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Donnerstag, 7. März 2024

Brechts Kriegsfibel

"Schneiden Sie aus!" der Freitag, 22.2.2024 von Sabine Kebir

 "Ein in seiner Bedeutung bislang unterschätztes Antikriegswerk Bertolt Brechts ist die Kriegsfibel. Sie entstand aus einer im Exil angelegten Sammlung von Kriegsfotos, ausgeschnitten aus deutschen Zeitungen und aus Blättern in Brechts skandinavischen Exilländern sowie den USA. Kombiniert mit Vierzeilern, die Brecht zu den Aufnahmen dichtete, wurde daraus die erst 1955 erschienene Kriegsfibel, ein Gemeinschaftswerk mit Brechts Mitarbeiterin und Geliebten Ruth Berlau
Seit 1937 sammelten sie Zeitungsbilder, beginnend mit Aufnahmen aus dem Spanischen Bürgerkrieg, sodass ein erster Grundstock für das spätere Werk entstand. Aus dem finnischen Exil dankte Berlau 1941 dem in Dänemark gebliebenen Freund Knud Rasmussen enthusiastisch für die Illustrierte Billed Bladed, die bei "himself" Jubel ausgelöst habe."

Brecht dichtete die Vierzeiler zu den Fotos, damit sie nicht im Sinne der Kriegsverherrlichung interpretiert werden konnten:

2
"Was macht ihr, Brüder?" – "Einen Eisenwagen."
Und was aus diesen Platten dicht daneben?
"Geschosse, die durch Eisenwände schlagen."
"Und warum all das, Brüder?" – "Um zu leben."

13
Er war zwar ihres Feindes Feind, jedoch
War etwas an ihm, was man nicht verzeiht
Denn seht: ihr Feind war seine Obrigkeit.
So warfen sie ihn als Rebell ins Loch.

15
Wir sind's, die über deine Stadt gekommen
Oh Frau, die du um deine Kinder bangst!
Wir haben dich und sie aufs Ziel genommen
Und fragst du uns warum, so wiss': aus Angst

17
Noch bin ich eine Stadt, doch nicht mehr lange.
Fünfzig Geschlechter haben mich bewohnt
Wenn ich die Todesvögel jetzt empfange:
In tausend Jahren erbaut, verheert in einem Mond.

Zum Foto einer beim Anblick ihres
toten Kindes schreienden Frau 
im britisch kolonisierten Singapur, 
das von Japan bombardiert worden ist:

Oh Stimme aus dem Doppeljammerchore
Der Opfer und der Opferer in Fron
Der Sohn des Himmels, Frau, braucht Singapore
Und niemand als du selbst braucht deinen Sohn.


Montag, 11. Februar 2019

Gelbwesten

Die Nachrichten von Schlägereien zwischen rechts- und linksextremen Gelbwesten schaden der Bewegung auf jeden Fall, ob sie nur ein Randphänomen darstellen oder nicht.
Hier zeigt sich das Problem von nur lose organisierten Protestbewegungen.

Brecht sähe sich bestätigt in der folgenden Passage aus seinem Solidaritätslied:
"Unsre Herrn, wer sie auch seien,
sehen uns're Zwietracht gern,
denn solang sie uns entzweien,
bleiben sie doch unsre Herrn."



Was aber deutlich wird, ist, dass es mit Querfront nicht viel auf sich hat, so sinnvoll sie zur Erreichen übereinstimmender Ziele aus taktischen Gründen auch scheinen könnte.
Die Angst vor dem "Beifall von der falschen Seite" sitzt tief. Schon deshalb wird die Rede von der Querfront so bald nicht verstummen.