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Montag, 30. Dezember 2024

Energie und Thermodynamik

 Thermodynamik als neue Disziplin

Mit dieser Erkenntnis hatten Mayer, Joule und von Helmholtz ein neues physikalisches Spezialgebiet begründet, die Thermodynamik, die Lehre von den Gesetzen der Energiewandlung, und zugleich deren ersten Hauptsatz definiert. Wie Geld im Wirtschaftskreislauf ist Energie eine Verrechnungseinheit, mit der sich Beziehungen zwischen physikalischen Objekten quantifizieren lassen. Energie arbeitet ohne Unterlass; sie springt von einem Körper zum nächsten, verändert dessen Zustand und stört damit sein Gleichgewicht. Der von ihr „angefallene“ Körper möchte die Energie so schnell wie möglich wieder loswerden, um seinen ursprünglichen Zustand wiederzufinden. Die Energie zieht weiter und wechselt dabei immer wieder ihre Erscheinungsform. Was das eine Teilsystem verliert, wird durch ein anderes aufgenommen.(Weltwissen online)

Sonntag, 16. Juni 2024

KI führt zu erheblich größerem Stromverrauch und könnte die Versorgung von Privatkunden gefährden

 https://www.heise.de/news/KI-Server-mit-Atomantrieb-9746010.html

heise online 3.6.24

"[...] Der Stromverbrauch von Rechenzentren wächst derzeit weltweit stark an. Zu den Treibern dieser Entwicklung gehören KI-Rechenbeschleuniger, die enorm viel Energie verheizen.

Damit die Stromversorgung den KI-Boom nicht abwürgt, weil Strom knapp oder in Spitzenlastphasen zu teuer wird, sichern sich große Betreiber von Rechenzentren Produktionskapazitäten direkt bei den Erzeugern.

Branchenkenner befürchten, dass sich solche Lieferverträge negativ auf andere Stromkunden auswirken könnten, etwa auf Privatleute. Denn in manchen Versorgungszonen könnte Strom knapp und teuer werden, wenn es an Erzeugungs-, Übertragungs- oder Speicherkapazitäten mangelt. [...]"

Sonntag, 25. Februar 2024

Wasserstoffaffäre

 Mitteilung von LobbyControl:

"Unsere Recherchen zur Wasserstoff-Affäre im Verkehrsministerium hatten Wirkung: Minister Wissing hat den umstrittenen Abteilungsleiter Klaus Bonhoff, der im Fokus unserer Recherchen stand, inzwischen entlassen. Bonhoff hatte sich dafür eingesetzt, dass der Lobbyverband eines Skikumpels eine Millionenförderung bekommen sollte. Man kannte sich, fuhr gemeinsam in den Urlaub – und schob sich offenbar nebenbei ein paar Millionen zu. Günstlingswirtschaft par excellence. Und das noch dazu für Wasserstoff-Projekte, die Fachleute für überflüssig halten.

Doch in der Zwischenzeit deckten wir weitere problematische private Mails rund um ein fragwürdiges Wasserstoff-Förderprojekt in Bayern auf. Das Ministerium hatte lange genug versucht, die negativen Schlagzeilen einfach auszusitzen, jetzt folgte auch hier endlich eine Reaktion: Das Ministerium fror sämtliche Wasserstoff-Förderung ein, um nun alle Förderbescheide überprüfen zu können. Es gäbe „Ungereimtheiten“. Wir freuen uns, dass das Ministerium endlich handelt. Und es tut auch gut, zu merken, dass unsere Arbeit ihren Zweck erfüllt. Gemeinsam mit dem Spiegel, der parallel recherchierte und veröffentlichte, hatten wir einiges ins Rollen gebracht! [...]"

Donnerstag, 13. April 2023

Zur Versorgungssicherheit beim Strom

 Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, zur Versorgungssicherheit: 

"Der Streckbetrieb war übertriebene Vorsicht. Deutschland hätte die Atomkraftwerke auch schon wie ursprünglich geplant zum Ende des Jahres 2022 abschalten können, ohne dass die Lichter ausgegangen wären. Der Stresstest der Übertragungsnetzbetreiber hat gezeigt, dass auch ohne Atomenergie die Versorgungssicherheit, auch im Süden Deutschlands, gewährleistet ist. Man wollte auf Nummer sicher gehen. Es hat sich aber bewahrheitet, was auch wir schon vorher sagten: die Lichter gingen nicht aus. Also viel Lärm um nichts. [...]  Zum einen gibt es ausreichende Strommengen, zum anderen wird aufgrund der hohen fossilen Energiepreise endlich mehr Energie gespart. Beides trägt zur Versorgungssicherheit bei. Die Gasversorgung ist auch ohne russisches Gas gesichert, genau wie wir es in unseren Studien vorhergesagt haben. [...]  Die Probleme kommen derzeit vor allem aus Frankreich, wo noch immer ein Großteil der Atomkraftwerke nicht am Netz ist, weil sie marode sind oder wegen Klimawandel-bedingter Dürre kein ausreichendes Kühlwasser zur Verfügung steht. Das zum Thema Versorgungssicherheit von Atomenergie. Deutschland ist durchaus über den Berg, die Franzosen nicht. [...] Atomenergie ist nicht komplett CO2-frei. Das Umweltbundesamt hat vorgerechnet, dass durchaus CO2-Emissionen entstehen, nämlich beim Kraftwerksbau und -rückbau, der Endlagerung und auch beim Uranabbau und bei der Herstellung der Brennelemente. Aber davon mal ganz abgesehen: Der Neubau der Anlagen ist extrem teuer, enorm aufwändig und risikobehaftet. Ein Großteil der Neubauprojekte dauert deutlich länger als geplant, teilweise über 10 Jahre! Fakt ist: Atomenergie ist teuer, der Neubau ist ohne staatliche Subventionen kaum finanzierbar. Keine Versicherung trägt die Risiken, die Gesellschaft haftet allein. Es gibt so viel billigere, sichere, friedensstiftende und zukunftsfähige Alternativen: nämlich erneuerbare Energien." 

(Utopia 13.4.2023)

Donnerstag, 23. Februar 2023

Internationale Zusammenarbeit als die Voraussetzung für die Umgestaltung zu einer klimagerechten Energiewirtschaft

 Naomi Klein "[...] Wenn wir unsere Wirtschaften und Gesellschaften verändern, um von fossilen Brennstoffe wegzukommen, haben wir eine Verantwortung und eine historische Chance, viele Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten wiedergutzumachen, die gegenwärtig ein Makel unserer Welt sind. Die große Stärke eines Rahmens für gerechten Wandel liegt darin, dass er gewichtige gesellschaftliche Bewegungen nicht gegeneinander ausspielt und von Menschen, die im Hier und Jetzt und der Ungerechtigkeit leiden, nicht verlangt, dass sie warten, bis sie an die Reihe kommen. Stattdessen bietet er integrierte und sich überschneidende Lösungen, die in einer klaren, überzeugenden Vision für unsere Zukunft verankert sind - , einer Zukunft, die ökologisch sicher, ökonomisch fair und sozial gerecht ist." (S.435) 

Robin Wall Kimmerer: "In meiner Kultur ist ein Krieger nicht jemand, der von Angst oder Macht motiviert ist, sondern jemand, der dem Ruf der Liebe folgt. Nicht die sentimentale Art von Liebe mit rosa Herzchen, sondern jene Art von Liebe, die Opfer für das Wohl anderer bringt, die Geliebtes über sich selbst stellt. Fragen wir uns, was wir zu sehr lieben, um es zu verlieren.

Für mich bestehen die Akte der Liebe zum Land darin, zu lehren, zu schreiben, Wissenschaft zu betreiben, zu wählen Kinder gut groß zu ziehen, einen Garten zu bestellen und, wenn nötig Unruhe zu stiften. Das ist der Ruf der Liebe an mich [...]" (S.461) (G. Thunberg: Das Klima-Buch)


Jeffrey Sachs’ Aussage zum Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines vor dem UN-Sicherheitsrat

Donnerstag, 5. Januar 2023

Weg zur Klimaneutralität

 https://www.zeit.de/2022/47/sonderburg-klimaneutralitaet-daenemark-project-zero

ZEIT 17.11.22 Nr 47/2022

Sønderborgs Projekt Zero (auf Englisch) Ziel 2029

Flensburgs Projekt  Ziel 2050

Der Unterschied ist: In Deutschland ist man zunächst auf erneuerbare Energien umgestiegen und versucht, jetzt zu sparen.

In Dänemark arbeitet man mit dem Dreischritt: 

1) Sparen: Energieverbrauch senken

2) Vernetzen: Verbraucher und Erzeuger werden gekoppelt (z.B. Abwärme aus der Industriedient zum Heizen)

3) Erneuern: Erst zum Schluss wird der restliche Bedarf durch erneuerbare Energien gedeckt.


Mittwoch, 23. November 2022

Nichtfossile Energiequellen

 Solarenergie: Die Solar Energie hat ein gewaltiges Potenzial. Sie lässt sich billig produzieren und schnell installieren, und Anlagen können durch aus ebenso viel Strom erzeugen wie herkömmliche Kraftwerke. [...] Um ihre volle Effizienz zu entfalten,muss die Solarenergie [...] durch elektrische Speichervorrichtungen[...] ergänzt werden. [...] 

Eine weitere Herausforderung ist die Tatsache, dass Großanlagen sehr viel Fläche benötigen [...]

Eine Lösung ist hier die Installation von Solaranlagen auf den Dächern vorhandener Gebäude [...] Wo immer sich ein Dach oder ein Parkplatz befindet, da gibt es auch Möglichkeiten für die Installation einer Solaranlage.


Windkraft: Die häufigster Kritik an der Windkraft lautet, dass der Wind nicht immer bläst. Das ist richtig, allerdings nur für kleine Stromnetze. Für nationale oder regionale Stromnetze bläst der Wind mehr oder weniger immer. Das eigentliche Problem einer verstärkten Nutzung der Windkraftl liegt in der Gefahr einer Störung der örtlichen Fauna und in den Auswirkungen auf in den auf die in der Nähe lebenden Menschen. Wie bei der Solarenergie kommt hier alles auf den Standort an. So kann man Windparks in der Nähe von Autobahnen errichten oder an Orten, an denen nur wenige Menschen davon betroffen sind und die Folgen für die Tierwelt sich in Grenzen halten, zum Beispiel in küstennahen Meeresgebieten. Die Technik eröffnet auch zunehmend die Möglichkeit, mobile Offshore-Kraftwerke einzusetzen, bei denen Klagen seitens der Anwohner seltener zu erwarten sind.

Kernkraft
Die Kernkraft hat [...] wegen der komplizierten Technik zahlreiche Nachteile. Die Kraftwerke sind teuer, und ihre Bauzeit ist sehr lang. [bis zu 16 Jahre]
Im Blick auf die Sicherheit besitzen Kernkraftwerke alarmierende Nachteile, die Katastrophen in Fukushima 2011 und in Tschernobyl 1986 sind Beispiele dafür. Auch im Blick auf die Sicherheitspolitik sind sie problematisch, da sie bei kriegerischen Auseinandersetzungen oder als Ziele von Terroranschlägen ausgesprochen verwundbar sind. [...] 
Dann ist da noch die Frage einer sicheren Endlagerung der radioaktiven Abfälle, die selbst nach mehr als 70 Jahren weltweit immer noch auf eine Lösung wartet. [...]
Energie aus Biomasse

Bei der Stromerzeugung aus Biomasse verbrennt man Holz und anderes pflanzliches oder tierisches Material wie Ernteabfälle, Torf, Seetang oder tierische Abfallprodukte. Sie gilt als erneuerbare Energie, doch dieser Status hängt von der Existenz einer nachhaltigen Land- und Forstwirtschaft ab, und die gibt es heute noch nicht in ausreichendem Maße.
Außerdem ist sie nur über sehr große Zeiträume hinweg nachteilig. Ein Baum braucht mehr als 100 Jahre, bis er ausgewachsen ist, und ein Wald benötigt nach einem Kahlschlag mehrere Jahrhunderte [...] Die Einstufung von Energie als aus Biomasse als erneuerbare Energiequelle hat zu großflächigen Verwertungsaktivitäten geführt, die Entwaldung und Biodiversitätsverluste beschleunigen.  [...]  
Bei der Verbrennung von Holz wird mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre entlassen als bei der Verbrennung von Kohle.
Die Tatsache, dass diese Emissionen in unseren nationalen Statistiken unberücksichtigt bleiben – und diese Form der Energieerzeugung als nachhaltig eingestuft wird – hat ein potentiell verheerendes Schlupfloch eröffnet." (Das Klima-Buch, 249-251)

Der Aufstieg der erneuerbaren Energien

Glen Peters: "Ein rasches Wachstum bei der Solar- und Windenergie reicht nicht aus, um die steigende Nachfrage zu befriedigen, weshalb der Verbrauch fossiler Energie und die CO2-Emissionen weiterhin zunehmen. Die Länder mit mittlerem oder niedrigem Einkommen tun durchaus viel, um ihre Emissionen zu stabilisieren und schließlich zu reduzieren. Vielfach sind sie sogar weltweit führend in der Nutzung sauberer Technologien. [...]

Die einfache Mathematik des Klimasystems aus der Sicht des 'Kohlenstoffbudgets' sagt, dass wir die fossilen Brennstoffe nur noch wenige Jahrzehnte benutzen können, nämlich etwa bis 2050, sofern keine Technologien entwickelt werden, die eine Emission des bei der Nutzung fossiler Brennstoffe entstehenden Kohlendioxid vermeiden (CO2-Abscheidung und SpeicherungWikipedia-logo.png) oder Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre entfernen können (NegativmissionstechnologienWikipedia-logo.png) [...] Da mit fossilen Brennstoffe betriebene Kraftwerke oder Industrieanlagen Lebensspanne von 50 Jahren und mehr haben können, folgt daraus, dass eine derartige auf fossile Energie basierende Infrastruktur, die heute in Ländern mit mittlerem oder niedrigem Einkommen gebaut wird (oder kürzlich gebaut wurde), abgeschaltet werden müsste, bevor sie das Ende ihrer Lebensspanne erreicht hätte. [...] selbst alternative Energiequellen haben ihre Kosten im Bereich der Umwelt und der Emissionen. [...] In allererster Linie gilt es, die Belastung des Systems zu verringern, und das heißt letztlich, zu einer Lebensweise überzugehen, die weniger auf materiellen Konsum ausgerichtet ist. [...] In der Praxis muss jedes Land die Politik durchführen oder die Anreize setzen, die dort Wirkung zeigen, auch wenn sie längst nicht perfekt sein mögen. [...] das Klimasystem lässt uns [...] keine Zeit um nach der perfekten, für alle akzeptable Lösung zu suchen.

Die Energiewende wird auch für manche Menschen schmerzhaft, für andere dagegen vorteilhaft sein. Das ist unvermeidlich, doch die Welt ist voller Beispiele ähnlicher Übergänge: vom Pferd zum Auto, von der Schreibmaschine zum Computer, von netzgebundenen zu mobilen Telefonen, vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb [...] Die treibenden Kräfte hinter solchen Übergängen sind vielfach nicht politische Vorstellungen, sondern Technik und Gesellschaft. [...] Es ist Aufgabe des Staates, denen zu helfen und Schutz zu bieten, die man als Kollateralschäden der Energiewende bezeichnen könnte, zum Beispiel den Bergleuten in den Kohlegruben, nicht aber jenen, die sie zu verhindern suchen wie manche mächtigen Konzerne.

[Technologie, Verhaltensänderungen und Politik werden das Problem nicht je alleine lösen können ...]. Der Fortschritt liegt im Schnittbereich der Einflussfaktoren. Mit einer sich wechselseitig ergänzenden Mischung aus Technologie, Verhaltensänderungen und politischen Wandel werden wir einen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen, durch den wir die größten Gefahren der Klimakrise abwenden können. Die fortschreitende Klimakrise erlaubt es uns nicht, dem langsamen Übergang weg von fossilen Brennstoffen zuzuschauen. (Das Klimabuch, S.245-248)

Grüner Wasserstoff

Nach Angaben des New Scientist  werden gegenwärtig 96 % des Wasserstoffs aus fossilen Brennstoffe hergestellt, weshalb er heute noch längst nicht als eine erneuerbare oder nichtfossile Energielösung gelten kann. Er lässt sich jedoch auch als Wasser gewinnen und zwar unter Verwendung erneuerbarer Energien wie Windkraft oder Solarenergie. [...]. 

Grüner Wasserstoff ist jedoch auf einen Überfluss an billiger erneuerbarer Energie angewiesen, und das dürfte in der nächsten Zukunft kaum der Fall sein. (Das Klima-Buch, S. 249)

Samstag, 5. November 2022

FREITAGS KEINE DEMO

 FREITAGS KEINE DEMO Von Vanessa Nakate Die ZEIT, 45/2022, 3.11.22

"Warum der Klimakampf in Afrika anders aussieht als in Europa, schreibt die ugandische Aktivistin Vanessa Nakate [...]

Obwohl Afrika fast 39 Prozent des globalen Potenzials für saubere Energie hat, erhält es nur 
2 Prozent der weltweiten Investitionen dafür.

Statt das zu ändern, fließt weiterhin viel Kapital nach Afrika, um fossile Brennstoffprojekte von Konzernen aus dem globalen Norden zu finanzieren. Die Brennstoffe und die Gewinne daraus werden unvermeidlich zurück In den reichen Teil der Welt geleitet – und lassen die lokalen Gemeinschaften mit wenig mehr zurück als der Umweltverschmutzung und der Verdrängung vieler Anwohner, wie sie diese Projekte nun mal hervorrufen [...]"

Freitag, 26. August 2022

Energie für Erwärmen und Bewegen im Vergleich

Was denkt ihr: Wenn 4 Personen beim Duschen je 60L Wasser verbrauchen, die um 25° erhitzt wurden, wie weit kommt man mit derselben Energiemenge mit einem e-Auto, das 13 kWh / 100 km verbraucht?

Lösung von @nettwerkerin

https://twitter.com/nettwerkerin/status/1562725860205277185

und:

https://twitter.com/florianaigner/status/1560578141869015041

Fontanefan: durchschnittlich sind es heute mehr.

dazu Prof. Zweig @nettwerkerin

kWh. In Aigners Thread schreibt er auch, dass die Bezeichnung vollkommen unintuitiv ist und spricht sich für Joule aus. Also, unser Auto (Opel Ampera) braucht im Sommer wirklich 13 kWh/100 km. Im Winter aber über 20 kWh, je nach Außentemperatur.

Lebenspraktisch ist der Vergleich von 4 Leuten, die duschen mit 4 Leuten, die in einem Auto fahren, freilich nicht realistisch.

Wenn man also die Energiekosten des eigenen Duschens mit dem eigenen Fahren vergleicht, sollte man vielleicht die berechnete Kilometerzahl wieder durch 4 teilen. Freilich nur, wenn man selbst mit 60 Liter pro Duschvorgang auskommt.

Was wichtig ist: Wenn wir die Energiemengen als die entscheidende Größe erfahren, dann sollten wir alle uns auf das Verständnis von Joule umstellen. Und weil das angesichts der Gewohnheiten schwer ist, sollte man damit schon in der Schule anfangen, damit die Trennung von Leistungseinheiten und Energieeinheiten den Vergleich von Leistung und Energieverbrauch nicht so enorm erschwert.

Dass es sinnvoller wäre, mit der Einheit Joule zu rechnen, habe ich schon sehr früh gehört. Etwa vor 60 Jahren. Was die Trennung der Einheiten für unser praktisches Verständnis von Energieaufwand bedeutet, hat man mir vermutlich schon damals erklärt. Doch erst mit einem kalten Winter fast ohne Heizungsenergie auszukommen, wird klar, war diese Trennung an Erkenntnis verhindert hat. Das gilt nicht zuletzt für die Alternative, Maisfelder für Biokraftstoff oder Felder mit Photovoltaikelementen anzulegen oder gar Photovoltaik und Pflanzenanbau zu verbinden.

Donnerstag, 1. August 2019

Bitcoin - Energieverbrauch

"eine einzelne Transaktion kostet über 200 Kilowattstunden [...] Eine herkömmlich Überweisung verbraucht nur ein bis zwei Wattstunden" (ZEIT 1.8.2019, S.30)
Also Bitcoinüberweisung mehr als 100 000 x so viel wie herkömmlich. Die Rechner zur Produktion von B. grßenteils in China mit Kohlestrom.
Der gesamte Handel verbraucht "62 Terawattstunden im Jahr" entspricht der 43. Stelle in der Welt - zwischen Swcheiz und Tschechien, Tendenz steigend" (s.o.)

"Das Schürfen neuer Bitcoins hatte alleine in der ersten Hälfte des Jahres 2018 einen Stromverbrauch von 30,1 Milliarden Kilowattstunden Strom. Zum Vergleich verbrauchte man in Dänemark im gesamten Jahr 2015 31,4 Milliarden Kilowattstunden. Mit Stand Januar 2019 verbrauchte das Bitcoin-System weltweit etwa 47 TWh pro Jahr.[204]" (Wikipedia)

Samstag, 14. November 2015

Subventionen für Kohle und andere fossile Energieträger

OECD kritisiert Subventionen für Kohle und Öl N24 über OECD-Studie 21.09.2015
"Fossile Energieträger werden laut OECD inzwischen weniger subventioniert. Dennoch wird jährlich deutlich mehr in Kohle, Öl und Gas gesteckt als der Kampf gegen den Klimawandel kosten würde.
[...] Wenn wir die Subventionen stoppen, werden wir die Ressourcen haben, die wir brauchen", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurriá am Montag in Paris. "Die internationale Gemeinschaft ruft dazu auf, bis 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar (89 Milliarden Euro) zu mobilisieren."
Von 2010 bis 2014 wurden laut OECD Kohle, Erdgas und Erdöl jährlich mit zwischen 142 bis 178 Milliarden Euro in 34 OECD-Staaten und sechs Schwellenländern subventioniert. Die Organisation sprach von einem Rückgang, ohne genaue Vergleichszahlen zu markieren.
Als Gründe für abnehmende Subventionen nennt die Studie vor allem den niedrigen Ölpreis und Reformbemühungen vieler Staaten für eine ökologisch und wirtschaftlich nachhaltigere Politik.
Ein Großteil des Rückgangs geht laut OECD auf Reformen Mexikos zurück: [...]
Rohöl und Erdölprodukte werden laut der Studie am stärksten subventioniert, auf sie entfielen insgesamt 82 Prozent der Summe. Kohle werde mit acht, Erdgas mit zehn Prozent gefördert."

Fossile Energien: Der Subventionswahn ist ungebrochen ZEIT 14.10.13

Argumente zur Rechtfertigung der Subventionen

Dienstag, 10. März 2015

Osterhammel zu Energie und Industrie

Industrialisierung 
Die um 1900 auf der Welt erreichte Industrialisierung ging auf einen Innovationsschub nach 1760 in England zurück. Doch Industrialisierung ist "zumindest in ihren Anfängen, niemals ein nationales, sondern stets ein regionales Phänomen gewesen". (S.910) "Industrielle Revolution" ist zwar der gebräuchliche historische Fachausdruck für die Zeit nach 1760, aber die "Industrie war nie revolutionärer als heute."  (S.916) Damals gab es Wachstumszahlen um 2 %. (8% wie in China um 2000 waren damals undenkbar.) "Dieses Wachstum erfolgte auf der Grundlage eines neuen Energieregimes, das fossile Energiequellen für die materielle Produktion erschließt" (S.916)
"Es war ein Vorzug der industriellen Produktionsweise, dass sie mindestens in einem Sinne nicht revolutionär war: Sie vernichtete nicht sämtliche früheren Formen der Wertschöpfung und schuf keine radikal neue Welt." (S.924)
"Man hat oft von einer 'Zweiten Industriellen Revolution' gesprochen. Sinnvoller ist es, mit Werner Abelshauser von einer "'Zweiten wirtschaftlichen Revolution' zu sprechen. Sie bildete den modernen Konzern aus, wie er im 20. Jahrhundert zur dominierenden Unternehmensform werden sollte. Dieser neue Veränderungsschub  [...] [war] [...] von unmittelbarer globaler Wirkung. (S.925) Anders als die Industrielle Revolution, deren Fernwirkung sich nur langsam entfaltete.
Neue Leittechnologien waren Stahl, Chemie und Elektrizität. Als Unternehmensform trat die Kapitalgesellschaft mehr und mehr an die Stelle von Priatunternehmen. 
An die Stelle des "klassischen Wettbewerbsmechanismus" traten multinationale Konzerne, die "globale Vermarktungsnetze" gründeten. (S.925) So kam es zu "einer bis dahin beispiellosen direkten Durchdringung des Konsumgütermarktes." (S.925/26)
Das erst neu industrialisierte Japan hatte bei dieser Umstellung einen "Startvorteil", da es einigen Kaufmannshäusern gelang, als zaibatsu "große, stark diversifizierte Unternehmen, oft in Familienbesitz, die große Teile der Wirtschaft unter ihre oligopolistische Kontrolle brachten" (S.926) an der Spitze der Umstellung mitzuhalten. 
Um 2000 herum fanden Regionalexperten heraus, dass "China und Japan, aber auch Teile Indiens und der muslimischen Welt im 17. und 18. Jahrhundert" (S.926/27) schon weit entwickelter waren, als bisher vermutet. "[...] desto rätselhafter wird die spätestens um die Mitte des 19. Jahrhunderts unverkennbare Große Gabelung (great divergence) der Welt in wirtschaftliche Gewinner und Verlierer." (S.927)

Energieregime: Das Jahrhundert der Kohle
"Energie wurde zu einem Leitmotiv des ganzen Jahrhunderts. [...] Nicht länger der frühneuzeitliche Mechanismus, sondern der dynamische Kraftzusammenhang war das naturwissenschaftliche Leitbild des 19. Jahrhunderts." (S.929) 
Naturwissenschaftler: Volta, Helmholtz, Maxwell, William Thomson (Lord Kelvin), Werner Siemens.
"So hat man geschätzt, dass in Europa um 1750 Holz die Quelle von etwa der Hälfte des Energiekonsums war, in China zur gleichen Zeit aber nur von höchstens acht Prozent. Umgekehrt war menschliche Arbeitskraft in China um ein Mehrfaches wichtiger als in Europa." (S.930)
"In Europa insgesamt lieferte Kohle bis um die Mitte des 19.Jahrhunderts nur einen winzigen Bruchteil der genutzten Energie. Erst danach ging der Anteil der traditionellen
Energiequellen zurück, während die Bedeutung der modernen Energielieferanten Kohle, später Öl, daneben auch der durch Staudämme und neuartige Turbinen besser nutzbaren Wasserkraft dramatisch zunahm. Die uns heute bekannte Pluralität der Energieformen ist ein Erbe der Industrialisierung. Sie folgte auf die jahrtausendelange Dominanz des
Brennstoffs Holz [...]" (S.931)
"Zur «landwirtschaftlichen Revolution» in Europa gehörte die vermehrte Ersetzung von menschlicher Kraft durch die von Pferden. [...] In der englischen Landwirtschaft stieg die pro menschlicher Arbeitskraft zur Verfügung stehende Pferdeenergie zwischen 1800 und 1850, also auf dem Höhepunkt der Industriellen Revolution, um 21 Prozent. Erst nach 1925 ging in Großbritannien die Zahl von Pferden pro Hektar zurück [...] . Die Ersetzung von Pferden durch Traktoren erweiterte die Anbauflächen ohne neue Landerschließung, da weniger Boden für die Erzeugung von Pferdefutter [...] erforderlich war. [...] Die Reisökonomien Asiens [...] besaßen diesen wichtigen Puffer für eine effizienzsteigernde
Modernisierung der Landwirtschaft nicht." (S.932)
"Die japanische Wirtschaft nutzte als eine der ersten in größtem Stile die Elektrizität, die teils aus Wasserkraft, teils aus Kohle gewonnen wurde und für die Industrie große Vorteile bot. Als in den sechziger Jahren die ersten Dampfmaschinen in Japan in Betrieb genommen wurden, hatte Japan gegenüber Großbritannien einen energietechnischen Rückstand von etwa achtzig Jahren. Um 1900 war dieser Rückstand vollkommen aufgeholt. "(S.933)
"Einige Regierungen erkannten die Notwendigkeit von Energiepolitik, andere nicht. In
Russland unterblieb der Ausbau einer hinreichenden Montanbasis, weil die Regierung unter dem [...] Finanzminister Sergej J.Vitte  einseitig Hightech-Projekte in Stahlindustrie und Maschinenbau förderte." (S.934) 
"Erst in einer zweiten Phase, als sich die metallverarbeitende Industrie weiterentwickelt 
hatte, genügte die Qualität der japanischen Kohle nicht mehr. Die Mandschurei war unter anderem deshalb für Japan als Kolonialgebiet so interessant, weil dort höherwertige, für die Verkokung besser geeignete Kohlen zu gewinnen waren. [...] Es gibt wenige deutlichere Beispiele für «Ressourcenirnperialismus», also die Unterwerfung anderer Länder zum Zweck der Aneignung industriell notwendiger Rohstoffe. [...] China war ein potenzieller Energieriese, der in der ersten Phase seiner Industrialisierung die eigenen fossilen Energieträger nur sehr begrenzt nutzen konnte. Anders als in Japan gab es keine Zentralregierung, die Fragen der Energieversorgung Priorität in einer wirtschaftspolitischen
Steuerung des industriellen Aufbaus hätte geben können. (S.935)
"Um 1910 oder 1920 zerfiel die Welt in die Minderheit derjenigen, die sich Zugang zu fossilen Energiespeichern geschaffen und die für deren Nutzung nötigen Infrastrukturen etabliert hatten, und die Mehrheit derer, die unter wachsendem Knappheitsdruck mit den traditionellen Energiequellen auskommen mussten. Deutlich wird der Abstand zwischen dem «Westen» und der übrigen Welt, wenn man sich die Verteilung der Welterzeugung
von Kohle ansieht. Im Jahre 1900 entfielen auf Asien gerade einmal 2,82 Prozent, auf Australien 1,12 Prozent und auf Afrika 0,07 Prozent der Weltförderung." (S.936)
"War die Dampfmaschine zunächst ein leistungsfähigerer Energieerzeuger als das Wasserrad, so wurde sie von diesem in seiner neuen Gestalt als Wasserturbine bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder überholt." (S.936)
"Insgesamt spricht vieles dafür, den Wechsel des Energieregimes als eines der wichtigsten
Merkmale der Industrialisierung zu betrachten." (S.937)
"Nach der Industrieleistung pro Kopf der Bevölkerung kalkuliert,  [...] stand Großbritannien vor Deutschland an der Spitze. Belgien und die Schweiz wiesen dasselbe Industrialisierungsniveau auf wie das Deutsche Reich, Frankreich und Schweden folgten mit größerem Abstand. Keines der übrigen Länder Europas erreichte auch nur ein Drittel des britischen Pro-Kopf-Niveaus der industriellen Produktion;  [...] Eine differenzierte Betrachtung Europas zeigt, dass von einem «industriellen Europa», das als Ganzes einem wirtschaftlich unmodernisierten Rest der Welt  [...] gegenüberstand, nicht die Rede sein kann." (S.938)
"Warum es den lateinamerikanischen Ländern nicht gelang, vor ihren Experimenten mit einer vom Staat geförderten importsubstituierenden Industrialisierung in der Zwischenkriegszeit Anschluss an die Industrialisierungsdynamik in Westeuropa, Nordamerika oder Japan zu finden, ist eine nach wie vor ungelöste Frage." (S.941)
"Nicht die verhaltene und vom Staat kaum angeleitete Entwicklung in der spätesten Kaiserzeit, sondern die Abbremsung des begonnenen Starts nach 1920 ist das charakteristischste Merkmal der chinesischen Industrialisierungsgeschichte vor dem großen Aufschwung nach 1980. [...] In China erwies sich trotz fehlenden Zollschutzes die dörfliche Hausweberei für den lokalen und regionalen Bedarf als ziemlich widerständig. Als im frühen 20. Jahrhundert Baumwollgarn aus den neuen Fabriken [...] das handgesponnene Garn zunehmend verdrängte, stellten sich die Weber auf Maschinengarn um und konnten
auf diese Weise weiter wirtschaften." (S.943)
"Am Beginn der europäischen Industrialisierung stand also die Importsubstitution asiatischer Einfuhren [...] Dieses - von Indien und China aus gesehen - Wegbrechen der Exportmärkte, wie es ähnlich auch die osmanische Textilindustrie in der ersten Hälfte des 19.Jahrhundert erlebte, hatte katastrophale Auswirkungen für asiatische Regionen, die auf Tuchexporte spezialisiert waren." (S.944)
"Anders als in China engagierte sich in der indischen Baumwollindustrie kaum
ausländisches Kapital" (S.944) "Wer immer nur auf den Handel zwischen Europa und Asien
schaut, unterschätzt die Vitalität asiatischer Produzenten in ihrem näheren Umfeld. Vor allem dank ihrer Exporte nach China und Japan verneunfachte die indische Industrie ihren Anteil am Weltmarkt für Baumwollgarn von 4 Prozent I877 auf 36 Prozent 1892." (S.945)
Während in China die frühe Eisen- und Stahlindustrie [...] ganz auf behördliche Initiative zurückging, war die frühe indische Stahlindustrie einem einzigen Mann zu verdanken: Jamshedji Tata, [....] ein Zeitgenosse des 1842 geborenen deutschen Stahlbarons August Thyssen. (S.945)
Bei Japan "rätselt man [...] darüber, warum es dort «geklappt» hat. [...] Entscheidend war der Charakter der japanischen Industrialisierung als politisches Projekt, das gemeinsam von Staat und Unternehmern realisiert wurde. (S.947)
"Anders als gleichzeitig das Zarenreich [...] und China [...] vermied Japan jegliche Abhängigkeit von ausländischen Gläubigern, solange es außenpolitisch wegen der Ungleichen Verträge noch nicht voll souverän war und solange es ökonomisch verwundbar
blieb, also bis in die 1890er Jahre. [...] Die Steuerpolitik des Meiji-Staates belastete systematisch eine Landwirtschaft, die zur gleichen Zeit steigende Erträge erzielte."  (S.948)
"Auch unternehmerische Pioniere sahen die Industrialisierung als ein gesamtjapanisches
patriotisches Projekt und pflegten ein Motivensemble eher des Dienstes am Vaterland als individueller Profitmaximierung; [...] Diese nationale Einstellung hatte unter anderem die Folge, dass kostbares Wissen über den Umgang mit der Weltwirtschaft, Wissen, das die Japaner nach 1858 innerhalb kürzester Zeit erwerben mussten, schnell und großzügig über Firmengrenzen hinweg kommuniziert und damit weithin zugänglich wurde. (S.949)
"Eine Industrialisierung ganz ohne staatliche Hilfe, wie sie einige liberale Ökonomen für wünschenswert und möglich hielten, war historisch eine große Ausnahme. Keineswegs stehen sich zwei große Modelle der westlich-liberalen und der östlich-etatistischen Industrialisierung gegenüber." (S.950)

Kapitalismus
"Von Marx bis Weber war der Kapitalismus ein zentrales Thema der sozialwissenschaftlichen Zeitanalyse. Die Kapitalismustheorien, zu denen auch die radikal liberalen und sozialistischen Imperialismustheorien gezählt werden müssen, die genau gleichzeitig mit den Arbeiten Max Webers, Werner Sombarts und anderer Mitglieder der 'jüngeren historischen Schule' der deutschen Nationalökonomie entstanden,  gehören zu den differenziertesten Selbstbeschreibungen des späten 19. Jahrhunderts. Ein einheitliches Verständnis des Begriffs entstand dabei allerdings nicht, und schon 1918, also noch zu
Lebzeiten Max Webers, will jemand in der Literatur 111 Definitionen von 'Kapitalismus' gefunden haben." (S.953)

Allgemeines zum Kapitalismus des 19. Jahrhunderts:
Diese "Wirtschaftsordnung [...] beruht auf der arbeitsteiligen Produktion für Märkte" und macht "jeden Produktionsfaktor zu einer auf dem Markt handelbaren Ware". "Sklaverei und andere Formen 'außerökonomischer' Bindung widersprechen seiner eigenen Logik der
unbegrenzten Disponibilität." Er "besitzt die Flexibilität, die jeweils produktivsten Technologien und Organisationsweisen (deren Leistungsfähigkeit der Markt erweist) zu nutzen." (S.954)
Die "Frage nach dem 'Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus' [...] stellt sich bestenfalls für einige Länder Westeuropas und für Japan. In mehreren Ländern, wo der Kapitalismus im 19.Jahrhundert am erfolgreichsten war, nämlich in den USA, Australien oder im südafrikanischen Bergbau, gab es keinen «Feudalismus» - ebensowenig in China [...].  Das Thema muss allgemeiner als das der Schaffung institutioneller Rahmenbedingungen für Kapitalismus formuliert werden.  [...] 'Freiräume' für Märkte [sind] das Ergebnis eines staatlichen Willens zum Laisser-faire, also von 'Ordnungspolitik'. (S.955)
Im 19. Jahrhundert [...] war die Nähe zwischen Kapitalismus und (nationalem) Territorialstaat besonders groß. [...] Aus der Sicht Kontinentaleuropas und der USA blieb der extreme Freihandel eine auf das dritte Quartal des 19. Jahrhunderts beschränkte Episode. [...] Bergwerke, Fabriken und Schienennetze wurden für einen längeren Nutzungszyklus angelegt, als es die typische Periode des Kapitalumschlags im frühneuzeitlichen Groß- und Überseehandel gewesen war. Kapital wurde in einer Weise für die Produktion fixiert, wie es bis dahin nur in Bauwerken geschehen war. Damit waren beispiellose Eingriffe in die physische Umwelt verbunden. Keine andere
Wirtschaftsordnung hat jemals die Natur drastischer umgestaltet als der
Industriekapitalismus des 19. Jahrhunderts." (S.956)
"Der Kapitalismus entdeckte nach 1870 das Instrument des Kapitalexports, anders gesagt: der überseeischen Investitionen. Dies blieb allerdings lange eine britische Spezialität. [...] Die Elektroindustrie entstand überhaupt erst mit der technischen Herausforderung
der Langstreckentelegraphie und verkaufte ihre Produkte von Anfang an in der ganzen Welt." (S.957) Doch es gab noch keinen globalen Kapitalismus. "Die Industrialisierung [...] war ein jeweils regional spezifischer Prozess. Der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts hingegen [...] ermöglichte, lokales unternehmerisches Handeln in großräumige und
tendenziell globale Interaktionskreise einzurücken." [nicht mehr!] (S.957) 

(Jürgen Osterhammel: Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts, 2009)

Samstag, 13. Dezember 2014

Ölpreisschock oder Ölpreismanipulation?

Erdöl ist extrem knapp. Deshalb werden höchst umweltgefährliche Techniken eingesetzt, um die letzten Reserven vorzeitig aus den Tiefen zu holen, die in Zukunft als Rohstoff, aber nicht als Energielieferant wichtig sein werden. In der Situation kommt die Schlagzeile:
Venezuela: bald Pleite. Russland und Nigeria: akut gefährdet. Das reiche Norwegen: unter Druck. Der niedrige Ölpreis ist für viele Länder gefährlich. Der Absturz kann für die Welt zum Albtraum werden. (Die Welt, 13.12.2014)
Es war kein unvorbereiteter Schock, sondern lange vorbereitet. 

Einige Schlagzeilen:

13.10.2014: Kampf um den Ölpreis




Die letzte Änderung der deutschen Wikipedia am Artikel zur OPEC war am 27.11.14
Die englischsprachige Wikipedia zählte allein am 13.12.14 bis 21:14 75 Änderungen ihres Artikels.

Dienstag, 7. Januar 2014

Stromproduktion aus Braunkohle erreicht Rekordwert

Stromproduktion aus Braunkohle erreicht Rekordwert

"Forscher führen das auf günstige Verschmutzungszertifikate zurück - und verlangen dringend eine Reform des Systems. [...]


Insgesamt beförderte die Zunahme beim Kohlestrom auch einen neuen Rekord beim Export von Strom - dieser lag bei rund 33 Milliarden Kilowattstunden. "Deutschland hat 2013 an acht von zehn Tagen mehr Strom exportiert als importiert. Das ist zu einem Großteil Strom aus Braun- und Steinkohlekraftwerken", sagte der Strommarktfachmann Patrick Graichen von der Berliner Denkfabrik Agora Energiewende. "Diese verdrängen damit Gaskraftwerke nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland - insbesondere in den Niederlanden."

Energieexperte Graichen sprach vom "Energiewende-Paradox": Steigende Kohlendioxidausstöße trotz des Ausbaus von Solar- und Windparks. Rund 23,5 Milliarden Euro an Förderung für erneuerbare Energien werden 2014 über die Strompreise abgewälzt, ein Vier-Personen-Haushalt muss mit knapp 220 Euro Ökostromumlage in diesem Jahr rechnen." (mehr in: Spiegel online, 7.1.14)

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Energiefresser Internet

Das Internet kostet viele Gigawattstunden. Allein Google hat einen Stromverbrauch wie eine Großstadt.
Dabei hat Google inzwischen relativ stromsparende Server. (mehr dazu)
Kommentare dazu

Klaus-Peter Kolling zum persönlichen Gebrauch: "Grundsätzlich bei Neuanschaffungen auch den Energieverbrauch berücksichtigen... Ein aktives Tablet oder Netbook verbraucht deutlich weniger Strom als ein Standard-PC, welcher schnell mal 200W und mehr benötigt.
Auch sollte man Netzteile, welche keinen eigenen Ausschalter haben, über Steckerleisten abschaltbar machen! Das gilt besonders auch für Handyladegeräte!"