Die Republik Komi liegt im äußersten Nordosten Europas, einer dünnbesiedelten Taiga- und Tundra-Region. Die Landschaft ist vorwiegend flach, im Nordwesten liegt der Timanrücken, im Osten grenzt sie an das Uralgebirge. Die wichtigsten Flüsse sind die Petschora sowie die Wytschegda, ein Nebenfluss der Nördlichen Dwina. Die Urwälder von Komi sind das größte zusammenhängende Urwaldgebiet Europas und seit 1995 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Manpupunjor-Felsen zählen zu den Sieben Wundern Russlands.
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Dienstag, 24. März 2026
Sonntag, 20. Juli 2025
Russische Kriegswirtschaft
Jetzt sind die eigenen Leute dran ZEIT 16.7.25
"Russland geht das Geld aus. Sogar die Prämien für Soldaten halbiert der Staat. Doch wer deshalb auf Frieden hofft, irrt. Putin hat schon neue Quellen im Visier. [...]"
Freitag, 27. Juni 2025
Warum ist der NATO-Russlandrat gescheitert?
Man könnte behaupten: Mit der NATO-Russland-Grundakte von 1997 wurde versucht, eine Zusammenarbeit mit Russland zu begründen. Allerdings war mit der Partnerschaft für den Frieden schon 1994 eine Einladung an alle an einer Zusammenarbeit mit der NATO interessierten Staaten erfolgt. Somit war ein Weg zu einer privilegierten Partnerschaft zwischen Russland und der NATO erschwert. Doch erst die Nato-Osterweiterung von 1999 um die ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten Polen, Tschechien und Ungarn hat dann den Weg zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit von Russland mit der NATO versperrt.
Eine KI sieht es merklich anders:
"Der NATO-Russland-Rat (NRR), der 2002 als Forum für Konsultation, Konsensbildung, Kooperation und gemeinsame Entscheidungen zwischen den NATO-Staaten und Russland gegründet wurde, ist de facto gescheitert. Sein Scheitern ist auf eine Reihe grundlegender und zunehmend unüberbrückbarer Differenzen zurückzuführen, die sich über die Jahre verschärft haben und letztlich im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine 2022 kulminierten.
Die Hauptgründe für das Scheitern sind:
Fundamentale Meinungsverschiedenheiten über die europäische Sicherheitsordnung:
NATO-Erweiterung: Russland sah die NATO-Osterweiterung (Aufnahme ehemaliger Warschauer-Pakt-Staaten und ehemaliger Sowjetrepubliken) als Bedrohung und Bruch westlicher Zusagen (auch wenn es keine rechtsverbindlichen Zusagen gab). Die NATO hingegen verteidigte das Recht souveräner Staaten, ihre Bündnisse frei zu wählen. Diese Frage war ein permanenter Streitpunkt.
Russlands Anspruch auf Einflusssphären: Russland forderte die Anerkennung einer exklusiven Einflusssphäre in seinem "nahen Ausland" (ehemalige Sowjetrepubliken) und den ehemaligen kommunistischen Ländern Mittel- und Osteuropas. Die NATO lehnte dies ab und betonte die Souveränität und territoriale Integrität aller Staaten.
Konflikt über das Prinzip der kollektiven Sicherheit: Russland argumentierte, dass seine Sicherheitsinteressen Vorrang vor der Sicherheit anderer europäischer Länder hätten, was dem NATO-Prinzip der gleichen Sicherheit für alle Mitgliedstaaten widersprach.
Mangel an Vertrauen und unterschiedliche Interpretationen von Ereignissen:
Kosovo-Krieg (1999): Die NATO-Intervention im Kosovo ohne UN-Mandat wurde von Russland scharf kritisiert und als Verstoß gegen das Völkerrecht und Einmischung in innere Angelegenheiten angesehen. Dies schadete dem Vertrauen erheblich.
Georgienkrieg (2008): Russlands militärisches Vorgehen in Georgien führte zu einer ersten größeren Aussetzung der NRR-Sitzungen und zeigte die Eskalationsbereitschaft Moskaus zur Durchsetzung seiner Interessen.
Annexion der Krim und Krieg im Donbas (2014): Dies war ein entscheidender Wendepunkt. Russlands Annexion der Krim und die Unterstützung von Separatisten in der Ostukraine führten zur Suspendierung der praktischen Zusammenarbeit der NATO mit Russland und zu einem faktischen Einfrieren des NRR, obwohl die politische Kommunikation punktuell auf Botschafterebene beibehalten wurde. Die NATO verurteilte diese Aktionen als klaren Bruch des Völkerrechts.
Fehlende gemeinsame Interessen und Werte:
Obwohl es anfänglich Kooperationen in Bereichen wie Terrorismusbekämpfung (nach 9/11), Drogenhandel oder Rettungseinsätzen gab, fehlte eine gemeinsame Vision für die europäische und globale Sicherheitsarchitektur.
Die NATO basiert auf demokratischen Werten und dem Prinzip der kollektiven Verteidigung, während Russland zunehmend autoritäre Züge entwickelte und eine revisionistische Außenpolitik verfolgte, die die etablierte Nachkriegsordnung in Frage stellte.
Russlands Ablehnung von Rüstungskontrollvereinbarungen und Raketenabwehr:
Diskussionen über Raketenabwehrsysteme im NRR scheiterten, da Russland die westlichen Systeme als Bedrohung seiner eigenen Sicherheitsinteressen sah und keine Einigung über Transparenz oder Einsatzmodalitäten erzielt werden konnte.
Russland zog sich aus wichtigen Rüstungskontrollverträgen zurück (z.B. INF-Vertrag), was das Misstrauen weiter verstärkte.
Russlands Invasion der Ukraine (2022):
Der umfassende Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine im Februar 2022 machte jede weitere sinnvolle Zusammenarbeit im NRR unmöglich. Die NATO verurteilte die Invasion scharf und erklärte, dass Russland die Beziehungen unwiderruflich zerstört habe. Der NRR wurde seither nicht mehr einberufen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der NATO-Russland-Rat nicht an einzelnen Meinungsverschiedenheiten scheiterte, sondern an einem grundlegenden und wachsenden Dissens über die Prinzipien der europäischen Sicherheitsordnung, an einem tiefen Vertrauensverlust und der zunehmenden Bereitschaft Russlands, seine außenpolitischen Ziele mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Die Invasion der Ukraine war der Endpunkt dieser Entwicklung.
Freitag, 9. August 2024
"Sind 16 Menschenleben nicht einen Mörder wert?"
Dienstag, 7. Mai 2024
Rückzug der russischen Schwarzmeerflotte
Die russische Schwarzmeerflotte hat sich vermutlich nach Noworossijsk im Raum Krasnodar zurückgezogen. FR 3.5.24
Donnerstag, 22. Februar 2024
Tötung eines russischen Überläufers
Montag, 27. November 2023
Beim Stellungskrieg setzen Russland und Ukraine jetzt verstärkt auf Drohnen
https://www.fr.de/politik/ukraine-russland-krieg-drohnen-roboter-waffen-moskau-kiew-zr-92696371.html
Drohnen statt Menschen zu verheizen ist offenbar eine humanere Strategie. Praktisch heißt das, dass die europäischen Staaten mit dem Öl und Gas, das sie - zum Teil auf dem Weg durch die Ukraine, zum Teil über andere Staaten aus Russland beziehen, den russischen Krieg und mit ihren Finanzhilfen an die Ukraine den ukrainischen Krieg bezahlen.
Das bedeutet mit der Zerstörung wichtiger Infrastruktur mehr CO2-Ausstoß für die Herstellung der Waffen und Wiederbeschaffung der zerstörten Werte eine Beschleunigung des Klimawandels. Und wegen der mit Drohneneinsatz verbundenen Tötung von Bewohnern des jeweils feindlichen Landes Finanzierung der Tötung von Zivilisten statt Soldaten.
Donnerstag, 5. Oktober 2023
Alte sowjetische Panzer könnten für die Ukraine zum Problem werden
"[...] Der britische Militäranalyst Nicholas Drummond gab bereits bei der ersten Sichtung der alten Panzer zu bedenken: Eine Panzerabwehrwaffe vom Typ „Javelin“ koste ungefähr 200.000 US-Dollar und ein alter Panzer kaum etwas. Im aus russischer Sicht schlechtesten Fall, sei der Panzer ein „nützliches Artelleriegeschütz“. Oder für die Ukraine noch gefährlicher: „Quantität an sich, kann auch zur Qualität werden“, schrieb Drummond auf X (vormals Twitter). [...]"
Wenn die Munition wesentlich teurer ist als die Waffe.
"Noch weiß die Ukraine mit den USA die größte Militärmacht der Welt als Unterstützer an ihrer Seite. Doch durch den Haushaltsstreit zwischen Republikanern und Demokraten bröckeln die Mehrheiten für weitere Militärhilfe. Und auch in Polen steht die Unterstützung in der Ukraine im Vorfeld der Parlamentswahlen in rund einer Woche wieder zur Debatte."
Die Zeit könnte gegen die Verhandlungsmöglichkeiten der Ukraine gespielt haben.
Samstag, 18. März 2023
„Dialog braucht Raum ohne Raketendonner“
„Dialog braucht Raum ohne Raketendonner“ FR 18.3.23
Einen schweren Stand hat er immer, wenn Frieden in Gesellschaften oder zwischen Staaten zerbricht. Was nicht unbedingt heißt, dass pazifistische Positionen auch denunziert werden. Doch was wir gerade erleben, ist eine Diskreditierung des Pazifismus verbunden mit der Dominanz eines militärisch geprägten Sicherheitsdiskurses ...
... und eine unerträgliche Rechthaberei bei all den kalten Kriegern in Politik und Medien ...
... aber durchaus auch bei den Gegenspielern. Der moralische Anspruch, auf der besseren Seite der Geschichte zu stehen, ist eines der zentralen Probleme im gegenwärtigen Diskurs. Diese Haltung zeigt sich ganz oben im Außenministerium ebenso wie in der Zivilgesellschaft. Wenn es zur Kontroverse kommt, wird die andere Seite stets als die weniger gute abqualifiziert. Würden wir akzeptieren, dass dieser Krieg bei uns allen eine ungeheure Erschütterung ausgelöst hat, wären die öffentlichen Debatten vielleicht weniger vergiftet. [...]
Wie bei vielen anderen Gewaltkonflikten hat auch dieser Angriffskrieg seine Ursachen und eine Vorgeschichte der verpassten Chancen für einen neuen europäischen Frieden nach dem Kalten Krieg. Ich habe lange über den Nordirland-Konflikt gearbeitet. Im Rückblick sieht der klein aus gegenüber dem, was wir gegenwärtig erleben. Aber strukturell ist vieles vergleichbar. Nicht zuletzt, dass wir ein großes, (post-)imperiales Land im Konflikt mit einem kleineren erleben, dem bereits blutige Auseinandersetzungen und bürgerkriegsähnliche Kämpfe vorausgegangen sind.
Und welchen Schluss ziehen Sie daraus?
Dass aus meinem Mitgefühl für die Opfer nicht folgen kann, militärisch für sie Partei zu ergreifen. Meine Sympathien für die Katholiken in Nordirland bedeuteten nicht, die Bewaffnung der IRA zu befürworten. Als Außenstehende sind wir gut beraten, das Spiel nicht mitzuspielen, das der Konflikt vorgibt ...
... was wir mit Waffenlieferungen an die Ukraine tun? Obwohl das Land Opfer der russischen Aggression ist?
Dass Putin der brutale Aggressor und die Ukraine das Opfer ist, steht zweifellos fest. Dennoch bedeutet die Lieferung von Panzern und erst recht die von Kampfflugzeugen eine weitere Eskalation des Krieges. Deshalb sollten wir das nicht tun. Als Kennerin von Dynamiken, die durch Waffen ausgelöst werden, kann ich nur sagen: Kampfjets markieren eine neue Qualität. Sie überfliegen sozusagen die ohnehin problematische Grauzone zwischen Defensive und Offensive.
Dennoch wollen Polen und die Slowakei Kampfflugzeuge an die Ukraine liefern ...
... während die Rand Corporation – ein einflussreicher US-Thinktank – jetzt für Waffenstillstand und Verhandlungen plädiert. Für mich überschreitet es auch eine Grenze, dass Rheinmetall plant, ein Panzerwerk in der Ukraine zu bauen, damit die deutsche Rüstungsindustrie dort Waffen produzieren kann. Dieter Senghaas, einer der Urväter der deutschen Friedensforschung, hat bereits in den 1970er Jahren beschrieben, wie Rüstungsgüter und -exporte eine Art „Autismus“ entwickeln, der auf ihren Einsatz drängt. [...]
Der Absturz einer US-Drohne über dem Schwarzen Meer jüngst und die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Russland und den USA illustrieren das Ausmaß der Risiken weiterer Eskalation: Es ist ein hybrider, zwischenstaatlicher Krieg mit einer sehr starken geopolitischen Komponente. Diese Komponente macht es wahnsinnig kompliziert, den Kriegsverlauf objektiv zu beurteilen, erst recht, Friedensstrategien und -akteure zu identifizieren. Aber umso dringlicher ist es ...
... die Frage zu beantworten, wie die Gewalt beendet werden kann.
Ja, aus pazifistischer Sicht müssen wir einen Konflikt immer von einer möglichen Friedenslösung aus betrachten und nicht nur auf den Kriegsverlauf schauen. Und das heißt auch, dass ab einem bestimmten Punkt alle an den Tisch müssen, die vermeintlich „Guten“ sowie die „Bösen“ – auch das eine Lehre aus anderen Konflikten.
Wer Verhandlungen fordert, dem wird gern das Münchner Abkommen von 1938 entgegengehalten. Tenor: Putin ist gleich Hitler, Verhandlungen würde er nur zur weiteren Aufrüstung nutzen.
Der Vergleich hinkt, denn das Münchner Abkommen wurde vor dem Überfall Hitlers auf Polen geschlossen. Aber klar kann es passieren, dass Russland in einer fragilen, waffenstillstandsähnlichen Situation wieder aufrüstet. Das ist bei Waffenstillständen fast immer so. Dennoch darf man deshalb nicht darauf verzichten, auf eine Waffenruhe zu drängen; Dialog braucht Raum ohne Raketendonner.
Wer sollte denn drängen?
Putin geht es gegenwärtig nicht um die Beendigung des Krieges, Selenskyj aber auch nicht. Wenn das so ist, müssen andere dafür sorgen. Die UN sollten Räume bereitstellen, in denen das globale Interesse an gemeinsamer Sicherheit signalisiert werden kann. Die Initiativen von China, Indien, Brasilien müssen ernster geprüft werden. Zunächst muss es um die Vorstufe zu Verhandlungen gehen, um „Talks about Talks“, in denen Gesprächsinhalte abgesteckt werden. Es gibt ja bereits Gespräche der beiden schwer verfeindeten Parteien – über Getreideabkommen zum Beispiel oder Gefangenenaustausch, also Themen von internationalem und gegenseitigem Interesse. [...]"
„Dialog braucht Raum ohne Raketendonner“ FR 18.3.23
Montag, 13. Februar 2023
Alice Schwarzer zur Vorgeschichte des Ukrainekriegs
"Der Geburtsfehler des Ukraine-Konflikts war, dieses Land vor die Alternative zu stellen: EU oder Russland! Denn die Ukraine ist ein Brückenland, neigt halb zum Westen, halb zum Osten und genau das hätte sie auch bleiben sollen. Aber das scheint jetzt verspielt. Statt diese West/Ost-Lage als Stärke zu begreifen, ist sie nun eine Schwäche und befindet sich das Land in einer Zerreißprobe. Für diese Zerreißprobe tragen beide Verantwortung: Putin, aber auch der Westen". (18.3.2014)
Kommentar vom 12.2.2023 auf Twitter: "Schwarzer hat mit diesem Text eigentlich alles verraten, wofür sie je gestanden hat."
Diese Ansicht ist verständlich, wenn die Verfasserin weder die Weltsituation vom 2013/14 noch die von 1991-2001 vor Augen hat. (Fontanefan)
Meine Erinnerungen an die Situation 2014:
https://fontanefansschnipsel.blogspot.com/search/label/Ostukraine
Aus Eugen Drewermanns Rede bei der Demonstration am 13.12.2014:
"Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des Friedens, wir stehen hier in den Vorweihnachtstagen um auszusprechen, was wohl jeder fühlt: Wir wollen Frieden, und keinen Krieg! Als Theologe möchte ich Herrn Gauck daran erinnern, dass er seinen Gemeinden, als er noch im Dienst war, wohl nicht erläutert hat wie die Engel über den Fluren von Bethlehem zur Friedenspolitik des Kaisers Augustus in Rom aufriefen. Genau das Gegenteil der Pax Romana war gemeint: Wer dich auf die eine Wange schlägt, dem halte noch die andere hin. Das ist das Gegenteil von Aufrüstung. Glücklich, heißt es in der Bergpredigt, wage ich die Menschen zu nennen, die in dieser Welt den Mut haben, wehrlos zu bleiben. Davon ausgehend erscheint es wie eine Perversion der christlichen Werte, die Sie vorgeben zu verteidigen, wenn Sie uns erläutern es sei Verantwortung, kriegsbereit in aller Welt* zu werden. Wir sind das nicht, wir sind dagegen! Wohl ist es wahr: Als wirtschaftsstärkster Staat Europas haben wir weltweit Verantwortung. Aber unter Frau Merkel ist die Verantwortung dahin gediehen dass wir an dritter Stelle der waffenexportierenden Länder stehen. Das will die Mehrheit in Deutschland nicht mehr dulden – WIR auf keinen Fall! Und wenn Herr Gabriel unter parlamentarischer Kontrolle Machenschaften wie Panzer nach Saudi-Arabien zumindest zu problematisieren sucht, soll er dann weiterhin zurückgepfiffen werden von dem Geheule und Gejaule der Waffenindustrie EADS, MBB, Heckler & Koch und wie sie alle heißen? Seit wann sind Geschäfte und Profite wichtiger als Menschenleben? [...]" (Hervorhebungen von Fontanefan)
Freitag, 27. Januar 2023
Konkurrenz USA, China, Russland
"Ein Land, dessen Wirtschaft auch nur annähernd so groß ist wie die der Vereinigten Staaten, kann eine äußerst starke Konkurrenz darstellen. Man denke nur an Russland, dessen Wirtschaft oft mit der Italiens verglichen wird und kleiner ist als die von Kalifornien, Texas oder sogar New York."
"Als die chinesische Regierung in diesem
Monat bestätigte, dass die Bevölkerung des Landes zum ersten Mal
seit den späten 1950er Jahren geschrumpft ist - damals verhungerten
Millionen von Menschen während der katastrophalen Kampagne des
ehemaligen chinesischen Führers Mao Zedong zur Beschleunigung der
Industrialisierung, die als "Großer Sprung nach vorn"
bekannt wurde -, löste dies eine frenetische Medienberichterstattung
über die katastrophalen Folgen für den wichtigsten geopolitischen
Rivalen und Möchtegern-Alternativpol zum Westen aus.
Allein die
New York Times hatte zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht weniger als
vier Artikel auf ihrer Homepage, die die Entwicklung ankündigten,
und die Unterüberschrift einer Meinungskolumne über die nun
"unbestreitbare" Umkehrung der Geschicke des Landes
lautete: "Vergessen Sie das aufstrebende China. Das Gefährliche
wird sein Niedergang sein". [...]
Wenn sich Geschichte, wie man sagt, manchmal
reimt, dann stammt der beste Reim, den ich für Chinas gegenwärtige
Situation gefunden habe, aus der Zeit, kurz bevor ich in den späten
1990er Jahren für mehrere Jahre bei der New York Times für Japan
zuständig war. Als ich mich über dieses Land informierte, stellte
ich zu meiner Überraschung fest, dass viele Jahre lang eines der
wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Ereignisse im Kalender
war, wenn der amtierende Premierminister das neue Jahr mit der
feierlichen Bekanntgabe der letzten schnellen jährlichen
BIP-Wachstumszahlen Japans einläutete. Wachstum um des Wachstums
willen wurde in Japan in den späten 1950er und in den 1960er Jahren
zu einer Art nationalem Fieber, und Japans Ziel war es damals, wie
das Chinas in den letzten Jahren, die Vereinigten Staaten beim
Volksvermögen zu übertreffen.
Das japanische Pro-Kopf-Vermögen
näherte sich in den späten 1970er Jahren kurzzeitig dem der
Vereinigten Staaten an, übertraf es für einige Jahre und erreichte
Anfang der 1990er Jahre einen relativen Höchststand, bevor es in der
zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts im Vergleich zu den Vereinigten
Staaten einbrach und seinen Vorsprung nie wieder aufholte oder sich
auch nur der Parität näherte. Angesichts der viel kleineren
Landmasse und vor allem der viel kleineren Bevölkerung war es
wahrscheinlich, dass Japan die Vereinigten Staaten beim Gesamt-BIP
nie übertreffen würde. [...]
Etwa zu der Zeit, als ich 1998 dort ankam,
begann in Japan ein langer Schwenk in Bezug auf die nationalen Ziele
und das Selbstverständnis des Landes, der sich darauf konzentrierte,
die Fixierung auf ein so grobes materielles Maß für Status und
Wohlstand wie das BIP aufzugeben und langsam andere, wohl viel
gesündere Ziele zu propagieren. Dazu gehörten Umweltschutz,
Gesundheit und Langlebigkeit, die Erhaltung der Kultur, nachhaltige
Wirtschaftsprozesse, eine stärkere Konzentration auf die Erfüllung
in der Freizeit und - wenn auch immer noch überfällig und
bestenfalls in Arbeit - die eng damit verbundenen Themen der
Verbesserung der Stellung der Frau und der Reform der
Arbeitsplatzkultur.
Aufgrund seiner demografischen Gegebenheiten
wird China bald eine ähnlich tiefgreifende Überarbeitung seiner
nationalen Ziele und Annahmen vornehmen müssen. Doch Triumphalisten
in den Vereinigten Staaten oder anderswo im Westen, die glauben, dass
der Wettbewerb mit China allein aufgrund seines raschen
demografischen Rückgangs für den Rest dieses Jahrhunderts
abgewendet werden kann, irren sich. Ein Land, dessen Wirtschaft auch
nur annähernd so groß ist wie die der Vereinigten Staaten, kann
eine äußerst starke Konkurrenz darstellen. Man denke nur an
Russland, dessen Wirtschaft oft mit der Italiens verglichen wird und
kleiner ist als die von Kalifornien, Texas oder sogar New York.
Aber je eher sich China mit der Wahrheit abfindet, dass ein altmodischer Großmächte-Wettbewerb, der mit hohen, ständig steigenden Ausgaben für Waffen und harte Macht verbunden ist - wie es das Land in den letzten Jahren unternommen hat -, große Teile seiner Bevölkerung zu einem Lebensstandard verdammt, der weit unter dem der Industrieländer liegt, desto besser ist das für seine Bevölkerung. Besser natürlich auch für den Rest der Welt - einschließlich der Vereinigten Staaten, deren eigene Bevölkerung trotz ihres allgemeinen Reichtums zu großen Teilen Entbehrungen zu ertragen hat. [...]"
Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version) mit kleineren persönlichen Korrekturen
Der Verfasser des hier stark gekürzten Textes ist HowardW. French.
Quelle: "What China Can Learn From Japan—and Alexander the Great" Foreign Policy 26.1.2023
Mittwoch, 4. Januar 2023
Moskau, November 2022: Eine Reise für den Frieden
https://www.nachdenkseiten.de/?p=92101
Reiner Braun, einer der führenden Köpfe der deutschen Friedensbewegung, ist im Spätherbst letzten Jahres nach Moskau gereist, um sich vor Ort Eindrücke von der Lage und der Stimmung der Menschen zu machen. Seine Gesprächspartner waren vor allem Angehörige der linken russischen Friedensbewegung, die den Krieg kritisieren. Anders als rechte Oppositionelle wie Nawalny kommen diese Stimmen in deutschen Medien jedoch nicht zu Wort.
"Lange habe ich gezögert, diese Reise zu machen – welchen Sinn kann sie haben, zu umständlich, zu teuer, zu unsicher. Doch persönliche und politische Gründe haben mich dann doch bewogen, vom 22.11. bis zum 29.11.2022 über Baku nach Moskau zu reisen. Ich wollte einen eigenen, ganz persönlichen, aber auch politischen Eindruck von der Situation bekommen, um besser beurteilen zu können, wie in „Moskau“ der Krieg gesehen wird, und weder auf die eine noch auf die andere Propaganda angewiesen zu sein. Was ich jetzt aufschreibe, sind keine wissenschaftliche Arbeit oder wissenschaftliche Erkenntnisse, es sind Impressionen eines Besuches und persönliche Eindrücke, vermittelt durch eine Vielzahl von politischen und persönlichen Gesprächen in einer besonderen Zeit, die durch den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine geprägt ist. [...]"
Sonntag, 18. September 2022
China und Russland
SCO-Gipfel: Eine subtile Warnung an Putin
Bei seiner ersten Auslandsreise seit Pandemiebeginn trifft Xi Jinping in Usbekistan auf Wladimir Putin. Sein Fokus ist aber ein anderer: mehr Einfluss in Zentralasien.
Eine Analyse von Michael Radunski ZEIT 16. 9.22
[...]
Die machtpolitische Schieflage zwischen China und Russland
Am Mittwoch in Kasachstan sagte Xi gegenüber Präsident Kassym-Schomart Tokajew: "Unabhängig davon, wie sich die internationale Situation ändert, werden wir Kasachstan weiterhin entschlossen beim Schutz seiner Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität unterstützen." China werde sich kategorisch der Einmischung jeglicher Kräfte in die inneren Angelegenheiten des Landes widersetzen. "Das ist eine subtile, aber doch sehr klare Warnung an Putin", urteilt Expertin Eva Seiwert. [...]
Auf taktischer Ebene sucht Xi den Schulterschluss mit Putin – gegen die USA und gegen den wachsenden wirtschaftlichen Druck des Westens. Er zeigt Verständnis für Russlands Angriff, hält sich aber gleichzeitig an die westlichen Sanktionen. Xi will keine feste Entente mit Russland eingehen. Denn auf strategischer Ebene will China den globalen Marktzugang behalten und trotz aller Dissonanzen die Verbindungen zum Westen nicht komplett abreißen lassen.
Dieser Beitrag wurde übernommen aus dem China.Table Professional Briefing vom 16. September 2022.Samstag, 20. August 2022
Grenzverletzung des finnischen Luftraums?
Freitag, 22. Juli 2022
Zwei getrennte Verträge
Noch ist nicht absehbar*, was die Verträge bedeuten werden, doch eine Welthungerkrise scheint weder für Russland noch für die Ukraine eine Option, die Erfolg verspricht.
Hunger als Waffe ja, aber nicht weltweiter Hunger. So sieht es zumindest bisher aus.
* sieh aber auch: https://www.fr.de/politik/ukraine-russland-beschiesst-hafen-von-odessa-zr-91684588.html 23.7.22
Ukraine und Russland einigen sich: Getreideexport auf dem Seeweg, BR24 22.7.2022
"[...] Die Minen in den Gewässern um die Ukraine sollen nicht geräumt werden, weil eine solche Operation zu zeitintensiv wäre. Stattdessen sollen ukrainische Lotsen die Schiffe sicher an den Sprengkörpern vorbeinavigieren. [...]
Nach UN-Angaben stecken mehrere Millionen Tonnen Getreide in der Ukraine fest. Wegen der ausbleibenden Ausfuhren und den auch dadurch steigenden Lebensmittelpreisen hat sich die Hungerkrise in vielen Ländern verschärft. Vor allem ost- und nordafrikanische Länder wie Somalia, Ägypten oder Libyen waren vor dem Krieg von Lieferungen aus den beiden Ländern abhängig. Nach Angaben der UN hungern etwa 50 Millionen Menschen zusätzlich infolge des Krieges.
Guterres hatte im April bei Besuchen in Moskau und Kiew für einen sicheren Transport der Nahrungsmittel geworben. Danach nahmen die Parteien in der Türkei Verhandlungen auf, von denen kaum Details an die Öffentlichkeit gelangten."
(mit Agenturmaterial von AP und epd)
Donnerstag, 7. Juli 2022
Wolfgang Merkel: Wie ist der Angriffskrieg Russlands zu beenden?
Montag, 9. Mai 2022
Russische Fehleinschätzungen beim Angriff auf die Ukraine
Frankfurter Rundschau 9.5.22
Montag, 11. April 2022
Mittwoch, 6. April 2022
Energieimportstopp aus Russland
https://www.fr.de/meinung/was-wirklich-nutzt-91459799.html FR 6.4.22
"[...] Maßgeblich ist, ob ein Embargo wirkt. Das ist auch nach den Verbrechen von Butscha zu bezweifeln. [...]
Dass die russische Seite weiter liefert, obwohl der Westen nicht wie gewünscht in Rubel zahlt, spricht dafür, dass Putin auf die Einnahmen nicht verzichten kann.
Dies heißt jedoch nicht zwingend, dass der Krieg endet, wenn das Geld aus dem Westen versiegt. Denn Russland hat für den Fall Reserven gebildet. Ferner kann ein Diktator, was demokratische Regierungen nur bedingt können: die Bevölkerung leiden lassen. Überhaupt zeigen Umfragen, dass große Teile der russischen Bevölkerung – dumm gemacht durch Propaganda oder aufgeputscht durch Nationalismus – auf Putins Seite stehen. [...]
Gegen ein sofortiges Embargo spricht vor allem, dass die Konsequenzen für die hochgradig vernetzte deutsche Wirtschaft kaum abzusehen sind. [...]
Bei all dem sind die innergesellschaftlichen Spannungen mit zunehmender Inflation, Betriebsschließungen und Arbeitslosigkeit noch gar nicht berücksichtigt. AfD, Linke und Teile der Union würden sie politisch auszuschlachten wissen. Ohnehin haben die Corona-Friktionen leider bewiesen, dass in Deutschland nicht nur vernunftbegabte Menschen mit Freude an Disziplin und Rücksichtnahme daheim sind, sondern auch andere. Wer rationale Politik machen will, der muss das Irrationale einpreisen.
Mit einem Wort: Der Westen sollte sich in einem vermutlich langen Konflikt durch Sanktionen nicht selbst schwächen. Klüger ist es, zu tun, was die Bundesregierung und die EU tun: die Abhängigkeit von russischer Energie Zug um Zug zu verringern – wie jetzt bei der Kohle. [...]"
Freitag, 1. April 2022
Wurde Putin falsch informiert?
Im Krieg stirbt als ersten die Wahrheit. Meist auf beiden Seiten. Und zwar deshalb, weil genaue Kenntnis der Wahrheit dem Gegner einen Vorteil verschaffen könnte. Und das wollen natürlich beide Seiten vermeiden.
Mir der Überschrift "Wurde Putin falsch informiert?" suggeriert die FAZ (31.3.22), dass Putin falsch informiert wurde und in Kenntnis der Wahrheit wohl den Krieg schon abgebrochen hätte oder bald abbrechen wird.
Der vollständige Text steht hinter einer Zahlschranke. Was dort steht, weiß ich nicht.
Ich habe dieselbe Überschrift gewählt, denn sie erweckt Neugier. Oder hatte ich einen anderen Grund?
Im Krieg sterben oft auch einfache Wahrheiten, denn die Unsicherheit nimmt zu.