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Dienstag, 1. September 2026

Was wollen wir unseren Enkelkindern weitergeben?

 Aleida Assmann:

"Im Umgang mit Menschen sollten Anerkennung und Interesse, Freundlichkeit, Zuhören und Zuspruch eine Hauptrolle spielen, denn: Güte ist wichtiger als Radikalität. (Rainald Goetz).

Verwechselt nicht den Grad technologischer Expertise eines Landes mit dessen Zivilität.
Setzt euch für Menschenrechte ein und vergesst dabei auch nicht die Menschenpflichten.
Sucht euch eure Vorbilder sorgfältig aus und behaltet sie im Blick.

Entwickelt ein bewusstes Gefühl der Dankbarkeit für das Leben und die Errungenschaften, die ihr genießt.
Lasst euch nicht beirren in der Leidenschaft für die eigene Arbeit.
Lasst euch auch nicht einschüchtern und einschränken durch Vorschriften, die ihr als ungerecht und unfair erkannt habt.

 Und vor allem: lasst euch nicht verführen, von vollmundigen Parolen, die nur an euren Stolz appellieren und euch eine heile Welt versprechen. Die gibt es nämlich nicht.

Was KI und Co. angeht: Nutzt sie als ein hilfreiches Werkzeug, wo immer dies möglich ist, aber unterwerft euch ihr nicht. Die KI arbeitet nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip und kann immer nur das nächste Wort, die nächsten Gedanken vorhersehen. Sie kann also nur anschließen und weitermachen, aber nichts anfangen, erfinden und in die Welt setzen. Das könnte nur ihr!"

Samstag, 24. August 2019

Harari: Homo Deus. Eine Geschichte von Morgen

Harari: Homo Deus ist anregend. 

Kapitel 1: Die neue menschliche Agenda
Hunger, Krankheiten und Seuchen, ja sogar Kriege sind weitgehend eingedämmt. (dazu vgl. Rosling: Factfulnes) Als nächstes Ziel "werden die Menschen vermutlich ernsthaft nach der Unsterblichkeit greifen". (S.39) - 
Harari geht davon aus, dass es keine ethischen und politischen Hemmnisse dagegen geben wird, Reichen auf Kosten der Armen die "Unsterblichkeit" zu verschaffen (er präzisiert: die natürliche Lebensbegrenzung abzuschaffen). (S.51)
Entsprechend werde das "biochemische Streben nach Glück [...] auch Politik, Gesellschaft und Wirtschaft verändern" (S.69)
In diesen Passagen klingt Harari wie weiland der Zukunftsforscher Herman Kahn, der 1967 durch reine Trendverlängerung die Zukunft für das Jahr 2000 voraussagte, mit grotesken Fehleinschätzungen. Die Einschränkungen durch das bevorstehende Ende des Einsatzes fossiler Energiequellen erwähnt Harari zwar, aber was das für eine Veränderung von Forschungs- und Industrieaktivitäten bedeuten könnte, übergeht er.
Im Folgenden schwankt Harari zwischen Prognose und Freiheitsversprechen.
"Weil niemand mehr das System versteht, kann niemand es stoppen.
Wenn es uns [...] doch gelingen sollte, auf die Bremse zu treten, wird unsere Wirtschaft samt unserer Gesellschaft zusammenbrechen. [...] die moderne Wirtschaft [braucht], um zu überleben, fortwährendes und grenzenloses Wachstum." (S.86)
"Gerade weil wir, was den Einsatz neuer Technologien angeht, über gewisse Entscheidungsfreiheiten verfügen, sollten wir darüber Bescheid wissen, was passiert." (S.92)
"Je mehr wir wissen, desto weniger können wir vorhersagen." (S.94)
Und das begründet er damit, dass neues Wissen genutzt werde, "um auf neuartige Weise zu agieren [...] Denn wozu dient neues Wissen, wenn es keine neuen Verhaltensweisen nach sich zieht? Sobald die Menschen aber ihr Verhalten ändern, werden die ökonomischen Theorien obsolet." (S.94)
Dabei klammert er das Wissen über den Klimawandel aus. Denn so logisch es gewesen wäre, aufgrund dieses Wissens, das Verhalten entscheidend zu verändern, ist seit der Klimakonferenz 1992 nichts Einschneidendes passiert. 
Andererseits, Harari selbst hält an der These fest, die moderne Wirtschaft brauche, "um zu überleben, fortwährendes und grenzenloses Wachstum." und das, obwohl gerade grenzenloses Wachstum mit mathematischer Sicherheit zum Zusammenbruch führt. Er führt also an sich selbst vor, dass neues Wissen mitnichten zu neuen Verhaltensweisen führen muss. 
Doch wie kategorisch er auch manches behauptet, um seine Prognose zu begründen, schreibt er dann doch zu Recht:
"Die wirkliche Zukunft - also die Zukunft, die aus den neuen Ideen und Hoffnungen des 21. Jahrhunderts erwächst - könnte eine völlig andere sein." (S.108)
Mit dieser Ankündigung zur Glaubwürdigkeit seiner Hypothese beginnt er dann seine Darstellung.

Teil I: Homo sapiens erobert die Welt 

Dass politische Einheiten Fiktionen bzw. nur intersubjektive Wirklichkeit sind, scheint zwar ein alter Hut. Aber die Wirksamkeit von Fake News lässt sich durch  die Tatsache, dass belegte Tatbestände und Fake News beide intersubjektive Wahrheiten sind, besser erklären. Dasselbe gilt für das Aufkommen vielfältiger Geschlechtsidentitäten, für den raschen Wandel von bestimmten Sexualverhalten als strafwürdig oder als akzeptierte Varianz (und umgekehrt). 
Dennoch reibe ich mich an manchem. 


Teil II: Homo sapiens gibt der Welt einen Sinn
Kapitel 4: Die Geschichtenerzähler
Harari schreibt über die Kongokonferenz 1884/85, die Europäer bemerkten in Afrika, dass die "Grenzen der geographischen [...] Wirklichkeit nicht gerecht wurden." (S.263/64) und fährt fort: "Als die schriftlichen Fantasien europäischer Bürokratien auf die afrikanische Wirklichkeit trafen, hatte sich die Wirklichkeit zu fügen." (S.265)

Nicht die geographische Wirklichkeit veränderte sich, sondern die intersubjektive Wirklichkeit erwies sich mittelfristig für die gesellschaftliche Wirklichkeit wichtiger als die objektiven geographischen Gegebenheiten. Doch selbst so intersubjektive Phänomen wie die Sprachgemeinschaften veränderten sich sich in über 100 Jahren so wenig, dass in vielen Staaten noch immer keine gemeinsame Sprache existiert und die Amtssprache nur sehr beschränkt Verständigung ermöglicht. Von objektiven Wirklichkeiten ganz zu schweigen.

Hararis Argumentation mit der Wirksamkeit von Abiturzeugnissen (S.268) ist angesichts des Streits über die Validität von Zeugnissen anderer Bundesländer etwas problematisch. Dass ein Promotionsurkunde zum Karrierehindernis werden kann, passt noch weniger in sein Bild. 
Intersubjektive Wirklichkeiten lassen sich eben doch erschreckend schnell verändern, während die objektive Wirklichkeit auch der elegantesten Ableugnung nicht zu folgen pflegt. 

Kapitel 5: Das seltsame Paar
Gott fälschen
Die klare Trennung zwischen moralischem Urteil, Tatsachenfeststellung und praktischer Anweisung [S.299] ist hilfreich. Die deutlichen Aussagen, zu denen er aufgrund dieser Trennung kommt, m.E. ebenfalls. Für mich bemerkenswert seine Bewertung der Zerstörung des jüdischen Tempels 70 n.Chr.: "Das traditionelle Judentum - ein Judentum der Tempel, der Priester und der Köpfe spaltenden Krieger - verschwand. An seine Stelle trat ein neues Judentum der Bücher, der Rabbiner und der Haare spaltenden Gelehrten." (S.304) - Wenn er als deren Hauptleistung die Interpretation (S.305) herausstellt, so stellt er sich als Historiker in ihre Tradition. Doch macht er damit klar, dass er nur selten Tatsachenfeststellungen machen kann und dass seine Hauptarbeit eben Interpretation ist. 
[Freilich ist es recht mutig, zu behaupten, zur Zeit des babylonischen Talmud habe Interpretation und das Haare spalten keine große Rolle gespielt. Die Autoren des Talmud waren m.E. durchaus keine Exekutoren der mosaischen Gesetze, sondern sehr wohl mit umfassender Interpretation beschäftigt.]
"Der Religion geht es vor allem um Ordnung. Ihr Ziel ist es, eine Gesellschaftsstruktur zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Der Wissenschaft geht es in erster Linie um Macht. Sie will Macht erlangen, um Krankheiten zu heilen, Kriege zu führen und Nahrungsmittel zu produzieren. Als Individuen mag Wissenschaftlern und Priestern die Wahrheit ungeheuer wichtig sein; doch als Kollektivinstitutionen stellen Wissenschaft und Religion Ordnung und Macht über die Wahrheit. [...] 
Die moderne Gesellschaft glaubt an humanistische Dogmen und nutzt die Wissenschaft nicht, um diese Dogmen infrage zu stellen, sondern um sie zu implementieren." (S.310)

Kapitel 6: Der moderne Pakt
"Die Moderne ist eine Übereinkunft. [...] Die Menschen stimmen zu, auf Sinn zu verzichten, und erhalten im Gegenzug Macht." (S.311)
"Ja, wir Modernen haben versprochen, im Austausch für Macht auf Sinn zu verzichten, aber es gibt niemanden da draußen, der uns auf unser Versprechen festnageln kann. Wir glauben, wir sind schlau genug, um alle Vorteile des modernen Deals zu genießen, ohne den Preis dafür zu zahlen." (S.315)
In diesem Abschnitt geht die Darstellung in Populärphilosophie über. 
Auf S.332 kommt Harari auf den "ökologischen Kollaps" zu sprechen und schreibt "womöglich bedroht er die menschliche Zivilisation sogar in ihrer Existenz.
Diese Gefahr ließe sich verringern, wenn wir Fortschritt und Wachstum verlangsamen." (S.322) 
Zu recht bemerkt er: "wenn es zur Katastrophe kommt, leiden die Armen fast immer mehr als die Reichen, auch wenn es zuallererst die Reichen waren, die die Tragödie verursacht haben." (S.335) Dass die Politiker nichts Ernsthaftes unternehmen, begründet er hier nicht damit, dass Ingenieure "eine Hightech-Arche für die Oberschicht bauen" könnten. Und den Armen sei die Gegenwart halt wichtiger als die Zukunft. 

Kapitel 7 Die humanistische Revolution
Hier beginnt aus meiner Sicht Hararis Darstellung in Boulevardjournalismus zu verflachen. Treffend noch seine Beobachtung, moderne Menschen, die dem folgen, was er Humanismus nennt (also eine Anschauung, wonach nicht eine übermenschliche Autorität regiert, sondern die Menschen selbst sich als oberste Autorität verstehen).  rechtfertigen Entscheidungen "im Namen menschlicher Gefühle und nicht im Namen heiliger Schriften und göttlicher Gebote." (S.350)

Wenn er dann aber drei "Sekten" (S.382), später spricht er von "Splittergruppen" (S.405) des Humanismus unterscheidet, den liberalen, den sozialistischen und den evolutionären Humanismus, dann fällt es mir schwer, das noch ernst zu nehmen. Seine historischen Kenntnisse lässt er hier offenkundig beiseite, um Pappkameraden aufzubauen. 

"Religion und Technologie tanzen immer einen grazilen Tango. [...] sie hängen aneinander und können sich nicht zu weit von einander lösen. [...]Ohne religiöse Überzeugungen können die Lokomotiven nicht entscheiden, wohin die Reise geht." (S.414)
Vgl. dazu Böckenförde-Theorem: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“ (Böckenförde: Die Entstehung des Staates als Vorgang der Säkularisation. in: Recht, Staat, Freiheit. Studien zur Rechtsphilosophie, Staatstheorie und Verfassungsgeschichte, st Wissenschaft 914. 1991,S. 92–114)

"[...] traditionelle Religionen [stellen] keine wirkliche Alternative zum Liberalismus 

dar. In ihren Schriften findet man nichts über Gentechnologie [... sie ] sie begreifen 
die jüngsten Errungenschaften in der Biologie [...] nicht." (S.425)

Teil III Homo sapiens verliert die Kontrolle (S.429 ff)
Kapitel 8 Die Zeitbombe im Labor
"Im Jahr 2016 wird die Welt vom liberalen Pakt aus Individualismus, Menschenrechten, Demokratie und freiem Markt beherrscht. Doch die Wissenschaft untergräbt die Grundfesten der liberalen Ordnung." (S.431)
Wer ist Ich? (S.445 ff)
Ausführlich referiert Harari Ergebnisse der Gehirnforschung, die gezeigt haben, dass Handlungsimpulse entstehen, bevor sie bewusst werden (was bei Reflexhandlungen oder bei gut eingeübten komplizierten Handlungen - etwa beim Klavierspielen - auch ohne Gehirnforschung zu studieren war) und erläutert, dass bei einer Trennung der beiden Gehirnhälften diese zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, um nachzuweisen, dass es keine
"einzige klare und authentische / Stimme [gibt] die mein wahres Selbst ist und die Quelle allen Sinns und jeglicher Autorität im Universum darstellt". (S.445/46)
Außerdem führt er den Unterschied vom "erlebenden Selbst" und dem "erinnernden Selbst" (S.450-58) an. So als ob nicht schon Paulus davon gesprochen hätte, dass er tut, was er nicht will (Römerbrief 7,15) und Goethes Faust nicht über die zwei Seelen in seiner Brust geklagt hätte. (Er selbst verweist darauf, dass das erinnernde Selbst Pläne schmiede, die vom erlebenden Selbst durchkreuzt werden.)
Die Manipulierbarkeit der Gehirnströme gilt ihm als Beweis, dass nur naturwissenschaftlich messbare Vorgänge ernst zu nehmen sind und kulturelle Einflüsse reine Ideologie. (S.433)

Kapitel 9 Die große Entkoppelung
"Es ist bezeichnend, dass schon heute die Mehrheit der Bürger in vielen asymetrischen Konflikten darauf reduziert wird, als menschliche Schutzschilde gegen hoch entwickelte Waffen zu fungieren." (S.475)


Ein Blick auf Hararis weitere Überlegungen anhand des Wortlauts der Wikipedia: 

"Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass organische Algorithmen Dinge tun können, die nicht-organische Algorithmen niemals besser könnten. Schließlich können die neuen Technologien des 21. Jahrhunderts das Individuum seiner Macht berauben und stattdessen nicht-menschliche Algorithmen damit betrauen. Die Folge wäre eine Masse nutzloser Menschen und eine kleine Elite optimierter Übermenschen.

[...] Die menschliche Vorstellungskraft ist lediglich das Produkt biochemischer Algorithmen. Das homozentrische Weltbild des Humanismus wird durch eine datazentrische Weltsicht ersetzt. Bewusste Intelligenz wird durch überlegene nicht-bewusste Algorithmen ersetzt."
(Harari: Homo Deus (Wikipedia)

Interessante Passagen:
 Kurzfassung der Geschichte aus der Sicht der Datenverarbeitung (S.579f.)

"Wie der Kapitalismus begann auch der Dataismus als neutrale wissenschaftliche Theorie, doch nun mutiert er zu einer Religion, die für sich in Anspruch nimmt, über Richtig und Falsch zu bestimmen. (S.584)
"Eine wachsende Zahl künstlerischer und wissenschaftlicher Schöpfungen wird heute allerdings durch / die fortwährende Zusammenarbeit von allen produziert. Wer verfasst Wikipedia? Wir alle.
Das Individuum wird zu einem winzigen Chip in einem riesigen System, das niemand wirklich versteht." (S.590/91)
"So wie die Kapitalisten an die unsichtbare Hand des Marktes glauben, glauben Dataisten an die unsichtbare Hand des Datenflusses." (S.591)
"Die Menschen wollen im Datenfluss aufgehen, denn wenn sie Teil des Datenflusses sind, dann sind sie auch Teil von etwas Größerem als sie selbst. Traditionelle Religionen haben mir erklärt, jedes meiner Worte und jede meiner Taten sei Teil irgendeines großen kosmischen Plans und Gott beobachte mich jede Minute und kümmere sich um all meine Gedanken und Gefühle. Die Datenreligion sagt heute, dass jedes meiner Worte und jede meiner Handlungen Teil des großen Datenflusses ist, dass mich die Algorithmen ständig im Auge haben und dass sie sich um alles kümmern, was ich tue und empfinde. Die meisten Menschen sind darüber ausgesprochen glücklich." (S.591/92) 

Harari beansprucht für sich freilich nicht, dass er Prognosen vorlege, sondern er zeige nur Möglichkeiten auf. (S.606)
Es geht ihm nicht um die Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten, sondern um die Entwicklung des Lebens "im Großen und Ganzen". (S.608)


sieh auch:


Samstag, 16. Juli 2016

Problemlösung durch Streiten?

Wenn ich Brexit-Gegner und Brexit-Befürworter innerhalb ihrer Gruppen bestätigen, ohne sich auf die Sicht der anderen Seite einzulassen, lösen sie weder die Probleme der EU noch die Großbritanniens.*
Wie organisiert man Streiten so, dass es zu Problemlösung führt?

Zwei Beiträge dazu liefert Navid Kermani in Solidarität,Freiheit,Offenheit und  Europa nach dem Brexit. Auf Kosten unserer Kinder einen weiteren Georg Kugler in Herrschaft oder Streiten.

*Aktuell wird man dabei auch an die Konflikte innerhalb der Türkei und die mit der EU, an den weltweiten Terror durch Einzeltäter, Gruppen und Staaten, an den Klimawandel, ob primär von Menschen verursacht oder nicht, und an deren Folgeprobleme (Flucht und Ausgrenzung) denken.

Sonntag, 3. Juli 2016

Die neue Unsicherheit

Heinrich Wefing stellt fest, dass seinen Kinder eine viel unübersichtlichere und unsicherere Zukunft bevorsteht, als er bis vor kurzem geglaubt hat. (Wefing: Euch sollte es doch mal besser gehen, ZEIT 30.6.16)

Sonntag, 24. Januar 2016

Es wird darüber unterrichtet, wie die Welt war, nicht darüber, wie sie sein wird - und das zu Recht

"[...] das frühere SAP-Vorstandsmitglied Vishal Sikka, der heutige Vorstandsvorsitzende des indischen IT-Dienstleisters Infosys [...] „Die Bücher, die unsere Kinder in den Schulen bekommen, sehen doch immer noch genauso aus wie früher“, beklagte Sikka – und: „Es wird an den Schulen und Universitäten über die Welt unterrichtet, wie sie war, nicht wie sie werden wird.“" (Weltwirtschaftsforum in Davos: Das ist die größte Herausforderung der Digitalisierung faz.net 24.1.16)

Dabei weiß Sikka selbstverständlich auch, dass jede Prognose auf der Kenntnis der Vergangenheit beruht. Wer Schülern ein Bild von der Zukunft vorgaukelte, ohne sie über die Vergangenheit zu informieren, würde sie zur Kritiklosigkeit erziehen.
Was Sikka vermutlich gemeint (und vielleicht auch in Wirklichkeit gesagt) hat, ist,  dass die Schüler auf die Welt "wie sie werden wird" vorbereitet werden sollten. Das heißt, dass ihre Kreativität und Flexibilität, d.h. insgesamt ihre Innovationsfähigkeit gefördert werden sollte*, im Sinne des Wortes von Alan Kay "Die beste Art, die Zukunft vorauszusagen, ist, die Zukunft zu erfinden". 
Dass gerade Informatiker und Wirtschaftsbosse glauben, die Zukunft erfinden und planen zu können, ist verständlich.
Für alle anderen dürfte freilich weiterhin gelten: "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen." (zugeschrieben: Karl Valentin, Mark Twain, Winston Churchill u.a.)

*Dafür spricht auch, dass Sikka das Design Thinking-Konzept empfahl.

Sonntag, 14. Juni 2015

Google-Chef Schmidt: Der amerikanische Traum

Google-Chef Schmidt in BerlinDer amerikanische Traum, Wirtschaftswoche 14.6.15
[...] „Ich bin überzeugt, dass in 100 Jahren Leute Filme anschauen werden, in denen junge Schauspieler in schicke Autos aus Deutschland steigen“, ruft Schmidt, „und dann werden sie kichern und sagen, das ist unheimlich lustig, dass sie da den Schauspieler so ein Auto fahren lassen, das muss doch irgendwie besser gehen.“Will man solche Sätze hier hören? Einige Zuhörer lachen, aber es klingt eher erschrocken. Die Autoindustrie ist immer noch die deutsche Vorzeigeindustrie, jedoch ist sie auch mit am stärksten durch das Internet bedroht. [...] 

Sonntag, 13. Januar 2013

Erziehen Sie Ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern!

Das rät Jorgen Randers. Denn:
"Wenn Sie Ihrem Kind beibringen, die Einsamkeit der unberührten Wildnis zu lieben, so wird es etwas lieben das es immer seltener geben wird. Sie erhöhen da durch die Chance, dass Ihr Kind unglücklich wird, weil es das, was es sich wünscht, nicht mehr finden wird in einer Welt mit acht Milliarden Einwohnern und einem im Vergleich zu heute doppelt so hohen Bruttoinlandsprodukt. Die neue Generation lernt besser von Anfang an, im pulsierenden Leben der Megastädte zu Frieden, Ruhe und Zufriedenheit zu finden und bei endloser Musikuntermalung in den Ohren." (Randers: 2052, S.383-84)
Jorgen Randers ist Norweger und wie viele seiner Landsleute Liebhaber unberührter Natur. Seinen Ratschlag gibt er wohlüberlegt. (mehr dazu)