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Montag, 28. August 2023

Bauernverbände zur Klimakrise

 

Der "Generalsekretärs des Deutschen Bauernverbandes Bernhard Krüsken, der sich angesichts der aktuellen Erntesituation zu Wort meldet. Der Titel: „Nicht über das Wetter reden, sondern über das Klima“. Sein Argument: Das Thema Klima sei existentiell und es seien die Landwirt:innen, die mit den drastischen Veränderungen (aufgrund des Klimawandels) umgehen und konkrete Lösungen für ihre Betriebe finden müssten.

Sein Kollege Joachim Rukwied, Präsident des Bauernverbandes, nennt die aktuelle Ernte gar eine „echte Zitterpartie“ und bringt die Herausforderung auf den Punkt: „Der diesjährige Witterungsverlauf zeigt aufs Neue die deutlich spürbaren Auswirkungen des Klimawandels.“ Seine Schlussfolgerung: „Wir müssen alles dafür tun, um zukünftig unsere Erträge und die Ernährung sichern zu können.“

Während ich all das lese und höre, ploppt in meinem Gehirn die wunderbar simple Aussage eines US-Bauernverbands auf, die ich so gern zitiere: „Trotz all unserer Errungenschaften, verdanken wir unsere Existenz 15 Zentimetern Mutterboden und der Tatsache, dass es regnet.“ [...]"

Maren Urner : Bevor der Teller leer ist FR 27.8.23 

Samstag, 29. Juli 2023

Unterstützung für Klimabewegung in Deutschland sinkt

"[...] Die Klima- und Umweltbewegung genießt in der deutschen Bevölkerung derzeit deutlich weniger Unterstützung als noch vor zwei Jahren. Zu dem Schluss kommt die gemeinnützige Organisation „More in Common“ in einer aktuellen Befragung.

Die Kritik der Befragten scheint sich dabei jedoch vor allem gegen konkrete Protestformen zu richten, etwa gegen die Aktionen der Letzten Generation – und (noch) nicht gegen die Notwendigkeit von Klimaschutz an sich. [...]

 Die Ergebnisse der Befragung im Detail:

  • Nur noch 34 Prozent der Befragten sagen, dass die Klima- und Umweltbewegung in Deutschland „grundsätzlich meine Unterstützung hat“. Das ist halb so viel wie vor zwei Jahren.
  • Auffällig ist dabei: Die Unterstützung sinkt recht gleichmäßig über alle gesellschaftlichen Gruppen hinweg – also auch in Bevölkerungsgruppen, die der Bewegung generell eher nahestehen. „More in Common“ unterscheidet in seiner Forschung zwischen sechs gesellschaftlichen Typen anhand ihrer Werte und Grundüberzeugungen.
  • Der Aussage „Die Klima- und Umweltbewegung in Deutschland hat das Wohl der gesamten Gesellschaft im Blick“ stimmen nur noch 25 Prozent zu. Vor zwei Jahren waren es noch 60 Prozent.
  • Offenbar wirkt die Klimabewegung nicht mehr so einladend auf die Menschen wie noch vor zwei Jahren, und ihre Fähigkeit zum Dialog wird stärker angezweifelt. Der Anteil derer, die finden, dass die Klima- und Umweltbewegung „offen dafür ist, dass Leute wie ich bei ihr mitmachen“, ist seit 2021 um mehr als die Hälfte gefallen. Ebenso stark ging der Anteil jener zurück, die der Ansicht sind, dass die Bewegung eine „verständliche Sprache“ spreche.
  • Aktuell finden 85 Prozent der Befragten, dass die Klima- und Umweltbewegung „häufig mit ihren Protestaktionen zu weit“ gehe. Vor zwei Jahren war es noch rund die Hälfte. Auch hier gibt es, anders als noch 2021, über alle gesellschaftlichen Gruppen hinweg eine breite Mehrheit. Es herrsche „eine neue Einhelligkeit beim Negativurteil“, schreibt „More in Common“.
  • Nur acht Prozent äußerten Verständnis für die Aktionen der Letzten Generation.
  • In den zusätzlich zur Befragung durchgeführten persönlichen Interviews sehen viele besonders kritisch, dass die „Aktionen die Bürgerinnen und Bürger direkt in ihrem Alltag treffen“ sollen.

Weitere Studien bestätigen Befunde

„More in Common“ kommt damit zu ähnlichen Ergebnissen wie andere kürzlich vorgelegte Studien. Das Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) berichtete beispielsweise Ende Juni: Radikale Klimaproteste, also Straßenblockaden oder Angriffe auf Kunstwerke, fänden bei der Mehrheit der Menschen in Deutschland keine Unterstützung. Doch auf die Zustimmung zu klimapolitischen Maßnahmen an sich wirkten sich die radikalen Aktionen „kurzfristig“ nicht aus.

Auch im Anfang Juli veröffentlichten Sozialen Nachhaltigkeitsbarometer sah mit 59 Prozent eine Mehrheit der Befragten die Klimaproteste eher kritisch. Zwei Drittel fürchteten, die Proteste könnten die gesellschaftliche Unterstützung für Klimaschutz gefährden. Fast die Hälfte glaubte eher nicht an ihre politische Wirksamkeit. [...]"

Alexandra Endres: WARNUNG VOR KULTURKAMPFUnterstützung für Klimabewegung in Deutschland sinkt drastisch - und das ist der Grund, FR 29.7.23

Donnerstag, 23. Februar 2023

Internationale Zusammenarbeit als die Voraussetzung für die Umgestaltung zu einer klimagerechten Energiewirtschaft

 Naomi Klein "[...] Wenn wir unsere Wirtschaften und Gesellschaften verändern, um von fossilen Brennstoffe wegzukommen, haben wir eine Verantwortung und eine historische Chance, viele Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten wiedergutzumachen, die gegenwärtig ein Makel unserer Welt sind. Die große Stärke eines Rahmens für gerechten Wandel liegt darin, dass er gewichtige gesellschaftliche Bewegungen nicht gegeneinander ausspielt und von Menschen, die im Hier und Jetzt und der Ungerechtigkeit leiden, nicht verlangt, dass sie warten, bis sie an die Reihe kommen. Stattdessen bietet er integrierte und sich überschneidende Lösungen, die in einer klaren, überzeugenden Vision für unsere Zukunft verankert sind - , einer Zukunft, die ökologisch sicher, ökonomisch fair und sozial gerecht ist." (S.435) 

Robin Wall Kimmerer: "In meiner Kultur ist ein Krieger nicht jemand, der von Angst oder Macht motiviert ist, sondern jemand, der dem Ruf der Liebe folgt. Nicht die sentimentale Art von Liebe mit rosa Herzchen, sondern jene Art von Liebe, die Opfer für das Wohl anderer bringt, die Geliebtes über sich selbst stellt. Fragen wir uns, was wir zu sehr lieben, um es zu verlieren.

Für mich bestehen die Akte der Liebe zum Land darin, zu lehren, zu schreiben, Wissenschaft zu betreiben, zu wählen Kinder gut groß zu ziehen, einen Garten zu bestellen und, wenn nötig Unruhe zu stiften. Das ist der Ruf der Liebe an mich [...]" (S.461) (G. Thunberg: Das Klima-Buch)


Jeffrey Sachs’ Aussage zum Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines vor dem UN-Sicherheitsrat

Donnerstag, 2. Februar 2023

Aerosole

Aerosole sind schädlich für Menschen und Tiere. Sie sind der Hauptbestandteil der Luftverschmutzung und eine erhebliche Ursache für Fälle vorzeitigen Todes in aller Welt. Im Blick auf das Klima spielen Sie indessen eine ebenso bedeutsame Rolle, allerdings mit anderen Auswirkungen als die Treibhausgase. In der Luft wirken Aerosole wie eine zarte, dünne Wolke. Sie reflektieren einen Teil des einfallenden Sonnenlichts zurück ins Weltall und sorgen so für eine Abkühlung des Planeten. Während sich wenn sich während der Wolkenbildung Aerosole in der Luft befinden, sind außerdem die Tröpfchen in diesen Wolken kleiner und zahlreicher. Dadurch wird die Wolke weißer und reflektiert starker, was gleichfalls eine Abkühlung der Erde bedeutet. Aerosole entfalten also eine doppelte Wirkung bei der Kühlung der Erdoberfläche.

Und da wir alljährlich eine Menge Aerosole ausstoßen, sorgen Sie auch für eine Menge Kühlung. Nach Messungen von Wissenschaftlern hat sich die Erde seit der Zeit von 1850 bis 1900 um etwa 1,1 °C erwärmt. Wie als den jüngsten IPCC-Bericht hervorgeht, hätte die Temperatur mindestens um 1,5 °C steigen müssen, wenn die Treibhausgase die einzigen in die Atmosphäre emittierten Stoffe gewesen wären. Der Grund für die Abweichung liegt hauptsächlich in den Aerosolemissionen, die das Klima um 0,5 °C abkühlten, aber zugleich auch die geographischen Muster der Regenfälle, Monsunsysteme, Extremwetterereignisse und dergleichen veränderten.
Deshalb ist es äußerst wichtig, die Aerosole und ihre Wirkungsweise zu verstehen, wenn wir uns mit dem Problem der globalen Erwärmung auseinandersetzen. Leider ist auch das nicht gerade einfach. Heute wissen wir recht gut, woher sie kommen und in welchen Mengen sie emittiert werden. Wohin sie dann verfrachtet werden, ist dagegen weniger klar. Auch wissen wir nicht, welche chemischen Reaktionsketten sie in der Atmosphäre durchlaufen, wie sie im Einzelnen mit Wolken und Niederschlägen interagieren und wo sie am Ende landen. Manche Aerosole tragen entgegen unseren Erwartungen sogar zur Erwärmung des Klimas bei statt es abzukühlen. Das gilt für dunkle Aerosole [... Sie] reflektieren das Sonnenlicht nicht nur, sondern absorbieren auch einen Teil und heizen so die Luft in ihrer Umgebung auf. Das verhindert wiederum die Bildung von Niederschlägen und kann auch die Wolkenbildung und Windmuster beeinflussen. Und wenn dunkle Aerosole auf Schneeflächen landen, können Sie die Oberfläche erwärmen, weil sie deren Reflektionsvermögen reduzieren und den Schmelzprozess beschleunigen..
All diese Details sind wichtig, wenn wir verstehen wollen welchen Gesamteffekt unsere Emissionen auf das heutige – und zukünftige – Klima haben. Deshalb werden die Aerosole intensiv erforscht, und es gibt zahlreiche neue aufregende Entdeckungen. Wir wissen jedoch immer noch nicht, was mit dem Wetter geschieht, wenn die Menge der von Menschen verursachten Aerosole in der Atmosphäre sich verändert – und das ist ein Problem, weil wir davon ausgehen müssen, dass genau das geschieht." (Das Klima-Buch, S.59/60) 

Montag, 30. Januar 2023

Exxon Mobile kannte exakte Vorhersagen des Klimawandels

 Exxon Mobile kannte exakte Vorhersagen des Klimawandels und stritt dennoch den menschengemachten Klimawandel ab.

Exxon Mobile und die Gutachten: Im Namen des ProfitsVon: Michael Hesse FR 29.01.2023

"[...] Die Rede ist von der Exxon Mobil Corporation: dem US-amerikanischen Mineralölkonzern ExxonMobil. Er dürfte als Prototyp des Klimaschurken in die Geschichtsbücher eingehen. Bereits im Jahr 2019 wurde öffentlich, dass der Konzern schon in den 1970er Jahren relativ genau wissen konnte, dass und in welchem Umfang er mitverantwortlich ist für den zu erwartenden Klimaverlauf.

Der Konzern hatte Wissenschaftler damit beauftragt herauszufinden, ob und wie man für diese Unternehmenspolitik zur Verantwortung gezogen werden könnte. Die Ergebnisse wurden in einem Beitrag im Magazin „Science“ kürzlich noch einmal wissenschaftlich aufgearbeitet. Demnach gab es zwischen 1979 und 1985 zehn interne Momoranden und eine durch das Peer-Review-Verfahren geprüfte wissenschaftliche Publikation, die eine erschreckend exakte Vorhersage der Entwicklungen machten. Zielsicher wurde das Jahr 2000, plus minus fünf Jahre, als der Zeitpunkt genannt, an dem erstmals die globale Erwärmung erkennbar sein würde. Die natürlichen Klimaschwankungen waren in das Modell eingerechnet worden. [...]

Stellt sich die Frage, wie solche Konzerne und ihre Lenker zur Verantwortung gezogen werden müssen. Die „Süddeutsche Zeitung“ brachte Sondertribunale ins Gespräch, wie sie etwa nach dem Zweiten Weltkrieg oder nach dem Jugoslawien-Krieg eingerichtet worden waren, um die schlimmsten Übeltäter ihrer Strafe zuzuführen. Möglicherweise sind die von den Mineralölkonzernen verursachten Folgen deutlich schlimmer und weitreichender als die beiden Weltkriege zusammen. Insofern könnten das Bosnien-Tribunal oder das Nürnberger-Prozess-Verfahren eine Blaupause für die Aufarbeitung der Schuldfragen vorgeben – so die SZ –, die sich im Fall von Konzernen, Wissenschaftlern und Ingenieuren in besonderer Weise stellt. [...]"


Samstag, 21. Januar 2023

Inflation Reduction Act 2022

"Der Inflation Reduction Act of 2022 (IRA) ist ein wegweisendes[1] Bundesgesetz der Vereinigten Staaten, das darauf abzielt, die Inflation einzudämmen, indem das Defizit verringert, die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente gesenkt und in die heimische Energieerzeugung investiert wird, während gleichzeitig saubere Energie gefördert wird. Es wurde vom 117. Kongress der Vereinigten Staaten verabschiedet und am 16. August 2022 von Präsident Joe Biden unterzeichnet. Es handelt sich um ein Haushaltsüberleitungsgesetz, das von den Senatoren Chuck Schumer (D-NY) und Joe Manchin (D-WV) eingebracht wurde.[2] Das Gesetz war das Ergebnis von Verhandlungen über das vorgeschlagene Build-Back-Better-Gesetz, das gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag reduziert und umfassend überarbeitet wurde, nachdem sich Manchin dagegen ausgesprochen hatte.[3] Es wurde als Änderungsantrag zum Build-Back-Better-Gesetz eingebracht und der Gesetzestext wurde ersetzt.

Das verabschiedete Gesetz wird 738 Milliarden Dollar einbringen und 391 Milliarden Dollar an Ausgaben für Energie und Klimawandel, 238 Milliarden Dollar für den Defizitabbau, drei Jahre lang Subventionen für den Affordable Care Act, eine Reform der verschreibungspflichtigen Medikamente zur Senkung der Preise und eine Steuerreform genehmigen.[2][4] Das Gesetz stellt die größte Investition zur Bekämpfung des Klimawandels in der Geschichte der Vereinigten Staaten dar. [https://edition.cnn.com/2022/07/28/politics/climate-deal-joe-manchin/index.html

Es umfasst auch eine umfangreiche Erweiterung und Modernisierung der Steuerbehörde (Internal Revenue Service, IRS). Nach mehreren unabhängigen Analysen wird das Gesetz die Treibhausgasemissionen der USA bis 2030 voraussichtlich um 40 % unter das Niveau von 2005 senken. https://www.nytimes.com/2022/08/16/business/biden-climate-tax-inflation-reduction.html]* Die voraussichtlichen Auswirkungen des Gesetzes auf die Inflation sind umstritten. [...]" (Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version))

https://en.wikipedia.org/wiki/Inflation_Reduction_Act_of_2022

* Hier sind Zweifel allerdings sehr angebracht angesichts des Greenwashings durch Regierungen: "Alexandra Urisman Otto fand heraus, "dass nur ein Drittel unserer tatsächlichen Treibhausgasemissionen in unsere Klimaziele und die offiziellen nationalen Statistiken einbezogen waren. Der Rest war entweder ins Ausland verlagert oder in den Schlupflöchern internationaler Klimabilanzregelwerke versteckt worden." (Das Klima-Buch, S.219)

Die Washington Post fand heraus: "dass die Karten zur Orientierung in der Landschaft der Klimakrise auch auf internationaler Ebene vollkommen unzureichend waren. Ihre Untersuchung enthüllte, dass die Lücke zwischen den an die Vereinten Nationen gemeldeten Emissionen und den tatsächlich imitierten Treibhausgasen gewaltig war und 8,5 bis 13,3 Milliarden Tonnen im Jahr betrug. Das entsprach einem Anteil von 16-23 Prozent und damit fast den gesamten jährlichen Emissionen Chinas. [...] (Das Klima-Buch, S.232)

Die Kritik, die von europäischen Regierungen in Richtung "unlauterer Wettbewerb" kommt, deutet darauf hin, dass sie ihre Untätigkeit rechtfertigen wollen.


Freitag, 20. Januar 2023

Bundesregierung verfehlt ihre Klimaziele

"[...] Je mehr langfristige Gas-Lieferverträge, neue Häfen und Pipelines es gibt, desto 
stärker  steigt künftig der politische Druck, länger auf Gas zu setzen, als es für den Klimaschutz sinnvoll wäre. Man werde einen Gas-Bedarfsplan erstellen, heißt es im Wirtschaftsministerium.
Aus dem werde dann hervorgehen, wie viel von der Infrastruktur man wirklich 
brauche. So eine Reihenfolge ist allerdings ungewöhnlich. Erst verabschiedet 
die Ampel ein Gesetz, mit dem sie viele neue LNG-Häfen genehmigt, dann 
bittet sie dafür den Bundestag um Milliarden für deren Bau. Und danach macht sie 
einen Bedarfsplan. [...]" Von Petra Pinzler Die ZEIT, 18. Januar 2023

Mittwoch, 23. November 2022

Der Aufstieg der erneuerbaren Energien

Glen Peters: "Ein rasches Wachstum bei der Solar- und Windenergie reicht nicht aus, um die steigende Nachfrage zu befriedigen, weshalb der Verbrauch fossiler Energie und die CO2-Emissionen weiterhin zunehmen. Die Länder mit mittlerem oder niedrigem Einkommen tun durchaus viel, um ihre Emissionen zu stabilisieren und schließlich zu reduzieren. Vielfach sind sie sogar weltweit führend in der Nutzung sauberer Technologien. [...]

Die einfache Mathematik des Klimasystems aus der Sicht des 'Kohlenstoffbudgets' sagt, dass wir die fossilen Brennstoffe nur noch wenige Jahrzehnte benutzen können, nämlich etwa bis 2050, sofern keine Technologien entwickelt werden, die eine Emission des bei der Nutzung fossiler Brennstoffe entstehenden Kohlendioxid vermeiden (CO2-Abscheidung und SpeicherungWikipedia-logo.png) oder Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre entfernen können (NegativmissionstechnologienWikipedia-logo.png) [...] Da mit fossilen Brennstoffe betriebene Kraftwerke oder Industrieanlagen Lebensspanne von 50 Jahren und mehr haben können, folgt daraus, dass eine derartige auf fossile Energie basierende Infrastruktur, die heute in Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommen gebaut wird (oder kürzlich gebaut wurde), abgeschaltet werden müsste, bevor sie das Ende ihrer Lebensspanne erreicht hätte. [...] selbst alternative Energiequellen haben ihre Kosten im Bereich der Umwelt und der Emissionen. [...] In allererster Linie gilt es, die Belastung des Systems zu verringern, und das heißt letztlich, zu einer Lebensweise überzugehen, die weniger auf materiellen Konsum ausgerichtet ist. [...] In der Praxis muss jedes Land die Politik durchführen oder die Anreize setzen, die dort Wirkung zeigen, auch wenn sie längst nicht perfekt sein mögen. [...] das Klimasystem lässt uns [...] keine Zeit um nach der perfekten, für alle akzeptable Lösung zu suchen.

Die Energiewende wird auch für manche Menschen schmerzhaft, für andere dagegen vorteilhaft sein. Das ist unvermeidlich, doch die Welt ist voller Beispiele ähnlicher Übergänge: vom Pferd zum Auto, von der Schreibmaschine zum Computer, von netzgebundenen zu mobilen Telefonen, vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb [...] Die treibenden Kräfte hinter solchen Übergängen sind vielfach nicht politische Vorstellungen, sondern Technik und Gesellschaft. [...] Es ist Aufgabe des Staates, denen zu helfen und Schutz zu bieten, die man als Kollateralschäden der Energiewende bezeichnen könnte, zum Beispiel den Bergleuten in den Kohlegruben, nicht aber jenen, die sie zu verhindern suchen wie manche mächtigen Konzerne.

[Technologie, Verhaltensänderungen und Politik werden das Problem nicht je alleine lösen können ...]. Der Fortschritt liegt im Schnittbereich der Einflussfaktoren. Mit einer sich wechselseitig ergänzenden Mischung aus Technologie, Verhaltensänderungen und politischen Wandel werden wir einen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen, durch den wir die größten Gefahren der Klimakrise abwenden können. Die fortschreitende Klimakrise erlaubt es uns nicht, dem langsamen Übergang weg von fossilen Brennstoffen zuzuschauen. (Das Klimabuch, S.245-248)

Dienstag, 8. November 2022

Greta Thunberg: Das Klima-Buch

 Das Klima-Buch[1] von Greta Thunberg stellt eine Gemeinschaftsleistung von vielen Wissenschaftlern und Wissenschaftsjournalisten dar, die durch eine übergreifende Gliederung in fünf Teile und Einleitungen von Thunberg zu jedem größeren Abschnitt zusammengehalten werden.

Wie das Klima funktioniert

1.1 "Um dieses Problem zu lösen, müssen wir es zunächst verstehen", 2

Thunberg: "[...] Ich bin fest überzeugt, dass wir die schlimmsten Folgen dieser aufkommenden Existenzkrise nur abwenden können, wenn wir eine kritische Masse von Menschen zusammenbringen, die die notwendigen Veränderungen fordern. Damit das geschieht, müssen wir schnell Bewusstsein schaffen, denn noch immer fehlt es in der breiten Öffentlichkeit an grundlegendem Wissen, das notwendig ist um die Notlage zu begreifen, in der wir uns befinden. [...Dies] Buch enthüllt das Handeln der Verantwortlichen und das Versagen derer, die den Bürgerinnen und Bürgern der Welt diese Informationen schon längst hätten vermitteln müssen. [...]" (S.2/3)

"Selbstverständlich gibt es Fortschritte, hören wir. Manche Länder und Regionen melden eine recht erstaunliche Reduzierung der CO2-Emissionen – zumindest in den Jahren, seit die Welt erstmals die Rahmenwerke zur Handhabung unserer Statistiken ausgehandelt hat. Aber wie steht es um all diese Reduzierungen, wenn wir statt der sorgfältig manipulierten Landesstatistiken unsere Gesamtemissionen einbeziehen? Also all die Emissionen, die wir so erfolgreich aus diesen Zahlen herausgerechnet haben. Zum Beispiel durch die Verlagerung von Fabriken in ferne Erdteile und das Auslassen der Emissionen von internationalen Flug- und Schiffsverkehr in unseren Statistiken [...]" (S.4)

1.2 Die umfassende Geschichte des Kohlendioxids

Peter Brannen: "Wegen seiner erstaunlichen Bedeutung für alle Teile des Erdsystems ist Kohlendioxid nicht bloß einer von vielen abträglichen industriellen Schadstoffen wie Fluorkohlenwasserstoff oder Blei. Vielmehr ist es [...] 'der wichtigste Stoff in der Biosphäre'. (S. 6/7)

"Angesichts der zentralen Bedeutung des Kohlendioxids für die Biosphäre sollten wir vielleicht nicht überrascht sein, dass es derart zuverlässig zu Verwüstungen planetaren Ausmaßes führen kann, wenn dieses System so sehr aus dem Gleichgewicht gebracht wird." (S. 8)

1.3 Unser Einfluss auf die Evolution

1.5 "Die Wissenschaft ist so zuverlässig wie sie nur sein kann", 18

"Die bemerkenswerte klimatische Stabilität des Holozäns ermöglichte es unserer Spezies – dem Homo sapiens –, von der Lebensweise der Jäger und Sammler zu der von Bauern überzugehen, die Land kultivierten. [...] Würden wir die Weltgeschichte in die Zeitspanne von einem Jahr übersetzen, hätte die [[Industrielle Revolution]] am Silvesterabend etwa eineinhalb Sekunden vor Mitternacht stattgefunden. Seit der Entstehung der menschlichen {{wpde|Zivilisation}} haben wir die Hälfte der Bäume auf der Erde gefällt, mehr als zwei Drittel der Wildtiere und Wildpflanzen ausgerottet, die Meere mit Plastik gefüllt und ein potentielles massenhaftes Artensterben und eine Klimakatastrophe in Gang gesetzt. Wir haben angefangen, die Systeme zu destabilisieren, auf denen das Leben basiert und auf die wir alle angewiesen sind. Mit anderen Worten: wir sägen den Ast ab, auf dem wir leben.


Aber die meisten von uns sind sich immer noch nicht darüber im Klaren, was vorgeht, und viele kümmert es offenbar auch gar nicht. Das liegt an diversen Faktoren, von denen dieses Buch viele behandelt. Einer dieser Faktoren, das so genannte 'Shifting-Baseline-Syndrom oder die Generationenamnesie, bezeichnet den Umstand, dass wir uns an Neues gewöhnen und anfangen, die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Für meine Urgroßeltern wäre ein achtspuriges Autobahnkreuz vermutlich unvorstellbar gewesen, aber für meine Generation ist es etwas völlig Normales. Manchen von uns erscheint es sogar als etwas Natürliches, Sicheres und Beruhigendes, je nach den Umständen." (S.18/19)

"Die schnell eskalierende Klima- und Ökologiekrise ist eine globale Krise: Sie betrifft alle Pflanzen und Lebewesen. Zu behaupten, die gesamte Menschheit sei dafür verantwortlich, ist jedoch sehr weit von der Wahrheit entfernt. Die meisten Menschen leben gegenwärtig durchaus innerhalb der von der Erde gesetzten Grenzen. Lediglich eine Minderheit von uns hat diese Krise verursacht und treibt sie weiter voran. Aus diesem Grunde ist die gängige Behauptung: 'Es gibt zu viele Menschen', äußerst irreführend. Die Weltbevölkerung spielt zwar eine Rolle, aber nicht alle Menschen verursachen Emissionen und verbrauchen die Ressourcen der Erde, sondern nur manche Menschen – es sind die Gewohnheiten und das Verhalten mancher Menschen in Verbindung mit unseren Wirtschaftsstrukturen, die diese Katastrophe verursachen." (S.19)

1.9 "Dies ist die größte Geschichte der Welt", 42

Wie unser Planet verändert wird

2.1 "Das Wetter scheint auf Steroiden zu sein", 50

2.8 "Der Schneeball ist ins Rollen gebracht", 74

2.15 "Es ist viel näher als wir glauben", 96


Die Folgen für uns

3.1 "Die Welt hat Fieber", 142

3.8 "Wir sitzen nicht alle im selben Boot", 166

3.16 "Es warten enorme Herausforderungen", 196


Was wir dagegen unternommen haben

4.1 "Wie können wir unser Versagen ungeschehen machen, wenn wir nicht einmal zugeben können, dass wir versagt haben?", 218

4.4 "Wir gehen nicht in die richtige Richtung", 236

4.10 "Eine ganz neue Art zu denken", 263

4.18 "Ständig sagen sie das eine und tun das andere", 308

4.23 "Hier ziehen wir die Grenze", 331

Was wir jetzt tun müssen

5.1 "Der effektivste Weg aus dieser verfahrenen Lage ist, uns weiterzubilden

5.8 "Wir müssen jetzt das scheinbar Unmögliche tun", 390

5.15 "Ehrlichkeit, Solidarität, Integrität und Klimagerechtigkeit", 426

5.22 "Hoffnung muss man sich verdienen", 462

Anmerkungen

  1. Hochspringen Das Klima-Buch. Aus dem Englischen übersetzt von Ulrike und Michael Bischoff. S. Fischer, Frankfurt am Main 2022
Mehr zu dem Buch findet sich in ZUM Unterrichten.

Freitag, 6. August 2021

Wie schafft man notwendige Veränderungen?

 Naomi Kleins Anleitung "How to Change-Everything" ist jetzt in Zusammenarbeit mit Rebecca Stefoff auf Deutsch erschienen, freilich weiterhin mit englischem Titel,  um die Notwendigkeit einer weltweiten Anstrengung zu betonen.

Freilich mit dem Untertitel: "Wie wir alles ändern können und die Zukunft retten

"[...] Für Naomi Klein und Rebecca Stefoff ist Klimaschutz auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit, denn diejenigen, die zuerst und am heftigsten vom Klimawandel betroffen sind, sind weltweit die Ärmsten und sozial Benachteiligten, die indigenen Völker und ethnischen Minderheiten.

So traf der Hurrikan Katrina in New Orleans vor allem die schwarzen Wohnviertel der Stadt. Der staatliche Katastrophenschutz versagte hier völlig. Später wurde der Wiederaufbau Unternehmen überlassen, die statt billiger Sozial- teure Eigentumswohnungen bauten, die sich die früheren Bewohnerinnen und Bewohner nicht leisten konnten. [...] " (Klug Paroli bieten Von Johannes Kaiser)



Donnerstag, 15. April 2021

Die Klimakrise ist lösbar. Das verhindern die "Tatenlosen".

Michael E. Mann: "Propagandaschlacht ums Klima: Wie wir die Anstifter klimapolitischer Untätigkeit besiegen"

Mann: "Die Gegner in diesem neuen Klimakrieg können den Klimawandel nicht mehr einfach so leugnen, weil seine Auswirkungen – Hitzewellen, Düren, Buschbrände, Überschwemmungen – überall auf der Welt sichtbar sind. Deshalb versuchen Sie, uns mit einer Vielzahl hinterlistiger Taktiken zu verwirren und abzulenken. [...] Ich nenne sie Tatenlose, weil sie die Klimakrise klein reden oder falsche Lösungen wie Geo-Enggineering propagieren, die unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträger nicht verringern würden. Außerdem lenken Sie uns von großen, systemverändernden Lösungen ab, indem sie den Fokus auf unser individuelles Verhalten richten. Als ob es auf Einzelpersonen ankäme. [...]

Wir können natürlich versuchen, was Gandhi gefordert hat: die Veränderung zu sein, die wir in der Welt sehen wollen. Aber Individuen spielen vor allem dann eine relevante Rolle, wenn sie gemeinsam handeln, wählen gehen und politisches Handeln fordern.


Zeit: wie genau verhindert die fossile Energielobby, dass das geschieht.?


Mann: Sie greift auf bewährte Taktiken zurück, die auf ähnliche Weise auch von der Tabakindustrie oder von der Waffenlobby verwendet wurden. In den USA wehrte sich die Waffenlobby gegen schärfere Waffengesetze mit dem Slogan: "Waffen töten keine Menschen, Menschen töten Menschen." Heute verwenden die Profiteure im Umfeld der Kohle-, Öl- und Gaskonzerne ein ähnliches Drehbuch. Das Konzept des "persönlichen CO2-Fußabdrucks" zum Beispiel wurde in den 2000er-Jahren in den USA vor allem vom Energiekonzern PP populär gemacht. [...]

Mann: "Die Pandemie ist eine Lektion über unseren Platz auf diesem Planeten, über Verwundbarkeit und Nachhaltigkeit, darüber, wie tödlich Wissenschaftsfeindlichkeit sein kann. Die Pandemie hat dazu beigetragen, den Weg für eine gute Klimapolitik frei zu machen."

(ZEIT 15.4.21, S.6)

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Wann fing das politische Versagen an?

 https://twitter.com/PatrickGensing/status/1336915231151431681

https://unterrichten.zum.de/wiki/Vergleich:_Coronaepidemie_und_Klimawandel#Allgemeines

Je nach dem, ab wann man eine Entwicklung betrachtet, kommt man zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Im Fall der Coronaepidemie sind die wichtigsten Fehler am Anfang begangen worden, als Flugreisende nicht kontrolliert wurden. Die Entwicklung der letzten Wochen ist hauptsächlich auf die Jahreszeit zurückzuführen. Das wusste man vorher.

Die langfristigen Folgen eines harten Lockdowns (wirtschaftlich, im Bildungsbereich, in fehlender Fürsorge für Alte und Kranke) und eines beschränkten Lockdowns sind noch nicht bekannt; es gibt durchaus begründete Vermutungen; aber ein oder zwei aktuelle Messwerte erlauben noch keine bestimmten Vorhersagen.   



Mittwoch, 1. April 2020

Gerecht die Klimakrise lösen

"Im Gegensatz zur Coronakrise weist die Klimakrise sogar eine doppelte Ungerechtigkeit auf: Die Menschen im globalen Süden, die am wenigsten zum menschengemachten Klimawandel beitragen haben, werden einen Großteil der Folgen zu tragen haben. Aber auch hierzulande werden arme Menschen stärker von den Folgen der Klimakrise betroffen sein als reiche.
Ein zentraler Unterschied zwischen Corona und der Klimakrise zeigt sich darin, wie die Politik mit ihnen umgeht. In Deutschland hat eine große Koalition, die im Klimabereich seit Jahren handlungsunwillig ist, angesichts der Coronakrise unter Beweis gestellt, dass es sehr wohl möglich ist, die schwarze Null außer Kraft zu setzen und Milliardenhilfen zur Verfügung zu stellen. Aber zugleich bewies sie auch, dass sie im Handumdrehen Grundrechte außer Kraft setzen kann. Staatlich angeordnete Grenzschließungen, Kontaktverbote und teilweise Ausgangssperren mögen angesichts der Corona-Pandemie medizinisch sinnvoll sein. Für die Gesellschaft und unsere Demokratie aber bergen sie große Gefahren. Und auf keinen Fall dient dieses staatliche Handeln in der aktuellen Situation als Vorbild für das Handeln in der Klimakrise." (Weil/Becker: Gerecht die Klimakrise lösen, FR 31.3. 2020)