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Mittwoch, 5. März 2025

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Nelson Mandela und Öcalan?

Gemeinsamkeiten:

Kampf für Selbstbestimmung:

  • Sowohl Mandela als auch Öcalan führten Kämpfe für die Selbstbestimmung ihrer Völker. Mandela kämpfte gegen die Apartheid in Südafrika, während Öcalan sich für die Rechte der kurdischen Bevölkerung in der Türkei einsetzte.
  • Haftstrafen:
    • Beide verbrachten lange Haftstrafen aufgrund ihres politischen Engagements. Mandela war 27 Jahre inhaftiert, Öcalan ist seit 1999 inhaftiert.
  • Symbolfiguren:
    • Sie wurden zu Symbolfiguren für ihre jeweiligen Befreiungsbewegungen und genießen große Unterstützung in ihren Gemeinschaften.
  • Friedensbemühungen:
    • Sowohl Mandela als auch Öcalan haben in späteren Phasen ihres politischen Wirkens Friedensbemühungen unternommen und zu einem Dialog aufgerufen.
  • Unterschiede:

    • Historischer Kontext:
      • Mandela kämpfte gegen ein Apartheidregime, das international geächtet war. Öcalan führte einen bewaffneten Kampf gegen einen NATO-Staat, was seine Situation komplexer machte.
    • Methoden des Kampfes:
      • Während Mandela sich in späteren Jahren seines Kampfes auf friedliche Methoden konzentrierte, war Öcalan lange Zeit Anführer einer bewaffneten Organisation.
    • Internationale Anerkennung:
      • Mandela genoss breite internationale Anerkennung und Unterstützung. Öcalan ist international umstritten und wird von einigen Staaten als Terrorist eingestuft.
    • Politische Systeme:
      • Mandela kämpfte gegen ein System der Rassentrennung welches international verurteilt wurde. Öcalans Kampf findet in einem Staat statt, der sich selbst als Demokratie bezeichnet.
    • Ausgang des Konflikts:
      • Mandela wurde nach seiner Freilassung Präsident von Südafrika und trug maßgeblich zur friedlichen Überwindung der Apartheid bei. Der Konflikt um die kurdische Frage in der Türkei ist bis heute nicht gelöst.

    Es ist wichtig zu betonen, dass die Situationen in Südafrika und der Türkei sehr unterschiedlich sind und dass ein direkter Vergleich zwischen Mandela und Öcalan daher schwierig ist. (gemini)

    Meiner Meinung nach betont gemini manche Unterschiede.

    Entscheidend ist freilich, dass der Konflikt um die Situation der Kurden längst nicht ausgestanden ist und dass die Kurden in der Türkei nur eine Minderheit sind, während die Schwarzen in der Republik Südafrika in der Mehrheit waren, so dass Öcalan nicht erreichen kann, dass Erdogan zurücktritt und er Präsident der Türkei wird.


    Mittwoch, 8. Februar 2023

    Hilfsorganisationen fordern Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Syrien, damit sie nicht die Erdbeben-Nothilfe blockieren.

     "Hilfsorganisationen fordern die sofortige Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Syrien, da diese die Nothilfe nach dem verheerenden Erdbeben blockieren. Die Sanktionen träfen schon „seit Jahren die Bevölkerung schwer“, erklärt der Generalsekretär des Middle East Council of Churches (MECC); ihretwegen komme nun aber auch noch die kirchliche „Erdbebenhilfe nicht in Syrien an“. Der Leiter des syrischen Roten Halbmonds berichtet, sanktionsbedingter Treibstoffmangel verhindere, dass genug Hilfskonvois in das syrische Erdbebengebiet aufbrechen könnten. Die Sanktionen werden bereits seit Jahren von Hilfsorganisationen wie der Caritas scharf kritisiert, weil sie Armut und Hunger im Land eskalieren lassen. In Syrien sind, da Nahrungsmittelimporte wie auch die Einfuhr etwa von Dünger und Geräten für die Landwirtschaft sanktionsbedingt kaum noch möglich sind, laut Angaben des World Food Programme zwölf von 22 Millionen Einwohnern Nahrungsmittelunsicherheit ausgesetzt. Statt die Sanktionen aufzuheben, verlangt Außenministerin Annalena Baerbock, Grenzübergänge in Nordsyrien zu öffnen – und macht sich so das Erdbeben zunutze, um eine alte westliche Forderung durchzusetzen. [...]"

    german foreign policy 8.2.23

    Mittwoch, 17. August 2022

    Türkischer Wasserkrieg gegen Kurden in Syrien?

     "[...] Im Nordosten Syriens dreht die Türkei den Menschen das Wasser ab, zerbombt Olivenhaine und setzt Felder in Brand. Sie treibt die mehrheitlich kurdische Bevölkerung in die Flucht. [...]

    Rojava (deutsch „Westkurdistan“), das von der Autonomen Administration von Nord- und Ostsyrien (Aano) regiert wird, ist für seine soziale Revolution bekannt. Nachdem sich das Gebiet vom syrischen Regime Baschar al-Assads für unabhängig erklärt und 2015 den „Islamischen Staat“ (IS) besiegt hatte, entstand ein neues Gesellschaftsmodell. Es beruht auf lokalen Räten und Werten wie Ökologie, Feminismus und Demokratie. Diese Errungenschaften sind jedoch durch die Krise und die Dürre bedroht.

    „Seit die Türkei die Wassermenge flussaufwärts verringert, haben wir nicht mehr genug, um unsere Felder zu bewässern und leiden unter Stromausfällen, manchmal an zehn aufeinanderfolgenden Tagen“, erzählt Mhessen. Eine Pumpstation sei einige Wochen zuvor bombardiert worden: Jedes Mal, wenn Leute aus dem Dorf gekommen seien, um sie zu reparieren, seien sie unter Beschuss pro-türkischer Kräfte geraten. Die örtlichen Behörden baten Russland um Hilfe, das einen 2019 in Kraft getretenen Waffenstillstand zwischen der Autonomen Administration und der Türkei durchsetzen soll.

    Wasser ist zur Waffe geworden, und Mhessen leidet unter den Folgen. Seine Felder sind nicht mehr bebaubar. Er überlebt nur noch dank seines Traktors, mit dem er den Boden anderer Bauern bestellt. Ein Besuch am Khabour-Fluss, der aus der Türkei abfließt und die Stadt versorgt, bestätigt seine Aussagen: Dort gibt es nichts als stehende Pfützen und leerlaufende Pumpen entlang der ausgetrockneten Ufer. [...]"

    (Der Umweltkrieg gegen die Kurden Von: Philippe Pernot FR 16.8.22)


    Sonntag, 8. August 2021

    Waldbrände im Süden

     Türkei: FR 1.8.21: "Als die Feuerfront am Samstag beim türkischen Badeort Bodrum über die Hügel auf die Küste zurollte, mussten Hunderte Touristinnen und Touristen in höchster Eile ihre Hotels räumen. Aber alle Fluchtwege waren abgeschnitten. Dichte Rauchwolken verdunkelten die Sonne. Verzweifelt suchten die Menschen Zuflucht an den Stränden. Mit Patrouillenbooten der Küstenwache konnten sie übers Meer in Sicherheit gebracht werden. " 

    Griechenland: FR 4.8.21: "Trotz des massiven Einsatzes von Löschflugzeugen griff der an vier Fronten tobende Brand am Abend auf Wohngebiete im Norden Athens über. Vier Ortschaften mussten evakuiert werden. Die Zivilschutzbehörde forderte mit SMS-Nachrichten und akustischen Handy-Warnungen Bewohner in den gefährdeten Gebieten zum Verlassen ihrer Häuser auf."

    Griechenland FR 8.8.21: "Die Tatoiou-Straße, die sich von Varibobi im Norden Athens die Hänge des Parnes-Massivs hinaufschlängelt, führt in eine Mondlandschaft. Beiderseits des Wegs abgebrannte Wälder, soweit der Blick reicht. Schwarze Baumgerippe ragen in den Himmel, ein grauer Ascheteppich bedeckt den Boden. Immer wieder sieht man verkohlte Tierkadaver und ausgeglühte Autowracks. So groß war die Hitze des Feuers, dass die Leichtmetallfelgen der Autos geschmolzen und zu silbernen Rinnsalen erstarrt sind. [...] Beißender Brandgeruch liegt in der Luft. [...] Ein roter Erickson-Löschhubschrauber kreist wie ein riesiges Insekt über dem Brandgebiet. Die Piloten halten Ausschau nach Brandnestern, die der Wind jederzeit wieder anfachen könnte. Am Boden patrouillieren Feuerwehrleute und das Militär.[...] Bisher hat ein Mensch in den Feuerkatastrophen sein Leben verloren: Bei Athen wurde ein 38-jähriger freiwilliger Helfer von einem umstürzenden Strommast erschlagen. Dass es nicht mehr Opfer gab, ist vor allem dem griechischen Alarmsystem zu verdanken. Man verlässt sich nicht auf altertümliche Sirenen. Alarmmeldungen werden über SMS und mit unüberhörbaren akustischen Signalen auf die Mobiltelefone verschickt. So können die Menschen lokal gezielt vor drohenden Gefahren gewarnt und zur Evakuierung aufgefordert werden. [...] 

    39 Dörfer im Norden von Euböa wurden bereits evakuiert, am Sonntag mussten die Menschen aus drei weiteren Ortschaften ihre Häuser verlassen. Wieder wurden, wie schon an den Tagen zuvor, Tausende Menschen an den Stränden von Fischerbooten, Fähren und Schiffen der Küstenwache aufgenommen, weil es keine anderen Fluchtwege mehr gab. Mütter umklammerten ihre Babys, junge Leute halfen Alten und Gebrechlichen in die Boote.# Fanis Spanos, der Regionalgouverneur, spricht von einer „unfassbaren Katastrophe“. [...]  Auf der Halbinsel Peloponnes waren die Brände am Sonntag ebenfalls nicht unter Kontrolle. Riesige Feuerfronten fraßen sich von Olympia ins dicht bewaldete Arkadien. Auch südlich der Stadt Megalopolis und in der Region Mani tobten große Brände. „70 Prozent unsere Region sind zerstört“, sagte die Vizebürgermeisterin des Ortes Ost Mani, Eleni Drakoulakou, „wir erleben eine biblische Katastrophe“. [...]"

    Donnerstag, 30. April 2020

    Amnesty International über die Situation auf Lesbos und an der türkisch-griechischen Grenze

    Griechenland, Insel Lesbos, Camp Moria, April 2020 Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist das größte Flüchtlingslager Europas. Ursprünglich für 3.000 Menschen ausgelegt, leben dort mittlerweile über 20.000 Menschen. Viele Afghanen, aber auch Syrer und Geflüchtete aus Subsahara-Afrika. Die meisten hausen im sogenannten Dschungel, einer chaotischen Zeltstadt. Sie wächst außerhalb des Camps unkontrolliert und dehnt sich mit jeder Ankunft neuer Flüchtlinge noch weiter in die umliegenden Olivenhaine aus. Schon vor der Corona-Pandemie waren die Bedingungen für Asylsuchende im »Dschungel« unerträglich. Die hygienischen Bedingungen machen das Lager anfällig, sagen nun Ärzte und Hilfsorganisationen. In einigen Teilen von Moria gebe es nur einen Wasseranschluss für bis zu 1.300 Menschen. Und immer wieder sei er defekt. Für Hunderte steht nur eine Toilette zur Verfügung, fünf, sechs Personen schlafen mitunter auf drei Quadratmetern. Bei der Essensausgabe, am Wasserhahn, vor den Toiletten, überall heißt es: Schlange stehen. Ständig. Stundenlang. Dicht gedrängt. Die griechischen Behörden haben auf die drohende CoronaAusbreitung im Lager reagiert, sie schränkten die Bewegungsfreiheit ein und verhängten strikte Hygienemaßnahmen. Wie aber sollen die eingehalten werden? »Einen Corona-Ausbruch kann man in den beengten Lagern kaum aufhalten. Wir dürfen nicht zulassen, dass Frauen, Männer und Kinder in diesen menschenunwürdigen Bedingungen allein gelassen werden. Sie müssen sofort evakuiert werden«, sagt Franziska Vilmar, Expertin für Asylpolitik bei Amnesty International. Viele der Geflüchteten zählen zu den Covid-19-Hochrisikogruppen. Schweres Asthma und andere Atemwegserkrankungen, Herzfehler und Diabetes sind weit verbreitet. Die erbärmlichen Lebensbedingungen verursachen außerdem Durchfall und Hauterkrankungen. Chronischer Stress und Angst schwächen das Immunsystem. »Noch gibt es keine Infektionsfälle in Moria«, berichtet Apostolos Veizis von Ärzte ohne Grenzen in Griechenland. »Eine Ausbreitung des Virus im Camp wäre verheerend. Auf Lesbos gibt es in der Klinik gerade mal fünf Plätze auf der Intensivstation mit Beatmungsmöglichkeiten«, sagt der Mediziner. »Aber auch die Lockdown-Maßnahmen im Camp bedeuten für die Menschen: weniger Versorgung, weniger Bewegungsfreiheit, mehr Angst und Stress.« Sexuelle Übergriffe häuften sich ebenso wie Gewalt in Familien und Schlägereien zwischen Geflüchteten. Vor wenigen Tagen sei ein 16-jähriger Afghane erstochen worden, berichtet Veizis. Der Ausnahmezustand ist Alltag. Hinzu kommen Anfeindungen: Selbsternannte Bürgerwehren stecken Flüchtlingseinrichtungen in Brand, blockieren Krankentransporte, attackieren Flüchtlinge, Journalisten und Helfer."
     (AI Journal Mai/Juni 2020, S.13)

    "Als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan Ende Februar das Signal zur Grenzöffnung gibt, strömen Tausende in der Türkei festsitzende Flüchtlinge und Migranten voller Hoffnung zur griechischen Grenze. Dort löst sich ihr Traum von Europa auf im Nebel der Tränengasgranaten, die ihnen griechische Polizisten und EU-Grenzschützer entgegenfeuern. Statt Asyl erwartet die Flüchtenden griechische Polizeigewalt. Von hinten treiben türkische Polizisten sie weiter in Richtung EU. Mindestens zwei Männer sterben nach Angaben von Amnesty International, weil griechische Grenzbeamte mutmaßlich scharf schießen. Jene, die es über die Grenze schaffen, kommen in Abschiebehaft. Griechenland setzt vorübergehend das Asylrecht aus – eine völkerrechtswidrige Entscheidung. Rund 2.000 Schutzsuchende geben nicht auf. Sie harren im Niemandsland aus, während sich das Virus in Europa weiter ausbreitet. Ihre letzte Hoffnung stirbt, als die EU wegen der Corona-Epidemie das humanitäre Aufnahmeprogramm für syrische Flüchtlinge stoppt und auch die Türkei ihre Grenzen zu Griechenland wieder schließt. Reza, ein junger Iraner, berichtet deutschen Medien von den Lebensbedingungen der geflüchteten Menschen am Grenzübergang: »Es war eine Katastrophe – für uns alle. Die ersten Tage gab es Essen, aber danach nicht mehr. Wir durften nicht mehr rausgehen, um uns selbst zu versorgen. Es gab keine Arzneimittel, nichts … So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Ich war in Iran im Gefängnis, aber selbst dort war es besser als in Pazarkule.«
    Ende März räumen türkische Soldaten die Lagerstätten am Grenzübergang. Sie zwingen die verbliebenen Menschen in Busse und transportieren sie in weit entfernte Containersiedlungen im Hinterland. Das geschehe nur, um die Ausbreitung von Corona einzudämmen, erklärt das türkische Innenministerium. Innenminister Süleyman Soylu sagt dem türkischen Fernsehsender NTV, 5.800 Migranten seien in »Repatriierungszentren in neun unterschiedlichen Provinzen« gebracht worden. Dort stünden sie zwei Wochen unter Quarantäne." (AI Journal Mai/Juni 2020, S.14)

    In den Flüchtlingslagern in der Türkei und Griechenland herrschen unhaltbare Zustände. Es ist die Verantwortung der Mitglieder der EU zu verhindern, dass es im Zuge von COVID-19 dort zu Massensterben kommt.

    Samstag, 25. Januar 2020

    Warum verstehen sich "die Türken" nicht mit "den Syrern"?

    Eine Frage, wie sie ähnlich zu vielen Konflikten gestellt werden könnte. 
    Eine höchst unvollständige und grob vereinfachende Antwort darauf  habe ich auf  gutefrage.net gegeben. Hier folgt sie (um sie dem anderen Kontext anzupassen in leicht veränderter Form).
    Es ist kein Wunder, dass einfache Antworten so beliebt sind.
    Das Problem ist nur, dass sie meist nichts erklären, sondern nur neue Missverständnisse hervorrufen.

    Die Kurzantwort ist: Es gibt eine EU. 
    Dem Nahen Osten wäre eine ähnlich Staatengemeinschaft zu wünschen. (Braucht es - wie bei uns in Europa - weitere Millionen von Opfern, bis es dazu kommt?)

    Ein wenig ausführlicher:

    Es geht nicht um das Verhältnis der Menschen zueinander, sondern um das der Staaten und ihrer Regierungen.
    In der Türkei und in Syrien leben Kurden, die gern in einem gemeinsamen Staat leben würden, ohne unterdrückt zu werden. Weil Erdogan verhindern will, dass Kurden in der Türkei und Kurden in Syrien sich gemeinsam gegen Unterdrückung wehren, will er die syrischen Gebiete, wo Kurden leben, unter seine Herrschaft bringen, damit sie alle von ihm abhängig sind. (Das ist grob vereinfacht, die genaueren Zusammenhänge kann man in der Wikipedia nachlesen.)
    Die Belgier sind immer wieder von Deutschland aus angegriffen worden, obwohl z.B. Großbritannien sich sehr darum bemüht hat, das zu verhindern. Dass diese feindschaftliche Beziehung (genauso wie der deutsch-französische Gegensatz) beendet worden ist und nicht mehr zu Kriegen führt, danken wir der Gründung der Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl von 1951 und ihrer Weiterentwicklung zur EU. Bis es dazu gekommen ist, kam es zu Millionen von Opfern auf beiden Seiten. Und das ohne die Einmischung fremder Staaten, die - wie in Syrien - sehr unterschiedliche Interessen vertreten.
    Dem Nahen Osten wäre eine ähnlich Staatengemeinschaft wie die EU zu wünschen. Übrigens hat es schon einen Versuch gegeben, solch eine Staatengemeinschaft zu entwickeln, die Vereinigte Arabische Republik. Weshalb dieser Versuch gescheitert ist, kann man dort nachlesen.
    Übrigens gab es bereits einmal eine gemeinsame Regierung für diesen und sogar einen noch größeren Raum: das Osmanischen Reich. Weshalb es im 1. Weltkrieg untergegangen ist und was darauf folgte, wäre ein eigenes Kapitel.
    Es gibt leider 1000 Gründe dafür, dass es immer wieder zu Kriegen kommt, und dafür, dass Kriege verhindert werden, muss noch weit mehr getan werden. Die Konferenz zu Libyen ist nur ein Beispiel dafür, wie schwierig das ist und wie viele unterschiedliche Interessen unter einen Hut gebracht werden müssen, um Konflikte zu beenden.

    Dienstag, 30. Mai 2017

    Was tun?

    Wir erleben einen Veitstanz des globalen Kapitalismus. Und der bringt den Populismus so richtig in Schwung. Von 
    Das ist der Grund, warum es sich lohnt, trotz ihrer gegenwärtig elenden Verfassung für die Idee der Europäischen Union zu kämpfen: In der globalisiert kapitalistischen Welt bietet sie das einzige Modell, das über die Autorität verfügt, nationale Souveränität zu begrenzen und ökologische und sozialstaatliche Standards zu garantieren. Etwas überlebt in ihr, das unmittelbar aus den besten Traditionen der europäischen Aufklärung stammt. [...]"
    Verraten Sie Europa nicht! von Can Dündar, ZEIT 22/2017 24.5.
    " [...] Juncker: "Auf Ihren Wunsch hin verschoben wir den Bericht. Wir dachten, Sie wollen sich mit Europa aussöhnen. Jetzt fühle ich mich hintergangen." 
    Verstehen Sie jetzt, woher Erdoğan seine Macht gegenüber Europa nimmt, warum Europa so lange zu Erdoğans repressiver Politik geschwiegen hat?

    Hätte der Fortschrittsbericht, wäre er früher veröffentlicht worden, einen Einfluss auf die Wahlen gehabt? Wohl kaum. Aber EU-Kommission und Europäischer Rat wären nicht in eine so peinliche Lage geraten. Wer glaubt jetzt noch der Kritik, die sie üben?
    Verehrter Herr Tusk, verehrter Herr Juncker, nach Ihrem Aufschub des Fortschrittsberichts auf Erdoğans Anweisung hin und genau zehn Tage nach Ihrem schmutzigen Deal in Antalya wurde ich verhaftet. Die Protokolle las ich in der Zelle. Es betrübte mich zu sehen, dass Sie bereit sind, Ihre Prinzipien mit Füßen zu treten, wenn es um Ihre Geschäftsinteressen geht. Vor Ihrem nächsten Treffen mit Erdoğan wollte ich Ihnen diese Gespräche ins Gedächtnis rufen. Lassen Sie sich nicht noch einmal hintergehen."

    Donnerstag, 17. November 2016

    Damit es über Trump nicht übersehen wird...

    "Es ist nicht verkehrt zu sagen, der Ort mit der höchsten Alphabetisierungsrate* in der Türkei sei derzeit der Campus genannte Gefängsniskomplex von Silveri, wo die politischen Häftlinge einsitzen. 150 Journalisten und Schriftsteller sind inhaftiert." (Can Dündar)

    Ich weiß nicht, welches türkische Wort hier mit "Alphabetisierungsrate" wiedergegeben wird. Es muss eine sehr anspruchsvolle Art von Lesefähigkeit gemeint sein. Aber der Hinweis ist wichtig: 
    Ein "lupenreiner Demokrat" war Erdogan schon lange nicht mehr, wenn überhaupt. 
    Aber einen solch massiven Angriff auf Meinungsfreiheit erlebt man kaum in den schlimmsten Diktaturen. (Natürlich deshalb, weil sie meist schon vor der Diktatur nicht bestnden hat.)


    Natürlich gibt es auch Lesenswertes zu Trump.

    Montag, 28. September 2015

    Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte

    Flüchtlinge erzählen (UNO-Flüchtlingshilfe)

    Flüchtlinge integrieren: Muslime helfen Muslimen
    "Täglich kommen in Deutschland neue Flüchtlinge an. Laut Schätzungen des Zentralrats der Muslime, sind acht von zehn Neuankömmlingen Muslime. Die islamischen Gemeinden und Verbände in München helfen, sie zu integrieren."

    Türkei schlägt riesige Flüchtlingslager in Syrien vor  ZEIT online 28.9.15
    "Drei Containerstädte mit jeweils 300.000 Einwohnern könnten in einer syrischen Schutzzone entstehen, sagte der türkische Premier Davutoğlu. Die EU müsse sich beteiligen. [...]

    Die neuen Siedlungen sollen in einer Schutzzone im Norden Syriens entstehen, deren Einrichtung die Türkei schon seit Langem fordert.
    Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) solle dazu aus einem etwa hundert Kilometer langen Streifen entlang der Grenze im Norden Syriens vertrieben werden. Anschließend sollten gemäßigte Rebellengruppen das Gebiet kontrollieren, um Vertriebenen die Rückkehr nach Syrien zu ermöglichen.
     Die Zone wäre allerdings auch ein Instrument, um einen von der Türkei befürchteten Kurdenstaat im Norden Syriens zu verhindern. Bisher ist kaum jemand bereit, das türkische Vorhaben zu unterstützen, weil es eine Verletzung der syrischen Souveränität mit sich bringen würde.

    Davutoğlu kritisierte die Pläne der EU, sein Land mit bis zu einer Milliarde Euro in der Flüchtlingskrise zu unterstützen. Brüssel wolle das Geld aus Mitteln nehmen, die für den Beitrittsprozess der Türkei vorgesehen waren. Das lehne er ab. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einigte er sich darauf, eine bilaterale Arbeitsgruppe zum Thema Flüchtlinge einzurichten. Auch Griechenland könne daran teilnehmen."



    Montag, 27. Juli 2015

    Flüchtlinge kommen trotz EU-Abschottungspolitik

    El Periódico de Catalunya - Spanien
    Flüchtlinge kommen trotz EU-Abschottungspolitik 
    Immer mehr Flüchtlinge gelangen über die türkische Hafenstadt Bodrum zu den griechischen Inseln Kos und Lesbos, berichtet die linksliberale Tageszeitung El Periódico de Catalunya und sieht darin einen Beleg für die Wirkungslosigkeit der europäischen Einwanderungspolitik: "Die Zahl der Flüchtlinge, die diese Route innerhalb der ersten fünf Monate des Jahres nutzten, stieg um fast 600 Prozent. Diese Zahl zeigt die Unwirksamkeit der europäischen Politik, die sich auf Sicherheit und Abschirmung konzentriert. Es ist eine Politik, die versucht die Türen zu schließen, damit weniger Flüchtlinge angelockt werden. Doch es wird deutlich, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Denn sobald eine Route geschlossen wird, öffnet sich eine neue. Und das liegt daran, dass diejenigen, die nach Europa kommen, so verzweifelt sind, dass sie vor keiner Unannehmlichkeit im Zielland zurückschrecken, weil die Situation immer besser sein wird, als der Krieg, vor dem sie fliehen." (26.07.2015) 

    Freitag, 24. Juli 2015

    Sicht aus den Arabischen Emiraten auf den Konflikt zwischen Türkei und IS

    Al Arabiya - Vereinigte Arabische Emirate
    Außenansicht: Konflikt mit IS gefährlich für Türkei und Nato 
    Nach dem Selbstmordanschlag in Suruç fürchtet der Journalist Aiman Al-Hammad auf dem Nachrichtenportal des Fernsehsenders Al Arabiya aus Dubai, dass die Türkei eine gefährliche Politik gegenüber dem IS betreibt: "In jüngster Zeit ist die Türkei mit ihren Streitkräften überraschend scharf gegen Anhänger des IS vorgegangen. Es scheint, dass dieser Schritt wiederum die Terrororganisation zum Handeln veranlasst hat. Die Türkei befindet sich daher aktuell in einer gefährlichen Konfrontation mit einem Feind, der Zellen im Inneren der Türkei bilden kann und vom Chaos an der syrisch-türkischen Grenze profitiert. [...]
    » zum ganzen Artikel (externer Link, arabisch)
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    Donnerstag, 2. April 2015

    "Im Moment gehört der Islam nicht zu Deutschland, ..."

    "... er kommt aus der Türkei." Das sagt Eyüp Yildiz, der Bürgermeister von Lohberg, einem Stadtteil von Dinslaken. "Wir brauchen nicht mehr Islamunterricht, wir brauchen einen humanistischen Unterricht, mehr Philosophie, Ethik, Platons Höhlengleichnis."
    So berichtet Moritz von Uslar im Zeitmagazin Nr.9 vom 26.2.15, der während seines Besuchs in Lohberg in 24 Stunden keine Frau ohne Kopftuch gesehen hat.

    Welcher Bürgermeister wird sonst wohl für mehr Philosophie in der Schule eintreten? Wie viele deutsche Bürgermeister kennen das Höhlengleichnis? Wie viele Stadtteilbürgermeister?

    Irgendwie scheint es doch Reibungen zwischen konservativen Türken und liberalem Gesellschaftsverständnis zu geben.
    Freilich, zu Istanbul gehört der Islam ganz gewiss, und die Liberalen in Istanbul haben auch ihre Schwierigkeiten mit Konservativen. Ganz so heftig wie 2013 im Gezi-Park und auf dem Taksim-Platz ist es in Lohberg sicher nicht her gegangen.

    Aber "mehr Plato und Höhlengleichnis", das ist mal ein Wort.

    Twittergespräch vom 3. April mit jeanpol in Bezug auf diesen Artikel:
       @jeanpol Türkischer Bürgermeister wünscht sich mehr Plato und Höhlengleichnis. Was meinst du dazu? http://fontanefansschnipsel.blogspot.de/2015/04/im-moment-gehort-der-islam-nicht-zu.html …
      @Fontanefan Demokrit und Epikur, Voltaire und Popper wären besser. Sehr wichtig ist, dass die "Forderung" nicht von "Deutschen" kommt, 1/2 
      2/2 sondern unbedingt von Bürgern wie Herr Yildiz! Die Aufklärung muss aus der muslimischen Welt selbst kommen...
      @jeanpol "aus der muslimischen Welt" kommt nach der Aussage von Yildiz der Islam, den er als ausgesprochen unaufgeklärt erlebt. 
      @Fontanefan dennoch haben allein Muslims die Autorität, den Islam zu reformieren.
      @Fontanefan und der Bürgermeister ist nicht "türkisch" sondern türkischstämmig, glaube ich. Das ist ein großer Unterschied! LG
      @jeanpol Richtig: türkischstämmig. Die Zuspitzung,dass der zu einem Griechen als Kronzeugen greift, kam mit "türkisch" freilich besser heraus
      @jeanpol Überdies hätte ich dann präzis gesprochen von deutschstämmigen Bürgermeistern, die das Höhlengleichnis nicht kennen,sprechen müssen
      @Fontanefan meine muslimischen Freunde machen einen deutlichen Unterschied zwischen türkisch und türkischstämmig!
      @jeanpol Interessant, wie differenziert das alles ist und wie wenig es in Klischees passt.
      @jeanpol Darf ich unser Gespräch auf meinen Blog und evtl. ins Wiki stellen?
      @Fontanefan Klar!