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Sonntag, 10. November 2024

Wie Milliardäre dem Klimawandel entgehen wollen

Liegt dort mein Klimaparadies? ZEIT 7.11.24
Wohin sie auswandern soll, um Bränden, Fluten, Stürmen zu entgehen, wollte unsere Autorin Laura Cwiertnia wissen. Ein Schweizer Fachmann, der für reiche Menschen neue Wohnorte sucht, hat sie beraten. [...]
Es gibt immer mal wieder Berichte, die so spektakulär wie ungeheuerlich klingen. Douglas Rushkoff, Professor für Digitalwirtschaft am Queens College in New York, erzählt in einem Buch von einer Einladung zu einem Vortrag, das Honorar so hoch wie ein Drittel seines Jahresgehalts. Mit einer Limousine wurde er zu einem verglasten Anwesen in einem entlegenen Wüsten-Resort kutschiert, mehrere Milliardäre erwarteten ihn. Die Männer hätten ihm viele Fragen gestellt, vor allem eine: Alaska oder NeuseelandWelche Region werde am wenigsten von der Klimakrise betroffen sein? Sie wollten dort einen Ort erschaffen, an dem sie den Klimakollaps überleben könnten. [...]
Anhand von Klimamodellen errechnet eine künstliche Intelligenz, wo es sich für sie in Zukunft noch lohnen kann, Häuser zu bauen oder Unwetterschäden zu versichern. Wie Kälin wird auch Khanna oft gefragt, für welches Land man sich jetzt einen Pass zulegen sollte. Und natürlich gebe es Länder, die klimatisch im Vorteil seien. "Interessanterweise diejenigen, die eh schon attraktiv für wohlhabende Einwanderer sind: Österreich, Kanada, Japan." 
 Parag Khanna stammt aus Indien, das längst von der Klimakrise heimgesucht wird. Für ihn sei seine Arbeit eine persönliche Sache geworden, sagte er mir. Pauschale Prognosen über Wohnorte seien allerdings schwer, und er selbst habe sich auch schon geirrt. In einem Buch habe er Kanada als tolles Zielland beschrieben. Seither seien die Wohnkosten dort extrem gestiegen, und manche Kanadier wanderten schon nach Osteuropa aus. Die Dinge änderten sich eben. In Neuseeland zum Beispiel. "Es bedarf nur eines Mannes wie Peter Thiel, um das Ganze zu verseuchen", sagte Khanna. Thiels Einwanderungspläne, neben denen einiger chinesischer Milliardäre, hätten die Regierung dort angespornt, die Gesetze zu ändern. Heute können in Neuseeland nur noch Menschen weniger Staaten Eigentum erwerben: Japaner, Taiwanesen, Australier. [...]"

Natürlich denken Milliardäre nicht an Flucht. Sie nennen es Reallokation. Sie besorgen sich drei, vier Nationalitäten in verschiedenen Weltgegenden, damit sie sich je nach Weltsituation den ungefährlichsten Ort aussuchen können. 
Als EU-Bürger braucht man gar nicht so weit zu denken. Ein EU-Pass gibt Wahlmöglichkeiten in verschiedenen mittel- und nordeuropäischen Ländern, die klimatisch begünstigt sein werden. Freilich nur solange der Golfstrom noch in Richtung Nordeuropa fließt. Wenn er das nicht mehr tut, wird es dort bitterkalt werden ...
Irgendwann wird er nicht mehr kommen ...
Genau lässt dich das freilich noch nicht berechnen. Kippelemente ...


Donnerstag, 17. Oktober 2019

Kurzinfo: klimagefährdende Rückkopplung oder Kippelemente

Zwei besonders klimagefährdende Rückkopplungen sind schon länger bekannt: das Abschmelzen des Eisschildes an Nord- und Südpol und die Auflösung des Dauerfrosts in polarnahen Gebieten.
Der polare Eisschild führt dazu, dass einströmendes Sonnenlicht, das auf die weiße Fläche betrifft, weitgehend zurück gestrahlt wird. Wenn sich die Eisfläche verkleinert, wird weniger Wärme abgestrahlt und die Atmosphäre erwärmt sich weiter. Inzwischen brechen immer größere Flächen des Grönlandeises und des Eisschildes der Antarktis ab und schmelzen dann im Meerwasser weiter ab. So gibt es schon Eisberge die größer sind als Belgien.


In diesem Sommer wüteten in Sibirien mehr und größere Feuer, als je zuvor beobachtet wurden. Das hängt mit der allgemeinen Temperaturerhöhung zusammen und führt dazu, dass der Boden bis in größere Tiefen auftaut, als es sonst im Sommer geschieht. Dadurch wird Methan, das bisher im gefrorenen Boden gespeichert war, freigesetzt. Methan ist ein Treibhausgas mit der 25-fachen Wirkung von CO2. Wenn so viel frei gesetzt würde, dass es den Treibhauseffekt merklich verstärkt, käme es wie beim Abschmelzen des Eisschildes ebenfalls zu einer positiven Rückkopplung. Wenn dieser Prozess eingesetzt hat, verstärkte er sich, selbst wenn die Menschheit inzwischen völlig klimaneutral lebte. Deshalb spricht man von einem Kippelement: Das Klima würde umkippen und die Erderwärmung würde extrem.


Professor Schellnhuber über Kippelemente (Youtube)

Donnerstag, 18. Juli 2019

Seit 10 Jahren stellt die CSU den Verkehrsminister: Was sind die Folgen?

Fritz Zimmermann: Für jeden eine Straße ZEIT 17.7.19
"Seit zehn Jahren stellt die CSU den Verkehrsminister und verteilt Milliarden. Wer profitiert davon? [...]
Bis 2030 sollten die CO₂-Emissionen des Verkehrs in Deutschland eigentlich um mindestens 40 Prozent niedriger sein als 1990. Das steht im Klimaschutzplan, den die Bundesregierung beschlossen hat. Im Jahr 1990 lag der CO₂-Ausstoß des Verkehrs bei 163 Millionen Tonnen. Bis zum Jahr 2009 sank er auf rund 152 Millionen Tonnen. Dann übernahm die CSU das Verkehrsministerium und mit ihr Enak Ferlemann. Die Emissionen stiegen wieder an. 2017 lagen sie bei gut 166 Millionen Tonnen CO₂, höher als 1990. [...]
Auch im vergangenen Jahr investierte das Verkehrsministerium wie schon zuvor den größten Anteil seines Budgets in den Bau und Erhalt von Autobahnen und Bundesstraßen: rund 7,7 Milliarden Euro. In das deutsche Schienennetz flossen rund 5,8 Milliarden Euro, fast zwei Milliarden Euro weniger. Dabei sind Schienen in ihrer Nutzung deutlich umweltfreundlicher. [...]"

Katastrophal ist angesichts des Klimawandels und der drohenden Kippelemente vor allem das Versagen bei der Einschränkung des CO2-Verbrauchs. 
Dass eine katastrophale Klientelpolitik betrieben worden ist und hunderte Millionen für die EU-Recht widersprechende Pkw-Maut verschleudert wurden und dass Scheuer eine Vorstellung von Menschenverstand hat, die angemessen zu charakterisieren kaum möglich ist, ohne beleidigend zu werden, fällt demgegenüber kaum ins Gewicht.
Was könnte noch schlimmer werden, wenn die AfD den Verkehrsminister stellte?


Montag, 24. Juni 2019

Kipppunkte (Kippelemente) im Zusammenhang mit dem Klimawandel

Wissenschaftler wissen über die Unsicherheiten bei der Voraussage des Verhaltens komplexer Systeme.
Im Zusammenhang mit dem Klimawandel warnen sie zwar seit Jahrzehnten, aber bisher sehen sie noch immer die Möglichkeit, dass sich er sich beschränken lässt.
Die Diskussionen, die ich im Internet verfolge, lassen mich darauf schließen, dass sich aber viele über das Ausmaß der Katastrophe, die eintreten wird, wenn bestimmte Kippelemente fallen (oder Kipppunkte überschritten werden), auch ein halbes Jahr, nachdem die Schülerstreiks begonnen haben, noch nicht im klaren sind.

Daher hier ein paar Kurzhinweise:

"Sogenannte Kippelemente im Klimasystem können unwiderruflich in einen instabilen Zustand fallen und so Lebensbedingungen der Menschheit bedrohen.
Das globale Klimasystem gleicht demnach einer Kette von Dominosteinen - wehe, der erste fällt.
Der schwindende Amazonas-Regenwald, der auftauenden Permafrostboden im hohen Norden oder die schmelzenden Eispanzer Grönlands sind einige dieser Domino-Elemente, die eine Kettenreaktion mit globalen Folgen auslösen können. [...]
Kommt es zu Kippeffekten, ist Erwärmung nicht die einzige Folge: Die schmelzenden Eispanzer könnten den Meeresspiegel über die kommenden Jahrhunderte um 60 Meter steigen lassen. Mit den Wäldern geht Biodiversität verloren und damit die Chance, in der Vielfalt der Natur Antworten auf die Krise zu finden. Auftauender Permafrost gefährdet Siedlungen in Sibirien und Straßen in den Alpen. [...]
 "Die Gelegenheit, die wir in den kommenden drei Jahren haben", sagt Figueres, "ist einzigartig in der Geschichte.""

(Kippendes Weltklima: Wie Domino-Effekte die Erde in eine Heißzeit treiben könnten, Süddeutsche Zeitung 7.8.2018)

Seit dem 7.8.2018 sind nahezu 11 Monate vergangen. Entsprechend geringer sind die Chancen, dass diese Gelegenheit genutzt wird.

dazu:
"In der Arktis, rund um den Polarkreis, wüten seit einigen Wochen die wohl größten Brände des Planeten. Vermutlich mehr als 100 Feuer zeigen Satellitenaufnahmen in entlegenen Regionen der sibirischen Tundra – einige von ihnen sind möglicherweise mehr als 1000 Quadratkilometer groß. In der Arktis brennt es immer wieder mal, aber Größe und Zeitpunkt dieser Megafeuer sind sehr ungewöhnlich. Und obwohl die betroffenen Gebiete so abgelegen sind wie kaum eine andere Region des Planeten, betreffen die Auswirkungen der Brände die ganze Welt." (Mega-Feuer am Polarkreis, Spetrum.de 9.7.19)

"[...] Hartmut Graßl: Aus meiner Sicht spielt das Thema Geoengineering oder Climate Engineering eine zu große Rolle in der öffentlichen Debatte. Denn die Klimaforschung zeigt doch, dass das Verständnis des Erdsystems wegen dessen hoher Komplexität relativ langsam vorankommt. Jetzt, wo wir den zusätzlichen, von uns stammenden Treibhauseffekt einigermaßen einschätzen können, würden wir durch Geoengineering zusätzliche Komplexität einbringen.
Ich gebe ein Beispiel. Die Erhöhung der Kohlenstoffaufnahme in den Ozean – er nimmt gegenwärtig nur etwa ein Viertel unserer CO2-Emissionen auf – durch die Einbringung von durch Phytoplankton verwertbaren Eisenverbindungen im Südlichen Ozean lässt auch die dort nicht als Dünger genutzten Stickstoffverbindungen schrumpfen. Damit wird die Verteilung des Phytoplanktons und folglich der Fischpopulationen geändert. [...]"

SUV-Rekord in Deutschland - Erstmals wird die Zahl der neu zugelassenen in diesem Jahr die Grenze von einer Million Fahrzeugen überschreiten, laut einer Analyse der Universität Duisburg-Essen.  (Tagesschau 2019) 

1988 wurden in den USA insgesamt 960.852 SUV und 1997 bereits 2.435.301 SUV verkauft.[1] In Deutschland wurden 2016 3.351.607 Pkw erstmals zugelassen; 715.268 davon (21,3 %) waren Geländewagen und SUV.[2] (Wikipedia: SUV)