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Mittwoch, 14. Oktober 2026

Was bedeutet es, wenn man die Weimarer Republik als "Zwischenreich" bezeichnet?

 https://lisa.gerda-henkel-stiftung.de/zu_gast_bei_lisa_weimarer_republik_ute_daniel?newsletter=1

Zur Information über die von Ute Daniel im Video vertretenen Thesen:

Prompt: Weshalb wurde die Weimarer Republik als "Zwischenreich" bezeichnet und ist das heute noch sinnvoll?

Die Bezeichnung der Weimarer Republik als „Zwischenreich“ (oder auch als Epoche im „Zwischenraum“) speist sich aus zwei unterschiedlichen historischen und geschichtswissenschaftlichen Perspektiven:

1. Warum wurde sie so genannt (oder verstanden)?

  • Aus zeitgenössischer Sicht der Akteure: Für viele Zeitgenossen der Zwischenkriegszeit – insbesondere in den elitären Kreisen von Justiz, Verwaltung, Militär und großen Teilen des Bürgertums – war die Republik keineswegs als dauerhafte Staatsform gedacht. Sie wurde oft als bloßer Betriebsunfall der Geschichte, als „Zwischenphase“ oder „Übergangslösung“ nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wahrgenommen. Man trauerte dem alten Kaiserreich nach oder sehnte andere autoritäre Modelle herbei. Die Demokratie hatte für viele Eliten keine eigene Legitimation, sondern galt nur als provisorischer Lückenbüßer, bis man zu einer „ordnungsgemäßen“ (häufig obrigkeitsstaatlichen) Ordnung zurückkehren könne.

  • Aus historisch-analytischer Sicht: Neuere geschichtswissenschaftliche Debatten (wie die von der Historikerin Ute Daniel geprägte Formulierung) greifen den Begriff auf, um zu verdeutlichen, wie die damaligen Akteure agierten: Sie betrachteten das System als ein fragiles, vorübergehendes „Zwischenreich“ zwischen dem alten Kaiserreich und einer noch ungewissen Zukunft. Genau diese innere Distanz und das ständige Warten auf ein Ende trugen maßgeblich dazu bei, dass die Institutionen von innen heraus ausgehöhlt wurden.

2. Ist das heute noch sinnvoll?

  • Als historiographischer Begriff (Ja): Es ist analytisch sinnvoll, um die Mentalität der damaligen Zeit zu begreifen. Wenn politische Eliten, Parteien und Verbände einen Staat von Anfang an nur als auf Zeit angelegt oder als „System ohne Alternative“ im negativen Sinne betrachten, fehlt die fundamentale Loyalität (der „Verfassungspatriotismus“), die eine Demokratie stabil hält.

  • Als Gegenwartsanalogie (Nur mit großer Vorsicht): In aktuellen politischen Debatten wird oft gewarnt, wir befänden uns wieder in „Weimarer Verhältnissen“. Solche Vergleiche greifen jedoch meist zu kurz. Die Bundesrepublik Deutschland unterscheidet sich grundlegend von der Weimarer Republik: Sie besitzt eine gefestigte, streitbare Demokratie, ein stabiles Verfassungsgericht, breite gesellschaftliche Verankerung und ist in westliche Bündnisse eingebunden.

Der Begriff „Zwischenreich“ taugt daher heute kaum noch als treffende Beschreibung für unsere aktuelle staatliche Ordnung. Er bleibt jedoch ein wertvoller historischer Seismograf, der daran erinnert, wie schnell eine Demokratie scheitert, wenn ihre Eliten und Bürger sie insgeheim nur als entbehrliches Intermezzo betrachten.

Sieh auch das Verständnis von 1. und 2. Weltkrieg als ein zusammenhängendes Kriegsgeschehen.

Meine persönliche (Fontanefan) Einschätzung ist, dass sowohl die Bezeichnung der Weimarer Republik als "Zwischenreich" als auch das Verständnis von 1914-45 als zusammenhängendes Kontinuum zwar heuristisch anregend sein können, aber durchaus ungeeignet sind, die historischen Zusammenhänge zu beschreiben.

Es ist richtig, dass die konservativen Eliten die Republik nicht anerkennen wollten, aber dass Thomas Mann, der kurz zuvor noch die "Betrachtungen eines Unpolitischen" abgeschlossen hatte, die Republik so deutlich begrüßte, spricht dafür, dass wirklich ein Neubeginn stattgefunden hat. Vollends, die Republik als "Zwischenreich" vor dem "Dritten Reich" zu bezeichnen, bedeutet eine zu große Annäherung an Naziterminologie. 

Der Vergleich der Bundesrepublik von 1949 bis 2026 (bisher 77 J.) mit so viel kurzfristigeren Erscheinungen wie 2. Kaiserreich (48 J.), Weimarer Republik (14 J.) und NS-Zeit (12 J.) ist nahezu grotesk und spiegelt eher die Ambitionen der AfD als die politische Wirklichkeit seit dem 2. Weltkrieg wieder. 


Donnerstag, 28. Mai 2026

Zur Schuldfrage am 1. Weltkrieg

 Clark ist ein hervorragender Historiker. Aber wenn er von "Schlafwandlern" spricht, die nicht wussten, was sie taten, meint er damit nicht, dass alle unschuldig waren.

Vor dem Krieg war aufgrund der gegenseitigen Spannungen auf vielen Seiten das Gefühl, dass es so nicht lange weitergehen könne. ("Besser eine Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.")

Man hatte die Erfahrung gemacht, dass Kriege Lösungen herbeiführten: Das Zeitalter der napoleonischen Kriege wurde durch den Sieg der Alliierten über Napoleon beendet und es begann eine Zeit der Zusammenarbeit in der "Heiligen Allianz". Die wurde durch die Revolutionen von 1848 gestört, aber nach deren Niederschlagung war wieder Ruhe und viele Revolutionäre gingen nach Amerika. Als dann aber der alte deutsch-französische Gegensatz wieder aufbrach, sorgte der Sieg Deutschlands über Frankreich wieder für eine Ruhezeit.

Kriege schienen Problemlösungen zu bringen. (Im Nachhinein ist klar, dass das eine schiefe Sichtweise war, aber man konnte so denken.)

Als die Spannungen auf dem Balkan zunahmen, als die Kolonialmächte sich über ihren Eroberungen zerstritten, als die allgemeine Spannung zunahm und Deutschland in Rivalität gegen Großbritannien auftrat (vorher galt: Großbritannien war nach dem Sieg über Napoleon nur am Gleichgewicht der Kräfte interessiert, so lange die anderen Mächte ihr Empire nicht störten), als die Spannungen also unerträglich zunahmen, entstand das Gefühl, es müsste wieder zu einer Klärung kommen.

Dass darüber etwas, was es noch nie gegeben hatte, der erste Weltkrieg der Geschichte entstehen würde, sahen die Wenigsten voraus (fast alle "Schlafwandler"), aber sie waren nicht ganz unschuldig. Jeder wollte seine eigene Sicherheit. Und das ging schief.

Der Frieden nach dem Ersten Weltkrieg sorgte aber nicht für eine lange Ruhephase wie die vorigen Kriege, sondern für furchtbare Zerstörungen und führte zum Zweiten. Da war es wichtig, dass ein deutscher Historiker sagte: Wir Deutschen waren nicht unschuldige Opfer der Niederlage im Ersten Weltkrieg und des Versailler Friedens, dessen Bekämpfung Hitler ermöglichte, den nächsten Krieg anzuzetteln. Die deutschen Regierungen wollten ihre Interessen wahren und haben dafür den Krieg in Kauf genommen, von dem sie meinten, er könne - wie im Krieg von 1870/71 - gut für sie ausgehen. Insofern waren sie schuld am Krieg.

Und gut war, dass ein neutraler (australischer) Historiker sagte: Die Deutschen waren nicht die Einzigen, die einen Krieg in Kauf genommen haben.

So allgemein gesehen haben beide Recht und du mit der Vermutung "Deutschland war schuld" natürlich auch. Wie die internationale Historikergemeinschaft über die Phase vor dem Ersten Weltkrieg in 20 und in 50 Jahren urteilen wird, brauchen wir nicht zu wissen.

Wenn andere sagen: Deutschland hatte nicht die Alleinschuld und du der Meinung bist, Deutschland war am Krieg schuld, passt das gut zusammen. Hauptsache, niemand behauptet, Erzherzog Franz-Ferdinand war schuld, weil er sich hat ermorden lassen.

Mittwoch, 17. September 2025

Wirklich kurz vor einem möglichen Weltkrieg?

"[...] In comments to the media in Russia  last Thursday — one day before the Biden-Starmer meeting at the White House — Russian President Vladimir Putin made it clear that any lifting of the restrictions on Ukrainian use of U.S.- and U.K.-provided long-range weapons would change “the very essence of the conflict.”  He said:

“This will mean that NATO countries, the United States, European countries are fighting Russia. And if this is the case, then…we will make appropriate decisions in response to the threats that will be posed to us.”

Kremlin spokesperson Dmitry Peskov, speaking after Putin’s announcement, noted that the Russian president’s words were “extremely clear” and that they had reached their intended audience — U.S. President Biden. 

Biden didn’t seem happy about the message. In responding to a question from reporters prior to his meeting with Prime Minister Starmer at the White House about what he thought about Putin’s warning, Biden snapped angrily, “I don’t think much about Vladimir Putin.”[...]"


 https://consortiumnews.com/2024/09/19/scott-ritter-72-hours/?eType=EmailBlastContent&eId=f5a0c01f-61fe-4ded-a19f-242a75641225