Posts mit dem Label Literatur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Literatur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 13. März 2026

Youtube zu Literatur und Habermas

https://de.wikipedia.org/wiki/Silber_%E2%80%93_Die_Trilogie_der_Träume

 Das Wirtshaus im Spessart (1958)

Th. Mann: Die Buddenbrooks (1959) Teil I   Teil II

Th. Mann: Der Zauberberg (1981)





60 Jahre Gruppe 47  Gruppe 47 vorläufiges Schlussbild nach 30 Jahren, Glanz und Vergehen der Gruppe


Kurt Tucholsky       Paul Celan Herta Müller Heinrich Böll  Böll 2  Böll 1975 Böll 1992 Böll 2009 

Peter Handke Martin Walser u 47 H.M.Enzensberger 1961

dito

Siegfried Unseld  Uwe Johnson Max Frisch  Ingeborg Bachmann  Ingeborg Bachmann

Friedrich DürrenmattDürrenmatt: Wie entsteht ein Drama? (1969 - 1) (1969 - 2)

Heiner Müller

                                   


Habermas 90 Jahre (Seyla Benhabib  Rainer Forst im Interview mit Yves Bossart: über die Grindstruktur seines Denkens über kommunikative Vernunft)

Sloterdijk über Habermas (2022) Damals sah man Adorno als Lehrer und Habermas als seinen Assistenten (speziell Erkenntnis u. Interesse), S.s 60 S. Exzerpt Hab. als Paraphrasiker gesehen; Ss. Kritik der zynischen Vernunft (1983) von H. noch rechtpositiv besprochen, vielleicht in der Hoffnung S. in seinen Kreis einbeziehen zu können, - Begegnung H. und S. in Baltimore Auseinanderentwicklung. Der Historikerstreit sieht S. als eng und kleinlich an.)

Mehr als alles, was der Fall ist  (H: "Auch eine Geschichte der Philosophie" eine Rekonstruktion der Entwicklung des säkularen Denkens Dürnberger (H. Kants Transzendentalphilosophie als Ersatz für Metaphysik durch Kommunikationstheorie ersetzt)

Reemtsma Vortrag zu "Auch eine Geschichte der Philosophie" und Habermas Antwort

Habermas und das Begreifen der Gegenwart

Zum Verhältnis von Moral und Sittlichkeit 

Die Öffentlichkeitstheorie von Habermas

Strukturwandel der Öffentlichkeit bei H. übergangen der Kampf um Informationsfreiheit, Trennung von Information und Meinung


Dienstag, 12. März 2024

Authorpedia

 AUTHORPEDIA is the publishing arm of WORDS RHYMES & RHYTHM LTD. (RC 1234112), a Nigerian book publishing company and educational institution. We offer customized publishing services and actively engage in promoting Nigerian literature and supporting young literary talents through our literary initiatives.

Operating from Ibadan, Lagos and Abuja, our strong social-service culture and active engagement of the Nigerian audience has seen us grow into a company that is rapidly changing the Nigerian literature landscape. We are committed to maintaining this culture.

AUTHORPEDIA ist der Verlagszweig von WORDS RHYMES & RHYTHM LTD. (RC 1234112), einem nigerianischen Buchverlag und einer Bildungseinrichtung. Wir bieten maßgeschneiderte Verlagsdienstleistungen an und engagieren uns aktiv für die Förderung der nigerianischen Literatur und die Unterstützung junger literarischer Talente durch unsere literarischen Initiativen.

Wir sind von Ibadan, Lagos und Abuja aus tätig und haben uns dank unserer ausgeprägten Kultur des sozialen Dienstes und unseres aktiven Engagements für das nigerianische Publikum zu einem Unternehmen entwickelt, das die nigerianische Literaturlandschaft rasch verändert. Wir sind entschlossen, diese Kultur beizubehalten. [Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)]

Von dieser Institution habe ich aus der Hausa-Version der Wikipedia erfahren, ohne dass ich ein Wort Hausa kännte. Inzwischen kann man sich bei genügend Lerneifer tatsächlich von der Wikipedia ausgehend den ganzen Tag weiterbilden.

Montag, 29. Juni 2020

Habermas und Arno Widmann oder wie Literatur die Demokratie retten könnte

"Der erste Satz lautet: „Wir sind von Haus aus eine geschwätzig plappernde Spezies“. Dann kommt kein Punkt, sondern ein Gedankenstrich und es geht so weiter: „kommunikativ vergesellschaftete Subjekte, die ihr Leben nur in Netzwerken erhalten, die von Sprachgeräuschen vibrieren.“ "
Das ist Habermas. Aber Arno Widmann versteht es, ihn zu lesen und uns zu erklären, was seine Faszination ausmacht. 
Habermas hat eine philosophische Theorie des Kommunikativen Handelns entwickelt und er hat die Kurzformel vom herschaftsfreien Diskurs entwickelt. Damit hat er eine Formel gefunden, die ich mir mit "Gespräch auf Augenhöhe" übersetzen kann. Das ist nach meinem Verständnis ein Gespräch, bei dem nur die Qualität des Arguments zählt und nicht die Autorität, die von einer Lebensleistung ausgeht (z.B. Einstein oder Habermas) oder von einer Institution (Papst) oder von einem Machtapparat (Trump, Stalin, Hitler). 
In der Wikipedia wird mit der über Decknamen möglichen Anonymität so etwas versucht (freilich durch die organisatorische Macht von Administratoren und Administratorennetzwerken wieder konterkariert).

Wie erklärt uns Widmann das Besondere an der Formulierungskunst von Habermas?
"Das ist Jürgen Habermas. Er kann eben beides: So reden, dass wir ihn verstehen und das dann verstecken in einem Professorendeutsch, vor dem man davonrennen möchte. Allerdings gelingt es einem nicht, weil er einen durch diesen abschreckenden Sound hindurch immer wieder packt. Hier zum Beispiel das „vibrieren“." (Nachzulesen in Widmann: Es bleibt die Literatur, FR 29.6.2020)

Während Adorno einmal (in der ZEITsinngemäß erklärt hat: Ich bin aus den USA nach Deutschland zurück gekommen, weil man in den USA von mir verlangt, verständlich zu schreiben, hat Habermas den Weg gefunden, beides zu tun: Sich im wissenschaftlichen Diskurs eine führende Stellung zu erarbeiten und in der öffentlichen Auseinandersetzung unmissverständlich Position zu beziehen (z.B. Historikerstreit). Dazu braucht es immer wieder Kurzformeln wie 'Verfassungspatriotismus', 'Strukturwandel der Öffentlichkeit' und eben 'herrschaftsfreier Diskurs'. 

Zurück zu Widmann: Er ist nicht nur auf den unterschiedlichsten Feldern im Bereich Kultur unterwegs, sondern er stellt aktuelle Beiträge und Diskussionen auch prägnant vor. 
Den Vorteil der sozialen Medien und ihre Gefährlichkeit für die Demokratie beschreibt er, Habermas vereinfachend, so:
"Die digitale Revolution hat uns alle zu potentiellen Autoren gemacht, schreibt Habermas. Die sozialen Medien lassen unserer „Plapperlust“ freien Lauf. Sie sind die allen ungefiltert zugängige Öffentlichkeit. [...] Die Kontrollinstanzen von z. B. Redakteur und Lektor entfallen. Jeder kann jedem twittern. Auch die Politiker sind nicht mehr angewiesen auf „Bild und Glotze“. Sie erreichen ihre Follower direkt. [...]. Es handelt sich zweifelsohne um einen demokratischen Schub. Aber er gefährdet, so dialektisch geht es zu, die Demokratie.[...] Habermas sieht die Gefahr, dass „sich die Meinungsbildung in den zersplitterten und gleichzeitig von selektiven Standards entlasteten Kommunikationsblasen gegen die rationalisierende Kraft einer diskursiven Vielfalt der Beiträge immunisiert.“ [...]
Und dann fährt Widmann fort:
"So umfassend der Einfluss der Digitalisierung auf die politische Kommunikation ist, so gering ist er auf die Literatur. [...] Literarische Werke, so Habermas, verfügen über „eine eigentümliche Autorität.“ Sie rührt aus ihrem „Eigensinn“, mit dem sie sich dem Urteil der Zeitgenossen entziehen oder gar widersetzen und dagegen einer späteren Generation sich mitteilen ja geradezu aufdrängen können." [...]  Der Künstler, der Autor hat nicht eine Erfahrung, die er geschickt in Worte zu fassen versteht, sondern er erfährt, was er erfährt, beim Schreiben. Literarische Erfahrung ist eine Sache des Textes. Darum kann der Leser sie – in manchen Fällen nach Tausenden von Jahren über mehrere Übersetzungen hinweg ohne Kenntnis der Lebensumstände des Autors – nachvollziehen.
Wir lesen, so schreibt Habermas, nicht um uns über bestimmte Sachverhalte aufzuklären, sondern – damit kommt er Adorno näher, als er ihm in den letzten 60 Jahre wohl je war -, „um wenigstens manchmal einige Zipfel jener vorsprachlich präsenten Erfahrungen, aus denen wir intuitiv leben und mit denen wir dahinleben, als solche zu ergreifen und uns anschaulich vor Augen zu führen. Ob sie nun schön sind oder schrecklich.“"
Und es bedarf eines "Qualitätsmediums", um Widmann den Apparat und die Reichweite zu geben, um uns auf den verschiedensten Gebieten so informieren, dass wir nicht nur über das Wesen von Literatur, sondern auch über die gedankliche Nähe von Adorno und Habermas aufgeklärt werden. 


Freitag, 12. April 2019

Texte, die in Wien spielen oder über Wien sprechen

Philippe Wampfler @phwampfler : Literarische Texte, die in Wien spielen oder über Wien sprechen – 1900 - heute. Welche mögt ihr, welche könnt ihr empfehlen?

Viele Antworten von vielen belesenen Leuten:
https://twitter.com/phwampfler/status/1116590964049473536

u.a.:
Arno Geiger, Selbstporträt mit Flusspferd. Gerade gelesen und gut. Die Liste ist natürlich unendlich von 1900 an. Doderer, Die Strudlhofstiege. Schnitzler, Traumnovelle. Jelinek, Die Klavierspielerin. Bachmann, Malina. (In Wien und über Wien) von: Capovilla

Freitag, 29. Juni 2018

Über den arabischen Buchmarkt

Interview mit Yasmina Jraissati, Agentin für arabische Literatur:
 "[...] Welche Trends gibt es in der arabischen Literatur?
Vor ein paar Jahren ging es viel um Soziales, um die Nachkriegsjahre etwa im Libanon. Oder um die Absurdität von autoritären Regimen, darüber wie sie die Leute auf den unteren Stufen der sozialen Leiter niederdrücken. Youssef Fadel, ein marokkanischer Autor, schreibt beispielsweise viel darüber, seine Bücher haben immer diese dunkle Atmosphäre. Im Moment sind auch Dystopien sehr gefragt, aus politischen Gründen, denke ich. Die Absurdität von Gewalt kommt in Dystopien zum Ausdruck. Ibrahim Nasrallah, der Gewinner des diesjährigen Arab Booker Prize, hat so ein Buch geschrieben, an der Grenze zur Science Fiction. Der Ägypter Youssef Rakha ist in diesem Sinn auch interessant, er experimentiert viel, seine Literatur ist schwierig. Aber er ist ein Trendsetter, jedenfalls ein potentieller. Er gehört zur Beat Generation in ihrer Kairo-Version.
In Deutschland sind dem Buchmarkt in den vergangenen Jahren Millionen Leser verloren gegangen. Man mutmaßt, es habe etwas mit der Digitalisierung zu tun, die die Aufmerksamkeit von dem weglockt, was man in Amerika als „deep reading“ bezeichnet, dem selbstvergessenen Lesen längerer Texte. Bemerken Sie ähnliches in der arabischen Welt?
Natürlich fragt man sich auch hier, ob die Leute lesen oder nicht. Und meine Antwort war immer: Sie lesen, aber man sieht es nicht. Hier war die Herausforderung immer, die Bücher physisch verfügbar zu machen. Es gibt ja gar kein Marketing, aber dass wir trotzdem Bücher verkaufen, zeigt doch, dass die Leute nach ihnen suchen. Wenn die Verleger anders arbeiten würden, könnten sie vielleicht noch mehr verkaufen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Die Herausforderungen sind andere: Kriege, Währungsschwankungen, Probleme bei der Vergabe von Visa, Zensur natürlich. Es gibt große Kaufkraftunterschiede zwischen den arabischen Ländern.
Wie wirkt sich das aus?
Im Libanon kann man Bücher für zwölf Dollar verkaufen, das ist in Ägypten unmöglich. Viel zu teuer. Es gibt schon Leute, die sich das leisten können, aber sie sind eine kleine Minderheit. Deswegen gibt es viele Raubkopien in Ägypten, die Bücher kosten dann ein oder zwei Dollar. Das Thema sorgt für viel Ärger, zu Recht. Aber für mich ist das auch ein gutes Zeichen. Es heißt, dass es Leser und Potential gibt. Und dass wir versuchen müssen, diesen Markt zu erreichen." (FAZ 28.6.18)

Dienstag, 23. Mai 2017

Brauchen wir einen Literaturkanon? Ein Reflexionsanfang

"Ich finde nicht nur, dass ein Literaturkanon gut ist, weil ich an die tiefe Kraft glaube, die dem Verständnis von Literatur für jeden einzelnen inne liegt, sondern ich bin der Überzeugung,
dass ich besser auswählen kann, was man wissen soll (!) und was nicht. Weil ich über Jahre diese Themen studiert, über sie geschrieben, geredet und gestritten habe."
So formuliert Bob Blume in einem lesenswerten Text über den gegenwärtigen Bildungsdiskurs im Internet.

Brauchen wir einen literarischen Kanon? (Und: Schullektüren, Lesebücher.) fragt Herr Rau in seinem Lehrerzimmer.

Lesenswert sind auch die Kommentare dazu.

Zitat aus meinem Kommentar (ein klein wenig stilistisch verbessert):

"Lesebücher halte ich für so wichtig, weil die großartige „Rede des toten Christus“ und die „allmähliche Verfertigung des Gedankens“, die m.E. genauso zum Kanon gehören wie „Der Mond ist aufgegangen“ „Erlkönig“ und „Es war, als …“ sonst der Zufälligkeit des Interesses von einzelnen Deutschlehrern ausgeliefert wären.
Natürlich entsteht ein Kanon nur durch Gebrauch und davon reden, nicht durch Vorschriften.
Zum Glück gibt es noch Schulnamen, so dass wenigstens an diesen Schulen das eine oder andere Werk des Schulnamensdichters (in Ausschnitten) bekannt wird. – Mir unvergesslich, wie bei einer Lesung des lyrischen und dramatischen Werks eines nicht unbekannten Dichters (irgendetwas zwischen 48 und 90 Stunden) eine Sechstklässlerin als einzige das Metrum des „Reineke Fuchs“ deutlich zu Gehör brachte (Erwachsene scheiterten daran). Natürlich gehört „Reineke Fuchs“ nicht zum Kanon; aber dass dieser Dichter nicht nur im zweiten Teil seines dem Namen nach bekanntesten Werkes mit dem jambischen Trimeter antike Versmaße verwendete, das sollte … " (Da es Suchmaschinen gibt, lasse ich zunächst die zugehörigen Links fort.)

Ich werde hier noch mehr dazu schreiben, aber die Reflexion auszuformulieren wird noch lange brauchen. Doch das halt ich für sinnvoll, weil Unvollständiges eher zur Gegenrede und zur Ergänzung anregt. 

Zunächst einmal: Auf jeden Fall ist der Artikel von Herrn Rau sehr lesenswert und für die meisten Leser dürfte auch das, was dort gesagt ist, ausreichen, um sich eine gut begründete Meinung zu bilden. Mich drängt es aber dazu, am Beispiel von Shakespeare und J.S. Bach auf die Geschichte der Kanonbildung einzugehen. 
Die Formulierung eines Kanons bedeutet immer ein Werturteil, und Werturteile bewähren sich nur im kritischen Diskurs (hier brauche ich ein Link, um anzudeuten, dass es um mehr als nur eine Unterhaltung geht). 
Shakespeare und J.S. Bach waren zu ihrer Zeit Mode. Dass sie aber heute weltweit zu den bedeutendsten Vertretern ihrer Kunst gezählt werden, hat sich erst durch einen Diskurs Generationen nach ihrem Tod herausgebildet. 
Lessing hat den zu seiner Zeit in Deutschland gültigen literarischen Kanon in seinem 17. Literaturbrief mit einem klaren "Ich bin dieser Niemand" in Frage gestellt und - letztendlich sehr erfolgreich - Shakespeare als Gegenbild herausgestellt. Die Weimarer Klassik ist ohne die Hinwendung zum Vorbild Shakespeare nicht denkbar (so sehr sie sich auch von ihm weg entwickelt hat).
J.S. Bach war durch seinen Sohn Carl Philipp Emanuel wegen dessen Epoche machenden Neuerungen, die die Wiener Klassik vorbereiteten, in den Schatten gestellt worden. Es bedurfte des J.S. Bach Revivals des 19. Jahrhunderts, um für das 20. und 21. Jahrhundert weltweit deutlich zu machen, dass Bach durch seinen Sohn nur abgelöst, nicht übertroffen worden war. 
Was wäre von Georg Büchner noch überliefert, wenn er nicht für den literarischen Kanon entdeckt worden wäre? [dazu sieh Ph. Wampflers Gegenkanon*]

Nicht zufällig habe ich Shakespeare und J.S. Bach als Beispiele für die Bedeutung der Kanonbildung herausgestellt; denn für diese beiden gilt - zumindest meiner Ansicht nach -, dass sie nicht "Zwerge auf den Schultern von Riesen" waren (so sehr sie auf der Überlieferung und den hervorragenden Werken ihrer Zeit aufbauten). Sie waren selber Riesen, und uns wäre Entscheidendes verloren gegangen, wenn wir nur die (großartigen, unsterblichen und was man sonst zum Lob der Künstler nach diesen beiden anführen mag) Werke, die auf sie folgten, angewiesen wären. 

So viel schon habe ich geschrieben und noch nichts dazu gesagt, weshalb man die  „Rede des toten Christus“ und die „allmähliche Verfertigung des Gedankens ...“ kennen sollte, obwohl sie beide nicht von Shakespeare oder einem der deutschen Klassiker stammen.
Vorerst schreibe ich auch noch nichts dazu, sondern wende mich meinem Tagewerk zu, nicht ohne ein kleines Gedicht anzuführen:
                                           „Schläft ein Lied in allen Dingen,
                                            Die da träumen fort und fort,
                                            Und die Welt hebt an zu singen,
                                            Triffst du nur das Zauberwort.“
Auch das verdient meiner Meinung nach, dem literarischen Kanon anzugehören. Und dazu braucht es meiner Meinung nach Lesebücher oder einen elektronischen Ersatz dafür. 
(Mehr zu Lesebüchern auch bei Herrn Rau.)

Ergänzung am 24.5.:
Immer wieder gibt es Versuche, eine Kanonbildung zu unterstützen. Die ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher (und die Folgeaktivitäten) gehörten dazu, Marcel Reich-Ranickis Kanon, auch
Die Lieblingsgedichte der Deutschen.  Die Beteiligung an der Umfrage zum letzten Projekt und die Auflagen der beiden erstgenannten zeugen von einem Interesse an einem Kanon und davon, dass er nicht staatlich verordnet sein muss, um wirksam zu werden.
Auch Lektürelisten von Universitäten oder Deutschlehrern (Beispiel von 1960 für eine 9. Klasse) helfen dabei.

Mehr zu der Bildung eines literarischen Kanons:
Hermann Korte: Grundzüge der Literaturdidaktik (ein Hinweis von Ph. Wampfler)
Philippe Wampflers Gegenkanon
*Büchner war als Schüler an der Bildung eines Gegenkanons beteiligt, wenn er mit seinen Freunden über Goethe und Schiller sprach statt über Homer und Horaz, wie seine Lehrer es von ihnen erwarteten. 

Neue Zürcher Zeitung zum literarischen Kanon:
Literarischer Kanon: Bitte mehr Verbindlichkeit! NZZ 4.11.16
Die Klassiker haben ausgedient NZZ 24.4.17
Literatur ist mehr als die zufällige Bekundung von Befindlichkeiten NZZ 24.5.17
"[...] Dass die meisten Lehrer und Didaktiker es nicht mehr übers Herz bringen, klare Empfehlungen auszusprechen und etwa die Lektüre der Romane von Flaubert oder Fontane, Thomas Mann oder Dostojewski nahezulegen, signalisiert nicht nur eine unnötige Verbeugung vor einem lesefaul gewordenen Zeitgeist, sondern schneidet die jungen Menschen von den Wurzeln ihrer Kultur ab. [...]

ZEIT Kanon des 21. Jahrhunderts
"Diese ZEIT-Serie erkundet die Gegenwart der Weltliteratur. Die Redaktion hat leidenschaftlich diskutiert und sich am Ende für 15 Romane aus dem noch jungen Jahrhundert entschieden, die sie für die besten hält, für Meisterwerke, die bleiben werden und nicht mit dem Tag vergehen." (ZEIT Nr. 41/2015)

Sieh auch:
Sollte Goethes Faust Teil des Lehrplans sein?


Freitag, 20. Januar 2017

Eine Welt mit sich tragen

"And so the idea of having these worlds that were portable, that were yours, that you could enter into, was appealing to me." 
Obama über die Rolle von Büchern in seinem Leben, New York Times 
Ausschnitte aus dem Interview, Bericht über das Gespräch 15.1.2017)

[...] V. S. Naipaul’s novel “A Bend in the River,” Mr. Obama recalls, “starts with the line ‘The world is what it is; men who are nothing, who allow themselves to become nothing, have no place in it.’ And I always think about that line and I think about his novels when I’m thinking about the hardness of the world sometimes, particularly in foreign policy, and I resist and fight against sometimes that very cynical, more realistic view of the world. And yet, there are times where it feels as if that may be true.” [...]

He points out, for instance, that the fiction of Junot Díaz and Jhumpa Lahiri speaks “to a very particular contemporary immigration experience,” but at the same time tell stories about “longing for this better place but also feeling displaced” — a theme central to much of American literature, and not unlike books by Philip Roth and Saul Bellow that are “steeped with this sense of being an outsider, longing to get in, not sure what you’re giving up.”[...]

He had lunch last week with five novelists he admires — Dave Eggers, Mr. Whitehead, Zadie Smith, Mr. Díaz and Barbara Kingsolver. He not only talked with them about the political and media landscape, but also talked shop, asking how their book tours were going and remarking that he likes to write first drafts, long hand, on yellow legal pads. [...]
(Bericht)

It’s what you said in your farewell address about Atticus Finch, where you said people are so isolated in their little bubbles. Fiction can leap —

It bridges them. I struck up a friendship with [the novelist] Marilynne Robinson, who has become a good friend. And we’ve become sort of pen pals. I started reading her in Iowa, where “Gilead” and some of her best novels are set. And I loved her writing in part because I saw those people every day. And the interior life she was describing that connected them — the people I was shaking hands with and making speeches to — it connected them with my grandparents, who were from Kansas and ended up journeying all the way to Hawaii, but whose foundation had been set in a very similar setting. [...]
Because when I got there, the guy who had hired me said that the thing that brings people together to have the courage to take action on behalf of their lives is not just that they care about the same issue, it’s that they have shared stories. And he told me that if you learn how to listen to people’s stories and can find what’s sacred in other people’s stories, then you’ll be able to forge a relationship that lasts. [...]
Ausschnitte aus dem Interview

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Empfehlungen für die persönliche Lektüre von Dr. J. Müller für eine 9. Klasse um 1960

Mörike: Stuttgarter Hutzelmännlein
              Mozart auf der Reise nach Prag

Tolstoi: Erzählungen und Märchen
              Krieg und Frieden

Kleist:    Der zerbrochene Krug
               Michael Kohlhaas

Goethe: Götz von Berlichingen

Hauff:    
Othello (1826).
Die Bettlerin vom Pont des Arts (1827).
Jud Süß (1827)
Die letzten Ritter von Marienburg
Das Bild des Kaisers (1827)


Shakespeare: Juluis Caesar
Hamlet
Coriolan
Othello

C.F. Meyer:
Das Amulett, Novelle, 1873
Der Schuß von der Kanzel, Novelle, 1878
Das Leiden eines Knaben, Novelle, 1883


W. Flex:
Demetrius (Drama), 1909
Zwölf Bismarcks (Novellen), 1913
Der Wanderer zwischen beiden Welten (Novelle), 1916
Wallensteins Antlitz (Novelle), 1918
Wolf Eschenlohr (Novelle), 1919
Die Wunschbüblein
Drei Novellen (Studenten)

Hesse: Knulp

Storm: Schimmelreiter und andere Novellen

August Winnig: Heimkehr

Raabe: Die Chronik der Sperlingsgasse
             Der Hungerpastor
             Horacker
             Abu Telfan
             Wunnigel


G. Hauptmann:
Kollege Crampton
Hanneles Himmelfahrt.
Florian Geyer
Die versunkene Glocke
Und Pippa tanzt!

B. Sengfelder: Die Farm am Yadkin

W. Leonhard: Die Revolution entläßt ihre Kinder

Paul Löbe: Der Weg war lang

H. v. Königswald: Land ohne Frieden

Brachvogel: Friedemann Bach


D. v. Liliencron: Gedichte
                           Leben und Lügen

W. Alexis: Die Hosen des Herrn von Bredow

H. v. Hoerner: Die Kutscherin des Zaren

Th. Körner: Auswahl

A. Paton: Denn sie sollen getröstet werden

Fontane: Effi Briest

Wieland: Die Abderiten

Timmermanns: Das Licht in der Laterne

Schiller: Sämtliche Dramen

G. Freytag: Die Ahnen
                     Die verlorene Handschrift
                     Soll und Haben

Musäus: Volksmärchen

G. v. Kries: Die Kronacker

Immermann: Der Oberhof

Chamisso: Peter Schlemihl


Scheffler: Geist der Gotik

V. v. Scheffel: Ekkehard

B. v. Münchhausen: Gedichte

Kurhessische Anekdoten

Paul Ernst: Deutsche Geschichten

Kügelken: Jugenderinnerungen

Selma Lagerlöf: Auswahl

Charles Dickens: David Copperfield

H. Melville: Moby-Dick

H. Carossa: Geschichte einer Jugend

J. Gotthelf: Uli der Knecht
                   Uli der Pächter

Brant: Der Aufstand (Diesen Titel konnte ich nicht verifizieren. Vermutlich bezog er sich auf  den Aufstand vom 17.6.1953. Dazu gab es eine Publikation der Bundeszentrale für Heimatdienst, die 1963 in bpb umbenannt wurde.)

Die vorliegende Liste wirkt von heute aus gesehen nach Inhalt und Reihenfolge ungewöhnlich. Ich habe sie damals aber - mit kleinen Ausnahmen - so notiert.
Dass von Goethe nur ein Titel genannt ist, von Hauptmann "Die Weber" nicht, erklärt sich wohl daraus, dass die damals an unserer Schule üblichen Schullektüren nicht aufgeführt wurden, weil es ja Empfehlungen für die Privatlektüre waren.
Eine unwichtige Beobachtung am Schluss: Mir fällt auf, wie viele adlige Autoren genannt wurden.

Samstag, 14. November 2015

"Leerstellen" in literarischen Texten

Eine Erläuterung für ungeübte Leser

Gemeint ist, was "zwischen den Zeilen" steht, also das Unausgesprochene. Aber was unausgesprochen ist, muss man sich in jedem konkreten Fall erschließen. 

Und das heißt 

1. dass man einen Text lesen kann, ohne die vom Autor eingebaute Leerstelle überhaupt zu bemerken, 

2. dass jede Ausfüllung einer Leerstelle je nach Leser unterschiedlich ausfallen kann. (Von unausgefüllt über sehr präzis durchdacht bis zu haltlosen Spekulationen.)

Jetzt ein Beispiel: Wenn ein Autor darüber schreibt, dass ein junger Mann und eine junge Frau gemeinsamen einen erotischen oder gar pornographischen Text lesen, und dann fortfährt 
"An diesem Tage lasen wir nicht weiter ...", dann denkt sich wohl jeder Leser, der zumindest die Pubertät erreicht hat, das Gleiche. Aber nicht jeder Leser erkennt darin schon eine Begründung dafür, dass das Liebespaar in der Hölle ist. Dafür muss man schon wissen, dass zu Dante Alighieris Zeiten die Kirche sehr sexualfeindlich war. Das wissen freilich die meisten Leser ebenfalls. (Wenn dich die Beispielstelle interessiert: http://www.divina-commedia.de/la_divina_commedia/hoelle_005_la_divina_commedia.h...
Wenn in Fontanes "Irrungen Wirrungen" das 12. Kapitel schließt "Und sie schmiegte sich an ihn und blickte mit einem Ausdrück höchsten Glückes zu ihm auf." und das 13. Kapitel beginnt "Beide waren früh auf", dann ist ebenfalls nur ein geringer Interpretationsspielraum.
Aber Leerstellen sind nicht immer so einfach auszufüllen wie bei Auslassungen von Passagen, die als pornographisch aufgefasst werden könnten.
Berühmt sind Schillers Dramenschlüsse: "Dem Manne kann geholfen werden." "Dem Fürsten Piccolomini" "Der Lord lässt sich entschuldigen. Er ist zu Schiff nach Frankreich." (Zum Verständnis des Zusammenhangs musst du eine Suchmaschine heranziehen.) Hier liegt die Leerstelle am Schluss des Textes. Das gilt genauso für die Märchenformel "Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage".
Das muss für den Anfang genügen. Weitere Leerstellen musst du selber suchen.
So viel darf ich dir verraten: Leerstellen sind genau das, was gute Literatur ausmacht und Freude am Lesen erzeugt. Nicht alle Leerstellen freilich, sondern nur die, die nicht trivial ausgefüllt werden müssen.
Und noch eins: Lyrik ist voll von Leerstellen. Deshalb sind Gedichtinterpretationen im Deutschunterricht so beliebt: Weil sie darin schulen, Freude an Literatur zu entwickeln.

Mittwoch, 29. April 2015

WIE VIEL VERKAUFEN DEUTSCHE VERLAGE VON IHREN BÜCHERN?

"Ein durch und durch unseriöses Gewerbe" von Ulrich Greiner, ZEIT 12. Juni 1987

 Hilde Domins „Gesammelte Gedichte“: 1400. Aber Rose Ausländer: 2000. Das ist schon viel. Gerhard Köpfs Roman „Die Erbengemeinschaft“: 3700. Evelyn Schlags Erzählung „Die Kränkung“: gegen 10 000. „Ein Bestseller“, sagt Fritz. Und was ist mit den großen Namen des Verlags, zum Beispiel mit der Horkheimer-Ausgabe? „Zäh, zäh, unter tausend. Ein Buchhändler sagte mir: ‚Die kritische Theorie ist kein Thema mehr.‘“ Um so besser geht es mit der Mann-Familie. Golo Manns „Erinnerungen und Gedanken“: 120 000. Thomas Manns Tagebücher, obwohl der Band 98 Mark kostet: 8000. Fritz zieht das Resümee: „Der Umsatz im Buchhandel steigt, aber wir literarischen Verlage haben alle dieselbe Zielgruppe, und die wird eher kleiner.“ [...]Die Literatur, die Luchterhand immer wieder riskiert, hat es schwer. Beispiel: Die erste Erzählung von Anna Rheinsberg „Marthe und Ruth“: 1750. Und selbst Peter Härtlings Gedichtband „Die Mörsinger Pappel“ verkauft sich nicht berauschend. Härtling, sonst ein Autor von Bestsellern. „Wenn Härtling mit Gedichten zu mir kommt, dann blicken wir beide uns tief in die Augen und wissen Bescheid. Aber ich will nicht behaupten, daß wir Geld daran verlieren.“ Die Auflagen seien nicht kleiner geworden, verglichen mit früheren Jahren, aber die Bedingungen hätten sich geändert, und heute sei es ungleich aufwendiger, ein Buch durchzusetzen. „Das Verlagsgeschäft ist ein durch und durch unseriöses Gewerbe“, sagt Altenhein, „aber ich beklage mich nicht.“ Von der „Rättin“ des Günter Grass hat der Verlag 110 000 Stück verkauft. Von Christa Wolfs Tschernobyl-Erzählung „Störfall“ 175000 [...]
Die Schar der literarisch interessierten Leser ist äußerst begrenzt. Die Zahlen der Verlage sind überraschend ähnlich. Lyrik hat maximal tausend Käufer, neue Romane um die fünftausend. Das lohnt sich für keinen Verlag. Aber die Verlage rechnen mit Überraschungen: daß nämlich plötzlich einer über 10 000 kommt. Und sie kalkulieren mit ihren Bestsellern. Mit den Großen finanzieren sie die Kleinen, damit sie vielleicht groß werden. Das Gewerbe ist deshalb „unseriös“, wie Altenhein sagt, weil man den Bedarf an Schuhen und Kühlschränken ungefähr ausrechnen kann, den an Literatur aber nicht. Der Hersteller eines Kühlschranks kann genau bestimmen, wie der Kühlschrank aussehen soll. Der Verleger aber kann nur drucken, was die Autoren ihm liefern.

Samstag, 10. August 2013

Festgehalten

Weggesperrt (2009) von Grit Poppe (Unterrichtsmaterial) spielt 1988/1989 in der damaligen DDR, Hauptperson eine in einen Jugendwerkhof wegegesperrte 14jährige, für die Rilkes "Panter" zum Schutz wird.

Whistleblower-Skandal 2003

Bei der Berliner Ärztin Jenny de la Torre bekommen Obdachlose nicht nur Pillen (Artikel in Publik-Forum)


Stefan Schulz:

Die Grenzenlosigkeit der Medien und die Grenzen des Journalismus

https://sozialtheoristen.de/wp-content/uploads/2013/05/Mediengrenzen.pdf
„Wahrheit ist [dabei] das tragende Medium intersubjektiver Komplexitätsreduktion“, „Wahrheit
erleichtert die Verständigung und damit die Reduktion der Komplexität, durch die Unterstellung,
dass auch Dritte diese Auffassung für richtig halten würden.“ (Luhmann)
"Tageszeitungsleser wollen für jeden Tag einen Schmöker, der im Buchformat selten 200 Seiten unterschreitet und sie ständig überfordert."

Gerd Theißen: Psychologische Aspekte paulinischer Theologie, 2. Aufl. 1993 (Text bei Sribd.com)
(mehr dazu)

REICHHOLF, Josef: Stadtnatur.http://www.mainz-neustadt.de/lesetipps.pdf Eine neue Heimat für Tiere und Pflanzen, München 2007
Ortsgebundene Brüterkrähen; schweifende Nichtbrüter-Krähen, deshalb größere Gefahr für Kleinvögel.
Wenn man die "falsche" Krähensorte bekämpft, kann man das Gegenteil vom gewünschten Zweck erzielen.

Charlotte Riedel: Ausgetauscht; Rezension zusammen mit Russland Reisen im Norden
Interview; Googlesuche  zum Buch

Harsdörffer: Frauenzimmer Gesprächsspiele

Comburg

Friedlieb Ferdinand Runge (Chemiker)

Der Geschmack von Apfelkernen, Herzsprung

Waldnutzung:
Hutewald
Niederwald
Waldweide
Eichelmast


Folter in Belarus (2011)