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Montag, 15. September 2025

Über sprachliche Feinheiten

 Heißt Bescheid sagen dasselbe wie benachrichtigen?

Beides sagt mitnichten (also: ganz gewiss nicht) das Gleiche.

Benachrichtigen heißt: eine Mitteilung zukommen lassen. Da sind wir uns einig.

Bescheid sagen bedeutet: jemanden, der Bescheid wissen sollte, auf den neuesten Stand bringen. Das kann dasselbe bedeuten wie benachrichtigen, hat aber einen wichtigen Spezialsinn. Wenn in einer Gruppe eine neue Absprache getroffen worden ist, den oder die, die darüber noch nicht informiert sind, zu informieren.

Insbesondere hat es auch den Sinn: Wenn jemand sich so verhält, als ob er die Regeln nicht kännte (kennen würde), die es einzuhalten gilt, gründlich/energisch zu ermahnen, dass er sich an die Regeln halten soll, weil ihm sonst Sanktionen drohen.

Das meint ziemlich dasselbe wie: Mit dem muss man mal deutsch reden. Das heißt: Man muss ihn unmissverständlich und mit Nachdruck ermahnen.

Dieser letzte Ausdruck bezieht sich auf einen Unterschied zwischen dem Deutschen und dem Französischen, den Goethe (der Baccalaureus in Faust II, 1. Akt, Vers 6771) einmal so formuliert hat: "Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist." (Man redet nicht drum herum, sondern man sagt, "was Sache ist", während man im Französischen selbst das einfache "bitte" noch höflicher macht, indem man einen ganzen Satz sagt: "sil vous plaît" (wenn es ihnen gefällt).

Freitag, 18. April 2025

Mama lern Deutsch!

"Das Verhältnis seines jüngeren Ichs zu Deutschland vergleicht Durgun mit der Beziehung, die man zum beliebtesten Mitschüler in der Schulklasse hatte: "Es war so, als hätte ich jedes Jahr versucht, Deutschland zu meinem Kindergeburtstag einzuladen, aber es war nie gekommen – ohne Kommentar. [...] "Die Ehe meiner Eltern ist wie Carmen Geiss – erschreckend laut und trotzdem liebevoll." Auf solche Jokes folgen jedoch immer wieder Passagen, in denen er mit seiner Mutter auf verstörend harte Weise ins Gericht geht. Seine ganze Jugend über habe sie ihn und seine Sprachkenntnisse ausgenutzt, ihn Behördenbriefe, Arztdiagnosen, Kochrezepte übersetzen lassen, bis heute – und versäume so die Chance, ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu werden. "Denn ganz ehrlich: Um an einer Gesellschaft teilhaben zu können, ist Lesen und Schreiben das Mindeste."

Damit greift Durgun einen beliebten Talking Point von Konservativen und Rechten auf: die integrationsunwillige, die deutsche Sprache auch nach Jahrzehnten nicht beherrschende Migrantin. "Ich gebe zu, der vorige Absatz hätte auch ein Auszug aus dem Protokoll des letzten Sommerfestes der AfD-Jugend sein können", kommentiert Durgun das lakonisch. Auch an anderer Stelle scheint er keine Berührungsängste mit potenziell rassistischen Stereotypen zu haben, etwa wenn er schildert, wie sein Kumpel Baran sich Geld ergaunert, indem er an Haustüren Spenden für vermeintlich gute Zwecke sammelt, "für Klimaschutz oder Tierheim oder so" 

Passagen wie diese lassen die Leserin ratlos zurück: Spielen solcherlei Erzählungen nicht den Falschen in die Karten, auch wenn sie humoristisch aufgeschrieben sind? Dass seine ambivalenten Beobachtungen der migrantischen Community instrumentalisiert werden können, ist für Durgun offensichtlich jedoch kein Grund, sie nicht zu veröffentlichen. Er zeichnet das komplexe Gesamtbild seiner Kindheit, wie er sich an sie erinnert. "Dieses Buch hilft, um Deutschland zu verstehen", schreibt er.

Durgun [...] fügt der postmigrantischen Debatte eine neue Dimension hinzu, indem er die eigene Community in die Verantwortung nimmt. Am Ende findet er dann doch noch versöhnliche Worte für seine Mutter. Wenn er beschreibt, wie sie ihm beigebracht habe, dass "Cay den Kummer von der Seele spült", wird deutlich, wie viel Bewunderung er aufbringt für die Zuversicht, die sie ihm trotz aller Hürden vermittelte. [...]" (ZEIT 16.4.25)

Tahsim Durgun: Mama, bitte lern Deutsch!

Montag, 20. Juni 2022

Weshalb wird das Deutsche immer englischer?

"[...] Schaut man auf die Entwicklung in reinen Zahlen, ist die Tendenz eindeutig. So eindeutig, dass ich von einem Boom sprechen möchte. Wurden in den Fünfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts knapp 2.000 englischsprachige Begriffe im deutschen Wortschatz gezählt, ging man während meiner Kindheit im Westen Deutschlands in den Siebziger- und Achtzigerjahren schon von etwas mehr als 10.000 Wörtern aus. Das entsprach damals rund 3 Prozent von ungefähr 450 000 deutschen Wörtern. Inzwischen sprechen Linguisten von knapp 10 Prozent – was einen Anteil von rund 45.000 englischen Wörtern bedeuten würde.

Um allerdings zu bemessen, welchen Anteil Englisch an der deutschen Gegenwartssprache hat und welchen Einfluss es noch gewinnen könnte, reicht es nicht, aus Wörter zu zählen – und sich womöglich über das Ergebnis zu empören Eine Untersuchung deutscher Autowerbungen ergab vor ungefähr zehn Jahren, dass bis zu 30 Prozent, also beinahe jedes dritte Wort, Englisch oder englischen Ursprungs seien. Überrascht hat es mich nicht kaum. Schließlich spielt die englische Sprache im Automobilsektor seit langem eine ähnlich große Rolle wie in der Luft- und Schifffahrt – von der Raumfahrt ganz zu schweigen. Die gute alte km/h-Anzeige ist dafür sinnbildlich: Das h stand noch nie für unsere Stunde, sondern stets für hour. Was mich bei der Betrachtung der Zahlen umso mehr verblüfft hat, war der Boom der englischen Sprache in Ostdeutschland. Die Entwicklung war bis 1989 ähnlich wie im Westen, um nicht zu sagen: It was the same story: 1956 zählte der DDR-Duden 347 englische Wörter, 1986 waren es rund 5.000. Einige davon sind bis heute legendär und noch immer gebräuchlich: der Broiler, die Klub Kola, der Dispatcher. Andere wurden in beiden Teilen Deutschlands gängig, aber nirgendwo sonst in der Welt: der Ami. [...]"

Peter Littger: Warum wird das Deutsche immer englischer? SWR2 Wissen: Aula

Mich interessiert besonders, dass durch die Verbindung von englischen Einzelelementen und deutschem Gebrauch eine Vielzahl von unterschiedlichen Wörtern zur Bedeutungsdifferenzierung zur Verfügung stehen.

Im Deutschen gab es schon: Hausarbeit (mit zwei Bedeutungen), Hausaufgabe, Heimarbeit. Hinzu tritt Homeoffice.

Im Englischen steht mir zunächst nur homework zur Verfügung. Jetzt schlage ich nach und finde: Hausarbeit: house work, written assessment. Hausaufgabe: homework Heimarbeit: homework u. brit, Englisch: outwork. Homeoffice ist noch nicht in Wörterbüchern zu finden, die gängige Übersetzungssoftware "übersetzt" es fälschlich mit home office, manche bieten freilich auch Homeoffice an, was wie Handy ein deutsch-englisches Fremdwort im Englischen wäre. 

Den Satz "Mein Freund kann nicht kommen, er hat Homeoffice." übersetzt die Software, die Homeoffice als Deutsch anerkennt, mit "My friend can't come, he has a home office."

Mittwoch, 4. September 2019

Schweizer Wörter in der NZZ

die Vernehmlassung - Anhörung
das Kostendach - Kostendeckelung
AfD-Zustupf - Zuwendung für die AfD
(der Entscheid - die Entscheidung)

weitere Besonderheiten:
»Pi mal Daumen« (Deutschland)
»Handgelenk mal Pi« (Schweiz)

Dienstag, 9. Juli 2019

Lernziele aus der Sicht der Bevölkerung

"Für das wichtigste Lernziel hielten 83 Prozent der Befragten die gute Beherrschung von Rechtschreibung und Grammatik. [...] Wichtig waren den Befragten auch eine gute Allgemeinbildung (76 Prozent), Pünktlichkeit (68 Prozent) und Englischkenntnisse (63 Prozent). (Quelle: dpa)

Montag, 21. Januar 2019

Wortneuschöpfungen

Es ist nicht so, dass den Deutschen die Kreativität für Wortneuschöpfungen abgeht und deshalb sich so viele englische Ausdrücke durchsetzen.
Das merkt man zum einen an Scheinanglizismen wie Handy, aber auch an - nicht immer ernst gemeinten - Verdeutschungen  solcher englischer Ausdrücke wie Rudelgucken für Public Viewing oder anderen Wörtern, die für aktuell aufkommende Erscheinungen gefunden werden, wie z.B. Raubkunst, Schattenbank oder Schlafmünzen (für Münzen, die vor der Einführung des Euros geprägt, aber dann nicht mehr abgegeben wurden).

mehr dazu:
Katharina Maier: Deutschkompetent für Dummwortverbraucher, 2010

Mittwoch, 17. Januar 2018

Viel Lob für das Klexikon und Klaus Dautels ZUM-Seiten

OER-Award 2017:

Klexikon: Wikipedia für Kinder 

Rüdiger Fries (Referent für Medienbildung Kultusministerium Saarland):

 "Das Klexikon „will eine „Wikipedia für Kinder“ sein“ – so steht es auf ihrer Webseite. Ich denke, das ist sie schon.
Denn sie bietet freie, und das heißt kostenlose und zur Weiterverbreitung gedachte, Artikel an, die lexikalisch aufbereitet sind. Und zwar nicht nur in einer Sprache, die Kinder verstehen können, sondern auch in einer Länge und in den Artikeln untergebrachten Informationen, die Kindern Lust macht, weiterzulesen oder wiederzukommen. [...]" mehr dazu

K. Dautels ZUM-Seiten

Maria Eirich (stellv. Schulleiterin Gym, ZUM-Vorstand):

" „Was?! Du kennst Klaus Dautel?!“
Diese Reaktion höre ich im Lehrerzimmer seit vielen Jahren immer wieder. – Ganz offensichtlich ist Klaus Dautel vielen Lehrkräften, die Deutsch unterrichten, ein vertrauter Name, da sie seine Seiten „K. Dautels ZUM-Seiten“ mit Deutsch-Materialien schon des Öfteren bei ihrer Suche nach geeigneten Informationen oder Materialien für ihren Unterricht im Internet gefunden und schätzen gelernt haben. [...]
Wer Klaus Dautels Deutschseiten aufsucht, wird schnell erkennen, dass sie von hoher inhaltlicher Qualität und sehr gut für den Unterricht geeignet sind, sei es, dass Lehrkräfte sich damit auf den Unterricht vorbereiten, Materialien direkt für ihren Unterricht nutzen oder diese dafür abwandeln, was die OER-Lizenz der Seiten ja erlaubt. [...]" mehr dazu 

Freitag, 7. Juli 2017

In Auschwitz

"Wenn es einen einzigen Moment gibt, an dem ich ohne Wenn und Aber zum Deutschen wurde, dann war es nicht meine Geburt in Deutschland, es war nicht meine Einbürgerung, es war nicht das erste Mal, als ich wählen gegangen bin. Schon gar nicht war es ein Sommermärchen. Es war letzten Sommer, als ich den Aufkleber an die Brust heftete, vor mir die Baracken, hinter mir das Besucherzentrum: deutsch. Ich ging zu meiner Gruppe und wartete ebenfalls stumm auf unsere Führerin. Im Tor, über dem „Arbeit macht frei“ steht, stellten sich nacheinander alle Gruppen zu einem bizarren Foto auf. Nur wir schämten uns. [...]
Das kulturelle Gedächtnis braucht Rituale, Mahnmale, Jahrestage, wiederkehrende Bilder und, ja, auch sprachliche Floskeln, um sich zu bilden, zu bewahren und zu entwickeln. Seiner Natur nach tendiert das zeremonielle Gedenken zur Wiederholung und Formelhaftigkeit. Es ruft durch Zeichen eine Erinnerung wach. [...]
Wenn in der eigenen Biographie die Referenzpunkte fehlen, auf die sich das kulturelle Gedächtnis in Formeln, Gesten und Symbolen bezieht, dann werden diese Formeln, Gesten und Symbole als leer empfunden. [...]
Dass der Holocaust in die Ferne rückt, ist allerdings nicht nur den Jahren geschuldet, die vorüberziehen, oder den Kilometern, die zwischen dem heutigen Deutschland und den zentralen Stätten des Völkermords liegen. Es kommt eine demographische Entwicklung hinzu. Immer mehr Menschen leben in Deutschland, die nicht einmal mehr einen familiengeschichtlichen Bezug zum Nationalsozialismus haben. [...]
Je ferner Auschwitz rückt, desto leichter wird es Deutschen wieder fallen, sich an ihrer Geschichte zu erbauen. Und sie werden übersehen, dass gerade in der Gebrochenheit Deutschlands bundesdeutsche Identität und, ja, Stärke und Vitalität liegt. Es gibt nichts Ganzeres als ein gebrochenes Herz, lehrte der Rabbi Nachman von Berditschew.
Der Satz ist einer meiner Lieblingssätze, Motto auch eines Buches von mir. Natürlich bezieht er sich auf die Liebe, die Liebe zu den Mitmenschen oder zu Gott, in jedem Fall auf eine individuelle Situation. Aber er lässt sich auch auf ein Gemeinwesen beziehen: Es gibt nichts Ganzeres als ein gebrochenes Herz. Wenn etwas spezifisch wäre an der deutschen Leitkultur, die dieser Tage wieder eingefordert wird, wären es nicht Menschenrechte, Gleichberechtigung, Säkularismus und so weiter, denn diese Werte sind durchweg europäisch, wenn nicht universal; es wäre das Bewusstsein seiner Schuld, das Deutschland nach und nach gelernt und auch rituell eingeübt hat – aber just diese eine Errungenschaft, die nicht Frankreich oder die Vereinigten Staaten, sondern die Bundesrepublik für sich reklamieren darf neben guten Autos und Mülltrennung, möchte das nationale Denken abschaffen. Umgekehrt gilt allerdings auch: Wer sich gegen ein völkisches Verständnis der Nation wendet, kann die historische Verantwortung nicht ethnisch engführen. Wer sich in Deutschland einbürgern lässt, wird auch die Last tragen müssen, Deutscher zu sein. Spätestens in Auschwitz wird er sie spüren, wenn er sich den Aufkleber an die Brust heftet. [...]"
(Ausschnitte aus der  Rede, die Navid Kermani zum zwanzigjährigen Bestehen des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München gehalten hat: Die Zukunft der Erinnerung faz.net 7.7.17)

Samstag, 13. Mai 2017

Wortschöpfungen Luthers

Im Zuge seiner Bibelübersetzung hat Luther viele Wortschöpfungen hervorgebracht.

Dazu der Sprachforscher Hartmut Günther im Interview: "Lückenbüßer, friedfertig, wetterwendisch, Machtwort, Feuereifer, Langmut, Lästermaul, Morgenland. Stammen alle von Luther. Im Süddeutschen würde man vielleicht noch Lefze statt Lippe sagen, und Geißel statt Peitsche – Wörter aus dem Norden, die Luther auch nach Bayern brachte. Fraglich ist auch, ob wir die Redewendungen kennen würden, die er populär gemacht hat: Sein Licht unter den Scheffel stellen. Ein Stein des Anstoßes sein. Mit Blindheit geschlagen sein. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Niemand kann zwei Herren dienen.

Das Wort Sicherheit, das Christian Thomas in der Frankfurter Rundschau vom 13./14.5.2017 auch dazu rechnet, findet sich freilich schon im Mittelhochdeutschen. (Grimms Deutsches Wörterbuch: Sicherheit) Dagegen wird zu Denkzettel, was Thomas auch anführt, dort in der Tat Luther angeführt.

Dazu auch: aufsmaulschaun.de (Wortklaubereien & Beo(hr)bachtungen zu & mit lutherschem Sprachmaterial)

und Luther und die deutsche Sprache (S.23-29 zu Wortschöpfungen)


Montag, 6. Februar 2017

Gut gemeint ist noch nicht gekonnt

In ZEIT online heißt es:
"Laut einer Umfrage haben die Deutschen keine Angst, wenn sie auf Plätzen und Straßen, in Bus und Bahn unterwegs sind. Jede dritte Frau indes fühlt sich zusehends bedroht."

Im Text heißt es dann "die große Mehrheit" und "zunehmend". 

Es geht um Sicherheit. Dazu die polizeiliche Kriminalstatistik 2014.

Montag, 5. Dezember 2016

Weshalb wird in Frageforen oft ein miserables Deutsch geschrieben?

Die meisten Antworten im Frageforum, in dem diese Frage gestellt wurde, erklären vor allem die vielfältigen Gründe, weshalb im Internet ganz allgemein schlechtes Deutsch geschrieben wird.

Meine persönliche Antwort, weshalb es in Frageforen besonders häufig der Fall ist, ist die folgende:

Ich glaube, ein ganz wichtiger Grund ist, dass sich Fragende des öfteren absichtlich dümmer stellen, als sie sind.
Denn bei vielen Fragen hilft es, wenn der Leser der Meinung ist, dass der Fragen nicht zu faul ist, die Antwort aus dem Internet herauszusuchen, sondern es einfach noch nicht gelernt hat, aber es gern lernen würde.
Ich bin mir sicher, dass ich in vielen Fällen auf den Trick hereinfalle. Aber ich gehe immer wieder das Risiko ein.
Denn ich weiß von meinem eigenen Umgang mit Fremdsprachen, dass man in Sprachen, die man nicht beherrscht, sehr viel dümmer wirkt, als man ist. 
Mein Sohn, der viel sprachbegabter ist als ich, hat mir aus seiner Zeit in Japan Beispiele berichtet, wo er völligen Blödsinn gesagt hat, weil er sehr ähnlich klingende Wörter verwechselt hat, die etwas völlig Unterschiedliches bedeuten. (Ein Beispiel dafür, wie so etwas sehr lustig werden kann, sind im Spanischen cansado (müde, lästig, langweilig) und casado (verheiratet), denn es gibt gewiss viele Gründe, weshalb eine verheiratete Person müde, lästig oder langweilig sein kann.)
Aber auch wenn man die Sprache etwas besser beherrscht, wirkt man in der Fremdsprache oft auch bei Diskussionen über Themen, in denen man sich an sich sehr gut auskennt, noch dümmer, als man ist, weil man nicht über die sprachlichen Mittel verfügt, sich differenziert auszudrücken. 

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Empfehlungen für die persönliche Lektüre von Dr. J. Müller für eine 9. Klasse um 1960

Mörike: Stuttgarter Hutzelmännlein
              Mozart auf der Reise nach Prag

Tolstoi: Erzählungen und Märchen
              Krieg und Frieden

Kleist:    Der zerbrochene Krug
               Michael Kohlhaas

Goethe: Götz von Berlichingen

Hauff:    
Othello (1826).
Die Bettlerin vom Pont des Arts (1827).
Jud Süß (1827)
Die letzten Ritter von Marienburg
Das Bild des Kaisers (1827)


Shakespeare: Juluis Caesar
Hamlet
Coriolan
Othello

C.F. Meyer:
Das Amulett, Novelle, 1873
Der Schuß von der Kanzel, Novelle, 1878
Das Leiden eines Knaben, Novelle, 1883


W. Flex:
Demetrius (Drama), 1909
Zwölf Bismarcks (Novellen), 1913
Der Wanderer zwischen beiden Welten (Novelle), 1916
Wallensteins Antlitz (Novelle), 1918
Wolf Eschenlohr (Novelle), 1919
Die Wunschbüblein
Drei Novellen (Studenten)

Hesse: Knulp

Storm: Schimmelreiter und andere Novellen

August Winnig: Heimkehr

Raabe: Die Chronik der Sperlingsgasse
             Der Hungerpastor
             Horacker
             Abu Telfan
             Wunnigel


G. Hauptmann:
Kollege Crampton
Hanneles Himmelfahrt.
Florian Geyer
Die versunkene Glocke
Und Pippa tanzt!

B. Sengfelder: Die Farm am Yadkin

W. Leonhard: Die Revolution entläßt ihre Kinder

Paul Löbe: Der Weg war lang

H. v. Königswald: Land ohne Frieden

Brachvogel: Friedemann Bach


D. v. Liliencron: Gedichte
                           Leben und Lügen

W. Alexis: Die Hosen des Herrn von Bredow

H. v. Hoerner: Die Kutscherin des Zaren

Th. Körner: Auswahl

A. Paton: Denn sie sollen getröstet werden

Fontane: Effi Briest

Wieland: Die Abderiten

Timmermanns: Das Licht in der Laterne

Schiller: Sämtliche Dramen

G. Freytag: Die Ahnen
                     Die verlorene Handschrift
                     Soll und Haben

Musäus: Volksmärchen

G. v. Kries: Die Kronacker

Immermann: Der Oberhof

Chamisso: Peter Schlemihl


Scheffler: Geist der Gotik

V. v. Scheffel: Ekkehard

B. v. Münchhausen: Gedichte

Kurhessische Anekdoten

Paul Ernst: Deutsche Geschichten

Kügelken: Jugenderinnerungen

Selma Lagerlöf: Auswahl

Charles Dickens: David Copperfield

H. Melville: Moby-Dick

H. Carossa: Geschichte einer Jugend

J. Gotthelf: Uli der Knecht
                   Uli der Pächter

Brant: Der Aufstand (Diesen Titel konnte ich nicht verifizieren. Vermutlich bezog er sich auf  den Aufstand vom 17.6.1953. Dazu gab es eine Publikation der Bundeszentrale für Heimatdienst, die 1963 in bpb umbenannt wurde.)

Die vorliegende Liste wirkt von heute aus gesehen nach Inhalt und Reihenfolge ungewöhnlich. Ich habe sie damals aber - mit kleinen Ausnahmen - so notiert.
Dass von Goethe nur ein Titel genannt ist, von Hauptmann "Die Weber" nicht, erklärt sich wohl daraus, dass die damals an unserer Schule üblichen Schullektüren nicht aufgeführt wurden, weil es ja Empfehlungen für die Privatlektüre waren.
Eine unwichtige Beobachtung am Schluss: Mir fällt auf, wie viele adlige Autoren genannt wurden.

Mittwoch, 13. Juli 2016

Wandel der deutschen Sprache

Sie "wirft Ballast ab"

"Das gesprochene Deutsch baut ordentlich grammatischen Ballast ab, der Satzbau wird einfacher und effizienter, in allen Medien wirkt eine starke Doktrin von Schnelligkeit und mündlicher Effizienz. Noch nie war das gesprochene Deutsch von der Schulgrammatik so weit entfernt wie heute, und die Schere geht immer weiter auseinander. [...]
 "Sprache ändert sich, weil sich die Gesellschaft ändert. Wollen wir das eine anhalten oder steuern, müssen wir das auch mit dem anderen tun." So der englische Linguist David Crystal.  [...]
Migranten wie Nichtmigranten benötigen eine Sprachform, die vor allem den Alltag flexibel managen kann. Dabei nimmt das Gefühl für strenge grammatische Korrektheit allmählich ab. Dass Hochsprache und Umgangssprache verschiedene Normen und Formen haben können, die sich gegenseitig ergänzen, zeigen zum Beispiel das Russische oder Tschechische. Auch die Deutschen steuern nun auf das zu, was die Linguisten eine "Diglossie" nennen: Es wird anders gesprochen als geschrieben. "

Montag, 30. Mai 2016

Dienstag, 12. Januar 2016

Was ist deutsch?

Antworten auf die Frage Martin Mosebach u.a.

Einmal mehr stelle ich fest, dass Martin Mosebach und Botho Strauß zwar jünger sind als ich, aber in einer mir unbekannten vergangenen Kultur leben. Ich finde sie weder in Aufklärung, noch in Klassik, Romantik, Realismus, Moderne, noch im 20. oder 21. Jahrhundert.
Selbst in der Postmoderne, die mir mehr Mode als stilprägend erschien, kann ich sie nicht einordnen.

Es würde mir nie in den Sinn kommen, deutsch von einem Charakteristikum her zu definieren. Aber bisher habe ich  Mosebachs nicht als Ironiker wahrgenommen.