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Montag, 9. Februar 2026

Welche Meinung gilt?

     1) siceripos (Beitrag bei gutefrage.net)   "Beliebte Märchengeschichte in der linksgrünen Blase....

An allem Elend in der dritten Welt ist grundsätzlich  der Westen " irgendwie schuld, niemals aber die Menschen in der Region.

Sprich....: wenn man massenweise Kinder in die Welt setzt obwohl man sie nicht ernähren kann ist der Westen schuld....

Wenn man sich gegenseitig abschlachtet weil man zu unterschiedlichen " Stämmen " gehört ist auch der Westen schuld.

Wenn man immer und immer wieder Mitglieder korrupter Clans in politische Führungspositionen wählt, wo sie sich die Taschen vollstopfen und ihr Volk hungern lassen ist ebenfalls der Westen schuld.

Und angeblich wesentlicher Grund für das Elend ist natürlich der Kolonialismus, der schon vor Jahrzehnten beendet wurde. Dass die meisten der Länder die heute in Elend leben zu ihren Zeiten als Kolonie ein besseres Bildungssystem hatten, eine besser funktionierende Infrastruktur und oft auch deutlich friedlichere und rechtsstaatliche Verhältnisse wird völlig ausgeblendet, genauso wie die Tatsache, dass die Kolonien in Asien nach ihrer Entlassung in die Unabhängigkeit es meist in wenigen Jahrzehnten geschafft haben, zum Teil wirtschaftlich und gesellschaftlich zu westlichen Staaten aufzuschließen."

2) Nein, es ist kein Märchen: Die Hauptschuld liegt tatsächlich bei der misslungenen Transformation der vorkolonialen Gesellschaft in eine an die globalisierte Gesellschaft angepasste.

3) Die differenzierte Darstellung von Achebe stimmt: Von beiden Seiten wurden große Fehler gemacht. Und die Schuld liegt nicht allein an den Kolonialmächten.

Dienstag, 14. Mai 2024

Fehlläufer im Zug der Globalisierung?

Just-in-time-Produktion 

Schlanke Produktion (lean production) "lean production“ und „lean manufacturing“ bezeichnet ursprünglich die von Womack/Jones/Roos in deren MIT-Studie (1985 bis 1991) bei japanischen Automobilherstellern vorgefundene, systematisierte Produktionsorganisation, welche der in den USA und Europa zu dieser Zeit vorherrschenden und von ihnen so genannten gepufferten Produktion („Buffered Production“) entgegengesetzt wurde.[1]" (Wikipedia)

Jetzt, wo aufgrund des Klimawandels erkannt wird, dass 'die Preise nicht die Wahrheit gesagt' haben, weil die ökologischen Folgen nicht berücksichtigt wurden, sieht die Rechnung anders aus.

Dienstag, 5. März 2024

Documenta, Antisemitismus und Israel

 "Man muss der Welt das Recht einräumen, die Documenta selbst zu perspektivieren. Perspektivieren, wohlgemerkt, heißt nicht Relativieren. Es geht um die Feststellung verschiedener Wahrnehmungen. 1943 wurden in West-Bengalen 1,5 - 4 Millionen Menschen von Churchill wissentlich dem Hungerstod [!] ausgeliefert. Infolgedessen betrachten Inder:nnen die Rolle Großbritanniens im Zweiten Weltkrieg anders als Europäer:innen. Die Akzeptanz solcher 'gegenläufiger Gedächtnisse' (D..Diner) gehört zu einem Blick auf die Welt, der in der Lage ist, Widersprüche auszuhalten.

Wer in der globalisierten Welt eine 'Weltkunstausstellung' realisieren will, dem kann diese Welt nicht mehr bloße Gegenstand kuratorischen Bemühens sein. Ihre Bewohner:innen sind selbstbewusste Akteur:innen auf der Bühne, auf die man sie eingeladen hat. Dem Divergenten einen Platz zu gewähren, stellt daher die einzige Möglichkeit da, über seine Legitimität oder Illegitimität zu urteilen, denn darüber kann einzig im Diskurs entschieden werden." (Leonhard Emmerling u. Wolf Iro: Quo vadis Documenta? in: Frankfurter Rundschau 5.3.24, S.26/27)

Ich übernehme den Hinweis auf Churchills 'wissentlich' ungeprüft und weise ebenfalls ungeprüft auf das (auf Stalin gemünzte) Wort, gegen Hitler, werde er (Churchill)  sich 'mit dem Teufel selbst verbünden' und auf Rolf Hochhuths Angriff auf Churchill im Zusammenhang mit den Bombardierungen (Luftkrieg, bekanntlich von Deutschland begonnen) deutscher Großstädte ('zweite Front') und den Unfall (?) der polnischen Exilregierung bei dem Flug mit einem britischen Flugzeug sowie auf Gandhis Solidaritätsbotschaft an Hitler angesichts der gemeinsamen Gegnerschaft Großbritanniens. Letzteres schreibe ich in der Überzeugung, dass ich Gandhis moralische Autorität damit nicht gefährden kann, um klarzumachen, dass menschliche Perspektiven in einer 'Welt voll Teufeln' (Luther) immer wieder unvereinbar sein werden.

Samstag, 18. März 2023

Globalisierter Konsum

 Globalisierter Konsum

"Die umfassendste interkontinentale Wechselwirkung von Ernährungspraktiken war bereits im 16. Jahrhundert erfolgt. Dieser Columbian Exchange hatte europäische Nutzpflanzen und Tiere in der Neuen Welt eingeführt und amerikanische Pflanzen nach Asien und Europa gebracht. [...] Die Kartoffel brauchte seit der Ankunft der ersten Knollen kurz vor 1600 etwa zweihundert Jahre, bis sie in Ländern wie Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien zum wichtigsten Grundnahrungsmittel wurde. Schon viel früher hatte die Einführung ertragreicherer Reissorten die Produktion in Südostasien und China erheblich gesteigert.(S.335)
"Die amerikanische Maniok-Wurzel wurde in Afrika heimisch gemacht, [...]. Heute ist Maniok in den tropischen Teilen Afrikas die am weitesten verbreitete Nahrungspflanze." (S.336)
Kulinarische Mobilität
"Seit dem Goldrausch der Jahrhundertmitte waren Italiener in Kalifornien ansässig. Bald immigrierten sie in / viele andere Teile der USA. Sie brachten den Durum-Weizen mit, den man für italienische Pasta benötigt." (S.336/37) 
"In keinem europäischen Land spielten aus Übersee importierte Nahrungs- und Genussmittel eine größere Rolle als in Großbritannien. Die East India Company hatte, vor [...] die Briten zu einer Nation von Teetrinkern erzogen. [...] Der einzige andere exotische Import, der über den engen Kreis des Luxuskonsums hinaus die Ernährung der breiten Bevölkerung veränderte, war der Zucker. [...] Der eigentliche Aufstieg des Zuckerkonsums fand aber erst im 19. Jahrhundert statt. Die Zuckerproduktion auf der Welt verdoppelte sich zwischen 1880 und 1900 und nochmals von da an bis 1914. Der Anteil von Zucker an der durchschnittlichen Kalorienversorgung der Briten soll im Laufe des Jahrhunderts von 2 Prozent auf 14 Prozent gestiegen sein." (S.338)
"Es war eine der großen Tendenzen des 19. Jahrhunderts auf dem Ernährungssektor, dass die Industrialisierung auch die Herstellung von Fleisch erfasste und den Fleischmarkt zu einem transkontinentalen Geschäft machte. [...] Spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm in Westeuropa der Fleischkonsum auch der Unterschichten deutlich zu. Zwischen den 1860er und den 1890er Jahren verdoppelte sich der Fleischverbrauch englischer Arbeiterfamilien auf mehr als ein Pfund pro Kopf in der Woche. Die Japaner [...]  bekehrten sich von vegetarischer Ernährung zum Verzehr von Fleisch. [...] 1876 wurde erstmals argentinisches Rindfleisch per Kühlschiff nach Europa gebracht." (S.339)
"Romantische Sozialtypen wie der nordamerikanische Cowboy und der argentinische Gaucho waren das mobile Proletariat einer weltweit operierenden Fleischindustrie. [...]
1905 wurden 17 Millionen Tiere getötet. Es ist kein Zufall, dass eine der schärfsten literarischen Attacken auf den amerikanischen Kapitalismus, Upton Sinclairs Roman The Jungle (1906), seinen Schauplatz in den Chicagoer Schlachthöfen hat [...]." (S.340)

Sonntag, 8. August 2021

Wolfgang Streeck: Zwischen Globalismus und Demokratie, 2021

Wolfgang Streeck: Zwischen Globalismus und Demokratie: Ist Kleinstaaterei der Ausweg? Von Otfried Höffe

[...] Buchtitel sollen Aufmerksamkeit wecken, was dem emeritierten Max-Planck-Direktor Wolfgang Streeck bei seinem neuem Opus magnum fraglos gelingt: „Zwischen Globalismus und Demokratie. Politische Ökonomie im ausgehenden Neoliberalismus“.

Der Titel verbindet nämlich zwei der wichtigsten Begriffe der heutigen politischen Debatte zu einer These. Der erste Begriff erklärt ein Grundphänomen unserer Zeit – die Globalisierung – zu einem -ismus, mithin zu einer Ideologie, die hoffentlich, so geht die angedeutete These weiter, zugunsten der in normativer Hinsicht allein legitimen Staatsform, der Demokratie, überwunden werde. Allenfalls vermisst man hier die Qualifikation der Demokratie als „konstitutionell“, weil sie auf Verfassungsprinzipien wie die Grund- und Menschenrechte sowie die Gewaltenteilung zu verpflichten sei.

Die nähere Erläuterung dieser Leitthese widerspricht vehement zwei der nach Streecks Ansicht in Theorie und Praxis vorherrschenden politischen Entwicklungen. Der Grund für die beiden Fehlentwicklungen liegt, wie der Untertitel des Werkes anzeigt, im Neoliberalismus. Gemeint ist ein Wirtschaftsliberalismus, der mit seinem Kapitalismus mehr und mehr lediglich die Marktkräfte ohne die für eine humane Wirtschaft notwendigen Gegenkräfte stärkt.

Dieser Neoliberalismus ist dem ersten Teil, „Kapitalistische Wirtschaft“, zufolge in eine doppelte Krise geraten, in „die Gleichzeitigkeit von wirtschaftlicher Stagnation und politischer Blockade, von Wachstumsschwäche und Vertrauensverlust, von Kapitalismus- und Demokratiekrise“. Dafür sei in hohem Maß eine „für die Stabilität und Bewohnbarkeit unzulängliche“ Global Governance verantwortlich. Denn sie baue ein weltweites Staatensystem auf, in dem nationale Sonderregelungen und nationale Gerichte, mithin demokratische Einflusschancen minimiert würden. Und im Fall unseres Kontinents ziele die Europäische Union auf einen Superstaat, auf ein Imperium, was aber scheitere. Sowohl in der globalen als auch der europäischen Entwicklung verliere der Gesichtspunkt, der in politischer Theorie und Praxis doch unverzichtbar sei – die Volksherrschaft –, zunehmend an Gewicht. [...]

Insoweit sind Streecks Warnungen vor der insbesondere für Deutschland nicht abwegigen Diagnose von „Europa“ als Zivilreligion beachtenswert. Man mag die folgende Behauptung für eine polemische Zuspitzung halten, muss sie als Diskussionsthese aber doch für zulässig halten: „Die Europäische Währungsunion ist der supranationale Wohlfahrtsausschuss des nationalen Konsolidierungsstaates: ein Instrument der politischen Eliten zur Durchsetzung der Hyperglobalisierung ... bei gleichzeitiger Verschleierung ihrer Kosten.“

Weiterhin wäre hinsichtlich des für die westlichen Staaten behaupteten Neoliberalismus eine differenziertere Diagnose wünschenswert. Die USA sind ohne Zweifel stärker neoliberal bestimmt als Deutschland mit seiner sozialen Marktwirtschaft, zu der beispielsweise in den Unternehmen die Mitbestimmung gehört und die Staatsausgaben für Arbeit und Soziales bei etwa 50 Prozent liegen, wobei dieser Anteil nicht etwa sinkt, vielmehr steigt. Schließlich kann man auch den in Skandinavien vorherrschenden Fürsorgestaat, das sogenannte Volksheim, nicht als in hohem Maß neoliberal bewerten.

Der Blick auf die USA gebietet schließlich einen hier letzten Vorbehalt gegenüber Streecks „Ausweg“: Das, was etwa auf Israel, Norwegen und die Schweiz zutrifft, nämlich Kleinstaaten zu sein, passt auf die USA gewiss nicht, übrigens ebenso wenig auf Indien, auch wenn man diesen Staat nicht ohne weiteres als funktionierende Demokratie einzuschätzen gewillt ist. 

Auch hier scheint der gegen den Ausdruck des Nationalstaates vorgeschlagene Begriff des Einzelstaates wichtiger zu sein: Die Geschichte wird zeigen, ob sich bisherige Kleinstaaten im Laufe der Zeit zu größeren Gebilden entwickeln, wie die zunächst einzelnen Neuenglandstaaten zu den USA wurden. Oder wie nach dem populären Geschichtsbild aus Uri, Schwyz und Unterwalden nach und nach die heutige Schweizer Eidgenossenschaft entstand. [...]"

mehr dazu

Rezensionen bei Perlentaucher

Wenn politische Beschlüsse durch weltweite Marktwirtschaft ersetzt werden. In: Andruck – Das Magazin für politische Literatur im Deutschlandfunk. 22. April 2013

Wolfgang Streeck  formulierte, Wirtschafts- und Finanzexperten seien Kapitalversteher, „deren besonderes Know-how darin besteht, den Eigentümern von Produktionsmitteln ihre Wünsche von den Lippen abzulesen und sie für den öffentlichen Gebrauch in »Sachzwänge« zu übersetzen.“ (Eine Last für Generationen. in: Handelsblatt. 10. März 2009)


Sonntag, 31. Januar 2021

Axel Hacke: Über den Anstand in schwierigen Zeiten


Axel Hacke: Anstand ZEIT 23.8.2017 

Die Art von Gesellschaft, die wir uns wünschen, können wir nur bilden, wenn wir wissen, was wir für richtig halten. (S. 118)

Unsere ganze Zivilisation ist ein ständiges Andenken gegen alles Mögliche, was in uns rumort, gegen unsere Prägungen, unsere Instinkte, untersagt Automatismen. (S.122)

Verena Frieder Rieke Hasel* hat, was da geschieht, in der Zeit einmal die linke Variante von Fake News genannt. Tatsächlich, schrieb sie, werden in meinem städtisch geprägten Bildungsbürgermilieu linksliberale Ansichten längst als die einzig wahre Form von Menschlichkeit gesehen. Menschen schaffen sich da bisweilen eine eigene seelische Wohlfühlzone, indem sie von ihren moralischen Hochsitzen aus auf alles Jagd machen, was das eigene Weltbild stört. Das Unanständige an der politischen Korrektheit war schon immer das unentwegt Belehrende, das mit Erkenntnisgewinn nichts zu tun hat, aber viel damit, dass man sich selbst das gute Gefühl verschaffen möchte, auf der richtigen Seite zu stehen. (Hacke, S.128)

David Goodhart hat 2017 in seinem Buch The Road to Somewhere
die Anywheres und die Somewheres in der britischen Gesellschaft unterschieden, die einen also, die Mobil, urban, liberal sind, und die anderen, die an einem bestimmten Ort ihre Wurzeln haben. Und er hat seiner eigenen Gruppe (denn er selbst gehört durch aus zu den Anywheres) vorgeworfen, die Somewheres einfach vergessen zu haben und "die Massenzuwanderung zu enthusiastisch und deren Probleme zu gleichgültig" behandelt zu haben, wie er in einem Interview sagte. "Wir dummen Liberalen haben diese schrecklichen Leute (und damit meinte er die Brexit-Anhänger und Fremdenfeinde in seinem Land, Anmerkung des Verfassers) erst geschaffen. Wir haben in großem Stil versagt." (S. 129)

"Wer also halbwegs jung ist und anpassungsfähig, mehrsprachig und gut ausgebildet, wer keinen Grund hat, die Globalisierung zu fürchten, der sollte sich gut überlegen, ob es besonders anständig ist, sich über jene lustig zu machen, denen der Lauf der Welt im Moment ein bisschen zu rasant ist. Und die sich nach Beständigkeit sehnen, weil sie älter sind und nicht ganz so erfolgreich im Wirtschaftsleben waren [...]" (S.130)

Es ist mir komplett unbegreiflich, wie es möglich war, dass die Wehrpflicht sang- und klanglos einfach ausgesetzt wurde, ohne dass man machtvoll ihre Ersetzung durch einen zivilen Dienst für jede und jeden verlangte, damit nicht das Gefühl verloren gehe, dass wir in diesem Land und in dieser Welt gemeinsam existieren. (S. 131)

*Verena Friederike Hasel: Ich bin nicht mehr links 
Verena Friederike Hasel fühlte sich politisch immer auf der richtigen Seite. Inzwischen erlebt sie ihr Milieu als selbstgerecht, intolerant und realitätsfern. Von Verena Friederike Hasel ZEIT 19. April 2017

Anmerkung:
Die Wehrpflicht in Deutschland bezeichnet die gesetzliche Pflicht männlicher deutscher Staatsbürger zur Ableistung von Wehrdienst in der Bundeswehr. Sie besteht seit Juli 1956 und war bis 2011 mit der allgemeinen verpflichtenden Einberufung von Grundwehrdienstleistenden nach § 5 des Wehrpflichtgesetzes verbunden. Die Wehrpflicht und damit auch die Einberufung zum Grundwehrdienst wurde 2011 auf den Spannungs- oder Verteidigungsfall beschränkt.[1][2]
Seite „Wehrpflicht in Deutschland“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 23. Februar 2018, 16:29 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wehrpflicht_in_Deutschland&oldid=174319075 (Abgerufen: 27. Februar 2018, 20:04 UTC)


Sonntag, 16. Februar 2020

Die Gobalisierung und die AfD

Die Gobalisierung führt dazu, dass mehr und mehr deutlich wird, wie die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen zu ihrer Übernutzung führt und wie schwierig es ist, diesen eingeschlagenen Weg zu verlassen.
Was in der AfD mit einer durchaus rationalen Kritik an der Art der Einführung des Euro begonnen hatte, führt in immer stärkerer Radikalisierung zu einer Verengung des Denkens. Nach dem Grundsatz Palmströms "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf" wird alles, was ins Weltbild nicht passt, ausgeklammert: "Nur wir haben Recht".
Deshalb soll Meinungsfreiheit nur für unsere Meinung gelten. Wer die AfD kritisiert, wird deshalb mit Prozessen bezogen, wüst beschimpft und immer häufiger mit dem Tode bedroht.

Freitag, 6. Juli 2018

GLOBALISIERTE FINANZMÄRKTE

Bildungsmaterialien von attac, z.B. über 

GLOBALISIERTE FINANZMÄRKTE
Das Material ist in vier Module gegliedert, die jeweils mit einer kurzen fachlichen Einführung und einem knappen didaktischen Kommentar zu den einzelnen Elementen beginnen.

In Modul I werden zunächst verschiedene Zugänge zu den Zusammenhängen zwischen dem alltäglichen Leben, der finanziellen Sphäre im Allgemeinen und der Krisen des vergangenen Jahrzehnts angeboten.

Modul II steht unter der Überschrift »Die Entwicklung der globalen Krise ab 2008« und thematisiert den Verlauf der Krise von den tieferliegenden Ursachen über ihren Ausbruch in den USA bis hin zur internationalen Bankenkrise.

Modul III vertieft die Problematik der Finanzmarktakteure und nimmt insbesondere die Bankenrettung in den Blick, die bei künftigen Krisen erneut eine zentrale Rolle spielen dürfte. 

Modul IV widmet sich schließlich den sozialen Konsequenzen der zunehmenden Finanzialisierung und den krisenhaften Dynamiken der Finanzmärkte am Beispiel des Wohnens. Dabei wird der Bogen von der Hypothekenkrise in den USA über die massenhaften Räumungen in Spanien hin zu den steigenden Immobilien- und Mietpreisen in Deutschland gespannt.



TTIP & CO: HANDELSVERTRAG STICHT DEMOKRATIE?

Seit einigen Jahren wird die Kritik am geplanten Handelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment-Partnership) zwischen der EU und den USA immer lauter. Die Kritiker_innen sehen sich durch immer neue Leaks bestätigt, die Einblicke in die Verhandlungen ermöglichen, welche zunächst selbst vor Parlamentarier_innen geheim gehalten wurden. Und nicht nur TTIP ist in die Diskussion gekommen, sondern auch weitere Handelsabkommen der EU wie CETA (mit Kanada), TiSA (mit den USA und 21 weiteren Staaten) und EPAs (mit den Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifik). 


Schwerpunkte: Handelspolitik und Demokratie


Das Material ist dementsprechend in zwei Module gegliedert, die jeweils mit einer kurzen fachlichen Einführung, und einem knappen didaktischen Kommentar zu den einzelnen Elementen beginnen. In Modul I geht es primär um die ökonomischen Fragen im Feld der Handelspolitik: Welche Interessen spielen hier eine Rolle, in welchem Verhältnis stehen sie zu ökonomischen Theorien und welche Machtasymmetrien zwischen Staaten(blöcken) oder gesellschaftlichen Interessengruppen sind relevant? Modul IIthematisiert die primär politischen Fragen: Was bedeuten vertraglich vereinbarte Privatisierungen, Schiedsgerichte oder regulatorische Kooperation im Hinblick auf demokratische Entscheidungsprozesse und die Durchsetzungsfähigkeit bestimmter Interessen? Grundsätzlicher gefasst: Wie demokratieverträglich sind Handelsverträge in ihrer heute dominanten Form?
Mit Hilfe des Schlagwortverzeichnisses kann auch gezielt nach Themen gesucht werden, die in den einzelnen Arbeitsblättern oder Aktivitäten dieses Bausteins sowie in den weiteren Attac-Bildungsmaterialien behandelt werden.

Samstag, 24. Februar 2018

GLOBALISIERUNG UND ÖKOLOGIE

Globalisierte Arbeits- und Konsumstile führen nicht nur zu einer Steigerung des materiellen Wohlstands. Sie bringen auch eine Reihe ökologischer Probleme mit sich, die die natürlichen Grenzen der Globalisierung offenbaren. Allein die Erderwärmung, die Zerstörung der Urwälder sowie das Artensterben stellen die Welt vor große Probleme:
http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/52723/oekologische-probleme




Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr“, mahnte Albert Einstein 1949.

Sonntag, 9. Juli 2017

G20: Theologiestudentin, Tanz, Gebet und Pfefferspray

"Eine junge Frau bekommt Pfefferspray ins Gesicht. [...] Bevor der 'antikapitalistische Protestzug' aufbrach gab es in der Uni ein religiöses Gebet. Das sei ihr wichtiger gewesen. 'Ich will die Welt ein bisschen besser machen', sagt sie. 'Vielleicht naiv', fügt sie hinzu, zuckt mit den Schultern."
(Frankfurter Rundschau 8.7.17, S.2)

Den Artikel habe ich im Netz nicht ausfindig machen können. Daher das extrem verkürzte Zitat. (Fontanefan)

Sonntag, 30. April 2017

Stephen Hawking über globale Ungerechtigkeit und ihre Folgen

This is the most dangerous time for our planetThe Guardian 1.12.2016

"[...] But it also means that the lives of the richest people in the most prosperous parts of the world are agonisingly visible to anyone, however poor, who has access to a phone. And since there are now more people with a telephone than access to clean water in sub-Saharan Africa, this will shortly mean nearly everyone on our increasingly crowded planet will not be able to escape the inequality. [...]

With not only jobs but entire industries disappearing, we must help people to retrain for a new world and support them financially while they do so. If communities and economies cannot cope with current levels of migration, we must do more to encourage global development, as that is the only way that the migratory millions will be persuaded to seek their future at home.
We can do this, I am an enormous optimist for my species; but it will require the elites, from London to Harvard, from Cambridge to Hollywood, to learn the lessons of the past year. To learn above all a measure of humility."

Sonntag, 31. Juli 2016

Stichweh: Individuum und Weltgesellschaft

https://edoc.bbaw.de/frontdoor/index/index/docId/1591 (veröffentlicht 10.03.2011)

Kurzzusammenfassung von mir: Handlungsfähig wird ein Individuum, sobald es selbst weltweit beobachtet wird wie etwa Edward Snowden oder das weltweite Netzwerk, in dem es sich befindet, weltweite Beobachtung erfährt (vgl. US-Eliteuniversitäten).

Zitate:
"[...]  In unserem Kontext ist es deshalb eine entscheidende Frage, wie die Weltgesellschaft eigentlich dieses Moment reflektiert, daß sie für ihre strukturbestimmenden Entscheidungen nicht mehr auf historische Individuen zurückgreifen kann. [...]
Fünf Formen der Strukturbildung, die für Weltgesellschaft bestimmend werden, drängen sich unmittelbar auf: Funktionssysteme, Organisationen, Netzwerke, Epistemische Communities, Weltereignisse.20 Alle diese fünf Formen können mit Blick auf Individuen und deren Handlungsfähigkeit gelesen werden. In Funktionssystemen entstehen Möglichkeiten der Inklusion für Individuen über Leistungs- und Publikumsrollen;21 Organisationen können analog über Principal / Agent- Beziehungen analysiert werden.22 Der interessanteste Fall aber ist für den Zweck unserer Argumentation das Netzwerk. [...]

Montag, 30. März 2015

Osterhammel: Weltgeschichte 1880-1914 (Textausschnitte)

Die Welt 1880-1914 (in: Jürgen Osterhammel: Informationen zur politischen Bildung Nr.315) 

Massenauswanderung und Globalisierungsschub 
"[...] Unter „Globalisierung“ versteht man die gleichzeitige Zunahme von Interaktionsdichte und Interaktionsgeschwindigkeit über große Entfernungen hinweg, letztlich in planetarischem Umfang. Seit seinem Beginn im 16. Jahrhundert ist dieser Globalisierungsprozess durch eine Reihe von Schüben vorangebracht worden. Ein besonders wichtiger fand in den letzten drei Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg statt. Von den technologischen Grundlagen in Verkehr und Telegrafie war bereits die Rede. In welchen anderen Formen zeigte sich die verstärkte Globalisierung um die Jahrhundertwende? [...]
Kollektive Wanderungen – auch Zwangswanderungen wie der atlantische Sklavenhandel – gehören zum Bild der gesamten Neuzeit. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erreichten sie quantitativ eine neue Dimension. Große Wanderungen zu Lande fanden im Zarenreich statt. Dort war 1861 die Bindung der Bauern an die „Scholle“ aufgehoben worden. Innerhalb der folgenden zehn Jahre strömten rund 13 Millionen Landbewohner in die Großstädte und Bergbaugebiete Russlands, wo in diesen Jahren die Industrialisierung begann. Umfangreicher und auffälliger waren die Atlantiküberquerungen.
Die europäische Auswanderung in die Neue Welt hatte in den 1820er-Jahren bedeutend zugenommen. Während des gesamten Zeitraums zwischen circa 1820 und 1930 (als die Weltwirtschaftskrise die Migrationsströme abbrechen ließ) überquerten 50 bis 55 Millionen Menschen den Atlantik, die meisten von ihnen, um sich in Amerika permanent anzusiedeln. Während desselben Zeitraums verließen ungefähr 42 bis 48 Millionen Inder und Südchinesen ihre dicht bevölkerten Heimatländer und suchten Arbeit in Südostasien (die Inder in Burma, die Chinesen in Indonesien), Afrika, der Karibik oder dem Westen der USA. Diese beiden Migrationssysteme, das atlantische und das asiatische, wurden in ähnlicher Weise von zwei Hauptfaktoren angetrieben: (1) der Flucht der Menschen vor Elend und – ganz besonders im Falle der jüdischen Auswanderer aus dem Zarenreich – vor Verfolgung sowie (2) den Beschäftigungsanreizen, die von boomenden Hochlohnsektoren in Übersee ausgingen. [..]

Die Aufteilung Afrikas 
Die erstaunlichste Veränderung der politischen Landkarte nach 1880 erfolgte durch die koloniale Besetzung Afrikas. Zwischen 1881 und 1890 geriet der größte Teil des riesigen Kontinents unter europäische Kontrolle. Mit der Verwandlung des Königreichs Marokko in ein französisches Protektorat wurde diese Aufteilung Afrikas 1912 faktisch abgeschlossen. Nur Äthiopien, das 1896 einer italienischen Armee eine militärische Niederlage zugefügt hatte, und Liberia in Westafrika, seit 1847 als Zufluchtsort von Afro-Amerikanern eine unabhängige Republik, blieben von europäischer Herrschaft frei. [...]

Mit Soldaten, Administratoren und Kaufleuten kamen auch christliche Missionare, die in einigen Fällen als erste in unwegsame Landesteile vorstießen. Die christliche Mission war ein fester Bestandteil der europäischen Präsenz. Missionare äußerten sich aber auch zuweilen kritisch gegenüber den Exzessen europäischer Herrschaftsausübung. Sie brachten durch den Kampf gegen verbliebene Reste von Sklaverei, durch Missionsschulen, medizinische Versorgung und zuweilen durch eine Verbesserung der gesellschaftlichen Stellung von Frauen wichtige Elemente der Moderne nach Afrika. Andererseits war die Mission dort problematisch, wo sie Afrikaner zwangsweise ihren einheimischen Traditionen entfremdete, wo sie Familien trennte und Wohlfahrtsleistungen nur im Tausch für Bekehrung anbot. Das Christentum fasste in den außerislamischen Gebieten Afrikas viel fester Fuß als in Asien, wo es heute mit Ausnahme Südkoreas und der Philippinen nirgendwo eine große Rolle spielt. Im Afrika hingegen überlebte es vielfach die Kolonialzeit. [...]

Imperialismus in Ost- und Südostasien 

Die Ausdehnung des europäischen Einflusses in Asien war weniger spektakulär als die Unterwerfung Afrikas. Zum einen gingen die Anfänge der Kolonialgeschichte einiger Gebiete Asiens bis in das späte 16. Jahrhundert zurück; zum anderen wurden einige Teile Asiens vor 1914 keiner europäischen Kolonialherrschaft unterworfen. Dazu gehörten die Türkei, die Levante, Arabien, Iran, Afghanistan, die inneren Provinzen Chinas, Siam (das heutige Thailand) und selbstverständlich Japan.
Abgesehen von Indien, wo die Briten keine Konkurrenz zu fürchten hatten, war Südostasien der am intensivsten kolonisierte Teil des Kontinents. [...] 

In China herrscht bis heute eine verständliche Empörung über die „Schmach“, die dem Land von den imperialen Mächten im 19. Jahrhundert zugefügt wurde. Es muss dabei jedoch gesehen werden, dass die Einbindung Chinas in die Weltwirtschaft viel schwächer blieb als in den Fällen Indiens, Südostasiens oder Südafrikas. China war zu arm, um die Hoffnungen derjenigen im Westen erfüllen zu können, die in ihm einen gigantischen Absatzmarkt sahen. Nach dem Ende der Opiumimporte in den 1870er-Jahren hat es diese Funktion als Markt nie wieder gespielt. Auf der anderen Seite produzierte China – außerhalb der auf Japan hin umgepolten Mandschurei – sehr wenige weltmarkttaugliche Produkte. In mancher Hinsicht war seine Verwicklung in den globalen Handel in der frühen Neuzeit stärker gewesen. Denn seine klassischen Exportgüter verlor das Chinesische Kaiserreich an seine asiatischen Konkurrenten [...]

Der Aufstieg der USA zur Weltmacht 

Kein anderer Vorgang auf der internationalen Bühne sollte solch weitreichende Konsequenzen haben wie der Aufstieg der USA nach dem Bürgerkrieg. Um 1870 waren die USA ein allgemein respektierter Koloss ohne größeren Einfluss auf das Weltgeschehen außerhalb des eigenen Kontinents. 1919, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, wurde erstmals der amerikanische Präsident, damals Woodrow Wilson, als der mächtigste Mann der Welt anerkannt, der der Friedensregelung für Europa und den Nahen Osten seinen Stempel aufdrückte. Während der fünf Jahrzehnte, die zwischen diesen Daten lagen, hatten die USA einen doppelten Aufstieg erlebt, wirtschaftlich und machtpolitisch. Dabei ging die ökonomische Erstarkung der politischen zeitlich voraus und war überhaupt deren Voraussetzung. Die USA waren ein Industrialisierer der zweiten Generation gewesen. Nun zogen sie an dem Pionier Großbritannien vorbei. [...] 

Auf der Landenge von Panama sicherten sich die USA souveräne Rechte und gruben dort einen Kanal zwischen den Ozeanen, der 1914 eröffnet wurde. 1898 siegten sie in einem Krieg über Spanien und eigneten sich nach einem Krieg gegen eine nationale Unabhängigkeitsbewegung die ehemals spanische Kolonie der Philippinen an. Das bis dahin ebenfalls spanische Kuba wurde in der Folgezeit zu einer Art von Protektorat der USA. Die Vereinigten Staaten, selbst aus einem antikolonialen Befreiungskampf hervorgegangen, waren zu einer Kolonialmacht geworden. Ihre globalen Wirtschaftsinteressen gingen weit über das kleine Kolonialreich hinaus. Dass die USA einmal in einen europäischen Krieg eingreifen würden, war im Sommer 1914 freilich noch undenkbar. Spätestens 1917, als dies geschah, begann in einem weltpolitischen Sinne das 20. Jahrhundert. 

Die wissenschaftliche Grundlage für seine vereinfachte Darstellung der Weltgeschichte für Schüler hat Osterhammel 2009 in folgendem Werk gelegt:
Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts
  • Wie kann man Osterhammels Aussagen den Kategorien Zeit und Ort und/oder einigen der Panoramen und Themen seines wissenschaftlichen Werkes "Die Verwandlung der Welt" zuzuordnen.
  • Wie unterscheidet sich die Darstellungsweise?
  • Weshalb wählt er für Schüler eine Darstellungsweise, die so viel konventioneller ist als sein wissenschaftlicher Ansatz?