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Donnerstag, 31. Dezember 2015

Kriegskosten

Vermutlich weiß jeder Leser dieses Blogs, dass sich Preise über größere Zeiträume hinweg nicht sinnvoll vergleichen lassen. Weder das Existenzminimum noch die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten noch irgendwelche Warenkörbe enthalten genügend Entsprechungen, dass valide Kostenvergleiche möglich wären.
Dies vorausgeschickt lesen sich die Zahlen aus Werner Steins Kulturfahrplan dennoch eindrucksvoll.
Man sollte doch annehmen, dass im Zeitalter der Massenvernichtungswaffen auch das Töten billiger geworden wäre, seit es nicht mehr von Hand geschah.

Für die Tötung eines Gegners wurden aufgewendet:
In den Kriegen Cäsars 0,75 Dollar,
Napoleons 3000 Dollar,
im 1. Weltkrieg 21 000 Dollar,
im 2. Weltkrieg 50 000 Dollar und
im Vietnamkrieg 100 000 - 300 000 Dollar
(Steins Kulturfahrplan des 20. Jhs, S.443)

Montag, 18. März 2013

Unsere Mütter, unsere Väter 2. und 3. Teil

Bemerkenswert ist für mich an den Aussagen der Schauspieler über ihre Rollen, wie wenig von dem, was sie darüber sagen, für mich in dem Film herüberkommt.
Freilich ist die innere Entwicklung der einzelnen Personen für mich auch weniger wichtig als die Gesamtaussage: Die Situation des Einzelnen bestimmt sehr viel von den Möglichkeiten, die er noch hat.
Im Krieg ist erst mit der Bereitschaft zu sterben die Möglichkeit gegeben, nicht für die falsche Sache zu sterben.

Die Frankfurter Rundschau schreibt:
"Natürlich wühlt der Film auf. [...] Niemand wird wohl kalt bleiben bei den Wechselbädern der Gefühle, die die Dramaturgie dem Zuschauerherz beschert, [...] Handwerklich ist an dem Film alles perfekt. [...]
Seiner Ästhetik zugrunde liegt eine Allmachtsfantasie, eine Anmaßung, die der Titel auf den Begriff bringt. [...] Noch die letzten Skrupel, die in Wissenschaft und Kultur hinsichtlich der Erklärbar- und Darstellbarkeit des Zivilisationsbruchs empfunden wurden, sind hier vom Tisch gewischt. Ein gigantisches Potpourri von Motiven, die wir aus allen möglichen Filmen zum Nationalsozialismus kennen, werden zusammengefügt zum Porträt einer Generation, das so leicht verständlich, so spannend konsumierbar ist wie ein Film über jede andere Generation davor oder danach, nur eben viel knalliger."

Dem kann ich nicht zustimmen. Weder ist der melodramatische Schluss für mich akzeptabel, geschweige denn "handwerklich [...] perfekt". Alles Dokumentarische wäre besser gewesen als die Schlussszene, in der für mich nichts stimmte.
Andererseits: Dass hier keine Wahrheit, sondern nur pädagogische Einfühlhilfe gegeben wird, darauf weist der Film immer wieder hin, nicht zuletzt durch das Foto, das  ständig ins Bild kommt und das symbolisch für die verlorene Vorkriegswelt steht.

Dass der Film aufwühlt, kann ich bestätigen. Und er führt auch vor Augen, dass die Bereitschaft zu sterben  keinesfalls sicherstellen kann, dass man nicht für die falsche Sache stirbt.

Doch gerade der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir uns bewähren sollen. (Das korrekte Heinemannzitat dazu findet sich in seiner Antrittsrede am 1.7.1969: "Nicht der Krieg ist der Ernstfall, in dem der Mann sich zu bewähren habe, wie meine Generation in der kaiserlichen Zeit auf den Schulbänken lernte, sondern der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir alle uns zu bewähren haben.")

Nachtrag vom 27.3.:
polnische Kritik an der Filmreihe

Unsere Mütter, unsere Väter 1. Teil

noch nachträglich anzusehen hier


Es machte keine Freude, zuzuschauen. Ich fand es insgesamt aber doch gelungen und werde versuchen,  morgen die zweite Folge anzusehen. 

Die Darstellungsabsicht finde ich sehr gut. Bei mir geht sie vielleicht etwas ins Leere, weil ich seit Jahrzehnten ständig mit dem Thema zu tun hatte und weil mir andererseits das Fernsehen ziemlich abgewöhnt habe.

Dass es auch für die meisten Täter schrecklich war, in einem Krieg zu leben und dass Opfer nicht notwendig alle gut waren, wird aber deutlich und insofern ein differenzierteres Reden möglich. 

Wir leben trotz allem, was gegenwärtig falsch läuft, zu einer sehr bevorzugten Zeit an einem sehr bevorzugten Ort.