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Montag, 11. März 2019

was ein wunsch wäre, schlaf ...

Der Klang von Muschelkalk Von Moritz Aisslinger
"Nico Bleutge schreibt Gedichte. Er gilt als einer der bedeutendsten Lyriker in Deutschland – trotzdem kennt ihn kaum einer. Oft sucht er tagelang nach dem richtigen Wort. Leben kann er davon nicht. Porträt eines Menschen, der sich für den Untergrund entschieden hat  [...]

... zu übertragen, wärme

[...] Deutschland, das Land der Dichter und Denker? Das war einmal, jedenfalls was die Dichter betrifft. Schüler interpretieren zwar noch immer Goethe und Schiller, Studenten schreiben Seminararbeiten über Brecht und Trakl, und in der Hausbibliothek des Bildungsbürgertums finden sich Rilke und Benn. Den Namen eines zeitgenössischen Lyrikers kennen eher nicht so viele. [...] 


sich in die luftwege schleichen
innen im kopf. die bahnen
und bläschen. tiefer
gerutscht
Die Luftwege, sagt er, seien ein Fachterminus für die Atemwege, Nase, Mund, 
Kehle. Deshalb habe er dieses Wort gewählt und die Bläschen nach unten 
verschoben, dorthin, wo sie, die Lungenbläschen, anatomisch auch hingehörten, 
ans Ende der Lungen. Er wolle mit dem medizinischen Vokabular arbeiten, das die 
Ärzte im Herbst 2017 ihm gegenüber verwendeten, ebenso wie mit der floskelhaften
Sprache, mit den Trostformeln, [...]"
Ich habe die Technik des Autors des ZEIT-Artikels, den ich hier zitiere, verwendet, 
um Neugier auf ein Gedicht von Bleutge zu erwecken. 
Wer das vollständige Gedicht kennen lernen will, hat die Möglichkeit, den 
vollständigen ZEIT-Artikel vom 7.3.2019 zu lesen. Da wird sie/er in den Text 
eingeführt und kennt ihn am Schluss ganz. 
Werden Lyriker heute zu wenig beachtet? Wie ging es Hölderlin? Wer weiß heute 
noch Gedichte von Brecht auswendig, die nicht aus der Dreigroschenoper 
stammen? 
Die Positionen, die auf dem Lyrikkongress in Frankfurt, der vom 7.3. an lief, 
vertreten wurden, kann ich verstehen. Aber Paul Heyse und Bob Dylan erhielten 
den Literaturnobelpreis, Paul Celan nicht. Franz Kafka aber auch nicht. 
Wer das Publikum seiner Zeit überfordert, hat nicht selten den längeren
Nachruhm. Deutschlehrer dazu zu verdonnern, Schülern den Bedeutungsgehalt
von "Muschelkalk" bei Bleutge beizubringen, wäre kontraproduktiv. 
Goethe hat trotz heftiger Kritik von Literaturkennern mit seinem Werther einen
Bestseller geschrieben. Sein Faust wurde weltberühmt, aber Schillers Wilhelm 
Tell fleißiger gelesen. Faust II wird immer wieder aufgeführt, aber ihn Wort für 
Wort im Unterricht zu lesen und zu besprechen, wird man keinem Deutschlehrer
empfehlen können. Meiner tat's und ich fand es nicht nur im Nachhinein gut. 
Aber mehr habe ich von diesem Lehrer in der Deutsch AG gelernt, wo er uns an
einfachere Texte von Brecht, Kafka und Benn heranführte. 

Übrigens, Jan Wagners Regentonnenvariationen sind leichter zugänglich als 
Bleutges Muschelkalk. Und deshalb vermutlich die geeignetere Schullektüre
auch für zukünftige Lyriker.
Mehr zu Fokus Lyrik im Tagesspiegel

Mittwoch, 21. November 2018

Mittwoch, 22. November 2017

Vorzügliche Reklame für Minnesangs Frühling

http://www.zeit.de/2017/48/lyrik-minnelieder-mittelhochdeutsch-uebersetzung-liebesgedichte/komplettansicht

Jan Wagner: "Das Gedicht ist einer der letzten wahren Freiräume, weil in ihm alles möglich ist, ohne große Kosten. Man braucht einen Stift, ein Blatt Papier und hat alle Freiheit."

Donnerstag, 27. Februar 2014

Typisch weiblich, typisch männlich?

Ich stoße auf die Kommentare zu folgendem Blogeintrag:
http://iranique.wordpress.com/2013/12/20/nicht-mehr-reden/#more-8190

Der gegenwärtig letzte Kommentar lautet - passend zum Thema des Gedichts:  :-)

Ich denke dabei an Christan Spannagel, der sich einmal zustimmende Kommentare zu seinen Artikeln verbat. Er wolle Kritik, um weiterdenken zu können. 
Preisgegeben von sich hat er eine Zeit lang per Twitter ("gefühlt") jede Bushaltestelle, an der er stand. Bis er dann - eine Zeit lang - gar nicht mehr twitterte.
Und natürlich denke ich auch an Morgenstern und Gert Fröbes "Morgenstern am Abend".  

Und dann fällt mir Max Frisch ein, der bei Brecht von "Denkmännlichkeit" sprach. Bei Brecht kann er wohl nicht an die bekannte Definition von Männlichkeit ("eine milde Form von Autismus") gedacht haben.
Oder etwa doch? [Auch wenn die Definition vermutlich jünger ist als Frischs Wortprägung.)