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Dienstag, 25. Juli 2017

Wortschatzwandel

 Mit der Webapplikation „Wortschatzwandel in der ZEIT“ können Sprachinteressierte erkunden, welche Wörter in einem bestimmten Jahr neu in der ZEIT waren und zuvor gar nicht oder nur selten verwendet wurden. Umgekehrt können die Nutzerinnen und Nutzer über die Anpassung einiger weniger Kennzahlen auch erforschen, wann bestimmte Wörter nicht mehr verwendet wurden. [...] Die Nutzerinnen und Nutzer werden so selbst zu Forschenden, die nach eigenen Kriterien nach auffälligen Wörtern suchen können.
So lässt sich beispielsweise nachvollziehen, dass im Jahr 1985 mehrere Wörter rund um die Aids-Epidemie, z.B. „Aids-Kranke“, „Aids-Patienten“ und „Aids-Virus“, aufkamen und auch mindestens in den folgenden 24 Jahren eine relevante Rolle im Wortschatz der Wochenzeitung spielten. Auch das Wort „Altersarmut“ wurde in diesem Jahr erstmals relevant und ist seitdem nicht mehr aus dem Wortschatz der ZEIT wegzudenken. 1990 erlangten wie zu erwarten Wörter wie „Stasi-Akten“, „Ossis“, „Wessis“ und „Maueröffnung“ erstmals Relevanz im Wortschatz. Aber auch andere Wörter, die thematisch nicht mit der deutschen Wiedervereinigung zusammenhängen, wie „Cyberspace“ oder „Anschubfinanzierung“ können erst ab 1990 verstärkt im Wortschatz der ZEIT nachgewiesen werden.
Erläuterung zum Umgang mit dem Instrument

Samstag, 27. Dezember 2014

Wie viele Wörter kannte Shakespeare? oder: die Poisson-Verteilung

Kurz gefasst schreibt Christian Hesse in Zeit online vom 26.12.14, in seinem Werk habe Shakespeare 31.534 verschiedene Wörter seines Wortschatzes verwendet. Wie viele Wörter kannte er?
Nach der Poissonverteilung, erläutert Hesse: 

"Sein Wortschatz dürfte also gut 66.500 Wörter umfasst haben. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Konrad Adenauer einen Wortschatz von 800 Wörtern gehabt haben soll."

In den bisher 20 Kommentaren zu Hesses Artikel wird mit zum Teil recht lesenswerten Begründungen diese Berechnung angezweifelt. 

Mich interessiert viel mehr: Wie kommt die Zahl 800 für Adenauer zustande? Aus einen Memoiren nicht, aus seinen Reden nicht, denn da waren mit Sicherheit andere beteiligt.
Aber wie viele Reden und Memoirenbände hätte Adenauer wohl schreiben müssen, um nur die Hälfte der Rosensorten, Küchenkräuter, Gartenwerkzeuge und Schimpfwörter zu erwähnen, die er beherrschte?
In Shakeapeares Vokabular kommen manche Wörter vor, die auf eine erstaunliche Fachsprachenkenntnis hindeuten, von der Schimpfwortkenntnis nicht zu reden. 
Aber hätte Adenauer jemals schriftlich seine Kenntnis Kölscher Schimpfwörter verraten?