässt und die Welt betritt, versteht man die überraschende und doch nicht überraschende Komplexität der Menschen und des Lebens. Es ist wie mit San Francisco: Die Leute kommen hierher und glauben, sie wüssten, wie diese Stadt ist. Aber wenn man durch die Straßen läuft, mit Leuten spricht, erkennt man Nuancen. Als ich in den letzten Jahren über Trump-Rallys berichtete, war ich schockiert, wie nuanciert seine Wähler waren.

ZEIT: Das erinnert mich an die Stelle Ihres Buches, als der Protagonist Cricket darüber erschrickt, dass man Blau braucht, um eine Banane realistisch zu malen. Wir nehmen an, man brauche nur Gelb bei Bananen.

Eggers: Man muss mit einer blauen Grundierung beginnen, weil das unter der Schale schimmert. Dann Grün, Gelb und Weiß darüber. Das zeigt, wie kompliziert jedes Obst ist. Und genau deswegen malen die Menschen seit Jahrhunderten Obst. Es braucht Beobachtungsgabe und Mut, etwas so darzustellen, wie es ist.

ZEIT: Haben wir gerade wirklich eine Verbindung zwischen Trump-Wählern und Bananen gefunden?

Eggers: Oh Gott, klinge ich wie ein Verrückter?

ZEIT: Im Gegenteil, es ergibt Sinn: Beides muss man wirklich sehen.

Eggers: Wissen Sie, echte Menschen sind großartig. Die Touristen, die jetzt für die WM in die USA kommen, treffen auf echte Menschen, nicht auf Irre. Wir Amerikaner haben eine Tradition der Gastfreundschaft. Jemand wie Stephen Miller repräsentiert mitnichten den Großteil dieses Landes. [...]       

Eggers: Ich arbeite seit 25 Jahren als Schreibdozent, und das ist der schlimmste Moment, den ich je erlebt habe. Weil es keine Vorgaben aus Washington sind, es ist nicht der Staat. Die Schüler selbst bringen sich, einer nach dem anderen, zum Schweigen. Das ist das Ende der menschlichen Spezies. Punkt. Wenn wir unsere Fähigkeit aufgeben, zu sprechen, ist das das Ende.

ZEIT: Aber wenn eine fehlerfreie KI nun mal besser ist als ich? Mal unsentimental gefragt: Worin liegt der Wert der menschlichen Autorschaft?

Eggers: Wir haben mehr als 2.000 Bücher veröffentlicht von Kindern, die meisten kamen aus marginalisierten Gruppen. Und wir sehen Schüler, die schüchtern und unsicher mit der englischen Sprache in die Klasse kommen. Die ihre Texte fünfmal, zehnmal überarbeiten, aber dann veröffentlichen. Sie machen die Erfahrung, dass sie ihre Gedanken nicht nur äußern, sondern publizieren können, dass sie gehört werden. Das macht den Unterschied zwischen verängstigten, gestressten Schülern und jemandem, der sich aufgehoben in der Gemeinschaft fühlt. Wir beobachten, dass all diese Schüler, die immer und immer wieder veröffentlichen, sich extrem gut entwickeln. Alles fängt damit an, gehört zu werden.

ZEIT: Was beobachten Sie in dieser Generation – wie sehen diese schreibenden Kinder ihre Zukunft?

Eggers: Den Kids geht es gut. Aber sie brauchen Klarheit. Ich saß neulich in einer Klasse am Tisch mit einem brasilianischen, einem kolumbianischen und einem Schüler aus El Salvador. Ihre Lehrer haben ihnen Computer und Handys verboten, weil sie wissen, dass sie sonst ChatGPT öffnen. Wir redeten über das Essen, die Geräusche, die Landschaft ihrer Heimatländer. Dann schrieben sie mit Stift und Papier. Die ersten Entwürfe waren nichts, sie mussten sie überarbeiten, aber man erkannte authentische Gedanken und eine Stimme. Aber es ist hart, wissen Sie? Zehn Erwachsene und 24 Kinder, um an die eigentliche Wahrheit zu kommen. Zu Hause hätten sie es schnell die KI machen lassen. Es braucht viele Menschen, damit diese Generation nicht in den Abgrund stürzt.

ZEIT: Aber von der Kasse bis zum Online-Check-in – die Menschen verschwinden aus dem Alltag. Und im Silicon Valley arbeitet man daran, unsere Gehirne mit künstlicher Intelligenz zu verschmelzen.

Eggers: Diese Leute sind womöglich sehr unglücklich über die Tatsache, dass sie Teil der menschlichen Spezies sind. Wir befinden uns in einem Schlüsselmoment. Wir müssen die Stellung halten. Seit je können nur Menschen Bücher schreiben. Es war Sam Altman, der mich zu der Debatte bei OpenAI eingeladen hatte. Und er sagte: Es wird bald Romane von künstlicher Intelligenz geben. Und ich habe gesagt: Das will niemand. Und das wird niemals jemand lesen wollen. Was wiederum ihn und die Leute bei OpenAI ziemlich überrascht hat.            

Eggers: Diese Leute sind womöglich sehr unglücklich über die Tatsache, dass sie Teil der menschlichen Spezies sind. Wir befinden uns in einem Schlüsselmoment. Wir müssen die Stellung halten. Seit je können nur Menschen Bücher schreiben. Es war Sam Altman, der mich zu der Debatte bei OpenAI eingeladen hatte. Und er sagte: Es wird bald Romane von künstlicher Intelligenz geben. Und ich habe gesagt: Das will niemand. Und das wird niemals jemand lesen wollen. Was wiederum ihn und die Leute bei OpenAI ziemlich überrascht hat.

ZEIT: Glauben Sie, Sam Altman liest gerne?

Eggers: Ich glaube, dass Sam Altman kein einziges Buch als Erwachsener gelesen hat. Was ja das Problem ist: Diese Leute schätzen Kunst nicht. Sie verstehen nicht, warum es sie gibt, wer sie macht, wozu sie da ist. Und genau deswegen sollten Techfirmen keine Rolle in den Geisteswissenschaften spielen. Sie haben keinen Respekt davor.

ZEIT: Es geht am Ende darum, was die Literatur und die Kunst uns bedeuten?

Eggers: Es ist ein Moment, in dem die menschliche Spezies wählt. Und ich glaube, wir werden die richtige Entscheidung treffen. Es wird okay werden.

Sieh auch: Dave EggersThe Circle 2013

Donnerstag, 9. Juli 2026

Angreifer verletzt zwei Mädchen bei mutmaßlicher Amoktat

An einem Gymnasium im bayerischen Schongau hat gestern Mittag ein Angreifer zwei 13-jährige Mädchen schwer verletzt. Laut RND schwebten sie am Nachmittag nicht mehr ins Lebensgefahr. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen und sitzt jetzt in Untersuchungshaft – er ist 16 Jahre alt. „Wir gehen von einer Amoktat aus eines Einzeltäters“, zitiert der stern Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Der Polizei zufolge war der Täter mit einer Pistole bewaffnet, die aber nach einem Schuss versagte. Dieser Schuss traf niemanden. Danach zog er ein mitgebrachtes Messer. Zum Motiv ist bislang nichts bekannt, die Behörden gehen aber davon aus, dass es sich um eine „psychische Ausnahmesituation“ handelte, wie Dobrindt erklärte. Details zu dem Fall gibt es bei der Süddeutschen Zeitung.

Mittwoch, 8. Juli 2026

#21 Wie verrückt ist das SpaceX-Abenteuer?

https://www.bpb.de/themen/wirtschaft/zahlenbitte/579382/21-wie-verrueckt-ist-das-spacex-abenteuer/

Wo ist das Problem?

Es gibt mehr als ein Problem. Ich sehe vor allem vier:

  • Die Ziele des Unternehmens sind geradezu fantastisch.

  • Die Ballung von Macht und Vermögen in den Händen von Elon Musk ist für eine freiheitliche Gesellschaft schwer erträglich.

  • Sinnvolle Finanzmarktregeln wurden für den Börsengang aufgeweicht.

  • Die Risiken für die Finanzstabilität sind nicht zu unterschätzen.

Der Börsenprospekt von SpaceX liest sich in Teilen wie Science Fiction. Als Firmensitz wird angegeben: I Rocket Road, Starbase, Texas. Den Ort an der Golfküste hat Musk für sein Raketenprogramm geschaffen. Neben vielen farbigen Bildern von Raketenstarts und Weltraumpanoramen heißt es zum Geschäftszweck: „Unsere Mission ist es, Systeme und Technologien zu bauen, die nötig sind, um das Leben multiplanetar zu machen, um die wahre Natur des Universums zu verstehen und das Licht des Bewusstseins zu den Sternen zu tragen.“ So fängt der Text des mehr als 250-seitigen Dokuments an. Dann folgt eine kurze Erklärung dazu, wie das geschehen soll: „Um das zu erreichen, haben wir die ambitionierteste, vertikal integrierte Innovationsmaschine auf (und außerhalb) der Erde geschaffen mit unvergleichlichen Fähigkeiten…“ Und so weiter. Letztlich wolle man eine „Basis auf dem Mond und Städte auf anderen Planeten bauen“.

Der US-Version des Externer Link:Börsenprospekts ist ein Zitat von Elon Musk vorangestellt:

Man will morgens aufwachen und denken, dass die Zukunft großartig sein wird – und darum geht es bei einer raumfahrenden Zivilisation. Es geht darum, daran zu glauben, dass die Zukunft besser sein wird als die Vergangenheit. Ich kann mir nichts Aufregenderes vorstellen, als nach da draußen vorzudringen und zwischen den Sternen zu sein.

Damit ist der Ton gesetzt. Mit der vorsichtig abwägenden Sprache, die solche Dokumente üblicherweise auszeichnet, hat das wenig zu tun. Es geht um den Verkauf von Visionen und Träumen. (Die Externer Link:EU-Version des Börsenprospekts beginnt immerhin mit auf einem Dutzend Seiten, auf denen die größten Risiken für das Firmengeschäft ausbuchstabiert sind.) Selbst bei Veranstaltungen mit Top-Investoren unmittelbar vor dem Börsengang („Roadshow“) sei es um Fragen der Mars-Kolonisation und ähnlichem gegangen, Externer Link:berichteten Finanzmedien.

2002 hat Musk SpaceX als Raketenbaufirma gegründet. Das Ziel, den Mars zu besiedeln, verfolgt er dabei schon lange – die erste bemannte Mars-Mission hatte Externer Link:eigentlich schon 2024 starten sollen. Inzwischen hat Musk das Unternehmen zu einem weit verzweigten Tech-Konglomerat ausgebaut, zum dem auch die KI-Firma xAI und das Soziale Netzwerk x.com (früher Twitter) sowie die Immobilientochter CTC gehören (Abbildung 3 gibt einen vereinfachten Überblick).

250-jahre-USA Gründungsmythos und Gegenwartskrise

https://www.bpb.de/themen/nordamerika/usa/578240/250-jahre-usa-gruendungsmythos-und-gegenwartskrise/

Sonntag, 5. Juli 2026

Theo Baker: How to Rule the World

  Über die Methoden, begabte junge Studenten für sich zu gewinnen, und die Tipps, wie Betrug es erleichtert, Erfolg zu haben:


Ecosia: Theo Bakers Buch *How to Rule the World: An Education in Power at Stanford University* ist eine Mischung aus Memoiren und investigativem Bericht über sein erstes Studienjahr an der Stanford University. Das Buch schildert Bakers Weg als widerwilliger jugendlicher Reporter, der eine Geschichte aufdeckte, die die wissenschaftliche Welt erschütterte und es bis auf die Titelseiten der Zeitungen schaffte.

Das Werk wird als Coming-of-Age-Geschichte, Campus-Roman und Zeitungsstory beschrieben, doch vor allem ist es als Horrorgeschichte über die Dynamiken von Macht und Einfluss in Stanford und im Silicon Valley angelegt. Es präsentiert sich als ebenso präzises wie mitreißendes und bisweilen beängstigendes Porträt einer „Dweebocracy“ (einer Herrschaft der Nerds) und legt offen, wie Machtstrukturen unbequeme Berichterstattung abtun.

*How to Rule the World* erschien am 19. Mai 2026 bei Penguin Press. Bis Mai 2026 erhielt das Buch positive Kritiken; Rezensenten lobten insbesondere die fesselnde Erzählweise und die aufschlussreiche Auseinandersetzung mit Machtstrukturen in Wissenschaft und Technologie.