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Montag, 26. Januar 2026

Darf Satire immer noch alles?

 Tucholsky hat es behauptet. Angesichts der Fake News und er KI, die sie mit als Trainingsmaterial verwendet, wird es problematisch:

Die Angst vor Satire ist gestiegen, seit KI alles registriert. Mittelfristig wird die Wikipedia gegen KI-Unsinn nicht ankommen.

Vorläufig scheint auch mir eine Löschung sinnwidrig. Aber wer weiß, wie es weitergeht. Schon jetzt dürften mehr Schülertexte von KIs stammen als von Menschen.

Wie man da Abhilfe schafft, "ist des Schweißes der Edlen wert". Ich bin nicht edel und überlasse diese Arbeit den Spezialisten.

Der Zürchersee


Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht

Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,

Das den großen Gedanken

Deiner Schöpfung noch einmal denkt.

 

Von des schimmernden Sees Traubengestaden her,

Oder, flohest du schon wieder zum Himmel auf,

Komm in rötendem Strahle

Auf dem Flügel der Abendluft,

 

Komm, und lehre mein Lied jugendlich heiter sein,

Süße Freude, wie du! gleich dem beseelteren

Schnellen Jauchzen des Jünglings,

Sanft, der fühlenden Fanny gleich.

 

Schon lag hinter uns weit Uto, an dessen Fuß

Zürch in ruhigem Tal freie Bewohner nährt;

Schon war manches Gebirge

Voll von Reben vorbeigeflohn.

 

Jetzt entwölkte sich fern silberner Alpen Höh,

Und der Jünglinge Herz schlug schon empfindender,

Schon verriet es beredter

Sich der schönen Begleiterin.

 

"Hallers Doris", die sang, selber des Liedes wert,

Hirzels Daphne, den Kleist innig wie Gleimen liebt;

Und wir Jünglinge sangen

Und empfanden wie Hagedorn.

 

Jetzo nahm uns die Au in die beschattenden

Kühlen Arme des Walds, welcher die Insel krönt;

Da, da kamest du, Freude!

Volles Maßes auf uns herab!

 

Göttin Freude, du selbst! dich, wir empfanden dich!

Ja, du warest es selbst, Schwester der Menschlichkeit,

Deiner Unschuld Gespielin,

Die sich über uns ganz ergoß!

 

Süß ist, fröhlicher Lenz, deiner Begeistrung Hauch,

Wenn die Flur dich gebiert, wenn sich dein Odem sanft

In der Jünglinge Herzen,

Und die Herzen der Mädchen gießt.

 

Ach du machst das Gefühl siegend, es steigt durch dich

Jede blühende Brust schöner, und bebender,

Lauter redet der Liebe

Nun entzauberter Mund durch dich!

 

Lieblich winket der Wein, wenn er Empfindungen,

Beßre sanftere Lust, wenn er Gedanken winkt,

Im sokratischen Becher

Von der tauenden Ros′ umkränzt;

 

Wenn er dringt bis ins Herz, und zu Entschließungen,

Die der Säufer verkennt, jeden Gedanken weckt,

Wenn er lehret verachten,

Was nicht würdig des Weisen ist.

 

Reizvoll klinget des Ruhms lockender Silberton

In das schlagende Herz, und die Unsterblichkeit

Ist ein großer Gedanke,

Ist des Schweißes der Edlen wert!

 

Durch der Lieder Gewalt, bei der Urenkelin

Sohn und Tochter noch sein; mit der Entzückung Ton

Oft beim Namen genennet,

Oft gerufen vom Grabe her,

 

Dann ihr sanfteres Herz bilden, und; Liebe, dich,

Fromme Tugend, dich auch gießen ins sanfte Herz,

Ist, beim Himmel! nicht wenig!

Ist des Schweißes der Edlen wert!

 

Aber süßer ist noch, schöner und reizender,

In dem Arme des Freunds wissen ein Freund zu sein!

So das Leben genießen,

Nicht unwürdig der Ewigkeit!

 

Treuer Zärtlichkeit voll, in den Umschattungen,

In den Lüften des Walds, und mit gesenktem Blick

Auf die silberne Welle,

Tat ich schweigend den frommen Wunsch:

 

Wäret ihr auch bei uns, die ihr mich ferne liebt,

In des Vaterlands Schoß einsam von mir verstreut,

Die in seligen Stunden

Meine suchende Seele fand;

 

O so bauten wir hier Hütten der Freundschaft uns!

Ewig wohnten wir hier, ewig! Der Schattenwald

Wandelt, uns sich in Tempe,

Jenes Tal in Elysium!



(* 1724-07-02, † 1803-03-14)

Dienstag, 12. April 2016

Stefan Kuzmany ein Königinnenmörder?

Wenn man liest, was Stefan Kuzmany ganz ohne Not schreibt, könnte man meinen, er wollte es sein:

"Also ist es egal, wie die Kanzlerin entscheidet: Sie hat bereits verloren. Eine Kanzlerin aber, deren Entscheidung kein Gewicht mehr hat, hat ihre Macht verwirkt."
(SPON 12.4.16)

In Wirklichkeit geht es ihm schwerlich um den Sturz der Kanzlerin. Er will wohl nur den Hype nutzen.
Panama Papers und Böhmermann: Glanz und Elend des deutschen Journalismus liegen nahe beieinander.

sieh auch: 
Erlaubte Schmähkritik? Die verfassungsrechtliche Dimension der causa Jan Böhmermann, Verfassungsblog 11.4.16
Fall Böhmermann: Was darf Satire? Internet-Law 12.4.16
Dank Erdogan ist Majestätsbeleidung bald wieder erlaubt FR-online 15.4.16

Böhmermann gibt Radiosendung auf, führt Fernsehsendung nach Pause fort SPON 25.4.16

Samstag, 10. Januar 2015

Satire darf alles ...

Satire darf alles, schrieb Tucholsky und hatte Recht. 
Er dachte an Satire gegen die Mächtigen, nicht an verbales Mobbing von Schwachen.

Unter der Herrschaft einer Diktatur der Muslimbrüderschaft oder eines Mullahregimes darf Satire alles. (Erfolgreich wird sie freilich nur sein, wenn sie berücksichtigt, an wen sie sich richtet.)

Satirische Darstellung von Juden im Stürmer durfte aus Sicht der Nazis wirklich alles, aus Tucholskys Sicht gewiss nicht.

Der Geist, der im Ersten Weltkriege die Feindbilder schuf, war auch im Sinne der Herrschenden und daher nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Den hat Tucholsky aber auch nicht gemeint.

Was Tucholsky mit Sicherheit - zumindest auch - vor Augen stand, war die Schrift Caligula. Eine Studie über römischen Cäsarenwahnsinn eine Satire auf Kaiser Wilhelm II. des Historikers und späteren Friedensnobelpreisträgers Ludwig Quidde von 1894, die Quidde eine dreimonatige Haft wegen Majestätsbeleidigung und das Ende seiner Karriere als Historiker einbrachte.

Heute darf man bei uns "Majestäten" beleidigen, nicht aber Personen. Mobbing von Benachteiligten ist keine Satire.

Ein Karikaturist zeichnet ein Comic über Satire.

Satirespiegel 14.1.15 

Freitag, 9. Januar 2015

Für freie Presse und gegen Meinungsmanipulation

Sigmar Gabriel schreibt:
"Die Mörder greifen unsere Werte an – und sie wollen einen Keil in unsere Gesellschaft treiben. In Deutschland, ebenso wie in Frankreich und in anderen Ländern wird es auch Populisten geben, die jetzt die grausamen Taten als Bestätigung von Ressentiments, etwa gegenüber Flüchtlingen oder gegenüber dem Islam, missbrauchen wollen. 
Wir stellen uns dem entgegen: gegen alle, die unsere freie und offene Gesellschaft attackieren.
Darum meine Bitte: Sei dabei, wenn in Deiner Nähe am kommenden Montag eine NoPegida-Demonstration stattfindet. Es ist jetzt wichtiger denn je, den Rechtspopulisten nicht das Feld zu überlassen. " 
Mit diesem Argument versucht er, mir einzureden, ich müsste, weil Islamkritiker ermordet worden sind, gegen Islamkritiker sein. Nur so könnte ich zeigen, dass ich für eine offene Gesellschaft bin.
Solcher Argumentation vermag ich nicht zu folgen. 

Ich bin für Meinungsfreiheit und gegen überzogene Kritik am Islam. 
Wegen der Meinungsfreiheit darf ich gegen Islamkritiker argumentieren und demonstrieren. Wenn Islamkritik menschenverachtende Züge zeigt, kann ich die Vertreter dieser Richtung wegen Volksverhetzung anzeigen. Freilich gibt die Meinungsfreiheit ihnen einen großen Spielraum, weit über das Maß hinaus, was ich für akzeptabel halte.  Das gibt mir freilich kein Recht auf Gewaltanwendung gegen Islamkritiker, geschweige ein Recht, sie zu töten.

Wer eine solche Gewalttat ablehnt und deshalb seine Islamkritik weiter verschärft, hat eher mehr Verständnis von mir als weniger. 

Ich bin aber weiter gegen überzogene Islamkritik und weiter gegen Pegida, weil sie Menschen dazu manipulieren, Schwächere auszugrenzen und zu diskriminieren.

Weil ich gegen solche Manipulation bin, bin ich gegen Gabriels Argumentation. Es gibt viele Gründe, gegen Pegida zu sein. Der Anschlag auf das Pariser Satiremagazin ist keiner.  (Diese Ansicht habe ich inzwischen geändert, aber nicht aufgrund von Gabriels Argumentation, 13.1.15)

Kritik an meiner Argumentation ist erwünscht. Ich selbst hoffe, dass ich sie noch verbessern kann. 


Inzwischen (13.1.) habe ich gemerkt, welcher Satz mir fehlte und weshalb gerade in der gegenwärtigen Situation die Kritik an Pegida verstärkt werden sollte:

"Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen."*

Nach allem, was ich über die islamkritischen Karikaturen in "Charlie Hebdo" weiß, widersprechen sie fundamental dem, was ich über den Islam zu sagen hätte. Aber:
wer "Charlie Hebdo" einschüchtern will, der findet mich auf Charlies Seite
Es gibt kein allgemeines Recht auf Blasphemie, weil Blasphemie nicht selten geeignet ist, religiösen Hass zu verbreiten. Aber das Recht auf freie Meinungsäußerung bleibt bestehen.* 
Dafür sollten alle Demokraten eintreten, und deshalb ist die Pariser Demonstration mit etwa 1,5 Millionen Teilnehmern so wichtig gewesen. (Auch die parallele Demonstration von etwa 50 Staatsoberhäuptern bzw. Regierungschefs).

Zurück zu meinem Text vom 9.1.: Gabriel hat  eine allgemeine Solidarisierung mit einer Demonstration, die der Zentralrat der Muslime plant, angeregt:
Ihm schwebt eine partei- und religionsübergreifende Groß-Kundgebung vor – für ein Zusammenleben ohne Vorurteile und gegen Pegida, die der SPD-Vorsitzende allerdings im Brief nicht beim Namen nannte. So könnten die unterschiedlichen Akteure zeigen, "dass es ein mächtiges Band zwischen den unterschiedlichen Teilen unserer Gesellschaft gibt und das weit über unser Land hinausreicht" (ZEIT online, 9.1.15)
Moskau zu Charlie Hebdo: Bedrohung Europas kommt nicht aus Russland, 8.1.15

Nato: Anschlag von Paris ist Angriff auf Werte der Nato-Partner, 8.1.15
Nach dem Anschlag in Paris hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Bündnispartner zu mehr Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus aufgerufen. Der Angriff auf Werte wie Presse- und Meinungsfreiheit und eine offene Gesellschaft “unterstreicht die Bedeutung noch engerer Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Terrorismus in all seinen Formen”, sagte er am Donnerstag am Rande der CSU-Klausurtagung im bayerischen Wildbad Kreuth. “Wir müssen das auf viele unterschiedliche Arten tun.” Als Beispiele nannte er Polizei und Geheimdienste. Auch Russland als größter Nachbar in Europa und die Nato müssten bei wichtigen Themen wie der Terrorbekämpfung zusammenarbeiten. Dies habe man bereits viele Jahre getan.
* Der Satz stammt nicht von Voltaire, ist aber geprägt worden. um seine allgemeine Haltung zur Meinungsfreiheit zu kennzeichnen.
* Freilich sind  gerechtfertigter Gebrauch und Missbrauch nicht leicht zu unterscheiden.  §166 StgB geht mit seinem Schutz religiöser Bekenntnisse etwas über die internationalen Normen hinaus. 

Samstag, 11. Januar 2014

Die Medien staunen über den früh informierten "Postillion"

Zum 1.1.2014 meldet der Postillion den Wechsel Profallas in den Vorstand der Bahn, der erst am 2.1. bekannt wurde. Jede Menge seriöse Medien fallen auf das Satiremagazin herein.

Der "Postillion" berichtet darüber.