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Sonntag, 28. Januar 2024

"Nie wieder!" Demonstration in Heppenheim 28.1.24 15:00-16:30


















Am Rande der Demonstration: "Vielfalt macht nur Einfältigen Angst", "Gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextreme", "Omas gegen rechts" (Dieses Schild war offenbar vervielfältigt worden, so oft war es zu sehen).


Gegenüber der Tribüne


Der Platz war für die Demonstration zu klein, Viele Demonstranten standen auf den Zugangswegen. Daher wurde die Zahl der Demonstranten von den Anwesenden sehr unterschiedlich geschätzt. Die Schätzungen schwankten zwischen 2500 und 4500.
Die Demonstration verlief relativ ruhig, kaum Sprechchöre. 
Der Zugang zur Tribüne war wegen des großen Andrangs nur über Umwege möglich.
Daher gelang mir keine Aufnahme, bei der auch nur annähernd ein Gesamteindruck von der Zahl der Demonstranten vermittelbar war.

Da die Sprecher nur für einen Teil der Anwesenden zureichend gut zu verstehen waren, wanderten - wie ich - viele Anwesende auf der Suche nach besserer Sicht und Verständlichkeit um den Platz.
Die Anfahrt war wegen des sehr zähflüssigen Verkehrs für mich über 30 Minuten verzögert.
Der Pulk der Fahrradfahrer konnte dagegen zügig durchfahren und bot mit den vielen Schildern auf den Rücken der Fahrer einen ansehnlichen Demonstrationszug für sich.




Wenn die schweigende Mehrheit ihre Stimme erhebt 

"Wir sind wirklich überwältigt, dass so viele Menschen gekommen sind“, resümiert Manfred Forell vom „Bündnis Demokratie und Zivilcourage Vielfalt. Jetzt!“. Die Initiative hatte gemeinsam mit dem Verein „Fabian Salars Erbe – für Toleranz und Zivilcourage“ federführend zu der friedlichen Kundgebung aufgerufen. Mit rund 500 Teilnehmern hatte Forell gerechnet – der Einladung folgten am Ende viermal so viele Menschen, wie der zuständige Einsatzleiter der Polizei Heppenheim mitteilte. Zudem hatten sich mehr als 40 Initiativen, Verbände, Institutionen und Vereine dem Aufruf angeschlossen.  „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“, betonte Hanne Kleinemas vom Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Bergstraße. Sie moderierte die Veranstaltung und kündigte die einzelnen Beiträge an. [...]
Manfred Forell [sagte unter anderem:] "es ist eine Schande, dass wir nun wieder über Deportationen sprechen"
"Nicht als Mitglied der CDU sondern in seiner Funktion als Landrat trat auch Christian Engelhardt vor die Teilnehmer. „Es geht beim Kampf gegen den Rechtsruck um unser Land und unsere Freiheit. Die Demokratie ist zwar nicht die einfachste, aber in meinen Augen die beste Staatsform.[...]
„Zu lange haben sich so viele Menschen in der Defensive gesehen. Es tut einfach gut, euch alle hier versammelt zu sehen. Umso wichtiger ist es nun, dass wir alle uns zu unserem Grundgesetz und unserem Sozialstaat bekennen“, so der Vorsitzende des DGB Heppenheim, Franz Beiwinkel. [...] Ein Sprecher von Fridays for Future Bensheim [...] „Demonstrationen alleine reichen nicht aus.[...] 
Lea Würsching. Die Schulsprecherin am Goethe-Gymnasium Bensheim begeisterte das Publikum mit ihrem Wortwitz, ohne dass sie dabei den Ernst der Lage aus den Augen verlor. So habe Alice Weidel einmal in einem Interview gesagt, sie sei nicht queer. Sie sei nur seit 20 Jahren mit einer Frau zusammen. „Ich habe zum Beispiel auch keine langen Haare – sie sind einfach nur nicht kurz.“ [...] 
 „Die Correctiv-Recherchen, die Auslöser für die Protestwelle im ganzen Land sind, bilden nur die Spitze des Eisbergs“, ist sich Salome Saremi-Strogusch vom Verein Fabian Salars Erbe sicher. [...] Denn nie wieder ist jetzt!“ 
So wohltuend der Anblick von 4000 gleichgesinnten Menschen für die Organisatoren und Organisatorinnen auch war, so deutlich machten die Redner auch, dass die Proteste, die aktuell im ganzen Land stattfinden, keine Eintagsfliege bleiben dürfen. Wir müssen jeden Tag für die Demokratie einstehen und sie in unserem Alltag verteidigen. [...]"

Mein Kommentar:
Der Bericht umgeht das Problem, dass aufgrund des zu geringen Platzes die im Laufe der Veranstaltung nachströmenden Demonstranten auf den Zugangswegen warten mussten, zum einen mit dem Hinweis: "Mit rund 500 Teilnehmern hatte Forell gerechnet – der Einladung folgten am Ende viermal so viele Menschen" [Das wären also 2000.] und der Aussage: "der Anblick von 4000 gleichgesinnten Menschen", was sich auf die geschätzte Gesamtzahl der Demonstranten, die teils bald frustriert wieder abwanderten, bezog.
Ich selbst sprach, weil ich den Rednern nicht zureichend folgen konnte, ausführlicher mit einem Polizeibeamten, der am Anfang einer Zugangsstraße sein Einsatzfahrzeug abgestellt hatte, und mit den andren Polizeibeamten am Platz Kontakt hielt. Der erklärte mir, weshalb in diesem Fall auch die erfahrenen Polizeibeamten die Zahl der Demonstranten nicht genauer abschätzen konnten.

Siehe auch:
Caroline Fritsch war nie politisch aktiv. Nun hat sie ihre erste Demo in ihrer brandenburgischen Heimat organisiert: Es kommt auf die ostdeutschen Städte an, 
"[...] Eine Welle der Gemeinsamkeit, die mir enorm Auftrieb gegeben hat. Mir ist noch malt 
so richtig klar geworden: Wenn ich nicht deutlich meine Meinung sage, dann können die 
Rechten das als stille Zustimmung verbuchen. Ich habe unheimlich viele positive 
Rückmeldungen bekommen, von ehemaligen Mitschülern, früheren Lehrern, aus dem 
Bekanntenkreis. Das hat mich noch mal so sehr beflügelt. Viele haben mir gesagt: Wow, 
mutig, dass du dich so öffentlich positionierst! Ehrlich gesagt hatte ich diesen Gedanken 
vorher gar nicht, ich dachte eher: Das ist kein Mut, das ist jetzt einfach notwendig. Aber 
natürlich ist mir klar, dass ich mich damit auch Angriffen aussetze."
128 Kommentare

Freitag, 1. April 2022

Zum Z

 In Russland wird gefordert, als Zustimmungsbeweis für die "Militäraktion" gegen die Ukraine ein großes Z zu zeigen.

Personen, die dieses Z in Deutschland zeigen, werden jetzt bestraft, weil es kein Zeichen einer freien Meinungsäußerung darstelle.

Ich habe Verständnis für einen satirischen Text, in dem jetzt alle 'z's  durch ein Auslassungs_eichen ersetzt werden. 

Andererseits gibt es auch eine sinnvolle Begründung für die Strafankündigung. Dadurch gibt es nämlich eine Möglichkeit für Russen in Deutschland, die gegen den Krieg sind, aber befürchten, dass ihre Angehörigen oder sie selbst (nach einer Rückkehr nach Russland) sanktioniert werden, weil sie das  geforderte Z nicht zeigen. Jetzt können sie die in Deutschland angekündigte Strafe als Rechtfertigung für die fehlende Z-Demonstration  heranziehen.

Es ist kompliziert. Denn wenn man die angekündigte Strafe als Voraussetzung für eine freie Meinungsäußerung versteht, dann dürfte man nicht seinerseits genauso, wie in Russland ein Z (als demonstrative Zustimmung zum Krieg) gefordert wird, hier eine demonstrative Abwendung von Putin fordern.

Ob der satirische Text auch als Kritik am Gendern und am Vermeiden von in historischen Texten verwendeten Wörtern, die rassistischen Beiklang haben, verstanden werden kann, ist eine weiterführende Frage, die ich hier ausklammere. 


Freitag, 25. September 2020

Klimademonstration vom 25.9.2020 in einer Kleinstadt

 Streiflichter

klingt hinter Masken gerufen nicht so laut, wie wenn er von Hunderten Schülern gerufen wird. Auch haben die nicht wenigen über Siebzigjährigen weniger Zukunft vor sich, die man ihnen klauen kann, als Schüler. Doch das Engagement wurde auch so sehr deutlich.
Natürlich waren die Schüler trotz des ungewohnt geringen Anteils dennoch die Lautesten. Am anrührendsten dennoch die Fahrraddemonstranten mit dem Laufrädchen und Kinderfahrrad im Vorschulalter. Niemand will sich ausmalen, welche Zukunft ihnen bevorsteht, Allzu deutlich ist, dass weltweit keine Partei eine Strategie  hat, wie die Kipppunkte vermieden werden können, die ihr Leben in Chaos versinken lassen würde.

Der Sprecher des DGB erinnerte daran, dass kein Arbeitsplatz sicher ist, der das Klima schädigt. In Entscheidungsgremien wird das nachgesprochen, aber nicht beherzigt. 

Die Coronakrise hat gezeigt, dass die Politik energische Eingriffe auch in die Wirtschaft vornehmen kann; aber an effektiven Klimaschutz wagt sich keine Regierung heran, weil das ganze Ausmaß der Katastrophe nicht vor der nächsten Wahl erlebt werden wird.


Deshalb sind die Aktionen der Klimaaktivisten unersetzlich.
Luisa Neubauer: "Wir werden im nächsten Jahr alles, was in unserer Macht steht, dafür tun, dass diese Bundestagswahl die erste ist, in der jede demokratische Partei einen 1,5-Grad-Plan hat" (SZ 25.9.2020)



Sonntag, 30. August 2020

Bericht und Kommentar zu der Demonstration am 29.8. in Berlin

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/ach-so-ja-nazis-sind-auch-da-a-7805e693-69e2-4f7e-be82-af54a01f4435

Auf Twitter geht es weniger sachlich zu.
Ebenso nicht im Kommentar in der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/die-corona-demos-in-berlin-zeigten-keine-schoenen-bilder-16929142.html FAZ 30.8.2020

Von Argumenten, die bei der Kundgebung vorgetragen wurden, ist im vorliegenden Bericht nicht die Rede. Bleibt abzuwarten, ob das nachgeholt wird.

Mittwoch, 26. August 2020

Welche Veranstaltungen führen häufiger zu Superspreader-Events?

"[...]Jedenfalls wurde nach den Demonstrationen gegen Corona-Beschränkungen in den vergangenen Wochen, bei denen oft Tausende Menschen ohne Abstand und Masken durch die Straßen marschierten, keine überdurchschnittlich erhöhte Infektionszahl festgestellt.
In einer Umgebung, die eine Massenübertragung begünstigt, kann ein Ereignis laut RKI zwar zum "Superspreading-Event" werden. Bei einer Demonstration ist das aber offenbar nicht zwingend der Fall: Zwar treffen hier viele Menschen aufeinander, allerdings ist die Konzentration der ansteckenden Viruspartikel an der frischen Luft geringer als in schlecht gelüfteten, kleinen Räumen wie dem Berliner Club "Trompete". Dort steckte Mitte März ein mit dem Coronavirus Infizierter mehr als ein Dutzend weitere Gäste an.
Gefahr besteht vor allem dann, wenn eine überdurchschnittlich ansteckende Person, die das Virus bereits in sich trägt – ein sogenannter Superspreader – auf mehrere andere Menschen trifft. Ob eine Person jedoch ein Superspreader ist, ist meist nicht bekannt. Welches Ereignis zum Superspreading-Event wird, lässt sich also nur im Nachhinein feststellen. Carolin Rückl"
(Corona-Lexikon, ZEIT 26.8.20)

Samstag, 15. Juli 2017

FAZ vermisst linke Demonstranten, fehlen ihr Randalierer?

Stell Dir vor, die Neonazis kommen und keiner demonstriert faz.net 15.07.2017

"Zu einem Rechtsrock-Event reisen Tausende Neonazis in eine Kleinstadt nach Thüringen – und damit mehr als der Ort Bewohner hat. Von den angekündigten Gegendemonstranten ist dagegen kaum einer gekommen.
Zum bundesweit größten Neonazi-Konzert des Jahres im südthüringischen Themar sind vor Festivalbeginn bereits rund 3500 Rechte angereist.  [...] Dagegen war in der 3000-Einwohner-Stadt von den neun angekündigten Protestveranstaltungen gegen Rechts mit bis zu 2000 Demonstranten kaum etwas zu sehen. 
Laut Polizei demonstrierten vor dem Konzertgelände etwa 75 Menschen sowie in der mit Plakaten geschmückten Stadt und an diversen Ständen noch einmal wenige Dutzend.  
Knapp 1000 Polizisten aus Thüringen und mehreren Bundesländern sind im Einsatz – auch um die beiden Blöcke voneinander zu trennen. Polizei und Thüringer Innenministerium gingen davon aus, dass die Zahl der Polizisten laut Sicherheitskonzept und Einschätzung des möglichen Gewaltpotentials ausreicht."


Rechtsrock-Event in Thüringen: Themar wartet auf „Stahlgewitter“ und „Blutzeugen“ faz.net 14.7.17

"Der Bürgermeister hat lange genauso wie der Landrat aus dem nahen Hildburghausen gegen das Konzert gekämpft. Am liebsten hätte er das Ganze verboten, sagt Böse, doch das sei nicht so einfach. Rathaus und Landratsamt sehen in dem Konzert eine kommerzielle Veranstaltung, weil die Teilnehmer Eintritt zahlten.
 Der Organisator, ein Mittdreißiger aus der Thüringer Neonazi-Szene, beruft sich jedoch auf das Versammlungsrecht, weil es zwischen den Liedern auch Wortbeiträge gebe, und bekam darin sowohl beim Verwaltungsgericht Meiningen als auch beim Oberverwaltungsgericht in Weimar recht. Letzteres hatte erst am Donnerstag eine Beschwerde des Landkreises Hildburghausen zurückgewiesen mit der Begründung, dass auch Konzerte Meinungsäußerungen im Sinne des Versammlungsrechts sein können.
 Mit der Wertung als Versammlung aber steht die Veranstaltung unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes."

Kurz ist klarzustellen: Wenn Minderheiten die Straße beherrschen und gar andere terrorisieren, dann darf man nicht wegschauen, sondern dann sollte deutlich werden, was die Mehrheit der Bevölkerung davon hält.
Wenn aber rechtlich nicht verhindert werden kann, dass aus dem ganzen Bundesgebiet Rechtsradikale zusammenkommen und kurzfristig gegenüber der Gesamtbevölkerung die Überzahl darstellen, dann ist es Aufgabe des Rechtsstaats, sicherzustellen, dass es nicht zu Übergriffen auf die Bevölkerung kommt. Künstlich eine Situation herbeizuführen, dass die Polizei zwei Demonstrationen auseinander halten muss, wäre dafür kontraproduktiv. Die Bürger und die Organisationen, die zu Gegendemonstrationen aufgerufen haben, haben eine solche Situation verhindert.

Warum aber habe ich bei den Berichten der FAZ ein ungutes Gefühl?
Wenn es dort heißt:
"Laut Polizei demonstrierten vor dem Konzertgelände etwa 75 Menschen sowie in der mit Plakaten geschmückten Stadt und an diversen Ständen noch einmal wenige Dutzend.  
Knapp 1000 Polizisten aus Thüringen und mehreren Bundesländern sind im Einsatz – auch um die beiden Blöcke voneinander zu trennen."
dann klingt das für mich, als wäre es dem Berichterstatter lieber gewesen, wenn die Demonstranten gegen die Neonazis das Polizeiaufgebot gerechtfertigt hätten. 
Was stört mich daran?
Es wird nichts davon gesagt, aber der politisch wenig Informierte könnte angesichts des Berichts zu dem Eindruck kommen: "Gegen die Regierungen können die Linken demonstrieren, aber die Nazis sind ihnen wohl egal."
Ich hoffe, das ist nicht beabsichtigt, und möchte davor warnen, einen Wettkampf um die Hoheit auf den Straßen zu provozieren. Denn das kann gewiss nicht im Sinne der Berichterstatter sein. 

Samstag, 6. Juni 2015

Wer TTIP sät, wird Genmais ernten.

Campact berichtet über die Anti-TTIP-Demonstration in München:
[...] Mehr als 40.000 kamen gestern zur größten Münchner Demo seit Jahrzehnten zusammen. Wir sind immer noch sehr bewegt und super glücklich.Gemeinsam verhagelten wir Angela Merkel den Auftakt ihrer großen G7-Show, mit der sie am Wochenende im Schloss Elmau ihr Lieblingsprojekt TTIP wieder fit machen will. [...]Bunt, kraftvoll und friedlich zogen wir bei strahlend blauem Himmel, aber auch ziemlich hohen Temperaturen durch Münchens Straßen. Ganz vorne mit dabei war unser grünes Monsanto-Monster, eine übergroße Pestizid-Sprühflasche. Um den Weg für Genmais-Kolben frei zu machen, spritzte sie Bienen, Hasen und Schmetterlinge gnadenlos nieder. Das Motto: Wer TTIP sät, wird Genmais ernten. Herzlichen Dank an alle, die vor Ort dabei waren oder mit ihrer Spende diese kraftvolle Demonstration erst möglich gemacht haben! [...]
Hallesche Stoerung berichtet: 
[...] Trotz extre­mer Poli­zei­prä­senz war die Stim­mung sehr aus­ge­las­sen, krea­tiv und ergrei­fend. 40.000 – die Poli­zei sprach von 35.000 Men­schen – kamen bei strah­len­dem Son­nen­schein zum Karls­platz oder auch Sta­chus, wie ihn die Münch­ner lie­be­voll nen­nen. Nach­dem u.a. Anton Hof­rei­ter von den Grü­nen und Klaus Ernst von den Lin­ken sich auf der Bühne den Fra­gen des Mode­ra­tors stell­ten, heiz­ten Rai­ner von Vie­len und Band die Mas­sen mit „Empört euch, denn diese Welt sie gehört euch“ mäch­tig ein. Dann setzte sich der Demons­tra­ti­ons­zug lang­sam in Rich­tung Isar­tor in Bewegung.
Pro­test aus der Mitte der GesellschaftUnd da läuft eben der Mit­tel­ständ­ler oder Hand­wer­ker aus dem bür­ger­li­chen Lager neben dem Attac- Akti­vis­ten, auf­ge­brach­ten Bau­ern von der Arbeits­ge­mein­schaft Bäu­er­li­che Land­wirt­schaft, dem Men­schen­recht­ler, Imker, Rent­ner, Leh­rer, der grü­nen und der evan­ge­li­schen Jugend und vie­len ande­ren. Der Pro­test ist sozu­sa­gen in der Mitte ange­kom­men. Sie alle eint die Empö­rung und Angst vor einer men­schen­feind­li­chen, neo­li­be­ra­len Poli­tik, die von weni­gen Groß­kon­zer­nen bestimmt wird und die am Ende – wenn nicht schnell gegen­ge­steu­ert wird – unsere Lebens­grund­lage, die ganze Erde zerstört. [...]

Freitag, 9. Januar 2015

Für freie Presse und gegen Meinungsmanipulation

Sigmar Gabriel schreibt:
"Die Mörder greifen unsere Werte an – und sie wollen einen Keil in unsere Gesellschaft treiben. In Deutschland, ebenso wie in Frankreich und in anderen Ländern wird es auch Populisten geben, die jetzt die grausamen Taten als Bestätigung von Ressentiments, etwa gegenüber Flüchtlingen oder gegenüber dem Islam, missbrauchen wollen. 
Wir stellen uns dem entgegen: gegen alle, die unsere freie und offene Gesellschaft attackieren.
Darum meine Bitte: Sei dabei, wenn in Deiner Nähe am kommenden Montag eine NoPegida-Demonstration stattfindet. Es ist jetzt wichtiger denn je, den Rechtspopulisten nicht das Feld zu überlassen. " 
Mit diesem Argument versucht er, mir einzureden, ich müsste, weil Islamkritiker ermordet worden sind, gegen Islamkritiker sein. Nur so könnte ich zeigen, dass ich für eine offene Gesellschaft bin.
Solcher Argumentation vermag ich nicht zu folgen. 

Ich bin für Meinungsfreiheit und gegen überzogene Kritik am Islam. 
Wegen der Meinungsfreiheit darf ich gegen Islamkritiker argumentieren und demonstrieren. Wenn Islamkritik menschenverachtende Züge zeigt, kann ich die Vertreter dieser Richtung wegen Volksverhetzung anzeigen. Freilich gibt die Meinungsfreiheit ihnen einen großen Spielraum, weit über das Maß hinaus, was ich für akzeptabel halte.  Das gibt mir freilich kein Recht auf Gewaltanwendung gegen Islamkritiker, geschweige ein Recht, sie zu töten.

Wer eine solche Gewalttat ablehnt und deshalb seine Islamkritik weiter verschärft, hat eher mehr Verständnis von mir als weniger. 

Ich bin aber weiter gegen überzogene Islamkritik und weiter gegen Pegida, weil sie Menschen dazu manipulieren, Schwächere auszugrenzen und zu diskriminieren.

Weil ich gegen solche Manipulation bin, bin ich gegen Gabriels Argumentation. Es gibt viele Gründe, gegen Pegida zu sein. Der Anschlag auf das Pariser Satiremagazin ist keiner.  (Diese Ansicht habe ich inzwischen geändert, aber nicht aufgrund von Gabriels Argumentation, 13.1.15)

Kritik an meiner Argumentation ist erwünscht. Ich selbst hoffe, dass ich sie noch verbessern kann. 


Inzwischen (13.1.) habe ich gemerkt, welcher Satz mir fehlte und weshalb gerade in der gegenwärtigen Situation die Kritik an Pegida verstärkt werden sollte:

"Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen."*

Nach allem, was ich über die islamkritischen Karikaturen in "Charlie Hebdo" weiß, widersprechen sie fundamental dem, was ich über den Islam zu sagen hätte. Aber:
wer "Charlie Hebdo" einschüchtern will, der findet mich auf Charlies Seite
Es gibt kein allgemeines Recht auf Blasphemie, weil Blasphemie nicht selten geeignet ist, religiösen Hass zu verbreiten. Aber das Recht auf freie Meinungsäußerung bleibt bestehen.* 
Dafür sollten alle Demokraten eintreten, und deshalb ist die Pariser Demonstration mit etwa 1,5 Millionen Teilnehmern so wichtig gewesen. (Auch die parallele Demonstration von etwa 50 Staatsoberhäuptern bzw. Regierungschefs).

Zurück zu meinem Text vom 9.1.: Gabriel hat  eine allgemeine Solidarisierung mit einer Demonstration, die der Zentralrat der Muslime plant, angeregt:
Ihm schwebt eine partei- und religionsübergreifende Groß-Kundgebung vor – für ein Zusammenleben ohne Vorurteile und gegen Pegida, die der SPD-Vorsitzende allerdings im Brief nicht beim Namen nannte. So könnten die unterschiedlichen Akteure zeigen, "dass es ein mächtiges Band zwischen den unterschiedlichen Teilen unserer Gesellschaft gibt und das weit über unser Land hinausreicht" (ZEIT online, 9.1.15)
Moskau zu Charlie Hebdo: Bedrohung Europas kommt nicht aus Russland, 8.1.15

Nato: Anschlag von Paris ist Angriff auf Werte der Nato-Partner, 8.1.15
Nach dem Anschlag in Paris hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Bündnispartner zu mehr Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus aufgerufen. Der Angriff auf Werte wie Presse- und Meinungsfreiheit und eine offene Gesellschaft “unterstreicht die Bedeutung noch engerer Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Terrorismus in all seinen Formen”, sagte er am Donnerstag am Rande der CSU-Klausurtagung im bayerischen Wildbad Kreuth. “Wir müssen das auf viele unterschiedliche Arten tun.” Als Beispiele nannte er Polizei und Geheimdienste. Auch Russland als größter Nachbar in Europa und die Nato müssten bei wichtigen Themen wie der Terrorbekämpfung zusammenarbeiten. Dies habe man bereits viele Jahre getan.
* Der Satz stammt nicht von Voltaire, ist aber geprägt worden. um seine allgemeine Haltung zur Meinungsfreiheit zu kennzeichnen.
* Freilich sind  gerechtfertigter Gebrauch und Missbrauch nicht leicht zu unterscheiden.  §166 StgB geht mit seinem Schutz religiöser Bekenntnisse etwas über die internationalen Normen hinaus. 

Mittwoch, 10. September 2014

Klimademonstration am 21.9. in Darmstadt

21.9.14 14:30

Luisenplatz, 64283 Darmstadt, Deutschland
Darmstadt, HESSEN
Aufruf der Demonstrationsleitung
Am Sonntag, den 21. September, nur wenige Tage vor einem entscheidenden UN-Klimagipfel, nehmen Avaaz-Mitglieder auf der ganzen Welt an einem Klima-Aktionstag teil. Die Politiker denken, dass sich nicht genügend Menschen wirklich um das Klima sorgen. Darum stellen sie sich immer noch nicht der Herausforderung, unseren Planeten zu retten. Doch am 21. September haben wir eine beispiellose Gelegenheit, ihnen zu zeigen, dass sie sich getäuscht haben - und zwar mit der größten Klima-Mobilisierung aller Zeiten. Unter dem Motto: "Heiden trommeln für das Weltklima" treffen wir uns am 21.8 um 14:30 Uhr auf dem Luisenplatz in Darmstadt. Wir fangen auf dem Luisenplatz an, laufen zum Ludwigsplatz und von dort auf den Marktplatz. Diese Plätze haben alle guten Zulauf, weil dort diverse Cafés sind. Anberaumt haben wir ca. eine ½ Stunde pro Platz. Die Aktion ist mit dem Darmstädter Ordnungsamt abgesprochen, sodass wir bis spätestens 18 Uhr wieder abgerückt sein müssen. Bringt also Eure Trommeln, Rasseln und gute Laune mit! - oder kommt einfach so dazu.