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Sonntag, 30. Oktober 2016

Luther übte ersetzen: Am Anfang war das Wort (Festgottesdienst)

Die Bibel zu übersetzen bedeutete für Luther, den bis dahin gültigen lateinischen Text der Vulgata durch einen deutschen Text zu ersetzen, der für seine Zeitgenossen unmittelbar verständlich sein sollte. Dafür hat er - trotz einer schon seit Jahrhunderten bestehenden Tradition der Erfindung deutscher Wörter zur Wiedergabe lateinischer religiöser Begriffe *- seinerseits manche neuen Wörter erfunden (z.B. Lästermaul*); aber vor allem hat er "dem Volk aufs Maul" geschaut, das heißt, die aktuelle Umgangssprache aufgegriffen, um möglichst verständlich formulieren zu können.
Aber weil seine Sprachkenntnisse zwar erstaunlich gut waren, aber nicht perfekt, hat er sich dabei auch helfen lassen, nicht zuletzt von Melanchton.

An diese Übersetzung wurde unter dem Motto "Am Anfang war das Wort" in einem Festgottesdienst am 30.10. 2016 in der ev.-lutherischen St. Georgenkirche in Eisenach erinnert.
Über diesen Link kann man ihn ab 12:30 als Video abrufen.

In diesem Gottesdienst wurde die neuste Revision der Lutherbibel, die offizielle Version des Jubiläumsjahrs 2017, symbolisch an alle Gemeinden und Institutionen aller deutschen Landeskirchen übergeben.
Die Gottesdienstbesucher wurden aufgefordert, den "Erzählfaden der Sache mit Gott", der von der christlichen Urgemeinde angefangen worden ist, aufzunehmen und weiterzugeben.

 * beginnend bei Abrogans, Tatian, Isidor, Notker III. insbesondere in der deutschen Mystik

* außerdem auch: Feuertaufe, Bluthund, Selbstverleugnung, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Gewissensbisse und Lockvogel (sieh: Wikipedia)

Links:

Johannesevangelium 1,1 Im Anfang war das Wort (Übersetzungen);

Präses Nikolaus Schneider 2012;
Wikipedia mit Bezug auf den griechischen Text;
Goethe Faust
Am Anfang schuf Gott ...; ...

Bibel "auf dem Bierdeckel"

Aus dem Gottesdienst:
Die Predigt hielt Margot Käßmann, ihr verdanke ich den Hinweis auf "übersetzen" als "üb ersetzen!" und auf den "Erzählfaden", den die Zuhören aufgreifen und weiterspinnen sollten. 
Die neue Version der Lutherbibel übergab ihr Nachfolger als Vorsitzender der EKiD Heinrich Bedford-Strohm
In der Kirche, in der Johann Sebastian Bach getauft wurde, erklangen die Eingangschöre der Bachkantaten "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" und "Erschallet, ihr Lieder ...".

Das Evangelium Apostelgeschichte 8, 26-40 von Philippus und dem Kämmerer handelte davon, wie ein Text oft erst durch Auslegung für Zuhörer und Leser seinen vollen Sinn erhält. 
Der Text, den der Kämmerer liest, steht in Jesaja 53, Vers 7-8: 
"Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf.
In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen."
Philippus bezieht das alte Prophetenwort natürlich auf Jesus und hat dadurch die Möglichkeit, seine frohe Botschaft zu verkünden, die nicht bei Schlachtung und Tod stehen bleibt. 
Besser, als ich den Text erläutern könnte, wird er hier interpretiert.

Sendung über die Wartburg, ihre geschichtliche Rolle und ein Interview mit Margot Käßmann über Luther

Festgottesdienst am 31.10.16 in der Marienkirche Berlin
Die Predigt handelte von Zuversicht oder anders gesagt: Voraus-Vertrauen,
gezeigt u.a. am Beispiel von Martin Luther King, der in einer Predigt in der Marienkirche zu DDR-Zeiten das Kommen der Freiheit voraussagte.
Staatsakt m 31.10. 16 im Konzerthaus in Berlin mit Ansprache von Bundespräsident Gauck

Montag, 11. November 2013

Optimistische Sicht auf die deutsche Frühaufklärung

"Die Zersplitterung der Territorien im deutschen Territorialabsolutismus mit seinen je spezifischen Zensurbestimmungen und die erstaunlich große Denkfreiheit in religiösen und konfessionellen Fragen, die seit dem Westfälischen Frieden zumindest in den protestantischen Gebieten rechtlich garantiert war, bot, wie die Debatte um die Bibelübersetzung Schmidts eindrücklich zeigt, dem Verfolgten einen relativen Schutzraum, der die Territorien des Alten Reiches sogar zu Vorläufern moderner Meinungsfreiheit macht."

Ursula Goldenbaum: Appell an das Publikum. Die öffentliche Debatte in der deutschen Aufklärung 1687-1796, 2004
Ursula Goldenbaum zeigte an dem Schicksal von Lorenz Schmidt auf, dass der Verfasser der Wertheimer Bibel eine Chance hatte, ein Drittel der Auflage zu verkaufen, bevor die Konfiszierung der Bücher rechtskräftig wurde und dass er durch Flucht nach Altona dem Zugriff auf seine Person entging.

Die Wertheimer Bibel war eine freie Übersetzung der 5 Bücher Mose, die jede religiöse Sprache zu vermeiden suchte. So hieß es z.B. „ein starker Wind" statt „der Geist Gottes" wehte über den Wassern. (vgl. dazu Wikipediaartikel zu L. Schmidt)