Posts mit dem Label Märchen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Märchen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 18. Juli 2019

Märchen als Kinderliteratur

Grundlegend dazu:
Bruno Bettelheim: Kinder brauchen Märchen
Artikel der englischen Wikipedia zur engl. Originalausgabe 1976

Meine eigene Antwort auf gutefrage.net:

Wenn Kinder noch nicht traumatisiert sind, sind sie gegenüber Erzählungen von Schrecklichkeiten widerstandsfähiger als Erwachsene, weil sie sich in der Familie sicher fühlen und nicht in unserer Realität, sondern in einer magischen Welt leben.
Meine Tochter hat Kogons SS-Staat mit 9 Jahren gelesen und konnte danach gut schlafen. Stephen King dagegen, der absichtlich Horrrorvorstellungen möglichst plastisch ausmalt, hat sie - kurzfristig - um den Schlaf gebracht.
Märchen dagegen erzählen die Schrecklichkeiten als matter of fact.
Freilich, mein Sohn hat mit 3 Jahren ein Bild, wo ein Fuchs von lauter Gänsen verfolgt wurde, erschreckend gefunden, weil er Mitleid mit dem Fuchs hatte. Das das Bild eine Umkehr der Wirklichkeit darstellte, hat er noch nicht von selbst erkannt.
Märchen sind nützlich, weil sie einfach sind, nicht zu genau ausgemalt und magisch und nicht realistisch. Freilich kann man bei einzelnen Märchen darüber streiten, ob sie dieser Definition entsprechen. Rotkäppchen, Hänsel und Gretel und Brüderchen und Schwesterchen tun es meiner Meinung nach.

Sonntag, 11. September 2016

Japanische Märchen und Sagen

Momotaro liebe ich vor allem, weil er ein Kind aus dem Pfirsich ist. 
In der zeno.org-Fassung heißt es darüber: 
"Und als die Arbeit beendet war, ging sie heim und gab dem alten Manne die Pfirsiche; der freute sich nicht wenig über den schönen Fund, holte ein Messer und schnitt die Frucht vorsichtig in zwei gleiche Theile. Und was geschah nun? Zu dem größten Erstaunen der beiden Alten sprang ein wunderhübsches, munteres Knäblein daraus hervor."

In der Fassung bei tamarisk.beepworld.de dagegen:
Als es Abend wurde, kam der alte Mann, Brennholz auf dem Rücken, aus den Bergen zurück. "Mütterchen! Mütterchen! Ich bin wieder da!" – "Väterchen! Väterchen! Heute ist den Fluss herab ein köstlicher Pfirsich geschwommen gekommen. Ich habe ihn heraus geholt, aufbewahrt und so kannst du ihn essen!" sagte sie und nahm den Pfirsich aus dem Wandschrank. Als sie ihn aber auf ein Küchenbrettchen legte, und ihn zerschneiden wollte, teilte sich der Pfirsich von selbst und ein hübsches Knäblein kam mit einem Seufzer zur Welt. Der Mann und die Frau waren verblüfft. Sie riefen: "Ach, dies ist ungeheuerlich!" und gerieten in große Aufregung. Dann sagten sie: "Weil dieses Kind aus einem Pfirsich geboren wurde, wollen wir es Momotaro, Pfirsichkind, nennen. "

Mehr japanische Märchen, Sagen und Fabeln bei zeno.org

Daraus:
Die beiden Frösche
Es waren einmal zwei Frösche, von denen der eine ganz nahe bei der Küstenstadt Osaka in einem Graben, der andere dicht bei der schönen Hauptstadt Kioto in einem klaren Bache wohnte. Beide kamen auf den Gedanken, eine Reise zu machen, und zwar wollte der Frosch, der in Kioto wohnte, sich einmal Osaka ansehen, und der andere, der in Osaka wohnte, hatte Sehnsucht, die Kaiserstadt Kioto, wo der Mikado residirte, zu besuchen. Ohne daß sie sich kannten oder auch nur von einander gehört hatten, machten sie sich daher beide zu derselben Stunde auf den Weg und begannen ihre mühsame Wanderung. Die Reise ging nur langsam von Statten, denn ein Berg, dessen Höhe die Hälfte des Weges war, mußte überschritten werden, und diesen Berg zu erklimmen, war für die Frösche ein mühsames Stück Arbeit. Doch endlich war die Spitze erreicht, und siehe da, beide trafen sich, glotzten sich im ersten Augenblick einander an und fingen dann an, sich zu unterhalten. Als nun einer dem andern den Beweggrund seiner Reise [...] Fortsetzung