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Mittwoch, 1. November 2023

Rettung der dänischen Juden Oktober 1943

 Rettung der dänischen Juden (Wikipedia)

"Durch die Rettung der dänischen Juden im Oktober 1943 wurden 7.220 von damals 7.800 dänischen Juden sowie 686 nichtjüdische Ehepartner auf dem Seeweg ins benachbarte neutrale Schweden übergesetzt. Die Aktion ist in der Geschichte der im Zweiten Weltkrieg nationalsozialistisch besetzten Gebiete in Europa ein einmaliges Beispiel. Sie wurde durch den deutschen Diplomaten Georg Ferdinand Duckwitz und das koordinierte Vorgehen zahlreicher dänischer Helfer möglich und verhinderte den Mord an Tausenden von Juden im Zuge des Holocaust. [...]

Einer der Orte, über die die Flucht organisiert wurde, war das Hafenstädtchen Gilleleje auf der Insel Seeland. Als eine größere Zahl jüdischer Flüchtlinge ein dänisches Schiff zu ihrer Rettung besteigen wollte, kam die Nachricht von einer unmittelbar bevorstehenden Verhaftung. Das Schiff legte fluchtartig ab. Die Flüchtlinge, die nicht an Bord gelangt waren, suchten in der ihnen fremden Kleinstadt nach Verstecken. Ein Pastor brachte einen Großteil von ihnen auf dem Dachboden der Dorfkirche unter. Die Dorfbewohner kannten das Versteck und brachten spontan Decken, Kleidung und Essen. Das Versteck wurde aber durch einen dänischen Denunzianten verraten, und in den frühen Morgenstunden des 7. Oktober verhafteten die Deutschen 85 Flüchtlinge. Dennoch blieb Gilleleje in den folgenden Nächten ein wichtiger Fluchthafen, denn dort waren lediglich  zwei Wehrmachtssoldaten der Besatzungsmacht  stationiert, und der deutsche Chef der Hafenpolizei hatte seinen Untergebenen ausdrücklich die nächtliche Jagd auf Flüchtlinge verboten. [...]"

Hanne Kaufmann: Die Nacht am Öresund, 1994 126 S. Erlebnisbericht 



Freitag, 30. September 2022

Dänemark ist digitalisiert

Innerhalb Dänemark gibt es keinen Papierpostverkehr mehr, Papierpost wird daher nur noch einmal in der Woche zugestellt. Es ist ja nur noch die aus dem Ausland.

Freilich:

"In allen Altersklassen finden sich erhebliche kognitive, psychische oder andere Barrieren, alles in allem nach den neuen Schätzungen bei rund einer Million von insgesamt 5,8 Millionen Menschen in Dänemark. Zu denen zählen auch diejenigen, für die der Kauf eines Laptops und dem zusätzlich unverzichtbaren Smartphone oder Tablet die Kasse schwer belastet."

(Sie haben keine Post FR 29.9.22)

Fast genauso bedenklich ist für mich: Die Meldung entnehme ich meiner Papierzeitung. Obwohl sie seit gestern im Netz steht, habe ich sie unter den vielen Nachrichten nicht entdeckt. Begonnen wurde diese radikale Digitalisierung bereits 2014. Geschehen ist das in unserem Nachbarland. Während ich von der digitalen Erfassung der Bevölkerung in China seit langem immer wieder höre, wusste ich über die in Dänemark nichts.

Die Juristin Eriksson schreibt dazu:

"[...] Ich bin bei den Dokumenten zur staatlichen Digitalisierung nicht ein einziges Mal auf den Begriff Rechtssicherheit gestoßen. Es geht immer nur um die Frage: Kannst du oder kannst du nicht? Das finde ich beunruhigend. [...] Dabei haben meine Untersuchungen und die vielen jüngsten Berichte Betroffener in der Zeitung „Politiken“ gezeigt, dass eigentlich viel mehr als die 25 Prozent digital Abgehängten mitunter enorme Probleme haben. Mich eingeschlossen. Die haben bisher nicht gewagt, dies zu äußern, sondern sich für ihr Problem geschämt und diskret Hilfe bei Angehörigen gesucht. Jetzt melden sie sich endlich zu Wort.[...]"

"Der digitale Expresszug wirft zu viele Menschen ab" FR 29.9.22

Montag, 6. November 2017

Aus Bismarcks Briefen 1864

"Das lernt sich in diesem Gewerbe recht, daß man so klug sein kann wie die Klugen dieser Welt und doch jederzeit in die nächste Minute geht wie ein Kind ins Dunkle." (an seine Frau 20.7.64 aus Karlsbad)
"[...] gestern früh aus Carlsbad gefahren, zu Wagen bis Prag, von dort heut den dir bekannten Eisenstrang hierher"  (an seine Frau 22.7.64 aus Wien)
An seinen Bruder beginnt er einen Geburtstagsbrief mit Bleistift, weil er noch keine Feder hat. Dann wird ihm eine gebracht. Er schließt: 
"Ich bin so schläfrig, daß ich kaum das Tintenfaß noch finde. Dein treuer Bruder v.B." (22.7. aus Wien)

Nach 14-tägigen Urlaub in Biarritz ist Bismarck wieder in Berlin und schreibt seiner Frau nach Reinfeld (in Pommern): "[...] die aufgesparten Geschäfte stürzen so auf mich ein, daß ich gestern nach der Ankunft bis 2 aufsaß und erst heute in der Mitternachtsstunde dazu komme, dir zu schreiben. Wenigstens 3 Stunden hatte ich nichts zu thun, als meinen Namen zu schreiben, und viel Vortrag beim König, Gortschakow, der mich hier erwartete, und alle mögliche Gesandte. [...] Einen halben Tag bin ich in Essen, der Kanonengießerei von Krupp, gewesen. [...]"


Zum historischen Kontext:
Am 18. Juli 1864 um 3 Uhr unterschrieben der preußische Oberstleutnant Gustav von Stiehle, ausgestattet mit einer Vollmacht des Oberbefehlshabers der alliierten Armee Friedrich Karl Prinz von Preußen[17] und der dänische Oberst Heinrich Kauffmann (Chef des Generalstabs) in Christiansfeld den Waffenstillstand zwischen Preußen, Österreich und Dänemark, der am 20. Juli 1864 um 12 Uhr in Kraft trat.[18] Am 30. Oktober 1864 endete der Krieg mit dem Frieden von Wien. (Seite „Deutsch-Dänischer Krieg“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. November 2017, 22:48 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Deutsch-D%C3%A4nischer_Krieg&oldid=170668167 (Abgerufen: 6. November 2017, 18:59 UTC)

Am 24.12.64 schreibt Bismarck einen Privatbrief an Wilhelm I., der dankt ihm für einen von ihm geschenkten Stab, an den er Assoziatopnen an Aron und Mose anknüpft, und schreibt schließlich 
"[...] habe ich da Bedürfnis, Eurer Majestät zu versichern, daß meine Treue und meine Gehorsam gegen den Herrn, den Gott mir auf Erden gesetzt hat, auf derselben festen Grundlage beruhn, wie mein Glaube.
In tiefster Ehrfurcht und unwandelbarer Treue ersterbe ich Eurer Majestät allerunterthänigster
v. Bismarck."


Montag, 18. September 2017

Das Dorf der Vergesslichen (Demenz)

Das Dorf der Vergesslichen in Dänemark  Stern 18.9.17
Alzheimer-Patienten führen ein Leben in einer Parallelwelt. Während sie körperlich oft noch fit sind, herrscht im Kopf Chaos. In Dänemark wurde Betroffenen ein ungewöhnlicher Ort gegeben, um ihnen ein möglichst normales Leben zu ermöglichen. [...]
Am Anfang bekommen viele Betroffene noch mit, dass etwas nicht stimmt. Später leben sie in einer Alternativwelt. In den Supermarkt, zum Friseur - was einmal selbstverständlich war, funktioniert plötzlich nicht mehr. Körperlich sind viele aber so fit, dass normale Pflegeheime ihnen nicht gerecht werden.
Die  Svendborg auf der dänischen Insel Fünen hat deshalb ein eigenes Dorf für 125 Demenzkranke eingerichtet. Es ist eine Stadt in der Stadt, mit Laden, Friseur, Fitnessstudio, Café und Teich. Hier kann man leben wie früher, in der eigenen Wohnung oder Wohngemeinschaft - und doch geschützt. [...]  
"Wenn ich im Park laufen will, laufe ich im Park", sagt die 81-jährige Jytte Voigt bestimmt. Am liebsten zusammen mit einem gut aussehenden Mann. Jytte spricht noch immer fließend englisch - doch von einem Spaziergang im Ort würde sie wohl nicht zurückfinden. Im Demenzdorf kann sie nicht verloren gehen. Es ist paradox: Der Zaun am Ende von Straße und Park gibt den Bewohnern Freiheit. Die meisten nehmen ihn gar nicht wahr.
Theoretisch kann jeder Bewohner rausgehen in die Nachbarschaft - wenn er den Ausgang findet. "Dann haben sie ein GPS, so dass wir sie im Notfall aufspüren können." Viele aber sehen den gut versteckten Ausgang nicht. Die mit Folie beklebte Glastür ist so unscheinbar, dass man dann doch lieber nebenan ins Café geht. [...]

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Wenn das „Navi“ im Kopf fehlerhaft wird