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Freitag, 13. April 2018

Sandra Konrad: „DAS BEHERRSCHTE GESCHLECHT“

Wem gehört die Sexualität der Frau? von Julia Bähr FAZ 8.4.18

"Und sie liefert eine gute Erklärung, warum manche Männer so empfindlich reagieren, wenn sie auf patriarchale Gesellschaftsstrukturen aufmerksam gemacht werden: „Wer die Macht hat, ohne sie an sich gerissen zu haben, möchte nicht dafür kritisiert werden.“ Das macht die Lektüre tatsächlich sehr angenehm: Konrad kritisiert weder Männer noch Frauen, sie konstatiert nur – wenn auch manchmal zu schnell."

sieh auch:
Erstes Mal: Wie es wirklich ist ... mit 32 Jahren noch Jungfrau zu sein. ZEIT 5.2.2020

BUCH „SEXKULTUR“: Lust ist halt kein Spaß FAZ 5.12.2020 (Rezension von Bettina Stangneth: Sexkultur)

Sonntag, 8. Januar 2017

Sexuelle Bedürfnisse von Pflegebedürftigen und Behinderten

„Eine Finanzierung für Sexualassistenz ist für mich vorstellbar“, sagte Scharfenberg, die pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen. „Die Kommune könnte über entsprechende Angebote vor Ort beraten und Zuschüsse gewähren“.

Die Welt am Sonntag findet zu dieser Äußerung die Überschrift "Kassen sollen Sex mit Prostituierten zahlen". Prompt gibt der grüne Oberbürgermeister von Tübingen Frau Scharfenberg die Schuld.


Mehr dazu:
Das Bedürfnis nach Zärtlichkeit   Sexualbegleiterin   Kostenregelung

Zur weiteren Diskussion:
"Der Pflegeforscher Wilhelm Frieling-Sonnenberg, Professor an der Hochschule Nordhausen, bezeichnet das Konzept als "menschenverachtend". "Da geht es allenfalls darum, Menschen durch sexuellen Druckabbau wieder funktionstüchtig machen zu wollen: Lasst die Alten Druck ablassen, dann sind sie pflegeleichter." Sexualberaterin Vanessa del Rae sagt hingegen, die Prostituierten seien ein "Segen" für Heimbewohner und Pflegepersonal." (ZEIT online 8.1.17)

Die Diskussion scheint mir sinnvoll, denn das Problem ist länger bekannt. 
Der Hype, der gegenwärtig dazu entsteht, ist freilich hauptsächlich dazu geeignet, eine der beiden Oppositionsparteien zu schädigen. Man kennt das vom Veggie-Day. 
Wenn der Mainstream der Presse wieder so tut, als sollte der Bevölkerung etwas aufgezwungen werden, wo die Grünen doch weit entfernt davon sind, eine Kanzlerpartei zu werden, dann bestärkt das wieder nur das Gefühl, dass das System falsch sei. 

Es als "menschenverachtend" zu bezeichnen, wenn die Bedürfnisse von Benachteiligten angesprochen werden, wäre ich versucht, menschenverachtend zu nennen, wenn die Retourkutsche nicht allzu billig wäre. Es geht darum, die Bedürfnisse von Minderheiten ernst zu nehmen, auch wenn diese Minderheiten nicht als schick oder hip gelten. 
Ein Dementer wird nicht dadurch "funktionstüchtig" gemacht, dass man ermöglicht, ein grundlegendes Bedürfnis zu befriedigen, das er sich selbst nicht erfüllen kann.

Wie man ihm helfen kann, wäre zu diskutieren, aber nicht, ob man ihm helfen darf. 

Da vielleicht schon die Wiedergabe der Äußerung von Professor Wilhelm Frieling-Sonnenberg verfälschend war, habe ihn danach gefragt: 

"In der Presse geht die Behauptung um, Sie hätten die Erfüllung sexueller Bedürfnisse von Pflegebedürftigen in der Welt am Sonntag als "menschenverachtend" bezeichnet."

Seine Antwort kam sehr rasch:
"Das Interview habe ich vor einigen Monaten gegeben und das Wort war eingebunden in längere Ausführungen zum Thema, bezieht die Versorgung (pflegebedürftiger) älter Menschen mit ein, hat hier insgesamt mit dem Thema Leben und Wohnen im Alter zu tun, mit Pflegeheimen, mit individuellen Biografien, usw.. Es ist ohne Frage eine vielschichtige Thematik und das mündlich gegebene Interview werden Sie nicht im Netz finden. Ihre allgemeine Formulierung geht ein wenig in die falsche Richtung."

Das beruhigt mich hinsichtlich der Äußerung des Experten, auch wenn es kein "lupenreines" Dementi ist, nicht aber hinsichtlich des Umgangs der Presse mit seiner Äußerung. Denn die Unterstellung, Frau Scharfenberg sei "menschenverachtend" ist demnach von WamS und ZEIT online gemeinsam konstruiert, denn ihre Äußerung konnte Frieling-Sonnenberg bei seiner Formulierung noch nicht kennen.

So wird „Eine Finanzierung für Sexualassistenz ist für mich vorstellbar“ zu einer angeblich "menschenverachtenden" Forderung, die angeblich von den Grünen kommt.
Das ist kein Produkt einer "Lügenpresse". Aber wenn die BILD sich jetzt kaum noch von der Presse des Mainstreams unterscheiden sollte, wäre das nicht primär ein Verdienst der BILD.

Mittwoch, 8. Januar 2014

Netzwerk LSBTTIQ und Kritik an "Ideologie des Regenbogens"

LSBTTIQ* Was ist es? Was sind die Ziele?

Arbeitspapier zur Verankerung von Leitprinzipien des Bildungsplans in Baden-Württemberg

Kritik an Lehrplänen Baden-Württembergs als orientiert an der "Ideologie des Regenbogens"
Stellungnahme des Kultusministeriums zu dieser Kritik
Stellungnahme des Netzwerks LSBTTIQ zu dieser Kritik

Stellungnahme der Kirchen

*Zu Q:
Queer steht heute sowohl für die gesamte Bewegung als auch für die einzelnen ihr angehörenden Personen. Es ist eine Art Sammelbecken, unter dem sich außer Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Intersexuellen, Transgendern, Pansexuellen, Asexuellen und BDSMlern auch heterosexuelle Menschen, welche Polyamorie praktizieren, und viele mehr zusammenschließen. Eine Besonderheit von queer im Vergleich zu Identitäten wie lesbisch oder schwul ist, dass die Betonung auf der eigenen, von der Heteronormativität abweichenden, Geschlechterrolle, Geschlechtsidentität, bzw. Lebensweise liegt und die des anderen eine geringere Rolle spielt. (Seite „Queer“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 25. Oktober 2013, 11:18 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Queer&oldid=123791261 (Abgerufen: 11. Januar 2014, 20:56 UTC))
Weshalb wird Queer angeführt, Pädophilie aber nicht, obwohl auch dort "die Betonung auf der eigenen [...]  Lebensweise liegt und die des anderen eine geringere Rolle spielt"?
Offenkundig deshalb, weil bei der Pädophilie deutlich wird, wo die Grenzen der sexuellen Selbstbestimmung liegen, nämlich dort, wo sie die Verantwortung für den Partner ausklammert. Pädophile haben ihre Handlungsweise damit gerechtfertigt, dass die Kinder ja freiwillig mitgemacht hätten.  Einverständnis des beteiligten Partners allein ist aber nicht genug. Der Partner muss auch überblicken können, worauf er sich einlässt (das Problem bei Polyamorie), und der Erwachsene trägt die Verantwortung für das Kind. 

In der Süddeutschen Zeitung vom 11.1.14 heißt es in dem Artikel "Zur Vielfalt ermutigen":
Sexuelle Orientierung frei leben zu können, ist keine Frage des "Lebensstils", sondern ein Menschenrecht. 
Dieses angebliche Menschenrecht wird Pädophilen (und weniger geläufig Paraphilen ganz allgemein) aus guten Gründen nicht zugestanden. "Zur Vielfalt ermutigen" kann sich nicht sinnvoll an einzelne Schüler richten. Sinnvoll ist es, zur Akzeptanz von Vielfalt zu ermutigen. Aber auch dazu gehört, dass klar wird, dass auch beim Ausleben von Sexualität nicht verantwortungslos gehandelt werden darf. 

Mehr zu dieser Diskussion auf der Seite SWR Landesschau aktuell

Auch in einem Aufruf der verdienstvollen Organisation Campact heißt es:
Tatsächlich kann sexuelle Orientierung weder an- noch aberzogen werden. Sie auszuleben ist keine Frage des Lebensstils, sondern ein Menschenrecht.
Ich befürchte sehr stark, dass Pädophilie nicht aberzogen werden kann und dass die Versuche, es zu tun, allzu blauäugig sind. Dennoch kann ich nicht akzeptieren, dass das Ausleben jeder sexuellen Orientierung ein Menschenrecht wäre.  Und das, obwohl ich darin eine bedenkliche Ungleichbehandlung sehe. Denn etwas, was ich für mich in Anspruch nehme, möchte ich niemandem anders verweigern. Es ist doch hochproblematisch, wenn wir Menschen Askese abverlangen. 
Aber dürfen wir darauf verzichten, wenn wir an die Opfer denken?

Falls es jemandem nicht klar sein sollte: Die Diskriminierung von Homosexualität und anderen sexuellen Orientierungen halte ich für falsch. 
Das gilt m.E. sogar auch für sexuelle Orientierungen, die nicht ausgelebt werden können, ohne dem Sexualpartner zu schaden. 
Aber das Ausleben solcher Orientierung muss leider im Sinne des Menschenrechtsschutzes strafbar bleiben. 

Die undifferenzierte Empörung über kritische Anmerkungen zum Arbeitspapier zur Verankerung von Leitprinzipien des Bildungsplans in Baden-Württemberg hate ich für einen Rückfall in das Niveau der Pädophiliediskussion der 80er Jahre.