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Freitag, 21. Februar 2020

Bildungsrevolution oder -evolution?

Zur Diskussion auf dem OERcamp in Hamburg über "REVOLUTION STATT EVOLUTION!"
sieh:
Zusammenfassung von Nele Hirsch
Bob Blume
Lisa Rosa
   Rückriem/Stein/Erdmann: Medienrevolution
Diskussion auf Twitter in Nachfolge der Podiumsdiskussion
unter dem Hashtag #routenplanerBuch
(Dabei wird deutlich, dass auf Twitter zwar Gedankenanstöße gegeben werden können, aber nur in den seltensten Fällen komplexe Sachverhalte behandelt. Das geht nur mit überlangen Threads, die besser gleich in Blogform abgefasst würden.)

Als Historiker darf ich dazu bemerken:
1. Die Industrielle Revolution ist als Revolution anerkannt, ohne dass es ein Manifest gegeben hätte. Es gab auch keinen Willen zur Revolution, nur den zur konkurrenzfähigen Produktion trotz der vergleichsweise hohen Löhne in Großbritannien. Dass man inzwischen mehrere industrielle Revolutionen zu nennen weiß (die digitale ist dann eine unter vielen, die aber in den Augen mancher das digitale Zeitalter begründet hat) und ähnlich wie bei Computerprogrammen Web 2.0, Bildung 2.0, Industrie 4.0, Arbeit 4.0 aufzuzählen weiß, zeugt von einem sehr unscharfen Revolutionsbegriff, der sich an die Werbesprache anlehnt.
2. Die neolithische Revolution wird wegen des grundlegenden welthistorischen Wandels von vielen Historikern immer noch Revolution genannt, obwohl sie etwa 5000 Jahre in Anspruch nahm.

In Sachen Klimawandel muss sich innerhalb eines Jahrzehnts, allenfalls innerhalb von 15 Jahren etwas Grundlegendes wandeln, weil sonst eine Disruption droht, die von größerer welthistorischer Bedeutung werden könnte als die eine große Industrielle Revolution, mit der die Ausbeutung fossiler Energien angefangen hat. Und ganz gewiss wird der Wandel - ob erfolgreich oder nicht - schwerwiegender sein als alle die kleinen industriellen Teil"revolutionen".
Ob innerhalb der schulischen Bildung  sich in den kommenden 25 Jahren nur wenig ändert oder deutlich mehr, ist demgegenüber so gut wie irrelevant.
Die Schüler, die FfF-Streiks unternehmen, haben davon etwas mitbekommen. Die Bildungsspezialisten, die den digitalen als ähnlich grundlegend wie den Klimawandel begreifen, offenbar noch nicht. Da haben sie Wichtigeres von ihren Schülern zu lernen als den Umgang mit der neusten App.

Selbstverständlich ist der digitale Wandel nicht nur wegen des medienwechsels zentral wichtig. Aber es ist ein kultureller Wandel, der noch nicht primär naturgesetzlich bestimmt wird. Das unterscheidet ihn vom Klimawandel und in einem gewissem Umfang auch von der neolithischen und industriellen Revolution, die beide erdgeschichtlichem Wandel hervorgerufen haben (Anthropozän).

Dienstag, 5. Februar 2019

MOOCs, Universität 3.0, Digitale Bildung

MOOCs, Universität 3.0, Digitale Bildung sind Schlagworte, die das Informationsinteresse anregen sollten, aber sie stehen für so Unterschiedliches, dass es vermessen wäre, alles, was so bezeichnet wird, als nützlich oder auch nur als ungefährlich zu bezeichnen.

Ich sammle hier Beiträge, die ich früher gesammelt habe und die neu hinzukommen werden.
digitale Bildung
Universität 3.0
MOOCs

Mittwoch, 28. Februar 2018

Deutschland verschenkt bei digitaler Bildung Potenzial

Deutschland verschenkt bei digitaler Bildung Potenzial Welt digital 27.2.18

"Der öffentlich-regulierte Bildungsmarkt sei wie abgeschlossen für Newcomer, kritisiert er. Es gebe zwar schon etliche Bundesländer, in denen schulische Lernplattformen im Einsatz sind, doch diese Programme seien weder Vermarktungsplattformen, noch offen für die Angebote von Start-ups und neuen Bildungsanbietern."

Das Ziel, da die Autorin propagiert, ist das Bildung privatisiert werden soll.
Daher beklagt sie, dass Bildungsinstitutionen demokratisch kontrolliert werden, statt gewinnträchtig von Privatunternehmern.

Donnerstag, 13. April 2017

Ist digitale Bildung etwas anderes als zeitgemäße Bildung?

Hier halte ich die für mich wichtigsten Passagen aus Herrn Raus neustem Blogbeitrag fest:

"Digitale Bildung ist ein Thema, das gerade viel umtreibt. Immer lesenswert sind Maik Riecken, Lehrer und Medienbildungsexperte am Niedersächsischen Institut für schulische Qualitätsentwicklung, der kürzliche über seine Erfahrungen mit Digitaliem schrieb, Andreas Kalt, der differenziert über Turbo-Digitalisierung schreibt, und Dejan Mihajlovic, der "zeitgemäße Bildung" statt "digitale Bildung" als Begriff vorschlägt."

und seine Thesen zur digitalen Bildung:

"(1) Ein Pflichtfach Informatik ist nötig. Ich glaube nicht, dass das besonders viel mit digitaler Bildung zu tun hat, sicher nur wenig mit digitalem Lernen, aber viel mit zeitgemäßer Bildung. Wer nichts von Informatik versteht, versteht die Welt schlechter.


(2) Lehrer, die privat nur minimal mit einem Computer arbeiten, werden auch in der Schule nie groß mit digitalen Mitteln arbeiten. "Minimal" heißt: Erstellen von Arbeitsblättern und Prüfungen mit MS Word, und einmal pro Woche E-Mail, dazu WhatsApp mit Freunden oder Kindern. Wie man daran etwas ändert, weiß ich nicht. Mit dem Alter hat das jedenfalls wenig zu tun.
(3) Veränderungen müssen von oben kommen. Und: Schulen brauchen eigene Systembetreuer, und zwar keine Lehrer.
(4) Schulbücher müssen digital werden. Mit oder ohne Schulbuchverlage, das wird sich zeigen.
(5) Natürlich gibt es ganz tolles Material zum Selberlernen im Web. Das Problem ist nur, dass Schülerinnen und Schüler häufig nicht das lernen wollen, was sie gerade lernen sollen. (Das Fernziel, dann ganz auf nicht-individuelle Lehrpläne zu verzichten, interessiert mich im Moment gar nicht.) Den meisten Schülern und Schülerinnen reicht das, was sie in der Schule kriegen. Und wer das in der Schule nicht versteht, der wird auch mit Material im Web nicht besser zurecht kommen. Deswegen halte ich Bildungsmaterial, das sich unmittelbar an Schülerinnen und Schüler wendet, für nicht sehr ergiebig. Aus Büchern konnte man immer schon etwas lernen, wenn man wollte; ich glaube nicht, dass das mit Videos so viel besser gehen wird.
(6) Schüler und Schülerinnen müssten mehr Verantwortung für ihr Lernen übernehmen. Im Moment sind die Lehrer dafür verantwortlich und werden dafür verantwortlich gemacht. Hausaufgaben gibt es immer weniger, also auch weniger eigene Arbeit; Facharbeiten werden immer kleinschrittiger betreut, selbstständige benotete Aufsätze zu Hause wurden abgeschafft; Anwesenheiten immer penibler überwacht - wobei häufiges Blaumachen dann doch wenig Konsequenzen hat."
(Hervorhebungen von mir)

Zur Ergänzung
Klaus Zierer: Ohne gute Lehrer hilft das beste Tablet nichts WiWo 16.5.17


Dienstag, 9. August 2016

Gefahren des digitalen Lernens

"Zwischen selbstfahrenden Autos und digitalen Lernmedien gibt es eine direkte Verbindung: den Datenverbrauch. Das autonome Auto bewegt sich nur in einem Universum von Sensoren, das virtuelle Klassenzimmer ist ein Schattenarchiv von Bildungsbiographien. Das Schicksal der Daten bleibt im Dunkeln. Versicherungen und Datenhändler könnten sich dafür interessieren. Für die Anbieter von Massive Open Online Courses, sprich: Moocs, öffnet sich ein lukratives Nebengeschäft. Manche Mooc-Anbieter bieten sich schon heute als Personalvermittler an.
Sie handeln mit einem kostbaren Wissen. Lerndaten sind Auskunftsdateien der Persönlichkeit. Sie sagen viel über Auffassungsgabe und Konzentrationsfähigkeit, über Schwächen, Erinnerungsvermögen, Motivation. Der Schweizer Mathematiker Paul-Olivier Dehaye, der an der Universität Zürich ein Online-Seminar über die Geschäftsmodelle von Bildungsanbietern abhielt, fragte den kalifornischen Weltmarktführer Coursera einmal nach dem Verbleib seiner Daten: ohne Reaktion. Er wollte sie nach geltendem EU-Recht wiederhaben: ohne Erfolg. Und ohne weitere Erklärung." (Entmündigung als Bildungsziel faz.net 14.7.2016)

Montag, 28. März 2016

"Digitalkunde" ab der 1. Klasse?

Wir brauchen Digitalkunde ab der ersten Klasse von Stephan Noller ZEIT online 27.3.16
"Wer 2016 eingeschult wird, den erwartet später ein ganz neuer Arbeitsmarkt. Andere Länder machen deshalb Informatik zum Pflichtfach und verteilen Bastelcomputer. Und wir?


Wir brauchen einen Pakt für digitale Bildung, der von allen Teilen der Gesellschaft getragen und von der öffentlichen Hand mit ausreichenden Mitteln finanziert wird. 
Ach, und wann verteilen wir den Micro:Bit in Deutschland?"

Der Verfasser ist "Maker und Digital-Unternehmer" und im "Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums". Die Redaktion der ZEIT ist klug genug, diesen massiven Appell, in Computer statt in Personal zu investieren, als Gastbeitrag zu bezeichnen.

In einer Zeit, wo in einem guten halben Jahr knapp 1 Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und wo noch nicht abzusehen ist, ob die - menschenrechtlich zumindest zweifelhaften - Maßnahmen zur Verringerung des Zustroms greifen werden und wo Klimawandel und darauf folgende Klimakriege mittel- und langfristig weltweit zu weit größeren Flüchtlingsbewegungen führen können, gibt es mit Sicherheit Wichtigeres zu tun, als die Computerindustrie mit staatlichen Subventionen zu unterstützen.

So lange nicht einmal sichergestellt werden kann, dass das notwendige Lehrpersonal für anstehenden Aufgaben bei Integration und Inklusion ausgebildet und bezahlt werden kann, darf der Staat die Förderung der Computerindustrie getrost den milliardenschweren Stiftungen von Gates und Zuckerberg überlassen. Sie werden es daran nicht fehlen lassen.

Einen Vorzug hat dieser Gastbeitrag. Er macht öffentlich, welchem Druck höchst fragwürdiger Lobbyisten die Bundesregierung ausgesetzt ist und dass diese sich sogar schon im Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums festgesetzt haben. 


Wenn man der Logik des Beitrages folgte, wäre es höchste Zeit, in der 1. Klasse "Politikkunde" einzuführen, um die Bürger dieses Landes früh genug zu befähigen, ihre Interessen wahrzunehmen und gegen Lobbyisten zu verteidigen. 
Wirkungsvoller wäre aber, wenn unkontrollierter Lobbyismus allgemein, besonders aber der an Schulen abgeschafft würde. 
Sachverstand im Bereich digitale Bildung gibt es im deutschen Sprachraum in hohem Umfang. In den Kultusministerien scheinen Lobbyisten ganz anderer Art den entscheidenden Einfluss auszuüben. 

Dienstag, 23. Februar 2016

"Die Unsicherheit bei vielen Lehrern ist weitgehend unbegründet."

Wieder weiß der Reporter es besser als die Betroffenen.
Warme Luft: das Eingeständnis, dass nicht pädagogische Bedürfnisse, sondern die Industrie auf Digitalisierung hin drängen; die Vertonung der Zahl pi als wichtiger Schritt zur Medienkompetenz. So sieht der Bericht des Reporters aus.

Schön wäre es, wenn die Schule der Wissenschaft und der Öffentlichkeit Reflexion und Diskussion abnehmen könnte, wie Bernhard Pörksen (ZEIT Nr.9/2016, S.9) es andeutet. Aber ...

Die Unsicherheit von vielen Lehrern ist  sehr wohl begründet. Das sich rasend entwickelnde Arbeitsfeld, die äußerst unterschiedliche Einschätzung der Chancen und Gefahren durch Experten machen es der Mehrzahl der Lehrer unmöglich, eine fundierte Einschätzung zu gewinnen.
Dabei gibt es hervorragende Arbeit, vielfältige gelungene Initiativen, lobenswerte Versuche, den Lehrern Hilfen zu bieten. Ein hilfreiches Forum für die Informierten bietet Edchatde, wo heute Abend das Thema Digitale Selbstorganisation in Schule und Lehre”, diskutiert wird.*
Meine persönliche Neigung gilt allem, was durch offene Bildungsinhalte (OER*) an neuen Möglichkeiten erschlossen wird, meine Sorge den Gefahren durch Manipulation und Kommerzialisierung.
Facebook, Lobbyismus an Schulen mögen als Stichworte dienen. Der Circle als Veranschaulichung der Gefahren.

*Bezeichnenderweise ist es ein international vernetzter Kreis von Lehrern, die Experten für Digitalisierung im Bildungsbereich sind, deren Ausstrahlung an den Schulen aber begrenzt ist. Sie denken über Selbstorganisation nach, weil sie mit der Organisation durch Kultusministerium nicht immer ermutigende Erfahrungen gemacht haben. 
Ich wünsche der Arbeit viel Erfolg, nicht zuletzt den Beteiligten, die ich persönlich kenne und die ich bewundere.
Vor ihnen liegt noch ein weiter, aber hochinteressanter und motivierender Weg. 

* OER-Festival 2016

Mittwoch, 3. Februar 2016

Lob des digitalen Lesens durch die Stiftung Lesen

Die Stiftung Lesen vertritt den Standpunkt, dass Kinder und Jugendliche bei der Nutzung der digitalen (Lese)medien Anleitung und Begleitung durch Erwachsene benötigen. Um ihnen in der digitalen Welt zur Seite stehen zu können, müssen die Multiplikatoren aber selbst über die notwendige Medienkompetenz verfügen. Die Stiftung Lesen möchte einerseits mit ihren Maßnahmen eine Sensibilisierung bei Multiplikatoren für das Thema bewirken und andererseits diese mit konkreten Angeboten bei der Medienkompetenzvermittlung unterstützen. Die Stiftung Lesen verfügt über zahlreiche Serviceangebote für unterschiedliche Zielgruppen zum Themenkomplex digitales Lesen. Dazu gehören Maßnahmen in den Bereichen Fortbildung, methodische und didaktische Handreichungen, Medienempfehlungen, Wettbewerbe, Aktionen und Forschung. Gebündelt werden all diese Angebote online auf www.stiftunglesen.de unter der Rubrik „Digitale Lesewelten“. (https://www.stiftunglesen.de/download.php?type=documentpdf&id=1314)

Dienstag, 29. Dezember 2015

KULTUSMINISTERKONFERENZ Auf dem Weg zum digitalen Bildungssystem

KULTUSMINISTERKONFERENZ Auf dem Weg zum digitalen Bildungssystem 28.12.15

Die Bremer Senatorin Claudia Bodegan ist vom 1. Januar 2016 neue Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Sie will die digitale Bildung vorantreiben. [...]
In Studien zum Thema klassischer Schulbildung hat das kleine Bundesland Bremen bislang nie besonders gut abgeschnitten. Die rote Laterne bei fast allen Pisa-Tests leuchtete die Bildungsmisere im Nordwesten immer ganz gut aus.
Anders ist es beim Thema digitale Bildung:  Beim Länderindikator Schule digital der Telekom-Stiftung liegt Bremen an der Spitze: 70% der befragten Bremer Lehrkräfte gaben an, dass die Schule über ein Medienkonzept für den Einsatz des Computers im Unterricht verfügt. Der Anteil der Lehrkräfte, die gemeinsam mit Kollegen computergestützte Unterrichtsstunden entwickeln, ist in Bremen mit ca. 50% besonders hoch.