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Posts mit dem Label Sascha Lobo werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
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Sonntag, 25. Juli 2021
Sacha Lobo: mRNA-Technologie Die neue Weltmacht der Bio-Plattformen
"[...] Das Plattform-Prinzip ist das machtvollste Modell des 21. Jahrhunderts, ökonomisch, in der Kommunikation, gesellschaftlich. Plattformen sind eine Mischung aus technischem Betriebssystem eines Marktes, kommunikativem Marktplatz und wirtschaftlichem Ökosystem. Zentral für Plattformen ist, dass sie mit hoher Geschwindigkeit oder sogar in Echtzeit Datenströme verarbeiten können, um ihre Leistung zu verbessern. Das Plattform-Prinzip führt damit zu einem lernfähigen, weil datengetriebenen System, weshalb seine Macht mit dem Siegeszug der künstlichen Intelligenz (KI) noch zunehmen wird. Plattformen und KI sind füreinander geschaffen und sie sind, was den schieren Fortschritt angeht, ein unglaublicher Segen. Leider folgt insbesondere aus demokratischer Sicht ein großes »Aber«.
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mRNA-Technologie,
Plattform,
Sascha Lobo
Mittwoch, 13. November 2019
Sascha Lobo zur Plattform-Ökonomie
Die Plattform-Ökonomie zieht herauf, und Kylie Jenner zeigt, welche Marktmacht sich damit freisetzen lässt, welche Konsumkraft so entfaltet werden kann. Eine Plattform ist technisch gesehen eine digitale Infrastruktur, auf der zwei oder mehr Gruppen interagieren können. Man muss sie als neue Unternehmensform verstehen, die überhaupt erst mit dem Internet möglich geworden ist. Dabei entstehen digitale Ökosysteme, das heißt, nicht nur die Plattform profitiert wirtschaftlich, sondern auch eine größere Zahl von Kooperationspartnern. [...] Uber funktioniert auch nach dem Plattform-Prinzip und attackiert seine Konkurrenten so aggressiv, als wolle es sie vernichten." (Sascha Lobo: Realitätsschock, S.338)
"Der Realitätsschock der Ökonomie hat mehrere Dimensionen. Digitale Plattformen erobern mit großer Radikalität einen Markt und eine Branche nach der anderen. Viele ökonomische und gesellschaftliche Probleme beruhen darauf, dass wir bis heute nicht herausgefunden haben, wie Plattformen richtig reguliert werden können." (S.340)
"Facebook hat 2017 in Großbritannien Einnahmen von etwa anderthalb Milliarden Euro erzielen können und davon rund neun Millionen Euro Steuern gezahlt. Das ist nicht einmal ein Prozent. Amazon hat 2018 auf über elf Milliarden Dollar Gewinn in den USA null Dollar 'federal taxes' gezahlt und 129 Millionen Dollar Erstattungen bekommen. Ähnliche Zahlen sind von fast allen großen Digitalunternehmen bekannt. Das Problem ist, dass solche Tricks zumeist legal sind. Das liegt neben politischen Versäumnissen auch daran, dass das Steuerrecht in seinen Grundzügen noch auf der alten Wirtschaft mit dinglichen Produkten und klassischen Dienstleistungen beruht." (S. 341)
Bei Plattformen greifen die klassischen Konsumtheorien von der Bedürfnisbefriedigung nicht mehr:
"Digitale Plattformen haben eine katalytische Funktion, sie verwandeln ganze Märkte in Gefühlslandschaften. Drei Gefühle sind dabei ausschlaggebend:
Begeisterung: "Nutzungsfreude" tritt an die Stelle von Zweckmäßigkeit.
Ungeduld: "Wenn im Plattform–Kapitalismus das Ziel nur einen einzigen Klick oder Touch entfernt ist – dann ist der beste Weg dorthin, impulsive Gefühle der Verlockung zu erwecken." (S.352/53) Das gelingt den großen Plattformen vorzüglich. Was einmal das Kaufhaus Harrods in London war, ist jetzt Amazon. Und zwar zu Hause. Man kann sofort alles kaufen. (Bei Harrods hieß es: sogar Elefanten.) Das führt zum Aspekt:
Bequemlichkeit: "[...] die Beqemlichkeit des Menschen ist zuverlässiger und wirksamer als die Schwerkraft" (S.354) Interessanterweise gelingt es dabei trotzdem, dem Kunden jede Menge Arbeit anzuhängen, die früher der Verkäufer leistete: Beratung, Heraussuchen des Produkts aus der Fülle des Angebots, Zusammenstellung aller Daten für die Rechnung und Überweisung auf das Konto des Verkäufers. Auch wenn die Kunden dabei fluchen. Sie nehmen dem Verkäufer die Arbeit ab. Es treibt sie die Ungeduld (s.o.).*
"In anderthalb Jahren haben zwei große Plattformen den Werbemarkt halb leer gesaugt. Geld, das zuvor in der Regel bei Medienunternehmen ausgegeben wurde – nur dass Google und Facebook selbst keine Inhalte produzieren. Selbst die lange resistent scheinende Fernsehwerbung beginnt zu schwächeln. Wachstum im Werbemarkt findet etwa seit 2016 weitgehend auf Plattformen statt, alle anderen befinden sich entweder noch im Sink- oder schon im Sturzflug.
Diese Marktbeherrschung und das aggressive Gebaren der Plattformen haben eine merkwürdige Volte der Kapitalismuskritik hervorgebracht: Großkonzerne des 20. Jahrhunderts plädieren traurig-trotzig für Gerechtigkeit, vor allem ihnen selbst gegenüber. Sie fanden wenig regulierte Märkte so lange gut, wie sie davon profitierten. Nun schreien sie nach der Politik weil sie von Google, Facebook, Amazon selbst eine Lektion in neoliberaler Marktkunde erhalten haben.
Auf der anderen Seite findet man einen Teil der Zivilgesellschaft, der aus schwer nachvollziehbaren Gründen bereit ist, Digitalkonzernen fast alles durchgehen zu lassen."
*(s.o.)
(Sascha Lobo: Realitätsschock, S.358/59)
Sieh auch:
Sascha Lobo über Kylie Jenner
"Der Realitätsschock der Ökonomie hat mehrere Dimensionen. Digitale Plattformen erobern mit großer Radikalität einen Markt und eine Branche nach der anderen. Viele ökonomische und gesellschaftliche Probleme beruhen darauf, dass wir bis heute nicht herausgefunden haben, wie Plattformen richtig reguliert werden können." (S.340)
"Facebook hat 2017 in Großbritannien Einnahmen von etwa anderthalb Milliarden Euro erzielen können und davon rund neun Millionen Euro Steuern gezahlt. Das ist nicht einmal ein Prozent. Amazon hat 2018 auf über elf Milliarden Dollar Gewinn in den USA null Dollar 'federal taxes' gezahlt und 129 Millionen Dollar Erstattungen bekommen. Ähnliche Zahlen sind von fast allen großen Digitalunternehmen bekannt. Das Problem ist, dass solche Tricks zumeist legal sind. Das liegt neben politischen Versäumnissen auch daran, dass das Steuerrecht in seinen Grundzügen noch auf der alten Wirtschaft mit dinglichen Produkten und klassischen Dienstleistungen beruht." (S. 341)
Bei Plattformen greifen die klassischen Konsumtheorien von der Bedürfnisbefriedigung nicht mehr:
"Digitale Plattformen haben eine katalytische Funktion, sie verwandeln ganze Märkte in Gefühlslandschaften. Drei Gefühle sind dabei ausschlaggebend:
- Begeisterung
- Ungeduld
- Bequemlichkeit
Begeisterung: "Nutzungsfreude" tritt an die Stelle von Zweckmäßigkeit.
Ungeduld: "Wenn im Plattform–Kapitalismus das Ziel nur einen einzigen Klick oder Touch entfernt ist – dann ist der beste Weg dorthin, impulsive Gefühle der Verlockung zu erwecken." (S.352/53) Das gelingt den großen Plattformen vorzüglich. Was einmal das Kaufhaus Harrods in London war, ist jetzt Amazon. Und zwar zu Hause. Man kann sofort alles kaufen. (Bei Harrods hieß es: sogar Elefanten.) Das führt zum Aspekt:
Bequemlichkeit: "[...] die Beqemlichkeit des Menschen ist zuverlässiger und wirksamer als die Schwerkraft" (S.354) Interessanterweise gelingt es dabei trotzdem, dem Kunden jede Menge Arbeit anzuhängen, die früher der Verkäufer leistete: Beratung, Heraussuchen des Produkts aus der Fülle des Angebots, Zusammenstellung aller Daten für die Rechnung und Überweisung auf das Konto des Verkäufers. Auch wenn die Kunden dabei fluchen. Sie nehmen dem Verkäufer die Arbeit ab. Es treibt sie die Ungeduld (s.o.).*
"In anderthalb Jahren haben zwei große Plattformen den Werbemarkt halb leer gesaugt. Geld, das zuvor in der Regel bei Medienunternehmen ausgegeben wurde – nur dass Google und Facebook selbst keine Inhalte produzieren. Selbst die lange resistent scheinende Fernsehwerbung beginnt zu schwächeln. Wachstum im Werbemarkt findet etwa seit 2016 weitgehend auf Plattformen statt, alle anderen befinden sich entweder noch im Sink- oder schon im Sturzflug.
Diese Marktbeherrschung und das aggressive Gebaren der Plattformen haben eine merkwürdige Volte der Kapitalismuskritik hervorgebracht: Großkonzerne des 20. Jahrhunderts plädieren traurig-trotzig für Gerechtigkeit, vor allem ihnen selbst gegenüber. Sie fanden wenig regulierte Märkte so lange gut, wie sie davon profitierten. Nun schreien sie nach der Politik weil sie von Google, Facebook, Amazon selbst eine Lektion in neoliberaler Marktkunde erhalten haben.
Auf der anderen Seite findet man einen Teil der Zivilgesellschaft, der aus schwer nachvollziehbaren Gründen bereit ist, Digitalkonzernen fast alles durchgehen zu lassen."
*(s.o.)
(Sascha Lobo: Realitätsschock, S.358/59)
Sieh auch:
Sascha Lobo über Kylie Jenner
Kylie Jenner, die jüngste Selfmade-Milliardärin
"Kylie Jenner ist nicht nur die jüngste Selfmade-Milliardärin, sondern auch, wie Forbes bemerkt, die erste Selfie-made-Milliardärin – im Wortsinn, denn Jenner ist selbst ihr häufigstes Bildmotiv auf Instagram." (Sascha Lobo: Realitätsschock, S.335)
"Ende 2016 hat Kylie Jenner nach nicht einmal einem Jahr über 300 Millionen Dollar Umsatz gemacht. Sie eröffnet einige Pop-up-Stores, Kurzzeit-Läden, in Los Angeles, die in wenigen Tagen Zehntausende Kundinnen anziehen. Aber diese Form des Handels dient eher als Event denn als Marketingmaßnahme. Das Internet, die sozialen Medien bleiben Jenners Heimat." (S.337)
"Viele gewöhnliche Nutzer fühlen sich einer Plattform gegenüber regelrecht ausgeliefert, aber das gilt nicht mehr auf der Ebene von Kylie Jenner. Dort kann sich das Machtverhältnis umdrehen. Als Jenner twittert, dass sie den Instagram-Konkurrenten Snapchat wegen eines Updates nicht mehr nutzen wolle, fällt der Aktienkurs des Unternehmens um acht Prozent. Und erholt sich wieder, als sie nachschiebt, dass sie Snapchat trotzdem nicht verlassen wollte. Das Update wird rasch angepasst." (S.338)
"Ende 2016 hat Kylie Jenner nach nicht einmal einem Jahr über 300 Millionen Dollar Umsatz gemacht. Sie eröffnet einige Pop-up-Stores, Kurzzeit-Läden, in Los Angeles, die in wenigen Tagen Zehntausende Kundinnen anziehen. Aber diese Form des Handels dient eher als Event denn als Marketingmaßnahme. Das Internet, die sozialen Medien bleiben Jenners Heimat." (S.337)
"Viele gewöhnliche Nutzer fühlen sich einer Plattform gegenüber regelrecht ausgeliefert, aber das gilt nicht mehr auf der Ebene von Kylie Jenner. Dort kann sich das Machtverhältnis umdrehen. Als Jenner twittert, dass sie den Instagram-Konkurrenten Snapchat wegen eines Updates nicht mehr nutzen wolle, fällt der Aktienkurs des Unternehmens um acht Prozent. Und erholt sich wieder, als sie nachschiebt, dass sie Snapchat trotzdem nicht verlassen wollte. Das Update wird rasch angepasst." (S.338)
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Sascha Lobo
Query-Realität
Michael Seemann hat herausgefunden, dass über das Internet eine neue Art von Öffentlichkeit entsteht:
"Eine dritte Form von Öffentlichkeit hat sich längst parallel gebildet. Nur war sie mit herkömmlichen Denkungsarten des Medienverständnisses nicht beobachtbar.
Die Öffentlichkeit meiner Daten bestimmt sich aus der Geschicklichkeit der verknüpfenden Algorithmen solcher Dienste. Kurz: Man muss im Internet die Öffentlichkeit von der anderen Seite, der Seite des Empfängers, aus neu denken. «Query» bezeichnet in der Datenbanktechnik eine Anfrage beliebiger Komplexität an einen Datensatz. Die neue Struktur von Öffentlichkeit nenne ich deswegen «Query-Öffentlichkeit»."
(Seemann: Vom Kontrollverlust zur Filtersouveränität In: #public_life: Digitale Intimität, die Privatsphäre und das Netz Heinrich-Böll-Stiftung Berlin 2011. S. 74–79)
Dazu schreibt Sascha Lobo in "Realitätsschock":
"Das bedeutet, dass quer durch die sozialen Medien ein gigantischer Sturm der Empörung gehen kann – von dem die meisten Nutzer nichts mitbekommen. Bis sie auf ein Stichwort klicken oder zufällig jemanden abonniert haben, der sich an der Empörung beteiligt. Enge Kontakte und Freunde können in einem zerstörerischen Sturm der Empörung stehen, ohne dass man es zwingend bemerken muss, obwohl man zur gleichen Zeit auf demselben Netzwerk unterwegs ist." (S. 312/313)
Das mag bei Empörungsstürmen nicht einmal so problematisch zu sein. Ganz gefährlich wird es, wenn Netzteilnehmer bösartigen Pranks (sieh auch: Pranknet) und Swatting ausgesetzt sind.*
Aber auch bei Empörungsstürmen, die sinnvoll und moralisch gerechtfertigt erscheinen, kann leicht eine Grenze überschritten werden denn "Zwischentöne funktionieren auf Twitter so gut wie Schwimmflügel bei einem Eisenbahnunfall." (Lobo in "Realitätsschock", S.315)
*Dabei ist zu beachten:
"[...] für Erwachsene ist Datenschutz, Persönliches vor dem Staat und Unternehmen verbergen zu können. Für Kinder und Jugendliche aber bedeutet Datenschutz, Persönliches vor den Eltern verbergen zu können." (Sascha Lobo in "Realitätsschock", S.374)
Zum Beispiel, wenn man Social-Media-Verbot hat. Dann kann es passieren, dass das Kind Belastungen ausgesetzt ist, die die Eltern ihrem Kind unbedingt ersparen wollen. Aber sie erfahren nichts darüber.
"Eine dritte Form von Öffentlichkeit hat sich längst parallel gebildet. Nur war sie mit herkömmlichen Denkungsarten des Medienverständnisses nicht beobachtbar.
- Die Öffentlichkeit der Google-Suche: Egal, ob ein Blog 3 oder 300.000 Leser am Tag hat. Wenn es über mich schreibt, wird derjenige, der nach meinem Namen sucht, den Eintrag finden. Denn die Kombination seiner Suchworte bestimmt diese Öffentlichkeit.
- Die Öffentlichkeit der eigenen Twitter-Timeline. Es lesen nicht viele Menschen, was ich twittere, das ist auch nicht nötig. Es abonnieren sich meinen Twitter-Stream nämlich nur diejenigen, die sich wirklich dafür interessieren, was ich schreibe. Die Öffentlichkeit meiner Twitter-Nachrichten strukturiert sich aus der Konfiguration ihrer Abonnemententscheidungen.
- Die Öffentlichkeit des Data-Minings. Auch das gehört dazu, dass die Daten, die ich preisgebe, nicht nur in der Weise genutzt werden, wie ich es mir im Vorhinein vorstelle. Sondern dass sie angereichert werden mit anderen Daten und dass darauf Anfragen getätigt werden, von denen ich heute keine Vorstellung habe.
Die Öffentlichkeit meiner Daten bestimmt sich aus der Geschicklichkeit der verknüpfenden Algorithmen solcher Dienste. Kurz: Man muss im Internet die Öffentlichkeit von der anderen Seite, der Seite des Empfängers, aus neu denken. «Query» bezeichnet in der Datenbanktechnik eine Anfrage beliebiger Komplexität an einen Datensatz. Die neue Struktur von Öffentlichkeit nenne ich deswegen «Query-Öffentlichkeit»."
(Seemann: Vom Kontrollverlust zur Filtersouveränität In: #public_life: Digitale Intimität, die Privatsphäre und das Netz Heinrich-Böll-Stiftung Berlin 2011. S. 74–79)
Dazu schreibt Sascha Lobo in "Realitätsschock":
"Das bedeutet, dass quer durch die sozialen Medien ein gigantischer Sturm der Empörung gehen kann – von dem die meisten Nutzer nichts mitbekommen. Bis sie auf ein Stichwort klicken oder zufällig jemanden abonniert haben, der sich an der Empörung beteiligt. Enge Kontakte und Freunde können in einem zerstörerischen Sturm der Empörung stehen, ohne dass man es zwingend bemerken muss, obwohl man zur gleichen Zeit auf demselben Netzwerk unterwegs ist." (S. 312/313)
Das mag bei Empörungsstürmen nicht einmal so problematisch zu sein. Ganz gefährlich wird es, wenn Netzteilnehmer bösartigen Pranks (sieh auch: Pranknet) und Swatting ausgesetzt sind.*
Aber auch bei Empörungsstürmen, die sinnvoll und moralisch gerechtfertigt erscheinen, kann leicht eine Grenze überschritten werden denn "Zwischentöne funktionieren auf Twitter so gut wie Schwimmflügel bei einem Eisenbahnunfall." (Lobo in "Realitätsschock", S.315)
*Dabei ist zu beachten:
"[...] für Erwachsene ist Datenschutz, Persönliches vor dem Staat und Unternehmen verbergen zu können. Für Kinder und Jugendliche aber bedeutet Datenschutz, Persönliches vor den Eltern verbergen zu können." (Sascha Lobo in "Realitätsschock", S.374)
Zum Beispiel, wenn man Social-Media-Verbot hat. Dann kann es passieren, dass das Kind Belastungen ausgesetzt ist, die die Eltern ihrem Kind unbedingt ersparen wollen. Aber sie erfahren nichts darüber.
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Shitstorm
Montag, 11. November 2019
Software mit Einfühlungsvermögen?
Tess
schafft offenbar, dass sich Menschen durch Interaktion mit ihr besser
fühlen. Man kann das bei aller Skepsis als Erfolg betrachten, denn
Tess kommt zum Einsatz, lange bevor jemand überhaupt einen Termin
bei einem Psychotherapeuten bekommt. Tess ist immer verfügbar, und
das im Smartphone, das alle mit sich herum tragen. Wenn die Leute
sich nach dem, nun ja, Gespräch mit Test besser fühlen, ist das ein
Erfolg. Und ein Hinweis darauf, dass selbst Empathie und
Einfühlungsvermögen in Zukunft keine rein Menschen exklusiven
Fähigkeiten mehr sein werden. (Sacha Lobo: Der Realitätsschock
Seite 244)
Software mit scheinbarem Einfühlungsvermögen hat freilich Joseph Weizenbaum schon 1966 entwickelt: ELIZA.
Tess ist eine neue Entwicklung mit weit größeren Fähigkeiten. Nur ist ELIZA ein Hinweis darauf, dass natürlich kein Chatbot empathisch sein kann. Aber offenbar lässt sich selbst Empathie, die Menschen oft nicht aufbringen können, mit künstlicher Intelligenz simulieren. (Fontanefan)
Vergleichsweise trivial:
Die Software Projectcortex , die das Taggen automatisch durchführt:
https://www.youtube.com/watch?time_continue=343&v=DZteVE0QsqA&feature=emb_title
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Sascha Lobo
Sonntag, 10. November 2019
Steinmeier über Demokratie, Lobo über Parteien
"Wenn in der Vergangenheit Weichen falsch gestellt wurden, dann biete die Demokratie die Möglichkeit, diese falschen Weichenstellungen zu korrigieren, rief der Bundespräsident in Erinnerung." (Tagesspiegel 7.11.19)
Sascha Lobo über die Krise der Parteien (sinngemäß):
"Parteien trugen im 20. Jahrhundert dazu bei, dass sich ganz gewöhnliche Menschen an der demokratischen Willensbildung beteiligen konnten. Mit der digitalen Vernetzung aber hat sich das Angebot für politische Partizipation völlig verändert. Wenn junge Idealisten vor 50 Jahren die Welt verändern wollten, ging sie zu den Jusos. Heute gehen Sie zu Fridays for Future.
Hier stehen sich zwei Organisationsformen gegenüber: die Institution und das Netzwerk. Beide haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile – institutionelle Organisationen sind meist hierarchisch geprägte, sie belohnen lange Zugehörigkeit, Loyalität und geschicktes Taktieren. Der noch so begeisterte Nachwuchs ernüchtert rasch, wenn brillante Ideen, große Energie oder kluge Projektarbeit weniger entscheidend sind als Sitzfleisch.
Das Prinzip Netzwerk dagegen belohnt die Fähigkeit, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, Geschwindigkeit und plakatives Engagement. Auch diese Organisationsform bevorzugt strukturell einen bestimmten Typus, in Netzwerken sind zum Beispiel eher Menschen mit einem gewissen Selbstvermarktungstalent erfolgreich." *
Das Prinzip Netzwerk dagegen belohnt die Fähigkeit, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, Geschwindigkeit und plakatives Engagement. Auch diese Organisationsform bevorzugt strukturell einen bestimmten Typus, in Netzwerken sind zum Beispiel eher Menschen mit einem gewissen Selbstvermarktungstalent erfolgreich." *
"Gleichwohl fand der Bundespräsident auch lobende Worte für den von Schülerinnen und Schülern initiierten Protest: „Es hat wahrscheinlich keine gesellschaftliche Bewegung der vergangenen 20 Jahre so viel Aufmerksamkeit und Debatte erreicht wie Fridays for Future“, sagte Steinmeier. „Das ist ein großer Verdienst der engagierten jungen Leute und hilft, notwendige Maßnahmen auch tatsächlich anzuschieben.“ " (Tagesspiegel 7.11.19)
Meine Meinung: Demokratie ist immer dann zu loben, wenn sie richtige Weichen stellt und falsche Weichenstellungen korrigiert. Aber nicht immer sind dabei Jahrzehnte Zeit dafür. Beim Klimaschutz hat man leider Jahrzehnte vertan. Die "notwendigen Maßnahmen" müssen jetzt ergriffen werden.
* Zum Kontext bei Lobo:
https://rp-online.de/politik/deutschland/sascha-lobo-politische-parteien-sind-von-der-gegenwart-ueberfordert_aid-46235539
* Zum Kontext bei Lobo:
https://rp-online.de/politik/deutschland/sascha-lobo-politische-parteien-sind-von-der-gegenwart-ueberfordert_aid-46235539
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Sascha Lobo über Künstliche Intelligenz
"Das
Fließband
des
frühen 21. Jahrhunderts ist die algorithmisch gesteuerte
Dienstleistung, wie sie bei Paketboten
die
Regel ist." (S.227)
"Die
eigene Arbeitskraft gerät in einen nicht zu gewinnenden Wettstreit
mit der Produktivität der Maschine, lange bevor die menschliche
Aufgabe völlig durch Maschinen übernommen werden kann." (S.234)
(Sascha Lobo: Realitätsschock, 2019)
Wie man KI irreführt ZEIT 14.11.19
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Sascha Lobo
Plastikmüllproblem seit 1969 bekannt
In der NYT im Juni 1969 "ein Artikel über die "Dritte Verschmutzung"/ nach der Luft- und Wasserverschmutzung, den feststofflichen Abfall" (Sascha Lobo: Der Realitätsschock, S.34/35)
Aber es geht weiter:
"Nestlé verkauft im selben Jahr [2017] etwa eine Milliarde Produkte täglich, 98 Prozent davon verpackt in Einwegplastik." (Sascha Lobo: Der Realitätsschock, S.34)
Aber es geht weiter:
"Nestlé verkauft im selben Jahr [2017] etwa eine Milliarde Produkte täglich, 98 Prozent davon verpackt in Einwegplastik." (Sascha Lobo: Der Realitätsschock, S.34)
Freitag, 7. November 2014
Wen Drohnen töten sollen, wird anhand von Kommunikationsprofilen berechnet
Man braucht also nicht den Namen der Personen zu kennen. Es reicht aus, wenn die Metadaten eine zureichend große Wahrscheinlichkeit errechnen lassen, dass die betreffende Person Terrorist ist.
Es gibt schon Drohnenmodelle, die das automatisch anhand der Metadaten tun können. Bis jetzt muss aber noch ein Mensch die Entscheidung über die Tötung treffen.
Eine seriöse Schätzung besagt, dass jährlich 4 700 Personen durch Drohnen getötet werden, aufgrund von Metadaten.
No-Name Terrorists Now CIA Drone Targets, Wired 5.6.2010
Diese kurzen Hinweise basieren auf einem
Vortrag von Sascha Lobo über die digitale Sphäre
veröffentlicht am 6.11.14 auf Youtube
Julie Zeh: Wer rettet die Privatsphäre? FAZ 4.5.14
Es gibt schon Drohnenmodelle, die das automatisch anhand der Metadaten tun können. Bis jetzt muss aber noch ein Mensch die Entscheidung über die Tötung treffen.
Eine seriöse Schätzung besagt, dass jährlich 4 700 Personen durch Drohnen getötet werden, aufgrund von Metadaten.
No-Name Terrorists Now CIA Drone Targets, Wired 5.6.2010
Diese kurzen Hinweise basieren auf einem
Vortrag von Sascha Lobo über die digitale Sphäre
veröffentlicht am 6.11.14 auf Youtube
Julie Zeh: Wer rettet die Privatsphäre? FAZ 4.5.14
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Sonntag, 2. November 2014
Lobo: Die Netzgemeinde hat versagt
STEFAN SCHULZ UND FLORIAN ZIMMER-AMRHEIN: Die Netzgemeinde hat versagt, 6.5.14
Sascha Lobo Vorträge und Blog Lobos Kolumne bei Spiegel online
Sascha Lobo Vorträge und Blog Lobos Kolumne bei Spiegel online
Montag, 20. Januar 2014
Sascha Lobo: Die digitale Kränkung des Menschen
Abschied von der Utopie
Sascha Lobo schreibt am 11.1. in der FAZ:
Das Internet ist nicht das, wofür ich es so lange gehalten habe. Ich glaubte, es sei das perfekte Medium der Demokratie und der Selbstbefreiung. Der Spähskandal und der Kontrollwahn der Konzerne haben alles geändert.Bei so viel klugen Analysen von Lobo erstaunt mich, dass er, ohne der Ideologie vom "Ende der Privatheit" anzuhängen, geglaubt haben will, es würde nur im Rahmen der Gesetze ausgespäht.
Wie sollte ihn das Internet enttäuscht haben? Die NSA vielleicht, eher doch wohl die demokratischen Regierungen in Rechtsstaat. Aber letztlich wurde er doch wohl dadurch enttäuscht, dass die Internetcommunity die Ausspähung nicht verhindern konnte. Aber die Möglichkeit ging doch bereits mit dem Eindringen der kommerziellen Nutzer verloren.
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