Freitag, 28. August 2026

Michelle Obama über den Abschied von ihren Töchtern

"[...] Während Barack Obama geweint haben soll, als seine Töchter aufs College gingen, dachte sich Michelle nur: „Tschüss, meine Kleinen …“ Die ehemalige First Lady spricht in ihrem Podcast überraschend offen darüber, wie erleichtert sie über den Auszug von Malia und Sasha war.

Sie liebe ihre heute 28- und 25-jährigen Töchter zwar, aber dass sie nicht mehr zu Hause leben würden, nehme ihr auch Sorgen. „Ich vermisse sie nicht“ – aber sie treffe die beiden „heute zum Abendessen“, sagte die 62-Jährige in der am Mittwoch erschienenen Folge.

Malia und Sasha waren zehn und sieben Jahre alt, als ihr Vater als erster Schwarzer US-Präsident 2009 ins Weiße Haus einzog. Sie verbrachten während seiner zwei Amtszeiten einen Großteil ihrer Kindheit in Washington. Bei ihrem Auszug 2017 waren sie bereits junge Erwachsene. Seither halten sie sich weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus.

Noch im selben Jahr begann die ältere Schwester, Malia, ihr Studium an der Harvard-Universität im US-Bundesstaat Massachusetts. Sasha begann ihr Studium zwei Jahre später an der University of Michigan – und wechselte später zur University of Southern California. „Barack hat geweint, als sie aufs College gegangen sind. Ich dachte mir nur: ‚Tschüss, ihr Kleinen …‘“, sagte Michelle nun.

Seitdem ihre Töchter auf die Uni gehen, seien „Freitagabende nicht mehr von Schrecken und Angst darüber überschattet“, wo sich die beiden aufhalten, sagte Obama in ihrem wöchentlichen Podcast „IMO with Michelle Obama & Craig Robinson“, den sie gemeinsam mit ihrem älteren Bruder moderiert. Sie liebe die Unabhängigkeit und Persönlichkeitsentwicklung ihrer Töchter.

Podcastgast Jon Stewart, Komiker und Moderator, kann das nicht ganz nachvollziehen. Seine Kinder sind seinen Ausführungen zufolge erst kürzlich zu Hause ausgezogen. Der 63-Jährige hält sein Familienleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Als seine Kinder noch zur Schule gingen, hätte ihm das „einen Sinn und eine Struktur gegeben“. Doch Michelle Obama zeigt sich davon unbeeindruckt: „Mir geht es gut“, quittiert sie den Versuch, ihr doch noch sentimentale Worte über ihre Töchter zu entlocken.

Auch als ihr Bruder, dessen Kinder auf eine weiterführende Schule gehen, Jon Stewart zur Hilfe kommt, wiegelt die ehemalige First Lady ab: „Ich liebe meinen Zeitplan. Ich habe einen tollen Zeitplan, und er gehört ganz mir.“ Sie könne es aber verstehen, dass Väter, die oft nicht zu Hause waren, das anders sehen. Sie andererseits habe „so viel schöne Zeit mit meinen Kindern verbracht. So viel. Ich kenne sie in- und auswendig.“ "

(Tagesspiegel 28.8.26)

Obdachlosigkeit in Berlin

 Die gestiegene Zahl von Obdachlosen in Berlin wirft viele Fragen auf.

Da liegt ein Mann auf der Straße. Seitlich, mit dem Rücken Richtung Hauswand, die Hände unter den Kopf gelegt wie ein Kind, seine schmutzverkrusteten Füße in zerrissenen Gummilatschen zucken. Er lebt. Und die, die an ihm vorbeieilen, leben auch. Frauen mit Einkaufstrolleys, eine Kindergartengruppe mit Warnwesten, eine Mädchenclique in Shorts und Cowboystiefeln, ein Mann mit einem Baby im Tragetuch und zwei Rollstuhlfahrende – um nur einige zu nennen, die in der gleichen Minute wie ich an dieser Stelle in Berlin-Kreuzberg den Kottbusser Damm entlangströmen. 

Der Mann an der Hauswand ist nicht der einzige Gestrandete auf der kurzen Strecke zwischen der U-Bahn-Station Schönleinstraße und der Kottbusser Brücke. Auch auf der anderen Straßenseite, vor dem Eingang einer Drogerie-Filiale, liegt jemand, allerdings mitten auf dem Gehweg, wo er die Geschäftigen stört. Zwei Polizeibeamte beugen sich über ihn, als ich vorbeigehe. Noch ein Stück weiter, an der Brücke, lagert ebenfalls eine Person auf dem Boden und wiegt sich in einem unhörbaren Lied. Es muss Krieg sein, würde man wohl denken, wenn man aus einer anderen Sphäre hier landete. Die Menschen fliehen, wer nicht Schritt hält, bleibt zurück.  […]

Was tut man? Ich tue, wie die anderen, die hier arbeiten oder in einem der Restaurants vor einem Aperol Spritz sitzen, nichts. Neulich stand eine abgefackelte Vespa zwischen den Bänken am Ufer. Botschaften sind an den Mülleimern oder den Zäunen der Häuser: Suche Zimmer. Mein Freund wurde hier lebensgefährlich verletzt – wer hat etwas gesehen? 

Die Wohnungen sind teuer. Eine Dachgeschoss-Maisonette wird für 4.000 Euro Miete angeboten. Von dort aus blickt man auf die nächtlichen Feuerstellen am Ufer herab. Nach Zahlen des Paritätischen Wohlfahrtsverbands leben in Berlin bis zu 7.000 Menschen auf der Straße und 57.000 in Unterbringungen – zehnmal so viele wie 2012. […]

Sind es nur die anderen, die schuldhaft Gescheiterten, aus eigentlich zu gewinnenden Kämpfen des Daseins ins Aus Geschwemmten? Oder jene, die vielen von uns nur ein kleines Stück voraus sind? Eine Freundin, Künstlerin, Ende 50, muss seit der Mieterhöhung ein Zimmer ihrer Zwei-Raum-Wohnung untervermieten, um dort bleiben zu können. Ein Paar mit zwei Kindern, das ich kenne, wohnt, obwohl getrennt, weiter zusammen, weil eine zweite Wohnung nicht drin ist.

Das Eis ist dünn geworden, die Angst, dass es bricht, wenn man sich nach vorn beugt, um einem anderen die Hand zu reichen, groß.

Petra Kohse, Frankfurter Rundschau 28.8.2026

Rückblick auf 2020, als vom Staat gefordert wurde, Infizierte sollten in der Wohnung bleiben: Wohnungslosigkeit ist vermeidbar


Dienstag, 18. August 2026

Untersetzer zum Umdenken

 Umdrehen ⇒ Umdenken!

Die Idee ist so einfach wie wirksam: Auf der einen Seite steht ein Satz, der Veränderung eher verhindert. Auf der anderen Seite steht eine Wendung, die neue Möglichkeiten öffnet.

„Ja, aber …“ dreht sich zu „Ja und gleichzeitig …“. Aus „Erstmal abwarten!“ wird der kleine Schubs: „Erstmal anfangen!“ Und wenn der Satz „Dafür bräuchten wir andere Rahmenbedingungen“ auf dem Tisch liegt, lädt die Rückseite zur Frage ein: „Was ist das Stärkste, was wir uns unter den bestehenden Rahmenbedingungen vorstellen können?“

Hier gibt's die Grafikdateien und die zugrundeliegende Sprüche-Sammlung mit vielen weiteren Aussagen zum Download bereit. Lehrende, Teams und Veranstalter*innen können die Untersetzer nutzen, verändern, ergänzen und für eigene Veranstaltungen, Workshops oder Materialien weiterentwickeln.

Für die Texte und die Gestaltung der „OERcamp Untersetzer zum Umdenken“ wird kein urheberrechtlicher Schutz beansprucht. Die Materialien können im Sinne von CC0 frei genutzt, verändert und weitergegeben werden.