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Sonntag, 18. September 2022

Quilombolas

"Seit 1988 sind die Landrechte der Quilombolas in der brasilianischen Verfassung verankert. Mit der Vorgabe befindet sich Brasilien unter den Vorreiterländern für die Rechte nicht-indigener lokaler Gemeinschaften, die ein traditionelles Leben führen.[4]" (Wikipedia)

Da Quilombolas Siedlungen von geflohenen schwarzen Sklaven waren und sind, handelt es sich nicht um Indigene im strengen Sinn, aber um Menchen, die ihre traditionellen Kulturen in Abgrenzung von der Gesamtgesellschaft bewahren.

Sonntag, 7. Juni 2020

COVID-19 und die indigenen Völker Brasiliens

Im Norden Brasiliens nahe der Grenze zu Venezuela lebt im Urwald ein indigenes Volk von 27 000 Indianern, in dessen Gebiet trotz der offiziellen Quarantäne etwa 20 000 Goldsucher eingedrungen sind. Jetzt fürchten sie - da ohne jede moderne ärztliche Versorgung -, dass ihr Volk aussterben könne, wenn das Virus sie erreicht.
Die Regierung tue nichts, um das Eindringen der Goldsucher in ihr an sich sehr unzugängliches Gebiet zu verhindern.

Vgl. Isolierte Völker in Brasilien, BrasilienPará; englisch: Indigenous peoples in Brazil; spanisch: pueblos indígenas de Brasil; portugiesisch: povos indígenas do Brasil

Montag, 2. März 2020

Fast 4000 Jahre alte Termitenhügel in Brasilien

"200 Millionen nahezu baugleiche Termitenhügel, die sich in faszinierender Regelmäßigkeit über eine Fläche von 230 000 Quadratkilometer erstrecken. Das entspricht ungefähr der Größe des Territoriums von Großbritannien (oder in eine deutsche Maßeinheit umgerechnet: ungefähr 89,5 mal dem Saarland). Einige dieser Haufen sind fast 4000 Jahre alt, an anderen wird immer noch gewerkelt. Das gesamte abgeräumte Erdreich beziffern die Forscher auf mehr als zehn Kubikkilometer. Zur Veranschaulichung haben sie das in ägyptische Pyramiden umgerechnet. Was die brasilianischen Termiten geschaffen haben, entspricht demnach dem Volumen von 4000 Cheops-Pyramiden."
(Brasilien: Wo Termiten seit 4000 Jahren eine riesige Stadt erbauen, SZ 23.11.2018)

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Friedenspreisrede von Sebastião Salgado

"[...] Nach den Massakern an den Tutsi durch die Hutu marschierte eine Tutsi-Armee aus Uganda und vor allem aus Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, in Ruanda ein. Wenige Monate später durchquerten rund 200.000 Flüchtlinge den Kongo in der Hoffnung, das Gebiet um Kisangani zu erreichen. Es war ein langer, beschwerlicher Fußmarsch von 500 Kilometern durch dichten Dschungel, und nur etwa 35.000 erreichten ihr Ziel. Als sie ankamen, breitete sich die Cholera aus und kostete viele weitere Leben. Ich begleitete das Team des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen in eines der Lager, und nach seiner Abreise blieb ich in einem kleinen Dorf in der Nähe von Kisangani.
Es war entsetzlich. Flüchtlinge, erschöpft, krank, verhungernd; überall war der Tod; das grauenhafte Geräusch der Bagger, die Leichen in Massengräber schoben. Jeder Funke von Menschlichkeit schien erloschen zu sein. Ich sah einen Mann, der ein kleines Paket im Arm trug, während er mit einem anderen Mann redete. Als er die Grube erreichte, warf er die Leiche seines eigenen Kindes hinein, ohne das Gespräch zu unterbrechen. Ich konnte nicht aufhören, zu fotografieren. Ich wollte, dass die Bilder Zeugnis ablegten über das Grauen, das sich vor meinen Augen abspielte und das die Weltgemeinschaft wissentlich ignorierte. Am dritten Tag schickte mich der Grundschuldirektor, bei dem ich wohnte, weg. Ich sei weiß, sagte er, und „sie wollen dich töten“. Ich reiste um drei Uhr morgens ab. Der Lehrer hatte mir das Leben gerettet.
Die Überlebenden der 35.000 Hutu wurden von einer örtlichen Pro-Tutsi-Guerilla gezwungen, dorthin zurückzugehen, wo sie hergekommen waren. Es war die Hölle auf Erden. Alle 35.000 Hutu verschwanden, ermordet im kongolesischen Dschungel. Der Anblick der Fotos, die ich gemacht habe, ist nur schwer zu ertragen, und es hat tiefe Narben in meinem Gedächtnis hinterlassen. Es sind diese Flüchtlinge, die Toten, aber auch die Überlebenden, die niemals vergessen werden, was sie erlebt haben. Mit ihnen möchte ich diesen Preis heute teilen. [...]
Zur Zeit der Ankunft der Europäer im Jahr 1500 lebten schätzungsweise vier bis fünf Millionen von ihnen in dem Gebiet, das heute Brasilien umfasst. Heute sind es noch 310.000, die sich auf 169 Stämme verteilen und mehr als 130 Sprachen sprechen. Die Dezimierung der indigenen Völker in Nord- und Südamerika, von Alaska bis Argentinien, ist eine der größten demographischen Katastrophen der Geschichte. Und doch gibt es laut FUNAI immer noch 103 indigene Gruppen im brasilianischen Amazonas-Gebiet, die bisher keinen Kontakt zur Mehrheitsgesellschaft hatten. Es sind Überlebende der Vorgeschichte der Menschheit.
Auf vielen Reisen in den letzten Jahren habe ich bei einem Dutzend verschiedener Amazonas-Stämme gelebt. Während dieser Aufenthalte habe ich ein außergewöhnliches Maß an Vertrauen und Respekt genossen. Auch mit meinen Freunden aus dem Regenwald möchte ich diesen Preis heute teilen. [...]
Lélia hat mich zur Fotografie gebracht.
Gemeinsam haben wir schwere Jahre des Exils erlebt.
Lélia Deluiz Wanick Salgado ist es, die unsere Bücher gestaltet, die Umschläge auswählt, das Layout macht, die Fotos und Texte zusammenstellt. Auch zurzeit arbeitet sie an einem neuen Buch über Amazonien.
Lélia hat mir durch ihre Liebe das Leben gerettet, als ich aus Ruanda kam, ein gebrochener Mann, heimgesucht vom Blut und vom Tod, dem ich begegnet war. [...]
Liebe Lélia, dieser Preis gehört genauso dir wie mir."

Sebastião Ribeiro Salgado Júnior 

https://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/1244997/

Mittwoch, 12. September 2018

Brand des brasilianischen Nationalmuseums in Rio des Janeiro

Zwanzig Millionen Objekte, darunter zahlreiche von welthistorischer Bedeutung, sind im Flammenmeer unwiederbringlich untergegangen.

Ein Interview mit Prof. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
"Heute scheint es aufgrund von technischen Möglichkeiten kaum noch vorstellbar zu sein, dass eine Bibliothek, ein Archiv oder ein Museum komplett den Flammen oder anderen Katastrophen zum Opfer fallen kann. Und doch gibt es auch für die Gegenwart und die jüngere Vergangenheit immer noch zu viele Beispiele: der Brand in der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar im September 2004 (auch in der Nacht vom 2. auf den 3. September) oder der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln im Jahr 2009. [...]
Von Kollegen hörte ich jetzt, dass das Museum zuletzt nur mehr einen geradezu lächerlich geringen Etat gehabt haben soll. Da muss man sich nicht wundern, dass so etwas passiert, noch dazu in einem historischen Gebäude mit sehr viel Holz als Baumaterial. Ich will nicht voreilig urteilen, weil ich wie gesagt die Situation vor Ort nicht kenne. Wenn aber für die Sicherheit von musealen Sammlungen dieser Qualität und Dimension nicht Mindeststandards sichergestellt werden können, dann muss sich der Staat fragen lassen, ob er hier seiner Verantwortung noch nachgekommen ist."
Mehr dazu: hier

Museu Nacional da Universidade Federal do Rio de Janeiro (Wikipedia)

Über den Brand vom 2.-3.9.2018 (Wikipedia)

Webseite des Museums

Commons der Wikipedia zum Museum




Webseite des historischen Nationalmuseums

Sonntag, 23. Juli 2017

Das Wochenende in der Süddeutschen Zeitung

Überblick

VW als Komplize der Militärdiktatur in Brasilien

"[...] Außerdem hat der VW do Brasil offenbar politische Festnahmen durch die Geheimpolizei auf seinem Werksgelände bei São Paulo zugelassen. Betroffene berichten, sie seien im Anschluss monatelang gefoltert worden. Sie hatten sich in oppositionellen Gruppen engagiert und Flugblätter auf dem Werksgelände verteilt. [...]"

Mittwoch, 22. Juli 2015

Sputnik Brasil - Brasilien: Griechenlandkrise: Europa fehlt eine Idee von der Zukunft

Die Entscheidungsträger in der EU scheinen keine Strategie zu haben und schieben in der Griechenlandkrise die Probleme nur vor sich her, meint der Professor für Internationale Politik der Gétulio Vargas Stiftung, Antonio Gelis Filho, in einem Interview auf dem Nachrichtenportal Sputniknews Brasil: "Ein Austritt aus der Eurozone wäre für Griechenland eine extrem traumatische und dramatische Maßnahme. So lahmt die europäische Lösungsfindung, scheinen die Entscheidungsträger diese aufzuschieben in der Hoffnung, dass sich die Probleme in Zukunft schon irgendwie von selbst lösen werden - was wahrscheinlich auf sehr harte Art und Weise auch geschehen wird. ... Die Menschen neigen dazu, zu glauben, dass die Leute in Führungspositionen schon irgendwie sinnvolle Entscheidungen treffen, auch wenn man mit diesen nicht einverstanden ist. Und ich habe den Eindruck, dass die Entscheidungen in Europa einzig und alleine darauf abzielen, die Probleme zu lösen, die auf dem jeweiligen Gipfel zur Diskussion stehen. Ich sehe da einfach niemanden, der eine klare Vorstellung von der Zukunft der EU zu haben scheint." (20.07.2015)