https://www.washingtonpost.com/climate-environment/2026/03/12/flower-evolve-fast-avoid-extinction/
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Samstag, 23. Mai 2026
Sonntag, 20. November 2022
Insekten
Dave Goulson: "Mein Leben lang haben Insekten mich fasziniert. Schon mit fünf oder sechs Jahren sammelte ich gelb-schwarz geringe lte Raupen in dem Unkrautstreifen [...] und fütterte sie, bis sie sich schließlich in [...] Nachtfalter verwandelten (die Sie möglicherweise als Jakobskrautbären
erkannt hätten). [...] In den letzten 30 Jahren spezialisierte ich mich auf die Erforschung der Ökologie von Hummeln, den großen, pelzigen, geringelten Bienen, die während des ganzen Frühjahrs und Sommer schwerfällig zwischen den Blumen auf unseren Wiesen umhersummen. Ihre tollpatschige Erscheinung täuscht indessen, denn in der Insektenwelt sind sie intellektuelle Riesen mit einer erstaunlichen Navigations- und Lernfähigkeit und einem komplexen, zuweilen auch blutrünstigen sozialen Leben." (S.118)
"Insekten bilden den Löwenanteil des Lebens auf der Erde. Mehr als zwei Drittel der 1,5 Millionen bekannten Arten sind Insekten.[...]
Ohne Insekten würde unsere Welt zum Stillstand kommen. Sie kann ohne Insekten nicht funktionieren.
[...] In Großbritannien sind die Schmetterlingspopulationen seit 1976 um 50 Prozent geschrumpft. Die Biomasse der Fluginsekten verringerte sich in deutschen Naturschutzgebieten von 1989-2016 um alarmierende 76 Prozent. In den Niederlanden gegen die Population der Köcher fliegen zwischen 2006 und 2017 um 60 Prozent und die Biomasse der Nachtfalter zwischen 1997 und 2017 um 61 Prozent zurück [...] Versuche zur Berechnung eines durchschnittlichen Rückgangs lassen den Schluss zu, dass dieser Wert bei 1 bis 2 Prozent jährlich liegen dürfte. Das mag nicht viel erscheinen, könnte aber einer Apokalypse der Insekten innerhalb einer einzigen menschlichen Lebenszeit nahekommen. Leider werden wissen wir nicht, wann dieser Rückgang begann, da wir für die Zeit vor den 1970er Jahren keine Daten besitzen. Wahrscheinlich beobachten wir gegenwärtig die Schlussphase eines weitaus längeren Schrumpfungsprozesses. Wir wissen auch nicht, was mit den Insekten in den Tropen geschieht, dem großen Hotspot der Insektenbiodiversität. Es ist besorgniserregend, dass die Datenlage zum Zusammenbruch der Insektenpopulationen bisher nur Stückwerk ist, fast alle Langzeitstudien zu den Insektenpopulationen stammen aus Europa und Nordamerika.
[...] Drei Jahre vor meiner Geburt, nämlich 1962, warnte Rachel Carson
in ihrem Buch Der stumme Frühling
, wir fügten unserem Planeten fürchterlichen Schaden zu. [...] Die von Carson aufgezeigten Probleme mit Pestiziden und Düngemitteln haben sich noch deutlich verschärft. Jedes Jahr gelangen heute weltweit schätzungsweise 3 Millionen Tonnen Pestizide in die Umwelt [...] die weitaus giftiger für Insekten sind als alles, was es zu Carsons Zeit auf diesem Gebiet gab. So ist das zu den Neonikotinoiden gehörende Insektizid Imidacloprid heute das weltweit meist eingesetzte Insektizid, obwohl die EU es 2018 wegen seiner Bienenschädlichkeit verbot. Imidacloprid
ist für Bienen 7000 Mal giftiger als das in den 1960er und 1970er Jahren weithin verwendete Insektizid DDT
." (S.118/119)
"Der US-amerikanische Biologe Paul Ehrlich
verglich den Artenverlust in einer ökologischen Gemeinschaft einmal mit Nieten
, die sich zufällig aus den Flügeln eines Flugzeugs lösen. Verliert das Flugzeug eine oder zwei Nieten wird das wahrscheinlich keine Folgen haben. Verliert es da gegen zehn, zwanzig oder gar fünfzig Nieten, versagen irgendwann die Flügel in katastrophaler Weise und das Flugzeug stürzt ab.
Die Insekten sind gleichsam die Nieten, die das Funktionieren von Ökosystemen gewährleisten.
Wenn wir den Rückgang der Insekten umkehren wollen, müssen wir handeln, und zwar jetzt. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Gesellschaft den Wert der Insekten erkennt – den Wert dessen, was sie für uns tun, und den Wert, den sie an sich darstellen. Am besten beginnen wir damit natürlich bei unseren Kindern, indem wir ihr Umweltbewusstsein möglichst früh fördern. Wir müssen unsere Städte begründen. Stellen Sie sich vor, die Städte wären voller Bäume, Gemüsegärten, Teiche und wilder Blumen in jeder verfügbaren Ecke: in Hausgärten, Stadtparks, Kleingärten [...] - sie alle frei von Pestiziden und voller Leben. [...] Wir müssen mit der Natur arbeiten, Raubinsekten und Bestäuber aktiv fördern und aufhören, die Insekten zu bekämpfen und zu vernichten. Alternative Anbauformen wie organische und biodynamische Landwirtschaft, Permakultur
und Agroforstwirtschaft
haben hier viel zu bieten. Es gibt einen großen Hunger nach Veränderung. [...] Es ist noch nicht vollkommen zu spät. Die meisten Insektenarten sind noch nicht ausgestorben, aber viele Bestände haben nur einen Bruchteil ihrer früheren Größe und bewegen sich am Rande der Auslöschung. [...] Wenn wir uns an Paul Ehrlichs Vergleich mit den Nieten an einem Flugzeugflügel halten, könnte es durchaus sein, dass wir dem Punkte nahe sind, an dem die Flügel abfallen." (S.121/122)
aus: G. Thunberg: Das Klima-Buch, S.118-121
Montag, 14. November 2022
Biodiversität (aus: G. Thunberg: Das Klimabuch)
Adriana de Palma / Andy Purvis: [...] Die erste menschengemachte Veränderung liegt weit zurück in der Vorgeschichte, als wir erstmals mit zahlreichen Arten in aller Welt in Berührung kamen. Unsere Jagd trug zur Ausrottung vieler große Säugetiere – und Vogelarten (das 'Aussterben der Megafauna
') bei, während Ratten und Katzen, für deren Ausbreitung wie auf vielen isolierten Inseln sorgten, diverse Vogelarten vernichteten, die inzwischen flugunfähig waren, weil sie sich in einer von räuberfreien Umwelt entwickelt hatten.
Vor etwa 10.000 Jahren begann die sesshafte Landwirtschaft das Nomadendasein zu ersetzen und löste damit die zweite Veränderungswelle aus. [...]
Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts führten miteinander verbundene Revolutionen in Landwirtschaft und produzierenden Gewerbe zur dritten Welle. Aus der Bewirtschaftung der Ökosysteme wurde deren Beherrschung. Das daraus resultierende Bevölkerungswachstum erhöhte den Bedarf an Ackerland und Holz als Bau- und Brennstoff, was zu einer weiteren Entwaldung führte. Heute benutzen wir in fast allen Bereichen der Wirtschaft fossile Brennstoffe und produzieren CO2 weitaus schneller, als die Ökosysteme aufnehmen können. [...] In Regionen mit weit verbreiteter Subsistenzlandwirtschaft ähneln die Auswirkungen eher denen in der zweiten Welle. Dort kommt es lokal zu einem verstärkten Verlust an Biodiversität, wenn komplexe natürliche in weniger komplexe agrarische Ökosysteme umgewandelt werden, doch die so entstehenden Landschaften – ein komplizierter häufig wechselnder, aber von Agrochemie freigehaltener Flickenteppich - vermag die Biodiversität auf einem mittleren Niveau zu halten.
In Regionen, in denen die dritte Welle in vollem Gange ist, ist das Gewebe des Lebens inzwischen so dünn, dass es zerreißen kann. Intensiv bewirtschaftetes Ackerland ist derart einfach strukturiert, dass es dort nur wenig Vegetation für wildlebende Arten gibt. Da man dem Ökosystemen so viel Biomasse entnimmt, bleibt nur wenig zurück, das als Grundlage für komplexe Nahrungsnetzwerke dienen könnte. Die globale Vegetationsbiomasse und die Baumbedeckung sind heute nur etwa halb so groß, wie sie es unter natürlichen Bedingungen wären. Und der Viehbestand der Erde ist deutlich größer als der Gesamtbestand der mehr als 5000 Arten wildlebender Säugetiere. [...] Ironischerweise sind die an Schädlingsbekämpfungsmittel am besten angepassten Arten ausgerechnet die Schädlinge selbst, während oft Tausende von Arten, die zur natürlichen Schädlingsbekämpfung, zur Bestäubung und zur Bodenverbesserung hätten beitragen können, vernichtet werden. Dazu gehören zahlreiche Wespenarten, deren Larven Schädlinge [...] auffressen; außerdem Bienen, Fliegen, Käfer, Nachtfalter und Schmetterlinge, die von den meisten Nutzpflanzen für die Bestäubung benötigt werden; Und schließlich Regenwürmer und zahlreiche Insekten wie Springschwänze
, die Nährstoffe aus toten Pflanzen recyceln und den Boden düngen. Die intensive Landwirtschaft hat die Agrarproduktion zwar beträchtlich gesteigert, doch fast alle übrigen Vorzüge der Natur für den Menschen sind in den letzten 50 Jahren weltweit zurückgegangen. Die jüngste Bedrohung für die Natur ist der von Menschen gemachte Klimawandel. [...] Der Klimawandel hat zwar bisher längst nicht zu solchen Biodiversitätsverlusten geführt wie die Landnutzung durch die Menschen, doch die Alarmglocken läuten. Eine große regionale Artenvielfalt entstand nur, wenn das Klima stabil war. [...] Wenn Ökosysteme an Biodiversität verlieren, speichern Sie auch [weniger] Kohlenstoff und können schlechter mit Extremwetterereignissen und anderen Aspekten des Klimawandels fertig werden. Eine nachhaltige Zukunft ist dennoch möglich, wenn wir der Natur mehr Raum geben und weniger von ihr verlangen. Wenn wir die Zahl der aussterbenden Arten in den kommenden Jahrzehnten möglichst gering halten und die schlimmsten Auswirkungen der Erwärmung vermeiden wollen, müssen wir uns um die Regionen mit einem reichen Bestand an einzigartigen Arten kümmern, indem wir Ökosysteme wiederherstellen und schützen. Die Wiederherstellung von Ökosystemen mit hoher Kohlenstoffeinlagerung und hoher Biodiversität ist eine wahrhaft auf der Natur basierende – und dringliche Lösung." (S.115/17)
aus: G. Thunberg: Das Klima-Buch, s.114ff.)
Vom 7.12.- 21.12 2022 tagt in Montreal die 15. Weltbiodiversitätskonferenz
: Badische Zeitung: Lässt sich das Artensterben aufhalten? - Panorama - Badische Zeitung.
Sonntag, 28. November 2021
Vom Zusammenhang von Artensterben und Klimawandel
Der Klimawandel trägt nicht nur zum Artensterben bei, sondern das Artensterben auch zum Klimawandel. Denn jedes zerstörte Ökosystem macht die Erhaltung eines menschengerechten Klimas unwahrscheinlicher.
"Wenn Haie ihre ökologische Funktion an einem ohnehin geschwächten Riff nicht erfüllen können, vermehren sich andere Raubfische überproportional. Diese fressen dann zu viele pflanzenfressende Fische. Die ernähren sich normalerweise von den Algen, die auf den Korallen wachsen. Nehmen die Algen überhand, ersticken sie die Korallen. Die Folge: Das Riff beginnt zu sterben, einzelne Abschnitte brechen ab, sie sind nun nicht mehr die Kinderstube für die Myriaden an Fischen, von denen sich Hunderte Millionen Menschen ernähren. Und sie bieten auch keinen Schutz vor Wellen und Fluten mehr. Schätzungen gehen von bis zu einer halben Milliarde Menschen aus, die davon abhängig sind. [...]
1950 erst haben die große Beschleunigung und das große Ausrotten so richtig Fahrt aufgenommen, und schon heute, 70 Jahre später, geht es in Wahrheit bereits nicht mehr um die Tiere, sondern um uns. Und in weiteren 70 Jahren könnte es schon zu spät sein für ein gedeihliches menschliches Leben auf diesem Planeten. [...]"
(Unser Aussterben Die ZEIT 25.11.21)
https://www.zeit.de/2021/48/biodiversitaet-aussterben-arten-ueberleben-abschottung
Montag, 20. September 2021
Die Regenwälder verlieren ihre tierischen Förster
Mehr zum Kontext im Regenwaldreport 2021 / 3
Montag, 28. Juni 2021
Die Biodiversität nimmt ab, ...
aber die meisten Arten sterben aus, bevor sie bestimmt worden sind. (Insbesondere im Erdboden, in der Tiefsee und im Boden der Tiefsee gibt es weit mehr unbestimmt Arten als bestimmt. Im Boden der Tiefsee sin wohl weniger al 10% schon bestimmt.
Funkkolleg Mensch und Tier:
"[...] 1. (Das Wirrwarr von) biologischer Systematik und Taxonomie
Für die hierarchische Einordnung von Arten sind die biologischen Teildisziplinen „Systematik“ und „Taxonomie“ zuständig. Die beiden Ansätze können nicht klar voneinander getrennt werden, denn nicht einmal die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind sich über deren Abgrenzung einig. Manche setzen die beiden gleich, andere unterscheiden „die Systematik, als Wissenschaft von der Vielgestaltigkeit der Organismen, von der Taxonomie, als der Theorie und Praxis der Klassifikation.“
Bei den Konzepten zur Einteilung von Organismen kann man grob drei Ansätze unterscheiden: die numerische Taxonomie, die konsequent phylogenetische Systematik (nach Willi Hennig) und die evolutionäre Klassifikation (nach Ernst Mayr). Die numerische Taxonomie sortiert die Organismen rein nach der Ähnlichkeit von Merkmalen, während die beiden anderen Ansätze zusätzlich Abstammungsverhältnisse und Verwandtschaftsbeziehungen mit einbeziehen. Letztlich spiegeln aber diese und andere Ordnungssysteme nicht die Natur wider, sondern wurden von Menschen künstlich festgelegt. Obgleich die Kategorisierung der Organismen für das Verständnis der biologischen Vielfalt unerlässlich ist, kann man vor diesem Hintergrund durchaus diskutieren, ob die Beschränkung auf ein einzelnes Klassifikationsschema überhaupt sinnvoll und für die Wissenschaft nützlich ist.
https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/numerische-taxonomie/47003
https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/phylogenetische-systematik/51552
https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/systematik/65147 [...]"
(Kapitel 12: https://funkkolleg-menschundtier.de/themen/12-warum-wir-immer-noch-neue-tierarten-entdecken/)
Ein schönes Beispiel, wie wenig ein Durchschschnittsmitteleuropäer wie ich über Mücken und Schnakenarten weiß:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schnaken
Wie oft habe ich wohl eine Schnake für einen Webeknecht gehalten?
Sonntag, 31. Mai 2020
Naturschutz? Artenvielfalt?
"Naturschutz? Artenvielfalt? Waren bislang Randthemen in Europa. Doch eine neue Strategie der EU-Kommission und ein Vorschlag von Forschern machen Hoffnung."
Wichtigster Referenzpunkt zum Zustand der Biodiversität ist der "Global Assessment Report" des Weltbiodiversitätsrats aus dem Mai 2019.
https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Umweltver%C3%A4nderungen_und_Zukunftsszenarien
Das Nashorn aus der Petrischale
Freitag, 15. März 2019
Greta Thunberg setzt in Bewegung, was Umweltschutzorganisationen seit Jahren aufzubauen versuchten
"Ich engagiere mich nicht erst seit gestern und weiß, wie schwer es ist, gehört zu werden", sagt Neubauer beim Protest in Paris. "Ich kann das alles nur so machen, weil ich Erfahrungen gesammelt habe." Immer wieder treten Journalisten an sie heran, aus London, aus Berlin, Menschen mit Kameras, Mikrofonen und Fragen. Für Neubauer und die anderen ist die Aufmerksamkeit dieser Tage erkennbar eine Last. Vor allem aber eine Chance. Der Moment, auf den Neubauer gewartet hat.
So wie der deutsche Fußball durch seine professionalisierte Ausbildung eine Zeit lang ein Talent nach dem anderen hervorgebracht hat, zahlt sich für die Klimabewegung nun aus, was vor grob zehn Jahren begonnen wurde: Umweltschutzorganisationen haben Kinder und Jugendliche angesprochen, sie mobilisiert. Und in Teamleitung, Lobbying und Kampagnenarbeit geschult. Das ist der erste Grund, warum die Klimastreiks so erfolgreich sind: Sie werden von jungen Profis angetrieben. Luisa Neubauer ist eine von ihnen."
( Luisa Neubauer: Mit voller Wucht Von Daniel Erk, ZEIT 13.3.19)
Sieh auch:
Zusammenbruch von Ökosystemen, Verlust an Biodiversität
Sonntag, 6. August 2017
Regenwürmer als invasive Arten
Europäische Regenwürmer bedrohen in Nordamerika ganze Wälder. Bekämpfen kann man sie nicht. Eingeschleppt sind sie u.a. von Anglern, die den Rest ihrer Köder am Leben lassen und vor Ort aussetzen.
Nützlinge hier - Schädlinge dort: Europäische Regenwürmer verringern Artenvielfalt in Nordamerika Informationsdienst Wissenschaft 5.9.2016