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Mittwoch, 1. April 2020

Die FAZ fragt: Warum hat keiner auf Bill Gates gehört? Ich frage auch.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/digitec/corona-warum-hat-keiner-auf-bill-gates-und-nassim-taleb-gehoert-16707215.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

Im Text steht dann:
"Die Gates-Stiftung gehörte zu den Co-Finanziers einer Pandemie-Simulation an der John Hopkins-Universität im Oktober 2019. Ein Coronavirus war in Südamerika ausgebrochen, lautete das Szenario. Eine geladene Gruppe von echten Politikern, Spitzenbeamten und anderen Persönlichkeiten hatte die Aufgabe, die Pandemie zu stoppen und die negativen Folgen zu minimieren. Das Resultat  der Übung: 65 Millionen Tote.
Gates hatte die Simulation mitfinanziert, weil er glaubt, dass Länder auf Pandemien genauso vorbereiten müssen wie auf feindliche Militärschläge: Mit großangelegten Manövern. Inspiriert hatte ihn eine Einsatzübung aus dem Jahr 2001. Damals hatte eine Gruppe ehemaliger Politiker, Spitzenbeamter und Wissenschaftler den Ernstfall einer bioterroristischen Attacke mit Pocken geprobt. Es ging nicht gut aus. „Es steht 1 zu 0 für den Krankheitserreger“, kommentierte Gates lakonisch. [...] 
Die globale Verflechtung habe eine Allzeithoch erreicht, warnte Taleb noch Ende Januar, China sei eine der am stärksten global vernetzten Gesellschaften. Drastische Maßnahmen wie die Einschränkung wie Kontaktsperren und drastische Reisebeschränkungen seien dringend geboten. „Es wird kurzfristig einiges kosten, die Mobilität  einzuschränken. Das aber zu unterlassen wird irgendwann alles kosten, wenn nicht durch die aktuelle Pandemie, dann durch eine in der Zukunft“, warnte Taleb. Pandemien seien unvermeidlich. [...]
Mit der wachsenden Globalisierung geht nach Talebs Überzeugung eine deutliche wachsende Fragilität der Systeme einher, für die man sich wappnen muss. In seinem unwirschen Humanismus verschont Taleb auch die Weltgesundheitsorganisation nicht. Sie sei nicht nur immer zu spät mit ihren Warnungen  aus Rücksicht auf Fluggesellschaften oder Länder-Befindlichkeiten. Sie sei sogar kriminell in ihrer Informationspolitik. Das jüngste Beispiel: Immer mehr Studien verdichten die Annahme, dass Mundschutz besonders nützlich ist im Kampf gegen die Ausbreitung der Pandemie. Bis heute warnen die globalen Gesundheitsschützer noch davor."
Ich frage: Warum hat Bill Gates nicht auf sich gehört? Warum hat er weder Mundschutz noch Schutzkleidung in nennenswertem Umfang produzieren lassen? Fehlte ihm das Geld?
Waren alle Politiker, als sie an seiner Übung teilnahmen, taub, so dass sie ihn nicht hören konnten?
Weshalb wohl sind Gesundheitsschützer der Meinung, dass Mundschutz für Pflegekräfte wichtiger ist, als zig Millionen die Gelegenheit zu geben, Mundschutz zu hamstern, weil ja nicht alle darauf kommen, Desinfektionsmittel zu hamstern und manche sie deshalb auf Säuglingsstationen zu stehlen scheinen? (Hoffentlich Fake News)

Die FAZ seit vielen Jahrzehnten auf Wohlfühljournalismus eingestellt (Schirrmacher war eine Ausnahme) versucht es jetzt mit Anklage. 
Wie man das sinnvoll tut, muss sie wohl noch üben. 

Dienstag, 14. Mai 2019

Elektro-Tretroller wollen auch deutsche Städte erobern

"Das ist gut so – und längst überfällig. [...] Die Verleiher können es kaum erwartenFAZ 14.5.19

Der Wille der Tretroller ist uns Gesetz. 
Wer könnte in Zeiten von Fridays for Future schon auf etwas anderes kommen?!
Nicht die FAZ.
Scheuer würde sagen: "Alles andere wäre gegen jeden Menschenverstand."

Wohinter steckt ein kluger Kopf?
Vorzügliches Feuilleton und [...] Kommentare. 

Dienstag, 30. Oktober 2018

Auch die FAZ muss offenbar jedes politische Thema auf die AfD beziehen

"Der Kandidat, vor dem die AfD am meisten zittert" titelt die FAZ.
"Merz verteidigte Merkels umstrittene Flüchtlingspolitik, äußerte sich kritisch distanziert, aber mit großer Sympathie für die Vereinigten Staaten, über den gerade ins Amt gekommenen Präsidenten Donald Trump, über Finanzregulierung und Außenpolitik." (FAZ 30.10.18)

Offenbar ist nach Ansicht der Verfasser die wichtigste Eigenschaft, die eine CDU-Vorsitzende haben muss, dass die AfD vor ihr zittert. Wenn sie das nicht bringt, sollte man wohl besser zu einem Mann greifen, der die CDU spaltet. 

Donnerstag, 31. Mai 2018

Zeitungsüberschriften und das Problem sachgerechter Verkürzung

Die Mär von der sozialen Ungerechtigkeit lautet die Überschrift eines Artikels der FAZ vom 30.5.18

Gespannt lese ich nach, ob die Behauptung, sozialer Status werde in Europa weiterhin über mehrere Generationen vererbt, nicht mehr gelte.
Dann erfahre ich, es geht um Bildungsgerechtigkeit. Und was ist dazu herausgefunden worden?
Lesen Sie mal nach.

Die Überschrift Die Mär von der sozialen Ungerechtigkeit erweist sich als Fake News. Denn es geht nur darum, ob Details einer speziellen Auswertung einer PISA-Studie korrekt vorgenommen wurden.

War es Ungeschick bei der Verkürzung? Sollte auf Kosten von Missverständlichkeit Interesse geweckt werden? Oder soll absichtlich der Eindruck erweckt werden, so weit sei es es mit sozialer Ungerechtigkeit in Deutschland gar nicht her?

Zugegeben: Die Überschrift "Auslegung der PISA-Studie ist strittig" hätte mich nicht zum Nachlesen angeregt.

Mit fällt bei Die Mär von der sozialen Ungerechtigkeit  H. M. Enzensbergers Aufsatz von 1962 über die FAZ ein: "Journalismus als Eiertanz"
Meine verkürzte Wiedergabe des Inhalts: Die FAZ bezieht alles auf Deutschland und lässt Deutschland immer möglichst gut aussehen.

Ich bin erstaunt, wie gut Enzensbergers Aufsatz (natürlich abgesehen vom konkreten Anlass) noch nach gut 55 Jahren auf die Methode der FAZ passt. Dort heißt es unter anderem:

"[...] Die Formulierung ist so unsachlich, daß sie auf eine Irreführung hinausläuft. (S.33) [...] "NATO-Kommando Ostsee vom Parlament gebilligt." Das ist die Nachricht, um die es geht, und in dieser oder ähnlicher Form hat die ganze Weltpresse darüber berichtet. Für die Redaktion der Frankfurter Allgemeinen ist sie nichts weiter als ein Vorwand dafür, dem eigenen Land und letzten Endes sich selber, auf die Schulter zu klopfen. [...] Ein Blatt, das derart die Sache selbst in den Hintergrund schiebt, um aus ihren Begleitumständen politisches Kapital zu schlagen, muß mit solchen Kapital nicht eben reichlich versehen sein." (S.34) (H. M. Enzensberger: "Journalismus als Eiertanz. Beschreibung einer Allgemeinen Zeitung für Deutschland, zitiert nach Einzelheiten I, edition suhrkamp 63, Frankfurt 1973, Hervorhebungen von Fontanefan)

Wenn man es ins Positive wenden will, darf man sagen:
Diese traditionsreiche Zeitung ist sich selbst treu geblieben.
Freilich nicht der kritischen Haltung ihrer Vorgängerin, der Frankfurter Zeitung, die diese von der Weimarer Republik bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinüber gerettet hat. Wohl aber der Selbstzufriedenheit der Adenauerära, die noch von keinerlei Selbstkritik angekränkelt war.

Samstag, 23. September 2017

Die FAZ meldet sich mit einer hochaktuellen Frage

Wer aus der CDU wird ihre Nachfolge antreten?
Die FAZ weiß doch immer, was vor einer Bundestagswahl am dringlichsten bedacht werden sollte.

Vielleicht will sie aber auch nur dezent darauf hinweisen, dass es höchste Zeit dafür ist, etwas dagegen zu tun, dass sich die Frage stellt?

Samstag, 15. Juli 2017

FAZ vermisst linke Demonstranten, fehlen ihr Randalierer?

Stell Dir vor, die Neonazis kommen und keiner demonstriert faz.net 15.07.2017

"Zu einem Rechtsrock-Event reisen Tausende Neonazis in eine Kleinstadt nach Thüringen – und damit mehr als der Ort Bewohner hat. Von den angekündigten Gegendemonstranten ist dagegen kaum einer gekommen.
Zum bundesweit größten Neonazi-Konzert des Jahres im südthüringischen Themar sind vor Festivalbeginn bereits rund 3500 Rechte angereist.  [...] Dagegen war in der 3000-Einwohner-Stadt von den neun angekündigten Protestveranstaltungen gegen Rechts mit bis zu 2000 Demonstranten kaum etwas zu sehen. 
Laut Polizei demonstrierten vor dem Konzertgelände etwa 75 Menschen sowie in der mit Plakaten geschmückten Stadt und an diversen Ständen noch einmal wenige Dutzend.  
Knapp 1000 Polizisten aus Thüringen und mehreren Bundesländern sind im Einsatz – auch um die beiden Blöcke voneinander zu trennen. Polizei und Thüringer Innenministerium gingen davon aus, dass die Zahl der Polizisten laut Sicherheitskonzept und Einschätzung des möglichen Gewaltpotentials ausreicht."


Rechtsrock-Event in Thüringen: Themar wartet auf „Stahlgewitter“ und „Blutzeugen“ faz.net 14.7.17

"Der Bürgermeister hat lange genauso wie der Landrat aus dem nahen Hildburghausen gegen das Konzert gekämpft. Am liebsten hätte er das Ganze verboten, sagt Böse, doch das sei nicht so einfach. Rathaus und Landratsamt sehen in dem Konzert eine kommerzielle Veranstaltung, weil die Teilnehmer Eintritt zahlten.
 Der Organisator, ein Mittdreißiger aus der Thüringer Neonazi-Szene, beruft sich jedoch auf das Versammlungsrecht, weil es zwischen den Liedern auch Wortbeiträge gebe, und bekam darin sowohl beim Verwaltungsgericht Meiningen als auch beim Oberverwaltungsgericht in Weimar recht. Letzteres hatte erst am Donnerstag eine Beschwerde des Landkreises Hildburghausen zurückgewiesen mit der Begründung, dass auch Konzerte Meinungsäußerungen im Sinne des Versammlungsrechts sein können.
 Mit der Wertung als Versammlung aber steht die Veranstaltung unter dem besonderen Schutz des Grundgesetzes."

Kurz ist klarzustellen: Wenn Minderheiten die Straße beherrschen und gar andere terrorisieren, dann darf man nicht wegschauen, sondern dann sollte deutlich werden, was die Mehrheit der Bevölkerung davon hält.
Wenn aber rechtlich nicht verhindert werden kann, dass aus dem ganzen Bundesgebiet Rechtsradikale zusammenkommen und kurzfristig gegenüber der Gesamtbevölkerung die Überzahl darstellen, dann ist es Aufgabe des Rechtsstaats, sicherzustellen, dass es nicht zu Übergriffen auf die Bevölkerung kommt. Künstlich eine Situation herbeizuführen, dass die Polizei zwei Demonstrationen auseinander halten muss, wäre dafür kontraproduktiv. Die Bürger und die Organisationen, die zu Gegendemonstrationen aufgerufen haben, haben eine solche Situation verhindert.

Warum aber habe ich bei den Berichten der FAZ ein ungutes Gefühl?
Wenn es dort heißt:
"Laut Polizei demonstrierten vor dem Konzertgelände etwa 75 Menschen sowie in der mit Plakaten geschmückten Stadt und an diversen Ständen noch einmal wenige Dutzend.  
Knapp 1000 Polizisten aus Thüringen und mehreren Bundesländern sind im Einsatz – auch um die beiden Blöcke voneinander zu trennen."
dann klingt das für mich, als wäre es dem Berichterstatter lieber gewesen, wenn die Demonstranten gegen die Neonazis das Polizeiaufgebot gerechtfertigt hätten. 
Was stört mich daran?
Es wird nichts davon gesagt, aber der politisch wenig Informierte könnte angesichts des Berichts zu dem Eindruck kommen: "Gegen die Regierungen können die Linken demonstrieren, aber die Nazis sind ihnen wohl egal."
Ich hoffe, das ist nicht beabsichtigt, und möchte davor warnen, einen Wettkampf um die Hoheit auf den Straßen zu provozieren. Denn das kann gewiss nicht im Sinne der Berichterstatter sein. 

Dienstag, 4. März 2014

Geschwindigkeit ist keine Hexerei!

Was ich in Twitter retweeten durfte, darf ich wohl auch hier zitieren, Herr Schirrmacher?

.derweil korrigieren die Kollegen von der NYT aufgrund eines Twitter-Hinweises einen Druckfehler aus dem Jahre 1853.
Wie schreibt Wolfgang Michal in Carta:
kein anderes Blatt beschäftigt sich so liebevoll mit der Technik, kein anderes Blatt prägt die digitalen Debatten so stark wie das Feuilleton der FAZ 

Michal kommt dann zum Schluss:
Wir, die ewig nörgelnden Geburtshelfer ins digitale Zeitalter, haben uns erfolgreich überflüssig gemacht. Wir haben es geschafft, den Wandel in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Unser notorischer Geldmangel muss nicht länger mit Idealismus, Originalität und Provisorien ausgeglichen werden. Mit den technisch wie optisch hochgetunten Websites der Altmedien können unsere klapprigen WordPress-Dinos sowieso nicht mithalten. Heute sind es die Blogs, die alt aussehen.
Also sperren wir den Laden doch einfach zu. In der Welt der Medien macht es keinen Sinn, etwas am Leben zu halten, was nicht mehr gebraucht wird. „Geht sterben!“ – diesen bösen Satz aus der arroganten Frühzeit des Internets – können wir nun endlich zu uns selber sagen.
Ich hab den Verdacht, er will auf etwas anderes hinaus: Vernetzung, z.B. wie hier versucht.