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Freitag, 10. September 2021

Verzerrung der Berichterstattung über Corona

Vergessene Welten in der Pandemie FR 9.9.21

"Der Globale Süden kommt in Berichten wichtiger Medien über Corona extrem zu kurz. Das scheint leider System zu haben.

[...] Es gibt wohl kaum einen Ort auf der Welt und kaum einen Bereich des Lebens, der von den Auswirkungen von Sars-CoV-2 unbeeinflusst geblieben wäre. Umso wichtiger ist die Frage, wie die Medien, in denen die Pandemie dominierte, mit diesem Thema umgingen und insbesondere auch, ob geografisch ausgewogen berichtet wurde. Ein großer Teil der Betroffenen lebt im Globalen Süden (früher auch Entwicklungsländer oder Dritte Welt genannt), dessen medizinische und wirtschaftliche Möglichkeiten im Vergleich zum „Westen“ sehr begrenzt sind, um den Folgen der Pandemie zu begegnen. [...]

An 224 von 366 Tagen war in der „Tagesschau“ die Pandemie das Topthema. Wichtig ist dabei aber zu differenzieren und aufzuschlüsseln, über welche geografischen Räume im Zusammenhang mit dem Virus berichtet wurde, denn lediglich ein Bruchteil der Sendezeit entfiel auf die Staaten des Globalen Südens. In der Tat berichtete die „Tagesschau“ in etwa nur fünf Prozent ihrer Sendezeit zur Pandemie über den Globalen Süden, und da vor allem über China. [...]"


YouTube: Vergessene Welten Blinde Flecken

https://www.ivr-heidelberg.de/


Dienstag, 27. Juli 2021

 Lockdown in armen Ländern: »Je gerettetem Erwachsenen würden 1,7 Kinder sterben« Spiegel online 27.7.21

"[...] Sehr vereinfacht ist es so: Ein Lockdown führt recht sicher in eine ökonomische Rezession. Wir sehen anhand von Daten aus dem vergangenen Jahr bereits, dass Lockdown-Staaten Verluste von bis zu 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verzeichnen. Das bedeutet, die Einkommen der Haushalte verringern sich. In den ärmsten Ländern haben die Menschen keine Ersparnisse, um das auszugleichen. Die Regierung hat ebenfalls nicht die Mittel. [...]

Die reichsten Länder haben eine deutlich ältere Bevölkerung mit vielen Menschen im Alter von über 65 Jahren, die sehr vulnerabel gegenüber dem Virus sind. In den ärmsten Ländern ist nur ein geringer Anteil der Bevölkerung so alt. Stattdessen gibt es sehr viele junge Menschen unter 15 Jahren und Kinder unter fünf Jahren. Sie sind wenig gefährdet durch das Virus, aber sehr vulnerabel gegenüber den Risiken einer Wirtschaftskrise. [...]"

Montag, 12. Oktober 2015

Wirtschaftsnobelpreis für Arbeiten über Ungleichheit.

Angus Deaton: Wirtschaftswachstum kein Allheilmittel für Entwicklungsländer ZEIT online 12.10.15
Zusammen mit dem US-Meinungsforschungsinstitut Gallup hat Deaton in den vergangenen Jahren eine verlässliche Datenbasis über die weltweite Armut zusammengetragen. [...] Demnach gilt jemand als arm, wenn er pro Tag weniger als 1,25 Dollar in lokalen Preisen zur Verfügung hat. Diese Grenze ist wichtig, schließlich wird sie als Maßstab für die Millenniumsziele der Vereinten Nationen genutzt. Vor Kurzem erhöhte die Weltbank die Armutsschwelle auf 1,90 Dollar pro Tag. Für Deaton sind beide Werte allerdings unbrauchbar, weil sie die Unterschiede zwischen Entwicklungsländern nicht stark genug berücksichtigen. Mit einer universellen Armutsschwelle mache man es sich zu einfach, argumentiert er. [...]