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Freitag, 13. März 2026

Kirche ist anders

 https://www.zeit.de/2026/12/anna-nicole-heinrich-praeses-evangelische-kirchenfunktionaerin-regensburg

Anna-Nicole Heinrich (Wikipedia)

"[...] Heinrich: Wir kamen ein Jahr nach dem Abi zusammen und haben nach vier Jahren geheiratet. Als wir zusammenzogen, fing er in einer Kanzlei für Wirtschaftsprüfung in München an und war 20 Wochen im Jahr unterwegs. Ich wollte nicht allein in einer Wohnung rumsitzen. So kamen wir auf die Idee mit der WG. Wir leben heute zu fünft in einer 135-Quadratmeter-Wohnung mit kleinem Gemeinschaftsgarten. Wir backen oft zusammen Pizza oder spielen, gerade feiern wir das Kartenspiel Unstable Unicorns. [...]

Ich bin auf jeden Fall eine Macherin. Ich mag es, Ergebnisse zu sehen. Das Philosophie-Studium war das Gegenteil: Du denkst und denkst und schreibst und schreibst, und dann kommt jemand mit einem Gegenargument. Ich habe parallel immer Programmierkurse belegt. Da musste man in zwei Stunden ein Schachspiel programmieren und war dann einfach fertig. [...]

Heinrich: Ich bin über die Schule in die Evangelische Jugend reingerutscht. Wir trafen uns abends zum Spielen, sonntags im Kindergottesdienst und fuhren im Sommer ans Ijsselmeer. Mit elf oder zwölf kam das Thema Taufe auf. Mir wurde klar: Ich fühle mich zwar zugehörig, bin es aber nicht richtig.

ZEIT: Deine Mutter hat sich gleich mittaufen lassen.

Heinrich: Das war ein sehr geschickter Move des Pfarrers. Wer sich taufen lässt, braucht einen Paten. Weil unser Vermieter der einzige Christ war, den wir kannten, wurde er mein Taufpate. Der Pfarrer meinte aber, es wäre schon gut, wenn es noch einen Christen im näheren Umfeld gebe. Deshalb ließ sich auch meine Mutter taufen. Sie hat den Zugang zum Glauben, meine ich, nie richtig gefunden. Aber sie würde auch nie austreten, weil sie sieht, wie die Kirche mich und meine kleine Schwester prägt. [...] 

ZEIT: Vor dir waren erfahrene Politikerinnen wie Irmgard Schwaetzer und Katrin Göring-Eckardt in diesem Amt.

Heinrich: Irmgard Schwaetzer sagte kurz nach der Wahl zu mir: Du bist 54 Jahre jünger. Lass deine Sneaker an. Die Leute haben dich gewählt, weil du bist, wie du bist.

ZEIT: War dein Alter ein Vorteil?

Heinrich: Ich konnte Sachen machen, die sich erfahrenere Leute nicht hätten erlauben können. Es wird von jungen Menschen in großen Institutionen erwartet, dass sie wilder sind und noch nicht systemblind; dass sie sagen, was sie denken. Diese Kraft nutzt sich aber auch ab. [...] 

ZEIT: Du äußerst dich oft politisch. 2022 hast du eine Aktivistin der Letzten Generation zur Synode eingeladen. Vielen ging das zu weit, jemand kritisierte einen "verzweifelten Versuch der Anbiederung". Kann Kirche zu aktivistisch sein?

Heinrich: Kirche kann nicht genug für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit tun. Niemand sprach damals mit den Leuten der Letzten Generation. Ich habe mich nicht mit ihnen auf die Straße geklebt, ich habe einer Aktivistin zehn Minuten auf unserer Bühne gegeben, in denen sie zeigen konnte, dass die Letzte Generation mehr ist als Sekundenkleber. Eine Kernfunktion von Kirche ist, Menschen ins Gespräch zu bringen, Verständigungsort zu sein. Insofern würde ich sie wieder einladen.

ZEIT: Du polarisierst auch mit eigenen Auftritten, etwa auf dem Christival in Erfurt, an dem sich auch konservative Freikirchen beteiligen, die ein Abtreibungsverbot fordern.

Heinrich: Wenn Menschen rote Linien überschreiten, braucht es Widerspruch, am besten im selben Raum. Deshalb gehe ich auch in diese Räume. Wenn ich auf dem Christival spreche, legitimiere ich damit kein Abtreibungsverbot.

ZEIT: Mit wem würdest du nicht sprechen?

Heinrich: Nach meiner Wahl habe ich mich mit allen religionspolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen getroffen, auch mit dem der AfD. Das waren Gespräche unter vier Augen. In so einem Setting spreche ich mit jedem. Öffentlich würde ich das immer abwägen. [...]"

Samstag, 3. Februar 2024

Über die Studie zu sexuellem Missbrauch in der evangelischen Kirche

 Ein Interview mit dem Leiter der Studie Martin Wazlawik

von Christ & Welt 1.2.2024 (https://www.zeit.de/2024/06/martin-wazlawik-forum-studie-missbrauch-evangelische-kirche-wissenschaft/komplettansicht)

sieh auch:

Glaube, Macht, Gewalt; Publik Forum 8.2.24

(Posts auf diesem Blog seit 2013 und systematischer in der Wikipedia in einem Artikel, der 2003 begonnen wurde.)

Daraus möchte ich hier besonders auf den Artikel aus chrismon von 2017 hinweisen, in dem es einerseits heißt:
"Man weiß, dass in jedem Zeitalter seit der Antike Erwachsene Kinder sexuell missbraucht haben. Man weiß auch, dass der Großteil der Täter im familiären Umfeld lebt: Väter, Mütter, Großeltern, Onkel, Nachbarn... Aber man weiß nicht, wie groß das Ausmaß ist. Man kennt das "Hellfeld", also die Zahl der angezeigten Taten in Deutschland: jährlich etwa 12 000. Das "Dunkelfeld" kann man nur zu erhellen versuchen: indem man Tausende von Menschen fragt, ob sie in der Kindheit Missbrauch erlebt haben. Genau solch eine Befragung hat jetzt in Baden-Würt­temberg das Kompetenzzentrum Kinderschutz in der Medizin an der Uniklinik Ulm gemacht. Ergebnis: In jeder 20-köpfigen Schulklasse könnten ein bis zwei Kinder sitzen, die sexuelle Gewalt erfahren haben."

und andererseits ein Einzelschicksal geschildert wird, aus dem unabweislich klar wird: Es muss mehr unternommen werden, damit solchen Fällen vorgebeugt werden kann und dass sie früh genug aufgedeckt werden. 
Dafür sprechen auch die dort angeführten Kommentare.
Hier noch ein Hinweis darauf, wie solche Erfahrungen über Generationen hinweg traumatisierend wirken können. Marion König

So notwendig es ist, dass mehr unternommen wird. Ich denke, wenn einzelne Institutionen vorgeführt werden, ist das problematisch, weil es hier um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe geht, die nicht allein auf einzelne Institutionen projiziert werden sollte.

Eine persönliche Erfahrung: Ein von mit mir hochgeschätzte Richter eines Landesgerichtshofs, dem ich viel verdanke, fragte mich als Lehrer, weshalb ich eine Schülerin nicht bei einem Konflikt mit ihren Eltern unterstützt hätte. Dieser Richter war befreundet mit diesen Eltern und wusste um diese Konflikte, die mir von der Schülerin nicht offenbart worden waren. Die Eltern der Schülerin hatte ich sicher schon einmal gesehen, sie waren mir aber nicht persönlich bekannt. (Übrigens, es ging nicht um sexuellen Missbrauch, sondern um einen Autoritätskonflikt.)

Es ist fragwürdig, einer Institution Versagen vorzuwerfen, wenn hundertfach oder zehntausendfach ihre Vertreter sich überfordert sahen, denkbare Missstände aufzudecken und sie zu beseitigen. Auch inklusive Pädagogik  ist nach meiner festen Überzeugung an deutschen Schulen nicht zureichend gelungen. Ebenso bin ich davon überzeugt, dass bisher weder die einzelnen Lehrkräfte noch die gegenwärtigen Institutionen die zureichenden Kompetenzen hatten, sie zum Erfolg zu führen. 

Wer will, kann daraus einen Vorwurf an die aktuellen Kultusminister, an die Bundesregierungen der letzten Legislaturperioden oder an die "Altparteien" ableiten. 

Ich halte das für unrealistisch. Das heißt aber nicht, dass man nicht weiterhin an dem angestrebten Ziel arbeiten sollte und sei es mit anderen Methoden als den bisher angewandten. 

Dasselbe gilt m.E. auch für den Umgang mit sexuellem Missbrauch und nicht zuletzt für den in den evangelischen Landeskirchen.


Sonntag, 27. Oktober 2019

Amazonassynode

"[...] Dom Edson Damian [...] ist Amazonas-Bischof einer riesigen brasilianischen Diözese im Becken des Rio Negro, wo über 90 Prozent Indigene leben, die fast alle katholisch sind. 23 Ethnien mit 18 lebendigen Sprachen. Drei dieser Sprachen sind heute auch Amtssprache. Auf 500 Gemeinden kommen hier nur 21 Priester. Bischof Edson, 71, ist froh, dass Rom endlich hört, was das Volk an der Peripherie will. Von den 390 Völkern des Amazonas wurden vor der Synode ja 179 befragt. "Es schmerzt mich sehr, wenn die Indigenen Heiden genannt werden." Nicht nur weil so viele von ihnen Christen geworden sind. "Ich habe von ihnen gelernt, was die frohe Botschaft bedeutet. Sie beginnen jeden Tag mit einem Gebet. Sie nehmen von der Natur nur, was sie zum Leben brauchen. Sie leben in Genügsamkeit." Daraus lasse sich ableiten, was Dom Edson eine indigene Theologie nennt. Sie passt zu dem neuen Katakombenpakt*, den die Amazonas-Bischöfe am vergangenen Sonntag geschlossen haben. Eine Revolution: In den Katakomben der Dormitilla, wo während des Zweiten Vatikanischen Konzils in den Sechzigerjahren bereits Bischöfe ein Leben in Einfachheit gelobten, verpflichteten nun auch sie sich zu einem Leben des Dienstes, zum Verzicht auf die Insignien kirchlicher Macht, zur Einfachheit.

Kardinal Pedro Ricardo Barreto aus Peru war auch dabei. Der Vorsitzende der Synode gehört zu jenen Getreuen von Franziskus, die Zuversicht ausstrahlen: Diese Revolution gelingt. Aufgewachsen in der Stadt Lima am chemieverseuchten Fluss Rimac, habe er, sagt Barreto, die Natur erst finden müssen und damit einen tieferen Zugang zu Gott. Bei den Indigenen sei er in die klaren Gewässer eingetaucht, bei ihnen habe er buchstäblich gelernt, in den Fluss zu springen und sich ans andere Ufer tragen zu lassen. Den Machtkampf in seiner Kirche sieht der Jesuit gelassen. Denn die Macht, um die es hier gehe, sei nicht die Macht des Evangeliums. Barreto sagt, die Schöpfung zu verteidigen, heiße leiden und Jesus folgen bis zum Tod. Das mag in den Ohren westeuropäischer Christen pathetisch klingen. Barreto sagt es bescheiden lächelnd. Man versteht, was er meint, wenn man weiß: In seiner Heimat haben sie, weil er gegen die Minen und die Metallindustrie protestierte, schon einen Sarg mit seinem Namen darauf durch die Stadt getragen."
https://www.zeit.de/2019/44/amazonas-synode-katholische-kirche-regenwald-papst/komplettansicht

https://www.zeit.de/2019/42/synode-vatikan-bischofsversammlung-primin-spiegel-miseror

https://www.katholisch.de/artikel/23330-wie-pseudo-fragen-die-amazonas-synode-in-verruf-bringen-sollen

Twitter: Amazonassynode

https://twitter.com/Strack_C/status/1186255627867299841

„We conclude under the protection of Mary, Mother of the Amazon, venerated with various titles throughout the region.“ (Christoph Strack)
Pachamama

* neuer Katakombenpakt

Baumpflanzung im Vatikan zum Ausdruck des symbolischen Zusammenhangs von Einsatz des Heiligen Franziskus für die Natur und der Amazonassynode

Papst Franziskus gegen ein "Weiter so":
"[...] Queridos hermanos, sintámonos convocados aquí para servir, poniendo en el centro el don de Dios", pidió el Papa en su sermón, en el que llamó a no defender el status quo, sino a una "prudencia audaz" guiada por el Espíritu Santo. "Si todo permanece como está, si nuestros días están marcados por el 'siempre se ha hecho así', el don desaparece, sofocado por las cenizas de los temores y por la preocupación de defender el status quo", subrayó. "La prudencia no es indecisión, no es una actitud defensiva. Es la virtud del pastor, que, para servir con sabiduría, sabe discernir, sensible a la novedad del Espíritu. Entonces, reavivar el don en el fuego del Espíritu es lo contrario a dejar que las cosas sigan su curso sin hacer nada. Y ser fieles a la novedad del Espíritu es una gracia que debemos pedir en la oración", siguió. [...]
[Hauptaussage des spanischen Textes: "Liebe Brüder, lassen Sie uns hierher gerufen werden, um zu dienen und die Gabe Gottes in den Mittelpunkt zu stellen [...], nicht den Status quo zu verteidigen, sondern eine" kühne Klugheit", die vom Heiligen Geist geleitet wird. ]
https://www.lanacion.com.ar/el-mundo/el-papa-abrio-sinodo-panamazonico-denunciando-los-nid2294626

Thomas Seiterich: Die Amazonassynode: Wie Papst Franziskus die Kirche umbauen will
Zur Rolle der Frauen bei der Amazonassynode (spanisch)

Zur Kritik an der Amazonassynode

andererseits:
https://de.wikipedia.org/wiki/OTCA (Brasilien ist Mitglied)

Dienstag, 23. Mai 2017

Luther und Maria

In Legnica (Liegnitz) ist über einem Kirchenportal eine Lutherstatue durch eine Maria mit Jesuskind ersetzt worden. Hinter ihr steht noch die alte Inschrift: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen"
Was zunächst befremdet, hat im Grunde einen guten Sinn. Maria gehört zur Kirche. Da gehört sie hin.

Samstag, 7. Juli 2012

"Sind Sie nicht die Frau ...?"

"Sind Sie nicht die Frau von der Kirche?" "Der Mann hat Recht! Die Kirche - das ist der richtige Ort für dich." Das sagt Marot Käßmann über sich.