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Sonntag, 30. August 2020

Langobarden und Franken

"Die Langobarden ([...]auch Winniler) waren ein Teilstamm der Stammesgruppe der Sueben, eng mit den Semnonen verwandt, und damit ein elbgermanischer Stamm, der ursprünglich an der unteren Elbe siedelte." 
(Wikipedia)

"Die Langobarden wohnten schon früh westlich der Unterelbe. Ihre von der Sage behauptete Abstammung aus Skandinavien wird heute zwar von vielen Forschern abgelehnt, scheint aber doch erwiesen zu sein. Sie dürften ihren Ausgang von der schwedischen Insel Gotland genommen haben. Darüber, ob sie/ den West- oder Ostgermanen zuzurechnen sind, herrscht keine Einigkeit, denn die älteste langobardische Geschichte ist derart sagenüberwuchert, dass sich hier nur wenig Sicheres feststellen lässt. Es war wohl so, dass die ursprünglichen Ostgermanen durch ihre Niederlassung an der Nieder Elbe Westgermanen geworden sind. Ein Teil des Stammes blieb lang in den alten Wohnsitzen. Der Bardengau und Bardowiek in der nächsten Nähe von Lüneburg erinnern an sie. S.258/59[...] Im Jahr 567 schlug Alboin die Gepiden so vernichtend, dass sie aus der Geschichte verschwanden. Er hat seinen Gegner, König Kunimund im Handgemenge erschlagen und darauf dessen schöne Tochter Rosamunde geheiratet." (S.260) Aus dem Kopf des Erschlagenen ließ er [...] eine Trinkschale formen. Bei einem wilden Gelage ließ er diese seiner Gemahlin reichen und forderte sie auf, fröhlich 'mit ihrem / Vater' zu trinken. Die empörte Frau aber forderte, getrieben von der Blutrache für ihren Vater, den Waffenträger Helmichis, ihren Geliebten, auf, den König meuchlings zu ermorden (572). 
Nach der Tat entflohen beide nach Ravenna zu den Byzantinern. Als Rosamunde hier den Werbungen des Longinus, der als Nachfolger des Narses Exarch von Italien war, nachgab und Helmichis durch einen Gifttrunk aus dem Leben schaffen wollte, wurde sie gezwungen, den Rest des Giftbechers zu lehren.
Da die Tat von der Königin Rosamunde, einer gepidischen Prinzessin, ausgegangen ist, lässt sich hier vielleicht die Vermutung wagen, es könnte sich bei Alboins Ermordung um einen rächenden Rückschlag der gepidischen Gruppe gehandelt haben.(S.261/62)
"Es kann auch nicht geleugnet werden, dass die Langobarden weit härter und ungesitteter auftraten als die Goten. Nur der Langobarde hatte öffentliche Rechte, der Römer hatte keinen Zutritt zumHeher oder zu Beamtenstellen. (S. 263) (Emil Nack: Die Germanen, 1958)

"568 drangen die Langobarden, nachdem sich Alboin mit den Awaren unter Chagan Baian verständigt hatte, in das von den Oströmern gerade erst befriedete Italien ein. Dabei handelte es sich nicht nur um einen Feldzug, sondern um die Verlegung nahezu der gesamten langobardischen Bevölkerung. Grund war angeblich ein Hilferuf des Narses, des oströmischen Statthalters Italiens; in Wirklichkeit wollte Alboin wohl vor dem awarischen Druck ausweichen. Mit Alboin zogen Teile zahlreicher anderer Völkerschaften, darunter auch Romanen, Gepiden und Sachsen, während Teile der Langobarden sich an dem Zug nicht beteiligten.
In kürzester Zeit eroberten die Langobarden den nördlichen und mittleren Teil des von den vorangegangenen Gotenkriegen Justinians verwüsteten Italiens, außer RomRavenna und den Seestädten.[2] In Cividale del Friuli setzte Alboin seinen Neffen Gisulf I. als dux ein; 569 fiel Verona und die Langobarden stießen bis nach Trient vor; 569 fiel auch Mailand. Anfang 572 nahmen sie Pavia nach angeblich dreijähriger Belagerung ein. Die Stadt entwickelte sich im Laufe der Zeit zum wichtigsten Hauptort des Langobardenreiches.
Alboin hatte noch vor seiner Thronbesteigung Chlodoswinth, eine Tochter des Frankenkönigs Chlothar I., geheiratet, die aber wohl bereits (vor) 567 gestorben war. Seine nächste Ehe schloss er mit Rosamunde, der Tochter des von ihm erschlagenen Gepidenkönigs Kunimunds. 572 (oder vielleicht erst 573) fiel Alboin einer Verschwörung zum Opfer und wurde ermordet. In manchen Quellen wird diese Verschwörung legendenhaft ausgeschmückt und Alboins Frau Rosamunde als ihre Anstifterin genannt, weil Alboin sie angeblich gezwungen habe, aus dem Schädel ihres Vaters zu trinken.[3]
Wichtigste Quelle ist die (nicht immer zuverlässige) Historia Langobardorum des Paulus Diaconus." (Wikipedia: Alboin)

Die Franken (sinngemäß „die Mutigen, Kühnen“) waren einer der germanischen Großstämme. Sie formierten sich im 3. Jahrhundert im Umfeld des von den Römern besetzten Teiles Germaniens durch Bündnisse mehrerer Kleinstämme.

Die Franken (lateinisch Franci) wurden in zeitgenössischen Quellen erstmals im Jahre 291 in einem Panegyricus auf die Kaiser Diokletian und Maximian erwähnt. Um 360/61 berichtete der spätantike römische Historiker Aurelius Victor in seinen Kaiserviten, dass die Völker der Franken (Francorum gentes) bereits Ende der 250er Jahre Gallien verwüstet hätten.[1] Salische Franken (auch Salier genannt) und Rheinfranken expandierten zunächst räumlich getrennt – die Salier über Toxandrien nach Gallien, die Rheinfranken über den Mittelrhein und das Moselgebiet nach Süden und in die ehemals linksrheinische römische Provinz Gallia Belgica. Fränkische Krieger dienten dem Kaiser im 4. und 5. Jahrhundert als foederati, bevor sie im Übergang von der Spätantike ins Frühmittelalter das bedeutendste germanisch-romanische Nachfolgereich im Westen gründeten, wo der letzte weströmische Kaiser 476 abgesetzt worden war.[2] Der Merowinger Chlodwig I. vereinigte in den Jahren um 500 erstmals die Teilverbände der Salfranken und Rheinfranken und schuf das Fränkische Reich, das unter dem Karolinger Karl dem Großen seine größte Ausdehnung erfuhr.

Franken und die einheimische Bevölkerung vermischten sich im Laufe der Zeit sprachlich und kulturell. Im Westen dominierte die galloromanische Volkssprache, im Osten die fränkische Sprache, dazwischen bildete sich bis zum 9. Jahrhundert eine Sprachgrenze aus. Der Großteil der Salfranken verschmolz später im Volk der Franzosen und Wallonen. Die Salfranken an der IJssel und am Niederrhein sowie die Mosel- und Rheinfranken behielten ihre fränkischen Mundarten bis in die Neuzeit bei und gingen in den Völkern der Deutschen, NiederländerLothringer, Luxemburger und Flamen auf." (Wikipedia)


Franken
"Die Symbiose der beiden Völker hat schon in zwei Generationen zur Bildung einer germanischen-römischen Aristokratie geführt, in der fränkische Edelinge neben den Nachkommen der alten senatorischen Familien standen und hohe Beamte neben Bischöfe traten. Die Angehörigen dieses Adels sind im Besitz großer Landgüter, die mit Sklaven und halbfreien Bauern betrieben werden und in jeder Hinsicht Nachbildungen jener geschlossenen Hauswirtschaft sind, die sich auf dem Boden des römischen Reiches entwickelt hat. Das bewährte römische System der Nutzung von Großgrundbesitz hat sich behauptet und die Wirtschaft des Frankenreiches weitgehend bestimmt." (Joseph Vogt: Die Spätantike 1965, S. 484/85)


Montag, 5. November 2018

Hans Kuhn. Das alte Island

Es gibt auf unserem Erdball kein anderes Land von ähnlicher Größe und Lage sowie auch Eignung für menschliches Leben, das bis in die geschichtliche Frühzeit menschenleer geblieben ist. So hat die Einzigartigkeit Islands schon begonnen, bevor es in die Geschichte eintrat.
Es sind jedoch vor den Skandinaviern trotzdem schon Menschen auf die Insel gekommen, wahrscheinlich sogar schon einzelne Römer. In Südostisland sind drei römische Münzen aus den letzten Jahrzehnten dritten nachchristlichen Jahrhunderts gefunden worden. Sie sind aus so schlechtem Metall, daß sie im freien Germanien nur ganz selten Einlaß gefunden haben, und sind daher höchstwahrscheinlich von Römern selbst ins Land gebracht, und zwar wohl mit einem Schiffe, das von den Britischen Inseln an die isländische Küste verschlagen wurde und dessen Besatzung sich an Land retten konnte [...] zu einer Ansiedlung, die sich halten konnte, ist es jedenfalls nicht gekommen.
Um 800 müssen dann irische Anachoreten nach Island gekommen sein.[...] Wahrscheinlich hielten sich diese Einsiedler nur in den Sommermonaten in Island auf. Die Zeit um 800 oder kurz davor, in der sie angefangen zu haben scheinen, die ferne Insel aufzusuchen, deutet darauf, das es ein Ausweichen vor den Wikingern gewesen ist, die gerade damals begannen, nach Schottland und Irland über zugreifen.
Es mag auffallend erscheinen, daß die Eskimos den viel kürzeren Weg von Grönland nach Island offenbar nie gefunden haben. Denn hätten sie es getan, dann würden Sie sich sicherlich auf ihm festgesetzt und es nicht wieder verlassen haben. Die Erklärung liegt in der oben berührten völligen Unwirtlichkeit der Island zugewandten Ostküste Grönlands.(S.18/19)


Männer und Frauen waren nicht gleichberechtigt; aber die Frauen hatten mehr Rechte, als man vielleicht vermuten könnte.
So konnten sie die Scheidung aussprechen (Kuhn: Island, S.91: Scheidung); andererseits wurde Ehebruch von Frauen schwer bestraft, während Männer nur mit verheirateten Frauen die Ehe brechen konnten. Nebenfrauen und Beischläferinnen waren nicht ungewöhnlich (ebda, S.91); es gibt aber zumindest ein Beispiel, wo eine Ehefrau darauf bestanden hat, dass die Nebenfrau den Hof des Ehepaars verließ (ebda, S.92).

Die öffentliche Rolle der Frauen ging nach der Einführung des Christentums zurück. Bis 1030, dem Ende der Sagazeit, waren "6 Frauen namentlich bekannt [...], welche gedichtet haben" (Kuhn: Island, S.93). Offenbar eine Auswirkung des Satzes "Das Weib schweige in der Gemeinde". Das Nebenfrauenwesen konnte die Kirche lange nicht beseitigen, vielmehr wurden in der Sturlungenzeit auch Liebschaften von Frauen geduldet. (S.93)
(Hans Kuhn. Das alte Island, 1971)

Zum Vergleich:
Wikipedia: Geschichte Islands, Die erste Besiedlung