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Mittwoch, 27. November 2024

Nachricht von Krautreporter

 Vor fünf Jahren demonstrierten bei Fridays for Future mehr als eine Million Menschen in Deutschland für mehr Anstrengungen in der Klimapolitik. Vor zwei Monaten waren gerede einmal noch 75.000 Demonstrierende beim Klimastreik. Meine Kollegin Johanna Weinz erklärt in ihrem neuen Artikel, was aus der Bewegung wurde. Fünf Menschen beschreiben darin ihren aktuellen Einsatz für besseres Klima.

Krautreporter (in der Wikipedia)


Fontanefan:

"Wenn Greta Thunberg geahnt hätte, wie sehr ihre Mitleidsreaktion der Fridays for Future Bewegung schaden könnte, hätte sie sicher anders reagiert. Denn ihr ist noch mehr als den meisten anderen Klimaschützern klar, wie der Klimawandel viele Millionen ins Unglück stürzen wird und dass er große Regionen der Welt unbewohnbar machen wird. Gegenüber dieser bevorstehenden Katastrophe wiegen Zehntausende oder Hunderttausende, die im Krieg umkommen, aus meiner Sicht leicht. Einer jungen Frau sollte man es aber nicht übelnehmen, wenn sie eine solche fast zynische Überlegung nicht anstellt, wenn sie die Fernsehnachrichten vom Gaza- und Libanonkrieg verfolgt." (https://fontanefansschnipsel.blogspot.com/2024/10/zu-greta-thunbergs-kritik-israels.html, 9.10.2024)

Mittwoch, 9. Oktober 2024

Zu Greta Thunbergs Kritik an Israels Gazakrieg

 Greta Thunberg hat eine weltweite Klimaschutzbewegung in Gang gesetzt und die wichtigste populärwissenschaftlich Publikation zum Klimawandel herausgebracht, bei der rund hundert zum Teil weltberühmte Wissenschaftler mitgearbeitet haben, unter anderem Piketty.

In Israel gab es vor dem Hamasüberfall am 7.10.2023 eine starke Protestbewegung gegen die Regierung Netanjahu. Aufgrund der furchtbaren Grausamkeiten der Hamas sind Juden auf der ganzen Welt in Angst, umso mehr, weil jetzt viele muslimische Demonstrationen gegen Israels Reaktionen auf den Überfall stattfinden und es zusätzlich auch weltweit zu Gewalttaten gegen Juden kommt.

Dass eine jetzt 21-Jährige nicht wie ein professioneller Politiker ihre Reaktion auf den Gazakrieg diplomatisch abgestimmt formuliert, ist m.E. bedauerlich. Andere Vertreter von Fridays for Future reagieren da deutlich sensibler, nicht zuletzt Luisa Neubauer.

Dabei sollte man aber auch bedenken, dass in Skandinavien allgemein kein Schuldgefühl gegenüber Juden besteht, weil Dänemark und Norwegen während ihrer Besetzung durch die deutsche Wehrmacht sehr viel zum Schutz der Juden getan haben und Schweden in der berühmten Nacht, als Tausende von Juden von Dänemark nach Schweden flohen, dabei geholfen hat und auch sonst vielen Juden die Zuflucht ermöglicht hat.

Da ist es verständlich, wenn das Mitleid mit den Palästinensern, die vor der der israelischen Armee fliehen mussten und dennoch zu Zehntausenden getötet wurden, stärker wirkt als bei uns in Deutschland.

In den letzten Jahren hat Antisemitismus zwar in Schweden zugenommen (weitgehend aus denselben Gründen wie bei uns), aber von Greta Thunberg habe ich persönlich keine antisemitische Äußerung mitbekommen, sondern nur Anklagen gegen die unverhältnismäßige Reaktion Israels auf den schrecklichen Überfall der Hamas.

Ob die militärische Reaktion Israels die Sicherheit der Bevölkerung befördert, ist noch nicht ausgemacht. Dass sie eine Regelung zur Freilassung der Geiseln unwahrscheinlicher macht, dürfte aber klar sein.

Ich bin überzeugt: Wenn Greta Thunberg geahnt hätte, wie sehr ihre Mitleidsreaktion der Fridays for Future Bewegung schaden könnte, hätte sie sicher anders reagiert. Denn ihr ist noch mehr als den meisten anderen Klimaschützern klar, wie der Klimawandel viele Millionen ins Unglück stürzen wird und dass er große Regionen der Welt unbewohnbar machen wird. Gegenüber dieser bevorstehenden Katastrophe wiegen Zehntausende oder Hunderttausende, die im Krieg umkommen, aus meiner Sicht leicht. Einer jungen Frau sollte man es aber nicht übelnehmen, wenn sie eine solche fast zynische Überlegung nicht anstellt, wenn sie die Fernsehnachrichten vom Gaza- und Libanonkrieg verfolgt.

Dienstag, 14. September 2021

Ein Brief von Luisa Neubauer (Fridays for Future)

           Anrede,

ich habe nachgezählt: Seit 143 Wochen streike ich jeden Freitag für das Klima – zu Fuß, auf dem Fahrrad, im Netz. Ich bin Luisa, 25 Jahre alt und Aktivistin von Fridays for Future. In diesen drei Jahren haben wir gezeigt, wie machtvoll wir sind, wenn wir uns zusammenschließen. Und wie viel wir erreichen können: Klima ist mittlerweile das Thema, das den Menschen am wichtigsten ist.[1] Doch zu konsequenter Klimapolitik hat das bisher noch nicht geführt.

Seit Monaten arbeiten wir deshalb auf einen Tag hin: Den großen Klimastreik am 24. September. Er entscheidet, ob die Menschen Klimaschutz nicht nur wichtig finden – sondern auch danach wählen. Und macht einer neuen Regierung klar, dass sie handeln muss. Doch damit das gelingt, brauchen wir Sie, Walter Böhme – bitte demonstrieren Sie mit uns! Wir von Fridays for Future haben monatelang alles gegeben, damit Sie an diesem Tag in nur wenigen Stunden einen großen Unterschied machen können.

Denn diese Wahl ist eine Jahrhundertwahl. Sie ist entscheidend, um die schlimmsten Klimakatastrophen noch abzuwenden – uns bleibt kaum Zeit, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die politischen Entscheidungen der nächsten vier Jahre werden das Schicksal meiner Generation bestimmen. Dürren, Stürme, Überflutungen: Das Klima kollabiert gerade vor unseren Augen. An vielen Orten der Welt sind Klimaextreme schon Alltag. Wenn wir jetzt nicht alle Kräfte bündeln, wird das Leben im Laufe dieses Jahrhunderts für Millionen Menschen immer mehr ein Kampf ums Überleben. Dieser Gedanke macht mir Angst – und vielleicht geht es Ihnen ja genauso.

Aber wir haben einen Plan. 48 Stunden vor der Wahl strömen wir mit Hunderttausenden in ganz Deutschland auf die Straßen und fordern konsequenten Klimaschutz. Unsere Botschaft ist klar: 1,5 Grad sind nicht verhandelbar! Und unsere Bewegung ist entschlossen: Um unsere Gegenwart zu schützen und unsere Zukunft zu retten, müssen wir jetzt richtig loslegen. Mit dem „Weiter so“ der GroKo muss endlich Schluss sein.

Doch wir jungen Menschen allein werden das nicht schaffen. Damit unser Protest den Weg in die Wahlkabine und die nächste Regierung findet, brauchen wir Mitstreiter*innen aus allen Generationen: Die Bankkauffrau, die in ihrer Mittagspause ein Stück mitläuft. Die Oma, die mit ihren Freundinnen selbstgenähte Fahnen schwenkt. Der Vater, der sein Kind im bunt geschmückten Bollerwagen zieht. Die Fußballerin, die mit ihrem Team ein großes Banner hochhält. Jeder Mensch zählt. Dieser Freitag zählt – wie kein anderer! Bitte, Walter Böhme: Kommen Sie am 24. September zum entscheidenden Klimastreik. Auch bei Ihnen in der Ecke ist was los – schauen Sie vorbei und machen Sie den Protest stark.

Mit 13 Jahren habe ich in einer Erdkunde-Stunde gelernt, was der Treibhauseffekt ist. Damals habe ich mich gefragt, warum so ein gravierendes Problem in nur 90 Minuten abgehandelt wird. Ich wollte mehr wissen, studierte Geographie und kam zu einer erschütternden Erkenntnis: Wir sind an einem Punkt in der Geschichte angelangt, an dem die Menschheit die größte Zerstörungskraft der Erde ist. Durch unsere Emissionen erschaffen wir Wüsten. Wir verändern, wie Ozeane und Luftmassen zirkulieren. Wir vernichten Gletscher und terrorisieren die Ökosysteme, die wir zum Leben brauchen.

Das belegt auch wieder der neueste Weltklimabericht – keine Überraschung. 60 Jahre lang hat die Politik die Warnungen der Wissenschaft ignoriert. Man fragt mich dann freundlich, was wir von Fridays for Future zu dem Bericht sagen und ich antworte ruhig und fernsehtauglich. Aber innerlich bebe und wüte ich. Seit Jahren kämpfen wir für ein Ende der ökologischen Krisen. Und seit Jahren erklären uns politische Vertreter*innen, dass wir doch ein bisschen mehr Geduld und etwas weniger schlechte Laune haben sollen.

Dabei wissen wir, was uns in diese Krise manövriert hat: Profitgier, Machthunger und Skrupellosigkeit einiger weniger aus Politik und Wirtschaft. Doch die Ausbeutung der Natur und unserer Lebensgrundlagen funktioniert nur, weil die meisten Menschen bisher die Füße stillhalten. Gemeinsam können wir das jetzt ändern. Mit der Bundestagswahl haben wir die Chance, für mehr Klimagerechtigkeit zu stimmen. Auch wenn bisher kein Wahlprogramm für echten Klimaschutz ausreicht [2] – je weniger Klimabremser*innen im nächsten Bundestag sitzen, desto erfolgreicher wird unser Protest sein.

Stellen Sie sich nur vor, was irgendwann in den Geschichtsbüchern stehen könnte: Die Klimakrise eskalierte, die Menschheit raste in ihr selbstgemachtes Verderben. Aber dann gab es da diese riesige Bewegung von Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft, die aufstanden und etwas dagegen unternahmen. Schreiben Sie mit uns Geschichte, Walter Böhme – kommen Sie am 24. September zum großen Klimastreik.

Hoffnungsvolle Grüße
Luisa Neubauer

PS: Im Lockdown bin ich monatelang für meine Großmutter zuhause geblieben, um ihr Leben zu schützen. Am 24. September geht sie jetzt für mich auf die Straße – um meine Zukunft zu schützen. Natürlich achten wir bei allen Demos auf die Corona-Regeln. Kann ich auch auf Sie zählen?

[1]„Bundestagswahl: Wie steht es in den Umfragen?“, ZDF Online, 6. September 2021

[2]„Keine Partei würde Klimaziele erreichen“, tagesschau.de, 9. September 2021

Freitag, 18. Dezember 2020

Ou Hongyi - die chinesische Greta

"Ou Hongyi führt einen einsamen Kampf gegen die Klimakatastrophe. Die Achtzehnjährige stellt sich unbeirrt gegen Mitbürger und staatliche Behörden. [...]

Mit Greta Thunberg ist Hongyi über Twitter in Kontakt. Wenn sie über die berühmte Schwedin spricht, wirkt sie allerdings etwas enttäuscht. Hongyi hofft auf Mentoring und Tipps, Greta schicke aber vor allem Motivationsbotschaften. [...]

 Ihre Minderjährigkeit schützt sie nicht mehr, vergangenen Freitag feierte Hongyi ihren 18. Geburtstag. Ob sie keine Angst vor dem Gefängnis habe? Ihre Antwort jagt den Eltern Angst und Schrecken ein. "Festgenommen zu werden ist ehrenvoll", sagt Hongyi feierlich. "Mit jeder Strafe entblößt das autoritäre System seine ganze Härte." Sie fährt fort mit einem Zitat von Martin Luther King: "Ich wäre der Erste, der es befürwortet, gerechten Gesetzen zu gehorchen." Ungerechte Gesetze gelte es zu missachten. [...]

https://www.zeit.de/2020/53/klimaschutz-china-ou-hongyi-aktivismus-klimaneutralitaet

Die englische Wikipedia hat zu ihr einen Artikel unter dem Lemma (Stichwort) Howey Ou, der traditionellen Form ihres Namens. Der Artikel führt 14 Einzelbelege an.


Ou Hongyi the single climate striker of China created an initiative named "Plant for survival". In 2 - 3 months, more than 300 trees were planted. (en:Wikipedia)

Quelle der WP: Standaert, Michael (19 July 2020). "China's first climate striker warned: give it up or you can't go back to school". The Guardian. Retrieved 27 October 2020.

Freitag, 25. September 2020

Klimademonstration vom 25.9.2020 in einer Kleinstadt

 Streiflichter

klingt hinter Masken gerufen nicht so laut, wie wenn er von Hunderten Schülern gerufen wird. Auch haben die nicht wenigen über Siebzigjährigen weniger Zukunft vor sich, die man ihnen klauen kann, als Schüler. Doch das Engagement wurde auch so sehr deutlich.
Natürlich waren die Schüler trotz des ungewohnt geringen Anteils dennoch die Lautesten. Am anrührendsten dennoch die Fahrraddemonstranten mit dem Laufrädchen und Kinderfahrrad im Vorschulalter. Niemand will sich ausmalen, welche Zukunft ihnen bevorsteht, Allzu deutlich ist, dass weltweit keine Partei eine Strategie  hat, wie die Kipppunkte vermieden werden können, die ihr Leben in Chaos versinken lassen würde.

Der Sprecher des DGB erinnerte daran, dass kein Arbeitsplatz sicher ist, der das Klima schädigt. In Entscheidungsgremien wird das nachgesprochen, aber nicht beherzigt. 

Die Coronakrise hat gezeigt, dass die Politik energische Eingriffe auch in die Wirtschaft vornehmen kann; aber an effektiven Klimaschutz wagt sich keine Regierung heran, weil das ganze Ausmaß der Katastrophe nicht vor der nächsten Wahl erlebt werden wird.


Deshalb sind die Aktionen der Klimaaktivisten unersetzlich.
Luisa Neubauer: "Wir werden im nächsten Jahr alles, was in unserer Macht steht, dafür tun, dass diese Bundestagswahl die erste ist, in der jede demokratische Partei einen 1,5-Grad-Plan hat" (SZ 25.9.2020)



Mittwoch, 22. Januar 2020

Was die Zeitungen nicht (!) melden, wenn Greta spricht

WIR HABEN NUR NOCH 420 GIGATONNEN CO2 ÜBRIG


Sie liest die Zahlen des IPCC vor. “Auf Seite 108 im S.R. 1.5. IPCC report, welcher 2018 veröffentlicht wurde, heißt es, um eine 67%-ige Chance zu haben, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf unter 1,5°C zu begrenzen, haben wir mit dem 1.1.2018 etwa 420 Gigatonnen CO2 übrig, welche wir ausstoßen können. Natürlich ist diese Zahl heute viel kleiner, da wir etwa 42 Gigatonnen CO2 jedes Jahr ausstoßen, einschließlich Landnutzung. Mit heutigen Ausstoßraten ist dieses Budget in weniger als acht Jahren aufgebraucht.”

Sonntag, 12. Januar 2020

Freitag, 29. November 2019

Fridays for Future an der Bergstraße und in Berlin

Impressionen





















"What do we want?
When do we want it?

Aus der Rede des 37-jährigen Sebastian:
Ich habe, als beim Warten auf das Fußballspiel im Fernsehen ein Kriegsbericht kam, ausgeschaltet, um meinen 11-jährigen Sohn nicht zu belasten. Aber am Abend fragte er mich: "Wenn das Klima sich um drei Grad erwärmt, kommen dann nicht weit mehr Menschen um als im Krieg?
Wir haben unsere Lebensweise dann völlig umgestellt. Aber: Selbst wenn wir unseren CO2-Ausstoß auf 0 reduzieren könnten, könnten wir eine Klimakatastrophe nicht verhindern. Die Politik muss handeln! Und das heißt auch, dass sie Regelungen trifft.
Beim Rauchen hat sie auch nicht den Bürgern überlassen, auszudiskutieren, in welchen Gastwirtschaften geraucht werden darf.

Diese Rede war seine erste öffentliche Rede. Am Schluss ging er in Publikum zurück, und sein Sohn klatschte mit ihm ab. 

"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!" Dabei denkt dieser Sohn nicht mehr an seinen Vater. 













Demo am 29.11. in Berlin

Freitag, 11. Oktober 2019

AnwärterInnen auf den Friedensnobelpreis

https://www.zeit.de/politik/2019-10/bekanntgabe-nobelpreistraeger-friedensnobelpreis-2019-livestream

Der Preis geht an den äthiopischen Regierungschef Abiy Ahmed.

Ob das Nadia Murad gegenüber gerecht ist, wage ich nicht zu beurteilen.
Sicher aber ist es im Sinne der Bewegung Fridays for Future, denn so wird einerseits die Personalisierung auf Greta Thunberg nicht verstärkt und andererseits der Preis nicht vorschnell vergeben, bevor die Stunde der Bewährung kommt, wie das bei der EU und Obama gesehen werden kann.
Außerdem bleibt noch ein bisschen Spannung erhalten, wer für den Kampf für den Klimaschutz ausgezeichnet werden wird und ob das schon in den kommenden Jahren der Fall sein wird oder erst, wenn die kritischen kommenden Jahre abgelaufen sind.

Freitag, 19. Juli 2019

Antwort auf die Frage: Welches historische Ereignis hättet ihr gern erlebt?

Früher hätte ich anders antworten können.
Seit Greta Thunberg den weltweiten Schülerstreik ausgelöst hat, ist, was ich zu antworten habe, ernster und weniger hypothetisch.
Wir leben gegenwärtig in der Zeit, wo die historisch wichtigste Entscheidung der Menschheit ansteht, und inzwischen haben viele - wenn auch zu wenige - es begriffen. Es geht darum, ob die kommenden wenigen Jahre, wo eine Klimakatastrophe für die Menschheit - hoffentlich - noch verhindert werden kann, für eine radikale Reduktion des CO2-Ausstoßes genutzt werden oder nicht.
Der Schülerstreik hat eine Chance dafür eröffnet. Was wir gegenwärtig erleben, deutet darauf hin, dass sie nicht genutzt wird. Wie ernst die Lage ist, will im Grunde keiner wissen. Das liegt an den Kippelementen, von denen nicht abzusehen ist, ob ihre Auslösung überhaupt noch verhindert werden kann.
Wenn der Permafrost in der Antarktis an ein Ende kommt (das ist eins der Kippelemente), dann ist die Katastrophe nicht mehr zu verhindern. Gegenwärtig gibt es es in Sibirien viele Brände in der Tundra. Einer davon erstreckt sich vielleicht schon über 1000 km². Ob sie rechtzeitig gelöscht werden, spielt daher eine wichtige Rolle.
Ich bin froh, dass über die Schülerstreiks etwas in Gang gekommen ist, was neue Hoffnung gibt. Ich bin aber auch froh, dass ich alt genug bin, dass ich nicht mehr leben werde, wenn eindeutig klar wird, wie es weiter geht, und die Hoffnung womöglich enttäuscht wird.
Ich kann mir denken, dass Merkel sich der Gefahren deutlicher bewusst ist als andere ihrer Kabinettskollegen. Vermutlich ist sie sich im Klaren, dass sie das, was eigentlich nötig ist, nicht durchsetzen kann, und versucht es deshalb auch gar nicht.
Wir als einzelne Bürger haben noch weit weniger Möglichkeiten, aber die sollten wir nutzen. Energie sparen, wo immer möglich, auf die Gefahr aufmerksam machen. Jeder einzelne kann für sich entscheiden, wie er sich verhält.
Ich wünsche allen Generationen nach mir (und mir auch), dass diese historische Chance genutzt wird.

Mittwoch, 5. Juni 2019

Thunberg u. Ernman: Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima

"Die Erde hat Fieber, aber das Fieber ist nur ein Symptom einer umfassenden Nachhaltigkeitskrise, bei der es in Wahrheit vor allem unser Lebensstil und unsere Werte sind, die unser künftiges Überleben bedrohen.
Im Endeffekt reduziert sich alles auf die Nachhaltigkeitskrise. Sie manifestiert sich sowohl in der Luftverschmutzung und der Biosphäre als auch in ökonomischen und politischen Systemen, und sie führt uns zum Kern des Gesundheitszustands der Menschheit.
 " (S. 50)

 "Das Problem besteht allerdings darin, dass von dem Moment an, in dem man sich die Existenz der Krise eingesteht, bis zu dem Punkt, an dem man begreift, was sie bedeutet, es ein weiter Weg ist. Ein unfassbar weiter. (S.98) 


Medienberichterstattung:
"Als eine der größten Zeitungen Schwedens sich zum Ziel setzte, das Klima ins Zentrum ihrer Berichterstattung zu stellen, so dass es die gesamte Redaktion durchdrang, wie es hieß, verfolgte Greta ihrer Berichterstattung fünf Wochen am Stück. Das Ergebnis war nicht besonders beeindruckend. 
Shopping 22 %, Autos 7 %, Flugreisen 11 %. Und die Klimafrage 0,7 %.
Jedes Mal, wenn sie es nach prüfte, waren die Ergebnisse weitgehend identisch, egal um welche Zeitung es sich handelte. [...] 
"Wenn das Thema Klima zusammengerechnet die größte Nachricht ist, werde ich das rot im Kalender anstreichen", sagt sie.
Doch dazu ist es bis heute nicht gekommen.
Und wir prüfen Es jetzt seit zwei Jahren nach." (S.126 )

Greta spricht: "Alle sind so daran gewöhnt, dass sich alles ihren eigenen Bedürfnissen anpasst. Die Menschen sind wie kleine, verwöhnte Kinder. Und mit uns Kindern wird gemeckert, weil wir angeblich faul und verwöhnt sind. Ich weiß, dass wir, die wir Asperger haben, nicht fähig sind, Ironie zu verstehen, weil es so in allen Beschreibungen steht, die irgendwelche alten Leute über Menschen wie mich verfasst haben. Und trotzdem glaube ich, dass man Ironie nicht viel besser beschreiben kann als damit." (S.136)

"Ungefähr drei Prozent der Weltbevölkerung gönnen sich den Luxus, mindestens einmal im Jahr an Bord eines Flugzeug zu steigen. Obwohl Fliegen mit Abstand das Schlimmste ist, was man als Individuum dem Klima antun kann. [...] Das Ganze ist ein Kuchen [...] Um die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, haben wir einen begrenzten Kohlendioxidkuchen, der all das Kohlendioxid enthält, dass wir jemals ausstoßen können. Wenn wir den ganzen Kuchen verbraucht haben, ist kein Kuchen mehr übrig. Das letzte Stück Kuchen, das wir jetzt noch übrig haben, muss also gerecht unter allen Ländern der Welt aufgeteilt werden.
Die Vorstellung eines gemeinsamen Kuchens ist eben so kindlich einfach wie revolutionär. Ein Budget beinhaltet schließlich früher oder später irgendeine Form von Rationierung.
Und schon da treffen wir – zunächst einmal – auf den Anfang vom Ende der neoliberalen Weltordnung die Margaret Thatcher und Ronald Reagan vor bald 40 Jahren begründet haben. Das ist nicht einmal eine Theorie, sondern reinste Vorschulmathematik.
Das große Dilemma ist jedoch, dass sich in diesem gemeinsamen Kuchen unsere SUVs, Urlaubsreisen und unser Fleischkonsum ebenso befinden wie der Ausbau von Straßen, Krankenhäusern und die Infrastruktur für Milliarden Menschen, die bislang kein bisschen zur Entstehung der Probleme beigetragen haben, vor denen wir heute stehen. [...] Der verheerende Lebensstil der modernen Gesellschaft für so viele verschiedene Komplikationen für den Planeten, auf dem wir wohnen mit psychisch – Probleme, von denen jedes einzelne uns schon vor große Herausforderungen stellen würde. Das Hauptproblem ist jedoch, dass wir alle stets alles auf einmal tun, und zwar in der denkbar höchsten Geschwindigkeit. Der Mensch, sagt Kevin Anderson, ist wie ein Meteorit mit Bewusstsein." (
S.137-139)

"[...] "Wenn es darum geht, in welchem Umfang Länder wie Schweden die CO2-Emissionen verringern müssen, stößt man auf ziemlich unterschiedliche Zahlen [...] Du und andere Wissenschaftler sprechen von 10-15 % pro Jahr, Politiker und die staatliche Behörde für Natur und Umweltschutz von 5-8 %. Woher kommt der Unterschied?"
"Das hat verschiedene Gründe. In den 5-8 % sind beispielsweise Luftverkehr, Seefahrt und Auslandsproduktion noch nicht berücksichtigt", erklärt Kevin. [...] "Außerdem ist in den Berechnungen von Industrieländern wie Schweden nie das Mindestmaß an Unterstützung mit einkalkuliert, die wir anderen Ländern zugesichert haben. Das steht ausdrücklich im Pariser Klimaabkommen, im Kyoto-Protokoll und so weiter. Wir haben uns dazu verpflichtet, den CO2 Ausstoß zu reduzieren, ignorieren aber den Rahmen, den wir uns selbst gesteckt haben.
Und das Wichtigste: Unsere Strategien zur Ausstoßminderung basieren auf negativen Emissionstechnologien. Aber die sind noch gar nicht erfunden, und es ist äußerst fraglich, ob die Ergebnisse dann auch nur ansatzweise den Berechnungen entsprechen können, die wir für gegenwärtige Klimamodelle heranziehen. Es klingt absurd, aber bis vor zwei Jahren wussten viele Klimaforscher überhaupt nichts davon. Etliche meiner Kollegen waren regelrecht schockiert, als sie erfuhren, dass sich nicht nur ein paar wenige Zukunftsberechnungen auf Technologien stützen, die noch gar nicht erfunden worden sind, sondern alle." [...]" (
S.222/223)


"Klimakompensation ist, wie arme Menschen dafür zu bezahlen, dass sie für uns hungern." (S.228)

Seitenzahlen aus Szenen aus dem Herzen. Unser Leben für das Klima,

Greta Thunbergs Schulzeugnis SPON 17.6.19

Peter Kümmel über Aktivistinnen, ZEIT 10.7.19

Dienstag, 14. Mai 2019

Elektro-Tretroller wollen auch deutsche Städte erobern

"Das ist gut so – und längst überfällig. [...] Die Verleiher können es kaum erwartenFAZ 14.5.19

Der Wille der Tretroller ist uns Gesetz. 
Wer könnte in Zeiten von Fridays for Future schon auf etwas anderes kommen?!
Nicht die FAZ.
Scheuer würde sagen: "Alles andere wäre gegen jeden Menschenverstand."

Wohinter steckt ein kluger Kopf?
Vorzügliches Feuilleton und [...] Kommentare. 

Sonntag, 14. April 2019

Weshalb die Schülerstreiks so wichtig sind ...

Nicht nur, weil die Regierenden nicht auf wissenschaftliche Gutachten hören, wohl aber auf Resultate von Wählerumfragen, sondern auch deshalb, weil die schwere Aufgabe vor uns liegt, den kommenden Generationen klar zu machen, dass sie von unserer Gesellschaft betrogen worden sind, brauchen wir die Schülerstreiks.
Wie Rauschgifthändler haben wir die junge Generation von interessierten, weltoffenen Jugendlichen angefixt, zu fliegen.*
Wenn die Taxifahrt zum Flughafen teurer ist als ein Flug von 600 km, wenn ein Bahnticket über 600 km ein Mehrfaches kostet, von dem, was man für das Flugticket zahlt: Welche Jugendlichen, denen man fortwährend gepredigt wird, eine Ausbildung ohne Auslandserfahrung sei nur die Hälfte wert, bringen es dann fertig, sich gegen das Fliegen entscheiden?
Es waren gerade die idealistischen Jugendlichen, die bereit waren, in Afrika, Indien oder Südamerika mit Straßenkindern zu arbeiten, statt sich ein Jahr als Rucksacktouristen die Luft um die Ohren wehen zu lassen.
Die Klimaaktivisten haben eine Menge Überzeugungsarbeit zu leisten, wenn sie dagegen halten wollen.
Freilich, es gibt ein entscheidendes Argument: Ihr werdet es erleben.
Das zählt für fast alle arrivierten Politiker nicht.

*"Fliegen gehört für viele Kinder und Jugendlichen hier von Anfang an zu ihrem Leben selbstverständlich mit dazu. Der Klimawandel auch!" (Flugreisen, dlf 13.4.19)



Samstag, 13. April 2019

Die Forderungen von Fridays for Future

Fridays For Future fordert die Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens und des 1,5°C-Ziels. Explizit fordern wir für Deutschland:

  • Nettonull 2035 erreichen
  • Kohleausstieg bis 2030
  • 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035
Entscheidend für die Einhaltung des 1,5°C-Ziels ist, die Treibhausgasemissionen so schnell wie möglich stark zu reduzieren. Deshalb fordern wir bis Ende 2019:
  • Das Ende der Subventionen für fossile Energieträger
  • 1/4 der Kohlekraft abschalten
  • Eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen. Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch uns und zukünftigen Generationen entstehen. Laut UBA sind das 180€ pro Tonne CO2

https://fridaysforfuture.de/forderungen/

Freitag, 12. April 2019

Klimaschutzproteste - Das kann nicht so weitergehen!


Klimaschutzproteste - Das kann nicht so weitergehen!

Die Klimaschutzproteste von Schülern müssen nach Worten von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) früher oder später ein Ende finden. Dass die Schüler in der Unterrichtszeit demonstrierten, bewerte er kritisch, sagte Kretschmann am 2. April 2019: Vor allem kann das nicht ewig so weitergehen.“
Zur Erinnerung:
23 Jahre hat sich die internationale Staatengemeinschaft gemüht, ein internationales Klimaschutzabkommen zustande zu bringen.
2015 in Paris war es so weit: Es gab einen allgemeinen Beschluss mit konkreten Zusagen aller Länder, was sie dafür leisten wollen.
2017 aber traten die USA und Deutschland von ihren Verpflichtungen zurück.

Alle Klimaaktivisten waren der Überzeugung: "Das kann nicht so weitergehen!"
Greta Thunberg fand eine neue Methode, dieser Forderung Ausdruck zu verleihen: einen Schulstreik. Sie hielt ihn monatelang durch, bis die Weltöffentlichkeit auf ihren Protest aufmerksam wurde.
Seit dem 15. März 2019 streiken weltweit Schüler, um ihrer Forderung Ausdruck zu verleihen, jetzt wieder auch am Freitag, dem 12.4. in Bensheim.

Kretschmann meint dazu, das könne 
"nicht ewig so weitergehen".
Das soll es auch nicht. Es soll aufhören, sobald die Regierungen zu ihren Versprechungen stehen und ernsthaft handeln.
"Als Politiker kann ich Ihnen eines versichern: Politische Führer werden keine Risiken eingehen, solange die Menschen dies nicht von ihnen verlangen." (Barack Obama)