Mittwoch, 28. Oktober 2026

Ludwig Marcuse: Mein zwanzigstes Jahrhundert. Auf dem Weg zu einer Autobiographie.

 Mein Urteil aus dem Jahr 1983: Ein sehr menschliches, ein sehr reifes Buch. Kein Wunder, dass es offenbar nicht neu aufgelegt worden ist. (Es war aber schon 1975 als Diogenes-Taschenbuch herausgekommen, Zürich 1975 und ist als Taschenbuch auch 2026 in der 6. Auflage erhältlich !)

»Mein zwanzigstes Jahrhundert. Auf dem Weg zu einer Autobiographie« ist die 1960 erstmals erschienene Autobiografie des deutschen Philosophen, Journalisten und Literaturkritikers Ludwig Marcuse (1894–1971).

Inhalt & Kernthemen

  1. Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts: Marcuse beschreibt prägende Epochen des 20. Jahrhunderts – vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und das Dritte Reich bis hin zu den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.

  2. Exil und Emigration: Als deutsch-jüdischer Intellektueller floh Marcuse 1933 vor den Nationalsozialisten. Seine Flucht- und Exilstationen führen über Sanary-sur-Mer (Frankreich), Paris und New York bis nach Los Angeles.

  3. Begegnungen mit Zeitgenossen: Das Buch zeichnet lebendige Porträts zahlreicher prominenter Weggefährten und Künstler, darunter Thomas Mann, Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Ernst Bloch, Joseph Roth und Bruno Frank.

  4. Stil und Haltung: Typisch für Marcuse ist ein ironischer, essayistischer und oft selbstkritischer Ton. Er verzichtet auf pathologische Selbsterhöhung und ordnet die eigenen Erlebnisse stets in den größeren philosophischen und gesellschaftlichen Kontext seiner Zeit ein. Der Untertitel „Auf dem Weg zu einer Autobiographie“ unterstreicht dabei den offenen, uneitlen Charakter des Werkes.

Weshalb KI das Verständnis von biochemischen Prozessen deutlich verbessern kann

 Als Grundkenntnis bringe ich mit: Enzyme wirken oft bei biochemischen Prozessen als Katalysator und beschleunigen die chemische Reaktion. Offen ist noch, wie stark sie sie beschleunigen können.

Dazu informiert die KI:

"Typische Werte: Die meisten Enzyme beschleunigen Reaktionen um den Faktor 10 hoch 6 bis 10 hoch12  im Vergleich zur unkatalysierten Reaktion. Das bedeutet, eine Reaktion läuft millionen- bis billionenfach schneller ab.

  • Extrembeispiele: Es gibt Enzyme, die noch extremere Beschleunigungsfaktoren erreichen. Ein bekanntes Beispiel ist die Orotat-Decarboxylase (beteiligt an der Nukleotidsynthese):

    • Ohne Enzym: Die Halbwertszeit der unkatalysierten Reaktion liegt bei schätzungsweise 78 Millionen Jahren.

    • Mit Enzym: Die Reaktion dauert 18 Millisekunden.

    • Faktor: Das entspricht einer Beschleunigung um den Faktor von ca. 10 hoch 17 (hundert Billiarden Mal schneller)."


  • Donnerstag, 22. Oktober 2026

    Programmierfehler in PHP machen Millionen von Webseiten angreifbar

     PHP ist eine vielfältig verwendete Programmiersprache, die auf Millionen von Webseiten für Sicherheitslücken führt, die Millionen von Webseiten angreifbar machen. Jetzt kommt es darauf an, so schnell wie möglich Patches zu entwickeln und einzubauen, um die Lücken zu schließen. 

    Angesichts der großen Verbreitung von Software, die mit PHP erstellt worden ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass das in der nötigen Geschwindigkeit geschieht, relativ gering. 

    Eine Hoffnung besteht darin, dass die Meldung dieser Fehler so verzögert wurde, dass vieles schon ausgebessert wurde und die Verbesserungen mit KI-Hilfe so schnell vorgenommen werden können/konnten, dass der Schaden in Grenzen gehalten werden kann.

    Wer sich über nicht funktionierende Webseiten geärgert hat, darf hoffen, dass sie früh genug abgeschaltet werden konnten, bevor Hacker zuschlagen konnten. 

    mehr dazu 

    Mittwoch, 21. Oktober 2026

    Mittwochsmänner

     "Mittwochsmänner gibt es seit 1965. Damals hieß der Klub noch „Herzöglicher Golf-Klub zu Braunschweig” " (Mittwochsmänner)

    Inzwischen gibt es sie aber auch in Schottland in Greenock bei Glasgow. Es sind Männer von der Müllabfuhr, die mit einem 10-jährigen Jungen Freundschaft geschlossen haben, der unter ADHS und Autismus leidet. 

    Sie gehen aufeinander zu. Der Unterschied zu den Golfspielern ist, dass sie weit größere Schwierigkeiten hatten, zueinander zu finden, und dass man hier nichts darüber weiß, dass sie um Spenden bitten. Die gut situierten Golfspieler tun's.

    Der ältere Bruder des 10-jährigen Jaxx hat auch ADHS und Autismus, nur hat die heute 38-jährige Mutter es erst jetzt geschafft, eine Freundschaft so ungewöhnlicher Art zu stiften. 

    Den Anteil der Kinder, die an ADHS leiden schätzt man für Deutschland auf 5 - 7 %, Den Anteil von Neurodivergenten an der Bevölkerung auf 15-20 %. (Neurodivergenz) Die Chancen, dass sie mit Männern von der Müllabfuhr Freundschaft schließen können, sind also extrem gering. 

    Schön, dass es in diesem einen Fall gelungen ist!

    Dienstag, 20. Oktober 2026

    Was sich wirklich zu lernen lohnt

    Things you really have to learn von Stephen Downes, gefunden bei Jochen Robes. Hier die Kurzfassung:

    1. How to predict consequences
    2. How to read
    3. How to distinguish truth from fiction
    4. How to empathize
    5. How to be creative
    6. How to communicate clearly
    7. How to learn
    8. How to stay healthy
    9. How to value yourself

    10. How to live meaningfully 

    Dies gefunden bei Herrn Rau

    Es ist durchaus sinnvoll, manchmal wieder etwas zu rekapitulieren, was man schon lange gewusst hat. Es könnte ein Aspekt davon wichtiger geworden sein als damals. Und man könnte merken, was für einen vergleichsweise bedeutungslos geworden ist und darüber nachdenken, weshalb. 

    Texte aus Russland im Dezember 1941

     Sonntag, 7.12.1941

    Die folgenden Text sollen durch ihre Zusammenstellung wirken. 

    Ein Offizier. (vor Leningrad) 
    Ich hatte gerade mehrere sehr anstrengende, weil schwierige Schießen hinter mir und war wohl in Lese- aber nicht in Schreibstimmung. Darum nahm ich mir 'Das Reich' und zwar wie immer beim 'Reich',  den kulturellen Teil vor und verschob die Beantwortung Ihres Briefes auf gestern. Und da, trotzdem Sonntag war, wurde wieder nichts daraus. Nachdem wir genügend lange russische Zielscheibe gewesen waren, durften wir wieder einmal tüchtig loslegen, ohne Rücksicht auf die eigene Munition. An lohnenden Zielen ist ja, wenn man schon die 11 Woche eine gute B-Stelle besetzt hält, kein Mangel. Und so war der Rest des Tages besetzt, ohne das Zeit für private Bedürfnisse blieb.
    Russischer Winter ist etwas Eintöniges. Das merken wir auch schon, obwohl wir ihn noch nicht im Bewegungskrieg kennengelernt haben. Wenn der Krieg vor Petersburg hier so bleibt, werde ich ihn auf alle Fälle noch angenehmer überstehen als den vorigen am Kanal. Ich sitze ja immer noch in demselben festen Haus, das sich mir schon im September als B-Stelle anbot, habe da einen Schreibtisch nebst Sessel für den Tag und ein Ledersofa als Schlafgelegenheit für die Nacht. Wohn- und Schlafraum sind heizbar. Und anstelle der Fensterscheiben, die bei jedem Beschuss ursprünglich den Weg alles Irdischen gingen, sind jetzt große Sperrholzplatten mit kleinen Autoscheiben als Lichtdurchlässe getreten. Die haben nun schon über zehn Volltreffer mit 15 cm Betongranaten, die auf unserer Bude landeten, nebst ebenso viel Bomben, die in nächster Nähe niedergingen. Ausgehalten. Wohn und Schlafraum sind jetzt heizbar. Es lässt sich also für mich aushalten, besser als jedenfalls in Russland zu erwarten war. Die Zeit vergeht angenehm schnell. Nachdem jetzt kleinere Päckchen geschickt werden können, habe ich mir allerlei Bücher kommen lassen, die mich theologisch wieder ein wenig in Schwung bringen oder sonst interessieren? Und dabei geht die Zeit auch hin. Meist sorgt aber der Russe dafür, dass uns die Zeit nicht zu lang wird." (S.336)

    Der Offizier. Leo Tilgner, 1892 vor Leningrad
    An seine Frau. 
    Meine Liebe Lydia, es ging zwar heute schon ein Brief ab, aber da ich ein Packerl mache, teile ich dir doch mit, dass ich dir ein paar Scherben schicke. Die chinesische Zeichnung gefiel mir so gut. Ich ließ die Scher/ben sammeln, aber. leider fehlen noch einige Stücke an der Marmortafel. Das sind so Trümmer aus der Zarenzeit. In dem zweiten Paket findet sich eine Holzschale, die mir jemand überließ. Die Scherben lassen sich eventuell verleimen. So bekommt man ein besseres Bild. Das verleimte Bild könnte man auf einer Sperrholzplatte befestigen und dann aufhängen. Ich habe noch ein zweites Scherbenstück, von dem alle Teile noch vorhanden sind. Die schicke ich später, wenn ich einen größeren Karton bekomme. Dieses Stück könnte man nach Verleimung in einem Holzrahmen stecken. Der Rahmen muss aber so schmal wie möglich sein und könnte mit dem Stück direkt verleimt werden. Es ist nur jetzt darauf zu achten, dass keine Scherbenstücke verloren gehen. Die Witterung ist milder. [...]" (S.337/338)

    Die Ärztin Galina Samowara                                              Leningrad
    Sämtliche Katzen und Hunde waren gegessen worden. Die Männer starben eher als die Frauen, Weil sie muskulös waren und weniger Fettansatz hatten. Die Frauen, sogar die kleinen, hatten viel mehr davon. Doch sie starben auch Komma, obwohl die Widerstandsfähiger waren Punkt. Die Menschen verwandelten sich in Greise., Weil der Fettansatz völlig verzehrt wurde Komma und sämtliche Muskeln und Blutgefäße traten am Körper deutlich hervor. (S.336)

    8.12.1941
    Der Leutnant Iwan Sawnko *1918,  berichtet aus Moskau:
    "Der harte Winter mit seiner grimmigen Kälte, der 1941 viel zu früh gekommen war, half uns bei den Verteidigungskämpfen vor Moskau. Für den russischen Winter waren wir gut gerüstet. Jeder hatte Filzstiefel an. Über der Sommeruniform trugen wir eine gesteppte Wattejacke und eine warme, wattierte Hose, dazu warme Fausthandschuhe und eine gefütterte Wintermütze mit herabklappbaren langen Ohrenwärmern auf dem Kopf, die unter dem Kinn eng zu binden war. Die Feldflasche war stets mit Sprit gefüllt. [...]
    Der Morgen graute in trüben Farben, als wir jemanden im Dickicht ganz wild um sich schießen hörten, ohne dass es Gegenfeuer gab. Das war sehr merkwürdig für mich. Nach dem Tuckern der Maschinenpistole gab es keinen Zweifel, dass es ein Fritz war, der von Angst erfasst seinen Kameraden ein Signal gab, wo er zu suchen wäre. Wir bewegten uns bis zum Gürtel im Schnee fort, es herrschte an jenem Tag ein enorm strenger Frost. [...] So umzingelten wir den feindlichen Soldaten von allen Seiten, und je näher wir an ihn herankamen, desto unsicherer und mit immer länger werdenden Pausen feuerte er, bis die Schüsse verstummten.
    'Das scheint ein Weib von unseren zu sein', sagte mein Starchina (Spieß) und reichte mir sein Fernglas. Bei der angebrochenen Dämmerung sah ich im Feldstecher einen im Schnee liegenden Klumpen im russischer Kleidung, die unsere Bauernfrauen auf dem Lande trugen. Die unbekannte Gestalt stöhnte laut und schien bewusstlos zu sein. Die deutsche Maschinenpistole lag etwas abseits von ihr. [...]
    Als meine Soldaten den Fritzen aus seinen warmen Decken auszuwickeln begannen, um ihn zu durchsuchen, waren wir fassungslos. Eine mächtige Garderobe hatte der Lebensraumeroberer angezogen. Über der Feldmütze hatte er verschiedene Frauenkopftücher, manche waren aus reiner Wolle. Einen dicken Schal hatte er um den Hals gewickelt und seine Enden, am Rücken festgebunden. Unter seinem Mantel fanden wir bei ihm eine kurze Frauenstrickjacke und eine mit Ziegenfell gefütterte Weste. An der Jacke steckte noch eine primitive Brosche. Über seine Stiefel hatte der Krieger große Strohschuhe gezogen. Die konnte man in solcher Rüstung kämpfen, dachte ich. Ich hatte mir so einen deutschen Eroberer in einem normalen Soldatenmantel und mit dünnen Kopfschützer bei minus 40 Grad Celsius vorgestellt, einige Stunden ohne Aufwärmen im Freien, kämpfend oder nachts auf Wache stehend. Wo saßen ihre Führer und Kommandeure, die ihre Soldaten im russischen Winter im Stich gelassen hatten? So ließen ie sie auf den vereisten und verschneiten Straßen sich vorwärts quälen, bis im Raum um Moskau, viele frische Divisionen aus Sibirien für eine gewaltige Gegenoffensive bereitgestellt wurden.
    Die Deutschen unterschätzten unseren russischen Winter völlig." (S. 353/54). 

    Ludmila Komrakowa * 1931 LENINGRAD
    "Dies ist meine verborgenste Erinnerung. Viele Jahrzehnte sind verflogen. Aber es kommt oft vor, dass ich auch heute noch das schreckliche Geräusch meiner zerbrechenden Puppe Mascha deutlich höre. Doch alles der Reihe nach...

    Als wir uns mit unserer Tante auf die Evakuation vorbereiteten, stand uns nur ein Tag zur Verfügung, um die unentbehrlichsten Sachen zusammenzusuchen. Sonst wollte man mich und meine Schwester der Tante wegnehmen, weil sie keine Papiere für unsere Vormundschaft hatte und wir beide als Weisen anerkannt waren. (die Mutter war gestorben, der Vater kämpfte an der Front). Doch vor ihrem Tod hat die Mutter unsere Tante flehentlich gebeten. Uns an niemanden abzugeben und die Tante hat ihr ihr Wort gegeben. 
    Es war sehr kalt im Dezember 1941, als wir uns für die Weiterreise bereit machten, man musste vor allem warme Sachen mitnehmen. Und das Gepäck war nach Umfang und Gewicht streng begrenzt.
    Die Tante hat alles in einen kleinen Sack geworfen und für meine liebe Puppe Mascha, mit der ich jede Nacht eingeschlafen war, gab es keinen Platz. Und Mascha hatte so schöne blaue Augen mit langen seidigen Wimpern und lange Haare Sie war aus Porzellan, konnte zwinkern und er hat ein herrliches dunkelrotes Kleid an. 
    Ich begann zu heulen.
    'Lieber bleibe ich hier, ohne Masha fahre ich nirgendwohin. Ich kann sie nicht im Stich lassen', sagte ich so entschlossen, dass die Tante den Sack wieder auszupacken anfing. Sie verzichtete auf die Mitnahme von einigen Sachen. Und hat für meine Mascha Platz geschaffen. 
    Bis zum Ladogasee sind wir mit einem Zug von dem Finnljandskij-Bahnhof  gefahren, und als unser Zug am Bahnhof war Ganova eingetroffen war, waren die deutschen Sturzkampfbomber angeflogen, und wir mussten alle in einem unvorstellbaren Durcheinander hektisch aussteigen und unsere Sachen mitnehmen. Es war eine richtige Hölle. Alles umher hat gedonnert, ist in die Luft gegangen und hat gebrannt Die Kinderschreie und die wahnsinnigen Rufe ihrer Mütter haben sich zu einer Kakophonie vermischt. Und in diesem Wirrwarr hörte ich, als ob es totenstill gewesen wäre, wie unser Sack zu Boden fiel und etwas in ihm verräterisch geknirscht hatte. 
    Mir wurde sofort klar, dass meine Mascha kaputt gegangen war Ich fing an zu heulen, ich habe so lange Zeit geschluchzt Die Tante hat uns beide in einen noch rauchenden Bombentrichter hinuntersteigen lassen, wo wir dann bis zum Ende des Angriffs saßen Und meine Puppe blieb / irgendwo oben. Mein Herz wollte mir vor Kummer zerspringen. Als wir dann wieder hinausgeklettert waren, haben wir unseren Sack nicht mehr gefunden. Die Marodeure reisten immer mit. Meine Puppe Mascha war also vermisst. Nicht gefallen. Nicht verwundet, sondern vermisst. (S.341/42)