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Zur Information über die von Ute Daniel im Video vertretenen Thesen:
Prompt: Weshalb wurde die Weimarer Republik als "Zwischenreich" bezeichnet und ist das heute noch sinnvoll?
Die Bezeichnung der Weimarer Republik als „Zwischenreich“ (oder auch als Epoche im „Zwischenraum“) speist sich aus zwei unterschiedlichen historischen und geschichtswissenschaftlichen Perspektiven:
1. Warum wurde sie so genannt (oder verstanden)?
Aus zeitgenössischer Sicht der Akteure: Für viele Zeitgenossen der Zwischenkriegszeit – insbesondere in den elitären Kreisen von Justiz, Verwaltung, Militär und großen Teilen des Bürgertums – war die Republik keineswegs als dauerhafte Staatsform gedacht. Sie wurde oft als bloßer Betriebsunfall der Geschichte, als „Zwischenphase“ oder „Übergangslösung“ nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wahrgenommen. Man trauerte dem alten Kaiserreich nach oder sehnte andere autoritäre Modelle herbei. Die Demokratie hatte für viele Eliten keine eigene Legitimation, sondern galt nur als provisorischer Lückenbüßer, bis man zu einer „ordnungsgemäßen“ (häufig obrigkeitsstaatlichen) Ordnung zurückkehren könne.
Aus historisch-analytischer Sicht: Neuere geschichtswissenschaftliche Debatten (wie die von der Historikerin Ute Daniel geprägte Formulierung) greifen den Begriff auf, um zu verdeutlichen, wie die damaligen Akteure agierten: Sie betrachteten das System als ein fragiles, vorübergehendes „Zwischenreich“ zwischen dem alten Kaiserreich und einer noch ungewissen Zukunft.
Genau diese innere Distanz und das ständige Warten auf ein Ende trugen maßgeblich dazu bei, dass die Institutionen von innen heraus ausgehöhlt wurden.
2. Ist das heute noch sinnvoll?
Als historiographischer Begriff (Ja):
Es ist analytisch sinnvoll, um die Mentalität der damaligen Zeit zu begreifen. Wenn politische Eliten, Parteien und Verbände einen Staat von Anfang an nur als auf Zeit angelegt oder als „System ohne Alternative“ im negativen Sinne betrachten, fehlt die fundamentale Loyalität (der „Verfassungspatriotismus“), die eine Demokratie stabil hält. Als Gegenwartsanalogie (Nur mit großer Vorsicht): In aktuellen politischen Debatten wird oft gewarnt, wir befänden uns wieder in „Weimarer Verhältnissen“.
Solche Vergleiche greifen jedoch meist zu kurz. Die Bundesrepublik Deutschland unterscheidet sich grundlegend von der Weimarer Republik: Sie besitzt eine gefestigte, streitbare Demokratie, ein stabiles Verfassungsgericht, breite gesellschaftliche Verankerung und ist in westliche Bündnisse eingebunden.
Der Begriff „Zwischenreich“ taugt daher heute kaum noch als treffende Beschreibung für unsere aktuelle staatliche Ordnung. Er bleibt jedoch ein wertvoller historischer Seismograf, der daran erinnert, wie schnell eine Demokratie scheitert, wenn ihre Eliten und Bürger sie insgeheim nur als entbehrliches Intermezzo betrachten.
Sieh auch das Verständnis von 1. und 2. Weltkrieg als ein zusammenhängendes Kriegsgeschehen.
Meine persönliche (Fontanefan) Einschätzung ist, dass sowohl die Bezeichnung der Weimarer Republik als "Zwischenreich" als auch das Verständnis von 1914-45 als zusammenhängendes Kontinuum zwar heuristisch anregend sein können, aber durchaus ungeeignet sind, die historischen Zusammenhänge zu beschreiben.
Es ist richtig, dass die konservativen Eliten die Republik nicht anerkennen wollten, aber dass Thomas Mann, der kurz zuvor noch die "Betrachtungen eines Unpolitischen" abgeschlossen hatte, die Republik so deutlich begrüßte, spricht dafür, dass wirklich ein Neubeginn stattgefunden hat. Vollends, die Republik als "Zwischenreich" vor dem "Dritten Reich" zu bezeichnen, bedeutet eine zu große Annäherung an Naziterminologie.
Der Vergleich der Bundesrepublik von 1949 bis 2026 (bisher 77 J.) mit so viel kurzfristigeren Erscheinungen wie 2. Kaiserreich (48 J.), Weimarer Republik (14 J.) und NS-Zeit (12 J.) ist nahezu grotesk und spiegelt eher die Ambitionen der AfD als die politische Wirklichkeit seit dem 2. Weltkrieg wieder.