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Dienstag, 29. April 2025

Würde eine schwerwiegender Einbruch der Konjunktur oder ein Atomkrieg mit großen Verlusten den Klimawandel hinausschieben?

 Ich habe die Passage bei J. Randers 2025. Der neue Bericht an den Club of Rome, S.296/97 noch einmal nachgelesen. Nüchtern geht er mit den Problemen Atomkrieg und Weltfinanzkrise in der Tat um; aber er sieht noch geringere Folgen eines Atomkriegs für den Klimawandel, als ich in dem vorigen Blogbeitrag, in dem es darum ging, ob Greta Thunberg eine Antisemitin ist, dargestellt habe.

Zum Atomkrieg schreibt er: "Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Weltbevölkerung und die Wirtschaft wären jedoch begrenzt. Würden die Bomben 100 Millionen Menschen töten – und das ist etwa zehnmal so viel, wie realistischerweise sterben würden – dann wären das 1,4 Prozent der Weltbevölkerung und derselbe Anteil des weltweiten BIP [Bruttoinlandsprodukt] (wenn man davon ausgeht, dass die Bomben in allen Altersgruppen gleich viele Opfer verursachen). Die Bomben würden die Weltwirtschaft um lediglich acht Monate (bei einer angenommen Wachstums/rate/von 2 Prozent jährlich) und die Bevölkerung um zwölf Monate (bei einer angenommenen Wachstumsrate von 1,4 Prozent jährlich) zurückwerfen. Das heißt, auf den Klimawandel würde sich ein Atomkrieg noch weniger auswirken als die oben beschriebene, finanzielle Kernschmelze." (S.296/97)

Er fügt allerdings hinzu: "Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das Leid, das ein Atomkrieg verursacht, ist unfassbar und völlig überflüssig. Und die Ungerechtigkeit, dass die einen getroffen werden und die anderen nicht, ist nicht hinnehmbar." (S.297)

Eine große Finanzkrise hätte nach Randers (Copyright 2012) zwar eine größere, aber dennoch nicht wirklich wesentliche Auswirkung auf den Klimawandel. Dazu schreibt er:

"Was wäre, wenn das Vertrauen in das Finanzsystem und damit die Kreditvergabe an die Realwirtschaft komplett zusammenbrechen und das BIP dadurch innerhalb eines Jahres um, sagen wir, 20 Prozent senken würde? [...] Das würde zu einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit führen, der begleitet wird von sinkenden Einkommen, sinkendem Energieverbrauch, sinkenden CO2– Emissionen und einem kleiner werdenden ökologischen Fußabdruck, nicht zu vergessen massive Umschichtung der Eigentumsverhältnisse und Nettovermögenswerte. Die wichtigste Folge jedoch, über den Rückgang von Konsum und Wohlstand und den Anstieg der Armut hinaus, wäre die Tatsache, dass die Menschheit erst später an Grenzen des Planeten stößt. Obwohl dieser Aufschub nicht wirklich lang wäre. Würden fünf Jahre lang die jährlichen Emissionen um 20 Prozent sinken, so würden die kumulierten Emissionen um ein Jahr der normalen Emissionen sinken, das heißt, der sich selbst verstärkende Klimawandel würde nicht im Jahr 2080 einsetzen, sondern erst 2081.

Das heißt eine ernsthafte Finanzkrise würde das Klima nicht retten. Würde die Rezession jedoch intelligent genutzt, indem die Arbeitslosen "grüne" Projekte durchführen, die durch die Notenpresse finanziert werden, könnte sich der wirtschaftliche Aufschwung [(!) [gemeint ist: Abschwung] langfristig als eine Wohltat für das Klima herausstellen. Ich zweifle jedoch, dass das passieren würde." (S. 296). 

Das ist also die Größenordung der Probleme, um derentwillen Greta gestreikt hat und um derentwillen Menschen, denen an dauerndem wirtschaftlichen Aufschwung liegt, verhindern wollen, dass auf Gretas Warnung (und die der anderen Klimaaktivisten)  gehört wird. Deswegen soll Greta eine Antisemitin sein, weil sie die Tötung zigtausender Menschen im Gazastreifen verurteilt hat.

Seit 2012, als Randers aufgrund ziemlich präziser Modellrechnungen diese Prognose aufgestellt hat, sind gut 13 Jahre vergangen, ohne dass die Weltwirtschaft wesentlich umgesteuert hätte.


Samstag, 2. Februar 2019

euro|topics: Warum rutscht Italien in die Rezession?

Die Wirtschaftsleistung Italiens ist im vierten Quartal 2018 zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen. Damit ist das Land in die Rezession gerutscht. Für eine Reihe von Kommentatoren bekommt Italien acht Monate nach dem Antritt der Regierung aus Cinque Stelle und Lega zu Recht die Quittung.
AVVENIRE (IT)

Rom hat Misstrauen gesät

Wachstum hat mit Vertrauen zu tun, und das hat die Regierung in Rom verspielt, konstatiert Avvenire:
„Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Rückgang von Investitionen und Konsum im Herbst und dem Schwinden des Vertrauens. Denn der Herbst war geprägt von einem politisch-institutionell brisanten Klima und dem Frontalzusammenstoß im Haushaltsstreit - zwischen der Regierung auf der einen und Europa und den Märkten auf der anderen Seite. Eine Konfrontation, die uns 1,7 Milliarden zusätzliche Zinsen auf die Staatsverschuldung gekostet hat. Der Spread [Risikoaufschlag für Staatsanleihen] kletterte auf 350 Basispunkte, die Börse verlor 20 Prozent und Dutzende Milliarden an Ersparnissen landeten im Ausland, weil man - glücklicherweise unbegründet - fürchtete, dass Italien den Euro verlassen könnte.“
Marco Girardo
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CORRIERE DEL TICINO (CH)

Ohne Investitionen kein Wachstum

Schnelles Handeln mahnt Journalist Ferruccio De Bortoli in Corriere del Ticino an:
„Die Investitionen wurden gekürzt, um den von Brüssel geforderten Parametern gerecht zu werden. Eine politisch schmerzlose Möglichkeit, die Konten vorübergehend auszugleichen. Doch so sägt man still und leise am Ast, auf dem man sich mit bequemer Selbstverständlichkeit niedergelassen hat. ... Der Infrastruktur-Sektor ist extrem wichtig. Doch die Regierung ist sich über die Finanzierung von Großprojekten nicht einig, wobei Cinque Stelle mittlerweile eine gewisse Dosis Realismus zugestanden werden muss. ... Rund 400 Großprojekte warten auf ihre Umsetzung. Würden Meinungsverschiedenheiten überwunden und bürokratische Hindernisse abgebaut, würde sich das sowohl auf das Wachstum als auch auf ausländische Investitionen positiv auswirken. Und man würde eine Rezession vertreiben, die bisher nur technisch ist.“
Ferruccio De Bortoli
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SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (DE)

Leider Reformkurs gestoppt

Dass Lega und Cinque Stelle die Schuld für die schlechten Wirtschaftsdaten sogleich wieder anderswo suchen - beim Abschwung in Deutschland und China -, lässt die Süddeutsche Zeitung nicht gelten:
„Schuld sind vor allem sie selbst. Sie haben den Reformkurs der Sozialdemokraten gestoppt, der erste Erfolge und moderates Wachstum brachte. Sie haben sich einen bitteren Streit mit der EU-Kommission geliefert, der viel politische Kraft und Vertrauen von Investoren kostete. Sie erhöhen die Schulden des ohnehin gefährlich hoch verschuldeten Staates. Und sie investieren viel zu wenig in Infrastruktur, Forschung oder Bildung, also in Sektoren, die stabiles Wachstum bringen könnten. Eine Weile wird sich die Regierung noch aus der Verantwortung stehlen können. Doch auf Dauer lassen sich die Italiener nicht täuschen.“
Stefan Ulrich
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LES ECHOS (FR)

Ansatz am falschen Hebel

Dass die kürzlich vom italienischen Parlament verabschiedeten Maßnahmen zur Konjunkturbelebung kaum etwas bewirken werden, glaubt das Wirtschaftsblatt Les Echos:
„Zum einen, weil sie die Haushaltslöcher vergrößern und daher die Zinsen nach oben treiben, was sowohl öffentliche Kassen als auch Banken und Unternehmen belastet. Wahlversprechen wurden verwässert (Bürgereinkommen, Investitionsprogramm), oder aber sie haben keinen positiven Effekt auf den Privatkonsum (vorgezogene Verrentungen). Vor allem aber gehen die Maßnahmen die Schwächen der italienischen Wirtschaft nicht an: Probleme hinsichtlich Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, die Ineffizienz der Verwaltung, die Qualität von Bildung und Ausbildung. Vor der Europawahl wird die populistische Regierung ihre Strategie nicht ändern. Früher oder später wird sie jedoch Rechenschaft ablegen müssen.“
Etienne Lefebvre
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