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Freitag, 25. Juni 2021

Funde von anonymen Gräbern in Kanada

Erneut Hunderte anonyme Gräber in Kanada entdeckt Spiegel online 24.6.2021

In Kanada sind auf einem Gelände in der Nähe eines früheren katholischen Internats für Kinder von Ureinwohnern erneut Hunderte anonyme Gräber entdeckt worden. So viele nicht gekennzeichnete Gräber seien bislang noch nie gefunden worden, erklärten die indigene Gemeinschaft Cowessess und die Föderation souveräner indigener Nationen (FSIN) am Mittwoch.[...] 

In Kanada waren ab 1874 rund 150.000 Kinder von Ureinwohnern und gemischten Paaren von ihren Familien und ihrer Kultur getrennt und in kirchliche Heime gesteckt worden, um sie so zur Anpassung an die weiße Mehrheitsgesellschaft zu zwingen. Viele von ihnen wurden in den Heimen misshandelt oder sexuell missbraucht. Nach bisherigen Angaben starben mindestens 3200 dieser Kinder, die meisten an Tuberkulose. [...]"

Geschärftes Bewusstsein für heutigen Rassismus führt dazu, dass auch Rassismus aus früheren Zeiten mehr Aufmerksamkeit findet. Aus dem damaligen Dominion Australien ist seit langem bekannt: "Zehn bis dreißig Prozent aller Aborigines-Kinder waren betroffen." (Wikipedia) von der Zwangsentfernung aus ihren Familien, um sie ihrer Ursprungskultur zu entfremden. Entsprechendes geschah - in kleinerem Umfang - schon Jahrzehnte zuvor im Dominion Kanada. 

Darauf habe ich - gestützt auf die NYT - bereits 2015 hingewiesen. (Damals habe ich nicht mit auf  den weit umfassenderen Vorgang in Australien aufmerksam gemacht.)


"Ich weiß, was sie erlitten, bevor man sie vergrub" Von 

DIE ZEIT 30. Juni 2021

"Chief Dominique Rankin wurde 1955 in eine Missionsschule gezwungen. Nach dem Fund der toten indigenen Kinder in Kanada holen ihn die Erinnerungen ein.
Eigentlich dachte er, die Vergangenheit liege hinter ihm. Vor wenigen Monaten, bevor die Nachrichten über die Leichenfunde kamen, erschien seine Biografie auf Englisch. Chief Dominique Rankin, Häuptling und Sohn eines Häuptlings, erzählt in dem Buch "They Called Us Savages" ("Sie nannten uns Wilde"), wie er eine Missionsschule in Quebec überlebte. Solche Schulen zur Umerziehung der Indigenen gab es in ganz Kanada. Als vergangene Woche 751 anonyme Gräber auf dem Gelände einer ehemaligen "Residential School" in Saskatchewan entdeckt wurden, bat die ZEIT Chief Rankin um ein Gespräch. Die Zusage kam prompt. Doch um zu verstehen, was damals geschah, muss man zunächst in das Jahr 1955 zurückgehen, von dem auch im Buch erzählt wird.

Es war ein gewöhnlicher Sommermorgen, als plötzlich die beiden Beamten bei uns zu Hause erschienen. Ich war acht Jahre alt, und manche Erinnerungen an diesen Schmerzenstag sind verblasst, doch deutlich sehe ich noch den Offizier der Royal Canadian Mounted Police und den Mann von der Behörde für Indianische Angelegenheiten vor mir. Sonst kamen sie wegen der Erwachsenen, aber diesmal verkündeten sie unseren Eltern: "Mr. und Mrs. Rankin, wir haben Befehl, sechs Ihrer Kinder in das neue Schulheim Saint-Marc-de-Figuery zu bringen. Wenn Sie sich weigern, verstoßen Sie gegen das Gesetz." Unsere Tränen halfen nichts. Meinen machtlosen Eltern wurde damals das Kostbarste geraubt, was sie noch besaßen: ihre Kinder. Und schon sitzen wir im Bus, zusammengepfercht, unterwegs ins Unbekannte. [...]"

Samstag, 8. August 2015

"Kultureller Völkermord" in Kanada

Canada’s Forced Schooling of Aboriginal Children Was ‘Cultural Genocide,’ Report Finds New York Times 2.6.2015
The commission published a summary version on Tuesday of what will ultimately be a multivolume report, documenting widespread physical, cultural and sexual abuse at government-sponsored residential schools that Indian, Inuit and other indigenous children were forced to attend. [...] The report linked the abuses at the schools, which came to broad public attention over the last four decades, to social, health, economic and emotional problems affecting many indigenous Canadians today. It concluded that although some teachers and administrators at the schools were well intentioned, the overriding motive for the program was economic, not educational.
“The Canadian government pursued this policy of cultural genocide because it wished to divest itself of its legal and financial obligations to aboriginal people and gain control over their lands and resources,” the report said. “If every aboriginal person had been ‘absorbed into the body politic,’ there would be no reserves, no treaties and no aboriginal rights.”