Der erste Punkt, wo ich darüber nachdachte, wie stark die Parallelen des Ukrainekriegs zum ersten Weltkrieg seien, war der Stellungskrieg im Osten der Ukraine.
Einig bin ich mit Scholz in Hinsicht darauf, dass der Krieg eine Art von Zeitenwende darstellt; aber nicht so sehr wie der Erste Weltkrieg, denn es ist nicht erst damit der Krieg nach Europa gekommen, vielmehr war schon am Ende des vorigen Jahrhunderts über die Aufteilung Jugoslawiens Krieg entstanden. Und die Nato hat eifrig eingegriffen.
Mit Sicherheit war es nicht Deutschland das Land, dass den Krieg wollte und insofern an ihm schuld war. Mir scheint es gegenwärtig weiterhin so, dass die USA und mit ihr die wichtigen Politiker der Europäischen Union an ihren Zielen festgehalten haben: Ausweitung der EU und Ausdehnung der NATO, ohne zu bedenken, was das alles an Folgen haben könnte.
Es war aber nicht so, dass alle Seiten wie Schlafwandler in den Krieg gegangen wären, sondern der "Westen" war ebenso wie Russland der Meinung, dass er seine Ziele durchsetzen könne, ohne dabei unerträgliche Verluste zu erleben.
Die Krisen und Kriege auf dem Balkan vor dem Ersten Weltkrieg könnte man mit der Situation von 2014-2022 vergleichen. Alles schienen relativ begrenzt zu sein, von Deutschland aus gesehen in der Ferne "wenn hinten fern in der Türkei die Völker aufeinander schlagen" (Goethe: Faust I, Osterspaziergang)
Der übertriebene Optimismus nach der Einigung mit Gorbatschow war nicht gerechtfertigt: Weder der Gedanke, es käme "Das Ende der Geschichte" noch die Formel "Wir sind umzingelt von Freunden" hat zugetroffen. Das Ende der Geschichte war eine Illusion und Verkennung der damaligen Situation, die fast jeder erkennen konnte. Die Formel "umzingelt von Freunden" schien eine Friedensdividende möglich zu machen, ohne dass man dafür größere Anstrengungen machen müsste. Das war ein verhängnisvoller Irrtum.
Dabei hätte man sehen müssen, dass die Veränderung nur die Konfrontation der Blöcke beseitigte, aber kein einziges Problem der übrigen Welt.
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