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Montag, 7. Oktober 2024

Vor verschlossenen Toren - illegale Flucht von Verfolgten des NS-Regimes

"Am 22. August 1942 überschritt, Eduard Gros gemeinsam mit Hubert und Paul Kan bei Genf die Grenze zur Schweiz. Kurz nach ihrer illegalen Einreise wurden die drei staatenlosen Juden von der Genfer Heerespolizei festgenommen, im Auto zu dem auf Schweizer Boden gelegenen deutschen Zollposten von La Plaine gebracht und zu Fuß an die Grenze zum besetzten Frankreich geschickt. Als die Flüchtlinge die deutschen Grenzpolizei erblickten, sprangen sie in die Rhone und schwammen zurück ans Schweizer Ufer. Dort, flehten sie verzweifelt um Asyl. Ohne Erfolg. Einer versuchte, sich die Schlagadern zu öffnen. Seinem Suizidversuch zuvorkommend, schleppten Schweizer Grenzwächter und Soldaten die drei aneinandergeklammerten Männer vom Ufer weg, um sie den bereitstehenden deutschen Beamten zu übergeben. Die Auslieferung erwies, sich aber als undurchführbar. Da man aufsehenerregende Zwischenfälle vermeiden wollte, vereinbarte Daniel Odier, Polizeioffizier des Genfer Territorialkreises, mit den deutschen Grenzbeamten, eine offizielle Übergabe der Flüchtlinge auf dem Boden des besetzten Frankreichs. Dort wurden die drei Juden von der deutschen Grenzpolizei verhaftet und – wie andere Flüchtlinge später berichteten – ins Gefängnis von Gex gebracht. Am 18. September 1942 wurden Eduard Gos, Hubert und Paul Kan über Drancy nach Ausschwitz deportiert.“

Gabriele Anderl: Vor verschlossenen Toren. Die Bedeutung der illegalen Flucht über Grenzen für Verfolgte des NS-Regimes in: Grenzen, 2015, hrsg. von Gisela Dachs (in der Reihe Jüdischer Almanach der Leo Baeck Institute) S.106

Darf man eine solche eine Politik der ‚wohltemperierten Grausamkeit‘, wie sie die Schweiz in der NS-Zeit gegenüber Juden praktizierte, mit Höcke Remigration nennen oder gehört zu Remigration wie zu Emigration eine freie Entscheidung, die nicht unter dem Druck unmittelbarer Grausamkeit getroffen wird?

Zu dieser Frage vgl. die Diskussion auf gutefrage.net

Mittwoch, 21. August 2024

Eine KI antwortet zum Urteil für die 99-jährige Sekretärin

Eine 99-jährige Frau wurde zu einer Jugendstrafe verurteilt, weil sie mit 18 Jahren Beihilfe geleistet hat zu tausendfachem Mord. 

Eine 99-jährige Frau wurde zu einer Jugendstrafe verurteilt, weil sie mit 18 Jahren Beihilfe geleistet hat zu tausendfachem Mord. Wie passt das zu der Aussage: "Mein ist die Rache, redet Gott."

Die Veränderung des Prompts führt dazu, dass die KI das Bibelzitat nicht nur erkennt (Römer 12,19), sondern auch berücksichtigt. Aber auch diese Veränderung führt nicht dazu, dass die KI auf das grundsätzliche Problem eingeht: Kann unter nach mehreren Jahrzehnten und stark verändertem Rechtsbewusstsein noch ein Urteil gefällt werden, das dem Einzelfall gerecht wird?

Die Verurteilung einer 99-jährigen Frau wegen Beihilfe zu tausendfachen Morden, die sie im Alter von 18 Jahren begangen haben soll, wirft zahlreiche ethische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen auf. Die Aussage "Mein ist die Rache, redet Gott" scheint auf den ersten Blick eine Verbindung zu diesem Fall herzustellen, doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass sie nur bedingt anwendbar ist.

Warum passt der Spruch nicht ganz?

  • Menschliche Justiz: Die Verurteilung der Frau erfolgte durch ein menschliches Gericht, das auf Grundlage geltender Gesetze entschieden hat. Der Spruch "Mein ist die Rache, redet Gott" bezieht sich jedoch auf göttliche Gerechtigkeit und die Vorstellung, dass Gott allein über Schuld und Strafe entscheidet.
  • Zeitlicher Abstand: Zwischen der Tat und der Verurteilung liegen Jahrzehnte. Die Frage, ob eine so lange Zeitspanne zwischen Tat und Strafe noch gerechtfertigt ist, ist komplex und wirft Fragen nach Verjährung und der Möglichkeit zur Resozialisierung auf.
  • Menschliche Verantwortung: Auch wenn die Frau damals noch jung war, trägt sie eine Mitverantwortung für die begangenen Verbrechen. Die Verurteilung soll nicht nur eine Strafe sein, sondern auch ein Zeichen setzen und andere abschrecken.

Warum wird der Spruch dennoch manchmal in solchen Zusammenhängen genannt?

  • Gerechtigkeitsempfinden: Menschen haben oft ein starkes Bedürfnis nach Gerechtigkeit, insbesondere bei schweren Verbrechen. Der Spruch "Mein ist die Rache, redet Gott" kann als Ausdruck dieses Gerechtigkeitsempfindens verstanden werden.
  • Schwierigkeit der Vergebung: Bei Verbrechen wie den hier beschriebenen fällt es vielen Menschen schwer, Vergebung zu üben. Der Spruch kann als Rechtfertigung für die Forderung nach Strafe dienen.
  • Symbolische Bedeutung: Der Spruch kann auch als symbolische Darstellung der Idee verstanden werden, dass jede Tat Konsequenzen hat und dass niemand den Gesetzen der Gerechtigkeit entkommen kann.

Fazit:

Die Aussage "Mein ist die Rache, redet Gott" ist ein komplexer biblischer Satz, der in verschiedenen Kontexten unterschiedlich interpretiert werden kann. Im Zusammenhang mit der Verurteilung der 99-jährigen Frau ist er jedoch nur bedingt anwendbar. Die Verurteilung ist vielmehr ein Ergebnis menschlicher Justiz und stellt einen Versuch dar, auch nach Jahrzehnten noch Gerechtigkeit herzustellen.

Weitere Aspekte, die bei der Betrachtung dieses Falls eine Rolle spielen:

  • Die Rolle der Gemeinschaft: Wie geht eine Gesellschaft mit solchen Verbrechen um? Wie können die Opfer und ihre Angehörigen unterstützt werden?
  • Die Frage der Schuld: Inwieweit ist die Frau für die Taten verantwortlich, die sie als junge Erwachsene begangen hat? Welche Rolle spielten soziale, politische oder persönliche Umstände?
  • Die Auswirkungen der Strafe: Welche Folgen hat die Verurteilung für die Betroffene? Wie wirkt sich eine so späte Strafe auf ihr Leben aus?

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass es keine einfachen Antworten auf diese Fragen gibt. Jeder Fall ist einzigartig und muss im Kontext seiner Zeit und der individuellen Umstände bewertet werden.

Für "Besinnungsaufsätze" / Erörterungen ist diese KI offenbar noch wenig geeignet. Aber mit verbesserten Prompts kann man vielleicht geeignetere Antworten hervorlocken.

Donnerstag, 12. März 2020

Frauen der Männer des 20. Juli.

20. Juli 1944: „Wie ein Damoklesschwert“ Von Ariane Barth 18.07.1994

"[...] Diese Frauen entsprachen ihren gesellschaftlich wohl eingebetteten Männern in _(* Dorothee von Meding: "Mit dem Mut des ) _(Herzens - Die Frauen des 20. Juli". ) _(Siedler Verlag, Berlin; 298 Seiten; ) _(39,80 Mark. ) der Grundgesinnung, und das mag schon das Geheimnis gewesen sein der Wahl ihrer Partner, die sie rückhaltlos bewunderten. Sie hatten durchweg aus dem Bürgertum in den Adel eingeheiratet, aber sie waren Geschöpfe jener tragenden Elite, die als weiblichen Edelmut die absolute Gefolgstreue dem Gatten gegenüber kultivierte. Ob sie ihre als gut oder gar glücklich beschriebenen Ehen opfern wollten, sie wurden nicht gefragt, sie wuchsen gleichsam hinein in den männlichen Widerstand, der Teil ihrer Beziehungen wurde.

Sonntag, 3. August 2014

Kein Monster, aber ein Mann des Systems

"Grabe, wo Du stehst" - unter diesem Motto beschäftigt sich die der Geschwister-Schule-Schule angegliederte Geschichtswerkstatt seit über 20 Jahren mit der Aufarbeitung des NS-Zeit im regionalen Kontext. (BA Dokumentation)

Jetzt hat die Geschichtswerkstatt den Fall Adam Essinger aufgegriffen. Im Bergstäßer Anzeiger wurde darüber berichtet:
Ein gefürchteter Kriegsverbrecher war er offenkundig nicht, aber als harmlosen Mitläufer kann man ihn auch nicht bezeichnen. Ohne Zweifel hatte Adam Essinger - wie viele andere auch - im Nationalsozialismus Schuld auf sich geladen. Eine Schuld, die aus heutiger Sicht allerdings die zweimalige Verurteilung zum Tod durch französische Militärgerichte und die daraus folgende 13-monatige Einzelhaft in Ketten nicht rechtfertigte.(BA Dokumentation)

mehr dazu 

Montag, 30. September 2013

Mein Großvater hätte mich erschossen

Die Tochter eines Nigerianers und einer Deutschen war als Adoptivkind in München aufgewachsen, dann einige Jahre in Israel gelebt und sich dann Familie und Existenz in Hamburg aufgebaut. Wohl hatte sie darunter gelitten, dass ihre Mutter alleinstehend war und sie sehr früh ins Kinderheim abgeschoben hatte. Einen schweren Schock aber erlebte sie, als sie erfuhr, dass sie Enkelin des KZ-Kommandanten Amon Göth ist. Nach einer langen depressiven Phase schrieb sie dann das Buch   Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen, 2013.
Wäre es besser gewesen, wenn sie sich hätte entschließen können, dass ihr Großvater nichts mit ihrer Identität zu tun hatte?
Westdeutsche Zeitung: „Vergiss Amon, du bist Jenny“, 26.9.13
Süddeutsche Zeitung vom 25.9.13: Mein Opa, der Massenmörder