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Mittwoch, 21. August 2024

Eine KI antwortet zum Urteil für die 99-jährige Sekretärin

Eine 99-jährige Frau wurde zu einer Jugendstrafe verurteilt, weil sie mit 18 Jahren Beihilfe geleistet hat zu tausendfachem Mord. 

Eine 99-jährige Frau wurde zu einer Jugendstrafe verurteilt, weil sie mit 18 Jahren Beihilfe geleistet hat zu tausendfachem Mord. Wie passt das zu der Aussage: "Mein ist die Rache, redet Gott."

Die Veränderung des Prompts führt dazu, dass die KI das Bibelzitat nicht nur erkennt (Römer 12,19), sondern auch berücksichtigt. Aber auch diese Veränderung führt nicht dazu, dass die KI auf das grundsätzliche Problem eingeht: Kann unter nach mehreren Jahrzehnten und stark verändertem Rechtsbewusstsein noch ein Urteil gefällt werden, das dem Einzelfall gerecht wird?

Die Verurteilung einer 99-jährigen Frau wegen Beihilfe zu tausendfachen Morden, die sie im Alter von 18 Jahren begangen haben soll, wirft zahlreiche ethische, rechtliche und gesellschaftliche Fragen auf. Die Aussage "Mein ist die Rache, redet Gott" scheint auf den ersten Blick eine Verbindung zu diesem Fall herzustellen, doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass sie nur bedingt anwendbar ist.

Warum passt der Spruch nicht ganz?

  • Menschliche Justiz: Die Verurteilung der Frau erfolgte durch ein menschliches Gericht, das auf Grundlage geltender Gesetze entschieden hat. Der Spruch "Mein ist die Rache, redet Gott" bezieht sich jedoch auf göttliche Gerechtigkeit und die Vorstellung, dass Gott allein über Schuld und Strafe entscheidet.
  • Zeitlicher Abstand: Zwischen der Tat und der Verurteilung liegen Jahrzehnte. Die Frage, ob eine so lange Zeitspanne zwischen Tat und Strafe noch gerechtfertigt ist, ist komplex und wirft Fragen nach Verjährung und der Möglichkeit zur Resozialisierung auf.
  • Menschliche Verantwortung: Auch wenn die Frau damals noch jung war, trägt sie eine Mitverantwortung für die begangenen Verbrechen. Die Verurteilung soll nicht nur eine Strafe sein, sondern auch ein Zeichen setzen und andere abschrecken.

Warum wird der Spruch dennoch manchmal in solchen Zusammenhängen genannt?

  • Gerechtigkeitsempfinden: Menschen haben oft ein starkes Bedürfnis nach Gerechtigkeit, insbesondere bei schweren Verbrechen. Der Spruch "Mein ist die Rache, redet Gott" kann als Ausdruck dieses Gerechtigkeitsempfindens verstanden werden.
  • Schwierigkeit der Vergebung: Bei Verbrechen wie den hier beschriebenen fällt es vielen Menschen schwer, Vergebung zu üben. Der Spruch kann als Rechtfertigung für die Forderung nach Strafe dienen.
  • Symbolische Bedeutung: Der Spruch kann auch als symbolische Darstellung der Idee verstanden werden, dass jede Tat Konsequenzen hat und dass niemand den Gesetzen der Gerechtigkeit entkommen kann.

Fazit:

Die Aussage "Mein ist die Rache, redet Gott" ist ein komplexer biblischer Satz, der in verschiedenen Kontexten unterschiedlich interpretiert werden kann. Im Zusammenhang mit der Verurteilung der 99-jährigen Frau ist er jedoch nur bedingt anwendbar. Die Verurteilung ist vielmehr ein Ergebnis menschlicher Justiz und stellt einen Versuch dar, auch nach Jahrzehnten noch Gerechtigkeit herzustellen.

Weitere Aspekte, die bei der Betrachtung dieses Falls eine Rolle spielen:

  • Die Rolle der Gemeinschaft: Wie geht eine Gesellschaft mit solchen Verbrechen um? Wie können die Opfer und ihre Angehörigen unterstützt werden?
  • Die Frage der Schuld: Inwieweit ist die Frau für die Taten verantwortlich, die sie als junge Erwachsene begangen hat? Welche Rolle spielten soziale, politische oder persönliche Umstände?
  • Die Auswirkungen der Strafe: Welche Folgen hat die Verurteilung für die Betroffene? Wie wirkt sich eine so späte Strafe auf ihr Leben aus?

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass es keine einfachen Antworten auf diese Fragen gibt. Jeder Fall ist einzigartig und muss im Kontext seiner Zeit und der individuellen Umstände bewertet werden.

Für "Besinnungsaufsätze" / Erörterungen ist diese KI offenbar noch wenig geeignet. Aber mit verbesserten Prompts kann man vielleicht geeignetere Antworten hervorlocken.

Freitag, 7. Juli 2023

Geringverdiener und andererseits gesellschaftliche Unterstützung für Großverdiener?

"[...] Ich bin Alleinverdiener, weil meine Frau vor ein paar Monaten schwer erkrankt ist und Pflegestufe hat. Trotzdem bezahlen wir unser Haus ab, zahlen Steuern und versuchen unseren Kindern ein halbwegs normales Leben zu ermöglichen. Ich verdiene meinem Tarif entsprechend und auch ein bisschen mehr, dennoch sind wir immer in den roten Zahlen. Ganz ohne Urlaubsreisen, neue Autos oder Markensachen. Wir kommen irgendwie durch, aber eine Rücklage fürs Alter oder ähnliches ist seit Jahren nicht mehr drin.

Bin ich nun neidisch auf besser Verdienende? Nein, bin ich nicht. Viele dieser Menschen haben sich ihren Wohlstand erarbeitet. In unserem Leben ist vieles passiert, was im Vorfeld nicht absehbar war und was es uns als Familie nun schwerer macht, wo ich nun zu dem Punkt komme, womit ich nicht einverstanden bin: die Verhältnismäßigkeiten stimmen nicht. Leute, die wohlhabend oder reich sind sollten nicht steuerlich zusätzlich entlastet werden, während Otto Normal den vollen Betrag zahlen muss. Es sollte Obergrenzen geben, die so funktionieren, dass staatliche Zuwendungen ab einer bestimmten Größenordnung entfallen, auch Kindergeld und ähnliches. Diese Beträge sollte man dann nehmen und damit Geringverdiener, Schulbildung und öffentliche Einrichtungen zu subventionieren. Wer viel Geld hat, der sollte auch mehr zahlen. Und ich rede nicht davon, dass Wohlhabende oder Reiche enteignet werden sollen, denn es würde genug für sie bleiben. [...]" (Lord Sixtus am 6.7.23 auf Twitter, zitiert, da - ungefragt - unter meinen Notifications. Dort auch kritische Reaktionen auf ihn und Beifall für ihn aufgrund ähnlicher Erfahrungen)

Lord Sixtus ist noch dabei, sein Haus abzubezahlen, offenbar ist er kein Geringverdiener.
Womit bezahlen Geringverdiener eine Wärmepumpe? Warum muss Elterngeld an Besserverdienende mit über 150 000 € ausgezahlt werden, damit deren Ehefrauen eine größere Chance auf ein wenig mehr Arbeitsteilung in der Familienarbeit erhalten? Hilft das zu mehr Arbeitsteilung?

Blog von Lord Sixtus: Wortlord (Reflexionen) - Was in den USA zum wirtschaftlichen Zusammenbruch führen würde, wird in Deutschland abgefedert.
Wie viel Lebensrisiken der einzelnen soll die Gesellschaft mittragen?

Montag, 8. Mai 2023

Die Revolutionen von 1848 in gesamteuropäischer Perspektive (Jürgen Osterhammel)

"[...] Es war die größte und umfassendste Revolutionsbewegung in der europäischen Geschichte. Überall gab es Angriffe auf die herrschenden politischen Ordnungen, Forderungen nach bürgerlichen Rechten, Verfassungen, Parlamenten. Nicht von dieser Bewegung erfasst worden zu sein, war ein Ausnahmefall. Das Zarenreich unter Nikolaus I., dem „Gendarmen Europas“, wehrte alle Revolutionsimpulse ab, machte die Grenzen dicht. Es war gewarnt, weil es in seinen Grenzen den großen Unruhefaktor Polen hatte, wo 1830/31 ein großer Aufstand nur mühsam unterdrückt werden konnte. Erst nach der militärischen Niederlage im Krimkrieg (1853-56) erkannte die zarische Herrschaft in den sechziger Jahren die Notwendigkeit von Reformen, vor allem der Befreiung der bäuerlichen Leibeigenen. Allerdings blieb die absolute Monarchie bestehen, ein Sonderweg in Europa. [...]

Großbritannien war als frühe konstitutionelle Monarchie das Vorbild der gemäßigten Liberalen auf dem europäischen Kontinent. Auf der britischen Insel hatte es bereits eine breite Bewegung des sozialen Protests gegeben, den Chartismus, der Anfang der 1840er Jahre einige seiner Ziele erreicht hatte, andere nicht, und 1848 bereits im Niedergang war. Die britische politische und gesellschaftliche Elite war erfahren im Ablenken von Spannungen und hat das auch 1848 erfolgreich praktiziert. Sie hat Spannungen in die Kolonien abgelenkt. Es galt, die Mittelschicht ruhig zu halten, indem man sie finanziell möglichst wenig belastete. Der britische Staat steigerte die finanziellen Bürden der Kolonien, etwa in Ceylon (Sri Lanka), und nahm dort durch Steuererhöhungen ausgelöste Proteste in Kauf. [...]

[Zur welthistorischen Auswirkung:]

Die Taiping-Revolution in China (da sie vollkommen scheiterte, oft nur als „Aufstand“ bezeichnet), die 1850 begann, erst 1864 endete und viele Millionen Tote forderte, oder 1857/58 den Großen Aufstand in Indien gegen die britische Kolonialherrschaft, beides Bewegungen, die von der Revolution von 1848 in Europa nicht beeinflusst waren. Die Taiping-Revolution war die blutigste Umwälzung des 19. Jahrhunderts. Sie erhielt einen gewissen Anstoß durch Kontakte ihres wichtigsten Führers mit christlichen Missionaren, aber das hatte nichts mit 1848 zu tun, niemand in China hörte von der „Paulskirche“. China war jedoch keineswegs ganz isoliert: Nachrichten von Goldfunden in Kalifornien 1849 locken sofort chinesische Glücksritter an. Auch Japan blieb von 1848 unberührt, wie überhaupt alle nicht-kolonisierten Gebiete der außereuropäischen Welt. Die Wirkungszusammenhänge waren primär atlantische. Schon die Französische Revolution war in ein transatlantisches Geschehen eingebettet. Man spricht heute von den Atlantischen Revolutionen, die in den britischen Kolonien in Nordamerika begannen, in Haiti einen gewaltsamen Höhepunkt erreichten und mit den Unabhängigkeitsrevolutionen in Lateinamerika endeten. Zwischen 1775 und 1825 erfasste ein gigantischer Revolutionszyklus den atlantischen Raum. Das wiederholte sich 1848 nicht, aber selbstverständlich existierten transatlantische Kontakte. Das Verhältnis zwischen den USA und Europa war zwar keine „Freundschaft“, aber die stärkste interkontinentale Beziehung, die Europa schon damals hatte. [...]

„Demokratie“ bedeutete in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Selbstregierung mit allmählich immer locker werdenden Bindungen an das imperiale Zentrum in London. Australien zum Beispiel war ab 1907 faktisch ein sich parlamentarisch selbst regierender Nationalstaat. In den allermeisten Kolonien – und es gab davon 1898 viel mehr als fünfzig Jahre zuvor – konnte von Demokratie keine Rede sein. Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts führte dann eine neue „eurasische“ Revolutionswelle dazu, dass in Russland, China, dem Iran und dem Osmanischen Reich absolute Monarchien konstitutionelle Zugeständnisse machten oder – wie in China 1911 – ganz zusammenbrachen.

Wie steht 1848 zur Idee der „Global Assembly“?

Wenn man heute im Sinne der Initiative global ausblickt, ist „1848“ eine produktiv nutzbare Chiffre für zukunftsorientierte Beratschlagung. Man kann sich die etwa 800 Leute, es waren nur Männer, recht gut vorstellen, die sich (niemals alle gleichzeitig) 1848 zusammensetzten und über grundlegende Verfassungsfragen berieten. Das ist einprägsam, es hat einen großen Symbolwert. Obwohl die Revolution von 1848/49 selbst kein globales Ereignis war, sondern ein europäisches und sogar gesamteuropäisches, ist die Paulskirche ein guter Ausgangspunkt, um alte und neue Themen global weiterzudenken. Die persönlichen Freiheitsrechte, die damals diskutiert wurden, haben eine Tradition, die sogar älter ist als die Französische Revolution, die wiederum die Menschen- und Bürgerrechte auf die historische Tagesordnung setzte. In vielen Ländern der Welt sind diese universalen Rechte, die man nicht als „eurozentrisch“ kleinreden darf, in keiner Weise realisiert und garantiert. Sie sind, um Ernst Bloch, den Philosophen der Hoffnung, zu zitieren, ein „unabgegoltenes Erbe“ der Revolution von 1848." (1848 war eine Lektion“ Interview mit Jürgen Osterhammel Frankfurter Rundschau 7.5.2023)


Dazu:

„Global Assembly für Menschenrechte, Demokratie und globale Gerechtigkeit“

"Das Treffen mit 45 Aktivistinnen und Aktivisten aus 40 Ländern findet aus Anlass des 175. Jahrestages der Nationalversammlung in der Paulskirche statt. Nach dem Auftakt wollen die Teilnehmer:innen drei Tage lang in Klausur darüber beraten, wie trotz zunehmender autoritärer Tendenzen in der Welt die Grund- und Menschenrechte verteidigt und womöglich ausgebaut werden können.

Die Versammlung ist aus der Überzeugung entstanden, dass die Frage nach Demokratie und Menschenrechten, um die 1848 auf nationaler und europäischer Ebene gerungen wurde, in Zeiten der Globalisierung nur transnational diskutiert werden kann.

Die Idee der „Global Assembly“ stammt von der Initiative „Der utopische Raum“, einer Kooperation der Stiftung Medico international, des Instituts für Sozialforschung und der FR. Aktiv beteiligt sind außerdem Brot für die Welt, Medico, Misereor, Reporter ohne Grenzen, die Friedrich-Ebert-, die Heinrich-Böll- und die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die Evangelische Akademie Frankfurt ist Gastgeberin für die dreitägige Klausur, die auf die Eröffnung folgt. Gefördert wird das Ganze von der Stadt Frankfurt, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie der Bundeszentrale für politische Bildung. Eine Fortsetzung ist im März 2024 ist geplant.

Der öffentliche Auftakt findet auf Einladung der Stadt Frankfurt am Sonntag, 14. Mai, um 18 Uhr in der Paulskirche statt. "

(FR 7.5.23)


Freitag, 19. Juni 2020

Montag, 24. Februar 2020

Wer kann bestimmen, was Rassismus ist?

Der folgende ZEIT-Artikel vertritt eine höchst ehrenwerte Position, die man zur Kenntnis nehmen sollte, wenn man meiner Argumentation nicht kritiklos auf den Leim gehen möchte. Ich wiederhole aber nicht die gesamte Argumentation, die man nachlesen kann, sondern zitiere hier nur den Schluss, den ich für problematisch halte:
"Selbst der rassistischste AfD-Wähler wird nie die Drohung erfahren, aus diesem Land ausgeschlossen zu werden. Immer werden Politiker der sogenannten Mitte sagen, man muss auch seine Sorgen anhören. Diese Sicherheit des Dazugehörens fehlt Deutschen nichtweißer Hautfarbe. Und wenn wir uns mit unseren Werten ernstnehmen, wenn wir also wollen, dass die Schönheit des ersten Satzes unserer Verfassung zugleich auch eine Wahrheit ist, dann schulden wir es ihnen, diese Sicherheit zu schaffen. Jetzt. Bedingungslos. Für immer." (Rassismus: Bedingungsloses Zuhören)

Meine Behauptung: Wer von Rassismus betroffen ist, merkt es.
Andere können das nicht unmittelbar nachvollziehen, denn menschliche Wahrheit* ist immer subjektiv.*
Wie komme ich darauf?
Ernst Tugendhat hat einmal gesagt: "Auch ein Deutscher muss die Wahrheit sagen dürfen."
Das hielt ich für eine sehr berechtigte Aussage, bis mir auffiel, dass nach dem Holocaust manches, was ich, ein Deutscher, für wahr halte, für einen Holocaustüberlebenden nicht nur grundfalsch sein, sondern eine schwere Verletzung bedeuten kann.
Wahrheit ist also so subjektiv, dass meine Wahrheit zwar sinnvoll in den allgemeinen Diskurs eingebracht werden kann, nicht aber einem Holocaustüberlebenden ins Gesicht gesagt werden kann, ohne ihn tief zu verletzen.

Was hat das mit der Begriffsbestimmung von Rassismus zu tun?
Antisemitismus ist eine Form von Rassismus. Wenn Personen von Antisemitismus betroffen sind, ist das für sie eine schwere Verletzung. Dass sie von Antisemitismus betroffen sind, ist ihre Wahrheit.
Wenn die Regierung Israels als Betroffene bestimmen könnte, was Antisemitismus ist, könnte sie jede Kritik an ihrem Handeln als Antisemitismus bezeichnen und damit die innerisraelische Opposition zu Antisemiten erklären.
Das ist nahe an dem, was gegenwärtig in der Türkei geschieht, wo (weitestgehend) vorurteilsfreie Berichterstattung als Spionage deklariert und als solche bestraft werden kann.

Zu Recht wird der Begriff Rasse als obsolet bezeichnet. Wenn jemand wegen seiner äußerlichen Merkmale abgewertet wird, indem man ihn einer angeblich minderwertigen "Rasse" zuordnet, verdient er daher unsere Solidarität.
Wenn Bangel aber behauptet, nur die Angegriffenen verstünden, was Rassismus ist, begeht er meiner Meinung nach einen Fehler. Er hat Recht damit, dass nur der Angegriffene beurteilen kann, wie verletzend Rassismus ist.
Denn nur in Ausnahmefällen (z.B., wenn man einen Menschen sehr liebt) wird man Verletzungen, die einem anderen zugefügt werden, genauso stark - oder gar stärker - empfinden als die, die einem selbst zugefügt werden. [Folterer versuchen, weil es diese Fälle gibt, gelegentlich, wenn sie die Gefolterten nicht brechen können, ob es ihnen über die Folter ihrer Angehörigen gelingt ihr/ihm ihren Willen aufzuzwingen.]
Hans Magnus Enzensberger hat dazu einmal dem Sinne nach gesagt: Jedem steht der eigene Zahnschmerz mehr weh als das Leid der vielen Millionen auf der Welt.

Deshalb haben die Angegriffenen aber noch nicht das Recht, für die Gesellschaft zu definieren, was Rassismus sei. Dass muss m.E. im gesamtgesellschaftlichen Diskurs geschehen.
Wenn z.B. Menschen in Deutschland Chinesen ausweichen und auf die andere Straßenseite wechseln, weil sie fürchten, von ihnen mit dem Coronavirus angesteckt zu werden, dann ist das in den meisten Fällen eine übertriebene Angstreaktion.* Weil es von den Chinesen aber als Rassismus empfunden werden kann, ist es ein angemessener Ausdruck von Solidarität, auf sie zuzugehen und sie besonders freundlich zu grüßen. (Bei Twitter habe ich einen solchen vorbildlichen solidarischen Akt dokumentiert gesehen.)
Aber wer seine übertriebene Angst nicht überwinden kann, ist deshalb noch kein Rassist, auch wenn sein Verhalten von Menschen, die öfter Rassismus erfahren haben, nahe liegender Weise so gedeutet werden wird.

Die völlig inakzeptablen Beleidigungen von Renate Künast könnten (zumindest theoretisch) subjektive Wahrheiten der Beleidiger sein.
Die Unterscheidung zwischen "Wahrheit" und "Beleidigung" kann aber nicht allein beim Beleidigten und schon gar nicht bei dem, dessen Äußerung als beleidigend empfunden wurde, liegen. Sie muss innerhalb des gesamtgesellschaftlichen Rahmens intersubjektiv geschehen. Entsprechendes gilt für rassistische Äußerungen und nicht-rassistische.

Im Gültigkeitsbereich des Grundgesetzes haben Richter einen Ermessensspielraum, im Rahmen der Gesetze darüber zu entscheiden, was so rassistisch ist, dass es diskriminierend oder gar beleidigend ist. (Andererseits kann solch ein Urteil angefochten werden und öffentliche Urteilsschelte geübt werden. Was zum Glück relativ häufig geschieht.) Ihre Empathie wird immer eine menschlich beschränkte sein. Deshalb kann Rechtsprechung immer nur Annäherung an Gerechtigkeit sein. Für die Fälle, wo sie zu weit davon entfernt ist, gibt es die genannten Korrekturmöglichkeiten, so unvollkommen sie bleiben.

Um auf den Schluss des oben angeführten Artikels aus der ZEIT einzugehen:
Der Satz "Die Würde des Menschen ist unantastbar" ist keine Wahrheit, sondern ein Postulat, das aufgestellt worden ist, weil sie im NS-Staat millionenfach in unerträglicher Weise missachtet worden ist.  Der Auftrag des Grundgesetzes ist: "Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt."
Bedingungslose Sicherheit der Menschenwürde zu garantieren geht über die Möglichkeit jeder empirisch feststellbaren Staatsgewalt hinaus. "Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Die ist meine Ansicht. Doch wichtiger ist Karl Jaspers Ermahnung:

"Wir wollen lernen, miteinander zu reden. Das heißt, wir wollten nicht nur unsere Meinung wiederholen, sondern hören, was der andere denkt. Wir wollen nicht nur behaupten, sondern im Zusammenhang nachdenken, auf Gründe hören, bereit bleiben, zu neuer Einsicht zu kommen. Wir wollen uns innerlich versuchsweise auf den Standpunkt des anderen stellen. Ja, wir wollen das uns Widersprechende geradezu aufsuchen. Das Ergreifen des Gemeinsamen im Widersprechenden ist wichtiger als die voreilige Fixierung von sich ausschließenden Standpunkten, mit denen man die Unterhaltung als aussichtslos beendet." 
(Karl Jaspers: Die Schuldfrage. Von der politischen Haftung Deutschland, 2012, Seite 8 – zitiert nach Harald Jähner: Wolfszeit 2019, S. 409)

* Für westliche Ohren mag das befremdlich klingen, nicht aber für asiatische Philosophie.

*  Vgl. D. Bonhoeffer: Was heißt die Wahrheit sagen?

* Mit Angst nichts zu tun hat folgender Vorgang, den ein Spanier aus der S-Bahn berichtet: Bin leicht erkältet, muss niesen. Typ neben mir steht auf, setzt sich weg, funkelt mich böse an und zischt: "Dreckiger Scheiß-Italiener! Dich haben Sie wohl vergessen, wegzusperren?"
Wenn man so etwas nie selbst erlebt hat, fällt Einfühlung natürlich sehr viel schwerer, als wenn man es aus eigener Erfahrung kennt.

Sonntag, 11. August 2019

Forderung von Gerechtigkeit soll als Neidgefühl gebrandmarkt werden

Gerechtigkeitsdebatte: „Mit dem Vorwurf Neid soll schlicht Kritik unterbunden werden“ von Stephan Kaufmann
Interview mit Branko Milanovic

"[...] Die Relationen, von denen ich spreche, kennen immer ein Maß: Man vergleicht sich ja nicht mit einer Antilope und auch nicht mit einem Bauern aus dem 15. Jahrhundert, sondern mit Menschen, die heute leben. Nur durch diese Gegenüberstellung kann ich bestimmen, ob 1000 Euro viel oder wenig sind. Basis des Vergleichs ist die allgemein akzeptierte Idee der Aufklärung, dass wir als Menschen eigentlich alle gleich sind. Demokratie und Menschenrechte beruhen auf dieser Idee der Gleichheit. Jede materielle Ungleichheit bedarf daher einer glaubhaften Legitimation, damit sie akzeptiert wird. [...]
Neid gilt als Sünde gegenüber der herrschenden Verteilung von Reichtum, die Ergebnis des Marktes ist und damit als geradezu gottgegeben dargestellt wird. Mit „Sünde“ betreten wir die Sphäre von Moral und Ethik: Das ist nicht das Gebiet von Ökonomen, die sollten darüber eher schweigen. [...]
Mit dem Vorwurf „Neid“ soll schlicht Kritik unterbunden werden. [...] Es ist inkonsistent zu sagen: Die Armut, also der Geldmangel einiger Menschen ist ein Problem, aber der Reichtum anderer soll uns gleichgültig sein.[...]
Die vorgetragene Sorge um die Armut ist der Preis, den die Wohlhabenden bereit sind zu zahlen, damit niemand ihren Wohlstand in Frage stellt. Sie betreiben eine Art soziale Geldwäsche, ähnlich wie jene Milliardäre, die gemeinnützige Stiftungen gründen: Ausgerechnet die Zurschaustellung ihres Reichtums soll diesen legitimieren. [...] 
Wenn wir die globale Ungleichheit beseitigen und garantieren wollten, dass alle Menschen über ein Einkommen auf dem mittleren Niveau des Westens verfügen, dann müssten wir die globale Wirtschaftsleistung verdreifachen. Selbst wenn dies möglich wäre, bliebe die Frage, ob der Planet das aushalten würde. 
[...] die höhere Besteuerung von Erbschaften…
 ...wogegen viele Menschen sind, weil sie einwenden, vererbtes Vermögen sei doch bereits besteuert worden. 
Ein schwaches Argument. Wenn ich mit meinem versteuerten Geld einkaufen gehe, wird es ja auch wieder besteuert. Noch wichtiger als Steuern finde ich aber eine breitere Verteilung des Kapitals und seiner Erträge. [...]"

Dienstag, 5. Februar 2019

Rechtsgleichheit und erworbene Ungleichheit

Die folgenden Rechnungen habe nicht ich aufgestellt. Sie lassen sich gewiss anfechten.
Aber der Eindruck, den sie vermitteln, dürfte kaum zu widerlegen sein:

Oxfam:
8 Menschen haben so viel Besitz wie die ärmeren 50% der Menschheit

jinfo.org:
0,2 Prozent der Weltbevölkerung sind Juden.
22 Prozent der Nobelpreisträger sind Juden.
http://www.jinfo.org/Nobel_Prizes.html
Die Nobelpreisträger versuchen meist, so viel von ihren Erkenntnissen weiterzugeben wie möglich.  (Alfred Nobel hat versucht, das zu unterstützen.)
Die meisten der 8 Reichen (oder sind es alle?) haben versprochen, - nach ihrem Tode - mindestens 50% ihres Reichtums nicht an ihre leiblichen Erben weiterzugeben, sondern für gute Zwecke zur Verfügung zu stellen. 

Meine persönliche Meinung
Es würde wohl nichts schaden, wenn sie damit ein wenig früher anfingen und wenn sie ihren Erben pro Person nicht wesentlich mehr als 1 Million US-Dollar vererben würden.

Muhammad Yunus hat einen guten Vorschlag dazu gemacht, wie das dann gespendete Geld verwendet werden könnte. 
"Wenn diese hyperreichen Zeitgenossen bereit wären, die Hälfte ihres Reichtums zum Nutzen der Welt abzugeben, würde der Geldfluss sofort seine Richtung ändern. [...] Überraschenderweise ist das kein Problem. Wir brauchen sie nicht zu überreden. Sie haben schon beschlossen, es zu tun! Alle acht haben Givingg Pledge unterschrieben und sich so verpflichtet, nach ihrem Tod die Hälfte ihres Reichtums für wohltätige Zwecke zu geben. [...]
Die Existenz von Givingg Pledge und seine Beliebtheit unter den Reichsten dieser Welt ist ein gutes Zeichen. Jetzt müssen wir sie nur noch davon überzeugen, dass zumindest ein Teil dieses Geldes für das Social Business genutzt werden sollte." (S.257-59)
Zum Kontext seines Vorschlags.

Außerdem könnten die Superreichen versuchen, ihren Nachkommen statt über Vererbung mit optimaler Förderung überdurchschnittliche Lebenschancen zu eröffnen.

Zum Versuch, Bildungsungleichheit statt durch Menschen durch Verwendung digitaler Medien ("digitale Bildung") auszugleichen. (mehr dazu: Internetlernen und Schnipsel)

Ein bekannter anderer Versuch war zwar folgenreich, aber nicht erfolgreich.

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Mehrgliedrigkeit – ein Bollwerk gegen gleiche Chancen

"Die Probleme beginnen häufig beim Übergang zur weiterführenden Schule. Hier werden entscheidende Weichen nicht nur für den Schul-, sondern den gesamten weiteren Lebensweg eines jungen Menschen gestellt. Dabei sind in vielen Bundesländern die Kinder gerade einmal zehn Jahre alt, wenn diese grundlegende Entscheidung über sie getroffen wird – ein Alter, in dem die tatsächlichen Potenziale eines jungen Menschen kaum abzusehen sind. Die Entwicklung von Kindern vollzieht sich unterschiedlich schnell und gerade Kinder, die aufgrund ihrer Herkunft mit Nachteilen auf ihrem Bildungsweg starten, brauchen häufig mehr Zeit, um ihre Rückstände aufzuholen. [...]"  (Mehrgliedrigkeit – ein Bollwerk gegen gleiche Chancen, 22.10.18)

Donnerstag, 22. Februar 2018

Für mich gelten dieselben Regeln ...

"Für mich gelten dieselben Regeln – ich schere mich nur weniger um sie. Ich bin der Typ: Ich mach einfach erst mal. Und wenn’s blöd läuft, zahl ich halt die Strafe. Vielleicht überlegen Sie beim nächsten Mal auch, ob Sie lieber eine Strafe zahlen wollen?"
("Komm rein, Digga: Gangsterrapper Bushido ist vor einem Monat in das gutbürgerliche Kleinmachnow gezogen. Seine neuen Nachbarn hat er noch nie getroffen. Jetzt lädt er sie zu sich ein." Auf Einladung der ZEIT, 21.2.18)

Natürlich braucht man das Zitat von Anatole France nicht zu kennen:
"[...] unter der majestätischen Gleichheit des Gesetzes, das Reichen wie Armen verbietet, unter Brücken zu schlafen, auf den Straßen zu betteln und Brot zu stehlen." (in: Die rote Lilie
Bushido, alias Ferchichi, weiß aber, wovon er spricht, wenn er gleich weiter fragt: "Vielleicht überlegen Sie beim nächsten Mal auch, ob Sie lieber eine Strafe zahlen wollen?"
Gleichbehandlung ist eben nicht Gleichbehandlung und Markt schafft nicht Recht. 

Später sagt Ferchichi: (lacht) "Ich glaube, ich habe schon einen sehr guten Strafverteidiger. Sonst würde ich heute nicht hier sitzen." 

Wenn man mehr über das Gespräch von Bushido mit einigen seiner Nachbarn wissen will, kann man es hier nachlesen.

Sonntag, 30. April 2017

Stephen Hawking über globale Ungerechtigkeit und ihre Folgen

This is the most dangerous time for our planetThe Guardian 1.12.2016

"[...] But it also means that the lives of the richest people in the most prosperous parts of the world are agonisingly visible to anyone, however poor, who has access to a phone. And since there are now more people with a telephone than access to clean water in sub-Saharan Africa, this will shortly mean nearly everyone on our increasingly crowded planet will not be able to escape the inequality. [...]

With not only jobs but entire industries disappearing, we must help people to retrain for a new world and support them financially while they do so. If communities and economies cannot cope with current levels of migration, we must do more to encourage global development, as that is the only way that the migratory millions will be persuaded to seek their future at home.
We can do this, I am an enormous optimist for my species; but it will require the elites, from London to Harvard, from Cambridge to Hollywood, to learn the lessons of the past year. To learn above all a measure of humility."

Samstag, 14. Januar 2017

Wir erkennen die Schulden der Regierung nicht an, erklärt ein

arbeitsloser Grieche.
Nun wissen wir, das wird ihm nicht viel helfen.

Ich will keine Betrugsmanöver der VW AG und keine "Unterhaltsbeiträge" von 3000 € für Winterkorn finanzieren.
Das wird mir nicht viel helfen.
Insofern sitzen der Grieche und ich in einem Boot. Nur dass ich Luxusverpflegung und alle anderen Vergünstigungen erhalte und er keine.
Er sitzt freilich nicht in einem Flüchtlingsboot, er muss nur die Flüchtlingslager finanzieren helfen, in denen Flüchtlinge aufgrund fehlender Staatsfinanzen trotzdem menschenunwürdig leben müssen, weil die EU versprochene Leistungen nicht erbringt.

Ich erkläre hiermit, dass ich nichts dafür getan habe, afghanische Frauen davor zu schützen, dass ihnen Nase und Ohren abgeschnitten werden, nichts dafür, die Giftgasangriffe Saddam Husseins auf die Kurden im Irak, nichts dafür, den Völkermord in Ruanda zu verhindern.
Ich bin auch nicht für Kriege gegen Syrien, Nordkorea, Belarus (Weißrussland), Russland und China, obwohl dort ständig gegen die Menschenrechte verstoßen wird.
Als Deutscher finanziere ich weiterhin die Bankenspekulantionen, die zu Hunderten von Millionen Hungertoten geführt haben.
Und es geht mir gut dabei.
Irgendwie ist das nicht gerecht.

Ich  bekenne, dass ich nichts dafür getan habe, den Wechsel von Helmut Kohl zur rot-grünen Koalition zu verhindern, die Deregulierung, Steuererleichterung für Reiche und die Agendas 2010 vorangetrieben hat.

Noch darf ich Aufrufe von Amnesty, avaaz, Campact u.a. unterschreiben, an Staatspräsidenten appellieren, und manchmal hilft das wohl auch einmal ein bisschen.
Und ich freue mich, dass nicht alle Flüchtlinge, denen ich etwas beim Deutschlernen geholfen habe, danach ausgewiesen worden sind.

Es ist ein Privileg, in Deutschland zu leben.

Mittwoch, 11. Mai 2016

Recht

"Die Gerechtigkeit ist die zweite große Aufgabe des Rechts, die erste aber ist die Rechtssicherheit, der Friede." (Gustav Radbruch)

Dienstag, 30. Juni 2015

Bevor man ein Urteil fällt, sollte man ...

die andere Seite hören. (Audiatur et altera pars.)

Bei den vielen Nachrichten, die wir verarbeiten, kommen wir meist nicht dazu und bilden uns oft Vorurteile. Solange wir nicht Recht zu sprechen haben, ist das oft nicht so schlimm.

In Sachen Ukraine und Griechenland kann man freilich leicht in große Einseitigkeit verfallen, wenn man den Grundsatz nicht beherzigt. Und solche Einseitigkeit kann benutzt werden, unsere Hemmschwellen vor Maßnahmen, die vielfachen Tod bedeuten, abzubauen.

Ein vergleichsweise harmloser Fall war der von der Matratze, zu dem zunächst nur eine Version um die Welt ging.

Was geschah auf der Matratze? ZEIT 21.5.15
Nachdem ich nun zwei Seiten kenne, traue ich mir kein Urteil mehr zu.
Nur so viel glaube ich sagen zu dürfen: Mein Urteil ohne Kenntnis der Sicht der zweiten Seite war vorschnell.

Montag, 27. April 2015

Piëch, Winterkorn, ihre Einkommen - VW und der Klimawandel

Tweets vom Tage:
  1. Unsere 2 Zahlen des Tages: 43,456 und 34,560. Die erste Gehalt pro Tag von #Winterkorn#VW die zweite das Jahresgehalt einer .
  2. Fragt sich: Was sind die Tageseinnahmen von ? Nicht nur höher als die von W, sondern auch viel schwerer festzustellen.
  3. Ich denke, bekommt am Tag so viel wie im Jahr. Verdienen tun es wohl beide nicht.

Kommentar:
Piëch vereinsamt       ??


Ferdinand Piëch (Wikipedia)

Martin Winterkorn (Wikipedia)

Erzieherin leitet die Wikipedia zu Erzieher weiter und teilt mit: 96% der Erzieher sind Erzieherinnen. - Wie viel Prozent der Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden von DAX-Unternehmen sind weiblich?

Frage:
Wie viel trägt das Unternehmen VW zur menschengemachten Klimakatastrophe bei, wie viel alle Erzieherinnen gemeinsam?

Naomi Klein

Mittwoch, 26. November 2014

Zwei Worte und ein "Jugendwort"

"Und so blicken wir wir heute auf das, was irgendwann zwangsläufig Alltag in einer gespaltenen Gesellschaft werden wird: Die Benachteiligten reagieren mit offener Gewalt." (Arnd Festerling in FR vom 26.11.14 über Ferguson)
"Es ist der Moment, den Gedanken eines verängstigten Europas fallen zu lassen, um ein Europa zu erwecken [...], das auf den Menschen schaut und ihn verteidigt [...], ein kostbarer Bezugspunkt für die gesamte Menschheit!" (Papst Franziskus vor dem EU-Parlament in Straßburg, 25.11.14 - Die vollständige Rede findet sich in der SZ)
Das "Jugendwort des Jahres 2014", das an sich ein einzelnes Wort sein soll, lautet "Läuft bei dir".

Dazu ein Kommentar von Jonas Jansen, faz.net, 24.11.14
"Anfang Oktober erschien auf der amerikanischen Seite 4chan ein Aufruf, doch bitte das Wort „fappieren“ zu wählen. 4chan ist bekannt für Trollaktionen und geschmacklose Bilder, die an der Grenze zur Legalität und manchmal jenseits ihrer liegen. Der Aufruf führte dazu, dass „fappieren“, was für Selbstbefriedung bei Jungen stehen soll, mit fast 50 Prozent der Stimmen auf Platz 1 der Online-Wahl landete. Wählen konnte man anonym und immer wieder. Das geht, weil Langenscheidt bei einer früheren Wahl mal feststellte, dass viel weniger Leute ihre Favoriten wählen, wenn man sich anmelden muss, wie eine Verlagssprecherin dieser Zeitung mitteilte. Was für eine Überraschung!"

Meine Zusammenstellung ist nicht zufällig. Jeder wird sich seinen eigenen Kommentar dazu machen.







Auch ich wünsche mir, dass "Läuft bei dir" ein treffender Kommentar für EU und die Menschheit wird und nicht "fappieren".

Freitag, 18. Juli 2014

Menschlichkeit oder Logik

Das zweite Maschinenzeitalter ist nach dem Prinzip aufgebaut "The winner takes it all"*. Wenn es eine beste Suchmaschine gibt, sucht man nicht bei der zweitbesten. Während es für manches Millionen von lokalen Märkten gibt, gibt es für beliebig vermehrbare elektronische Produkte und Dienstleistungen inzwischen nur noch einen Markt (bzw. zwei: China und andererseits den Rest der Welt).
Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee gehen der Frage nach, wie in einer Situation, wo Computer immer anspruchsvollere Intelligenzleistungen erbringen, dennoch alle menschlichen Fähigkeiten in der Gesellschaft zum Zuge kommen können.
Erik Brynjolfsson dazu im Interview:
"Jetzt sind wir abermals gefordert, uns an neue Bedingungen anzupassen. Dabei sind Kreativität und der zwischenmenschliche Austausch gefragt. Auch müssen wir Unternehmertum fördern, Sozialwerke reformieren und Anreize setzen, die neue Jobs schaffen. Wenn das gelingt, bin ich optimistisch, dass uns ein bislang ungeahnter Wohlstand bevorsteht." (Finanz und Wirtschaft, 7.3.14)
*Auch wenn's hier um etwas anderes geht als bei ABBA (Text), melancholisch kann auch das einen machen.

Aktuell zum Thema:
Roman Pletter: Ist er besser als wir? ZEIT Nr.29 10.Juli 2014

Sonntag, 23. Februar 2014

Neid ist der häßliche Name

"Neid ist der häßliche Name, den die Oberschicht dem Rechtsgefühl angehängt hat." August Stríndberg

  • "Gerechtigkeit entspringt dem Neide, denn ihr oberster Satz ist: Allen das Gleiche." - Walther Rathenau, Auf dem Fechtboden des Geistes. Aphorismen aus seinen Notizbüchern